09: Seite 368 - Seite 392 (Kap. 9 + Neuntes Speicherbild)

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  • Die Gütige Mutter hat ja ganz schön Schaden genommen, wie es aussieht. Da werden die Fragen, die schon aufkamen, immer dringlicher in Bezug auf die Sterblichkeit von Mutter und dem Verbleib ihrer Bewohner, wenn sie wirklich stirbt.


    Mutter hätte also die ganze Zeit zu Berglen und anderen, die Mutter vorher nicht viel gehört haben, "sprechen" können und hatte es einfach nicht getan. Da soll man sich nicht wie das ungeliebte Kind vorkommen? :>


    Anestes Wunsch nach Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen ist wirklich traurig. Sie hat nicht gesehen, was sie schon hätte haben können, wenn sie ihren Hass nur überwunden hätte. Es scheint, dass es fürs bessere allgemeine Verständnis füreinander mehr Besuche untereinander geben sollte. Bei Aneste gleicht es ja schon einer Wunderkur, dass sie überlegt, ob man sie vielleicht noch auf der Squid aufnimmt. Da war ich echt baff. Ein besseres Gefängnis kann man sich aber auch wohl echt nicht vorstellen. Sie kann nicht entkommen, also darf sie frei rum marschieren? Geht nicht trotzdem noch Gefahr von ihr aus?


    Warum sollte es nicht möglich sein, ein Abbild von Aneste zu machen? Und welche Pläne hat Idea mit ihr genau? Idea ist mir echt nicht geheuer. Auf jeden Fall verfolgt sie ganz eigene Pläne. Und so wie sie die Squid schon unter Kontrolle hat, braucht sie die Menschen an Bord sicher bald nicht mehr. Wenn das mal gut geht.

  • Mutter hätte also die ganze Zeit zu Berglen und anderen, die Mutter vorher nicht viel gehört haben, "sprechen" können und hatte es einfach nicht getan.

    Doch, hat sie - Berglen ist immerhin einer von knapp 300 Zoëlikern unter etwa 30.000 Bewohnern der SQUID, gehört also zum erwählten obersten Prozent. Nur auf diese Art und Weise hat er sie noch nie gehört - was aber auch an ihm liegen könnte ...


    Ein besseres Gefängnis kann man sich aber auch wohl echt nicht vorstellen.

    Ein Punkt, den man gar nicht genug betonen kann, finde ich. Den "Befreiern" geht es viel mehr um Zugehörigkeit als um Freiheit ...


    Warum sollte es nicht möglich sein, ein Abbild von Aneste zu machen?

    Ich glaube, ganz so hat sie es nicht gesagt. ;) Aber es wäre eben anders, als Aneste sich das vorstellt.

  • Ein toller Abschnitt, rasant und voll.

    Ich denke, dass einige jetzt begreifen, dass die Squid einfach nur ein Lebewesen ist, das besondere Fähigkeiten hat, aber keine übernatürliche 'Intelligenz. So zumindest sehe ich sie. Von Anfang an habe ich sie als einsames Wesen empfunden, von dem es ob seiner Größe und Langlebigkeit vermutlich nur wenige seiner Art gibt. Ich finde in diesem Abschnitt wird Einsamkeit thematisiert. Nicht nur Aneste ist einsam, auch Bergelen, Ugron, Rila, Amida (ich habe nicht gelesen, dass er mit anderen Kindern Kontakt hätte.) Auch Korol ist eigentlich einsam, aber merkt er das?


    Lustigerweise hab ich beim Lesen der Speicherbilder jetzt das Gefühl schneller zu lesen, als wollte ich, wie Iljow, mit dem Datenstrom mithalten

    Ich lese auch schneller, aber nur, weil ich nicht verstehe was ich lese :)


    Eine mehrfache Mörderin aus Überzeugung überlegt,

    Diese Formulierung ist ein wenig missverständlich.

    Aneste mordet für ihre Überzeugungen.

    Sie ist aber keine "überzeugte Mörderin" im Sinne einer Triebtäterin, der das Morden an sich Befriedigung verschafft

    Ich fand diese Formulierung auch ziemlich missverständlich, aber scheinbar ist das auch eine Sicht auf Aneste.

    alles mitmachen in ihrem Wahn mit etwas Höherem in den Bund zu treten.

    Das ist schon komisch, bei ihr ist es Wahn und wieviele Menschen wollen unbedingt mit einem höheren Wesen einen Bund eingehen? Jeder Gläubige tut das. In diesem Abschnitt wird eigentlich noch viel deutlicher, was Aneste verloren hat. Es ist nicht nur die Sucht, auf Datenströmen zu surfen, es ist der Verlust der Verbindung. Wenn man ein Kind aus einer intakten Familie wegnimmt finden das alle grausam. Hier war es eigentlich auch so. Der Computer war der Zusammenhalt aller miteinander und keiner war einsam, davon isoliert zu sein ist wie amputiert. Bei Xeramel sieht man es am krassesten, weil sie eine noch engere Beziehung verloren hat.

    Ich fand es reizvoll, zu zeigen, dass man sich manchmal sehr ähnlich wird, wenn man vollkommen gegensätzliche Wege geht - wie die Menschen der SQUID und der ESOX.

    Dass es da viel Gemeinsames gibt ist ja schon mehrfach angesprochen worden. Aneste macht es noch einmal sehr deutlich. So ein Zusammengehörigkeitsgefühl ist auch eine Form von Geborgenheit. Wir Menschen sind eigentlich Gruppenwesen und wir möchten zu einer Gemeinschaft gehören, bei aller Individualität wollen wir doch selten in einer Einsiedelei leben. Es ist also ein sehr menschlicher Zug. Nur hat dieses intensive Gemeinschaftsgefühl nicht jeder schon mal kennengelernt und einen Verlust kann man nur einschätzen, wenn man weiß was man verloren hat.

    Beide sind überlegene Intelligenzen

    Sind sie das? Ich neige weiterhin zu der Annahme, dass Mutter ein eher Tierisches Lebewesen ist, welches aber jenseits des Verstandes der Menschen agiert.

    Ihre Experimente, die sie mit Mutter durchführt, machen mir etwas misstrauisch.

    Dass Idea da so an Mutter rumfummelt gefällt mir nicht. Ich vermute, Sie verfolgt Ziele, die wir bisher noch nicht kennen.

    Diese Experimente sind der Grund, warum sich die Vorstellung eines Tieres bei mir festigt. Ich denke, dass dies auch der Hintergrund ist, warum Idea auf die SQUID wollte. Sie weiß vermutlich, dass es ein Tier ist, welches sie zähmen kann. Ich hoffe allerdings, dass ihr das nicht gelingt.

    Allerdings kann ich auch ihre letzte Reaktion nicht ganz einschätzen. Möchte sie weinen ob der Chance, ist es Sehnsucht oder tatsächlich Trauer ob des Verständnisses der Aufgabe des Körpers.

    Ich glaube, es war der Moment des Begreifens, dass sie selbst nie die Vollkommenheit erreichen kann, die sie sich erträumt hat, weil die Menschen des Schwarms gefühlte Jahrmillionen in der Entwicklung hinter der Sphäre zurück sind. Ich glaube, in dem Moment fällt (zumindest temporär) aller Hass und Zorn von ihr ab und sie ist einfach nur erschöpft. Und dann kann sie nicht mal mehr weinen. Ich finde, das ist wieder so eine ganz schrecklich traurige Szene.

    So unterschieldich kann man das lesen. Ich hatte eher das Gefühl beim Lesen, dass Aneste hier in ein Wunderland blickt und vor Begeisterung weinen möchte. Was ich an dieser Szene interessant fand, und was so nebenbei kommt - die Implantate wurden ihr als Kind eingesetzt. Sie hat also nicht selbst entschieden, welche Implantate und ob sie welche haben möchte. Die Trennung vom Computer ist somit für mich noch brutaler als eh schon. Allerdings würe mich interessieren, wer und mit welcher Begründung entscheidet über Implantate? Geht es da auch nach Rang und Geld oder bestimmt der Computer, welche Komponenten gebraucht werden.

    Zegato hat sie verraten und Punkt. Sie lässt ihn nicht zu Wort kommen und der arme Kerl wird abserviert, ohne eine Chance zu bekommen.

    Ja, wie bei dem Schläfer kommt hier die alte Kara wieder durch, die nicht nachdenkt und einfach aus dem Bauch raus handelt. Entwicklung ist eben nicht geradlinig

  • Der Computer war der Zusammenhalt aller miteinander und keiner war einsam, davon isoliert zu sein ist wie amputiert.

    Ja, sie hat das Leben verloren, das sie kannte. Sie wurde sozusagen in eine ihr fremde Welt gestoßen, ist nun heimatlos.


    Diese Experimente sind der Grund, warum sich die Vorstellung eines Tieres bei mir festigt.

    Auch die Bewohner der SQUID bringen ähnliche "Implantate" an. In der ersten Szene etwa, als Berglen die Rotraum-Jünger stellt, folgen sie den Leitungen, die durch Mutters Fleisch gelegt sind.


    Allerdings würe mich interessieren, wer und mit welcher Begründung entscheidet über Implantate? Geht es da auch nach Rang und Geld oder bestimmt der Computer, welche Komponenten gebraucht werden.

    In Feuer der Leere wurde es im Gespräch zwischen Starn und Rila erläutert:

    Der Zentralcomputer hat schon das Erbgut im Hinblick darauf, dass man später eine nützliche Funktion an Bord der ESOX erfüllen kann, optimiert.

    Bereits im Säuglingsalter wurden die ersten Implantate eingesetzt. Wenn die Kinder schlecht darauf reagierten, wurden sie getötet, um den begrenzten Platz und die begrenzten Ressourcen auf dem Großraumschiff für andere zu nutzen, die der Gesellschaft nützlicher sein konnten.

    Wenn es später zu Problemen kam, aber noch eine gewisse Verwendbarkeit gesehen wurde, hat man die Betreffenden als Botschafter auf andere Schiffe geschickt (ein Beispiel dafür ist Prijatu in Feuer der Leere). Im Vergleich zu den Menschen auf den anderen Schiffen sind diese Leute noch immer heftig technisch aufgerüstet - aber für die Bordgemeinschaft mit der ESOX hat es nicht gereicht. Nach der Zerstörung des Zentralcomputers sind sie vergleichsweise gut dran, weil sie nie so vollständig mit ihm verschmolzen sind.

    Aneste oder auch Zegato und ihre Mutter gehören zu denen, bei denen alles glatt lief: Sie konnten entsprechend einer Funktion, die der Zentralcomputer für sie vorgesehen hat, optimiert und in die Gesellschaft der ESOX integriert werden.

  • Diese Experimente sind der Grund, warum sich die Vorstellung eines Tieres bei mir festigt.

    Auch die Bewohner der SQUID bringen ähnliche "Implantate" an. In der ersten Szene etwa, als Berglen die Rotraum-Jünger stellt, folgen sie den Leitungen, die durch Mutters Fleisch gelegt sind.

    ich hatte es immer so verstanden, dass sie der Mutter nur die Baupläne geben und diese dann alles so wachsen läßt. Außerdem haben sie keine Experimente mit der Mutter gemacht.

  • ich hatte es immer so verstanden, dass sie der Mutter nur die Baupläne geben und diese dann alles so wachsen läßt.

    Das ist schon menschliche Technik, die dort integriert ist:

    Zitat von Seite 54

    Hier hatte die Gütige Mutter ihren Bewohnern gestattet, eine Vielzahl technischer Geräte in ihrem Fleisch zu verankern. Zwischen den Adern verliefen auch Kabelstränge, die zu Sensorplatten, Hangars oder Geschützbuchten führten.

    Außerdem haben sie keine Experimente mit der Mutter gemacht.

    Das stimmt. Sie haben sich auch immer vehement dagegen gewehrt, wenn Wissenschaftler von den anderen Schiffen Mutter sezieren wollten, um herauszufinden, woher die künstliche Gravitation kommt.