06 - Kapitel 10 bis Ende (S. 277 bis Ende)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier könnt Ihr von Kapitel 10 bis zum Ende schreiben (Seite 277 bis zum Ende).


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Was für eine Überraschung! Gerade als Lies die Decke auf den Kopf zu fallen beginnt, kommt Sörli, Jòi, Tilli und natürlich Ari um Lies zum Schafe einsammeln abzuholen. ;D
    Lies hat wie immer Probleme sich Jói gegenüber wie ein normaler Mensch zu benehmen. Aber es gibt eben nichts, was eine Kaffipása nicht wieder in Ordnung bringen könnte.
    Dieser Ari hat eine Art an sich. Bohrt mit dem Löffel hingebungsvoll im Ohr nachdem er bei der Heuernte schon ungeniert vom Traktor pinkelte. Ganz sicher ist er unverheiratet, bei den Manieren. ::):P


    Mit ihrer Äußerung, dass sie lieber Fahrrad fahren würde, ist Lies ordentlich ins Fettnäpfchen getrampelt. Wenigstens hat sie es gemerkt.
    Diese Geschwätzigkeit hätte ich Jói gar nicht zugetraut. Entweder hat ihn diese Eröffnung ziemlich getroffen oder er ist sehr vertraut mit Ari, naja vielleicht auch beides. Ari als wahrer Freund hilft Lies zurück auf den rechten Weg und entschärft somit die Lage für alle Seiten. Mag sein, dass man in Island kein Fahrrad fährt, aber bestimmt Motorrad. ;)


    Das Zusammentreiben der Schafe ist trotz der Hunde eine zeitaufwändige Angelegenheit und das heranziehende Gewitter verstärkt den Zeitdruck, der durch die kürzer werdenden Tage sowieso gegeben ist.
    Lies und der Brennivin - ein unheilvolles Gespann! Wie kann sie nur so unvernünftig sein und durch einen ihr vollkommen unbekannten See reiten wollen. Bei aller Verbundenheit zu Solveig, aber das ist total verrückt. :o
    Sie hat mehr Glück als Verstand, dass sie erstens heil drüben ankommt und zweitens den Unterschlupf entdeckt um sich und die Tier vor dem Unwetter zu schützen. Warum sie dann noch mal durch den See geschwommen ist wissen die Götter. Das Schlimmste war doch vorbei, sie hätte auch um den See herumreiten können. Der Zeitaufwand wäre nicht so gravierend gewesen wie die riskierte Unterkühlung. Jóis Reaktion fand ich noch sehr beherrscht.


    Die Elfen wollten wahrscheinlich keinen weiteren Draufgänger in ihrer Welt und haben Lies laufen lassen. :D Nun müssen sich die Isländer weiter mit ihr rumplagen, ob sie wollen oder nicht.


    Es hat mich gefreut zu hören, dass Elías wieder nach Hause kommt. Mal sehen, was er zu Lies Umgestaltung zu sagen hat.

  • Diese letzten Seiten waren sehr ergreifend.
    Lies, völlig unterkühlt, wird von den Männer wieder aufgepäppelt. Keine Vorwürfe, auch später nicht.
    Elías, der an ihrem Bett Wache hält. Zusammen mit ihr den Schneeberg sprechen hört.


    Dann die Szene an den Klippen, als Elías sie fragt, ob sie Sörli etwas versprochen hätte. Lies' Verlegenheit deswegen und ihre Sorge um ihn. Und wieder dieses schöne Gedicht über Sörli!
    Elías gemurmeltes: Anna hat dich geschickt.
    Die Vorahnung des Abschieds als die beiden die Klippe verlassen und der Hengst zurück bleibt.


    Im Haus scheint die Normalität zurück zukehren. Lies, die Elías Verhalten mal wieder unmöglich findet. Und dann sein unerwartetes: Danke, Mädchen. Elías macht reinen Tisch. Alles andere scheint ihn nicht mehr zu berühren. Mit diesen letzten Worten verlässt er Lies um sich schlafen zu legen.


    Gemessen an den bisherigen Verhältnissen kommt noch mal richtig Leben in die Bude in Gestalt von Tilli und Ari. Erst Jói macht sich später Sorgen um Elías und geht nachsehen.


    :'( Nun ist es geschehen! :'(
    Der Höhepunkt des Taschentuchverbrauchs, der seit dem Auffinden Elías an den Klippen seinen Anfang nahm, ist erreicht.
    Gerade diese Seiten fand ich sehr gelungen dargestellt. Erst die stille Totenwache von Lies und Jói. Dann Ari, der Elías noch an ihren letzten Brennivin erinnert, den dieser angeblich vergessen hätte mit ihm zu trinken. Tilli's "War'n guter Mann." sagt alles aus.


    Lies wird von ihrer Verzweiflung in den Stall getrieben. Die Tiere! Die Tiere müssen versorgt werden. Den Schmerz mit Arbeit betäuben. Fluchen, weinen, arbeiten. Mit Elías ist auch ihr Leben der vergangenen sechs Monate gestorben.


    Jói, der Trost und unglaubliche Neuigkeiten bringt. Elías Vermächtnis. Kann sie es annehmen? Auch Lies führt,wie schon bisher immer Elías, der Weg an die Klippen, dort wo er ihr sagte, dass gestern gestern ist und heute eine neue Zeit ist.
    Die Jölulsá hat Anna's Stein mitgenommen und mit ihm Elías, Palli und Isák. Sie hat das Gestern mit dieser Flutwelle mit sich genommen und Lies und die neue Zeit zurück gelassen.
    Trotz aller Trauer um Elías hat der Schluß ein Ende genommen, das einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft erlaubt.

  • Ich bin am Ende angekommen und ein bisschen traurig, dass ich mit dieser Geschichte fertig bin (hab ich nach vielen Büchern). Leider gefällt mir der Schluss nicht so gut, wie der Rest des Buches.
    Das Schafeeintreiben von der Hochebene, fand ich sehr anschaulich beschrieben. Auch Lies´anfangs unsicheren Reitkünste bei der Aktion.
    Der Teil, als Lies bei Eiswetter durch einen See reitet, fand ich ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Zumal sie ja auch hätte außen herum reiten können. Sollte das nur am Alkohol gelegen haben?


    Dass Elias Lies zum Schluss den Hof vermacht, hat für mich so ein wenig etwas klischeehaftes. Ich hätte mir ein offeneres Ende gewünscht, bei dem nicht Joi auf einem Hügel auf Lies wartet. Vielleicht liegt es aber daran, dass ich nicht auf Happy-Ends stehe :-[


    Insgesamt finde ich das Buch sehr beeindruckend und ich habe das Gefühl, dass mir das Leben eines Schaffarmers und die Mentalität der Isländer ein wenig näher gebracht wurde.
    Ich würde gern mit Lies tauschen, wenigstens den Sommer über.... ;)

    Bring Licht in Deinen kleinen Winkel, dann erhellst du die ganze Welt

  • Ich bin auch fertig und ich fand das Ende sehr gelungen, wenn auch zum Schluss alles recht schnell ging.


    Ein wichtiger Punkt im Jahresablauf der Schafhaltung fehlt noch: das Zusammentreiben der Schafe am Ende des Sommers. Da geht es nochmal richtig zur Sache, Lies muss in den Sattel - hihi, sie findet eben doch Gefallen daran, so sehr sie sich auch gegen das Reiten wehrt. Schön fand ich das Zusammenspiel zwischen Mensch, Pferd und Hund - das ist für mich sehr gut rübergekommen.


    Lies' Aktion zur Rettung von Solveig ist natürlich ganz schön kamikaze-mäßig, selbst für isländische Verhältnisse... ;D Wenn man die Lies vom Anfang hernimmt, die nur über die Scheiß-Schafe lästern konnte, und sie mit dieser wild entschlossen (und zugegebenermaßen leicht betrunkenen) Frau vergleicht, dann ist da doch ein himmelweiter Unterschied zu erkennen. Sie ist tatsächlich bereit, für ein Schaf ihr Leben zu riskieren. Sörli hat hier seinen großen Auftritt, und wer bisher daran gezweifelt hat, dass Pferde schwimmen können, wird eines besseren belehrt. Die Szene in der Elfenhöhle fand ich sehr mystisch und passend zu Island.


    Die Überraschung: Elías kommt zurück auf den Hof! Das hätte ich nun nicht gedacht, ich hatte befürchtet, dass es in der Klinik mit ihm zuende geht. Aber weit gefehlt, Elías hat noch ein paar Rechnungen offen, die beglichen werden müssen. So macht er seinen Frieden mit Anna Bryndís; diese Szene an der Klippe fand ich sehr ergreifend. Er bedankt sich bei Lies und als er sagt, er lege sich jetzt hin, war mir sonnenklar, dass dies nun der endgültige Abschied ist. Sein Tod trifft Lies ganz schön hart und ich kann ihre Trauer gut verstehen, obwohl sie ihn teilweise ganz schön dick hatte und er nur für kurze Zeit in ihr Leben getreten war. Dennoch ist ein inneres Band zwischen den beiden entstanden, das nun plötzlich durchgeschnitten wird.


    Inzwischen ist auch ersichtlich, dass Jói doch ein tieferes Interesse an Lies hat; schon seine Besorgnis über ihr See-Abenteuer und seine anschliessende Fürsorge, als sie halberfroren daheim ankommen, lassen dies vermuten. Aber Elías' Tod scheint diese unsichtbare Mauer zwischen den beiden einzureißen, plötzlich kommen sie sich näher.


    Und dann bekommt sie den Hof vererbt - puh, ich kann Lies verstehen, dass sie bei dieser Nachricht erstmal durch den Wind ist. Elías hat ihr da eine sehr große Verantwortung aufgeladen, ohne vorher einmal mit ihr darüber zu reden. Den Hof zu übernehmen heißt für Lies, mit ihrem vorangegangenen Leben endgültig zu brechen und nicht mehr zurückzukehren - was für eine weitreichende Entscheidung. Doch zum Schluss wird auch klar, dass neben Island und den Schafen auch noch Jói eine Rolle bei ihrer Entscheidung spielt. Mich freut es für sie, dass sie sich zum Bleiben entschliesst - ehrlich gesagt, kann ich sie mir zurück im Finanzamt überhaupt nicht vorstellen. Irgendwie gehört sie nach ihren ganzen Erlebnissen einfach zu Island.


    Ja, das Ende des Romans hat mich in einer etwas wehmütigen Stimmung zurückgelassen, zumal unser Sommer nun auch langsam aber sicher dem Ende zugeht. Aber ich finde es gut, so wie es ist.

  • So, nun bin auch ich fertig mit dem Buch und der Schluss hat mich sehr berührt.


    Zuerst einmal hat mich das Auftauchen von Jói, Ari und Tilli sehr gefreut. Sie holen Lies, um mit ihr zusammen die Schafe zusammenzutreiben - was sich dann sehr spannend gestaltet und wie immer sehr anschaulich geschildert wird. Lies scheint sich ja - entgegen ihrer Behauptung mit dem Fahrrad, die ihr ja nicht gerade Wohlwollen von Jói und Ari eingebracht hat - auf Sörlis Rücken inzwischen doch ganz wohl zu fühlen, das habe ich mir auch gedacht. :)


    Der Alkohol verleiht Lies Mut - leider zuviel davon. Reitet sie doch schnurstracks ins Wasser, um Solveig zu retten. Da musste ich wirklich den Kopf schütteln über ihren Leichtsinn. Ein wenig habe ich um sie und vor allem um Sörli gebangt - werden sie es schaffen? Aber zum Glück ist alles noch einmal gut ausgegangen.


    Sehr stimmungsvoll fand ich die Passage mit der "Elfenburg", wo Lies und Sörli vor dem Unwetter Zuflucht finden und Lies plötzlich überwältigt wird von ihren Gefühlen und von der Erkenntnis, wie stark ihr Island bereits ans Herz gewachsen ist.
    Jóis enorme Aufregung und Sorge um Lies macht plötzlich klar, dass er doch mehr für sie empfindet, als ich bisher angenommen hatte. Auch kümmert er sich sehr fürsorglich und rührend um sie, während sie halb erfroren in ihrem Bett liegt.


    Ganz besonders gut hat mir gefallen, dass Elías an dieser Stelle wieder auftaucht, besorgt an Lies' Bett sitzt und sich freut, als sie erwacht. Hier wird klar, dass Lies auch für Elías ziemlich wichtig geworden ist. Dann bekommen die beiden die Sprache des Berges zu hören, einen isländischen Vulkanausbruch. Wieder wird die enorme Macht und Gewalt der isländischen Natur spürbar, was mir auch als ein sehr wichtiges Thema dieses Buches erscheint.


    Wundervoll ist die Szene an der Klippe geschildert, in der Elías erkennt, das seine Tat von Anna Bryndís verziehen worden ist. Lies' Erscheinen sieht er als Zeichen dafür an. Wer weiß, vielleicht hat er damit recht... Es hat mich allerdings ein wenig betroffen gemacht, dass Elías damit indirekt zugibt, diese schreckliche Tat einst wirklich begangen zu haben. Aber zumindest hat er sie aufrichtig bereut und lange büßen müssen.
    Sörli scheint gewusst zu haben, dass Lies ihm die Freiheit versprochen hat. Elías hat dies gespürt, hat aber nichts dagegen einzuwenden, da er sein um sein baldiges Ende weiß. Es bleibt offen, ob das Pferd letztendlich doch wieder zu Lies zurückkehrt oder für immer von dannen zieht.


    Rührend ist auch die Szene am Totenbett, in der Lies aufrichtige Tränen um Elías, der ihr eben doch ans Herz gewachsen ist, vergießt. Auch Aris Tränen berührten mich. Er scheint ja eine ziemlich innige Freundschaft mit Elías gepflegt zu haben, was an ihrem vertrauten Umgang miteinander schon das ganze Buch über zu erkennen war, da kann ich seine Trauer gut verstehen. Auch Jói hat einen großen Verlust mit Elías erlitten. Dann finden sie heraus, dass Elías wirklich nichts gegen seine Krankheit getan hat und sie mit dem enormen Zuckergenuss sogar noch begünstigt hat. Das bestärkt Lies' Wut über den Verlust wahrscheinlich verständlicherweise noch.
    Deshalb flüchtet sie sich in den Stall und lässt ihre Wut am Heu und an den Schafen aus. Jói folgt ihr und die beiden kommen sich - endlich - näher.


    Mitten in der trauten Zweisamkeit eröffnet Jói Lies die ungeheuerliche Nachricht, dass Elías ihr den Hof vererbt hat. Lies' erster Weg führt wieder zur Klippe, wo sie entdeckt, dass der Stein mit dem Kreuz verschwunden ist, genau wie auch Elías für immer gegangen ist. Dieses Symbolhafte finde ich am Ende des Buches sehr schön, sowohl Sörlis Zurückbleiben an der Klippe als auch der verschwundene Stein stehen in Verbindung mit Elías' Tod.


    Ich bin mir sicher, Lies trifft die richtige Entscheidung mit ihrem Entschluss, in Island zu bleiben. Es wurde ja schon zu Anfang klar, dass sie in Deutschland nicht mehr glücklich war. In Island hingegen hat sie die Chance, ihr persönliches Glück zu finden - woran gewiss auch Jói seinen Anteil haben wird. ;)


    Ein wirklich sehr schönes Ende, das die Geschichte schön abrundet und einen guten abschließenden Eindruck bei mir hinterlässt.


    Morgen schreibe ich dann noch eine Rezi. :)

  • So, ich bin gestern Abend auch fertig geworden und noch ganz gefangen von dem Buch. Es hat mir sehr gut gefallen!


    Es war richtig schön, dass die Männer kamen, um Lies zum Schafetreiben abzuholen. Sie gehört für die Männer also auch schon richtig dazu. Aber erst mal Kaffee trinken. Ich sehe die Männer immer genau vor mir, wie sie da am Tisch sitzen und ab und zu ein oder auch mal zwei Worte aus ihrem Mund fallen. Ach, diese „Gespräche“ finde ich irgendwie herrlich ;D


    Das Zusammentreiben der Schafe fand ich wieder toll und lebhaft beschrieben. Ebenso Lies’ zweiten Ritt. Ihr Gefühl, als sie so frei und glücklich auf Sörlis reitet und dabei mehr als Glück gespürt hat, war richtig schön. Ich war echt neidisch auf sie und gerne an ihrer Stelle gewesen, um dies auch zu erleben.


    Jois Reaktion auf ihre Aussage, dass sie lieber Fahrrad fährt, war ja heftig. Aber im Nachhinein verstehe ich, wie wichtig es für ihn war, dass Lies alles mochte, was ihm etwas bedeutete. Er hatte doch tatsächlich ernste Gefühle für sie. Ich war mir zwischenzeitlich ja nicht mehr so sicher, ob er nicht einfach nur ein bisschen flirtete, doch hier im letzten Abschnitt wurde deutlich, dass es mehr ist, besonders, als er Lies in Gefahr wusste (Ich musste fast grinsen, als ich ihn mir auf der anderen Seeseite herumzappelnd vorstellte während Lies ganz ruhig mit den Tieren in ihrem Unterschlupf saß. Gemein , ich weiß ;D ). Mich hat aber auch fast der Schlag getroffen, als Lies auf den See zuritt und tatsächlich reingeritten ist. :o Ich dachte nur, ist sie denn verrückt geworden. Was ist brennivin wirklich? „Normaler“ Alkohol kann das doch nicht mehr sein. Und zurück schwimmt sie auch noch!


    Ihre Zeit in der Elfenburg empfand ich wieder als sehr intensiv und emotional. Ihre Gedanken über Island („Island hatte sie gepackt“) und ihre Erkenntnis, wie viel es ihr doch bedeutet ließen mir doch die Augen etwas brennen.


    Wie schön, dass Elias aus dem Krankenhaus zurückkam und er noch mal die Gelegenheit bekam, seinen Hof und alle zu sehen, bevor er starb.! Sein Tod war mir zwar fast klar, besonders als er sagte „ich lege mich mal hin“, aber mir kamen dann doch die Tränen, so traurig und auch wieder intensiv war es beschrieben. :'( Es fing schon an mit der Szene an der Klippe. Dieses schöne Bild mit den Eiszapfen, dem Gespräch über Sörlis und natürlich der Vergebung Annas und sein Dank an Lies. Dieser ganze Abschnitt einschließlich Elias Tod war sehr berührend und traurig und dabei gleichzeitig so schön.


    Dass sich Lies und Joi im Stall dann so schnell näher kamen hat mich in dem Moment dann fast ein bisschen gestört, aber sie haben sich endlich gefunden. Lies Entscheidung, auf dem Hof zu bleiben, habe ich erwartet, nachdem sie merkte, wie wichtig ihr das Land und die Tiere und auch Joi geworden sind und das finde ich richtig schön. :) In Deutschland wäre sie sicher nicht mehr glücklich geworden. Aber eins verstehe ich nicht. Warum zieht sie sich aus und übergibt ihre Kleider dem Fluss? Habe ich irgendetwas überlesen oder vergessen?


  • Aber eins verstehe ich nicht. Warum zieht sie sich aus und übergibt ihre Kleider dem Fluss? Habe ich irgendetwas überlesen oder vergessen?


    Genau das habe ich auch empfunden.
    Mit der Symbolik des Kleiderablegens kann ich leider nichts anfangen ??? Ich habe auch noch mal zurückgelesen, um zu sehen, ob ich etwas überlesen hatte.
    Vielleicht kann Dagmar aufklären ?! :winken:

    Bring Licht in Deinen kleinen Winkel, dann erhellst du die ganze Welt

  • Für mich hat das Kleiderablegen was reinigendes.
    Die Kleider sind Teil ihres früheren Lebens, mit dem sie abschließt. Der Fluß ist ja das reinigende Element in der Geschichte - er nimmt alles mit sich (das Gute wie das schlechte) und spült frei, was verstopft ist.
    Wer mal einen Gletscherfluß gesehen und gerochen hat, weiß, wie ich das meine. Man wird fast genötigt, irgendwas hineinzuwerfen, um sich zu befreien.


    Ich hatte das Bild der nackten Lies und den davonflatternden Kleidern tagelang vor Augen. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber ich schreibe viel nach Bildern.

  • Danke Dagmar, ich habe im Nachhinein jetzt auch gedacht, es muss etwas damit zutun haben, dass sie "alte Klamotten" ablegt. Ich habe trotzdem befürchtet, dass ich etwas Wichtiges bezüglich des Flusses überlesen habe. Das Bild der nackten Lies, wie du es jetzt erklärst, finde ich doch sehr passend für ihren Neuanfang. Und einen Gletscherfluss würde ich jetzt gern mal riechen...

  • Ich bin noch nicht fertig, daher habe ich eure Beiträge mal nicht gelesen, aber ich will nur ganz kurz was loswerden, sonst platze ich: Joi ist mir echt unsympathisch. Er ist angefressen, weil sie das Reiten nicht so liebt wie er und lieber Radfahren würde. :o Also der Bursche könnte mir echt gestohlen bleiben. Und Lies macht sich dann auch noch Vorwürfe. Sie soll den Mann vergessen und schauen dass sie nach Hause kommt.


    Also, so leid es mir tut, aber ich werde mit den Figuren einfach nicht warm und ich finde ihre Verhaltensweisen unrealistisch.


    Trotzdem bin ich gespannt auf den Schluss.


    Katrin

  • Jaqui: ich habe bei dieser Szene genau das Gegenteil empfunden; wie kann Lies nur so lieblos übers Reiten reden und ein Pferd mit einem Fahrrad vergleichen? Ich konnte Jói in diesem Moment gut verstehen. Pferde und Reiten sind nun mal eine große Leidenschaft der Isländer.


    Übrigens denke ich, dass Lies ganz einfach Angst in der Situation hat. Sie hatte nicht die Möglichkeit, das Reiten von Grund auf zu erlernen, und muss da plötzlich mit dem Pferd im schwierigsten Gelände zurechtkommen. Daher kann ich auch sie verstehen, wenn sie sich in diesem Moment ein Fahrrad herbeiwünscht, das sie sicher kontrollieren kann.


    Ja, da prallen eben Welten aufeinander... zum Glück vergeht die miese Stimmung gleich wieder und Lies findet ihren Gefallen an ihrem "isländischen Fahrrad". ;)

  • Jaqui: Aus deutscher Sicht gesehen ist deine Reaktion verständlich. Für Jói geht es dabei aber nicht nur ums Reiten, sondern er will auch wissen, ob und wie weit Lies sich mit dem Leben in Island angefreundet hat. Da er wie sich herausstellte doch ernstere Absichten hatte, war es für ihn wichtig. Er wurde schon mal von einer deutschen Freundin im Stich gelassen, weil diese in Island nicht heimisch werden konnte. Für ihn muss Lies Aussage wie eine kalte Dusche gewesen sein.


    Das Kleider abwerfen von Lies hat mich erst genau wie euch irritiert. Aber in Zusammenhang mit dem Satz "Heute ist eine neue Zeit" dachte ich, dass sie ihre Kleider in den Fluß wirft um so für sie greifbar das Alte mit Annas Stein fortzuschicken.
    Wie sie dann so nackt vom Wind umweht wurde hatte das fast den Eindruck als wäre es eine Art "Taufe" oder "Aufnahmeritual" für ihren Neubeginn in Island.

  • ;) Zum Glück muss man ja nicht jeden Mann lieben, der einem in Romanen begegnet. Mir sind platte Typen, wo alles klar ist, eher zuwider. Ich war mir bei Jói lange selber nicht sicher was der eigentlich will. Er ist ein bisschen wie das Land.
    In Pferdekreisen sagt man übrigens - einen Isländer hat man selten für sich alleine. Entweder sie sind furchtbar schüchtern, oder sie hüpfen herum. Oder beides - eins nach dem anderen.


    In einem Land, wo jederzeit alles zuende sein kann, weil ein großer Vulkan ausbricht und alles unter sich begräbt, sind Menschen naturgemäß anders. Und das kann man als Deutscher vielleicht nur schwer verstehen, und mit allzu deutscher Denke kommt man da nicht weiter.
    Mir kamen die Isländer immer ein bisschen vor wie große Kinder, die in den Tag hineinleben und niemals drüber nachdenken, was wohl morgen sein wird. Oder gar übermorgen. Übermorgen kann die Insel bereits in die Luft geflogen sein (von mir überspitzt gesagt - aber so empfinde ich das dort) - also carpe diem.
    Trotzdem tun sie das nicht alle mit Vollgas, und das ist das rätselhafte.
    Ich hab mich lange mit isländischen Sagas befasst und finde ehrlich gesagt in den modernen Isländern vieles aus den Sagas wieder.


  • Jaqui: Aus deutscher Sicht gesehen ist deine Reaktion verständlich. Für Jói geht es dabei aber nicht nur ums Reiten, sondern er will auch wissen, ob und wie weit Lies sich mit dem Leben in Island angefreundet hat. Da er wie sich herausstellte doch ernstere Absichten hatte, war es für ihn wichtig. Er wurde schon mal von einer deutschen Freundin im Stich gelassen, weil diese in Island nicht heimisch werden konnte. Für ihn muss Lies Aussage wie eine kalte Dusche gewesen sein.


    Das verstehe ich schon, aber ich konnte mit seiner Reaktion in dem Moment einfach nichts anfangen. Ich mag solche Typen eben nicht, die einem die ganze Zeit im unklaren lassen, ob sie von einem was wollen oder nicht und dann auch noch böse sind, wenn man nicht genauso reagiert wie sie es möchten.


    Miramis: Ich bin noch nie geritten und kann es daher auch nicht nachvollziehen, wie so was ist.


    Katrin


  • Übrigens denke ich, dass Lies ganz einfach Angst in der Situation hat. Sie hatte nicht die Möglichkeit, das Reiten von Grund auf zu erlernen, und muss da plötzlich mit dem Pferd im schwierigsten Gelände zurechtkommen. Daher kann ich auch sie verstehen, wenn sie sich in diesem Moment ein Fahrrad herbeiwünscht, das sie sicher kontrollieren kann.


    Ja, da prallen eben Welten aufeinander... zum Glück vergeht die miese Stimmung gleich wieder und Lies findet ihren Gefallen an ihrem "isländischen Fahrrad". ;)


    So sehe ich das auch. Für Jói ist Reiten etwas selbstverständliches, etwas was er sehr gerne und wohl auch von klein auf an macht. Für Lies ist es ein notwendiges Übel, sie muß eingentlich gezwungenermaßen mit reiten um die Schafe einzufangen, für sie als Deutsche ist halt das Fahrradfahren die von klein auf geliebte Fortbewegungsart. Da prallen halt wirklich Welten aufeinander.
    Kurz danach wird dieser Konflikt ja fast schon wieder aufgelöst, Lies findet zumindest ein bischen Gefallen am Reiten und Jói scheint ja schon nicht mehr ganz so enttäuscht.


    :winken:


    Olima

  • Hallo !


    Für mich war das Buch einfach nur Balsam und erholsam nach dem restlichen Trubel und en Schreihälsen usw.
    Auch das Ende , was schon ein bisschen KLischeehaft ist fand ich für mich da genau richtig wobei ich normaler Weise nicht so dafür bin und ehr hier offene Enden vorziehe .




    Für mich hat das Kleiderablegen was reinigendes.
    Die Kleider sind Teil ihres früheren Lebens, mit dem sie abschließt. Der Fluß ist ja das reinigende Element in der Geschichte - er nimmt alles mit sich (das Gute wie das schlechte) und spült frei, was verstopft ist.
    Wer mal einen Gletscherfluß gesehen und gerochen hat, weiß, wie ich das meine. Man wird fast genötigt, irgendwas hineinzuwerfen, um sich zu befreien.


    Ich hatte das Bild der nackten Lies und den davonflatternden Kleidern tagelang vor Augen. Sicher nicht jedermanns Geschmack, aber ich schreibe viel nach Bildern.


    Ja so hab ich es empfunden bzw mir auch gedacht , was aber auch daran liegt das ich mich mal früher ein bissel damit beschäftigt habe was reinigende Wirkungen haben soll , wie es in den anderen Kulturen so ist.
    Ich liebe diese symbolträchtigen Dinge und es passt so herrlich in dieses Buch und zu Lies .



    Das ist aber auch das Schöne an dem Buch das eben dieses Anders sein rüberkommt . So einen Typ wie Joí wollt ich nicht . Sein benehemne mag ich nicht , aber ich mag es auch nicht wenn in Büchern Typen so platt dargestellt werden , oder Mister Perfekt sind , von daher war es sehr schön mal eine Figur dabei zu haben wo es nicht grade um Liebesglück pur geht wo Misses Wunderfull ihren Traumprinzen bekommt .



    Jaqui: ich habe bei dieser Szene genau das Gegenteil empfunden; wie kann Lies nur so lieblos übers Reiten reden und ein Pferd mit einem Fahrrad vergleichen? Ich konnte Jói in diesem Moment gut verstehen. Pferde und Reiten sind nun mal eine große Leidenschaft der Isländer.


    Übrigens denke ich, dass Lies ganz einfach Angst in der Situation hat. Sie hatte nicht die Möglichkeit, das Reiten von Grund auf zu erlernen, und muss da plötzlich mit dem Pferd im schwierigsten Gelände zurechtkommen. Daher kann ich auch sie verstehen, wenn sie sich in diesem Moment ein Fahrrad herbeiwünscht, das sie sicher kontrollieren kann.


    Ja, da prallen eben Welten aufeinander... zum Glück vergeht die miese Stimmung gleich wieder und Lies findet ihren Gefallen an ihrem "isländischen Fahrrad". ;)


    Ja so sehe ich das auch . Es sind für mich Beide sehr verständlich .


    Liebe Grüße Siri

    Wer in der Zukunft lesen will, muß in der Vergangenheit blättern. <br />(André Malraux )

  • Nun bin ich auch fertig mit dem Buch. Der Schluss war mir viel zu klischeehaft. Alles wird gut und alle sind happy. Für mich war vieles vorherzusehen und solche Geschichten mag ich eigentlich nicht. Trotzdem muss man sagen waren die Beschreibungen der Landschaft und so weiter die Highlights des Buches.


    Sicher kein Buch, dass ich noch einmal lesen werde, aber eine nette Erfahrung über Island, die ich dennoch nicht missen nöchte.


    Katrin

  • Was soll ich sagen?! Ihr habt alles geschrieben...


    Das Zurücktreiben der Schafe fand ich sehr spannend, aber leider was Lies betrifft doch sehr übertrieben oder einfach nur kindlich-naiv. Ich dachte, sie wäre doch erwachsener geworden, aber der Irrsinn, den sie verzapft zeigt doch, dass sie von Island und dem Leben dort nicht viel begriffen hat. Ein Wunder, dass sie sich nur unterkühlt hat.
    Ab der Hälfte bis zum Ende empfand ich das Buch äußerst gelungen und ganz ehrlich? Ich wüsste gern, ob sich Lies nun wirklich für den Hof entscheidet und wie sie alles alleine hinkriegen wird. Ob sie und Joi wirklich zusammen bleiben interessiert mich dabei weniger.
    So traurig Elias' Tod auch war, geweint habe ich nicht. Er scheint in Frieden gegangen zu sein, glücklich und mit seiner Vergangenheit versöhnt. Er war krank und hat sich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch gequält. Ich habe ihn guten Gewisssens ziehen lassen können.
    Am Ende zeigt sich, dass er Lies wirklich akzeptiert hatte, nicht nur sein Testament zeigt das, sondern für mich vor allem sein "Danke" ihr gegenüber.
    Zu Joi, er ist mir zum Ende hin zwar langsam sympathischer geworden, aber so ganz ist er auch nicht mein Fall. Aber ich geb Siri Recht, besser so als oberflächlich und platt gezeichnet.
    Insgesamt kann ich sagen, dass ich mit der ersten Hälfte nicht so viel anfangen konnte, diese brauchte ich, um mich einzulesen. Erst als Lies sich eingerichtet hat, konnte ich mich ganz ins Buch versinken lassen und hab es von da an auch genossen. Elias ist für mich die kräftigste Figur, Lies wächst im Laufe der Handlung, bekommt mehr Farbe und für mich auch eine immer stärker werdende Rolle. Joi und Ari sind und bleiben Randfiguren und von meiner Seite aus, hätte das Buch auch ohne Kuss enden können.
    Interessant hätte ich es auch gefunden, hätte Lies nach Elias' Tod den Hof verlassen müssen. Wie hätte sie sich in Deutschland wieder zurecht gefunden...


    LG
    Cait


  • Ich wüsste gern, ob sich Lies nun wirklich für den Hof entscheidet und wie sie alles alleine hinkriegen wird. Ob sie und Joi wirklich zusammen bleiben interessiert mich dabei weniger.


    Das würde mich auch sehr interessieren, wie sie sich einlebt und mit der Arbeit alleine zurechtkommt und was sie auf dem Hof noch so alles erlebt. Davon könnte ich jetzt noch mehr lesen. :)
    Mir war auch Lies' Leben mit den Tieren auf dem Hof und die Arbeit im Zusammenspiel mit der Natur und das Zusammenleben mit Elias das Wichtigste und Interessanteste an der Geschichte. Und natürlich die Stimmung, das Emotionale, was durch die tollen Beschreibungen und Gedanken von Land und Leuten rüberkam. Deshalb hat mich wohl das "Näherkommen" von Joi und Lies im Stall gestört. In dem Moment empfand ich ihre kleine Liebelei als lästig und "herausreißend", es hätte für später, so dass der Leser es sich denken kann (oder auch nicht ;) ), aufgespart werden können.