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  • Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines des Autors) immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Vatertage" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!


    Außerdem wäre es sicherlich sowohl für Stephan Bartels als auch für seinen Verlag Heyne, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn ihr eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.

    Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

  • Vielen Dank an euch für die spannende Runde und ganz besonders an Stephan Bartels für die engagierte Begleitung.


    Hier ist mein Fazit:


    "For you will still be here tomorrow, but your dreams may not.."



    aus dem Song: "Father and son" von Cat Stevens


    Ist es wichtig für einen Sohn, seinen Vater zu kennen, mehr von ihm zu wissen, als nur seinen Namen? Für Simon Havlicek war diese Frage schon seit vielen Jahren bedeutungslos, er hatte alles, um sich in seinem fast 40-jährigen Leben wohzufühlen - eine glückliche Ehe, zwei kleine Töchter, ein paar gute Freunde, Fußballspiele und seit kurzem sogar ein kleines Reihenhaus, an dem er und seine Frau allerdings noch lange abzahlen müssen angesichts der Hamburger Immobilienpreise. Ihm gefällt sein Leben so wie es ist, bis ein Schreiben des Sozialamts seine heile Welt ins Wanken bringt. Er wird aufgefordert, einen erheblichen Teil der Pflegekosten für seinen Vater zu bezahlen, fast 700 Euro monatlich. Simon hält sich zunächst erstaunlich tapfer und gefasst auf diese unerwartete Nachricht und reagiert weniger panisch auf das Schreiben, als man erwarten könnte. Es ist eben doch alles viel komplexer, als es auf den ersten Blick aussieht, weil es an Dinge rührt, die er ganz weit weg gepackt hat - in der Hoffnung, dass sie sich so nie mehr bemerkbar machen. Seinen biologischen Vater Michael Petersen hat er nie wirklich kenenngelernt, abgesehen von kurzen Begegnungen und nun macht er sich wieder indirekt bemerkbar, weil Simon einen Teil seiner Pflegekosten bezahlen soll. Dadurch wird er allerdings gezwungen, seine Komfortzone zu verlassen und selber aktiv zu werden, auch durch die Konfrontation mit der Vergangenheit von Michael und seiner Mutter Jarmila und all den Fragen und Konsequenzen, die sich daraus für ihn ergeben. Das wird einiges umkrempeln in seinem Leben und seine eigene Dynamik entwickeln, er wird sich in der einen oder anderen Weise positionieren müssen und wichtige Entscheidungen treffen.

    Dramaturgisch gesehen ist es umso spannender, die weiteren Entwicklungen zu verfolgen, wenn da einer aus einer friedlichen und überschaubaren Welt in so ein emotionales und existenzielles Chaos gerät, als jemand, der eh schon immer am Limit balanciert ist. Die Geschichte, die Simon hier in der fikiven Welt des Romans widerfährt ,ist ein gutes Beispiel für das "echte" substanzielle Leben, weil sie genau diese vermeintlichen Gegensätze zusammenbringt und Themen ohne Berührungsängste bündelt, so wie wir alle die Probleme und Widersprüche unserer Lebensrealität zusammenbringen müssen - und da gibt es Pflegeheime und sterbende Angehörige genauso wie Fußball, Ehescheidungen, rebellische Jugendliche, Grillabende mit Freunden und Eltern, mit denen man viel zu selten geredet hat und oft über die falschen Dinge. Viele humorvolle Szenen mit gut beobachteter Situationskomik und liebenswert skurrile Typen machen den Roman so unwiderstehlich und lesenswert. Oft ist es doch gerade die leichte Übertreibung oder eine Verzerrung ins Komische, die uns aufmerksamer macht und wenn wir über eine Sache auch noch lachen können, bedeutet das nicht, dass wir sie nicht ernst nehmen, sondern dass sie uns berührt hat. Was bleibt ist die Erkenntnis von der Zerbrechlichkeit unserer Existenz und der Vergänglichkeit des Lebens. Jeder Augenblick ist flüchtig und wertvoll und es liegt immer an uns selber, ob wir ihn mit Sinn erfüllen und füreinander da sind in schwierigen Zeiten.


    :buchtipp:

  • Simon lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern zufrieden in Hamburg, bis ihn an einem Tag ein Brief vom Sozialamt erreicht. Sein Vater ist pflegebedürftig und er soll die Rechnung bezahlen. Doch Simon, der als Kind nur mit seiner Mutter aufgewachsen ist, fragt sich: Welcher Vater?


    Mit humoristischer Art und Weise nähert der Autor sich in seinem neuen Roman "Vatertage" ernsten Themen. So wird eine (Nicht-)Beziehung zwischen Vater und Sohn thematisiert, einiges dreht sich um Sterbehilfe und um (arme) Schicksale in Pflegeheimen. Es gibt viele verschiedene Szenen, die die schwere Thematik auflockern, ohne dabei klamaukig zu werden. Oftmals musste ich beim Lesen schmunzeln oder sogar auflachen und nie war es geschmacklos. Der Schreibstil ist wirklich besonders hervorzuheben. Schon lange habe ich kein so sprachlich gut verständlich-modernes Buch mehr gelesen, was vor allem unterhält und wirklich witzig ist, aber dennoch weder langweilig noch albern wirkt.


    Mit viel Liebe wurden auch die Personen gezeichnet, die sich vor allem durch einen starken Charakter auszeichnen. Diese tragen die Handlung des Buches. Denn rückblickend passiert eher wenig, aber durch viel Situationskomik und durch liebevolle Szenenbeschreibung wird es nie langweilig und bleibt spannend. Eine vierzig Jahre zurückliegende Rahmenhandlung ummantelt die Geschehnisse der heutigen Zeit und man erfährt als Leserin immer genau so viel, wie man braucht, so dass es auch da weiterhin spannend bleibt. In der Rahmenhandlung wird dabei das interessante Setting des Prager Frühlings aufgegriffen, so dass man auch noch ein wenig Historie mitgeliefert bekommt.


    Ich kannte den Vorgänger "Dicke Freunde" nicht. Das hat meinem Lesevergnügen aber keinen Abbruch getan - im Gegenteil: Ich kann mich jetzt auf die Lektüre davon freuen. Denn eins steht für mich fest: Ich werde sicherlich mehr von Stephan Bartels lesen!

  • Es war wieder mal eine sehr schöne Leserunden - herzlichen Dank dafür!

    @Dani: Danke! Ohne Deine Hinweise wäre mir wirklich eine tolles Buch entgangen!:blume:


    Vatertage


    Wie reagiert man auf eine Aufforderung des Sozialamtes, knapp 700 Euro monatlich für die Pflege eines Vaters zu bezahlen, den man nur drei Mal kurz gesehen hat, mit dem man nie gesprochen hat und der einem eigentlich auch nicht gefehlt hat? Moralisch oder menschlich gesehen ist so eine Aufforderung hart und unfair, juristisch allerdings völlig korrekt.


    Auf alle Fälle bringt diese Mitteilung das ursprünglich recht beschauliche Leben von Simon Havlicek gründlich durcheinander. Neben der enormen finanziellen Belastung ist auch die emotionale Herausforderung nicht zu unterschätzen: wie soll man mit einem komatösen Vater umgehen? Macht es Sinn, „Kontakt“ oder „Beziehung“ zu suchen? Und wie soll man mit Geschwistern umgehen, von deren Existenz man bis jetzt überhaupt keine Ahnung hatte?


    Das ist auch für einen ruhigen und überlegten Menschen wie Simon schon ein bisschen viel auf einmal. Dazu kommt noch seine tatkräftige Mutter, die ihre Meinung dazu in wenigen Worten klar zusammenfasst: „Ich bringe ihn um!“


    Simon meistert diese Schwierigkeiten mit Hilfe von seiner großartigen Frau Anke, seiner Mutter Jarmila und deren Lebensgefährten Janko. Aber auch sein Freund Hotte, der schon in „Dicke Freunde“ an seiner Seite war, unterstützt ihn nach Kräften. Die beiden bilden übrigens ein so charmantes, liebenswertes und chaotisches Duo, dass ich diesen ersten Band unbedingt noch lesen muss!


    In einem zweiten Erzählstrang wird die Geschichte von Simons Mutter, erzählt. Auch ihre Geschichte ist tragisch und spannend gleichzeitig.


    Eigentlich sind es ja sehr ernste Themen, die hier angesprochen werden: Krankheit und Lebensqualität, Sterbehilfe, Pflegeheime und Pflegekosten aber auch Bedeutung von Vaterschaft und Familie. Aber Stephan Bartels schreibt leicht und unterhaltsam, versteckt ganz nebenbei buchfremde Kriminalkommissare und hat somit eine Geschichte mit zahlreichen humorvollen und warmherzigen Charakteren geschaffen, die ich gleich ins Herz geschlossen habe. Wortwitz und Situationskomik lockern auf, ohne die Geschichte dabei zu verblödeln.


    Wegen des Covers und der Art, wie das Buch beworben wurde, habe ich mit einer lustigen und – ich gebe es zu – seichten Geschichte gerechnet! Glücklicherweise habe ich es trotzdem gelesen, denn es ist gute Unterhaltung mit Herz und Hirn! Empfehlenswert!



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    LB

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  • Puh. Schöne Rezensionen, Mädels! Wenn ich richtig gerechnet habe, haben zwei von Euch noch keine abschließende Betrachtung geschrieben, aber schon jetzt: vielen Dank. Ich bin ein bisschen gerührt. Dass Euch allen das Buch gefallen hat, freut mich aufrichtig, habe ich wohl doch nicht alles falsch gemacht. Aber mir ist etwas anderes noch viel wichtiger: Ich fühle mich verstanden.


    Was ist damit meine: Wir hatten irgendwie alle mit der Schublade zu kämpfen, in der wir dieses Ding packen sollen. Ich beim schreiben. Mein Agent beim verkaufen. Mein Lektor bei der Positionierung. Ihr beim lesen. Das hier ist ja keine große Weltliteratur (die ehrlicherweise dafür nicht selten unlesbar ist), aber dafür, und das habe ich irgendwie auch erst gegen Ende erstaunt festgestellt, habe ich doch ein gutes Stück… Seele reingepackt habe. Ich weiß, klingt irgendwie doof, aber ein besseres Wort fällt mir nicht ein. Wie auch immer: Ich habe so das Gefühl, das ist bei Euch angekommen.


    Ich habe vor ein paar Wochen in München in der Küche eines Drehbuchautors gesessen. Die Filmrechte von „Dicke Freunde" waren nämlich mal von einer Produktionsfirma optioniert gewesen, dieser Drehbuchautor hat ein Exposé dazu geschrieben. Am Ende ist nix draus geworden, passiert oft in solchen Fällen, aber mit dem Drehbuchtypen bin ich in Kontakt geblieben. Jedenfalls: Der hatte auch „Vatertage" gelesen und mir, weil ich ihn drum gebeten habe, von den Stärken und Schwächen des Buches erzählt. Da ging es um Sachen wie Haupt- und Nebenkonflikte, die klassischen Akte der Dramaturgie, Heldenreisen, Motivationen der einzelnen handelnden Personen… Ich habe mir das alles angehört, und in diesem Moment ist mir klar geworden: Ich habe das ja nie gelernt. Keine Bücher über das Schreiben gelesen, keine Seminare über Textkomposition besucht, nix. Alles, was ich mache, mache ich intuitiv. Deshalb sind mir wahrscheinlich auch so Sachen wie Danowski passiert und der geläuterte Boris. Wird mir beim nächsten Mal wahrscheinlich wieder passieren.


    Apropos: Wollte ich vom nächsten Mal nicht erzählen? Kommt jetzt. Also, Hamburg 2018, der Abschluss der Simon-Havlicek-Trilogie.

    Simon ist gerade 49 geworden, die drohende 50 macht ihm ordentlich zu schaffen, der Job (sein alter aus'm Kino) nervt – genau wie zwei pubertierende Töchter. Und die Beziehung mit Anke hat auch schon mal aufregendere Tage gesehen. Ihr seht schon: Midlife Crisis aus dem Lehrbuch. Und das wird nicht besser, als er sich Ankes Laptop leiht, weil seiner kaputt ist, und er zufällig in ihrem Webbrowser entdeckt, dass sie sich auf einer Datingseite herumgetrieben hat. Er ist total fertig und will sie konfrontieren, aber andererseits will er auch wissen, was dahinter steckt. wie weit sie gegangen ist. Wie weit sie gehen würde. Und deshalb beschließt er, sich an sie ranzumachen – in genau diesem Portal. Also erfindet er ein Profil von einem Typen, der alles vereinigt, was Anke an Männern mag, fügt ein altes Foto des Surfprofis Robbie Naish ein und schreibt sie an… So geht das los. Also Ärger im Paradies, Risse in dieser so harmonischen Beziehungskiste, Misstrauen, Verrat, Zweifel und kippelige Lebensentwürfe. Beim Titel schwanke ich noch zwischen „Kurz vor 50" oder „Ich bin zu alt für diesen Scheiß". Auf jeden Fall sind natürlich Hotte & Co. mit dabei, velleicht sogar Zottel als biologisches Überlebenswunder, mal sehen.


    Was meint Ihr?


    Ich hätte übrigens noch ein paar Fragen an Euch, wenn das okay ist.


    1. Wie findet Ihr, so im Nachhinein, Cover und Titel? Es war nämlich so: Der Verlag hatte nach zermürbenden Diskussionen (nicht mit mir!) letztes Jahr beschlossen, das Ding „Familientage" zu nennen. Ich so: Was soll'n das sein? Und warum nicht „Vatertage"? Die so: „Vatertage" klingt so nach Bollerwagen, das wird schwierig im Handel. Ich so: „Familientage" klingt dafür nach gar nichts. Am Ende war es dann ein Kompromiss, dass es so heißt, wie es heißt. Mein Liebingstitel ist das aber nicht. Das wäre „Herr Petersen schläft" gewesen. Und das Cover… na, sagt Ihr mal.


    2. Wenn Ihr ein Buch so richtig scheiße findet – sagt Ihr das dann auch?


    Verdammt, ich hatte noch mehr Fragen. Aber jetzt fallen mir die Augen zu. Dann morgen!

  • Ich hätte übrigens noch ein paar Fragen an Euch, wenn das okay ist.

    Du kannst hier, wie wir, natürlich alles fragen, was du willst. :)



    Ich habe so das Gefühl, das ist bei Euch angekommen.

    Ich finde auch manchmal braucht es keine Schubladen. Ich lasse mich auch schon mal gerne von Romanen überraschen. Das kann natürlich auch nach hinten losgehen, war hier aber nicht der Fall.


    Ich habe das ja nie gelernt. Keine Bücher über das Schreiben gelesen, keine Seminare über Textkomposition besucht, nix. Alles, was ich mache, mache ich intuitiv. Deshalb sind mir wahrscheinlich auch so Sachen wie Danowski passiert und der geläuterte Boris. Wird mir beim nächsten Mal wahrscheinlich wieder passieren.

    Ich finde das auch wirklich völlig okay. Gut, die Polizisten fallen dann auf und man ist kurz verwirrt. Aber die Geschichte, die dahinter steckt, ist genial. Ich mag das. Auch wenn man sowas nur in Leserunden erfährt, aber deswegen mag ich auch die. Und lieber mal eine solche Szene, als wenn man merkt, dass der Roman von vorne und hinten nur konstruiert ist und dafür die Seele verloren geht. Intuitiv läuft bei dir!


    Beim Titel schwanke ich noch zwischen „Kurz vor 50" oder „Ich bin zu alt für diesen Scheiß".

    "Ich bin zu alt für diesen Scheiß" gefällt mir! :lachen: Insgesamt klingt die Idee gut und wie ich (als Scheidungskind nicht bei meinen eigenen Eltern, daran habe ich keine Erinnerungen mehr, aber dafür im ganzen Umfeld) gerade immer mehr erfahre auch absolut realistisch. Inklusive Datingseite, doofer Job etc. Ich hab zwar jetzt schon meinen "Och herm"-Modus für Simon an, aber ich denke, das wirst du mit deinem Schreibstil auf jeden Fall auflockern. ;)


    Wie findet Ihr, so im Nachhinein, Cover und Titel?

    Den Titel finde ich klasse. Für mich besteht Vatertag auch nur aus einem kleinen Anruf bei meinem Papa (der schon morgens beim Aufstehen darauf wartet und nervös wird, wenn es Richtung Abend geht und ich immer noch nicht angerufen habe :D ) und ansonsten aus einem freien Tag. Aber natürlich kenne ich die Bollerwagenkiste auch. Und selbst wenn man das damit assoziiert - hauptsache man verbindet direkt was damit, oder? "Familientage" klingt nach gäääähn. Also Titel ist top. Das Cover ... Es tut mir Leid, es so sagen zu müssen, aber es spricht mich gar nicht an. Ich habe zwar auch keinen besseren Vorschlag im Kopf und irgendwie passen die Opalatschen auch, aber ich weiß nicht. Und ich finde, es passt nicht so gut zum Cover von "Dicke Freunde" und ich mag es ja immer sehr, wenn Reihen am Cover sichtbar zusammen gehören.


    Wenn Ihr ein Buch so richtig scheiße findet – sagt Ihr das dann auch?

    Ich glaube, keiner würde hier sagen "Das Buch ist scheiße", aber wenn es einem nicht gefällt, würde das in der Leserunde wohl schon deutlich werden. Einige Sachen wurden ja auch durchaus angesprochen. Aber man ist sich durchaus bewusst, dass der Autor des Ganzem mitliest und da will man natürlich auch ein wenig sensibel sein. ;) Ich muss aber auch als Leserin gestehen, dass ich durch eine Leserunde ein Buch natürlich besser verstehe (bspw. diese Polizistenszene am Schluss,wenn ich mal drauf rumreiten darf) und somit eine Bewertung fast immer besser ausfällt, als wenn ich ein Buch nur für mich lese.

  • Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch vor dem lesen auch in eine Schublade gesteckt habe...und nun habe ich entdeckt, dass ich es in verschiedene Schubladen stecken könnte. Und das ist schön und überraschend!


    Wann erscheint denn "dein nächstes Mal" neugierigguckich...????


    Cover: Fällt auf und prägt sich ein. Ich finde immer einen Bezug zu der Geschichte schön. Hier sehr gelungen...ich sage nur "Ikeakissen".

    Titel: Familientage? Och nee....das tönt kitschig und nähert sich nicht annähernd dem Thema. Es geht ja hauptsächlich um Vater und Sohn!"Herr Petersen schläft" finde ich allerdings auch nicht so prickelnd...


    2. Ja. Zwar nicht mit dem Wort "Scheisse"...doch ich habe schon etliche Rezensionen, die Verisse sind geschrieben. Es ist schon so, dass man in einer Leserunde sich intensiver und anders mit der Sache auseinandersetzt. Wenn man da die Sicht des Autors sieht, versteht man vielleicht eher die Dinge, die einem auffallen. Wobei, wenn unlogische Handlung, viele Fehler und/oder nicht überzeugende Figuren im Buch enthalten sind, nutzt bei mir auch jede LR nix...und dann sage ich das auch.

  • Hi Stephan - vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich freue mich auch über die tollen Rezis hier und wünsche deinem Roman weiterhin viel Erfolg, weil er es verdient hat, gelesen und vor allem - wie du sagst - verstanden zu werden. Du hast ein schwieriges Thema gewählt, das wir alle in der einen oder anderen Form kennen aus unseren eigenen Familien und du hast es in deinen Worten und Bildern sichtbar und fühlbar werden lassen. Vergiss diese ganzen dramaturgisch - formalen Theorien, du schreibst auf deine Art genau richtig - intuitiv, humorvoll und mit viel Menschenkenntnis, ohne zynisch zu werden. Es ist ähnlich wie beim Fußball - die mentale Intuition, den Ball "lesen" zu können, ist am End effektiver als alle Aufstellungstheorien.

    Zuerst war ich neugierig, was mich da jetzt wieder erwartet bei dem Titel und den Pantoffeln vorne drauf. Oh je, bitte nicht so eine künstlich überdrehte, peinliche Seniorenklamotte - sorry, das habe ich befürchtet. ;) Es kam dann aber völlig anders und ich bin sehr froh, dass ich mich geirrt hatte.

  • Zuerst war ich neugierig, was mich da jetzt wieder erwartet bei dem Titel und den Pantoffeln vorne drauf. Oh je, bitte nicht so eine künstlich überdrehte, peinliche Seniorenklamotte - sorry, das habe ich befürchtet.

    Ach ja. Die Pantoffeln. Ich mag sie auch nicht. Ich meine: Der Typ liegt im Koma, was soll der mit den ollen Altherrenpuschen? Das war der erste und einzge Entwurf, und der Verlag war sich so sicher damit, dass ich nicht protestieren mochte. Ist ja auch eine Teamsache, so ein Buch.


    Lesen die von Heyne das hier eigentlich?

  • Who knows? ;) Im Nachhinein machen die Pantoffeln sogar Sinn, oder nicht? Es hat was Rührendes und Beschützerinstinkte werden geweckt, irgendwie passt das schon..

    schönen Tag noch :winken:

  • Ich glaube kaum, dass die Verlage sich die Mühe machen und hier mitlesen. Wer soll das bezahlen? Aber theoretisch ist das natürlich möglich. ;)

  • Ich bin ein bisschen gerührt. Dass Euch allen das Buch gefallen hat, freut mich aufrichtig, habe ich wohl doch nicht alles falsch gemacht.

    Wie schön! Du hast diese Leserunde aber auch wirklich gut und amüsant begleitet! War toll von Dir!


    Deshalb sind mir wahrscheinlich auch so Sachen wie Danowski passiert und der geläuterte Boris. Wird mir beim nächsten Mal wahrscheinlich wieder passieren.

    Danowski war eine gute Idee und Boris halt ein wenig zu "heile Welt". Fehler sind das keine, ganz im Gegenteil und ich erwarte von Dir, dass Dir das wieder passiert;)


    Was den Abschluss der Simon-Havlicek-Trilogie angeht: ich freu mich schon drauf und ich hoffe, dass es dann wieder eine Leserunde geben wird! Und diesmal wird Dani sicher nicht so lange auf Anmeldungen warten müssen:)Die Vorschau ist ja schon mal sehr interessant!

    „Kurz vor 50" oder „Ich bin zu alt für diesen Scheiß"

    Sorry Stephan... weder noch! Mir gefällt keiner der Titel. Was "Ich bin zu alt für diesen Scheiß" angeht - es gibt doch das Buch "Einen Scheiß muss ich" (oder so ähnlich) und Dein Titel kommt mir "abgekupfert" vor.

    Vielleicht fällt Dir ja noch ein griffigerer Titel ein!

    und bitte, lass Zottel überleben. Er gehört einfach dazu!


    Wie findet Ihr, so im Nachhinein, Cover und Titel?


    Das Cover ist ganz nett - es passt irgendwie zum Buch. Auch wenn die Pantoffel völlig überflüssig sind. Aber eine Glasgow-Koma-Skala ist auch nicht so toll. Ehrlich: es ist nicht unbedingt der Hingucker, der die Aufmerksamkeit sofort auf sich zieht. Allerdings frage ich mich schon die ganze Zeit, welches Cover so richtig passend wäre, aber ich finde nichts wirklich überzeugendes!

    Der Titel "Vatertage" gefällt mir besser als "Herr Petersen schläft" - für mich klingt dieser Titel etwas zu fade.

    Ich denke, die Entscheidung für "Vatertage" war ganz gut - das ist doch ein Titel, der etwas neugieriger macht! Außerdem passt dieser Titel in jeder Hinsicht zum Inhalt des Buches! Auch weil ja die Zeit die Simon mit seinem Vater hat, die Vatertage also, ein ganz wichtiger Teil der Geschichte ist!


    2. Wenn Ihr ein Buch so richtig scheiße findet – sagt Ihr das dann auch?

    Na ja, ich sag dann zwar nicht so deutlich, aber ich sage schon, was genau mir nicht passt (auch wenn ich mit dieser Meinung in einer Leserunde alleine dasteh rotwerd und das ist sicher nicht lustig!) Ich will ja auch niemanden vor den Kopf stoßen, aber jeder Autor muss halt auch damit rechnen, dass es Leser gibt, die mit dem Werk nicht einverstanden sind. Kritik muss jeder irgendwie vertragen - es hängt halt davon ab, wie sie formuliert wird.

    Ich muss aber auch als Leserin gestehen, dass ich durch eine Leserunde ein Buch natürlich besser verstehe (bspw. diese Polizistenszene am Schluss,wenn ich mal drauf rumreiten darf) und somit eine Bewertung fast immer besser ausfällt, als wenn ich ein Buch nur für mich lese.

    Da geht es mir ähnlich: in einer Leserunde lese ich auch überlegter und die Meinungen der anderen sind immer hilfreich. Und wenn der Autor dann noch zusätzliche Informationen gibt, dann ist gleich besseres Verständnis da. Und diese Polizistenszene am Schluss ist ein perfektes Beispiel dafür: erst war sie für mich ein wenig überflüssiger Nervenkitzel, aber mit dem Wissen, dass Kommissar Danowski hier fremdarbeitet, ist es halt etwas ganz besonderes, ein kleines Highlight!

    :verlegen:

  • Da geht es mir ähnlich: in einer Leserunde lese ich auch überlegter und die Meinungen der anderen sind immer hilfreich. Und wenn der Autor dann noch zusätzliche Informationen gibt, dann ist gleich besseres Verständnis da. Und diese Polizistenszene am Schluss ist ein perfektes Beispiel dafür: erst war sie für mich ein wenig überflüssiger Nervenkitzel, aber mit dem Wissen, dass Kommissar Danowski hier fremdarbeitet, ist es halt etwas ganz besonderes, ein kleines Highlight!

    Aber ganz ehrlich: Ich rede ja nicht mit jeder Leserin über Danowski. Insofern ist gerade meine Erkenntnis, dass der Gag mit Till eigentlich voll unprofessionell ist. Na gut, wieder was gelernt.


    Und noch eine Erkenntnis: Nach dieser Runde finde ich mehr denn je, dass der Klappentext und das Buch auch nicht so richtig zusammenpassen. Wenn jemand nach Titel, Cover und Klappentext im Laden eine Kaufentscheidung trifft, bekommt er eigentlich nicht das, was er erwartet. Und wir haben sooo endlos über alles diskutiert, der Verlag und ich. Schwieriges Geschäft.


    Ich hätte übrigens gar kein Covermotiv genommen. Ich war für eine typografische Lösung. Aber nu, jetzt isses ja raus. Und das soll auch kein Gejammer sein, ich will nur sagen, was für eine irre Wissenschaft und am Ende dann doch nur Ins-Blaue-Schießerei diese Titel- und Coverauswahl ist. Keiner weiß wirklich, was richtig ist und funktioniert.


    Hat eigentlich einer von Euch diese „Ruhrpiraten" gelesen, aus der parallelen Leserunde? Klingt irgendwie gut, die Geschichte…

  • Ach, da fällt mir ein: Nachdem Ihr Euch so interessiert an Hintergründen gezeigt habt, wollte ich Euch das hier noch mal schicken. Ich habe neulich dem Münchener Kirchenradio ein Interview gegeben (nein, ich wusste auch nicht, dass es das gibt), da habe ich ziemlich viel über meinen Vater und den Rest meiner Familie und viele andere persönliche Sachen geredet, vielleicht interessiert es Euch ja ein bisschen, jetzt, wo wir uns kennen. Andererseits: Ist über 58 Minuten lang, und Ihr müsst ja immer so viel lesen… Wie auch immer:


    https://radio.mk-online.de/sen…4c565c74e5bd2df7b12af63a5

  • Hat eigentlich einer von Euch diese „Ruhrpiraten" gelesen, aus der parallelen Leserunde? Klingt irgendwie gut, die Geschichte…

    Ja ich! Deswegen habe ich anfangs auch gezögert, ob ich mich hier wirklich auch noch anmelden soll. So zwei Runden parallel und dann noch die ganzen langen Wochenende, wo ich ständig unterwegs war... Egal - ich bereue keine der beiden Runde! "Ruhrpiraten" ist großartig. Jugendbewegungen (da nicht HJ automatisch im Widerstand) im Nationalsozialismus und dann noch im Ruhrgebiet mit Bergbau fand ich absolut spannend und die Jugendlichen dort wuchsen mir sofort ans Herz. Die Handlung ist absolut spannend, aber auch wirklich deprimierend und keine leichte Kost.


    Oh, danke für das Interview! Ich werde es mir wohl häppchenweise beim Spülen, Zähneputzen etc. anhören. ;)