02 - Seite 80 bis einschl. Seite 156 (Kapitel 8 - einschl. Kapitel 15)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • An Jelenas Stellewollte ich jetzt echt nicht sein, so mutterseelenallein in einervöllig fremden Großstadt, und umgeben von einer fremden Sprache –furchtbar. Ich bin froh, dass Jelena wieder gefunden wurde.

    Stimmt, das stelle ich mir auch furchtbar vor. Außerdem ist sie etwas verhuscht und ohne Hilfe kommt sie nicht mehr weiter.

  • Lemasque ist ein sehr spannender Charakter. Sein Äußeres impliziert ja schon, dass er Fürchterliches durchgemacht hat. Dass er dennoch so selbstbewusst und cool auftritt, zeigt, WAS für ein starker Charakter er ist. Und er ist hochintelligent und wie Leo bemerkt hat, sogar philosophisch unterwegs. Ich könnte ihn mir durchaus als Mörder vorstellen. Als einer, der seine Tat auch noch ganz logisch rechtfertigen kann - vor sich selber zumindest.

  • Ich glaube das Georg an sich ein netter Kerl ist,wirklich. Aber er will mithalten und dabei sein und kommt da jetzt einfach nicht mehr raus. Vielleicht denkt er wirklich, das ist was Gutes. Vielleicht sollte er sich seinem Vater anvertrauen, sonst kommt er da nie raus.

    Genau meine Meinung. Vielleicht ist es für ihn einfacher, sich seiner Stiefmutter anzuvertrauen - oder seiner Tante vielleicht. Ich denke, Jungs und Väter, das ist so eine eigene Sache in dem Alter. Vor allem, wenn es einer ist wie der Leo, der doch das Bild eines klugen, integeren Mannes ist. Also ein Vorbild. Und sprechen tun sie zur Zeit ja sowieso wenig miteinander.

  • Genau meine Meinung. Vielleicht ist es für ihn einfacher, sich seiner Stiefmutter anzuvertrauen - oder seiner Tante vielleicht. Ich denke, Jungs und Väter, das ist so eine eigene Sache in dem Alter. Vor allem, wenn es einer ist wie der Leo, der doch das Bild eines klugen, integeren Mannes ist. Also ein Vorbild. Und sprechen tun sie zur Zeit ja sowieso wenig miteinander.

    Er sollte sich so schnell wie möglich Clara oder Ilse anvertrauen. Je länger es es verheimlicht, desto schlimmer wird es! Daran, dass er den Absprung noch schafft, glaube ich allmählich nicht mehr. :(

  • Er sollte sich so schnell wie möglich Clara oder Ilse anvertrauen. Je länger es es verheimlicht, desto schlimmer wird es! Daran, dass er den Absprung noch schafft, glaube ich allmählich nicht mehr. :(

    Vielleicht wenn er direkt mitbekommt, wie vermeintlich schwächere drangsaliert (oder schlimmeres) werden....

  • Leo hat mal wieder den richtigen Riecher bei seinen Ermittlungen und ahnt, wo man nachfragen kann. Wenn er mal auch im Privatleben so auf sein Bauchgefühl hören würde. Er will mit Georg reden, aber immer ist da etwas, das dazwischenkommt. Wenn er das nur nicht bereuen wird.


    Georg möchte unbedingt die Uniform und hat keine Hemmung, zu lügen , um von Leo Geld zu bekommen. Dabei hat er doch ein ungutes Gefühl. Warum hat er nur nicht das Selbstbewusstsein, auch mal nein zu sagen. Ich habe wirklich Angst um ihn.


    Wer kommt schon darauf, dass Fjodor in Wirklichkeit ein Deutscher ist. Er muss ein schreckliches Trauma mit sich herumgetragen haben, denn sein Verhalten bei Jelena war schon besorgniserregend. Wie er dort herumgesessen und nur den Boden angestarrt hat. Dann hat ihn dieser Zeitungsartikel aufgeschreckt und er wollte unbedingt zurück nach Berlin und dort zu diesem Theater. Weiß er etwas über Lemasque, was ihm solche Sorgen bereitet hat, dass er zurückkommen musste. Aber was? Ich vermute mal, dass es irgendwas mit gemeinsamen Kriegserlebnissen zu tun hat. Da Lemasque ein Künstlername ist, wird er vielleicht ein Foto von dem Mann gesehen haben. Es könnte natürlich auch irgendeiner der Angestellten des Theaters sein, aber das kann ich mir nicht vorstellen. Daher steht Lemasque nun ganz oben auf meiner Lister der Verdächtigen.


    Die arme Jelena hat Fjodor geliebt und nun ist sie alleine ohne Geld in Berlin. Sie tut mir leid. Hoffentlich passiert ihr dort nichts. Sie kann sich ja nicht verständigen und ist ängstlich und überhaupt nicht wehrhaft.

  • Genau meine Meinung. Vielleicht ist es für ihn einfacher, sich seiner Stiefmutter anzuvertrauen - oder seiner Tante vielleicht. Ich denke, Jungs und Väter, das ist so eine eigene Sache in dem Alter. Vor allem, wenn es einer ist wie der Leo, der doch das Bild eines klugen, integeren Mannes ist. Also ein Vorbild. Und sprechen tun sie zur Zeit ja sowieso wenig miteinander.

    Ja, es wäre wirklich mal Zeit, dass Vater und Sohn miteinander reden. Dass sich Georg vielleicht leichter tun würde, wenn er mit Clara oder Ilse sprechen würde, darüber habe ich auch nachgedacht.


    Er will mit Georg reden, aber immer ist daetwas, das dazwischenkommt. Wenn er das nur nicht bereuen wird.

    Ich habe ebenfalls das Gefühl, dass Leo allmählich die Zeit wegläuft, auch wenn er das (noch) nicht weiß.

  • Zitat

    „Leo hatte erst kürzlich in der Zeitung gelesen, dass der Flughafen schon jetzt aus allen Nähten platzte. Man werde über kurz oder lang wohl ein viel gewaltigeres Gebäude errichten müssen, um dem neuen Zeitalter der Luftfahrt gerecht zu werden.“

    Da musste ich ja schmunzeln...die Handlung spielt vor ca. 90 Jahren, ist aber immer noch aktuell:totlach:

  • Merkwürdig nur, dass Lemasque kein Wort darüber verloren hat bei dem Gespräch mit Leo. Ich vermute, dass er was zu verbergen hat, der Typ ist mir nicht geheuer, was nichts mit seiner Entstellung zu tun hat, für die er nichts kann, sondern mit seiner Art.

    Er hat auf alle Fälle etwas zu verbergen. Sein selbstsicheres Auftreten zeugt von Stärke. Daher wird er auch problemlos einen Mord wegstecken können. Er ist mir jedenfalls nicht geheuer und das hat nichts mit dem Aussehen zu tun.

    Obwohl er Panik hat vor Zugfahrten und vor Menschenansammlungen nimmt er den Weg auf sich. Aber wäre es nicht fair gewesen, seiner Verlobten zumindest andeutungsweise zu sagen, worum es geht? Für sie war das ja eine Weltreise! Und so gar nicht zu wissen, warum, das stelle ich mir schlimm vor.

    Aber sie hat ja gar nicht das Bedürfnis, mehr zu wissen. Sie hat Fjodor ja nie gefragt. Für sie war es bisher gut, wie es war.

    Was in diesem Theater abgeht, stelle ich mir auch gruseligst vor!! Mich würden da keine zehn Pferde reinbekommen.

    Für mich waren "Lörperwelten" schon nicht. Ich hab's nicht so mit Grusel.

    Wenn sich die beidenMänner kannten, dann frage ich mich woher? Aus dem Krieg? Warum istFjodor seinerzeit nicht nach Deutschland zurückgekehrt? Nur ausLiebe zu Jelena? Liebe ist ein starkes Motiv, aber gibt es vllt. nocheinen anderen Grund?

    Er ist traumatisiert und es gibt wohl nichts, was ihn nach Berlin zurückzieht. Dann ist da Jelena. Warum sollte er nicht bleiben?

    Auch seine Verhalten bei der Zugfahrt war sehr seltsam,was hat er erlebt? Eines ist sicher: es war nichts schönes undangenehmes und mich würde auch interessieren, wo er diese Erlebnissehatte.

    Er taucht nach langer Zeit wieder bei Jelena auf, daher vermute ich, dass er irgendwann gefangen war und Gefangenschaft bei den Russen war furchtbar. Wenn ich mir dann vorstelle, was man alles über die Gefangenenlager in Sibirien gehört hat.

    Ich frage mich nur, wann der die denn anziehen will? Er weiß ja wohl, dass weder sein Vater und seine Stiefmutter noch seine Tante Ilse das besonders toll finden werden - ganz im Gegenteil!

    In dem Alter findet sich immer eine Gelegenheit. Man geht mit normalen Klamotten raus und kaum ist man um die Ecke, wird sich irgendwo umgezogen und auf dem heimweg das Spiel umgekehrt. Habe ich auch früher gemacht - nur ging es da um andere Kleidungsstücke.

  • Puh, ich mache mir so Sorgen um Georg. Ich fürchte auch, es wird für ihn immer schwieriger, auszusteigen. Und ich könnte Leo bei jedem einzelnen seiner Gedanken mit dem Wort "später......" wenn er an Georg denkt, und daran, dass er mal mit ihm sprechen will, schütteln. X( Klar, Leo weiß natürlich nicht, was wir wissen und sieht keine Dringlichkeit. Aber ich könnte ihn trotzdem jedesmal schütteln und mich aufregen, dass er schon wieder einen Gelegenheit ungenutzt hat verstreichen lassen. Hoffentlich ist es nicht bald zu spät dafür.


    Die Szenen mit Jelena fand ich sehr emotional und berührend. Ich habe richtig mit der jungen Frau mitgelitten, das war toll beschrieben, wie es ihr erging. Überhaupt will ich gerne mal wieder betonen, wie toll ich alles wieder beschrieben finde. Ich kann mich sehr gut in die Zeit und die Umgebung hineinfinden, alles wirkt so authentisch und die Figuren sind so lebendig und einfühlsam beschrieben, dass ich einfach gar nicht anders kann, als mit ihnen mitzufühlen und mitzufiebern. Es ist wirklich wie ein Wiedersehen mit lieb gewordenen Bekannten. Darunter natürlich auch besonders Sonnenschein, den ich sehr mag und um den ich mir schon seit einiger Zeit Sorgen mache und gar nicht darüber nachdenken will, was auf ihn noch zukommen wird...


    Was den Fall betrifft, lagen wir mit Fjodor und Jelena bisher richtig. Mysteriös sind aber die Umstände und Hintergründe, die die beiden hierher und Fjodor in den Tod geführt haben. Wobei Fjodors Identität ja nicht klar ist, ein Deutscher soll er also sein. Vor was hat er sich bei Jelena versteckt? Warum ist er nie nachhause gefahren, woher die Angst vor der Zugfahrt. Und vor allem, warum wollte er nun unbedingt nach Deutschland und in dieses Cabaret?


    Die Angst vor der Zugfahrt und den Schlägen kann man wohl am ehesten mit einer Kriegsgefangenschaft erklären. Bei dem Grund für seine Reise nach Deutschland fällt die Spekulation schon schwieriger. Was mir durch den Kopf ging war folgendes: in dem Zeitungsausschnitt hat er wohl diesen Lesmasques als Eigentümer des Cabarets wiedererkannt, zumindest stand ja dessen Name bei dem Bild. Dazu kommt seine Aussage, dass es ihm und Jelena wohl bald besser gehen wird. Er hat also irgendwie aufgrund des Zeitungsausschnitts eine Möglichkeit gesehen, zu Geld zu kommen. Einfach als Schauspieler dort anzuheuern wird es wohl nicht gewesen sein, auch wenn dort laut Aussage der Putzfrau, immer wieder Leute eingestellt werden. Um einen Job dort anzunehmen, wird er ja wohl kaum so eine weite Reise gemacht haben. Dazu die Angst vor Ort, dass sie ihn wieder schlagen könnten o. ä. Mein erster Gedanke war deshalb, dass er aufgrund des Fotos herausgefunden hat, dass er erstens diesen Lesmasques kennt und zweitens feststellen musste, dass dieser sich seine Identität geklaut hat und eigentlich "Fjodor" derjenige war, dem das Cabaret gehören sollte. Vielleicht war es "Fjodors" Name, der unter dem Bild stand. Dieses wollte er sich wieder zurückholen und seine Identität richtigstellen, also Lesmasques damit konfrontieren, nur leider hat Lesmasques dabei nicht mitgespielt, sondern sich des Gegners gleich entledigt. Eine falsche Indentität anzunehmen, wenn das Gesicht durch eine Verletzung nicht mehr erkennbar ist, sollte ein Leichtes sein. Diese "natürlich Maske" kann da schon mal sehr hilfreich sein, wenn man sich als jemand anderes ausgeben will .... Und wenn man weiß oder sogar selbst dafür gesorgt hat, dass der andere nicht mehr so schnell in Deutschland auftaucht, weil man für seine Verurteilung, Gefangenschaft o. ä. gesorgt hat, muss man auch nicht viel befürchten. Vielleicht gehörte Lesmasques sogar selbst zu den Leuten, die "Fjodor" misshandelt hatten. Und so wie es aussieht wäre "Fjodor" ja wohl nicht mehr heimgekommen, wenn er nicht den Zeitungsausschnitt gesehen hätte. Eine andere Variante wäre, dass er über den Zeitungssausschnitt die Französin wiedererkannt hat, falls diese namentlich erwähnt wurde, und er mit ihr eine Vergangenheit hatte, die er jetzt klären wollte und sie hat sich ihn vom Hals geschafft....


    Nun ja, wilde Spekulationen, aber wer weiß ^^

  • Heimfinderin


    Ich habe das Buch bereits beendet, daher fällt es mir schwer auf deinen Post zu reagieren ohne zu spoilern.

    Nur so viel: Ich hatte auch viele Theorien, denn die verschiedenen Hinweise sind sehr spannend und zum Glück nicht eindeutig in irgendeine Richtung weisend.

    Es macht richtig Spaß ebenfalls zu "ermitteln" ;)

  • Klar, Leo weiß natürlich nicht, was wir wissen und sieht keine Dringlichkeit. Aber ich könnte ihn trotzdem jedesmal schütteln und mich aufregen, dass er schon wieder einen Gelegenheit ungenutzt hat verstreichen lassen. Hoffentlich ist es nicht bald zu spät dafür.

    Wir sind natürlich jetzt schlauer. Aber ich finde, das ist eine Situation wie im wirklichen Leben, da schiebt man auch manchmal etwas auf die lange Bank.

  • Und ich könnte Leo bei jedem einzelnen seiner Gedanken mit dem Wort "später......" wenn er an Georg denkt, und daran, dass er mal mit ihm sprechen will, schütteln. X( Klar, Leo weiß natürlich nicht, was wir wissen und sieht keine Dringlichkeit. Aber ich könnte ihn trotzdem jedesmal schütteln und mich aufregen, dass er schon wieder einen Gelegenheit ungenutzt hat verstreichen lassen. Hoffentlich ist es nicht bald zu spät dafür.

    So geht es mir auch! Leo ahnt, dass irgendetwas nicht stimmt, aber durch den aktuelle Fall ist er gedanklich zu abgelenkt. Hoffentlich schafft er es noch rechtzeitig!

  • Einfach als Schauspieler dort anzuheuern wird es wohl nicht gewesen sein, auch wenn dort laut Aussage der Putzfrau, immer wieder Leute eingestellt werden. Um einen Job dort anzunehmen, wird er ja wohl kaum so eine weite Reise gemacht haben.

    Das ist ja mal eine interessante Variante! Kann ich mir aber auch nicht wirklich vorstellen.

  • Heimfinderin


    Ich habe das Buch bereits beendet, daher fällt es mir schwer auf deinen Post zu reagieren ohne zu spoilern.

    Nur so viel: Ich hatte auch viele Theorien, denn die verschiedenen Hinweise sind sehr spannend und zum Glück nicht eindeutig in irgendeine Richtung weisend.

    Es macht richtig Spaß ebenfalls zu "ermitteln" ;)

    Dein Riecher war aber ziemlich gut!! :daumen:

  • Wir sind natürlich jetzt schlauer. Aber ich finde, das ist eine Situation wie im wirklichen Leben, da schiebt man auch manchmal etwas auf die lange Bank.

    Stimmt, das ist leider sehr realistisch. Ich denke, wenn Leo wüsste, was mit Georg vor sich geht, würde er ein Gespräch noch so rausschieben.

  • Puh, ich mache mir so Sorgen um Georg. Ich fürchte auch, es wird für ihn immer schwieriger, auszusteigen. Und ich könnte Leo bei jedem einzelnen seiner Gedanken mit dem Wort "später......" wenn er an Georg denkt, und daran, dass er mal mit ihm sprechen will, schütteln. X( Klar, Leo weiß natürlich nicht, was wir wissen und sieht keine Dringlichkeit. Aber ich könnte ihn trotzdem jedesmal schütteln und mich aufregen, dass er schon wieder einen Gelegenheit ungenutzt hat verstreichen lassen. Hoffentlich ist es nicht bald zu spät dafür.

    Meinst Du, weil sich dann Georgs Weltbild schon gefestigt haben könnte oder meinst Du die Tatsache, dass die anderen ihm dann Probleme machen?

    Bislang glaube ich nicht, dass Georg sonderlich überzeugt ist. Er ist angefixt, mag seinen Freund Wolfgang und empfindet eine Art Abenteuerlust... Was die Szene in der SA-Kneipe angeht, zeigt sich ja eher, dass er auch abgeschreckt sein kann. Ich denke, bei Georg ist das Kind noch lange nicht in den Brunnen gefallen, da er noch Zweifel hegt.

    Was Wolfgang und die anderen angeht: ja, das könnte schon eher problematisch werden. Vorteil ist dabei, dass die beiden Freunde nicht auf dieselbe Schule gehen und sich somit vermutlich nicht ständig über den Weg laufen müssen. Die Frage ist aber eher, ob Wolfgang das auf sich sitzen lassen würde, wenn der beste Freund, den er mitgebracht hat, sich plötzlich abwendet. Zugegebenermaßen kann ich da Georgs Freund nicht genug einschätzen.

    Die Szenen mit Jelena fand ich sehr emotional und berührend. Ich habe richtig mit der jungen Frau mitgelitten, das war toll beschrieben, wie es ihr erging. Überhaupt will ich gerne mal wieder betonen, wie toll ich alles wieder beschrieben finde. Ich kann mich sehr gut in die Zeit und die Umgebung hineinfinden, alles wirkt so authentisch und die Figuren sind so lebendig und einfühlsam beschrieben, dass ich einfach gar nicht anders kann, als mit ihnen mitzufühlen und mitzufiebern. Es ist wirklich wie ein Wiedersehen mit lieb gewordenen Bekannten. Darunter natürlich auch besonders Sonnenschein, den ich sehr mag und um den ich mir schon seit einiger Zeit Sorgen mache und gar nicht darüber nachdenken will, was auf ihn noch zukommen wird...

    Überhaupt muss ich gestehen, dass ich ich bei den Leo-Krimis immer einen ganzen Strauß an Charakteren habe, die ich über die Maßen schätze. Leo und Clara sind natürlich keine Frage. Aber eben auch den klugen, ruhigen Sonnenschein, Leos Freund Walther, der stets einen guten Blick auf Leo hat und auch die dieses Mal nur am Rande vorkommenden Ilse und Magda.

    Dafür kommt mit Jelena hier eine Figur hinzu, die ich ebenfalls sehr sympathisch finde. Wie muss es sich anfühlen, wenn man sich urplötzlich mutterseelenalleine in einer so großen Stadt wiederfindet, deren Sprache man zudem nicht spricht? Auch wenn nicht der ganz große Spot auf Jelena gerichtet wird, so sind es die Details, die ihr Innerstes, ihre Verzweiflung spürbar machen: zum Beispiel, dass sie sich angewöhnt hat, den Blick nicht mehr hochzunehmen, sondern ihre Unterkunft an den Stangen und Hausmauern zu erkennen... Da spricht so viel Einsamkeit und Kummer aus diesen Zeilen.

  • Ach übrigens, auch in diesem Abschnitt gab es kleine Details, die mich immer glücklich machen, weil sie eben so viel Zeitkolorit transportieren und damit einen spannenden Krimi mit jeder Menge wissenswerter Fakten und Atmosphäre füllen.


    Bei der Überlegung, wie die Pariser Vorlage für das Cabaret des Bösen heißt, sagt Magda zu Leo:


    "Ich habe den Namen vergessen, aber es ist ganz berühmt. Du brauchst nur bei den großen Zeitungen nachzufragen, die können es dir sagen." (Seite 82)


    Heutzutage bemüht man Google oder Wikipedia, damals hat man die Zeitungen gefragt - spannend, oder? Bei genauerer Überlegung ist das nahezu offensichtlich, denn ja, dort gab es Ressortspezialisten und Archive - noch heute bemühen Wissenschaftler Microfiches und schnödes Papier auch bei Zeitungen.


    Oder die Dolmetscherin, die Leo das rückständige, bäuerliche Leben in der Heimat Jelenas erklärt:


    "Bei einer Volkszählung sollten sie einmal ihre Nationalität angeben und nannten sich 'Leute von hier'." (Seite 133)


    Die Gegend bei Lwiw hat ja nun wirklich häufig die Zugehörigkeit gewechselt: Russisches Kaiserreich, zweimal Polen, Österreich-Ungarn (kuk), Besetzung durch die Deutschen (sogenanntes Generalgouvernement), Sowjetunion und jetzt Ukraine. Ob die Bewohner dieser Gegend sich deshalb nicht um nationale Grenzen scherten oder mangelnde Bildung die Ursache war, keine Ahnung, aber solche Details liebe ich einfach!

  • Auch wenn nicht der ganz große Spot auf Jelena gerichtet wird, so sind es die Details, die ihr Innerstes, ihre Verzweiflung spürbar machen: zum Beispiel, dass sie sich angewöhnt hat, den Blick nicht mehr hochzunehmen, sondern ihre Unterkunft an den Stangen und Hausmauern zu erkennen... Da spricht so viel Einsamkeit und Kummer aus diesen Zeilen.

    Ohja, die Verzweiflung von Jelena fand ich ebenfalls sehr gut beschrieben und dadurch auch ziemlich bedrückend.