Allgemeine Fragen an Margit Ruile

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  • Hallo, :winken:


    erst einmal vielen Dank für die Begleitung dieser Leserunde! Ich finde es ist immer etwas besonderes, wenn der/die Autor/in selbst mit dabei ist und freue mich sehr darüber :)


    Ich würde gerne die "klassische" Frage stellen :-[, da mich wirklich interessiert, woher Sie die Ideen zu Ihren Büchern nehmen. Ich habe schon "Dark Noise" gelesen, was vom Verlag ja vollmundig mit dem Vergleich zu Jan Böhmermanns Varoufake-Video angepriesen wird (mit dem es ja dann doch nur die Bildmanipulation gemein hat)... Ist es tatsächlich so, dass Sie irgendwelche Nachrichten sehen und sich dann denken "daran könnte man eine Geschichte anknüpfen"?

  • Liebe Zank,


    darf ich Sie so ansprechen?- dazu sagt die Netiquette nichts – nun ich hoffe, es ist in Ordnung – jedenfalls vielen Dank für die Frage.

    Woher bekomme ich meine Ideen? Sie sind da, sie liegen in der Luft, es gibt so viele interessante Dinge, interessante Menschen, Fragestellungen, die mich beschäftigen, und aus all dem formt sich langsam eine Idee. Etwas, das mich elektrisiert. Es kann ein einzelner Gedanke sein, bei Dark Noise war es die Idee, dass jemand ein Bild manipuliert und einen Unschuldigen ans Messer liefert. Der Gedanke, dass man, obwohl man seine Wohnung nicht verlässt und mit dem Leben nichts zu tun haben will, trotzdem Schuld auf sich laden kann, den fand ich spannend. Die anderen Sachen ergaben sich aus diesem Gedanken. Varoufake und Böhmermann, an die beiden hatte ich gar nicht gedacht, die kamen dann später vom Verlag hinzu.
    Eine erste Idee ist wie ein Schneeball der den Berg hinunterrollt. Wenn er kompakt ist und was taugt, wird er immer größer und größer...
    Und wie stellt man fest, ob er was taugt, der Schneeball?
    Es gibt eine kleine Aufregung am Anfang, ein helles aufgeregtes Flackern, das der Gedanke auslöst. Dann hat er es in sich, größer zu werden.

  • Liebe Frau Ruile,


    danke für die schnelle Antwort. Den Vergleich zum Schneeball finde ich sehr schön. :) Dass Böhmermann nicht Pate der Buchidee war, habe ich mir schon fast gedacht. Marketingtechnisch hat es am Ende wahrscheinlich einfach zu gut gepasst, so dass der Verlag das in die Buchbeschreibung (aber nicht den Klappentext ;D ) mit aufgenommen hat.


    PS: Die Anrede ist völlig in Ordnung so. Wir sprechen uns hier für gewöhnlich einfach mit dem Usernamen an, genau so wie Sie es jetzt getan haben.


    Apropos Namen... als ich eben meinem Freund von der Leserunde berichtet habe, war ich mir nicht sicher, wie man Ihren Nachnamen ausspricht. So wie man ihn schreibt?

  • Liebe Teilnehmer(innen) der Leserunde,

    mit Spannung verfolge ich die vielen Diskussionen. Ich weiß nur nicht, ob und wie ich mich einmischen sollte.

    Ich beantworte jedenfalls hier gerne jede Frage.

    Viele liebe Grüße

    Margit Ruile


    Liebe Zank, "Ruile" spricht man aus, wie man es schreibt. Also kein französisches Verschlucken des e.

  • Hallo Frau Ruile,


    gerne würde ich die Frage stellen, an welchem aktuellen Projekt Sie gerade arbeiten?

    Sofern Sie uns das schon verraten dürfen.


    Und zudem würde mich interessieren, wie lange Sie an "God's Kitchen" gearbeitet haben.

    Also von der Idee zum fertigen Buch?

  • Liebe Babsi, ich arbeite an einem Märchen, das in der Zukunft spielt. Am Treatment dazu sitze ich gerade im Moment. Ansonsten habe ich noch zwei Projekte in der berühmten Ideen-Schublade, die ich gerne verwirklichen möchte. Zum einen ein Kinderbuch, das sich um einen ganz besonderen Jungen dreht, der in ein magisches Abenteuer verwickelt wird, zum anderen ein Buch über die Freundschaft zweier junger Frauen, von denen die eine die andere so beneidet, dass sie so sein möchte wie sie. Mal sehen, welches dieser Bücher als erstes realisiert wird. An "God's Kitchen" habe ich ein Jahr gearbeitet. 6-8 Wochen lang habe ich den Plot entwickelt, für die Geschichte brauchte ich dann zehn Monate. Es war sehr heiß, als ich anfing. Diese Augusthitze habe ich dann gleich in das erste Kapitel eingebaut.

  • Liebe Babsi,

    bevor ich die Frage beantworte, möchte ich nun doch ein paar Zeilen zur Leserunde schreiben.

    Zunächst: Wenn ich hier nicht alle mitnehmen konnte, dann tut mir das leid. Für mich persönlich war die Geschichte sehr emotional. Ich habe mit Celine gelitten, die die ganze Zeit ein Zuhause sucht. Das ist das, was sie antreibt. Sie findet es nicht, dort wo sie wohnt, sie hofft es in dem Institut zu finden, ein so dringender Wunsch, für den sie alle ihre Bedenken beiseite schiebt. Doch ihr wirkliches Zuhause findet sie schließlich bei Kairos.

    Zugleich ging es für mich um den Zusammenprall zwischen unserer Menschlichkeit und einer künstlichen Maschinenintelligenz. Wir sind organische Wesen und am Ende entscheidet sich Celine für die organische gewachsene Welt, für Kairos, für ihren Garten, für die Pflanzen, die Vögel, ja sogar für ihre völlig irrationale menschliche Eigenschaft. Sie entscheidet sich gegen die Welt der Maschinen, die Pandora verkörpert. Es ist eine große Entscheidung. Natürlich kann man die Sache weiterspinnen: Würde Celine Pandora anzeigen? Wird sich Chi über die ganze Erde ausdehnen? Aber das wäre ein ganz anderes Buch. Alles was ich schreiben wollte, war eine kleine Parabel: Was bedeutet es eine Mensch zu sein, wenn man einer künstlichen Intelligenz gegenübersteht?

    Es tut mir leid, wenn ich hier einige emotional nicht erreichen konnte. Vielleicht hielt ich manches für so selbstverständlich, dass ich es nicht hingeschrieben habe. Kairos und Celine habe ich immer als Paar gesehen und ich wollte ehrlich mit ihnen sein und sie nicht kitschig wirken lassen. Vielleicht war das aber einfach zuviel Vorsicht.

    Nun- das so weit von mir.

    Ach ja, pardon, die eigentliche Frage habe ich noch gar nicht beantwortet.Das, woran ich gerade arbeite, wird ein Märchen für junge Erwachsene. Das heißt, ich sehe es selbst als Märchen, wie es dann gesehen wird, wenn es fertig ist, weiß ich noch nicht.

  • Wir sindorganische Wesen und am Ende entscheidet sich Celine für die organische gewachseneWelt, für Kairos, für ihren Garten, für die Pflanzen, die Vögel, ja sogar fürihre völlig irrationale menschliche Eigenschaft. Sie entscheidet sich gegen dieWelt der Maschinen, die Pandora verkörpert. Es ist eine große Entscheidung.

    So klingt das echt toll und über den Unterschied könnte man noch eine ganze Weile nachdenken. Ich kann nicht genau sagen, warum das für mich im Buch nicht auch rüberkam (obwohl Celine ja selbst sagt, dass ihr Garten sie braucht).