07 - Seite 465 bis zum Ende (ab Kapitel 19)

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  • Hier könnt Ihr zum siebten und letzten Abschnitt - ab Kapitel 19 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Hallo ihr Lieben,
    lasst euch nicht von mir stören, ich habe das Buch auch gerade gelesen und muss nun die Gelegenheit nutzen, um eine Verständnisfrage zu stellen:


    Warum findet Johanna in dem Pappkoffer den Brief von Sophie an ihre Tochter Marie?
    Am Ende des Buches findet Jules Mutter Rena denselben (?) Brief, bei ihr ist es auch logisch für mich, denn Rena ist ja Maries Tochter und Sophie hat den Brief Marie mitgegeben.


    Aber warum gibt es diesen Brief zweimal?

  • Liebe Dani, in den Zeiten ohne Kopierer haben viele Menschen sehr wichtige Briefe zweimal geschrieben, einen f. den Empfänger und einen für sich selbst. Von Berühmtheiten sind die zum Teiil noch erhalten, von einfachen Leuten oft wohl weniger ... in meinem Romen ist es genauso ... alles Liebe von Teresa :)

  • Hm, ok. Danke für die Erklärung, ich hätte das eher in früheren Zeiten angesiedelt und nicht mehr im 20. Jahrhundert. Ich muss außerdem gestehen, ich kann mir das, in Sophies Situation, nur schwer vorstellen und dann noch diese emotionalen Zeilen, dass sie davon noch eine Abschrift gemacht hat... Für mich passt es nicht, aber nun gut, ich muss es so hinnehmen ;)


    Für mich wäre es auch so aufgegangen, auf der einen Seite der Brief, auf der anderen das Tagebuch ;)

  • Meine älteste Tante hat jeden Brief noch einmal abgeschrieben, den sie an ihren Verlobten im Krieg geschickt hat, auch und gerade, als die britischen Bomben auf München fielen. Die meisten davon sind uns erhalten geblieben, und wir hüten sie als großen Schatz. Von ihrer Freundin, die leider nicht mehr lebt, weiß ich Ähnliches.
    Alles Liebe von Teresa :)

  • Ok, überzeugt ;)
    Vielleicht hätte das im Buch kurz erwähnt werden müssen, für so neumodische Leser wie mich, die sich sonst wundern ;D


  • Liebe Dani, in den Zeiten ohne Kopierer haben viele Menschen sehr wichtige Briefe zweimal geschrieben, einen f. den Empfänger und einen für sich selbst. Von Berühmtheiten sind die zum Teiil noch erhalten, von einfachen Leuten oft wohl weniger ... in meinem Romen ist es genauso ... alles Liebe von Teresa :)


    schon interessant - ich kenne durchaus noch das Wort "Abschrift" und bin ja noch analog sozialisiert worden: ;D


    Bei den Ausführungen hier musste ich dran denken, wie ich vor meinem Studium (ich hab über 2 Jahre erstmal gearbeitet (Büro) viele Briefe mit Durchschlägen tippen musste: Das war immer eine heillose ...., wenn ich mich mal vertippt hatte: Dann musste ich die Korrektur (Tipp-Ex sag ich nur ;D) auch berichtigen... Zuweilen waren es 7 ( :o) ungelogene Durchschläge....


    Das Papier war auch viel dünner, sonst hätt's ja nicht in die Schreibmaschine gepasst; von PC's noch keine Spur....


    Vielleicht habe ich mich gerade oder auch deshalb mit den hübschen Möglichkeiten der Textverarbeitung hier in der digitalen Welt überaus gut anfreunden können ;D :winken:

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)

  • Das ist wirklich spannend ...


    Und, liebe Dani, genau das hätte im Roman NICHT erwähnt werden können, sonst wäre ja vieles von der Spannung verloren gegangen ...


    Ähnlich wie mit dem Stammbaum in "Die Frauen der Rosenvilla", den so viele moniert hatten ... auch das ging leider gar nicht, sonst wäre die ganze Spannung futsch gewesen ...


  • Und, liebe Dani, genau das hätte im Roman NICHT erwähnt werden können, sonst wäre ja vieles von der Spannung verloren gegangen ...


    Ich meinte, am Ende des Romans irgendwo nebenbei, nachdem die Verwandtschaftsverhältnisse schon aufgeklärt sind. Nur als Erklärung für Leser, die sich dieselbe Frage stellen wie ich und die nicht einfach dich in einer Leserunde fragen können ;)
    Ohne deine Erklärung wäre ich nicht auf diese Idee des Brief-Doppels gekommen und hätte es als Plot-Fehler bewertet.


    Aber egal, vielleicht bin ich auch die Einzige, die von dieser Sache irritiert war ;)

  • So, nun meine statements zum letzten aller LA dieses tollen und sehr spannenden Romans:


    Ich wunderte mich, dass Hannes wieder in seine Einheit zurückkehren musste, da er ja doch schwer verwundet war - sehr traurig alles, ein trauriger Abschied...


    Als Sophie Malte von ihrer Schwangerschaft erzählt, fällt auch der Name Bornholt - Delias Mädchenname - und damit ist Johanna Sophies leibliche Tochter!


    Ein inhaltlicher "Schnitzer" zu Ostfront und Galizien: Wenn ich jetzt nicht völlig fehlliege, ist Galizien in Nordspanien - wo aber nie und nimmer die Ostfront war... - vielleicht irre ich mich auch oder habe es falsch verstanden.


    Sophie soll nach Föhr - Moers bietet seine Hilfe an, da es in HH zu unsicher wird - o wie schrecklich: Hannes ist im März gefallen, arme Sophie! (und arme Käthe) - solch' eine Nachricht habe ich mir immer sehr sehr schrecklich vorgestellt - und sie ist vermutlich noch schrecklicher, als ich es mir vorstelle.


    Friedrich ist der nächste, der zu Grabe getragen wird und durch die "Kinderlandtransporte" wird Marie von Sophie getrennt - und fährt ins Erzgebirge: Der Kreis schließt sich!


    Der Brief von Renate ist jener aus dem Specksteindöschen und des Prologs...
    und also sind Jules Großmutter, Renas Mutter und Johanna Schwestern gewesen! Johanna ist also Renas Tante - Jule ihre Großnichte (wenn mich jetzt nicht alles täuscht ;))


    Großes Familientreffen in der Reha-Klinik bei Achim: Jule nimmt diesmal Nils' Geschenk an, schön! (wusste doch, dass sie sich kriegen ;D).


    Ich hatte also Recht; Sophie Terhoven war Johannas Mutter; nicht Sigrid Martens und Volker, der "zum Schweigen Verurteilte", wusste Bescheid. So etwas finde ich immer irgendwie grausam und auch nicht richtig, wie seht ihr das?


    In meiner Familie gab es auch Geheimnisse (und gibt es derzeit), dass nicht alle offen und ehrlich sind und dementsprechend miteinander umgehen. Daraus ergeben sich oftmals keine sehr positiven Entwicklungen - besonders, wenn etwas "zurückgehalten", geheimgehalten werden soll... Vor allem für jene, die "eingeweiht" sind, ist dies fatal, finde ich - aus eigener Erfahrung.


    August 1943, HH:
    Der "schwarze Skorpion" IST Sophies Vater, auch hier lag meine Vermutung wohl richtig. Im Nachhinein kann man auch Delia besser verstehen, von Fee ganz zu schweigen. "Eine Schwäche für die Frauen der Familie Terhoven" hatte er: KEINE wäre mit diesem Scheusal je glücklich geworden!


    Darauf wäre wohl niemand gekommen (ich zumindest nicht) - Lennart Terhoven wechselte (nicht ohne Grund) seine Identität nach 1945 - und wurde zu Theo Holtborn! Hier wird auch eine Tatsache aufgegriffen, die exemplarisch für all jene steht, die sich tatsächlich eine neue Identität beschaffen konnten - und unbeirrt von SS-Positionen z.B. ihre Karriere nach dem Krieg fortsetzen konnten.


    Ein runder Schluss - in sich sehr stimmig, eine wirklich tolle - nein ganz tolle Geschichte um Johanna und Jule - und besonders um Sophie und Hannes und auch um die Einblicke in die Welt der "Kaffeebarone" kurz vor dem 2. WK! Das ALLERBESTE aber: Die brillante Art Teresas, diese Geschichte in Romanform zu bringen - chapeau!


    Das "Sahnehäubchen" ist das historische Nachwort zu "Kaffee", Homosexualität im Dritten Reich und die Geschichte der Stadt Hamburg mit den Bombardierungen.


    Ich denke, der Wunsch von Dir, Teresa - hier einen Teil dazu beizutragen, dass die Aufarbeitung dieses dunkelsten aller deutschen Kapitel weitergeht, ist Dir gelungen! (Noch ein "literarischer Stolperstein")


    Einziges winziges Manko: Manches war für mich ein wenig vorhersehbar - da hätte ich mir vielleicht noch mehr "unerwartete Wendungen" gewünscht... (am Ende)


    Meine Rezension folgt bald; ich schaue natürlich weiterhin in die Runde rein :winken:

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)

    Einmal editiert, zuletzt von Sagota ()


  • Liebe Dani, in den Zeiten ohne Kopierer haben viele Menschen sehr wichtige Briefe zweimal geschrieben, einen f. den Empfänger und einen für sich selbst. Von Berühmtheiten sind die zum Teiil noch erhalten, von einfachen Leuten oft wohl weniger ... in meinem Romen ist es genauso ... alles Liebe von Teresa :)


    ah okay genau diese Frage hatte ich jetzt dann nämlich auch. Daher kommt dann wohl der Begriff "Abschrift" den wir heute noch verwenden ;)


  • Ein inhaltlicher "Schnitzer" zu Ostfront und Galizien: Wenn ich jetzt nicht völlig fehlliege, ist Galizien in Nordspanien - wo aber nie und nimmer die Ostfront war... - vielleicht irre ich mich auch oder habe es falsch verstanden.


    Da mich so ein Fehler bei Teresa sehr wundern würde, hab ich mal schnell gegoogelt
    https://de.wikipedia.org/wiki/Galizien


    Nicht zu verwechseln mit Galicien - wieder was gelernt!

  • Nur mal eine Frage.. soviel Ahnung habe ich dann doch nicht von der Kriegszeit als Kind der 1976 Jahre ;D.. ausser, das was mir erzählt wurde. Hätte Sophie nicht mit Hannes nach Schweden oder wo anders hin jetzt schon fliehen können ? Auch wenn ich noch nicht durch bin vermute ich ja mal das es das letzte Wiedersehen zwischen den Beiden gewesen sein wird.

  • Zu dem Zeitpunkt wohl nicht mehr. Hannes hätte als Deserteur gegolten. Ohne Geld und ohne Beziehungen, um sich falsche Papiere und eine Fluchtmöglichkeit zu organisieren... wie hätten sie da irgendwohin kommen sollen?


  • Zu dem Zeitpunkt wohl nicht mehr. Hannes hätte als Deserteur gegolten. Ohne Geld und ohne Beziehungen, um sich falsche Papiere und eine Fluchtmöglichkeit zu organisieren... wie hätten sie da irgendwohin kommen sollen?


    denke ich auch: Die Nazis haben, wie Moers ja auch irgendwo sagte, "den Ring" besonders an Häfen sehr eng gezogen. Ich kann mir vorstellen, dass da keiner mehr ohne ordentliche Papiere ausreisen konnte: Ich sag mal nur "Reichsfluchtsteuer" und 1943, da war die Vernichtungsmaschinerie in vollem Gange und besonders für Juden unmöglich, das Land noch verlassen zu können, für Deserteure galt sicher selbiges: Hannes wäre womöglich standrechtlich erschossen worden ::)

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)


  • Hm, ok. Danke für die Erklärung, ich hätte das eher in früheren Zeiten angesiedelt und nicht mehr im 20. Jahrhundert. Ich muss außerdem gestehen, ich kann mir das, in Sophies Situation, nur schwer vorstellen und dann noch diese emotionalen Zeilen, dass sie davon noch eine Abschrift gemacht hat... Für mich passt es nicht, aber nun gut, ich muss es so hinnehmen ;)


    Für mich wäre es auch so aufgegangen, auf der einen Seite der Brief, auf der anderen das Tagebuch ;)


    Das ganze erklärt sich ja etwas später auch auf Seite 497, da sagt sie ja selbst, dass sie eine Abschrift gemacht hat

  • Meine liebe Sagota,
    nein, das ist KEIN inhaltlicher Schnitzer - es gibt 2 Galizien - das eine ist in Nordspanien, das andere liegt schau mal bitte hier ....
    https://de.wikipedia.org/wiki/Galizien


    danke, dass es dir so gut gefallen hat ...
    Und zum Thema "Vorhersehbar": es ist ja kein Krimi, sondern ein Familienroman, da gehört es dazu, dass sich die Bezüge nach und nach im Roman entschlüsseln - und wenn man schon eher "draufkommt", dann freuen sich auch viele Leser ...
    alles Liebe von Teresa :)


  • Das ganze erklärt sich ja etwas später auch auf Seite 497, da sagt sie ja selbst, dass sie eine Abschrift gemacht hat


    Echt? Ohje, dann nehme ich alles zurück :-[ Da hab ich offensichtlich genau den Erklärungssatz überlesen, den ich mir gewünscht habe :-[ :-[

  • ganz genau, liebe Dani! Deserteure konnten nirgendwohin, und auch "normalen" Deutschen war es 1943 kaum noch möglich, in andere Länder zu reisen - die wollen nämlich alle keine Deutschen mehr ... Nach Kriegsbeginn galten sogar jüdische (Und andere) Flüchtlinge in vielen Ländern als "Feinde" und wurden dementsprechend behandelt ...
    für uns als weltläufige Europäer ohne Grenzen heute nur sehr schwer vorstellbar, aber genauso war es ...