04 - Seite 233 bis Ende (Kapitel 23 - Ende)

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  • Ich weiß auch, was du meinst. Vielleicht bin ich zu gutgläubig und hoffe einfach, dass bei Werner noch nicht Hopfen und Malz verloren sind, denn bei seiner ganzen Schnöseligkeit tut er mir irgendwo auch leid; bei solchen Eltern bleibt einem ja fast nichts anderes übrig, als zum arroganten A..... zu mutieren.

    Normalerweise würde ich sagen, er ist noch jung - und wenn er auf andere Freunde trifft....

    Aber ich fürchte zu der Zeit könnte er noch schlimmer werden :angst:

  • Das sind interessante Fragen. Ich glaube, ich hatte gar nicht nur einen Grund im Kopf, es ist wohl wirklich eine Mischung aus mehreren Beweggründen, wie ihr schon vermutet habt. Mir geht es beim Schreiben manchmal auch so, dass sich Figuren verselbständigen. Werner hatte ich mir eigentlich noch negativer gedacht, aber dann nahm die Geschichte ihren Lauf, und er wurde auch eine Art Opfer - seiner Erziehung, seiner gesellschaftlichen Herkunft. Daher würde ich sagen, es ist größtenteils Schweigegeld, aber vielleicht ist auch ein kleines bisschen Mitgefühl dabei.


    Vielleicht interessiert euch das auch: Ich habe irgendwann gemerkt, wie viele Vater-Sohn-Beziehungen in diesem Roman vorkommen: Leo/Georg, Werner/Dr. Rath, Heinz/sein Vater, Sonnenschein/Samuel, die Häberles. Das war gar nicht so geplant, aber als es mir dann auffiel, war ich sehr zufrieden damit. Ich bin in solchen Situationen selbst überrascht und frage mich dann, welcher unterbewusste Teil von mir da mitgeschrieben hat. ;)

  • Stimmt, die Beziehungen Leo/Georg, Werner und Dr. Rath sind mir auch aufgefallen - aber stimmt, es gibt noch weitere Vater-Sohn-Beziehungen. Sehr gut gemacht, Susanne.


    Ich finde es immer wieder spannend, dass die Entwicklung der Figuren auch für die Autoren immer wieder überraschend ist. Sie führen halt doch ein Eigenleben :totlach:

  • Das stimmt. Und bei meinem neuesten Roman stelle ich das auch wieder fest. Es ist spannend und ein bisschen unheimlich zugleich, wie sich die Figuren und Geschichten verselbständigen, sobald man sie auf den Weg geschickt hat. ;)

  • Der Identitätstausch war es also tatsächlich! Unerwartet und sehr geschickt fand ich übrigens die Tatsache, dass Häberle die Identität nicht aus Niedertracht geklaut hat, sondern das es reiner Zufall war. Immendorf war einfach nur ein Draufgänger, der noch einmal unbescholten zu Jelena wollte... Dass die beiden jungen Soldaten deshalb die Marken getauscht haben - da wäre ich nicht darauf gekommen. Und was danach kommt, sind schlicht und ergreifend die Schrecken.

    Gelegenheit macht Diebe - das ist Wohl das, was Häberle im Lazarett überkommt. Auch das kann ich ihm nicht wirklich verübeln, so traumatisiert wie er wohl gewesen ist. Und dann? Ich könnte mir vorstellen, dass er - derart verwundet - vielleicht einfach denkt, dass er auch einmal Glück hat und einfach vom Reichtum der Immendorfs profitieren kann. Ab diesem Zeitpunkt wird es aber wirklich kriminell, selbst wenn er annehmen musste, dass Immendorf selbst tot ist. Die Mutter derart zu täuschen, ist schon ein echter Hammer, aber dass er dann auch noch einen Mord begeht, indem er Frau Immendorf vor die Straßenbahn wirft... Wahnsinn!


    Schön fand ich übrigens, dass Leo nicht nur bei Georg Feingefühl beweist, sondern auch bei seinen Ermittlungen. Noch besser finde ich aber, dass er sich hinterher bei Jakob und Robert entschuldigt, weil er ihnen nicht von seiner Idee berichtet hat. Leo ist eben auch ein prima Kollege!

    Auch wenn ich es Jakob sehr gegönnt hätte, finde ich es absolut in Ordnung, dass Leo die Übermittlungen in Stuttgart, Reutlingen und Wäschenbüren übernimmt. Vor allem weil ich seinen Blick gerne mag. Diese Ruhe, die er in der Kleinstadt plötzlich wahrnimmt... Kurz war ich überrascht, dass Leo zuvor noch nie so weit verreist war, aber das ist natürlich aus heutiger Sicht gedacht. Manchmal muss ich mich erinnern, dass Leo 90 Jahre vor uns heute ermittelt.;) Und reisen war damals eben auch ganz schön beschwerlich - wenn ich alleine an die Holzklasse denke. Aua.8o


    Jelenas Selbstmord ist wirklich traurig! Ich hatte gehofft, dass sie in ihrer neuen Unterkunft zur Ruhe kommen könnte und vielleicht sogar eine Perspektive für sich findet. Auf der anderen Seite muss sie sehr pessimistisch in die Zukunft gesehen haben - Fjodor tot und sie ohne Geld tausende Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Da dort auch niemand wartet, sondern lediglich harte Arbeit und dennoch Armut... letztlich verwundert mich ihre tiefgreifende Verzweiflung dann doch nicht. Arme Jelena!


    Bleiben für mich vor allem noch zwei Punkte:

    Zum einen muss ich gestehen, dass mich der Prolog mächtig lange auf dem Holzweg hat tappen lassen. Ich hätte schwören können, dass es sich um einen echten Mord gehandelt hat, nun dürfte aber klar sein, dass es sich um eine Darstellung im Cabaret des Bösen handelt.

    Zum anderen bin ich entsetzt, dass wir bezüglich Georg mal wieder heftigst auf die Folter gespannt werden.:o Ganz schön fies, SusiGo ! Aber die Tatsache, dass er sich um das Opfer dieser dämlichen Prügel-Nazijungs gekümmert hat, deute ich jetzt mal als sehr positives Zeichen! Ich vertraue ihm jetzt einfach so, wie es Leo und Clara machen. Zumindest bis zum nächsten Fall.:)

  • Den Identitäts-Klau fand ich auch genial! Dass die beiden ihre Identitäten „getausch“ haben, war uns ja schon klar. Ich habe mir die horrendesten Storys vorgestellt. Dass es dann aber so banal war, super gemacht! Was Häberle draus gemacht hat, war weniger banal, das hat sich hochgeschaukelt zur Katastrophe.


    Leo finde ich auch einfach nur klasse! Er ist ein toller Ermittler, sehr erfolgreich, trotzdem bleibt er gegenüber seinen Kollegen mehr als fair und menschlich. Privat ist er auch ein toller Mann, hat natürlich auch eine tolle Frau im Hintergund. Der Sohn wird sich hoffentlich auch noch mausern!

  • Puh, da bin ich aber sehr froh über eure Reaktionen. Weil ich selbst so tief in der Geschichte stecke, ist es immer schwer, von außen draufzuschauen. Wie offensichtlich ist etwas? Und wie nachvollziehbar? Verrate ich zu viel oder zu wenig? Darum sind Leserunden auch so wichtig, weil ich da unmittelbar erlebe, wie die Geschichte auf euch wirkt.

    Der Gedanke, dass aus einem Freundschaftsdienst etwas so Ungeheuerliches erwächst, hat mich auch fasziniert, und ich bin froh, wenn es beim Lesen so rüberkommt. :)


    Und, ja, den Leo liebe ich auch ganz besonders. :love:

  • Leo finde ich auch einfach nur klasse! Er ist ein toller Ermittler, sehr erfolgreich, trotzdem bleibt er gegenüber seinen Kollegen mehr als fair und menschlich. Privat ist er auch ein toller Mann, hat natürlich auch eine tolle Frau im Hintergund.

    Zugegebenermaßen finde ich gar nicht, dass Clara im Hintergrund ist. Sie führt - für eine Ehe mit Kindern in den Zwanzigern - ein ziemlich selbstbewusstes Leben. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass sie weniger gleichberechtigt ist als Leo - mal abgesehen vom Gesetz und der Gesellschaft.;)

  • dieUnkaputtbare Überrascht war ich nicht, denn natürlich gab es damals toughe Frauen, die ihrer Zeit weit voraus waren. Ich finde es bemerkenswert, dass zum Beispiel die 60er deutlich biederer waren... In den 50ern wurden Frauen zum Wiederaufbau benötigt und da es häufig an Männern fehlte, übernahmen sie plötzlich auch Aufgaben, die zuvor Männern vorbehalten waren. Warum dies in den 60ern wieder rückwärts ging, keine Ahnung. Jedenfalls kommen mir da die Zwanziger häufig deutlich fortschrittlicher vor - wobei sich dies auf bestimmte Kreise beschränkte, schon klar.


    Dabei fällt mir ein, dass ich komplett vergessen hatte, etwas zur WKP und Friederike Wieking zu schreiben. Als Leo sie um Hilfe mit Jelena bittet, habe ich mich grundsätzlich gefreut, dass es mit der WKP vorangeht, aber irgendwie kam mir der Name Wieking bekannt vor... Daher vielen Dank für das Nachwort, SusiGo , das darauf aufmerksam gemacht hat, welch steile Karriere Wieking unter den Nationalsozialisten machen konnte. Sie hat sogar berichtet auch Jugendkonzentrationslagern erhalten und gegengezeichnet...

  • Zugegebenermaßen finde ich gar nicht, dass Clara im Hintergrund ist. Sie führt - für eine Ehe mit Kindern in den Zwanzigern - ein ziemlich selbstbewusstes Leben. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass sie weniger gleichberechtigt ist als Leo - mal abgesehen vom Gesetz und der Gesellschaft.;)

    Im Hintergrund hatte ich keineswegs abwertend gemeint! Nur aus Sicht seiner beruflichen Tätigkeit war Clara im „Hintergrund“.

  • dieUnkaputtbare


    Dabei fällt mir ein, dass ich komplett vergessen hatte, etwas zur WKP und Friederike Wieking zu schreiben. Als Leo sie um Hilfe mit Jelena bittet, habe ich mich grundsätzlich gefreut, dass es mit der WKP vorangeht, aber irgendwie kam mir der Name Wieking bekannt vor... Daher vielen Dank für das Nachwort, SusiGo , das darauf aufmerksam gemacht hat, welch steile Karriere Wieking unter den Nationalsozialisten machen konnte. Sie hat sogar berichtet auch Jugendkonzentrationslagern erhalten und gegengezeichnet...

    Ja, da musste ich auch schlucken, als ich von ihrer weiteren Karriere las. Und auch irgendwie bezeichnend, dass es mit ihrer Karriere nach dem Krieg vorbei war, während viele einflussreiche Männer wieder hohe Positionen bekleiden durften. Dennoch finde ich es erstaunlich, dass es eine, zudem auch noch lesbische, Frau in der Nazizeit so hoch aufsteigen konnte.

  • Ich bin auch fertig mit dem Buch und mein Gedanke, dass hier ein Identitätsklau stattfand, hat also tatsächlich gestimmt. :) Aber auch mich haben die Umstände überrascht, nämlich dass es sich "einfach so" ergeben hat und nicht von Lemasque geplant wurde, also von seiner Seite anfangs nichts Kriminelles passiert ist, um diese Identität in den Händen zu halten. OK, mal davon abgesehen, dass es natürlich schon ein Verstoß war, der aber zu Beginn nicht von Lemasque ausging, sondern von Theodor, der sich den stillen Lemasque für seinen kleinen Betrug ausgesucht hat. Tja, dumm gelaufen für Theodor, dass er bei seinem Ausflug verhaftet wurde .....


    Anfangs hatte ich also schon auch Verständnis für Lemasques Stillschweigen, eben weil der annahm Theodor wäre tot und er nun endlich mal in einer besseren Lage, aber dann hörte mein Verständnis für das Stillschweigen schnell auf, denn was Lemasques dann im weiteren Verlauf unternommen hat, um die neu erworbenen Bequemlichkeiten zu erhalten und zu behalten, macht ihn einfach nur kriminell und zum Mörder. Schnell wurde er zu einem kalten und skrupellosen Menschen. Echt erstaunlich, zu was der kleine "Streich" sich entwickelt hat und welche Auswirkungen er am Ende hatte!


    Richtig geschockt hat mich der Selbstmord Jelenas. Mir ist die junge Frau doch sehr ans Herz gewachsen und ich hatte für sie im letzten Abschnitt ja noch die Hoffnung, dass sie in einer der Gruppierungen Unterschlupf und neue Menschen findet, zu denen sie sich irgendwann zugehörig fühlen kann, aber dazu ist es nun nicht mehr gekommen, diese Möglichkeit hat sie erst gar nicht ausprobiert. Wie traurig ....


    Optimischer werde ich dagegen, was Georg betrifft. Er hat sich dem Jungen gegenüber, der von seinen Nazifreunden ins Visier genommen wurde, gut verhalten. Aber erst mal ganz geheim, was sicherlich nicht verkehrt war. Eine offene Konfrontation hat er sich verständlicherweise (noch) nicht getraut, denn wie diese Nazijungs ticken, hat er ja erlebt und entsprechend handelt er lieber mal nicht gegen sie. Ich denke, Georg ist hier in einer blöden Lage, was er selber spürt, denn wenn man Angst haben muss, sich gegen eine Gruppe zu stellen, der man gerade angehört und dies aber nicht mehr möchte, dann ist das für einen Jungen eine enorme Last. Hier bin ich echt gespannt, wie es weitergeht. Wird er bald offen aussteigen? und werden die anderen das überhaupt zulassen? Was werden die tun, wenn er raus will? Oder wird er drin bleiben und dabei so viel wie möglich versuchen, von den üblen Dingen, die die anderen anstellen, wieder gut zu machen oder zu helfen, etc. (so wie jetzt dem hinkenden Jungen) also quasi versuchen, intern und im Geheimen zu kämpfen? Das dürfte nicht lange gutgehen. Oder wird er doch seinen Vater zu Hilfe bitten oder dessen Beruf als Kriminalkommissar irgendwie als Druckmittel für einen reibungslosen Ausstieg benutzten (wo wie wieder bei derFrage wären, ist es gut oder schlecht für ihn, dass sein Vater bei der Kripo ist). Ich bin gespannt, was sich Susi für Georg einfallen lässt.


    Mir hat der Fall wieder sehr gut gefallen und natürlich auch besonders wieder das ganze "Drumherum" wie die lieb gewonnen Personen und die vielen Details für die so toll authentisch spürbare Atmosphäre der damaligen Zeit. Ich freue mich schon jetzt auf einen neuen Fall!

  • Anfangs hatte ich also schon auch Verständnis für Lemasques Stillschweigen, eben weil der annahm Theodor wäre tot und er nun endlich mal in einer besseren Lage, aber dann hörte mein Verständnis für das Stillschweigen schnell auf, denn was Lemasques dann im weiteren Verlauf unternommen hat, um die neu erworbenen Bequemlichkeiten zu erhalten und zu behalten, macht ihn einfach nur kriminell und zum Mörder. Schnell wurde er zu einem kalten und skrupellosen Menschen. Echt erstaunlich, zu was der kleine "Streich" sich entwickelt hat und welche Auswirkungen er am Ende hatte!

    Ich denke auch, die Gelegenheit zu ergreifen um die persönliche Situation zu verbessern, ist durchaus nachvollziehbar.

    Und wenn Theodor tatsächlich gestorben wäre - und dieser keine Familie gehabt hätte.....

    Wer weiß wie oft ähnliches passiert ist?!

    Man munkelt ja auch z.B. das unter den angeblichen Toten von 9/11 auch Personen sind, die überlebt, und sich abgesetzt haben...

    Jedenfalls hat der Mord an Theodors Mutter Lemasque zu einem gemeinen, hinterhältigen Mörder gemacht.

    Gab es damals in Deutschland noch die Todesstrafe? Ich glaube ja!

  • Echt erstaunlich, zu was der kleine "Streich" sich entwickelt hat und welche Auswirkungen er am Ende hatte!

    Das finde ich auch so erschreckend! Anfangs war es nur eine Kleinigkeit, aber dann wurde es immer schlimmer. Wenn man einmal angefangen hat....

  • Echt erstaunlich, zu was der kleine "Streich" sich entwickelt hat und welche Auswirkungen er am Ende hatte!

    Ja, das wurde ein ziemlicher Selbstläufer mit tödlichem Ende und sehr langfristigen Folgen.

    Was werden die tun, wenn er raus will? Oder wird er drin bleiben und dabei so viel wie möglich versuchen, von den üblen Dingen, die die anderen anstellen, wieder gut zu machen oder zu helfen, etc. (so wie jetzt dem hinkenden Jungen) also quasi versuchen, intern und im Geheimen zu kämpfen? Das dürfte nicht lange gutgehen.

    Auch das bleibt weiterhin spannend und bin ebenfalls neugierig, was sich Susi einfallen lassen wird.

  • Ja, es gab die Todesstrafe, sie wurde erst nach Ende des 2. WK abgeschafft.


    Und ich mache mir auch so meine Gedanken wegen Georg. Mal sehen, was aus ihm wird, da ist noch alles offen. Aber ich werde mich wohl auch wieder Marie zuwenden, da habe einige Ideen. :)