Leserundenfazit, Rezensionen, etc. (ohne Spoiler)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines der Autorin) immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Nachts am Askanischen Platz" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!


    Außerdem wäre es sicherlich für Susanne Goga als auch den DTV-Verlag, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.
    Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

  • Susanne Goga lebt als Autorin und Übersetzerin in Mönchengladbach. Sie ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Außer ihrer Krimireihe um Leo Wechsler hat sie mehrere historische Romane veröffentlicht und wurde mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet. Quelle Amazon


    Berlin im Januar 1928: Ein Toter wird in einem Schuppen im Hinterhof des Askanischen Gymnasiums gefunden. Direkt daneben befindet sich das Varieté- und Sensationstheater »Das Cabaret des Bösen«, dessen Besitzer seine aus dem Krieg stammenden Gesichtsverletzungen offensiv zur Schau stellt. Vor dem Fund der Leiche wurde eine verstörte junge Russin am Theater gesehen, auf der Suche nach einem gewissen »Fjodor«. Liegt der Schlüssel zu den mysteriösen Vorkommnissen um das Cabaret im Scheunenviertel, wo russische Emigranten in beengten Verhältnissen leben? Einmal mehr lernt Leo Wechsler bei seinen Ermittlungen unbekannte Gesichter seiner Stadt kennen.


    Meine Meinung:


    Dies ist bereits der sechste Band der Reihe um Leo Wechsler, man muss aber meiner Meinung nach die Vorgänger nicht zwangsläufig gelesen habe. Man kommt auch so super rein in die Geschichte. Der Krimi spielt nicht in unserer Zeit sondern um das Jahr 1920 herum. Die Autorin hat sich sehr viel Mühe gegeben, das Buch auf die damalige Zeit zuzuschneiden. Es geht auch nicht nur um diesen Mordfall, sondern auch um die Familie von Leo. Und um das Thema Nationalsozialismus, denn auch der Sohn des Kommissars wird dazu verleitet, der Hitlerjugend beizutreten. Und auch ein Kollege von Leo ist ja Jude und befindet sich damit auch immer in Gefahr.Der Mord an sich ist rätselhaft und spannend verarbeitet, bis ganz zum Schluss erwarten einen hier immer wieder Überraschungen.Besonders interessant fand ich die damalige Ermittlungsarbeit,es gab keinen Computer und kein Internet, Recherche war nur mühsam vor Ort zu erledigen und man musste extrem viel Zeit in irgendwelchen Archiven von Zeitungen z.B verbringen.

    Der Krimi beschreibt toll diese Recherchen und wie wichtig es ist im Team zu arbeiten, es ist aber kein blutiger Thriller, wo es ums Abschlachten oder Serienmord geht.

    Trotzdem wird man tief in das Buch eingesaugt und kann es kaum aus der Hand legen.


    Ein absolut empfehlenswertes Buch !!


    Vielen Dank an die liebe Autorin, die unsere Leserunde begleitet hat


    Rezi auch zu finden bei


    Literaturschock.de

    Amazon

    Lovelybooks

    Bücher.de

    Thalia.de


  • Mach ich eigentlich meist direkt nachdem ich ein Buch beendet habe, ich lese teilweise mehrere Bücher und dann kann man die Rezi am besten schreiben,wenn alles noch frisch ist.Und das ist auch wichtig für andere Leser


    Liebe Grüsse

  • Kommissar Leo Wechsler ermittelt wieder im historischen Berlin in den 1920er Jahren.
    Diesmal geht es um einen unbekannten Toten auf einem Schulgelände, und um das in unmittelbarer Nähe angesiedelte Theater "Das Cabaret des Bösen".
    Der Fall erweist sich als schwierig - wer ist das Opfer? Was geht im Theater vor sich? Und was wissen und verschweigen die Schüler?
    Der sympathische Kommissar wird auch hier wieder tatkräftig von seinem Team unterstützt, allen voran der ruhige und besonnene Jude Jakob Sonnenschein!
    Hinweise zu Opfer und Motiv scheinen in der Vergangenheit zu liegen und als sich die Lösung anbahnt wird es plötzlich gefährlich!
    Aber auch in der Familie Wechsler geht es turbulent zu, denn Sohn Georg scheint mit der HJ zu sympathisieren.

    Auch wenn "Nachts am Askanischen Platz" der mittlerweile sechste Roman der Reihe ist, kann er aber trotzdem sehr gut allein gelesen werden.

    Die Protagonisten sind allesamt sehr realistisch dargestellt.
    Ihre Handlungen und Äußerungen sind dem zeitlichen Rahmen perfekt angepasst. Auch die Beschreibung der Polizeiarbeit zeugt von einer akribischen historischen Recherche und erzeugt ein wunderbares s/w-Kopfkino im Stil alter Kriminalfilme.
    Das Miträtseln ist für den Leser wieder sehr spannend. Und auch wenn man einen Verdächtigen ausgemacht hat, ist die finale Auflösung eine kleine Überraschung.
    Sehr gut gefallen hat mir, dass auch die vermeintlichen "Nebenfiguren" ein wichtiger Teil des Buches sind und zum stimmigen Gesamteindruck beitragen.

    Es handelt sich hier um einen Krimi und der Mord steht natürlich im Vordergrund der Handlung. Aber eingebettet in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, liest sich der Roman auch ein klein wenig wie ein Stück Zeitgeschichte.

    Da ich die Vorgänger alle mit Freude gelesen hatte, war es wieder wie ein Treffen mit guten alten Freunden.
    Ich freue mich auf hoffentlich noch viele weitere Leo Wechsler - Bücher der sympathischen Autorin Susanne Goga.



    => Die Rezension erscheint wortgleich auf folgenden Seiten:

    - Literaturschock.de

    - Lovelybooks.de

    - Lesejury.de

    - Wasliestdu.de

    - Amazon.de

    - Thalia.de

    - Hugendubel.de

    - Buch.de

    - Bücher.de

    - Weltbild.de

    2 Mal editiert, zuletzt von Katjuschka () aus folgendem Grund: Rezensionshinweise angefügt!

  • Vielen Dank liebe MitleserInnen und liebe Susanne für diese tolle Leserunde! Für mich war es die erste Begegung mit Leo, aber bestimmt nicht die letzte!

    Hier meine Rezi:

    —————

    Nachts am Askanischen Platz


    Genial konstruierter Kriminalfall


    Inhalt:

    Januar 1928: In einem Schuppen auf dem Gelände des Askanischen Gymnasiums in Berlin wird eine Leiche gefunden. Es ist ein Mann, der erwürgt worden ist. Nebenan ist ein Sensationstheater, „Das Cabaret des Bösen“, in dem ein gruseliges Programm dargeboten wird. Dort werden Hinrichtungen und chirurgische Eingriffe täuschend echt dargestellt. Der Betreiber des Theaters nennt sich Louis Lamasque und passt durch eine entstellende Kriegsverletzung sehr gut zu seinem Programm.

    Eine junge Frau, die kein deutsch spricht, fragt gerade bei diesem Theater nach ihrem vermissten Verlobten. Ein verzwickter Fall für Leo Wechsler und sein Kollegen, den sie mit Bravour lösen.


    Meine Meinung:

    „Nachts am Askanischen Platz“ ist der sechste Fall für Leo Wechsler. Man kann ihn aber ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen, da jeder Fall in sich abgeschlossen ist.

    Für mich war es der das erste Buch der Autorin und ich war von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert.

    Der aktuelle Mordfall hat seinen Ursprung in der Zeit des ersten Weltkriegs. Der Roman spielt im Berlin der 20er Jahre und ist äußerst gut recherchiert. Es treten historische Persönlichkeiten auf, z.B. der plastische Chirurg Jacques Joseph, der als „Nasenjoseph“ in die Geschichte einging, da er unzähligen Kriegsversehrten zu einem neuen Gesicht verholfen hat.

    Auch das Leben vieler Flüchtlinge wird beleuchtet und der Leser erfährt einiges über die jüdischen Bewohner Berlins, zu denen auch Leos Kollege Jakob Sonnenschein gehört. Die Nationalsozialisten werfen allmählich ihre Schatten voraus, wir kommen leider auch mit der Hitlerjugend in Berührung.

    Die Ermittlungen in diesem Mordfall sind äußerst kompliziert. Der Tote ist nicht identifiziert und die einzige Person, die ihn vermisst, ist eine Frau, die kein deutsch spricht. Die Recherchearbeit ist mühsam, da man ja Ende der 20er Jahre weit entfernt ist von Google, Smartphone und eigenem Dienstwagen.

    Die Personen sind allesamt authentisch und sehr detailliert gezeichnet. Besonders gefallen hat mir das Ehepaar Leo und Clara Wechsler, die liebevoll und einfühlsam miteinander umgehen. Probleme mit dem Sohn lösen sie ohne Gewalt und Geschrei. Aber auch die Kollegen haben mich überzeugt. Jakob Sonnenschein macht seinem Namen alle Ehre, er ist ein Sympathieträger. Das Team arbeitet perfekt zusammen und so können sie letztendlich den verzwickten Fall lösen.


    Fazit

    Ein genial konstruierter, sehr gut recherchierter Kriminalfall, auch für Leser ohne Vorkenntnisse der Reihe uneingeschränkt empfehlenswert!

    —————

    Hier meine Streuliste: dtv und Weltbild haben noch nicht freigeschaltet, da hake ich noch nach.

    Amazon

    Großes Bücherforum

    Literaturschock

    lovelybooks

    buecher.de

    Leserkanone

    dtv

    Hugendubel

    Thalia

    Weltbild

  • Berlin 1928. Im Geräteschuppen einer angesehenen Schule wird ein Toter gefunden. Leo Wechsler und seine Kollegen stellen schnell fest, dass es sich um einen Mord handelt und machen sich auf die Suche nach der Identität des Mannes. Dabei führt ihr Weg sie zangsläufig auch in das „Caberet des Bösen“, ein nahegelegenes Theater, in dem zur skurilen Belustigung der Gäste diverse blutige Horrorszenarien nachgespielt werden und auch mal Köpfe rollen. Der zwielichtige Direktor des Theaters gerät ebenso ins Visier der Ermittler, wie zwei Schüler, die scheinbar etwas zu verbergen haben.


    Wer die Reihe um Leo Wechsler bereits kennt wird wissen, dass Susanne Goga Zeit und Ort der Geschehnisse gut recherchiert und das Flair der 20er Jahre in der Berliner Großstadt perfekt in den spannenden Kriminalfall eingebettet hat. Dabei erfährt man als Leser wieder so einiges Neues. Unter anderem spielen auch die Schicksale der Kriegsversehrten des ersten Weltkrieges und deren Traumata eine Rolle. Wir kommen mit Leo ebenso in die Unterkünfte der russischen Emigranten wie in die Klassenzimmer eines Elitegymnasiums. Am Ende des Romanes liegt eine logische Aufklärung, inklusive eines spannenden Showdowns.


    Besondere Freude machte es, wie immer, dass auch Leos Privatleben eine Rolle spielt. Sicher kann man auch als Quereinsteiger das Buch mit Genuss lesen aber noch mehr Vergnügen hat man sicherlich, wenn man von Anfang an bei Leo, Clara und Georg dabei sein durfte. Also am Besten die Reihe von Anfang an lesen.


    Vielen Dank, liebe Susanne, dass Du Dir wieder soviel Zeit für unsere Runde genommen hast. Es war wie immer sehr vergnüglich und das Buch ganz schnell gelesen.


    Amazon

    jokers

    buch.de

    Literaturschock

  • Hier nun auch meine Rezension - ich bin wie immer sehr begeistert! Vielen Dank, liebe Susanne, für diesen tollen Krimi und für die wie immer sehr sachkundige, angenehme und unterhaltsame Begleitung unserer Runde!



    Im Berlin der 1920er Jahre tickten die Uhren ein wenig anders, als sie dies heute tun. Es war die Blütezeit der Weimarer Republik, falls es eine solche überhaupt gab: denn es herrschten schwierige Zeiten: viele politische Strömungen liefen parallel, gerade die Extreme: die Nationalsozialisten und die Kommunisten bekriegten sich regelmäßig, doch auch in der Regierung gab es keine Partei, die sich längerfristig durchsetzen konnte.


    In dieser Zeit treffen wir auf Kommissar Leo Wechsler und seine Familie, die sich mit den Sorgen des Alltags herumzuschlagen haben. Inzwischen ist es eher die politische Instabilität, die der Familie zu schaffen macht - die Wirtschaftskrise macht zumindest den Hauptstädtern nicht mehr ganz so schwer zu schaffen, wie zu Beginn der 1920er Jahre. Doch man genießt auch eine gewisse Freiheit bspw. in Bezug auf das kulturelle Leben in der Stadt, das in Berlin um Längen fortschrittlicher war als in jeder anderen deutschen Stadt - auch wenn man sich allerorts Mühe gab. Gerade auch im kulturellen Bereich boten sich Vergnügungen der eher ungewöhnlichen Art wie bspw das "Kabarett des Bösen", dass schaurige Vergnügungen für Mann und Frau bietet, in der Nähe des Askanischen Platzes. Und des anliegenden Gymnasiums. Beide Einrichtungen werden alsbald in Zusammenhang mit einem Mordfall gebracht, dessen Opfer jedoch nicht identifiziert werden kann. Doch alsbald können Verbindungen zur Sowjetunion hergestellt werden. Kommissar Wechsler und sein Team ermitteln unter russischen Exilanten ebenso wie unter Schülern und Mitarbeitern des Askanischen Gymnasiums.


    Susanne Goga entführt ihre Leser tief ins Berlin der 1920er: Sie hat wie immer akribisch recherchiert und wartet neben ihrem mitreißenden Schreibstil auch mit interessanten Fakten auf, die diesmal weit über die Grenzen Berlins hinaus reichen. Ein wirklich tolles Buch, das ich - wie alle vorherigen dieser Reihe - mit großem Genuss gelesen habe. Eine der besten deutschen historischen Krimireihen, wenn nicht gar die beste - ich empfehle sie von ganzem Herzen und zwar nicht nur Freunden historischer Romane und auch nicht nur Krimifreunden: diese Reihe ist etwas für jeden Leser, der gern mal etwas Spannendes, Unterhaltsames und Hochwertiges liest!

  • Nachdem ich das Buch beendet und (heute Nacht) die Rezension geschrieben habe, bleibt noch eines:


    Liebe Susanne, vielen lieben Dank, dass du mich/uns auf einer wunderbaren Reise nach Berlin und in die Vergangenheit begleitet hast.

    Wieder war es für mich, als würde ich gute alte Freunde treffen und an deren Leben teilnehmen.

    Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen mit Leo und seiner Familie! :)

  • Nachts am Askanischen Platz befindet sich im Hinterhof das Cabaret des Bösen, ein Gruseltheater für Insider und Neugierige aus dem Umland, die Horror, Schauder und Nervenkitzel suchen, während tagsüber elitäre Gymnasiasten auf dem gegenüberliegenden Gelände die Schulbank drücken. Dort wird ein unbekannter Toter gefunden.

    Wir sind in Berlin, Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in einer Zeit in der die Menschen die Erinnerungen an den letzten, großen Krieg vergessen möchten und der nächste seine dunklen Vorboten schickt. Eine Zeit, in der es viel Kreativität aber auch viel Elend gibt. Vieles scheint möglich zu sein, aber nichts ist selbstverständlich. Eine Zeit der Kontraste. Genauso kontrastreich wie das Geschehen am Askanischen Platz, dem Ausgangspunkt für diesen spannenden, historischen Krimi.

    In diesem Band begleiten wir Oberkommissar Leo Wechsler auf Spurensuche im Umfeld von Kriegsversehrten und erfahren viel über die Kriminaltechnik seiner Zeit. Jene Zeit, in der Ermittlungen noch vor Ort und nicht im Internet geführt wurden.

    In diesem Buch steckt aber mehr als die Lösung eines spannenden Kriminalfalls. Die Aufmerksamkeit gehört den Opfern. Ein Krimi und eine berührende Liebesgeschichte zugleich.

    Leo Wechsler meistert alle Hürden mit Bravour und wird es hoffentlich noch lange weiter tun. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall.

  • Vielen Dank euch allen für die spannende Leserunde und ganz besonderen Dank an Susanne für die engagierte Begleitung.


    Hier ist nun mein Fazit:


    Wie auch schon in den vorherigen Krimis mit Leo Wechsler erleben wir eine spannende Zeitreise in das Berlin der 20er- Jahre. Diesmal ist ein sehr mysteriöser Mordfall zu klären, der im Umfeld eines traditionsreichen Gymnasiums sowie eines obskuren Gruseltheaters stattgefunden hat. Es gibt keine Zeugen für die Tat und keiner scheint das Mordopfer zu kennen. Nur eine unbekannte Frau, allem Anschein nach eine Russin, hat sich nach einem gewissen "Fjodor" erkundigt.

    Es gefällt mir, wie sich die Themen und Motive bei den Leo-Krimis immer durchmischen, es werden private Probleme in seiner Familie thematisiert, die sich manchmal auch bei seinen Ermittlungen wiederfinden lassen und umgekehrt. Das alles macht den Reiz dieser historischen Krimireihe aus und zudem den Ermittler Leo Wechsler für viele Probleme und Konflikte sensibel, die nicht immer, aber oft auch mit seinen Fällen zu tun haben. Außerdem hat er großartige Kollegen an seiner Seite, die ihm wertvolle Hinweise liefern. Die Spurensuche ist diesmal nicht einfach, es ist wie ein großes Puzzle, wo ein Teil zum andern passen muss, bevor ein schlüssiges Bild entsteht. Wir erleben eine zunächst mühsame und aus vielen Einzelaspekten bestehende Recherche, die letztendlich zu einer überraschenden und doch schlüssigen Lösung führt und auch eine Reise zu interessanten und zeittypischen Schauplätzen und Orten.


    Lesetipp :lesen:

  • Beitrag von buchregal123 ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
  • Sechster Fall für den sympathischen Berliner Kommissar Leo Wechsler


    Berlin 1928: auf dem Gelände des Askanischen Gymnasiums wird ein unbekannter Toter gefunden. Die Mordkommission Berlin sucht unter der Führung von Leo Wechsler nach der Identität des Toten und den Hintergründen für die Tat. Hat es etwas zu bedeuten, dass es in der Nähe des Fundorts eine Verbindungstür zum Nachbargelände gibt, auf dem sich das Cabaret des Bösen befindet, ein Theater mit einem skurrilen Unterhaltungsangebot? Während Leo voll in seiner Arbeit eingespannt ist, sympathisiert sein Sohn Georg zunehmend mit der Hitlerjugend und der erstarkenden SA.


    Auch der sechste Band um Leo Wechsler hat nichts von dem Charme der von mir lieb gewonnenen Krimireihe aus den 1920er Jahren verloren. Der Prolog beginnt direkt ziemlich gruslig und schockierend, aber nach den ersten Seiten der Haupthandlung machte sich bei mir diesbezüglich etwas Erleichterung breit – aber ist diese Erleichterung berechtigt?


    Die Suche nach der Identität des Ermordeten war knifflig und es war interessant zu erfahren, welche Mittel in der damaligen Zeit zur Verfügung standen, um unbekannten Toten einen Namen zu geben. Gespannt war ich auch auf die Vergangenheit des Toten, die zwischen den Zeilen immer wieder anklang. Nachdem seine Identität gelüftet werden konnte, hatte ich zwar eine Ahnung, aber Motiv und Hintergründe lagen für mich lange Zeit im Dunkeln.


    Genauso interessant wie die Ermittlungen empfinde ich jedoch auch das familiäre Geschehen von Leo. Es ist einfach immer wieder schön, wie gut er mit seiner Frau Clara harmoniert, die – selber berufstätig – vollstes Verständnis dafür hat, wenn die Arbeit ihres Mannes mal wieder viel Raum und Zeit einnimmt.

    Jedoch entfremdet sich Georg zunehmend von der Familie, da er durch seinen Freund Wolfgang zunehmend Kontakt zur SA und HJ bekommt. Da er weiß, wie sein Vater darüber denkt, versucht er es, vor ihm zu verheimlichen. Leo spürt, dass etwas mit seinem Sohn nicht stimmt, schiebt aber ein Gespräch auf die lange Bank, dabei wäre es allerhöchste Zeit, dass die beiden miteinander reden, aber kann Leo seinen Sohn überhaupt noch erreichen?


    Eine historische Nebenfigur hat mich in dem Roman am meisten beeindruckt: Dr. Jacques Joseph, auch Nasenjoseph genannt, der ein wahrer Künstler und Meister der Wiederherstellungschirurgie war und zu seiner Zeit Meilensteine gesetzt hat. Das, was wir im Buch über ihn erfahren, hat mich neugierig gemacht und so bin ich gerne der Aufforderung der Autorin gefolgt, im Internet auf weitere Spurensuche zu gehen – es lohnt sich.


    Susanne Goga gelingt es auch diesmal wieder, die Atmosphäre der damaligen Zeit durch ihre gründlichen Recherchen einzufangen und sie in einen unterhaltsamen Kriminalroman zu verpacken. Ich freue mich jetzt schon sehr auf den siebten Fall des Leo Wechsler.


    Ich werde morgen meine Rezension noch verteilen. Aber ich möchte mich jetzt schon mal bei dir, liebe Susanne, herzlich bedanken, dass du uns hier wieder begleitet hast. DIe Runde hat mir sehr viel Spaß gemacht und freue mich jetzt schon auf die Burg-Runde.


    Meine Rezension erscheint bei:

    Amazon

    Großes Literaturschock-Bücherforum

    Literaturschock.de

    LovelyBooks

    Thalia

    Weltbild (noch nicht freigeschaltet)

    Lesejury

  • Ich hätte noch eine Bitte in eigener Sache: Ich danke allen, die ihre Rezensionen auf Amazon veröffentlicht haben, ganz herzlich. Es wäre schön, wenn sich noch ein paar andere anschließen würden, falls es euch gefallen hat. :)

  • So, hier ist nun auch mein Fazit, das ich noch bei Amazon und Co. im Netz verteilen werden. Ich bedanke mich wieder ganz herzlich bei dir, Susanne, dass du uns wieder so toll begleitet hast. Ich denke immer wieder gerne an den ersten Teil zurück, mit dem wir hier gemeinsam die Reihe begonnen hatten - und wir lesen immer noch gemeinsam :) Danke auch an alle Teilnehmer der Runde, es hat viel Spaß gemacht, auch wenn ich leider etwas hinterherhinkte. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall!


    Inhalt

    Berlin 1928: In einem Schuppen auf dem Hof eines Gymnasiums wird ein Toter gefunden, dessen Identifizierung sich für Kriminalkommissar Leo Wechsler und sein Team als sehr schwierig erweist. Keiner scheint den Toten zu kennen oder sich für ihn zu interessieren. Die Befragung der Schüler und Lehrer des Gymnasiums bringt die Beamten ebenso wenig weiter wie die Aussagen der Mitarbeiter des unmittelbar daneben liegenden Gruseltheaters. Obwohl Leo Wechsler das Gefühl bekommt, dass einige der befragen Personen etwas zu verbergen haben, kommt er nur schleppend mit den Ermittlungen voran. Erst eine junge unbekannte Russin bringt Bewegung in den Fall, als sie in dem Theater nach ihrem verschollenen Freund fragt...


    Meine Meinung

    Dies ist nun also der sechste Fall des sympathischen Kriminalkommissars Leo Wechsler und seines ebenso sympathischen Teams. Man kann das Buch sicherlich auch lesen, ohne die vorherigen Fälle zu kennen, ich persönlich würde aber dazu raten, die Reihe von vorne zu beginnen (der erste Fall: Leo Berlin), da man dann die Figuren und ihre Schicksale nach und nach besser kennenlernt. Neben den jeweils abgeschlossenen Kriminalfällen wird nämlich auch die persönliche Geschichte Leo Wechslers und seiner Familie und auch die seiner Kollegen spannend weitergeführt. Entsprechend gut kann man dann auch mit diesen Figuren mitfiebern, die für mich ganz besonders lebendig und liebevoll geschildert werden. Von Buch zu Buch sind sie mir mehr ans Herz gewachsen und ich zittere nun schon etwas vor dem Schicksal, das sie in ein paar Jahren, wenn der Zweite Weltkrieg beginnt, ereilen wird. Ganz besonders bange ich natürlich um Leos jüdischen Kollegen Sonnenschein. In diesem Buch habe ich mir ganz besonders um Leos Sohn Georg Sorgen gemacht, der den Verlockungen der Hitlerjugend erliegt und sich dieser anschließt.


    Eine große Stärke der Romane ist die ausführliche Recherche der Autorin, die mit vielen Details und Begebenheiten der damaligen Zeit und mit der Einbettung historischer Personen in die Handlung für ein authentisches Lesegefühl sorgt und die damalige Zeit ganz besonders lebendig werden lässt. Hier findet sich z. B. der außergewöhnliche Schönheitschirurg Dr. Joseph, auch Nasenjoseph genannt, der für viele vom Krieg entstellte Soldaten die letzte Hoffnung auf ein neues Leben bedeutete. Beim Lesen fühle ich mich immer wieder glaubhaft in diese frühere Zeit versetzt.


    Was den Krimi betrifft, war auch dieser Fall wieder sehr spannend geschrieben. Es machte mir sehr viel Spaß, mit Leo Wechsler und seinen Kollegen die Puzzleteile zusammenzuführen, was alleine schon der damaligen Zeit geschuldet eine langwierige und aufwändige Recherche bedeutete. Ohne Internet und Co. sahen die Ermittlungen natürlich ganz anders aus als heute und das war sehr interessant zu lesen. Und auch, wenn ich recht früh einen Verdacht hatte, so waren die Hintergründe dazu und der Weg zur Lösung spannend und boten auch am Ende noch eine Überraschung. Und alleine das gruselige Theater nach Pariser Vorbild sorgte nicht nur beim dort ermittelnden Leo Wechsler für Gänsehaut, sondern auch gewaltig bei mir beim Lesen!

  • Beitrag von buchregal123 ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
  • Neu eingestellt:



    Diese Leserunde hat wieder viel Spaß gemacht. Danke dafür und auch an Susanne für die tolle Begleitung der Runde.



    -----------



    1928 wird in Berlin ein Toter in einem Schuppen im Hinterhof des Askanischen Gymnasiums gefunden. Dort befindet sich auch „Das Cabaret des Bösen“, ein Ort, der den Menschen ein besonderes, wenn auch sehr schauriges Vergnügen bereitet. Dieses Theater wird von Louis Lamasque betrieben, der durch den Krieg eine Gesichtsverletzung erlitten hat, die er aber offen zur Schau stellt. Bevor die Leiche entdeckt wurde, suchte eine junge Russin einen Fjodor. Es ist keine leichte Ermittlung für Leo Wechsler und seine Kollegen, denn erst einmal müssen sie die Identität des Toten feststellen.


    „Nachts am Askanischen Platz“ ist bereits der sechste Fall für Leo Wechsler. Man kann das Buch aber problemlos lesen, ohne die Vorgängerbände zu kennen.


    Leo Wechsler ist ein sympathischer Kommissar mit einem guten Gespür für Menschen und Situationen. Auch wenn es schwierig wird, gibt er nicht auf, und er verlässt sich gerne auch mal auf sein Bauchgefühl. Bei diesen Ermittlungen gibt es auch eine Reihe von Indizien, aber keine Beweise, doch Wechsler hat eine Ahnung. Zum Glück weiß Gennat den Kommissar zu schätzen und ermöglich ihm, bei einer Reise neue Spuren zu suchen.


    Da Leo durch den Fall so sehr eingespannt ist, bemerkt er nicht, was in seinem Sohn Georg vorgeht. Immer wieder verschiebt er das Gespräch mit seinem Sohn und Georg fühlt sich auch nicht so recht wohl in seiner Haut. Doch nachdem Leos Frau Clara etwas beobachtet, gibt es keinen Aufschub mehr. Es ist toll, wie Leo auf seinen Sohn zugeht, aber es ist auch nicht ungefährlich.


    Es gibt eine ganze Reihe interessanter Charaktere, die zum Teil historische belegt sind. Besonders interessant finde ich den Chirurgen Jacques Joseph, der als „Nasenjoseph“ bekannt war, da er sehr vielen Kriegsverletzten zu einem neuen Gesicht verholfen hat. Aber auch Leos Kollegen möchte ich nicht unerwähnt lassen, die mit Mitteln, die wir uns heute nicht mehr vorstellen wollen, beachtliche Ermittlungsergebnisse erzielen. Besonders mochte ich Jakob Sonnenschein, der in zwei so unterschiedlichen Welten lebt und daher Dinge herausfindet, die anderen verborgen geblieben wären.


    Die Atmosphäre im Berlin der Zwanziger Jahre ist sehr gut dargestellt. Noch geht es einigermaßen friedlich zu, doch man spürt schon, was da auf die Menschen in Deutschland zukommt.


    Der Schreibstil von Susanne Goga gefällt mir sehr. Sie hat ein Stück Zeitgeschichte geschickt mit einem Kriminalfall verknüpft. Ich kann dieses spannende Buch nur empfehlen.



    --------------



    Rezension auch bei lovelybooks, lesejury, wasliestdu, amazon, buecher.de, thalia, weltbild, jokers, kriminetz und natürlich bei literaturschock

  • 1928, Berlin. In einem Schuppen auf dem Hinterhof des Askanischen Gymnasiums wird ein Toter gefunden. Kurz zuvor wurde in der Nähe eine abgemagerte, schlecht gekleidete Frau gesehen, die verzweifelt nach einem "Fjodor" gesucht hat. Ist der Tote der Gesuchte? Doch warum sollte ein Russe auf dem Gelände einer Berliner Schule ermordet werden? An den Schuppen grenzt auch das "Cabaret des Bösen", eine Art Gruselkabinett, das sich zur Zeit großer Beliebtheit erfreut. Der Besitzer ist ein sehr ungewöhnlicher Kriegsversehrter, der seine Gesichtsverletzung quasi vermarktet und zur Schau stellt. Weiß er vielleicht mehr? Oder sollte sich Leo Wechsler lieber im Scheunenviertel, wo viele russische Emigranten unterkommen, nach der Identität des Toten umhören?

    Zugegebenermaßen bin ich ein großer Fan der Reihe um Kommissar Leo Wechsler und auch der neueste Krimi hat mich nicht enttäuscht. "Nachts am Askanischen Platz" ist der mittlerweile sechste Fall um den sympathischen Ermittler, den man allerdings auch eigenständig lesen kann.

    Doch nicht nur Leos Arbeit und seine Kollegen stehen im Fokus - auch sein Privatleben spielt eine Rolle. In diesem Fall erfahren wir am Beispiel von Leos Sohn Georg das Aufkommen der Nationalsozialisten. Der Junge gerät durch seinen besten Freund Werner immer tiefer in den braunen Sumpf - unbemerkt vom Vater, der ansonsten immer ein sehr ausgeprägtes Gespür für andere Menschen hat. Doch zum Glück gibt es noch Clara, die zweite Frau Leos und Stiefmutter seiner Kinder, die klug, mitfühlend und für ihre Zeit erstaunlich eigenständig ist. Ob sie Georg überzeugen kann, dass seine neue Gesellschaft nicht die beste ist?


    Wieder einmal verwebt die Autorin Susanne Goga historischen Fakten und Figuren in die Geschichte. In diesem Fall hat mich vor allem der sogenannte 'Nasenjoseph', Prof. Dr. Jaques Joseph, beeindruckt. Mir ist dieser Name zuvor noch nie untergekommen, aber die Geschichte eines der bedeutendsten plastischen Chirurgen seiner Zeit ist sehr interessant! Seine Veröffentlichung zum Thema Nasenplastik gehört noch heute zu den Standardwerken seines medizinischen Fachbereichs. Doch nicht nur das - denn Joseph hat vor allem im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg sehr erfolgreich Wiederherstellungschirurgie betrieben und somit vielen stark Verwundeten wieder neuen Lebensmut gegeben. Besonders bemerkenswert dabei ist, dass Joseph sich nur im Rahmen der Möglichkeiten seiner Patienten bezahlen ließ.


    Selbstverständlich ist auch der Fall an sich gewohnt packend. Auch wenn ich vielleicht die ein oder andere Ahnung hatte, die Auflösung ist sehr clever und originell. Ich lese sehr gerne historische Krimis - vor allem alles, was im Zeitraum Anfang des 20. Jahrhunderts bis Ende der 40er spielt. Für mich ist die Leo Wechsler-Reihe eine absolut feste Größe und der sechste Fall hat mich darin wieder einmal bestätigt!


    Fundierte Recherche, großartig entwickelte Figuren, die mir bei jedem neuen Fall das Gefühl geben, auf alte Bekannte zu treffen, und eine spannende, atmosphärisch dichte Geschichte - was will man mehr?

    *****


    Die Links:

    Literaturschock-Forum

    Literaturschock-Hauptseite

    Amazon

    Goodreads

    Thalia.de (Eine Kundin aus Hamburg, 02.04.2018, "Was will man mehr?")