02 - Seite 83 bis 163 (einschließlich Kapitel 6)

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  • Hier könnt Ihr zum zweiten Abschnitt - Kapitel 3 bis einschließlich 6 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Fast ein wenig beschaulich (angesichts der Lage) haben sich Hannah und die drei Männer nun in dem Zimmer eingerichtet Ich war erleichtert, dass es für Hannah nun doch nicht so schrecklich wurde, wie man zuerst vermutet hatte. Und auch die Männer wahren ihr gegenüber den gebührenden Abstand und Anstand. Sie ergänzen sich sogar und beschaffen sich als Gemeinschaft Nahrung und Vorräte. So wird das Leben wenigstens etwas erträglicher, mitten im Nichts.

    Die Szene mit dem Radio ließ einen förmlich spüren, wie sehr die Menschen Fröhlichkeit entbehrt haben in jener Zeit. Das hat mir gut gefallen, man bekam eine kleine Ahnung, dass sie nicht immer so verstockt waren, wie sie es jetzt, durch den Krieg waren. Einen kurzen Augenblick bekommen wir hier von ihrer ursprünglichen Persönlichkeit gewährt. Auch die Rückblicke in das Vorleben der Männer, einer besaß ein ganzes Gut in Ostpreußen und hat schöne Möbel gedrechselt. Es wird einem bewusst, dass all diese zerlumpten Menschen, ein Leben hatten, eine Vorgeschichte und wie der Krieg all das beendet hat!

    Beim Blick aus dem offenen Bahnwaggon, den wir über Lasky bekommen, muss ich tatsächlich kurz an Syrien denken. Die Bilder völliger Zerstörung schieben sich automatisch in das Bewusstsein. Dass wir Einblicke in Fuchs Vergangenheit bekommen (jedenfalls nehme ich an, dass es sich bei Lasky um Fuchs handelt) macht die Geschichte nochmal spannender und stellt einen Kontrast dar, zum Alltag in der Kammer, in der die vier Bewohner hausen.

    Rührend fand ich, wie Laskys älterer Kamerad ihn immer versucht zu beschützen. Er sieht seinen jüngeren Bruder in Lasky und versucht ihm alles zu ersparen. Doch Lasky stolpert noch völlig naiv in diesen Krieg. Ganz kurz habe ich daran gezweifelt, ob ihm wirklich nicht klar war, was sie da auf der Lichtung ausgehoben haben. Das erschien mir dann doch vielleicht etwas zu naiv, aber ich ordnete es dann so ein, dass ich dachte, er steht ohnehin völlig neben sich, schläft und isst kaum, ist völlig verwirrt und vielleicht stellt man sich in dem Moment wirklich so eine FRage nicht.

    Dass er dann tatsächlich in das Erschießungskommando gerät, offenbart das Grauen des Krieges und im Gegensatz zu seiner Kompanie, die ja schon länger dabei ist, stellt Lasky hier noch die notwendigen Fragen: Können Kinder Partisanen sein? usw. Die anderen führen einfach nur noch ihre Befehle aus und funktionieren. Hier sieht man, wie sehr der Krieg die Männer im Laufe der Zeit verändert und verroht hat, Lasky ist hier noch "jungfräulich" und seine Empathie funktioniert noch.


    Hannah kümmert sich derweil beinahe mütterlich um die Männer, vielleicht tut ihr diese Aufgabe auch irgendwie gut. Besonders "Fuchs" rührt sie sehr an und es war sehr berührend zu lesen, wie sie ihn am Strand bzw im angrenzenden Wald findet und "nach Hause "bringt. Sie vertraut sich ihm an, was ihr merklich gut tut. Das Reden über die Gräuel des Krieges....eine Sache, die leider viele nicht geschafft haben. Ich kenne viele Familiengeschichten, in denen die Väter nach dem Krieg zurückkehrten und nie über das gesprochen haben, was sie erlebt haben! Das war ein gesamtdeutsches Trauma. Als Verlierer des Krieges wurde die ganze Thematik nie aufgearbeitet. Tatsächlich, wurde auch erst in den 90ern das Leid der deutschen Zivilbevölkerung während der Bombennächte in Dresden z.B thematisiert. Ich finde man muss die OPfer von verschiedenen Seiten beleuchten. Natürlich steht außer Frage, dass der Krieg von deutschem Boden ausging und dass der Großteil der Bevölkerung mit Begeisterung Hitler gefolgt ist, dennoch sind die schrecklichen Verbrechen an der Zivilbevölkerung ebenso wenig entschuldbar, wie das massenhafte Morden an Juden. Gleiches mit Gleichem zu vergelten......dennoch nach allem was Hitler verbrochen hat und nach allem was deutsche Soldaten in den angrenzenden Ländern getan haben, kann man ach verstehen, dass den Alliierten beim Bomben abwerfen all das egal war. Sie haben schlichtweg in Kauf genommen, dass unschuldige Frauen und Kinder qualvoll sterben. Und hier sind wir wieder beim Thema: Verrohung durch Krieg. Empathie sollte uns ein hohes Gut sein, denn wenn diese nicht mehr vorhanden ist, sind die Gräuel, die Menschen einander antun können unermesslich!


    Auch Fuchs spürt eine Zuneigung zu Hannah, heimlich liest er ihre Notizen und dennoch bringt Hannah auch hier wieder Verständnis auf.


    Besonders gut gefallen haben mir die Kindheitserinnerungen von Hannah. Diese Unbeschwertheit einer Generation, die auf einen historischen Abgrund zuraste. Dieses Gefühl dafür zu bekommen, dass es ganz normale Kinder waren, deren Zukunft schon damals besiegelt wurde. Viele waren bei der Machtergreifung Hitlers KInder und wurden später zu Kanonenfutter und schlichtweg für Führer, Volk und Vaterland verheizt. Und doch hatten sie eien Kindheit, die sich von der unseren vielleicht gar nicht mal großartig unterschied, denn dieses Spiel, kennen wir alle noch. Das war sehr berührend.


    Besonders gelungen finde ich weiterhin, dass die Autoren alle Perspektiven beleuchtet. Es gibt keine Schwarz-Weiß.OPfer-Täter Darstellung, sondern es sind alles menschliche Schicksale. Hier wird der deutsche Soldat, der naiv und noch grün hinter den Ohren in etwas hineingestolpert ist genauso beleuchtet, wie die Schicksale der Juden oder der verlorengegangenen Kinder(die Listen des Roten Kreuzes waren endlos nach dem Krieg!)......

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

  • Vieles verdichtet sich in diesem Abschnitt und bekommt klarere Konturen. Jeder hat seine persönliche Geschichte mitgebracht,Hannah ebenso wie Egon, Freddie und der stumme "Fuchs". Sie halten vorerst zusammen und bilden eine Art Notgemeinschaft, was angesichts der schwierigen Umstände die beste Lösung ist. Zwischen Hannah und dem Fuchs entsteht eine gewisse Nähe, sie verstehen sich intuitiv, ohne Worte.

    In einer Rückblende erfahren wir von seinen Erlebnissen im Krieg, er wurde 1943 im Alter von 18 Jahren nach Russland geschickt. Ein Kamerad versucht ihn zu warnen, aber er ist noch viel zu jung und unerfahren. Er kommt nicht direkt an die Front, sondern zu den Einheiten, die gegen Partisanen kämpfen, wird einem Erschiessungskommando zugeteilt und damit beginnt seine persönliche Katastrophe. Auf dem Gut hingegen wird die Stimmung besser, die Männer organisieren ein Radio,es wird getanzt und Hannah kann endlich wieder lachen und unbeschwert sein. Musik und Tanz können eine Brücke sein zum anderen - auch ohne Worte. Es war gar nicht so schlecht für Hannah, dass die drei Männer bei ihr einquartiert wurden, durch sie kommt sie auf andere Gedanken und verharrt nicht nur in der Vergangenheit, die sie ohnehin nicht mehr ändern kann. Ein weiterer Schritt zu ihrer seelischen Heilung ist das Tagebuch in dem sie ihre Geschichte aufschreibt.

  • Was für ein erdrückender Abschnitt!


    Hannah und die drei Soldaten entwickeln sich zu einer guten Zweckgemeinschaft. Zusammen kann man alles besser angehen.


    Durch das Radio und die Musik kommt es zu seltenen schönen Momenten, die allen Beteiligten gut tun.


    Der Fuchs, der Soldat Lasky, hat seinen ersten Einsatz im Krieg gleich beim Erschießungskommando. Welch ein Schrecken! Nicht einmal vorbereitet wurde er darauf!


    Konnte er gleich danach flüchten? Wie hat er es geschafft, an die Ostsee zu kommen?


    Schon als Kind war Hannah mutig. Sie schloss Freundschaft mit dem jüdischen Mädchen Klara. In einer Zeit als es vielen Kindern verboten war, mit jüdischen Kindern zu spielen, genoss Hannah ausgelassene Spiele mit den anderen Kindern.


    Wie schwer muß es für Hannah gewesen sein, daß sich ihr Bruder der Hitlerjugend anschloss und sich veränderte!

  • Die Autorin hat die Stimmung in dem Gutshof und während dem Krieg sehr eindrucksvoll dargestellt. Man kann sich gut in die Situationen hineinversetzen.


    Hannah ist mutig und hilfsbereit. Sie kümmert sich um "ihre Männer". Sie möchte nicht, daß ihnen noch mehr passiert. Sie weiß nicht, was sie durchgemacht haben. Wie denn auch? Keiner will etwas davon erzählen. Ich glaube aber, daß gerade der Fuchs nur aus seiner schwierigen Situation herauskommt, wenn er sich Hannah anvertraut und sich dadurch etwas erleichtern kann.

  • Rührend fand ich, wie Laskys älterer Kamerad ihn immer versucht zu beschützen. Er sieht seinen jüngeren Bruder in Lasky und versucht ihm alles zu ersparen. Doch Lasky stolpert noch völlig naiv in diesen Krieg.

    Ich fand den älteren Kameraden großartig. Er weiß, was vor sich geht. Er macht sich Gedanken darüber, daß man so junge Leute ohne jegliche Ausbildung in den Einsatz schickt.


    Woher sollte Lasky auch wissen, was ihm bevorsteht? Keiner hat ihm etwas gesagt!

  • Fast ein wenig beschaulich (angesichts der Lage) haben sich Hannah und die drei Männer nun in dem Zimmer eingerichtet Ich war erleichtert, dass es für Hannah nun doch nicht so schrecklich wurde, wie man zuerst vermutet hatte. Und auch die Männer wahren ihr gegenüber den gebührenden Abstand und Anstand. Sie ergänzen sich sogar und beschaffen sich als Gemeinschaft Nahrung und Vorräte. So wird das Leben wenigstens etwas erträglicher, mitten im Nichts.

    Ich hatte ja vorher auch ungute Ahnungen. Egon ist ein Sprücheklopfer und doch nicht so schlimm. Da bin ich auch heilfroh. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass es als junge Frau unter drei Männern nicht so ganz einfach ist. So ganz ohne Privatsphäre, nur mit einem Lumpenvorhang dazwischen. Aber die Not schweißt die vier immer mehr zusammen. Das liest sich schön und freut mich vor allem für Hannah, die ja sonst ganz alleine ist. Außerdem fühlt sie sich gleich irgendwie zum Fuchs hingezogen. Seine Sprachlosigkeit hat auch etwas angenehmes - also im Vergleich zum "lauten" Egon.

  • Rührend fand ich, wie Laskys älterer Kamerad ihn immer versucht zu beschützen. Er sieht seinen jüngeren Bruder in Lasky und versucht ihm alles zu ersparen. Doch Lasky stolpert noch völlig naiv in diesen Krieg. Ganz kurz habe ich daran gezweifelt, ob ihm wirklich nicht klar war, was sie da auf der Lichtung ausgehoben haben. Das erschien mir dann doch vielleicht etwas zu naiv, aber ich ordnete es dann so ein, dass ich dachte, er steht ohnehin völlig neben sich, schläft und isst kaum, ist völlig verwirrt und vielleicht stellt man sich in dem Moment wirklich so eine FRage nicht.

    Lasky hat ja, im Gegensatz zu uns, sicher noch nicht so viele Filme gesehen und Bücher gelesen, in denen Massengräber ausgehoben wurden BEVOR man die Leute dann davor stellte und erschoß. Ich konnte es mir gut vorstellen, dass er das nicht gecheckt hat. Und sicher auch nicht checken wollte, weil es doch tatsächlich etwas so Unbegreifliches ist, dass man da beim Ersten Mal sicher nur fassungslos begreift, wozu die Menschen fähig sind. Ohne den Kameraden, der versucht ihn wenigstens etwas zu schützen, hätte er gar keinen, dem er vertraut und nahesteht. Alleine schon dieser Ausnahmezustand muss schwer sein für so einen jungen und noch positiv denkenden Menschen.

  • Besonders gut gefallen haben mir die Kindheitserinnerungen von Hannah. Diese Unbeschwertheit einer Generation, die auf einen historischen Abgrund zuraste. Dieses Gefühl dafür zu bekommen, dass es ganz normale Kinder waren, deren Zukunft schon damals besiegelt wurde. Viele waren bei der Machtergreifung Hitlers KInder und wurden später zu Kanonenfutter und schlichtweg für Führer, Volk und Vaterland verheizt. Und doch hatten sie eien Kindheit, die sich von der unseren vielleicht gar nicht mal großartig unterschied, denn dieses Spiel, kennen wir alle noch. Das war sehr berührend.

    Ja, das fand ich auch sehr natürlich und glaubwürdig erzählt. Auch das Verhalten der Eltern und dass sogar die Erwachsenen hofften, alles wäre nicht so schlimm oder diese Phase in Deutschland wäre bald wieder vorbei. Nicht jeder ist ja ein Rebell. Nicht jeder möchte so einfach sein Heimatland verlassen, NUR weil die akutelle Regierung gerade nicht so prickelnd ist. Und tatsächlich war man noch nicht hellhörig genug für die Entwicklung, die sich in Deutschland mit Hitler breit machte.

  • Mir gefällt die Tatsache, wie sich Hannah, Egon, Freddie und der Fuchs ohne viel Federlesen arrangiert haben! Es ist eine Zweckgemeinschaft, die für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich scheint - aber der Krieg hat eben alles umgekrempelt... Es freut mich jedenfalls, dass Hannah sich auch in den Nächten nicht fürchtet, sondern ohne Bedenken einschlafen kann. Außerdem haben sie alle ihren Weg gefunden, wie sie zum Alltag betragen können: Egon und Freddie stellen sich für Arbeitsgelegenheiten an, während Hannah und der Fuchs sammeln gehen. Ich muss gestehen, dass hier vor allem Freddie Pluspunkte verdient hat! Klar, er geht nicht völlig uneigennützig auf Tour, da er ja auch immer Alkohol auftreibt - aber er bringt auch immer großartige Dinge für ihre Gemeinschaft mit. Ich hoffe nur sehr, dass er bei seinen Diebestouren nicht irgendwann erwischt wird! Alleine der Geruch des zubereiteten Fleischs im Kavaliershaus! Ob Freddie egal ist, dass er mit solchen Aktionen Kopf und Kragen riskiert? Auch er ist heftig traumatisiert, deshalb ziehe ich auch die Möglichkeit in Betracht, dass es ihm schlicht und ergreifend egal ist...:o

    Der Fuchs ist also Lasky und kommt ursprünglich aus Rosehnen, sprich Ostpreußen. Er spricht Russisch, aber Hannah liegt mit ihrer Vermutung, dass er ein Russe in einer Wehrmachtsuniform ist, komplett daneben, denke ich. Dass er nicht mehr spricht, liegt vermutlich an der Tatsache, dass er Mitglied eines Sonderbataillons oder einer Einsatzgruppe ist, denn zum Einen ist sein Beschützer ja einigermaßen irritiert, warum er als Frischling zugeteilt wurde, zum Anderen fährt die Einheit nicht an die Front sondern ins rückwärtige Gebiet. Obwohl Lasky in der Wehrmacht zu sein scheint, nicht bei der SS... Na, mal schauen, wo er da genau gelandet ist.

    Jedenfalls war ich wirklich dankbar, dass der junge Mann so etwas wie einen Fürsprecher oder sogar Freund gefunden hat - da erschüttert mich die Tatsache, dass dieser den Jungen, dem Lasky bei der Erschießung gegenüber steht, ermordet. Er verschont damit den Jüngeren vor mindestens unangenehmen Fragen, aber es zeigt eben auch, wie abgestumpft er zu diesem Zeitpunkt ist - und wie viel Schuld er vermutlich schon auf sich geladen hat. Nicht verwunderlich, klar - aber wenn man es so liest, ist die Erkenntnis dennoch heftig.


    So gerne ich Hannahs Erinnerungen lese: ich muss gestehen, dass mich die Vergangenheit des Fuchses nicht weniger interessiert! Wessen Name er wohl hofft, im Radio zu hören? Den seiner Mutter oder des Schwester?

  • Das Reden über die Gräuel des Krieges....eine Sache, die leider viele nicht geschafft haben. Ich kenne viele Familiengeschichten, in denen die Väter nach dem Krieg zurückkehrten und nie über das gesprochen haben, was sie erlebt haben! Das war ein gesamtdeutsches Trauma. Als Verlierer des Krieges wurde die ganze Thematik nie aufgearbeitet. Tatsächlich, wurde auch erst in den 90ern das Leid der deutschen Zivilbevölkerung während der Bombennächte in Dresden z.B thematisiert. Ich finde man muss die OPfer von verschiedenen Seiten beleuchten. Natürlich steht außer Frage, dass der Krieg von deutschem Boden ausging und dass der Großteil der Bevölkerung mit Begeisterung Hitler gefolgt ist, dennoch sind die schrecklichen Verbrechen an der Zivilbevölkerung ebenso wenig entschuldbar, wie das massenhafte Morden an Juden. Gleiches mit Gleichem zu vergelten......dennoch nach allem was Hitler verbrochen hat und nach allem was deutsche Soldaten in den angrenzenden Ländern getan haben, kann man ach verstehen, dass den Alliierten beim Bomben abwerfen all das egal war. Sie haben schlichtweg in Kauf genommen, dass unschuldige Frauen und Kinder qualvoll sterben. Und hier sind wir wieder beim Thema: Verrohung durch Krieg. Empathie sollte uns ein hohes Gut sein, denn wenn diese nicht mehr vorhanden ist, sind die Gräuel, die Menschen einander antun können unermesslich!

    Besonders gut gefallen haben mir die Kindheitserinnerungen von Hannah. Diese Unbeschwertheit einer Generation, die auf einen historischen Abgrund zuraste. Dieses Gefühl dafür zu bekommen, dass es ganz normale Kinder waren, deren Zukunft schon damals besiegelt wurde. Viele waren bei der Machtergreifung Hitlers KInder und wurden später zu Kanonenfutter und schlichtweg für Führer, Volk und Vaterland verheizt. Und doch hatten sie eien Kindheit, die sich von der unseren vielleicht gar nicht mal großartig unterschied, denn dieses Spiel, kennen wir alle noch. Das war sehr berührend.


    Besonders gelungen finde ich weiterhin, dass die Autoren alle Perspektiven beleuchtet. Es gibt keine Schwarz-Weiß.OPfer-Täter Darstellung, sondern es sind alles menschliche Schicksale. Hier wird der deutsche Soldat, der naiv und noch grün hinter den Ohren in etwas hineingestolpert ist genauso beleuchtet, wie die Schicksale der Juden oder der verlorengegangenen Kinder(die Listen des Roten Kreuzes waren endlos nach dem Krieg!)......

    Ich habe hierzu jetzt im ersten Abschnitt schon einiges geschrieben (gar nicht so einfach mit den Abschnitten, wenn sich die Themen durchziehen :D)

    Den Krieg auch von deutscher Seite umfassend zu beleuchten, ist eine Betrachtungsweise, die erst mit meiner Generation (Kriegsenkel) überhaupt möglich geworden ist. Alle Generationen vorher waren quasi gezwungen, in der Schwarz-Weiß-Darstellung zu bleiben, um die politische Korrektness zu erfüllen. Mit jedem Versuch, auch das eigene Leid zu schildern, wäre man sofort in die "Du willst dich und dein Volk nur rausreden"-Falle getappt. Aber eigentlich ist es dringend nötig, die ganze Psychologie des Krieges auch und gerade aus der deutschen Sicht umfassend zu beleuchten. Denn nur, wenn man begreift, wie so etwas zustande kommen konnte, kann man es beim nächsten Mal rechtzeitig erkennen und (vielleicht) verhindern.

    Dieses unbeschwerte auf den Abgrund zurasen, ist etwas, was mir auch oft durch den Kopf geht. Wie ist das mit uns heute? Rasen wir womöglich auch alle unbeschwert auf einen Abgrund zu? Es gibt ja genug Anzeichen, die das befürchten lassen.
    Später zu urteilen und zu sagen: Ihr hättet das doch wissen/erkennen/verhindern müssen, ist immer leicht. Aber es in dem Moment zu erkennen und dann auch noch zu verhindern, ist deutlich schwerer.
    Wie verhindert man ein Phänomen wie die AfD oder Trump? WIE zum Teufel tut man das? Wenn ich die Antwort darauf wüsste, würde ich es tun.
    Hitler-Attentäter gab es ja beispielsweise auch damals so einige. Leider immer vergeblich :-/

  • Rührend fand ich, wie Laskys älterer Kamerad ihn immer versucht zu beschützen. Er sieht seinen jüngeren Bruder in Lasky und versucht ihm alles zu ersparen. Doch Lasky stolpert noch völlig naiv in diesen Krieg. Ganz kurz habe ich daran gezweifelt, ob ihm wirklich nicht klar war, was sie da auf der Lichtung ausgehoben haben. Das erschien mir dann doch vielleicht etwas zu naiv, aber ich ordnete es dann so ein, dass ich dachte, er steht ohnehin völlig neben sich, schläft und isst kaum, ist völlig verwirrt und vielleicht stellt man sich in dem Moment wirklich so eine FRage nicht.

    Lasky hat ja, im Gegensatz zu uns, sicher noch nicht so viele Filme gesehen und Bücher gelesen, in denen Massengräber ausgehoben wurden BEVOR man die Leute dann davor stellte und erschoß. Ich konnte es mir gut vorstellen, dass er das nicht gecheckt hat. Und sicher auch nicht checken wollte, weil es doch tatsächlich etwas so Unbegreifliches ist, dass man da beim Ersten Mal sicher nur fassungslos begreift, wozu die Menschen fähig sind. Ohne den Kameraden, der versucht ihn wenigstens etwas zu schützen, hätte er gar keinen, dem er vertraut und nahesteht. Alleine schon dieser Ausnahmezustand muss schwer sein für so einen jungen und noch positiv denkenden Menschen.

    Ja, das war auch mein Gedanke dahinter. Kann man so etwas unfassbares vermuten oder vorhersehen, wenn man etwas Vergleichbares bis dahin noch nie gesehen oder gehört hat? Dieses Grauen zu dem Menschen in der allerletzten und extremsten Instanz fähig sind, hat uns im Grunde ja erst der zweite Weltkrieg vor Augen geführt. Vorher gehörten Kriege zwar viel mehr zur "Normalität", weil es einfach in Europa vor unserer Elterngeneration nie eine Generation gegeben hat, die ohne Krieg gelebt hat. Aber welche Auswüchse es in einem Krieg geben kann, das hat erst der zweite Weltkrieg gezeigt.
    Insofern denke ich auch, dass Lasky dieses Erdloch eher in Bezug zu seiner vorherigen Erfahrung gesetzt hat - und da er vor kurzem erst ein Fundament graben musste, war das für ihn das Naheliegendste, auch wenn er anhand der Stimmung wohl längst befürchtet hat, dass es etwas Schlimmeres sein muss. Aber wenn man dann in so einer Situation steckt, aus der man ohnehin nicht entkommen kann, hofft man vermutlich bis zum letzten Moment auf ein harmloses Ende.

  • Leider kam ich gestern nicht zum posten, aber heute hole ich nun die beiden LA nach, die ich inzwischen fertiggelesen habe (und ich sagen muss, dass mich die Thematik immer "mitnimmt" irgendwie, aber besonders fiel mir auf, wie sehr Danielas Roman in die Tiefe geht - im Traurigen (Reise nach Osten, Erfahrungen - ja Erleben von jungen Soldaten, die in einem Viehwaggon Richtung Russland fahren mussten, für Führer und Vaterland...) und dabei die kurz erwähnte Verlogenheit (fürs Protokoll und ebenjenes Volk) - zuerst in einem normalen Zug gefahren zu sein und dann eben weiter im Waggon, das passt zu den mir seit jeher sehr verhassten Nazis.. - aber auch im Positiven; etwa wenn beschrieben wird, wie gut sich Hannah mit den 3 Männern, Egon, Freddie und dem Fuchs - arrangiert. Wie sehr sie zusammenhalten, für Holz und etwas Nahrung sorgen (Zauberer ist hierbei wohl Freddie).


    Hannah lernt, mit der Schweigsamkeit des Fuchses umzugehen, weiß aber inzwischen, dass er nicht stumm ist (Träume). Ohne es zu wissen, ist sie eine große Hilfe für den Fuchs geworden - es wird ersichtlich, dass er Schuld auf sich lud, die er kaum tragen kann und ihn in einen psychischen Ausnahmezustand bringt, weshalb er wohl schweigt.


    Mich hat die Reise im Waggon emotional sehr mitgenommen, so verstörend - wenn man sich vorstellt, dass dies so oder ganz ähnlich Hunderttausende junger Deutscher so erlebt haben (werde ich zurückkommen? hat sich da sicher so mancher gefragt...) Die Angst Laskys ist fühlbar, aber das Angebot des Älteren schlägt er dennoch aus.


    Die "Kammermusik" nimmt die lastende Schwere des vorigen Abschnitts etwas. Durch das Radio, den "Volksempfänger" können die Dachkammerbewohner nun Musik hören - und später sogar tanzen (ich denke, Daniela hat beide Erzählstränge nicht ohne Grund wohldosiert und sie sich abwechseln lassen...


    Nun ist klar, dass Lasky Fuchs ist - Rosehnen, Pension... und er sich nie wieder einem Menschen zuwenden will, deutsch und russisch spricht und dass jemand erschossen wurde, den oder die er liebte vielleicht...


    Grausam, dem Erschießungskommando im Wald als Leser beizuwohnen - Dokus darüber im Fernsehen und einen Bildband, den meine Freundin und ich mal gemeinsam anschauten und darüber sprachen, was damals passiert ist, kannte ich - aber in Romanform muss ich sagen, dass Daniela ihre Leserschaft nicht schont (zurecht) - durch die Augen Laskys ist dies alles kaum zu ertragen, wie muss er selbst sich gefühlt haben? Entsetzen und Grauen bemächtigen sich meiner... und springen über auf Bilder vom Holocaust.


    Hannah beginnt, dem Fuchs ihre Geschichte zu erzählen - und schreibt ihre Erinnerungen in ein Notizbuch. Unter seinem Blick hat sie das Gefühl, als nähme er ihr die brennenden Worte von ihrer Seele - erzählen hat und hatte etwas Therapeutisches, finde ich: Man kann oft Dinge besser verarbeiten, wenn man mit einem Freund/Freundin, Mann oder einer vertrauten Person darüber sprechen kann.


    Die Kindheitserinnerungen Hannahs sind schön zu lesen; Klara erinnert mich an meine eigene beste Kindheitsfreundin (deren Vater aus HH kam, die Mutter war Engländerin) Susanne, die mir erstmal Hochdeutsch beibrachte - wir hätten sonst nicht miteinander spielen können ;) Sie rümpfte auch immer ihre Nase, wenn sie einen Puppenwagen sah (mein Ding war das auch nie, mit Puppen zu spielen) - wir erlebten viele Abenteuer, ähnlich wie Hannah und Klara ;)


    Traurig jedoch, dass jüdische und christliche Kinder mehr und mehr (nach 1933) getrennt voneinander spielen mussten, Rassenkunde ein Fach war, jüdische Kinder schikaniert - und schließlich der Schule verwiesen wurden. Irgendwo klang an, dass es auch zuvor teilweise schon so war mit dem Antisemitismus? Ich las mal in einem anderen Buch, dass es diesen in der Tat bereits um die Jahrhundertwende vor dem I. Weltkrieg gegeben hat.


    Der Sohn der Gutsherrin kehrt zurück - gebrochen an Leib und Seele, wie es aussieht. Und Hannah erlaubt dem Fuchs, ihre Notizen zu lesen, worüber sie selbst erstaunt ist: Die Chance eines Heilungsprozesses?

    "Bücher sind meine Leuchttürme"(Dorothy E. Stevenson)

  • Mir gefällt die Tatsache, wie sich Hannah, Egon, Freddie und der Fuchs ohne viel Federlesen arrangiert haben!

    Das gefiel mir in diesem Abschnitt auch besonders. Ich dachte ja zuerst, also als Hannah die Männer kennenlernte: Meine Güte, was für Idioten. Die braucht man wirklich nicht auch noch in ihrer Situation.

    Aber ich gestehe, allmählich habe ich die drei Kerle richtig liebgewonnen. Sie sind eben ein Beispiel dafür, dass jeder Mensch anders mit den erlebten Gräueltaten umgeht. Manche bekommen keinen Ton mehr heraus, Freddie trinkt eben und Egon versucht mit flapsigen Bemerkungen über seinen Schmerz hinweg zu täuschen. Und doch lässt jeder von ihnen manchmal seine wahren Empfindungen durchblitzen. Ich finde die Zweckgemeinschaft eigentlich ganz angenehm so- die Jungs können ein bißchen Freundlichkeit und Zuneigung sicher brauchen und ich bin sicher dass Hannahs Anwesenheit auch dazu beiträgt, dass sie wieder einen Hauch Normalität empfinden und sich nicht gänzlich gehen lassen (gerade Freddie). Und Hannah profitiert davon, sich mit drei Männern im Zimmer sicherer zu fühlen. Ich denke auch, dass sie so ein bißchen auf sie aufpassen. Und ich weiß wirklich nicht wie Daniela das macht, aber ich verliebe mich schon wieder in einen der Hauptprotagonisten. Hatte ich bei Winterhonig auch schon. :elf:


    Allerdings schwant mir, dass es noch zu Schwierigkeiten kommen wird. Vielleicht hat der zurückgekehrte Sohn vom Gutshof etwas damit zu tun? Wir werden sehen, allerdings hab ich so ein Kribbeln.


    Der Abschnitt über Fuchs' Erinnerungen war natürlich sehr bedrückend- auch für mich. Man muss gar nicht mal sonderlich naiv sein um nicht gleich zu begreifen, was man da tut- ich hätte es auch nicht. Vielleicht hätte ich gedacht man hebt erstmal ne Latrine aus bevor das Lager aufgeschlagen wird oder sowas- auf ein Grab wäre ich da auch nicht gleich gekommen. Und erst recht nicht so ein Jüngling, der da ganz frisch und unschuldig in den Krieg stolpert.

  • Hannah beginnt, dem Fuchs ihre Geschichte zu erzählen - und schreibt ihre Erinnerungen in ein Notizbuch. Unter seinem Blick hat sie das Gefühl, als nähme er ihr die brennenden Worte von ihrer Seele - erzählen hat und hatte etwas Therapeutisches, finde ich: Man kann oft Dinge besser verarbeiten, wenn man mit einem Freund/Freundin, Mann oder einer vertrauten Person darüber sprechen kann.

    Ja, man hat die Hoffnung, dass die beiden sich gegenseitig helfen können. Aber so etwas will erst mal verarbeitet sein. Heutzutage können Psychologen den Soldaten helfen, denn gerade die Familie, die NICHT im Krieg war, kann oft nicht nachvollziehen, was in den Kriegsheimkehrern vorgeht.

  • Ich dachte ja zuerst, also als Hannah die Männer kennenlernte: Meine Güte, was für Idioten. Die braucht man wirklich nicht auch noch in ihrer Situation.

    Exakt dieser Gedanke ist mir auch durch den Kopf geschossen. Drei tendenziell - durch den Krieg - verrohte Kerle und eine traumatisierte junge Frau, die zudem auch noch sehr hübsch ist. Auch wenn ich nicht von schlimmen Dingen ausgegangen bin, hatte ich durchaus Bedenken wegen der nicht mehr vorhandenen Privatsphäre und eventuellen Sprüchen der Männer...

    Doch dann haben sie mich alle überrascht. Sie sind sich gegenseitig eine Stütze, helfen sich, achten aufeinander und profitieren von den anderen. Ich denke, dass es für die Männer sicherlich auch gut ist, dass eine Frau in ihrem Kreise ist - nach den Jahren im Krieg sicherlich auch ein Beweis, dass sie nun im Frieden sind und langsam in eine Art Normalität zurückkehren können.

    Und ich weiß wirklich nicht wie Daniela das macht, aber ich verliebe mich schon wieder in einen der Hauptprotagonisten. Hatte ich bei Winterhonig auch schon. :elf:

    Da kann ich Dir nur zustimmen! Die Figuren sind wirklich so gezeichnet, dass sie einem gleich nahe sind und man sie direkt ins Herz schließen kann.

    Der Abschnitt über Fuchs' Erinnerungen war natürlich sehr bedrückend- auch für mich. Man muss gar nicht mal sonderlich naiv sein um nicht gleich zu begreifen, was man da tut- ich hätte es auch nicht. Vielleicht hätte ich gedacht man hebt erstmal ne Latrine aus bevor das Lager aufgeschlagen wird oder sowas- auf ein Grab wäre ich da auch nicht gleich gekommen. Und erst recht nicht so ein Jüngling, der da ganz frisch und unschuldig in den Krieg stolpert.

    Auf jeden Fall! Wir haben heute den "Vorteil", dass wir wissen, wozu die Gruben dienen sollten. Wenn man das aber nicht wusste - wie hätte man davon ausgehen können? Ich kann absolut verstehen, dass man - erstmalig in einer solchen Ausnahmesituation - nicht auf die Idee gekommen ist, was sich nach dem Fertigstellen für grauenhafte Szenen abspielen würden...

  • Auf jeden Fall! Wir haben heute den "Vorteil", dass wir wissen, wozu die Gruben dienen sollten. Wenn man das aber nicht wusste - wie hätte man davon ausgehen können? Ich kann absolut verstehen, dass man - erstmalig in einer solchen Ausnahmesituation - nicht auf die Idee gekommen ist, was sich nach dem Fertigstellen für grauenhafte Szenen abspielen würden...

    Ganz genauso ist. Das finde ich auch besonders gut umgesetzt- natürlich, für uns heute ist das einfach unfassbar. Wir wissen alles, was passiert ist. Aber mir gefällt es an dem Buch besonders, dass Daniela streng in der Perspektive der Figuren bleibt- sie wissen genauso viel, wie sie wissen können. Das zeigt sich auch bei Hannah... sie hat keine Ahnung was im Krieg abgeht. Woher denn bitte auch? Ich mag es, wenn die Figuren authentisch bleiben und nur das wissen, was auch logisch wäre zu wissen. Dass es also keinen Deus ex machina gibt, der ihnen irgendwelche Informationen zuschustert, an die man eigentlich gar nicht herankam.

  • Hallo zusammen


    Ich lese dass euch dieser Abschnitt ebenso zugesetzt hat wie mir.


    Ich muss mal anmerken dass ich den Stil des Buches sehr mag: durch Tagebucheinträge und Erzählungen werden vergangene Ereignisse aus der Sicht der Personen erzählt, das ist spannend, gibt immer wieder "Cliffhanger" und macht die Geschehnisse noch persönlicher und emotionaler.

    Rührend fand ich, wie Laskys älterer Kamerad ihn immer versucht zu beschützen. Er sieht seinen jüngeren Bruder in Lasky und versucht ihm alles zu ersparen. Doch Lasky stolpert noch völlig naiv in diesen Krieg. Ganz kurz habe ich daran gezweifelt, ob ihm wirklich nicht klar war, was sie da auf der Lichtung ausgehoben haben. Das erschien mir dann doch vielleicht etwas zu naiv, aber ich ordnete es dann so ein, dass ich dachte, er steht ohnehin völlig neben sich, schläft und isst kaum, ist völlig verwirrt und vielleicht stellt man sich in dem Moment wirklich so eine FRage nicht.

    Ich fand das gar nicht unwahrscheinlich. Woher soll Lasky Massengräber kennen? Heutzutage sind wir viel informierter und aufgeklärter, haben so vieles mit Augen im TV gesehen. Ich denke die Menschen damals gingen doch recht unbekümmert und naiv in den Krieg und konnten sich die Gräueltaten gar nicht vorstellen. Auch die Kriegsheimkehrer aus dem 1.Weltkrieg werden recht wenig erzählt haben. Und dann die Propaganda dazu: wie soll man da glauben dass die Deutschen solche Taten vollbringen könnten?


    Jedenfalls war ich wirklich dankbar, dass der junge Mann so etwas wie einen Fürsprecher oder sogar Freund gefunden hat - da erschüttert mich die Tatsache, dass dieser den Jungen, dem Lasky bei der Erschießung gegenüber steht, ermordet. Er verschont damit den Jüngeren vor mindestens unangenehmen Fragen, aber es zeigt eben auch, wie abgestumpft er zu diesem Zeitpunkt ist - und wie viel Schuld er vermutlich schon auf sich geladen hat. Nicht verwunderlich, klar - aber wenn man es so liest, ist die Erkenntnis dennoch heftig.

    Er hatte keine Wahl. Befehlsverweigerung wurde mit Sicherheit hart bestraft. Was also soll er tun? Er muss sich schützen, will Lasky schützen, also "Augen zu und durch", so hart dass jetzt auch klingt.



    Die Kindheitserinnerungen Hannahs sind schön zu lesen; Klara erinnert mich an meine eigene beste Kindheitsfreundin (deren Vater aus HH kam, die Mutter war Engländerin) Susanne, die mir erstmal Hochdeutsch beibrachte - wir hätten sonst nicht miteinander spielen können ;) Sie rümpfte auch immer ihre Nase, wenn sie einen Puppenwagen sah (mein Ding war das auch nie, mit Puppen zu spielen) - wir erlebten viele Abenteuer, ähnlich wie Hannah und Klara ;)

    Ich mag dieses Wechselbad der Gefühle in diesem Roman sehr. Die schönen Momente erscheinen einem durch die Schrecken auch umso wertvoller.

    Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore