02: Kapitel 5 - einschl. Kapitel 7

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  • Im Kapitel 5 wird ein Ausflug von Herrn Jakob beschrieben in dem sich Realität und Traum sehr stark vermischen. Trotz allem ist dieses Wochenende der ausschlaggebende Impulse für die Auszeit.


    Ich finde die Umgebung die sich Herr Jakob erträumt wirklich interessant - ein ruhiges, abgeschiedenes Dorf mit einem einfachen Haus, eine nette alte Dame und ein Baum, Wiesen, Felder, Blumen. Alles ganz idyllisch, für mich fast ein wenig zu idyllisch. So ist Dorf eigentlich nicht...aber gut es ist ja irgendwie auch nur ein Traum.


    Wie gesagt, nach dem Aufenthalt und festem Schlaf in dem Dorf, plant er doch recht systematisch und aufgeräumt seine Auszeit - vielen Leuten muss er nicht davon erzählen, denn sein engerer Personenbekanntenkreis ist klein.

    Gelungen finde ich die Beschreibungen des Erzählers, wie sich das Haus und der Schlafende für einen außenstehenden Betrachter zeigen. Der Erzähler sagt uns auf diese Weise was Realität zu sein scheint. Aber wie realistisch ist es, dass ein Mann tage-, ja wochenlang schläft.


    Spannend sind immer wieder die Übergänge für den Leser, wenn sich Szenen aus Traum und Realität vermischen - ganz besonders die Beschreibung des ersten Schnees und dann der doch etwas weniger idyllische Teil in dem Herr Jakob von der weißen Maße umgeben ist. Ein Traum im Traum?! Alles schon ziemlich schräg.


    Ich selbst finde die Traumgedanken und Empfindungen von Herrn Jakob sehr interessant, hangele mich aber inhaltlich eher an der auf den ersten Blick offensichtlichen Realität entlang, die uns der Erzähler immer wieder mitgibt.


    Achso - neugierig hat mich natürlich die Stelle mit der Haushälterin gemacht, was hat sie am oder im Haus gesehen, was ihr ein "Ach" entfahren lies und warum ist seine Skulptur eines Schlafenden auf einmal am Trödel in der Ecke so beliebt.


    Alles in allem viele interessante Aspekte, aber ich habe ganz ehrlich keine Ahnung wo es hinführen wird.


    Viele Grüße und euch allen erstmal einen wunderschönen Ostersonntag.

  • Achso - neugierig hat mich natürlich die Stelle mit der Haushälterin gemacht, was hat sie am oder im Haus gesehen, was ihr ein "Ach" entfahren lies und warum ist seine Skulptur eines Schlafenden auf einmal am Trödel in der Ecke so beliebt.

    Der Gedanke hinter der Beliebtheit der Skulptur war der, dass die Kaufinteressenten durch die Skulptur an ihre Sehnsucht nach Schlaf und Ruhe erinnert bzw. darauf gestoßen wurden. Und dann unbedingt die Skulptur haben wollen. Vielleicht wie man sich ein Bild vom Meer an die Wand hängt, weil dieses leider weit weg ist, man aber lieber dort wäre statt auf graue Betonwände zu gucken.


    Ja, das "Ach" von Frau Wanke... im Folgenden - ich verrate jetzt nicht wo - gibt es eine Andeutung, warum ihr ein "Ach" entfuhr ;)


    Liebe Grüße,

    Annette

  • In Kapitel 6 wird so schön beschrieben, wie Herr Jakob sich zurückgezogen hat, da hätte ich mich am liebsten dazugesellt. Er sorgt für sich, auch wenn es Dosenfutter ist, weiß also genau was er tut. Wie ein Bär in einer Höhle, der seinen Winterschlaf beginnt.

    Interessant, dass immer eine ältere Frau dabei ist, zuerst dachte ich ja, die Frau aus dem Dorf und die Frau mit der Pusteblume sei dieselbe, wurde dann aber eines Besseren belehrt.


    Die Traumphase in Buch 5 empfand ich sehr surreal, als Leser konnte ich Traum und Realität kaum auseinander halten. Spannend fand ich die Hinweise für Herrn Jakob, an denen er erkennen konnte, dass er jetzt gehen / aufwachen sollte. Abends gibt es eine warme Suppe und morgens ist die Küche kalt.


    Spannend finde ich die kleine Figur die Herr Jakob bei seinem Trödler ins Fenster legen ließ. Hatte er eine Ahnung, dass sie in den Menschen eine Sehnsucht weckt? Das Interesse scheint ihm Recht zu geben.


    Und wer nimmt sich im Alltag die Zeit einen Wurm beim Umrunden eines Astes zu beobachten, oder eine Walnuss genauer zu betrachten?

  • Spannend sind immer wieder die Übergänge für den Leser, wenn sich Szenen aus Traum und Realität vermischen - ganz besonders die Beschreibung des ersten Schnees und dann der doch etwas weniger idyllische Teil in dem Herr Jakob von der weißen Maße umgeben ist. Ein Traum im Traum?! Alles schon ziemlich schräg.

    Das fand ich auch schon sehr schräg und sogar leicht bedrohlich. Die weiße Maße hat mich an ein klebriges Spinnennetz erinnert in welches sich Herr Jakob fast verloren hätte. Warum allerdings diese Gefahr in dieser sonst so heilen Traumwelt erschien, habe ich nicht verstanden.



    schokotimmi dir und allen Anderen natürlich auch schöne Ostertage.

  • Das Buch hat auf mich eindeutig eine entschleunigende Wirkung :)


    Aus der Fahrt nach Bopfingen wird ja nichts, jedenfalls nicht, was das Erreichen des Ziels angeht. Aber Herr Jakob ist darüber nicht sehr traurig.


    Ich muss ja gestehen, ich habe vor diesem Abschnitt in einem Dark-Fantasy-Buch gelesen, da hatte das Dorf Kröpfingen anfangs etwas sehr unheimliches und es hätte sich auch alles zu einem Albtraum entwickeln können, zumal Herr Jakob sich auch nicht mehr erinnern konnte :totlach: Aber als das Huhn auftauchte, war ich beruhigt, dass doch alles seine Richtigkeit hat.


    Sehr angenehm im Gegensatz zu unserem lauten Alltag finde ich, dass die alte Frau, die Herrn Jakob in Kröpfingen versorgt, nicht viel redet, sondern das meiste durch Gesten ihm mitteilt. Dass Herr Jakob allerdings statt einem drei Tage durchschläft, damit hatte ich auch nicht gerechnet. Überhaupt scheint in Kröpfingen die Zeit ihre Bedeutung verloren zu haben: ich mache das an dem gemütlichen Herd der alten Frau fest (so einen hatte meine Oma auch bis in die 1990er Jahre noch in ihrer Küche stehen) und auch daran, dass die alte Frau eine so junge Stimme hat.


    Und kaum ist Herr Jakob wieder zuhause, prasseln direkt wieder die Probleme auf ihn ein: Bank, Unterhaltszahlungen und Zuschuss zum Führerschein. Und kein Mensch fragt sich, ob Herr Jakob überhaupt genug Geld für das alles hat. Alle fordern nur von ihm - mich wundert es nicht, dass er diesen ganzen Problemen überdrüssig und "müde" ist.


    Ich frage mich, ob sich Herr Jakob auch für seinen Winterschlaf entschieden hätte, wenn Frau Wanke nicht gestorben wäre? Ich hatte so den Eindruck, dass sie ihn noch am besten verstanden hat. Schön fand ich den Eindruck vom Antlitz der toten Frau Wanke, dass der Tod wie ein freundlicher Weggefährte erscheint, der die Tote in eine anderes Land geführt hat - eine sehr schöne Vorstellung.


    Herr Jakob schläft bei der Arbeit ein und auch sonst wird er immer antriebsloser, er musste in jedem Fall eine Entscheidung für sich treffen. Ich bin gespannt, ob der Winterschlaf die richtige Entscheidung für ihn ist. Im Januar hatte ich es mit einer Kollegin davon, dass wir dafür sind, dass auch für Menschen der Winterschlaf eingeführt wird :totlach:


    Hach, wenn das so einfach möglich wäre. Herr Jakob kann zwar zwei Monate Urlaub nehmen, aber was ist danach? Woher kommt dann das Einkommen? Das ist ja immer das leidige Thema. Außerdem bin ich gespannt, wie denn seine geschiedene Frau und die Töchter darauf reagieren werden, wenn sie ihn nicht mehr erreichen.


    Witzig fand ich, dass die Skulptur von dem Schlafenden so ein Interesse bei seinen Mitmenschen hervorruft. Vielleicht liegt es daran, dass diese Menschen ebenfalls die Sehnsucht und den Wunsch haben, sich einfach die Bettdecke über den Kopf zu ziehen.

    Nun bin ich aber gespannt, ob dieser hartnäckige Interessent tatsächlich einen Privatdetektiv finde, wovon ich ausgehe, und was dieser herausfinden wird. Dieser Interessent will die Skulptur ja echt um jeden Preis haben.


    Der Wechsel von Realität und Traum (oder vielleicht doch andersrum?) gefällt mir gut, vor allem weil wir mit den Bezügen zur Realität, wie wir sie kennen, auch einen Zeitbezug bekommen, wie Nikolaustag und die Vorbereitungen für Weihnachten usw. Schön finde ich auch, wie sich z.B. die Nuss als roter Faden sowohl durch den Traum als auch durch den Alltag zieht.


    Herr Jakobs momentane Welt mit dem entspannten Eichhörnchen, der Dame mit den Pusteblumen und dem Huhn ist sehr beruhigend und entspannend. Daher passte diese klebrige weiße Masse, von der ich zuerst dachte, es handelt sich um den Schnee in der Realität, nicht so richtig hinein, das war eher bedrohlich. Genauso dieser große schwarze Schatten. Dass es nicht eine der Phasen war, in denen Herr Jakob wach war, beweist der anschließende Satz, dass "ein an der Schlafzimmertür Ausharrender nur einen in der Tonhöhe leicht schwankenden gurgelnden Laute hätte hören können".

    Aber Herr Jakob muss zwischendrin mal aufgewacht sein, denn ich gehe momentan davon aus, dass er die beiden Flaschen entnommen und das Toilettenpapier benutzt hat.


    Wobei, Herr Jakob fragt danach das Huhn, ob er geschlafen hätte und das Huhn antwortet, er wäre zumindest eine Weile woanders gewesen. Hm.


    Frau Rettig macht sich Gedanken um Herr Jakob, sonst würde sie nicht bei ihm daheim vorbeischauen. Was wohl der Grund für das "Ach!" war? Vielleicht ist Herr Jakob doch in der Haustüre gestanden und sie hat ihn in dem Moment gesehen. Vielleicht war Frau Rettig der große schwarze Schatten, den er wahrgenommen hat.

  • Ein Traum im Traum?! Alles schon ziemlich schräg.

    Ich hatte das schon ein paar Male, dass ich mich im Traum an andere Träume erinnern konnte, aber danach teilweise echt unsicher war, ob ich diesen Traum im Traum wirklich schon mal zuvor geträumt hatte oder nicht. Bei manchen Malen bin ich mir eigentlich sicher, dass das der Fall war, aber wer weiß ...

    Der Gedanke hinter der Beliebtheit der Skulptur war der, dass die Kaufinteressenten durch die Skulptur an ihre Sehnsucht nach Schlaf und Ruhe erinnert bzw. darauf gestoßen wurden. Und dann unbedingt die Skulptur haben wollen

    Ah, dann war meine Überlegung hier gar nicht so falsch.

    Interessant, dass immer eine ältere Frau dabei ist, zuerst dachte ich ja, die Frau aus dem Dorf und die Frau mit der Pusteblume sei dieselbe, wurde dann aber eines Besseren belehrt.

    Ja, das dachte ich anfangs auch, ob die beiden identisch sind.

    Und wer nimmt sich im Alltag die Zeit einen Wurm beim Umrunden eines Astes zu beobachten, oder eine Walnuss genauer zu betrachten?

    Wohl wahr.


    Ich wünsche euch ebenfalls alle schöne Ostern.

  • In diesem Abschnitt verwischen sich die Realitäts- und Traumebene so sehr, dass ich erstmal überlegen musste, träumt her Jakob noch, oder ist er noch in der Wirklichkeit, zumindest was wir davon halten.


    Selbst in Kröpfingen begegnet er dem Huhn, wobei "ein Huhn" es wohl besser trifft, denn es ist ja nicht das gleiche Huhn, dass auf der Bank sitzt und mit Herrn Jakob die Gespräche führte, oder?


    Es ist schon eine interessante Welt, in die sich Herr Jakob hineinträumt, so wie er sich in seinem Haus zurückzieht, hat es den Anschein, als halte er nun seinen Winterschlaf. :)Eigentlich hätte er sich zuvor noch ein ordentliches Fettpolster zulegen müssen, um die nächsten Traumphasen davon zehren zu können. Aber zumindest hat er sich einen Vorrat an Konservendosen und Wasserflaschen zugelegt.


    Selbst die Zeit scheint langsamer zu vergehen und in der Traumwelt nimmt man sich die Zeit, beispielsweise "nur" auf eine Nuss zu schauen. Ich glaube, man nimmt sich viel zu wenig die Zeit, einfach mal nichts zu tun, um auf einer Bank zu sitzen und um dann einfach mal an nichts zu denken, oder wie im Buch, eine Nuss zu betrachten.

    Es kann ja nicht sein, dass man einfach mal nichts tut. ;)


    Die Traumphase in Buch 5 empfand ich sehr surreal, als Leser konnte ich Traum und Realität kaum auseinander halten. Spannend fand ich die Hinweise für Herrn Jakob, an denen er erkennen konnte, dass er jetzt gehen / aufwachen sollte. Abends gibt es eine warme Suppe und morgens ist die Küche kalt.

    Ja, so erging es mir auch, aber spätestens, als das Huhn und die Frau sich zunicken, ahnte ich, dass sein Aufenthalt in diesem Dorf wohl nicht hundertprozentig real ist, oder als das Tier an die Tür klopft oder hackt und die ältere Frau es hereinlässt.


    Aber Herr Jakob muss zwischendrin mal aufgewacht sein, denn ich gehe momentan davon aus, dass er die beiden Flaschen entnommen und das Toilettenpapier benutzt hat.

    Ja, das denke ich auch, ich glaube, ansonsten würde es wohl ein wenig unglaubwürdig wirken, aber gut, ich glaube, das wäre wohl ein Detail, das mir entgangne wäre, hätte er die ganze Zeit nichts getrunken oder gegessen. Andererseits stimmen die Traumzeiten mit der Zeit in unserer Wirklichkeit nicht ganz überein, denn meist träumen wir oft nur wenige Sekunden, denken aber, laut Traumhandlung müsste der Traum doch mehrere Stunden angedauert haben, oder so. :)


    Herr Jakob schläft bei der Arbeit ein und auch sonst wird er immer antriebsloser, er musste in jedem Fall eine Entscheidung für sich treffen. Ich bin gespannt, ob der Winterschlaf die richtige Entscheidung für ihn ist. Im Januar hatte ich es mit einer Kollegin davon, dass wir dafür sind, dass auch für Menschen der Winterschlaf eingeführt wird :totlach:

    Genau, weiter so kann es auf jedne Fall nicht gehen, hoffentlich hilft ihm das "Flüchten" in seine Traumwelt dabei, eine positive Entscheidung für seinen weiteren Lebensweg zu treffen. Und ich wäre dafür, auch für den Menschen den Winterschlaf einzuführen. ;)


    Und wer nimmt sich im Alltag die Zeit einen Wurm beim Umrunden eines Astes zu beobachten, oder eine Walnuss genauer zu betrachten?

    In unserer hektischen Zeit wohl kaum jemand, oder nicht so oft. Und ich beobachte es oft, dass manche Leute ein Problem damit haben, einfach mal abzuschalten und mal nichts zu tun, es muss immer ein Programm abespult werden, selbst im Urlaub, was aber bei den meisten auch wieder in Stress und Hektik ausartet, dadurch bräuchten sie nach dem Urlaub wieder Urlaub, um sich von den zwei oder drei Wochen Urlaub zu erholen.


    Grundsätzlich schaue ich mir in meiner freien Zeit auch gern etwas an, auch gern den ganzen Tag oder das gesamte Wochenende, aber es soll trotzdem entspannend sein und ich möchte nicht das Gefühl haben, einem bis ins kleinste Detail durchgetakteten Zeitplan hinterher zu rennen.


    Traurig empfand ich die Stelle, als die Nachbarin von Herrn Jakob, die Frau Wanke, starb, aber andererseits auch wieder tröstend, als ihr letzter Wunsch erfüllt wurde, dass ihre Asche über dem Meer verstreut wurde.

    Das Verhältnis zwischen den beiden muss ja sehr innig gewesen sein, dass Herr Jakob ihr seine Träume anvertraut.

  • Und wer nimmt sich im Alltag die Zeit einen Wurm beim Umrunden eines Astes zu beobachten, oder eine Walnuss genauer zu betrachten?

    Das tue ich auch leider viel zu wenig... zumindest im Urlaub habe ich es einmal geschafft, eine Schnecke auf ihrem Weg zu beobachten und habe gemerkt, wie spannend so etwas doch sein kann. Man fühlt sich dann wieder wie ein Kind, das stundenlang fasziniert von etwas sein und alles um sich herum vergessen kann.

    Die weiße Maße hat mich an ein klebriges Spinnennetz erinnert in welches sich Herr Jakob fast verloren hätte. Warum allerdings diese Gefahr in dieser sonst so heilen Traumwelt erschien, habe ich nicht verstanden.

    Wobei, Herr Jakob fragt danach das Huhn, ob er geschlafen hätte und das Huhn antwortet, er wäre zumindest eine Weile woanders gewesen. Hm.

    Bei der weißen Masse hatte ich tatsächlich an ein Spinnenetz gedacht und bei dem dunklen Schatten an eine dicke ... uah.... gedacht. Die Idee dahinter war, dass es an dieser Stelle einen Einbruch in seine ansonsten so heile Traumwelt gibt, in dem sich die eigenen Bedrohungsgefühle ein Bild suchen. Und bedroht fühlt er sich, weil er bald wieder aufwachen und sich dann allen Problemen von neuem stellen muss.


    Ich hatte das schon ein paar Male, dass ich mich im Traum an andere Träume erinnern konnte, aber danach teilweise echt unsicher war, ob ich diesen Traum im Traum wirklich schon mal zuvor geträumt hatte oder nicht.

    Das ist ja interessant!

    Als Kind war mir im Traum oft bewusst, dass ich träume - und einmal habe ich mich darauf konzentriert, aufzuwachen. Aber auch das Aufwachen habe ich dann nur geträumt und dachte im Traum, dass irgendwas nicht stimmt. Da fühlte ich mich wie eine Gefangene in meinen eigenen Träumen...

    Ich frage mich, ob sich Herr Jakob auch für seinen Winterschlaf entschieden hätte, wenn Frau Wanke nicht gestorben wäre? Ich hatte so den Eindruck, dass sie ihn noch am besten verstanden hat.

    Frau Wanke hat ihm wohl einen letzten entscheidenden Anstoß gegeben, und sie hat ihn in seinem Bedürfnis auch gut verstanden. Als Sterbende wusste sie, wie unwichtig manche Dinge werden können und war selbst schon unterwegs in eine andere Welt.

    Schön finde ich auch, wie sich z.B. die Nuss als roter Faden sowohl durch den Traum als auch durch den Alltag zieht.

    Das wird mir selbst jetzt noch einmal richtig bewusst! Ich habe mich beim Schreiben ziemlich treiben lassen und die Handlung bzw. die Details nicht vorher geplant. Es scheint so zu sein, dass sich dann manchmal ganz unbewusst ein roter Faden entwickelt...

    Was wohl der Grund für das "Ach!" war?

    Dazu gibt es im weiteren Verlauf eine minimale Andeutung, was Frau Rettig da gesehen hat 8)

    Ja, das denke ich auch, ich glaube, ansonsten würde es wohl ein wenig unglaubwürdig wirken, aber gut, ich glaube, das wäre wohl ein Detail, das mir entgangne wäre, hätte er die ganze Zeit nichts getrunken oder gegessen.

    So war es gedacht, dass er zwischendurch mal aufgestanden ist und dann zumindest etwas getrunken hat.


    Herzliche Grüße und einen schönen Ostermontag!

    Annette

  • Ich finde die Umgebung die sich Herr Jakob erträumt wirklich interessant - ein ruhiges, abgeschiedenes Dorf mit einem einfachen Haus, eine nette alte Dame und ein Baum, Wiesen, Felder, Blumen. Alles ganz idyllisch, für mich fast ein wenig zu idyllisch. So ist Dorf eigentlich nicht...aber gut es ist ja irgendwie auch nur ein Traum.

    Und ganz besonders gut haben mir die mehrfachen Hinweise von Hr. Jakob gefallen, dass er nichts tun möchte, was die Ruhe des Ortes auch nur irgendwie stören würde! Das passt so ganz zu ihm, dem alles Laute, Schnelle, Hektische und Grobe stört (so empfinde ich das jedenfalls).


    Gelungen finde ich die Beschreibungen des Erzählers, wie sich das Haus und der Schlafende für einen außenstehenden Betrachter zeigen. Der Erzähler sagt uns auf diese Weise was Realität zu sein scheint. Aber wie realistisch ist es, dass ein Mann tage-, ja wochenlang schläft.

    Realistisch ist es sicherlich nicht - aber es steht (für mich) symbolhaft für Ruhe und Entspannung, für das Besinnen auf sich selbst.


    Und ungefähr so geht es mir beim Lesen auch: ich lese relativ langsam und entspannt und so manche Seite doppelt, weil meine Gedanken einfach abschweifen... ein ziemlich entspannter Zustand!



    Ich frage mich, ob sich Herr Jakob auch für seinen Winterschlaf entschieden hätte, wenn Frau Wanke nicht gestorben wäre? Ich hatte so den Eindruck, dass sie ihn noch am besten verstanden hat. Schön fand ich den Eindruck vom Antlitz der toten Frau Wanke, dass der Tod wie ein freundlicher Weggefährte erscheint, der die Tote in eine anderes Land geführt hat - eine sehr schöne Vorstellung.

    Fr. Wanke hat ihn sicher als einzige hier gut verstanden - vielleicht weil sie sich selber schon mitten im Sterbeprozess befand, Abstand von der Welt hatte. Außerdem ist der Tod eines Menschen immer auch ein Anlass, das eigene Leben zu überdenken (und kein Sterbender hat je gesagt: "Hätte ich doch bloß mehr gearbeitet")

    Die Vorstellung vom Tod als freundlichen Weggefährten hat etwas sehr beruhigendes und gefällt mir somit sehr gut! Danke dafür!


    Wobei, Herr Jakob fragt danach das Huhn, ob er geschlafen hätte und das Huhn antwortet, er wäre zumindest eine Weile woanders gewesen. Hm.

    Ich muss gestehen, dass ich diese Passage nicht ganz verstanden habe - und sie noch einmal lesen werde. Wie gesagt... die Gedanken schweifen manchmal ab. Auch ohne Huhn.

    Der grundsätzlichen Idee eines Winterschlafes kann ich viel abgewinnen...


    :blume:

  • Selbst in Kröpfingen begegnet er dem Huhn, wobei "ein Huhn" es wohl besser trifft, denn es ist ja nicht das gleiche Huhn, dass auf der Bank sitzt und mit Herrn Jakob die Gespräche führte, oder?

    Da bin ich mir nicht sicher, ob es nicht doch das gleiche Huhn ist. Auf der Bank sitzend haben wir bisher nicht mitbekommen, ob das Huhn hinkt oder nicht. Aber Herrn Jakob ist die eine weiße Feder zwischen den anderen Federn aufgefallen, welche ihn an etwas erinnerte. Ihm ist aber nicht mehr eingefallen, was.

    Als Kind war mir im Traum oft bewusst, dass ich träume - und einmal habe ich mich darauf konzentriert, aufzuwachen. Aber auch das Aufwachen habe ich dann nur geträumt und dachte im Traum, dass irgendwas nicht stimmt. Da fühlte ich mich wie eine Gefangene in meinen eigenen Träumen...

    Das hatte ich ein oder zwei Male, dass ich vom Aufwachen geträumt habe, das war wirklich sehr seltsam.

    Wenn man sich im Traum darüber klar ist, dass man träumt, sind das doch die sogenannten "Klarträume", wenn ich mich nicht irre. Das ist auch ein spannendes Thema und man kann es wohl ein Stück weit erlernen.

    Dazu gibt es im weiteren Verlauf eine minimale Andeutung, was Frau Rettig da gesehen hat 8)

    In diesem Abschnitt oder im nächsten?

    Bei der weißen Masse hatte ich tatsächlich an ein Spinnenetz gedacht und bei dem dunklen Schatten an eine dicke ... uah.... gedacht. Die Idee dahinter war, dass es an dieser Stelle einen Einbruch in seine ansonsten so heile Traumwelt gibt, in dem sich die eigenen Bedrohungsgefühle ein Bild suchen. Und bedroht fühlt er sich, weil er bald wieder aufwachen und sich dann allen Problemen von neuem stellen muss.

    Bah, eine sehr unschöne Vorstellung des drohenden Aufwachens - und in seinem Fall kann ich diese Bedrohung auch leider allzu gut nachvollziehen.

  • Bei der weißen Masse hatte ich tatsächlich an ein Spinnenetz gedacht und bei dem dunklen Schatten an eine dicke ... uah.... gedacht. Die Idee dahinter war, dass es an dieser Stelle einen Einbruch in seine ansonsten so heile Traumwelt gibt, in dem sich die eigenen Bedrohungsgefühle ein Bild suchen. Und bedroht fühlt er sich, weil er bald wieder aufwachen und sich dann allen Problemen von neuem stellen muss.

    Bah, eine sehr unschöne Vorstellung des drohenden Aufwachens - und in seinem Fall kann ich diese Bedrohung auch leider allzu gut nachvollziehen.

    Das finde ich jetzt interessant, das hatte ich so überhaupt nicht verstanden, diese Bedrohung des Aufwachens. Danke für die Erklärung.

    Ja die Bedrohung ist nicht von der Hand zu weisen, aber darf ich ehrlich sein - ich finde es schade dass es wieder ein Spinnennetz und eine Spinne sein muss, die eine Bedrohung darstellt.

    Habt ihr schon mal ein mit Tau benetztes Spinnennetz in einem Baum gesehen oder in welch wunderschönen Bewegungen eine Spinne ihr Netz spinnt. Das hat auch was sehr beruhigendes. ;)

    Der Gedanke hinter der Beliebtheit der Skulptur war der, dass die Kaufinteressenten durch die Skulptur an ihre Sehnsucht nach Schlaf und Ruhe erinnert bzw. darauf gestoßen wurden. Und dann unbedingt die Skulptur haben wollen. Vielleicht wie man sich ein Bild vom Meer an die Wand hängt, weil dieses leider weit weg ist, man aber lieber dort wäre statt auf graue Betonwände zu gucken.

    Auch das kam bei mir nicht so an, ich habe dem ganzen jetzt mehr Bedeutung beigemessen, als ob etwas Magisches an der Figur dran ist oder so. Aber mit dem Privatdetektiv wird da wohl noch was passieren.


    Viele Grüße

    schokotimmi

  • Außerdem ist der Tod eines Menschen immer auch ein Anlass, das eigene Leben zu überdenken (und kein Sterbender hat je gesagt: "Hätte ich doch bloß mehr gearbeitet")

    Wie wahr.

    Da bin ich mir nicht sicher, ob es nicht doch das gleiche Huhn ist. Auf der Bank sitzend haben wir bisher nicht mitbekommen, ob das Huhn hinkt oder nicht. Aber Herrn Jakob ist die eine weiße Feder zwischen den anderen Federn aufgefallen, welche ihn an etwas erinnerte.

    Das Huhun ist sozusagen ein Wanderer zwischen den Welten. Genau, die weiße Feder! ;)


    In diesem Abschnitt oder im nächsten?

    Im nächsten ;)

    Habt ihr schon mal ein mit Tau benetztes Spinnennetz in einem Baum gesehen oder in welch wunderschönen Bewegungen eine Spinne ihr Netz spinnt. Das hat auch was sehr beruhigendes.

    Da gebe ich Dir unbedingt recht! Das habe ich, wenn ich draußen war oder auf dem Balkon, auch schon fasziniert beobachten können (immer mit der mir nötigen Fluchtdistanz;-)

    Ich glaube, in der Romanszene hatten zugeschlagen:

    1. Die Spinnenphobie der Autorin

    2. Die Erinnerung der Autorin an einen US-amerikanischen Spinnenfilm mit William Shatner (Kingdom of the Spiders/Mörderspinnen), den selbige als Jugendliche gesehen hat. Am Ende war glaube ich ein ganzes Haus eingesponnen...


    Liebe Grüße,

    Annette

  • Da gebe ich Dir unbedingt recht! Das habe ich, wenn ich draußen war oder auf dem Balkon, auch schon fasziniert beobachten können (immer mit der mir nötigen Fluchtdistanz;-)


    Ich glaube, in der Romanszene hatten zugeschlagen:

    1. Die Spinnenphobie der Autorin

    2. Die Erinnerung der Autorin an einen US-amerikanischen Spinnenfilm mit William Shatner (Kingdom of the Spiders/Mörderspinnen), den selbige als Jugendliche gesehen hat. Am Ende war glaube ich ein ganzes Haus eingesponnen...

    Das ist eine geniale Erklärung - den Film kenne ich nicht. Ich musste aber gleich an die Spinnenszene in Herr der Ringe denken.

    Man sieht es vllt. trotz allem anders ohne Spinnenphobie. ;-)


    Da bin ich mir nicht sicher, ob es nicht doch das gleiche Huhn ist. Auf der Bank sitzend haben wir bisher nicht mitbekommen, ob das Huhn hinkt oder nicht. Aber Herrn Jakob ist die eine weiße Feder zwischen den anderen Federn aufgefallen, welche ihn an etwas erinnerte.

    Das Huhun ist sozusagen ein Wanderer zwischen den Welten. Genau, die weiße Feder! ;)

    Wanderer zwischen den Welten finde ich auch schön - ich mag das Huhn. Das ist echt klasse.


    VG

    schokotimmi

  • Das Buch hat auf mich eindeutig eine entschleunigende Wirkung :)

    Genau diesen Eindruck habe ich auch beim Lesen.


    Manchmal weiß ich gar nicht, ob sich Herr Jakob gerade in einem Traum befindet oder ob er in seiner Umgebung nicht mehr zurecht kommt!


    Winterschlaf zu halten, um wieder zur Ruhe zu kommen, abzuschalten, um den Zwängen des Lebens zu entfliehen, ist eine gute Idee.

    Und wer nimmt sich im Alltag die Zeit einen Wurm beim Umrunden eines Astes zu beobachten, oder eine Walnuss genauer zu betrachten?

    In unserem Alltag sollten wir öter kleine Pausen einlegen und auf uns und unsere Umgebung achten. Schon dadurch können wir bewußter und ausgeglichener leben.

    Wanderer zwischen den Welten finde ich auch schön - ich mag das Huhn. Das ist echt klasse.

    Merci! :)

    Das Huhn, Wanderer zwischen den Welten, vielleicht eine innere Stimme, die uns leiten möchte? Das Huhn, weil es um die Realität weiß und vermitteln möchte?

  • Ja die Bedrohung ist nicht von der Hand zu weisen, aber darf ich ehrlich sein - ich finde es schade dass es wieder ein Spinnennetz und eine Spinne sein muss, die eine Bedrohung darstellt.

    Habt ihr schon mal ein mit Tau benetztes Spinnennetz in einem Baum gesehen oder in welch wunderschönen Bewegungen eine Spinne ihr Netz spinnt. Das hat auch was sehr beruhigendes. ;)

    Ich muss gestehen, ich abe den Schatten nicht als eine evtl. Spinne erkannt - wahrscheinlich liegt das auch daran, dass ich überhaupt kein Spinnenphobiker bin :totlach:

    Das Huhn, Wanderer zwischen den Welten, vielleicht eine innere Stimme, die uns leiten möchte? Das Huhn, weil es um die Realität weiß und vermitteln möchte?

    Das Huhun ist sozusagen ein Wanderer zwischen den Welten. Genau, die weiße Feder! ;)

    Das gefällt mir beides sehr.

  • Manchmal weiß ich gar nicht, ob sich Herr Jakob gerade in einem Traum befindet oder ob er in seiner Umgebung nicht mehr zurecht kommt!

    Ich mag diese "verschwommenen" und hin und wieder auch sehr überraschenden Übergänge! Dadurch sind "Traumwelt" und "Realität" nicht einander gegenüber gestellt, sondern miteinander verwoben!

    (Auch wenn ich manchmal erst nach 2 oder 3 Zeilen draufkomme, dass wir wieder mal die Realität gewechselt haben!


    Winterschlaf zu halten, um wieder zur Ruhe zu kommen, abzuschalten, um den Zwängen des Lebens zu entfliehen, ist eine gute Idee.

    Da bin ich ganz Deiner Meinung! Ich könnte mich sofort dafür begeistern!


    Hr. Jakob gefällt mir übrigens immer besser - er sehnt sich nach Ruhe und das ist ja nicht unbedingt trendy!

    ;) Aber wir alle spüren, wie gut sie einem täte... wenn wir nicht noch so viel zu tun hättenrotwerd

    Für einen Winterschlaf reicht meine Zeit leider nicht aus, aber mit dem Lesen steigt meine Sehnsucht nach etwas mehr Zeit!


    Irgendwie dazu passend : "Man sollte nicht Zeitvertreib, sondern Zeitgenuss sagen" (Jean Paul)


    :)

  • Ich muss gestehen, ich abe den Schatten nicht als eine evtl. Spinne erkannt - wahrscheinlich liegt das auch daran, dass ich überhaupt kein Spinnenphobiker bin :totlach:

    Ich auch nicht8o! Für mich war das einfach ein großer Schatten... ohne Phobie!

  • In unserem Alltag sollten wir öter kleine Pausen einlegen und auf uns und unsere Umgebung achten.

    Ich glaube, solche kleinen Pausen können einen eine wohltuend große Wirkung haben.


    Das Huhn, weil es um die Realität weiß und vermitteln möchte?

    Ja, das trifft es gut. Das Huhn war als eine Art Vermittler gedacht, weil es einfach mehr weiß, dadurch, dass es sich zwischen den Welten bewegt.


    Irgendwie dazu passend : "Man sollte nicht Zeitvertreib, sondern Zeitgenuss sagen" (Jean Paul)

    Was für ein treffendes Zitat, das kannte ich noch nicht, danke!


    Für mich war das einfach ein großer Schatten... ohne Phobie!

    Die Spinne existiert ja vor allem in der Vorstellung der phobischen Autorin :)

    Der Leser muss da meines Erachtens nicht unbedingt eine Spinne sehen, wer weiß, was alles einen Schatten werfen kann...

    Aber als ich gestern noch einmal den US-Spinnenfilm recherchierte, der mich vor Jahrzehnten nachhaltig beeindruckt hat, da lief es mir doch wieder kalt den Rücken herunter, bzw. es krabbelte den Rücken herunter... :o


    Herzliche Grüße,

    Annette