01 - Prolog und Teil 1 (bis Seite 79)

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  • Hallo ihr Lieben,


    hier treffen wir uns ab dem 12. April 2018 zur Leserunde zu dem Buch "Grimaldi. Der Fluch des Felsens" von Catherine Aurel und ich begrüße alle Teilnehmer*innen und ganz besonders Catherine Aurel! Wie schön, dass du dir die Zeit nimmst und Lust hast uns bei der Leserunde zu begleiten! :bussi:


    Bitte beachtet auf die allgemeinen Informationen zu Leserunden und die hiesige Nettiquette.

    Postet hier bitte erst, wenn ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.


    Wenn ihr erst ein paar Tage später in die Leserunde einsteigen könnt, dann wäre es gut, wenn ihr hier oder per PN mir kurz Bescheid geben würdet.


    Es wäre schön, wenn ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir größtenteils zusammenbleiben können. Grobe Faustregel ist hierbei, dass bitte pro Tag nicht mehr als ein Abschnitt gelesen und dazu gepostet werden sollte! :winken:



    Zum Abschluss: bitte denkt auch daran, dass ein wichtiger Teil der Leserunden eure abschließenden Rezensionen sind und stellt diese am Ende der Runde zeitnah hier im Forum und auf literaturschock.de direkt ein.


    Hier könnt ihr bis Seite 79 schreiben.

    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.


    Ich wünsche uns allen viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!


    Liebe Grüße

    Avila :winken:

  • Hallo zusammen und hallo auch an Catherine, vielen Dank für das Begleiten der Leserunde! :-)


    Erstmal etwas zur Aufmachung. Die finde ich nämlich sehr gelungen und das Personenverzeichnis und vor allem der Stammbaum helfen mir wirklich sehr weiter. Die Karte brauch ich aktuell noch nicht, bislang spielt die Handlung ja hauptsächlich in Genua...


    Ich habe jetzt bis zum Sinnabschnitt auf Seite 40 gelesen und fange mal mit meinen Eindrücken an :-)


    Und ich beginne mal buchstäblich am Anfang, denn den ersten Satz finde ich mal richtig genial. Ich mag einfach den Kontrast, den er ausstrahlt und mich hat er sofort gefesselt.


    Dennoch bin ich - mal wieder - in meiner leidigen "Ich muss mich an Autorin und Stil gewöhnen"-Phase. Es prasseln Eindrücke und Namen auf mich ein, die ich erstmal sortieren und verstehen muss und bei denen ich mich noch frage, was sie mir sagen sollen.


    Das mal außen vor gelassen ist der erste Eindruck dennoch gut. Ich mag es, dass sich das Buch wohl in eine Art Metaebene begibt - Giuditta erzählt ja Raniero ihre Geschichte.


    Da habe ich gleich mal eine vielleicht merkwürdig klingende, aber ernst gemeinte Frage: Wie unterscheiden wir hier Raniero von... Raniero? :-D Der im Prolog ist ja der Urenkel von dem, der im ersten Teil erwähnt wird, wenn ich das richtig verstanden habe.


    Der erste Satz des ersten Teiles verwirrt mich nun auch - aus wessen Sicht ist das Ganze denn geschrieben? Ich dachte eigentlich aus Sicht Giudittas, weil das wegen dem Prolog auch logisch wäre, aber dann würde sie im weiteren Verlauf von sich selbst in der dritten Person sprechen...


    Angelottas Tod hat etwas sehr makaberes an sich, dennoch mag ich die Ironie, die dahinter steht. Ein Lebenstraum, der sich erst im Sterben erfüllt - das Leben ist manchmal seltsam :-D


    Noch etwas, was mich irritiert: Bin das nur ich, oder wirken die männlichen Grimaldi etwas notgeil? Wenn ich so die Beziehung zwischen Lanfranco und Angelotta lese und dann noch Francesco und Ana hab ich so den Eindruck, die fühlten sich hauptsächlich mal vom Äußeren der Damen angezogen.


    Mal schauen, ob sich manche Dinge noch aufklären und entwirren, sonst lasse ich das Ganze erstmal sacken und auf mich wirken :-)

  • Hallo,

    zunächst erstmal: Ich hoffe, ihr seid nicht irritiert, wenn sich statt "Catherine" hier "Julia" zu Wort meldet, aber ich habe mich seinerzeit als "Julia Kröhn" hier angemeldet und wollte das jetzt nicht noch einmal extra für mein Pseudonym "Catherine Aurel" tun, zumal dieses ein offenes ist.


    Zu den Fragen:

    - Ja, Raniero Grimaldi und sein Enkelsohn tragen den gleichen Vornamen - das ist nun leider etwas, was ich nicht ändern konnte :-) Ich denke aber nicht, dass Verwechslungsgefahr besteht, weil der eine in die Haupthandlung, der andere in die Rahmenhandlung gehört und sie sich nie begegnen.


    - Zur Erzählperspektive: Ich erzähle großteils aus der sogenannten "auktorialen" Perspektive, d.h. es gibt eine allwissende Erzählerin, die bereits die ganze Geschichte mit all ihren Strängen kennt, zwischendurch auch mal kommentiert. Diese Erzählerin ist Giuditta, wie der erste Satz andeutet. Dass sie selbst von sich als dritte Person spricht, erklärt sie an einer Stelle: Sie findet, dass sie als alte Frau nichts mit dem jungen Mädchen von einst zu tun hat.


    - Zur Notgeilheit: Bei Lanfranco trifft das sicher zu, er erweist sich damit als typischer Sohn seiner Zeit, der sich nimmt, was er will. Frauen in unterlegeneren gesellschaftlichen Positionen waren kaum von sexuellen Übergriffen geschützt - das wird in Quellen aus der damaligen Zeit immer wieder belegt. Das Verhältnis Francesco / Ana würde ich anders betrachten. Ganz sicher spielt auch ihre Schönheit eine Rolle - aber ich glaube, was ihn ebenso anzieht, ist diese "Reinheit/Weltabgekehrtheit/Entrücktheit". Sie ist ein Wesen nicht ganz von dieser Welt - und erweckt in einem Mann, dessen Alltag von der Brutalität und Rohheit seiner Zeit geprägt ist, nicht nur sexuelle Begierde, auch eine große Sehnsucht.


    Liebe Grüße,

    Julia aka Catherine

  • Der erste Leseabschnitt ist überaus interessant. Man muß allerdings ein wenig aufpassen, daß man mit den Namen nicht durcheinander kommt.


    Die Adelsfamilien machen sich das Leben schwer. So kommt es, daß Guelfen und Ghibellinen sich hart bekämpfen. Die Grimaldi, als Verlierer, müssen Genua verlassen.


    Die Autorin schildert eingehend die familiären Verhältnisse der Familie Grimaldi. Und Giuditta, eine Tochter Lanfranco Grimaldis, übernimmt hier die Rolle der Erzählerin.


    Schon im Prolog kann man die Angst spüren, die Raniero, Sohn des Carlo Grimaldi und Isabella Grimaldi, andauernd verfolgt. Es scheinen - zumindest für den Jungen - schwarze, bedrückende Zeiten zu sein.

  • Übrigens noch eine Ergänzung hinsichtlich der Fülle an Protagonisten. Es stimmt: Es tummeln sich in den ersten Kapiteln viele, viele Figuren, mit denen der Leser noch nicht vertraut ist und die er erst einordnen muss.

    Vielleicht ist es ein kleiner "Trost" zu wissen, dass es zu der damaligen Zeit etwa 100 männliche Familienmitglieder der Grimaldi gab, und dass, wann immer in den Quellen Francesco oder Raniero Erwähnung finden, mindestens fünf andere genannt werden. Sprich: Das, was jetzt noch als Fülle erscheint, ist bereits Ergebnis einer extremen "Entrümpelungsaktion". Sobald ich meinen ersten Stammbaum fertig hatte, musste ich streichen, streichen, streichen, um wirklich nur die prominentesten Grimaldi stehen zu lassen. Auch aus dem fertigen Manuskript sind dann noch viele Figuren verschwunden, die durchaus auch interessant gewesen wären, die Geschichte allerdings überfrachtet hätten.

  • - Ja, Raniero Grimaldi und sein Enkelsohn tragen den gleichen Vornamen - das ist nun leider etwas, was ich nicht ändern konnte :-) Ich denke aber nicht, dass Verwechslungsgefahr besteht, weil der eine in die Haupthandlung, der andere in die Rahmenhandlung gehört und sie sich nie begegnen.


    Ja klar, das war ja auch kein Vorwurf, wenn die den gleichen Namen tragen ist dem eben so.


    Kleine Randanekdote von mir: Ich habe als Jugendlicher begonnen, die Reihe über die römische Geschichte von Colleen McCullough zu lesen - und war sehr irritiert, als im ersten Band ein Gaius Julius Caesar vorkam. Ich in meiner Naivität bin natürlich von dem bekannten Caesar ausgegangen, bis ich gemerkt habe, dass das zeitlich nicht so ganz hinhaut. Lösung des Rätsels: Es war der Großvater von dem bekannten Caesar. Um das Chaos noch perfekt zu machen: Auch der Vater von dem bekannten Caesar hieß natürlich Gaius Julius Caesar :-D


    Das mal eingeworfen, weil ich mich daran erinnert fühlte. Aber zurück zu Raniero, wenn man das konsequent aus dem Kontext entnehmen kann, wer gemeint ist, ist das OK. Ich lasse mich durch sowas wohl leicht verwirren, da hat die gute Frau McCullough wohl ein "Trauma" gesetzt :-D


    Puuh, dann hatte ich doch recht mit Giuditta als Erzählerin, ich dachte schon, ich hätte etwas elementares nicht verstanden. Die Stelle, wo das erklärt wird, kommt dann wohl noch, alles klar.


    Ich schätze auch mal, dass von Francesco und Ana noch mehr kommen wird, dann nehme ich das wohl auch anders war :-) Bei Lanfranco hat man das auch deutlich gemerkt, auch dadurch, dass er Giuditta wohl als "Ausrutscher" ansieht und nicht als vollwertige Grimaldi akzeptiert.


    Zum Thema der vielen Charaktere ist das auch überhaupt kein Vorwurf. Ich muss mich halt erstmal einlesen und mit den ganzen Namen zurechtkommen. Ich glaube, ich lehne mich auch nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ein Buch mit wirklich ALLEN Grimaldi wohl nahe an der Unlesbarkeit gewesen wäre :-D Ich bin guter Dinge, dass sich das Ganze dann auch entwirren wird, wenn erstmal die ganzen Zusammenhänge und Handlungsstränge klar sind :-)

  • Habe gestern Abend noch den ersten Abschnitt beendet, brauchte doch Ablenkung.


    Auch ich habe mich mit den vielen Personen erstmal schwer getan, bin dadurch etwas schwerer ins Buch gekommen. Aber das wird sich noch sortieren. Zur Story kann ich bis jetzt noch nicht viel sagen, ist auf jeden Fall interessant. Die Schreibweise hat gefällt mir bis jetzt sehr gut, passt einfach für einen historischen Roman.


    Ich lass mich einfach mal überraschen was noch kommt

  • Nun auch von mir ein Hallo in die Runde. An dich liebe Julia ein besonderes Hallo und ein Dankeschön, dass du diese Runde begleitest.


    Also, auch wenn es nun beginnt spannend zu werden, muss ich gestehen, dass mir der Einstieg nicht ganz so leicht gefallen. Ich war ein wenig mit den vielen Namen überfordert. Was auch daran liegt, dass es italienische sind und ich mit der Aussprache hadere und sie mir so schlecht merken kann.

    Hab sie mir erst einmal notiert und Vermerke gemacht, wer zu und mit wem:totlach:


    Giuditta ist also die Erzählerin, im Jahr 1357 muss sie dann also 54 Jahre sein. Unglaublich wie alt die Menschen damals schon aussahen.

    Die Männer, wie Giudittas Vater, Francesco und Reniero, haben alle eine Gemeinsamkeit. Sie sind oder waren verheiratet und doch anderen Frauen verfallen. Wenn bei Raniero auch nur kurz, aber vielleicht lesen wir noch einiges von Babetje.

    Auch wenn die Familie der Grimaldis im Vordergrund steht, bin ich mir nicht ganz sicher ob Francesco es Reniero übel nehmen wird, dass ausgerechnet dieser seine Ana heiraten wird. Es wird mit Sicherheit auch keine glückliche Ehe werden, sind doch beide so verschieden. Ana wollte ihr Leben ganz Gott widmen und Raniero hatte das Gefühl, dass erste Mal die Liebe in Babetje gefunden zu haben.

    Das geht ja alles schon gut los.

    Nun muss Giuditta ins Kloster, wobei ich kein gutes Gefühl habe. Durch die Erzählung im Jahr 1357, weiß man zwar das sie entkommt, aber man weiß nicht wie es ihr dort ergehen wird. Eigentlich hatte sie Recht mit der Aussage, nicht den Namen Grimaldi zu tragen. Warum dann ins Kloster, es weiß ja keiner das sie die Halbschwester ist.

    Ich war zu Beginn erleichtert, dass Lanfranco Grimaldi für seine Tochter gesorgt und ihr ein zu Hause gegeben hat. Auch wenn Caterina Zaccaria nicht wirklich eine gute Ziehmutter gewesen ist, musste Giuditta wenigstens nicht leiden. Aber nun das Kloster um Nonne zu werden finde ich schade.

    Was mich verwundert hat, dass sie nie , ausser um in die Kirche zu gehen, die häusliche Umgebung verlassen hat. Ob es da einen Grund gab?


    Raniero war mir eigentlich bis jetzt sympathisch, ich hoffe dass sich das nicht ändern wird. Er ist jetzt schon so sehr auf den Erhalt der Grimaldis fokussiert, dass er nun Ana heiratet. Um das Bündnis mit deren Familie einzugeben. Wer weiß welche Schritte er noch gehen muss, denn schließlich wird es seine Absicht sein, alles wieder zurück zu erobern. Kein leichtes Los, das Familienoberhaupt zu sein und all die Verantwortung zu tragen.


    Die historischen Hintergründe sind interessant, spannend und verwirrend zu gleich. Jedenfalls für mich erst einmal,da ich mich mit der historischen Geschichte Italiens überhaupt nicht auskenne.

    Geschlecht der Welten....Grimaldis....sind Guelfin und Staufer ist die Partei der Ghibellinen. Gar nicht so einfach, da ja noch so einiges an Feind und Freund dazu kommt:)


    Das mit den Geschlechtertürmen ist interessant, hab da Mal bei Wikipedia nachgelesen. In Bologna standen im 11. Jahrhundert sogar 180 an der Zahl. Aber warum hatten sie diesen Namen?


    Und noch eine kleine Anmerkung am Rande. Raniero erwähnt den verwesenden Gestank von den Leichen. Ich hätte gedacht, dass die Leichen sofort beseitigt wurden, so wie es oft üblich war um eventuelle Epidemien zu vermeiden.


    Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, bin ich gespannt wie es weiter geht.




    Verstehe ich das richtig, ist Aurilia del Caretto, Ranieros und Bertones Mutter? Dann wäre ja Francesco ( Vetter) nun auch der Stiefvater der beiden???

    Liebe Grüße Kerstin

    Einmal editiert, zuletzt von kessi69 ()

  • Die Adelsfamilien machen sich das Leben schwer. So kommt es, daß Guelfen und Ghibellinen sich hart bekämpfen. Die Grimaldi, als Verlierer, müssen Genua verlassen.

    Als ich gelesen habe, wann diese Fehde schon entstanden ist, stellt sich die Frage, warum sie sich nicht friedlich geeinigt haben. Wusste ja kaum noch jemand, worum es überhaupt ging. Hätte viel Leid erspart, aber so ist es wenn jeder der Macht verfallen ist.

  • Übrigens noch eine Ergänzung hinsichtlich der Fülle an Protagonisten. Es stimmt: Es tummeln sich in den ersten Kapiteln viele, viele Figuren, mit denen der Leser noch nicht vertraut ist und die er erst einordnen muss.

    Vielleicht ist es ein kleiner "Trost" zu wissen, dass es zu der damaligen Zeit etwa 100 männliche Familienmitglieder der Grimaldi gab, und dass, wann immer in den Quellen Francesco oder Raniero Erwähnung finden, mindestens fünf andere genannt werden. Sprich: Das, was jetzt noch als Fülle erscheint, ist bereits Ergebnis einer extremen "Entrümpelungsaktion". Sobald ich meinen ersten Stammbaum fertig hatte, musste ich streichen, streichen, streichen, um wirklich nur die prominentesten Grimaldi stehen zu lassen. Auch aus dem fertigen Manuskript sind dann noch viele Figuren verschwunden, die durchaus auch interessant gewesen wären, die Geschichte allerdings überfrachtet hätten.

    Da bin ich aber froh, dass der rote Stift zum Einsatz kam;). Das ist Wahnsinn wie groß die Familie der Grimaldis war. Aber natürlich müssen die wichtigsten in Erscheinung bleiben, sonst gäbe es die Zusammenhänge ja nicht.

  • Ganz schön viele Personen, die hier auftreten und mit niemandem bin ich bisher richtig warm geworden. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

    In Genua gibt es zwei Lager, die sich nicht grün sind: die Guelfen und die Ghibellinen. Zu den Guelfen gehören die Grimaldis und befreundete Familien. Dann zetteln die Ghibellinen ein Kampf an, bei dem die Guelfen unterliegen und vertrieben werden.

    Raniero verliebt sich Hals über Kopf in Babetje , obwohl er verheiratet ist. Dann will er eine andere – nämlich Ana - heiraten, nachdem sein Frau nach den Kämpfen ums Leben kam, um die Verbindung zu denen in Genua zu halten, die dort bleiben dürfen.

    Dummerweise liebt Raneiros Vetter Francesco Ana. Die wollte aber eigentlich ins Kloster. Dafür muss nun die Halbschwester von Raneiro, Giuditta, dorthin, will aber gar nicht.

    Ein ganz schönes Durcheinander und alle sind irgendwie unglücklich, weil sie nicht das bekommen, nach dem sie sich eigentlich sehnen.

  • Ganz schön viele Personen, die hier auftreten und mit niemandem bin ich bisher richtig warm geworden. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

    In Genua gibt es zwei Lager, die sich nicht grün sind: die Guelfen und die Ghibellinen. Zu den Guelfen gehören die Grimaldis und befreundete Familien. Dann zetteln die Ghibellinen ein Kampf an, bei dem die Guelfen unterliegen und vertrieben werden.

    Raniero verliebt sich Hals über Kopf in Babetje , obwohl er verheiratet ist. Dann will er eine andere – nämlich Ana - heiraten, nachdem sein Frau nach den Kämpfen ums Leben kam, um die Verbindung zu denen in Genua zu halten, die dort bleiben dürfen.

    Dummerweise liebt Raneiros Vetter Francesco Ana. Die wollte aber eigentlich ins Kloster. Dafür muss nun die Halbschwester von Raneiro, Giuditta, dorthin, will aber gar nicht.

    Ein ganz schönes Durcheinander und alle sind irgendwie unglücklich, weil sie nicht das bekommen, nach dem sie sich eigentlich sehnen.

    Ja, das ist mir auch aufgefallen, bis jetzt ist niemand glücklich oder wirkt wirklich zufrieden, war man zu der Zeit überhaupt je glücklich oder hat man es genommen, wie es eben war ?

  • Zu diesen Punkten:

    - Giuditta ist zu diesem Zeitpunkt weitaus älter - sie wurde 1284 geboren - ist also 1356 schon über siebzig. Für die damalige Zeit war sie also ururalt.


    - Warum ins Kloster? Weil sie nun viele Wochen in der Nähe der Grimaldi verbracht hat - und es dafür viele Zeugen gibt. Und weil sich für einen Bastard wie sie, die man nicht so einfach hätte verheiraten können, ob kurz oder lang ohnehin diese Option ergeben hätte.


    - Viele Frauen verließen damals kaum das Haus - religiöse Riten waren da die große Ausnahme. Das hatte damit zu tun, dass es auf den Straßen oft unsicher war (häufige Fehden / Diebstahl).


    - Geschlechtertürme, weil jede Familie (= jedes Geschlecht) einen Turm besaß. Sprich: Hier wird Geschlecht im Sinne von "Sippe" verwendet.


    - Hinsichtlich Seuchen wurde man v.a. in der Zeit nach der Pest vorsichtiger, aber das war erst 1348. In Quellen steht, dass während vieler Bürgerkriege in Genua teilweise Wölfe aus dem Umland kamen, um sich die Leichen zu holen - ein Zeichen, dass sie nicht zügig bestattet wurden.


    - Ja, Aurelia ist Raineros Mutter, außerdem erst Lanfrancos und dann Francescos (deutlich ältere) Frau. Als ich diverse Stammbäume erforscht habe, dachte ich zunächst, das wäre ein Irrtum, aber es wird bei den Ehefrauen von beiden immer dieser Name genannt. Bis heute kann ich nicht zweifellos beweisen, dass es sich um ein- und dieselbe Person handelt (vielleicht gab es einfach zwei Aurelia del Correttos), weil es sonst keine Infos über diese Frau gibt. Für mich als Autorin war es jedenfalls zu spannend, sie als ein und dieselbe darzustellen.

  • Ich glaube, die Lebensbedingungen waren deutlich härter. Ein "Glück" wie in unseren Tagen, das oft von erfüllter Liebe, Wohlstand, Frieden und Gesundheit abhängig ist, war damals sicher selten, weil es diese Faktoren fast alle nicht gab. Ich denke, insgesamt werden die Menschen damals pragmatischer und schicksalsergebener gewesen sein, vieles als "Prüfung Gottes" akzeptiert haben. Aber in einem Roman muss das "Unglück" natürlich gefühlt werden - gleichgültige bis duldende Protagonisten wären auf Dauer wohl langweilig.

  • Die Adelsfamilien machen sich das Leben schwer. So kommt es, daß Guelfen und Ghibellinen sich hart bekämpfen. Die Grimaldi, als Verlierer, müssen Genua verlassen.

    Als ich gelesen habe, wann diese Fehde schon entstanden ist, stellt sich die Frage, warum sie sich nicht friedlich geeinigt haben. Wusste ja kaum noch jemand, worum es überhaupt ging. Hätte viel Leid erspart, aber so ist es wenn jeder der Macht verfallen ist.

    Das ist ja das Üble an solchen Fehden - dass es am Ende gar nicht mehr um Ursachen / Anlass ging, sondern nur um eine Ausrede, um wieder mal loszuschlagen, sein Macht zu beweisen oder neue Macht zu erringen.


    Übrigens eine kleine Eselsbrücke, um sich zu merken, dass die Grimaldi Guelfen (Welten) waren und keine Ghibellinen (Staufer): Caroline von Monaco ist (zumindest noch) mit Ernst August von Hannover, Oberhaupt der Welten, verheiratet.

  • Ich war ein wenig mit den vielen Namen überfordert. Was auch daran liegt, dass es italienische sind und ich mit der Aussprache hadere und sie mir so schlecht merken kann.

    Ich kann kein Italienisch und leite mir das eigentlich nur von dem, was ich über Aussprecheregeln weiß, bzw. vermute und vor allem durch meine Lateinkenntnisse ab.


    Giuditta müsste man Tschuditta sprechen, ähnlich wie bei Giuseppe. Meines Wissens ist das dann die italienische Form von Judith.
    Raniero = Ranjero.
    Francesco = Frantschesko.

    Das mit den Geschlechtertürmen ist interessant, hab da Mal bei Wikipedia nachgelesen. In Bologna standen im 11. Jahrhundert sogar 180 an der Zahl. Aber warum hatten sie diesen Namen?


    Gerade in Bologna ist das ja komplett ausgeartet. Ich habe dazu auch oft Vergleiche mit freudianischer Psychologie gelesen. Und so sehr ich es auch übertrieben finde, gefühlt alles, was lang und hoch ist, als Phallussymbol zu sehen: In dem Fall stimmt es. Die Türme galten als Macht- und Prestigesymbol und es ging darum, wer den höchsten hatte. Manche Türme sind soweit ich weiß auch eingestürzt und in Bologna stehen auch Türme schief, was meines Wissens auch daran liegt, dass der Boden einfach das Gewicht nicht mehr halten konnte und abgesackt ist. Eine ähnlich relevante Stadt in Sachen Geschlechtertürme ist auch San Gimignano, das wird ja auch im Roman erwähnt. Die Altstadt mit den Geschlechtertürmen soll auch heute noch gut erhalten sein, was ich so gelesen habe :-)

    Warum sie so heißen hat Catherine (ich bleib mal bei dem Namen, der auf dem Buch draufsteht) schon beantwortet :-)

  • Das mit den Geschlechtertürmen ist interessant, hab da Mal bei Wikipedia nachgelesen. In Bologna standen im 11. Jahrhundert sogar 180 an der Zahl. Aber warum hatten sie diesen Namen?


    Gerade in Bologna ist das ja komplett ausgeartet. Ich habe dazu auch oft Vergleiche mit freudianischer Psychologie gelesen. Und so sehr ich es auch übertrieben finde, gefühlt alles, was lang und hoch ist, als Phallussymbol zu sehen: In dem Fall stimmt es. Die Türme galten als Macht- und Prestigesymbol und es ging darum, wer den höchsten hatte. Manche Türme sind soweit ich weiß auch eingestürzt und in Bologna stehen auch Türme schief, was meines Wissens auch daran liegt, dass der Boden einfach das Gewicht nicht mehr halten konnte und abgesackt ist. Eine ähnlich relevante Stadt in Sachen Geschlechtertürme ist auch San Gimignano, das wird ja auch im Roman erwähnt. Die Altstadt mit den Geschlechtertürmen soll auch heute noch gut erhalten sein, was ich so gelesen habe :-)

    Warum sie so heißen hat Catherine (ich bleib mal bei dem Namen, der auf dem Buch draufsteht) schon beantwortet :-)

    In San Gimignano war ich vor vielen Jahren mal - mit ein Grund, warum das Giudittas Herkunftsstadt ist. Die Geschlechtertürme sind m.E. nirgendwo anders so gut erhalten.

    Es gab übrigens in Genua - wie auch in vielen anderen Städten - genaue Vorschriften, wie hoch die Türme werden durften (das hatte auch mit Rang und Namen zu tun). Wenn dieses Limit überschritten wurde, wurden die Türme oft zwangsweise abgerissen. Es gab sogar Vorschriften, was mit dem Bauschutt zu tun wäre - er wurde als Ballast für die Handelsschiffe verwendet.

  • Julia und Doscho , danke für eure tollen Erklärungen. Hochhäuser im Mittelalter:), wie ein Einfamilienhaus nur in die Höhe und mit einem Geschlecht bewohnt. Das nenne ich Mal fortschrittlich.


    Schaut Mal hier, was ich gefunden habe. Ich fand es so schön, als wenn sich die beiden wirklich tief in die Augen schauen.


    Julia und Francesco Grimaldi, muss einmal angeklickt werden um es ganz zu sehen

  • Julia , sind die Protagonisten der Grimaldis, die du gewählt hast, eigentlich welche von den Wichtigsten? Ausser der Großvater der noch erwähnt wird.


    Giuditta ist zu diesem Zeitpunkt weitaus älter - sie wurde 1284 geboren - ist also 1356 schon über siebzig. Für die damalige Zeit war sie also ururalt.



    Sorry, da hab ich Mal eben zwanzig Jahre weggelassen:totlach:, hab mich schon gewundert. Aber stimmt, das siebzigste Lebensjahr zu erreichen war zu der Zeit enorm.

    Liebe Grüße Kerstin

    Einmal editiert, zuletzt von kessi69 ()