04 - Kapitel 6 bis 7 (S. 157 bis 216)

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  • Alles geht wieder seinen gewohnten Gang. Die Aufregungen und Verluste werden von den täglichen Arbeiten überdeckt.
    Lies zeigt weiterhin Eigeninitiative - das gefällt mir. Auch wenn Elías noch nicht erkannt hat, dass sie ein Auge für den Lebenszyklus auf der Farm entwickelt hat.
    50 cm Mist, na dann viel Spaß beim Ausmisten. ::)


    Voller Hoffnung wartet sie Tag für Tag auf Jói, der durch Abwesenheit glänzt. Ich glaube nicht, das sie an Jói als Mensch interessiert ist, sondern an dem, was er für sie verkörpert.
    Und in dieser Einsamkeit freut man sich fast über jeden Besuch. Hauptsache man kann sich unterhalten und er bringt etwas Abwechslung in das ewige Einerlei.


    Elías verrichtet seine Arbeiten wirklich noch wie vor hundert Jahren. Dass ihn diese Anstrengungen mitnehmen wundert mich nicht. Dass er mit seiner Erkrankung keine größeren Schwierigkeiten hat ist seltsam, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass er, trotz seines enormen Zuckerverbrauches, sich das Insulin spritzt.
    Sobald Lies und Elías zusammen arbeiten scheinen sie sich auch zu vertragen und sie nähern sich einander sogar an.
    Auch wenn Lies es vielleicht nicht für möglich halten wird, aber sie wird den alten Elías vermissen, wenn das Jahr um ist.


    Die Schafschur ging flott voran. Aber für einen geübten Scherer ist ein Schaf ein Klacks. Die kleine Herde ist da natürlich schnell fertig. Was ich nicht ganz verstanden habe ist, dass Elías die Scherer bezahlt und sie auch die Wolle mitnehmen. Ist das dort so? Oder machen sie es weil Elías nur eine kleine Menge hat und die Wolle nicht selber verkaufen will?


    Ari, der Mann für alles, lässt sich mal wieder blicken. Pfui, einfach in der Schonzeit Schneehühner jagen! :o
    Und ich dachte immer die Isländer gehen gerne angeln. ;D
    Schafdung als Heizmaterial - warum nicht. Man soll nichts verkommen lassen. Und die Keulen stecken doch auch in Beuteln.


    Elías Wehmut als die Schafe sich auf den Weg zur Sommerweide machen, kann ich verstehen. Wer weiß, ob sie alle wieder kommen. Wer weiß, ob Elías noch da ist, wenn sie wiederkommen. Für einen zu unabhängigen Menschen wie ihn, ist es sehr schwer nicht mehr so zu können wie früher. Alt werden ist schon beschwerlich, aber dann auch nicht mehr arbeiten zu können!
    Ich fand das sehr schön beschrieben in dem Satz von Lies: In Island gibt es kein Altenteil. Dazu kann ich nichts sagen, aber für Elías sicher nicht. Wo sollte er hin? In einem Altenheim würde er nicht lange leben.
    Auch wenn Lies manchmal über ihn schimpft, er ist ihr ans Herz gewachsen. ;)

  • Hallo ihr,


    nach den Aufregungen in Kapitel 5 wird es in diesen beiden Kapiteln nun erst einmal wieder ruhiger. Die Erzählweise ist nun stellenweise sehr poetisch und weiterhin sehr anschaulich.


    Sehr schön fand ich schon den Beginn des 6. Kapitels: Lies' Erkenntnis, dass man überall ein paar Lämmer haben sollten, da sie die Menschen fröhlich stimmen. Da ist sicherlich etwas Wahres dran. :)


    Ich glaube auch nicht, dass Elías sich das Insulin spritzt. Er gibt es ja in seinem Gespräch mit Ari auch indirekt zu - so habe ich es zumindest aufgefasst. Seine zeitweilige schlechte und explosive Laune rührt bestimmt - neben seinem Frust über das Älterwerden und seine Gebrechlichkeit - auch von der Zuckerkrankheit her, weil er nichts tut, um seinen Blutzuckerspiegel zu senken.


    Lies ist mittlerweile schon sehr mit der Arbeit im Stall vertraut und übernimmt schon nahezu alleine die Verantwortung - es ist schon bemerkenswert, wie sehr sie seit ihrer Ankunft in Island gereift ist. Die Schafe lässt sie sogar gegen den Widerstand von Elias ins Freie, sie weiß mittlerweile, was gut für die Tiere ist. Wenn man bedenkt, wie wenig sie zu Beginn von all diesen Dingen verstanden hat...


    Der Gang über den Fluss und das Düngen der Wiese ist wunderbar bildhaft beschrieben, ich konnte mir die beiden und die beeindruckend schöne Natur, die sie umgibt, richtig gut vorstellen. Und die gemeinsame Heimfahrt in der "Kutsche" hat mich sehr gerührt, dieser Ausflug hat die beiden wieder ein Stückchen näher zusammen geführt.


    Das Ausmisten möchte ich auch nicht gerade tun müssen, aber ich finde es gut, dass Lies es in die Hand nimmt. Elías scheint das ja ähnlich zu sehen.


    Die Szene mit dem totgeborenen Lamm fand ich ziemlich traurig. Arme Lies, sie hatte eine wirklich undankbare Aufgabe - auch wenn das Lamm nichts spürt, so ist es doch alles andere als schön, ihm das Fell abziehen zu müssen. Aber immerhin konnte sie dem anderen Lamm mit dieser Aktion helfen, von der Mutter angenommen zu werden.


    "Bei Gelegenheit" kommt leider nicht vorbei, dafür aber der gute Ari. :)
    Aris Andeutung mit der Untreue und dem Alkoholgenuss der isländischen Männer macht mich neugierig. Ob sich diese allgemein gehaltene Bemerkung auch auf Jói beziehen lässt oder ob der Kaufmann sie wirklich nur unbedacht eingeworfen hat? Vielleicht bezieht er sie ja auch nur auf sich selbst. :D
    Ari scheint ja zu bemerken, dass Lies ein wenig mehr für den Tierarzt empfindet. Bei ihrer beschämten Reaktion musste ich schmunzeln. Ich glaube ja doch, dass sie sich ein wenig in ihn verguckt hat. ;D


    Nun müssen die beiden die Schafe ziehen lassen. Ich musste mit Lies über ihr überaus menschenähnliches Verhalten schmunzeln, als sie ins Freie entlassen wurden.
    Ich kann Elías' Wehmut gut verstehen, schließlich sind die Schafe sein Lebensinhalt und es ist nicht gewiss, ob er sie alle wiedersieht...



    Auch wenn Lies manchmal über ihn schimpft, er ist ihr ans Herz gewachsen. ;)


    Oh ja, das denke ich auch. Und ich denke, das trifft auch umgekehrt zu. :)

  • Ein sehr schöner Abschnitt mit vielen erinnernswerten Momenten, so habe ich diese beiden Kapitel empfunden.


    Lies ist immer noch sehr mit den Lämmern beschäftigt, sie hat inzwischen sehr viel Veranwortung von Elías übernommen und versorgt die Tiere nahezu selbständig. Sehr schön fand ich die Szene mit dem Ziehkind Hurly-Burly - solche Tier sind immer etwas besonderes, weil man sich um sie viel mehr sorgt als um die "Normalen". Dagegen konnte ich Lies' Abscheu verstehen, als sie das tote Lamm häuten musste; ein unangenehme Arbeit, aber machbar, wie man sieht. Und das Ganze diente ja zur Rettung eines anderen Lammes, da musste Lies einfach wohl oder übel über ihren Schatten springen.


    Ihre Beziehung zu Elías verändert sich. Obwohl sie sich nach wie vor oft über ihn ärgern muss (zum Beispiel, als er sie wegen der Löcher in seiner Kleidung schimpft), wächst er ihr ans Herz; und die beiden reden auch mehr miteinander. Das gefällt mir sehr gut. Wenn es da draußen schon so einsam ist, dann müssen doch wenigsten die beiden untereinander Gespräche führen, sonst ist es ja noch viel öder. Sorgen mache ich mir weiterhin um Elías' Gesundheit - dass er nicht weiß, dass es schon Mai ist, ist ebenso verwunderlich wie seine Andeutung, dass er sein Insulin nicht spritze. Da kommt noch zur isländischen Eigenbrötelei ein gehörige Portion Altersstarsinn hinzu.


    Schön, dass auch Sörli sich mal nützlich machen darf ;), dieser Abschnitt hat mir natürlich gut gefallen. Ein ganze Wiese per Hand düngen, das ist nun wirklich ein ordentliches Stück Arbeit. Ich kann verstehen, dass Lies am Ende platt ist - und Elías spürt auch noch nach Tagen die Nachwehen.


    Der liebe Jói macht sich unterdessen rar, offenbar hat es bei ihm tatsächlich nicht so sehr geknistert wie bei Lies. Seine Geschichte finde auch sehr ungewöhnlich, als Waise nach Deutschland ausgewandert, alle möglichen Jobs mit Pferden gemacht und dann Tiermedizin studiert. Ich glaube, den würde ich auch anhimmeln... ;D Allerdings wird zunehmend deutlich, dass Lies nicht richtig verliebt in ihn ist - wie auch, sie kennt ihn ja kaum - und gar nicht mehr so recht weiß, wie er aussieht. Sie schwärmt also mehr für das Ideal, das er verkörpert.


    Und noch zwei neue Arbeiten kommen dazu: das Räuchern - tolle Angelegenheit, Lies ist ja ganz verrückt nach dem Schafsdung ;D und das Schafescheren; das kenne ich, da habe ich früher oft zugeschaut. Ich meinte immer, aus den Schafsgesichtern eine gewissen Erleichterung herauslesen zu können, wenn sie die Prozedur hinter sich hatten und ihren dicken Pelz los waren.


    Das letzte Kapitel endet in einer wehmütigen Stimmung; es heißt, Abschied von den Schafen zu nehmen und Elías kommt mir so vor, als wenn er eine Vorahnung hätte, dass er nicht mehr lange da ist.

  • Ich lasse das Ganze mal über Nacht etwas sacken; bisher ist das, was mir am stärksten im Kopf hängenblieb:
    Das Leben ist ganz schön unbarmherzig - und wir merken das gar nicht mehr, weil wir jede Menge Tricks haben, um das auszublenden und um uns alles Mögliche etwas zu erleichtern. Angefangen bei der Heizung bis hin zur Geschirrspülmaschine und dem Supermarkt.

  • Ich habe das Gefühl, dass Lies in diesem Kapitel erst so richtig in Island angekommen ist. Sie hat ihre Arbeit im Griff, macht sie nicht immer gerne und meckert auch darüber, aber sie gibt ihr eine gewisse Befriedigung. Elias und sie nähern sich an, in winzig kleinen Schritten. Auch wenn Elias nach wie vor nicht richtig mit Lies Anwesenheit einverstanden ist, so hat er sie inzwischen doch akzeptiert und bringt ihr Respekt entgegen (kleine Rückschläge ausgenommen ;) ).


    Ich muss mich immer wieder anhalten, nicht die letzte Seite im Buch zu lesen. Einerseits kann ich mir gut vorstellen, das Lies ihr Leben in Deutschland nicht wieder aufnehmen will und in Island bleibt, andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass sie die nächsten Jahre in der Einsamkeit von Elias Hof verbringen möchte. Und ebenso gespannt bin darauf, was wohl mit Elias passiert. Klar ist, dass nach diesem "letzten langen Sommer" nicht mehr alles ist, wie es immer schon war.

  • Für mich war der Abschied von den Schafen der bewegendste Moment dieses Abschnitts. Da Lies sich in der ersten Zeit bei den Schafen im Stall am wohlsten gefühlt hat, ist der Weggang der Schafe ein Einschnitt in ihr Island-Leben.
    Jetzt beginnt der vielleicht für sie ein Abschnitt sich mehr auf Elias einzulassen, da die Schafe fehlen. Mal sehen...
    :-\

    Bring Licht in Deinen kleinen Winkel, dann erhellst du die ganze Welt

  • Hach hier konnte man einfach mal schön schwelgen .
    Toll finde ich das das Lenben so wie es dort wohl auch ist -war noch nie da , leider- realistisch dargestellt wird .


    Dem hier kann ich nur zustimmen :



    Ich habe das Gefühl, dass Lies in diesem Kapitel erst so richtig in Island angekommen ist. Sie hat ihre Arbeit im Griff, macht sie nicht immer gerne und meckert auch darüber, aber sie gibt ihr eine gewisse Befriedigung. Elias und sie nähern sich an, in winzig kleinen Schritten. Auch wenn Elias nach wie vor nicht richtig mit Lies Anwesenheit einverstanden ist, so hat er sie inzwischen doch akzeptiert und bringt ihr Respekt entgegen (kleine Rückschläge ausgenommen ;) ).


    Gespannt wie Alles endet bin ich auch . Fest steht für mich das Lies wohl nicht mehr den ganzen alten Trott so wie es früher watr aufnehmen wird. Sie könnte ja auch in Deutschland ruhiger und besinnlicher leben , wobei ich es ganz ehrlich auf Island romatischer finden würde .


    Liebe Grüße Siri

    Wer in der Zukunft lesen will, muß in der Vergangenheit blättern. <br />(André Malraux )

  • Da ihr ja schon alles gesagt habt, möchte ich nur anmerken, dass mir das Buch sehr gut gefällt. Diese Abwechslung zwischen dahinrasenden und eher melancholischen Kapiteln finde ich super gemacht.


    Ich bin auch immer knapp davor auf die letzten paar Seiten zu blättern und zu lesen wie es ausgehen wird. Aber ich beherrsche mich noch.


    Da ich heute abend viel Zeit habe, werde ich mich jetzt gemütlich auf die Couch schmeißen und in aller Ruhe weiterlesen.


    Katrin

  • Hallo zusammen



    Elías Wehmut als die Schafe sich auf den Weg zur Sommerweide machen, kann ich verstehen. Wer weiß, ob sie alle wieder kommen. Wer weiß, ob Elías noch da ist, wenn sie wiederkommen. Für einen zu unabhängigen Menschen wie ihn, ist es sehr schwer nicht mehr so zu können wie früher. Alt werden ist schon beschwerlich, aber dann auch nicht mehr arbeiten zu können!


    Diese Szene hat mich auch am meisten gerührt, ich glaube auch, dass Elias irgendwie Abschied für immer von seinen Schafen nimmt. Seine Krankheit muss ja in den letzten Monaten mit riesen Schritten seinen Körper und seine Kraft zerstört haben, denn der Schafscherer hat ja erzählt, dass Elias das alles letztes Jahr noch selbst gemacht hat.
    Für jemanden, der immer auf sich alleine gestellt war und immer alles gemacht hat, muß es enorm schwer sein Hlfe anzunehmen. Keine Wunder, dass seine Stimmung so schwankt.


    Die "Mäntel-tauschen" Geschichte ist sehr schlimm, aber wie Elias selbst sagt "Für manchen ist etwas anderes vorgesehen". Lies hat in den Wochen bei Elias eine riesen Entwicklung durchgemacht und stellt sich immer neuen Herausforderungen. Ich glaube auch, dass sie nach ihrer Zeit auf Island nicht mehr in ihr altes Leben zurückkehren kann.


    :winken:


    Olima


  • Sobald Lies und Elías zusammen arbeiten scheinen sie sich auch zu vertragen und sie nähern sich einander sogar an.
    Auch wenn Lies es vielleicht nicht für möglich halten wird, aber sie wird den alten Elías vermissen, wenn das Jahr um ist.


    Ich glaube auch, dass sie Elias, das Land und die Arbeit mit den Schafen vermissen wird. Aber als der Schafscherer zu Lies sagt: „Nächstes Jahr machst du das“ bekam ich irgendwie das Gefühl, als könnte Lies auch in Island bleiben. Aber falls sie doch nach Deutschland zurückkehrt, ihre Arbeit im Finanzamt nimmt sie bestimmt nicht mehr auf.



    Elías Wehmut als die Schafe sich auf den Weg zur Sommerweide machen, kann ich verstehen. Wer weiß, ob sie alle wieder kommen. Wer weiß, ob Elías noch da ist, wenn sie wiederkommen. Für einen zu unabhängigen Menschen wie ihn, ist es sehr schwer nicht mehr so zu können wie früher. Alt werden ist schon beschwerlich, aber dann auch nicht mehr arbeiten zu können!
    Ich fand das sehr schön beschrieben in dem Satz von Lies: In Island gibt es kein Altenteil. Dazu kann ich nichts sagen, aber für Elías sicher nicht. Wo sollte er hin? In einem Altenheim würde er nicht lange leben.
    Auch wenn Lies manchmal über ihn schimpft, er ist ihr ans Herz gewachsen. ;)



    Ich glaube auch nicht, dass Elías sich das Insulin spritzt. Er gibt es ja in seinem Gespräch mit Ari auch indirekt zu - so habe ich es zumindest aufgefasst. Seine zeitweilige schlechte und explosive Laune rührt bestimmt - neben seinem Frust über das Älterwerden und seine Gebrechlichkeit - auch von der Zuckerkrankheit her, weil er nichts tut, um seinen Blutzuckerspiegel zu senken.


    Diesen „Abschied“ von den Schafen fand ich auch sehr bewegend. Elias zeigt Gefühle und er tat mir furchtbar leid. Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich ihn irgendwie mag und ich finde den Gedanken, dass er nicht mehr lange mit seinen Schafen auf seinem Hof leben könnte, sehr traurig. Seine Krankheit, bzw. die Begleiterscheinungen sind ja schon teilweise eklig und mit Sicherheit schwer zu ertragen, aber deshalb empfinde ich ihn eben nicht als boshaft. Er leidet zusätzlich ja auch sehr darunter, dass er nicht mehr so arbeiten kann wie früher, was seinen Wutanfall gegenüber Lies ja zeigt, der mit dem Kaffee doch eigentlich rein gar nichts zu tun hatte. Er hat ja mit dem Düngen der Wiese noch mal richtig "aufbegehrt" und ich finde, er ist da auch mal ein bisschen aufgeblüht und hat es sehr genossen, als "tollkühner Kutschfahrer" bezeichnet zu werden. Das fand ich sehr rührend. Und ich bin auch der Meinung, dass Lies in immer mehr mag, auch wenn sie das nicht zugibt. Schlimm finde ich, dass Elias seine Spritzen wohl nicht nimmt. Er könnte doch was für seine Gesundheit tun. Was hält ihn davon ab? Sturheit?



    Lies ist mittlerweile schon sehr mit der Arbeit im Stall vertraut und übernimmt schon nahezu alleine die Verantwortung - es ist schon bemerkenswert, wie sehr sie seit ihrer Ankunft in Island gereift ist. Die Schafe lässt sie sogar gegen den Widerstand von Elias ins Freie, sie weiß mittlerweile, was gut für die Tiere ist. Wenn man bedenkt, wie wenig sie zu Beginn von all diesen Dingen verstanden hat...


    Das finde ich auch klasse. Sie hat immer mehr an Selbstvertrauen gewonnen und es geht ihr auch gut dadurch. Ich finde in diesem Abschnitt gab es auch eine große Entwicklung. Am Anfang des Abschnitts (S. 164) war sie noch sehr frustriert, lustlos und fragte sich, was sie hier eigentlich soll („Jeder andere hätte irgendwas aus seinem Leben hier gemacht….“.) und sie konnte ihre Schokolade sogar nicht mal mehr genießen. Aber so nach und nach kommen immer mehr positive Gefühle: (S. 171/ 172) "Lies lacht befreit wie lange nicht mehr….platzt vor Energie". Auf dem Weg zur Wiese schaut sie sich die Natur an und findet Island richtig schön. Und Seite 214: „Lies fand die Berge von Gunnarstadir nicht mehr bedrohlich“
    Besonders schön und sehr rührend fand ich die Szene, in der die Schafe so neugierig und zutraulich Lies bei ihrer Arbeit zusahen und als Lies das Lamm auf den Arm genommen hatte. Die zarte Wolle konnte ich fast spüren und Lies Gefühl, alles andere dabei zu vergessen konnte ich gut nachempfinden. Wie sie festgestellt hatte sind ja die Lämmer das Gegengewicht zu Elias und daheim fehlt so etwas. Ich bin auch mal sehr gespannt, wie es ihr jetzt geht, wenn die Schafe, die ihr so viel gegeben haben, weg sind. Zum Glück sind ja noch ein paar einzelne da. Aber sie wird jetzt wohl mehr mit Elias zu tun haben, kann ich mir vorstellen.
    Dagmar, du beschreibst das Verhalten der Schafe so detailliert und gut vorstellbar. Hast du viel Zeit mit ihrer Beobachtung verbracht?

  • ;) ich hab viiiel Zeit im Stall verbracht. Auch wenn die Arbeit getan war, bin ich dort geblieben und hab Schafe beobachtet, gestreichelt - wir hatten zwei kleine Patienten mit Selenmangel und Lähmungen, die rund um die Uhr betreut werden mussten (leider sind sie nach unserer Abreise getötet worden weil es doch keine Hoffnung gab) und ein Mutterschaf mit einer fiesen Augenentzündung. Da normalerweise kein Tierarzt wegen einem Schaf herausfährt, haben wir das Auge fotografiert und in Egilstadir in der Klinik gezeigt (es lebe die Digitalkamera!). Dort bekamen wir Antibiotica, die ich in den fogenden Tagen gespritzt hab. Bin zwar nur Krankenschwester - aber Spritze ist Spritze. Ich mochte meine Patienten ;)
    Bei den kranken Lämmern war es doof, weil da wirklich nur Haut und Knochen ist. Das Augenschaf hat sich gut erholt und als das Auge abgeschwollen war und nicht mehr schmerzte, zwei gesunde Lämmer zur Welt gebracht.


  • Danke, Dagmar für die Informationen.
    Ich glaube dir, dass du deine Patienten mochtest. Das spürt man auch im Buch :)


    Dem kann ich so nur zustimmen . Es ist wahrlich spürbar .


    Liebe Grüße Siri

    Wer in der Zukunft lesen will, muß in der Vergangenheit blättern. <br />(André Malraux )

  • Die beiden Kapitel bergen nach wie vor eine Achterbahn, die Lies dauernd durchläuft. Auf der einen Seite ist die Routine bei der Hofarbeit, die sie immer besser bewältigt, weil sie sicherer wird und dadurch mutiger und gelassener. Da stecken dann auch die Momente drin, wenn sie etwas Neues lernt oder Abwechslung erlebt, wie das Räuchern oder das Jagen.
    Auf der anderen Seite denkt Lies wohl, die schlimmsten Erfahrungen hätte sie schon gemacht. Und dann kommt noch mal eins drauf, ärger, als sie es vermutet hätte (und auch ärger, als ich es erwartet hätte).



    Fest steht für mich das Lies wohl nicht mehr den ganzen alten Trott so wie es früher war aufnehmen wird. Sie könnte ja auch in Deutschland ruhiger und besinnlicher leben , wobei ich es ganz ehrlich auf Island romatischer finden würde .


    Das glaube ich auch. Nach all den Ereignissen, Erlebnissen und Lehren kann man sicher nicht einfach wieder hinter dem Schreibtisch verschwinden. Aber ob die Bezeichnung "romantisch" auf ein Leben in Island passt? Ich warte ja immer noch darauf, ob ein bisschen Polarnacht kommt und wie Lies damit umgeht.

  • Ich glaube auch nicht das Island "einfach so" romantisch ist. Gibt es überhaupt romantische Orte? Das Gefühl, etwas romantisch zu finden, kommt doch immer aus einem selbst und unter den richtigen Umständen kann auch eine Fabrikhalle romantisch werden.
    Ich finde das Wort "romantisch" drückt (in diesem Falle Island) immer so einen weichgezeichneten Stempel auf, der meiner Meinung nach die wirklich interessanten Dinge im Land verdeckt.
    Die Landschaftsbeschreibungen im Buch hinterlassen bei mir einen sehr urwüchsigen Eindruck. Das Land kann in seiner Kragheit sehr schön wirken, aber auch bedrohlich und abstoßend.


  • Die Landschaftsbeschreibungen im Buch hinterlassen bei mir einen sehr urwüchsigen Eindruck. Das Land kann in seiner Kragheit sehr schön wirken, aber auch bedrohlich und abstoßend.


    So habe ich Island - zumindest in Teilen - auch als Touri erlebt. Da wir in der Nebensaison unterwegs waren und oft die einzigen Leute irgendwo waren, hatten wir immer wieder mal das Gefühl, abgeschnitten zu sein (aber da wir nur zwei Wochen unterwegs waren, haben wir das auch genossen). Uns hätte manchmal so schnell keiner gefunden. Für einen längeren Zeitraum könnte die Einsamkeit aber ganz schön anstrengend werden, denke ich auch.

  • Ich denke, das Besondere an Island ist, dass der Mensch hier nicht viel Gelegenheit hatte, in die Natur einzugreifen. Daher begegnet man dort der Natur in ihrer vollen Wucht, aber auch in ihrer Schönheit. Das empfindet der eine Mensch als romantisch, der andere als spirituelles Erlebnis, der nächste als actionreich und mancher wohl schlicht als trist. Das hängt wohl auch davon ab, mit welcher Grundeinstellung und mit welchem Ziel man hinfliegt.

  • Tja, hier ist es wieder ruhig und beschaulich. Der Sommer kommt,...ich gehe mittlerweile auch fest davon aus das es sich um den letzten langen Sommer von Elias handelt. Die Schafe gehen fort und Lies identifiziert sich schon irgendwie mit dem "Hof", obwohl sie doch weiß das sie nur dieses Jahr dort verbringt, das verwunderte mich ein wenig. Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr gelungen! Da bin ich schon gespannt wie sich das über den Sommer entwickelt :winken:


    Liebe Grüße
    Karin