Allgemeine Fragen an Bernhard Hennen und Robert Corvus

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  • Ich habe eine Frage, die mich seit längerem beschäftigt, und die sicher auch schon viele Male gestellt wurde, zu der ich aber bisher nirgendwo etwas gelesen habe:


    Gibt es eine Version der Geschichte, die sozusagen die offizielle (kanonische) Version für das DSA-Universum ist? Es wurde ja bereits mehrfach angemerkt, dass es einige z.T. deutliche Unterschiede zwischen der Abenteuervorlage und den Romanen gibt. Z.B. unterschiedliche/neue Charaktere in den Romanen oder unterschiedliche Abläufe wie z.B. die gleichzeitige Ankunft beider Gruppen am Himmelsturm. Ist die neue Saga nun die offizielle Geschichte? Oder hat das Abenteuer Vorrang? Existiert beides gleichberechtigt nebeneinander? Woran müsste sich ein Autor orientieren, der z.B. ein neues Abenteuer schreibt, in dem Charaktere aus der Wettfahrt aufgegriffen werden?

  • Grundsätzlich hängt die Frage, was beachtet, fortgeführt oder verworfen wird, am zuständigen Redakteur. Bei Das schwarze Auge versucht man, nur Dinge zu veröffentlichen, die untereinander konsistent sind. Manche Ideen sind aber dermaßen gut, dass man sie auch bringt, wenn sie vorher Veröffentlichtem widersprechen. Das ist auch bei den Neuauflagen der Phileasson-Saga im Rollenspiel (wo sie ja 25 Jahre auf dem Buckel hat) passiert.

    Bislang hat die Rollenspielredaktion die Setzungen, die wir in den Romanen neu getroffen oder angepasst haben (zum Beispiel zu Phanta und Crottet), übernommen. Ich vermute allerdings, dass man sich in einigen Details ausschweigen wird, insbesondere, was den gleichzeitigen oder zeitversetzten Aufenthalt im Himmelsturm angeht. Dieses Detail ist mehrere Jahrzehnte später, in der Gegenwart des Rollenspiels, nicht mehr relevant, und da ist es am Elegantesten, einfach alles gelten zu lassen.

    Was die Charaktere angeht, musste man ohnehin immer schon vage bleiben - denn in jeder Spielgruppe gab es ja andere Hauptprotagonisten ... Nur für einige Nichtspielerfiguren hat man ihre Erlebnisse nach der Saga skizziert. Ich verrate aber nicht, um welche es sich handelt, damit die Romanleserschaft weiter rätseln kann, wer das Ende der Abenteuerfahrt erleben wird ... ;)

    Ein Autor, der in einem neuen Roman oder einem neuen Abenteuer Phileasson-Motive aufgreift, sollte bei der Redaktion nachfragen, was gelten soll. Bislang war die Antwort allerdings in mehreren Fällen: "Bitte warte noch bis 2021, bevor Du Dein Abenteuer schreibst - so lange toben sich Bernhard und Robert mit dem Stoff aus, und danach wissen wir dann, was Phase ist." :lachen:

  • Bislang war die Antwort allerdings in mehreren Fällen: "Bitte warte noch bis 2021, bevor Du Dein Abenteuer schreibst - so lange toben sich Bernhard und Robert mit dem Stoff aus, und danach wissen wir dann, was Phase ist."

    Apropos 2021 :totlach:

    Wir sind ja nun im Band 5 und Band 6 erscheint im Herbst. Wie sieht es denn mit den Folgebänden aus? Ich hoffe, ihr habt schon mit Heyne die entsprechenden Verträge fertig?

  • Bernhard hat für VII, VIII und IX unterschrieben, mein Pendant zu diesem Vertrag ist noch nicht eingetroffen. Das ist aber kein Grund zur Beunruhigung, diese Dinge brauchen ihre Zeit für den Durchlauf, vor allem vor den Buchmessen, wenn sich im Verlag die Termine hetzen. Für Rosentempel, Städtezerstörer und Echsengötter (so die Arbeitstitel) sollte der Weg also vorgezeichnet sein. Band X, XI und XII werden wohl gegen Ende 2019 spruchreif.

  • Ich habe eine Frage, die mich seit längerem beschäftigt, und die sicher auch schon viele Male gestellt wurde, zu der ich aber bisher nirgendwo etwas gelesen habe:


    Gibt es eine Version der Geschichte, die sozusagen die offizielle (kanonische) Version für das DSA-Universum ist? Es wurde ja bereits mehrfach angemerkt, dass es einige z.T. deutliche Unterschiede zwischen der Abenteuervorlage und den Romanen gibt. Z.B. unterschiedliche/neue Charaktere in den Romanen oder unterschiedliche Abläufe wie z.B. die gleichzeitige Ankunft beider Gruppen am Himmelsturm. Ist die neue Saga nun die offizielle Geschichte? Oder hat das Abenteuer Vorrang? Existiert beides gleichberechtigt nebeneinander? Woran müsste sich ein Autor orientieren, der z.B. ein neues Abenteuer schreibt, in dem Charaktere aus der Wettfahrt aufgegriffen werden?

    Das ist in einem Rollenspiel nicht immer so ganz einfach zu beantworten. Tatsächlich gibt es so etwas wie einen Kern der Geschichte, der eher stabil bleibt und Randelemente, die unscharf sind. Und wenn es sein muss gibt es noch das Retconning, also das rückwirkende Ändern von Fakten.


    Bei Romanen sind die Geschehnisse üblicherweise fix. Ganz anders sieht es mit Abenteuern aus. Hier sind die Protagonisten zumindest in Form der Spielerfiguren unbekannt. Auch die genaue Abfolge der Geschehnisse ist unbekannt. Ich denke zum Beispiel darüber nach, meine Helden parallel mit Beorn in den Himmelsturm zu schicken, obwohl dies im Abenteuer anders beschrieben ist. Solche Dinge werden dann im Kanon möglichst unscharf beschrieben.


    Noch mal besonders ist es beim Schwarzen Auge mit den Figuren. In der Regel gibt es bei jedem Abenteuer Informationen, ob eine Figur für die weitere Verwendung in der kanonischen Geschichte überleben soll. Selbst das ist aber nicht immer kritisch. Ich habe auch schon den Hinweis unter einem solchen Auftritt gesehen: Sollte die Figur in Ihrer Phileasson-Saga gestorben sein, ersetzen Sie sie einfach durch einen anderen Hmmm.


    Den Fall, dass ein Roman und ein Rollenspiel-Abenteuer zum gleichen Stoff existieren hat es nach meinem Wissen aber bislang nur zwei Mal gegeben. Vor Phileasson war dies nur beim Jahr des Greifen, ebenfalls aus der Welt des schwarzen Auges der Fall.

    In dem seltenen Fall, dass ein Produkt so erfolgreich ist, dass es neu aufgelegt und dabei überarbeitet wird, kann es dabei auch zu Änderungen kommen. Das war bei Phileasson zum Beispiel der Fall. Für das Jahr des Greifen hatte der zuständige Redakteur auch ein zusätzliches Detail bestellt, welches im Original nicht enthalten war, weil er darauf in einer späteren Publikation Bezug nehmen wollte.

  • Ich verbinde mit der Phileasson Geschichte insbesondere der von mir erlebte Zeit beim Spielen vor ca. 20 Jahren, als das Spiel zum ersten mal heraus gekommen war. Die Kampagne gehört für mich immer noch zum besten was DSA hervorgebracht hat. Ich hatte das Glück die Kampagne erst einmal als Spieler erleben zu dürfen und ca. 6 Monate nach Abschluss, diese noch einmal selber in einer anderen Gruppe zu meistern.


    Die Bücher konkurrieren somit auch immer automatisch mit meinen mehr als positiv behafteten Erinnerungen an das "erlebte" Geschehene.


    Für mich ist die Frage spannend, ob ihr beiden Autoren die Kampagne selber gespielt oder geleitet habt? Bei Bernhard gehe ich als Schreiber der Kampagne davon aus. Wie siehts bei Robert aus? Wieviel von den selber gespielten/gemeisterten Szenen von Euch beiden Autoren fließt in die Bücher?


    Falls die Frage an anderer Stelle schon X mal gestellt sein sollte tut mir dies leid.

  • Für mich als Spieler der ersten Stunde (1984) ist die Phileasson-Kampagne zu neu. Als sie rauskam, neigte sich meine heiße Rollenspielzeit (6 Abende pro Woche) dem Ende entgegen. Daher habe ich sie nie gespielt.

    Als ich anfing, Romane für Das schwarze Auge zu schreiben (2007), stieß ich bei den Recherchen im Quellenmaterial aber immer wieder auf ihre Spuren ...

    Einmal editiert, zuletzt von Robert Corvus () aus folgendem Grund: Tippfehler korrigiert.

  • Für mich als Spieler der ersten Stunde (1984) ist die Phileasspn-Kampagne zu neu. Als sie rauskam, neigte sich meine heiße Rollenspielzeit (6 Abende pro Woche) dem Ende entgegen. Daher habe ich sie nie gespielt.

    Als ich anfing, Romane für Das schwarze Auge zu schreiben (2007), stieß ich bei den Recherchen im Quellenmaterial aber immer wieder auf ihre Spuren ...

    Sehr witzig. Die Uraltkampagne ist also zu neu. :totlach:

  • Es hat zwar niemand explizit danach gefragt, aber da wir während der Leserunde mehrfach darauf zu sprechen gekommen sind, führe ich hier einige der Romane auf, die mir zur Recherche gedient haben - falls Ihr Sehnsucht nach Maraskan bekommt, werdet Ihr hier fündig.


    "Westwärts, Geschuppte" von Karl-Heinz Witzko erzählt von einem Erkundungstrupp aus vier getarnten Marus. Sie sollen die Welt der Glatthäute (also der Menschen) auskundschaften. Die Geschichte lebt von der skurrilen Außensicht der Protagonisten auf menschliche Sitten. Das impliziert stellenweise einen tief schwarzen Humor.

    Ebenfalls von Karl-Heinz Witzko stammt die Trilogie "König Dajins Leben", mein Lesehighlight 2017. Sie besteht aus den Romanen "Tod eines Königs", "Die beiden Herrscher" und "Die Königslarve". Diese Trilogie hat meine Vorstellung von Maraskan entscheidend geprägt. Wer diese Insel in Schlangengrab schätzen gelernt hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

    Die Dualität maraskanischen Denkens kommt besonders gut in "Maraskengift" von Markus Tillmans zum Tragen. Hier wird die Geschichte episodenhaft von zwei Erzählern vorgetragen, die sich wechselseitig der verzerrten Darstellung bezichtigen (wer mal bei einer Phileasson-Lesung war, mag auch dieses Motiv wiedererkennen ...).

    In Schlangengrab haben wir drei maraskanische Städte besucht: Jergan im Norden, Boran im Osten und Sinoda im Süden. Auch im Westen der Insel gibt es eine Stadt, Tuzak. Dort spielt der Fantasy-Krimi "Tuzak Mortis" von Mike Krzywik-Groß.


    Es gibt noch weitere Maraskan-Romane, insbesondere von Hadmar von Wieser und noch einige mehr von Karl-Heinz Witzko, aber ich denke, mit den genannten kann man die Wartezeit bis zum Erscheinen von Schlangengrab gut überbrücken. ;)

  • Hier nun etwas in eigener Sache.

    Ich entschuldige mich für meine Abwesenheit in den letzten Wochen.

    Wie an anderer Stelle bereits angemerkt mache ich gerade eine schwierige Zeit durch.

    In den letzten Wochen schleppe ich mich am Rande eines Burnout entlang. Wer meine Facebook-Seite verfolgt,

    wird bemerkt haben, dass es auch dort zuletzt sehr still geworden ist.

    Manchmal wird vermutet, dass ich eine Fachkraft unterhalte, um Fragen zu beantworten oder Artikel zu schreiben.

    Dem ist nicht so. Wenn es Antworten gibt, sind diese immer von mir.

    Die Schattenseite: In Zeiten wie diesen wird es sehr still. Dafür entschuldige ich mich. Das ist nicht der Sinn einer Leserunde. Aber ich konnte einfach nicht ... Es gab Tage in den letzten drei Wochen, da habe ich Stunden gebraucht um morgens einen Grund aufzustehen zu finden. Es wird nun wieder besser ... Und ich hoffe es bleibt so. Bis vor kurzem konnte ich mir nicht einmal vorstellen je in so einem Zustand zu sein.

    Ich heische hier nicht um Mitleid. Es geht mir nur darum zu erklären, warum diese Leserunde war, wie sie war. Diese Offenheit schulde ich euch.


    Bernhard Hennen

  • Alles Gute für dich, lieber Bernhard! Pass auf dich auf!


    Es gibt wirklich deutlich wichtigeres als Leserunden, da stimmen mir hier sicher alle zu.

  • Lieber Bernhard, bitte achte auf Dich. Ich kenne das sehr gut, war selbst vor gar nicht so langer Zeit in diese Situation. Gerade Menschen, die sehr hohe Erwartungen an sich selbst stellen und perfektionistisch veranlagt sind, können da schnell ausbrennen. Die Leserunde ist da nicht so wichtig, außerdem hast Du einen fleißigen Kollegen am Start. Viel wichtiger ist, dass es Dir besser geht und Du nicht in die Burn-Out-Falle rennst.

    Vielen Dank für Deine Offenheit. Du weißt, dass Du eine große verständnisvolle Fangemeinde hast. Wir verzeihen Dir doch -fast- alles. ^^

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Lieber Bernhard,


    mach dir bloß keine Gedanken wegen der Leserunde, deine eigene Gesundheit ist viel wichtiger. Ich wünsche dir alles Gute und dass es weiterhin für dich aufwärts geht. Pass bitte auf dich auf und nimm dir die nötigen Auszeiten.

  • Oha. Bernhard alles Gute für dich.

    Pass gut auf dich auf. Ich musste selbst vor einiger Zeit erleben, welch drastische Konsequenzen solch ein Zustand haben kann und hoffe sehr, dass du alle Hilfe und Unterstützung hast, die du brauchst.

    Und in einer Leserunde können wir uns ja auch an deinen Geschichten erfreuen, wenn du gerade nicht da bist. Also mach dir mal deswegen keine Sorgen.

  • Lieber Bernhard,

    es gibt wichtigeres im Leben als eine Leserunde. Ich kann mir vorstellen, dass das Leben für einen erfolgreichen Autor sehr stressig ist und man irgendwann kein Land mehr sieht. Erhole Dich und mach Dir wegen uns keine Sorgen, Du hattest ja eine gute Vertretung, auch wenn Beorn etwas wenig Fürsprache erhalten hat. Obwohl diesmal hat er ja einige Punkte eingesammelt. 😊

    Lieber Gruß Simone 💙

  • Lieber Bernhard,

    alles erdenklich Gute für dich. Es gibt wichtigeres als eine Leserunde. Achte auf dich und fühl dich gedrückt.