02 - Kapitel 5 bis 11 (Seite 69 bis 146)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier könnt Ihr zum Inhalt von Seite 69 bis 146 schreiben.

    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Da ich heute noch in eine Waldhütte fahre und wohl eher weniger zum Lesen und vor allem Posten komme, habe ich mirauch schon den zweiten Teil durch gelesen. Bei diesem Buch ist das auch wirklich kein Problem. Ohne die Runde hätte ich das Buch wahrscheinlich wirklich gestern beendet. Es liest sich so leicht und fix, ist witzig und schön geschrieben, mit einer interessanten Geschichte, ... :)


    Vor Jarmila bekomme ich so langsam Angst. Anfangs dachte ich ja noch, sie meint es eher halb im Scherz, dass sie Michael umbringen möchte. Aber nein, da ist schon richtiger Ernst hinter. Was ist da zwischen den Beiden noch passiert? Die Beschreibung ihres ersten Mals klang schön. Aber gut, wir kennen ja nun die Folgen der Nacht und dadurch dass Jarmila nicht mehr in Prag sondern in Hamburg wohnt, liegt es nahe, dass sie wahrscheinlich nach Hamburg gegangen ist, um Michael in die Verantwortung zu ziehen. Das es dazu nicht kam, ist auch bereits klar. Aber gab es da noch einen bösen Vorfall? Einen hitzigen Streit, dass sie so starke negative Gefühle für ihn hat - nach all den Jahren? Ich bin selbst ein Scheidungskind und weiß, dass viele Jahre ins Land ziehen müssen, damit wieder ein herzliches Verhältnis aufkommen kann. Aber über 30 Jahre sind ja schon viele Jahre.


    Im vorherigen Abschnitt haben wir über Simons ruhige Art gelesen. Und ich fühlte mich hier in meiner These bestätigt mit der Szene vor dem "Besuch" bei Boris. Er sagte dort selbst, dass er nicht oft wütend ist, aber Wut gerade hilfreich ist. ;) Und ja, Wut ist hilfreich. Boris ist ein Typ Mensch, der mir wirklich unsympathisch ist. Er schlawinert sich durch das Leben in einer selbstgefälligen Art und nur er selbst ist sich selbst am nächsten. Na ja, von nichts kommt halt immer noch nichts. Ich bin mal gespannt, ob wir von ihm nochmal lesen werden oder nicht. Aber ich denke ja fast, dass er damit durchkommen wird und er nicht mehr wirklich relevant sein wird.
    Warum Simon Anke nicht einweiht, ist mir nicht ganz klar und ich halte das für ein Spiel mit dem Feuer. Es ist nie gut, ein solches Geheimnis vor seinem Partner zu haben, vor allem weil mir Ankes und Simons Beziehung schon sehr durch Vertrauen geprägt zu sein scheint. Ob das gut gehen kann? Irgendwie kann ich Simons Gedankengänge zwar nachvollziehen und es ist sicherlich für ihn wirklich nicht cool, wenn zwischen Anke und Jarmila eine solche Lücke klafft - aber das andere Szenario (Anke erfährt davon irgendwie, ist zurecht sauer, weil Simon nichts gesagt hat) stellle ich mir noch schlimmer vor, weil die Lücke ja trotzdem dann evtl. da ist.


    Und nun will Simon also seinen Vater bewachen? Ich glaube, er hat wirklich zu viele Filme gesehen. :totlach:

  • Es ist immer problematisch, schon ein fast fertiges Bild zu haben vom Charakter oder den Lebensumständen eines Menschen. Daran musste ich denken, als Simon zu dem Haus fährt, in dem Boris mit seiner Frau wohnt und später ihn im Büro aufsucht. So ein Urteil ist schnell gefällt und entspricht doch nicht unbedingt der Lebensrealität. Das soll nicht heissen, dass ich das Verhalten der Familie gutheiße, Simon bei der Sozialbehörde zu melden, ohne vorher zu ihm Kontakt aufgenommen zu haben.

    Aber als Simon vor dem Haus steht, das ja doch nicht so feudal und teuer aussieht wie er dachte und Saskia anschwindelt über seine Motive, kommen ihm auch Zweifel, ob die so im Geld schwimmen , wie er angenommen hat. Später bei Boris im Büro wird deutlich, dass doch alles nicht so einfach ist. Boris ist erstaunlich offen und erzählt von den Problemen mit seinem Vater und der frühen Scheidung seiner Eltern. Leider macht Simon die relativ gute Atmosphäre kaputt durch seine verletzende Bemerkung mit dem "hochschlafen". Er muss Boris nicht mögen, aber es wäre für alle Beteiligten hilfreich in dieser verfahrenen Situation, die Argumente und Empfindungen des anderen zumindest mal anzuhören - das Leben ist immer viel spannender und widersprüchlicher als unser Bild davon...oder so ähnlich.8)

  • Die kursiv geschriebenen Rückblenden zu Jarmila gefallen mir sehr gut. Ich bin gespannt, ob Michael einfach wie geplant nach Hamburg abreist und wann die Beiden sich dann wiedersehen. Immerhin hat Jarmila die Adresse von Michael in Hamburg.


    Richtig komisch fand ich die Szene, als Jarmila im Pflegeheim fix unter dem Bett verschwindet und von zuhause ein Kissen dabei hat. Eigentlich wirklich nicht lustig, dass sie Michael umbringen will, aber in diesem Moment musste ich, auch über die Kissendiskussion zwischen Hotte und Jarmila, schmunzeln.


    Das Gespräch zwischen Simon und Boris war wie erwartet. Aber ob Boris sich wirklich hochgeschlafen hat, wissen wir nicht. Hätte seine Frau familiäres Vermögen mitgebracht, würden sie sicherlich nicht in diesem kastenartigen Haus wohnen, das ihr selbst nicht gefällt. Den Begriff "Elblette" kannte ich übrigens noch nicht :).

  • Aber gab es da noch einen bösen Vorfall? Einen hitzigen Streit, dass sie so starke negative Gefühle für ihn hat - nach all den Jahren?

    Da gab es bestimmt etwas Einschneidendes. Vielleicht hat er Jarmila abgewiesen, als er von der Schwangerschaft erfuhr.

    Es ist nie gut, ein solches Geheimnis vor seinem Partner zu haben, vor allem weil mir Ankes und Simons Beziehung schon sehr durch Vertrauen geprägt zu sein scheint. Ob das gut gehen kann?

    Ich habe da auch meine Zweifel. Und wenn Anke es durch Zufall erfährt, wird sie ziemlich enttäuscht und auch sauer sein.


    Boris ist erstaunlich offen und erzählt von den Problemen mit seinem Vater und der frühen Scheidung seiner Eltern. Leider macht Simon die relativ gute Atmosphäre kaputt durch seine verletzende Bemerkung mit dem "hochschlafen".

    Stimmt, da ging bei Boris die Schranke sozusagen runter.

  • ich bin zwar heute nicht so richtig fit, von Gliederschmerzen bis Halsschmerzen ist alles vorhanden...doch da ich den zweiten Teil gestern abend noch gelesen habe, möchte ich posten.


    Den Satz "drei mal lang hinschlagen" für die Länge von irgendwas, habe ich noch nie gehört. Witzig!

    Bruder Boris ist also Schiffsmakler. Ich hab keine Ahnung was man da tut, doch es tönt nach einem Beruf, mit dem man Kohle scheffelt. Wie hat der das nur geschafft sich an seinen Verpflichtungen vorbei zu mogeln, wenn ein Klick auf Google verrät, mit was er seine Zeit ausfüllt? Eigentlich war Simon nicht gerade nett zu seinem Bruder. Gerade das "hochschlafen" war ein Hieb unter die Gürtellinie und unnötig.

    Ich frage mich echt, was damals zwischen Jarmilla und Michael geschehen ist. Ich habe nicht den Eindruck, dass Jarmilla ihn umbringen will, nur damit Simon nicht mehr zahlen muss. Ich habe das Gefühl, da sind noch Altlasten...spannend, was das denn sein könnte. Vielleicht ist es ja auch nur, weil Michael Jarmilla mit dem Baby hat sitzen lassen? Doch würde man da gleich an Mord denken...und es auch versuchen zu tun? Auch bei Simon habe ich nicht den Eindruck, dass es ihm vorrangig nur um das Geld geht. Es geht vielmehr wohl darum, dass sein Vater sich nie um ihn gekümmert hat.

    Ich mag übrigens den Lokalkolorit, man erfährt doch einiges über Hamburg. Eine Stadt, in der ich leider noch nie war.

    Etwas weit hergeholt empfand ich, dass Simon Saskia, die er nur von einem Foto kennt, wieder erkennt...und das in einer Schlange am Marktstand.

  • Es ist immer problematisch, schon ein fast fertiges Bild zu haben vom Charakter oder den Lebensumständen eines Menschen. Daran musste ich denken, als Simon zu dem Haus fährt, in dem Boris mit seiner Frau wohnt und später ihn im Büro aufsucht. So ein Urteil ist schnell gefällt und entspricht doch nicht unbedingt der Lebensrealität. Das soll nicht heissen, dass ich das Verhalten der Familie gutheiße, Simon bei der Sozialbehörde zu melden, ohne vorher zu ihm Kontakt aufgenommen zu haben.

    Sorry, aber ich denke ich hätte wohl auch die Wut im Bauch gehabt, wenn ich vor diesem feudalen Haus gestanden hätte. Das stinkt doch meilenweit in den Himmel, dass da was faul ist.

    Und meiner Meinung hat das nix zu tun, mit einem fast fertigen Bild im Kopf zu haben, sondern ist schlichtweg eine Ungerechtigkeit. Hier ein Bruder , der als Schiffsmakler arbeitet, in einem feudalen Haus wohnt und allerhand kostspielige Hobbys hat. auf der anderen Seite ein Bruder mit Frau und kindern, in Elternzeit und wohnt in einem Reihenhaus. Und da soll Bruder Nummer 2 bezahlen für einen Vater, den er 3 mal gesehen hat...dabei ist Bruder Nummer 1 bei diesem Vater uafgewachsen (so habe ich das zumindest verstanden).

  • Delena Das Kissen, das Jarmila dabei hatte, war von zu Hause ?Das habe ich wohl überlesen...das heisst aber auch, dass die Tat geplant ist/war!!!Noch viel schlimmer...

  • Soso. Ihr fragt Euch also alle, was zwischen Jarmilla und Michael vorgefallen ist. Wie gut, dass noch 220 Seiten Buch übrig sind! Vielleicht löst der feine Herr Autor das Rätsel ja…

    Aber im Ernst: Wie toll ist das hier für mich! Ich meine, wann hat man schon mal die Gelegenheit, seinen Lesern live beim Denken zuzugucken? Dafür schon jetzt mal danke, so zwischendurch.

    Warum Simon Anke nicht einweiht, ist mir nicht ganz klar und ich halte das für ein Spiel mit dem Feuer.

    Tja. Stimmt. Ich weiß nicht, ob ich das genug beschrieben habe, deshalb lege ich noch mal nach: Jarmilla ist keine ganz unkomplizierte Persönlichkeit, sehr eigen und ziemlich stur. Deshalb kommt Anke auch nur so mittel mit ihr klar. Weil Simon als Ehemann und Sohn schon per Definition zwischen beiden steht, will er die Berührungspunkte in dieser ernsten Sache möglichst klein halten. Ergibt das irgendwie Sinn?


    Und nun will Simon also seinen Vater bewachen? Ich glaube, er hat wirklich zu viele Filme gesehen.

    Pöh.


    Leider macht Simon die relativ gute Atmosphäre kaputt durch seine verletzende Bemerkung mit dem "hochschlafen".

    Eigentlich war Simon nicht gerade nett zu seinem Bruder. Gerade das "hochschlafen" war ein Hieb unter die Gürtellinie und unnötig.

    Mooooooment mal: War es nicht Boris mit seiner „Wann kommt der Punkt, an dem mich das was angeht?"-Bemerkung der erste, der das Klima vergiftet hat? Und dann noch mit dem offsichtlich künstlichen Kleinrechnen seines Einkommens kokettiert hat? Ich meine, ich will Simon ja nicht unnötig in Schutz nehmen, aber so ganz astrein fand ich Bruder Boris da jetzt auch nicht gerade.


    Sorry, aber ich denke ich hätte wohl auch die Wut im Bauch gehabt, wenn ich vor diesem feudalen Haus gestanden hätte. Das stinkt doch meilenweit in den Himmel, dass da was faul ist.

    Und meiner Meinung hat das nix zu tun, mit einem fast fertigen Bild im Kopf zu haben, sondern ist schlichtweg eine Ungerechtigkeit. Hier ein Bruder , der als Schiffsmakler arbeitet, in einem feudalen Haus wohnt und allerhand kostspielige Hobbys hat. auf der anderen Seite ein Bruder mit Frau und kindern, in Elternzeit und wohnt in einem Reihenhaus. Und da soll Bruder Nummer 2 bezahlen für einen Vater, den er 3 mal gesehen hat...dabei ist Bruder Nummer 1 bei diesem Vater uafgewachsen (so habe ich das zumindest verstanden).

    Hm. Der letzte Teil stimmt. Das für Simon Überraschende ist aber: Das Haus ist gar nicht feudal, sondern auch ein Reihenhaus, und nicht mal schicker als seins. Das war also ein Missverständnis.

    Den Satz "drei mal lang hinschlagen" für die Länge von irgendwas, habe ich noch nie gehört. Witzig!

    Ist ziemlich norddeutsch, glaube ich, aber hier oben weit verbreitet. Kommst Du aus der Schweiz? Das etwas „tönt", kenne ich nur von dort.

    Den Begriff "Elblette" kannte ich übrigens noch nicht

    Ist wohl Elbvororte-Slang. In welcher Ecke von Hamburg hast Du gewohnt?

  • Es ist für Simon auch nicht ganz einfach, vor allem was Jarmila angeht - die ist ja wirklich unberechenbar. Ich kann verstehen, dass er Anke nicht gleich alles erzählt, was seine Mutter so treibt. Außerdem ist die Beziehung zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter oft problematisch, ein Minenfeld für den Sohn bzw. Ehemann oder auch ein Loyalitätskonflikt, wie in diesem Fall. Allerdings sehe ich auch eine stabile Vertrauensbasis bei Simon und Anke und ich habe nicht den Eindruck, dass er lange was vor ihr geheimhalten kann, vor allem nicht diese Sache, die ihn sehr belastet.

    Bei dem Treffen von Boris und Simon hatte ich den Eindruck, dass die beiden sich ganz gut verstehen könnten, wenn die Umstände nicht so kompliziert wären. Boris sitzt in diesem Fall auch zwischen den Stühlen und er gibt sich kaltschnäuziger, als er sich fühlt, auch weil er die Position seiner Mutter irgendwie verteidigen will und andererseits Simon`s Lage ganz gut versteht. Vielleicht versöhnen sie sich ja wieder, das wäre doch wünschenswert. Gefallen hat mir diese Sache mit der Sekretärin und dem "dringenden Notfall", den Simon sofort als Fake erkannt hat - das war genial witzig :totlach:

  • Soso. Ihr fragt Euch also alle, was zwischen Jarmilla und Michael vorgefallen ist. Wie gut, dass noch 220 Seiten Buch übrig sind! Vielleicht löst der feine Herr Autor das Rätsel ja…

    Aber im Ernst: Wie toll ist das hier für mich! Ich meine, wann hat man schon mal die Gelegenheit, seinen Lesern live beim Denken zuzugucken? Dafür schon jetzt mal danke, so zwischendurch.

    Tja. Stimmt. Ich weiß nicht, ob ich das genug beschrieben habe, deshalb lege ich noch mal nach: Jarmilla ist keine ganz unkomplizierte Persönlichkeit, sehr eigen und ziemlich stur. Deshalb kommt Anke auch nur so mittel mit ihr klar. Weil Simon als Ehemann und Sohn schon per Definition zwischen beiden steht, will er die Berührungspunkte in dieser ernsten Sache möglichst klein halten. Ergibt das irgendwie Sinn?

    Leserunden sind bereichernd...auch für uns Leser, das versichere ich dir!

    Jarmilla kam mir bisher eigentlich nicht als stur rüber, kompliziert ja...doch stur? Zwischen Anke und Jarmilla herrscht wohl die typische Schweigermutter-Schwiegertochter -Beziehung....


    Du fragst ob ich aus der Schweiz komme?

    Punkt....Satz....Sieg ...wie "unser " Roger Federer! ;)

  • Den Satz "drei mal lang hinschlagen" für die Länge von irgendwas, habe ich noch nie gehört.

    Ist ziemlich norddeutsch, glaube ich, aber hier oben weit verbreitet.

    Stimmt, ich kenne die Formulierung auch, bin auch gar nicht darüber gestolpert, kommt wohl aus dem Norden.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass Jarmilla ihn umbringen will, nur damit Simon nicht mehr zahlen muss. Ich habe das Gefühl, da sind noch Altlasten

    Da steckt bestimmt mehr dahinter.


    Ist wohl Elbvororte-Slang. In welcher Ecke von Hamburg hast Du gewohnt?

    In Bramfeld, kurz vor Sasel.

  • Igela

    Gute Besserung für dich!


    Jarmilla ist keine ganz unkomplizierte Persönlichkeit, sehr eigen und ziemlich stur. Deshalb kommt Anke auch nur so mittel mit ihr klar. Weil Simon als Ehemann und Sohn schon per Definition zwischen beiden steht, will er die Berührungspunkte in dieser ernsten Sache möglichst klein halten. Ergibt das irgendwie Sinn?

    Ich kann das schon nachvollziehen. Aber ich denke, dass Simon über kurz oder lang nicht darum herum kommt, Anke einzuweihen. Und dann besser spät als nie, oder? Aber ja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und dass man als Sohn irgendwie versucht Konflikte zwischen Schwiegermutter und Partnerin zu vermeiden, kann ich mir sehr gut vorstellen. Ist ja auch eine heikle Konstellation. ;)



    Ich fand Simons Verhalten Boris gegenüber auch gar nicht so schlimm. Ich konnte Simon da gut verstehen. Ich fand Boris auch sehr unsympathisch, vor allem weil Simon wegen ihm auch noch so viel Geld latzen soll.

  • Es ist eine sehr interessante Geschichte!

    Ich kann herzlich lachen über verschiedene Szenen. Schon rein die Überschrift "Latexflocken des Todes" ist großartig! Und auch über Jarmlila in Aktion kann ich lachen, aber nur weil es eine Geschichte mit teilweise recht skurrilen Szenen ist. Die Protagonisten sind sympathische Antihelden, ganz normale Menschen halt.


    Boris ist nicht gerade sympathisch, aber auch er hatte so seine Probleme mit seinem Vater. Auch wenn er ihn öfters gesehen hat. Seine "Elblette" ist aber eigentlich ganz in Ordnung und scheint Humor zu haben.


    Das ist die eine Seite des Buches. Aber gleichzeitig klingen verschiedene sehr ernste Themen durch: die Kosten der Pflege zum Beispiel und das ist ja wirklich international ein wichtiges und ungelöstes Problem. Aber auch die Wertschätzung des Lebens kommt zur Sprache - vor allem wenn es sich in Grenzbereichen wie zum Beispiel komatöse Patienten (noch dazu bei einem Säufer, der selber schuld ist!) präsentiert.

    Und Jarmila ist ja eindeutig für Sterbehilfe - auch mit dem Satz, dass der Patient es wahrscheinlich eh selber wollen würde.

    Das sind alles Themen, die alles andere als witzig und amüsant sind, aber wichtig! Und ich finde es wirklich cool, wenn es im Rahmen eines doch eher lustigen Romans auftritt!

    Sehe das eigentlich nur ich so? Was hat der Lektor eigentlich zu dieser wilden Mischung gemeint?


    Noch eine Frage: ist Janko eigentlich der Jan von 1968? Irgendwo sagt er ja, dass er sie bereits 1968 geliebt hat.

  • Schon rein die Überschrift "Latexflocken des Todes" ist großartig!

    Davon bin ich auch ein wirklich großer Fan. Ich muss immer schon immer grinsen, wenn ich sie vorab lese und warte dann gespannt, wann das Wort im Kapitel vorkommt und wie man ein so bescheuertes Wort in den Fließtext einbauen kann.



    Das sind alles Themen, die alles andere als witzig und amüsant sind, aber wichtig! Und ich finde es wirklich cool, wenn es im Rahmen eines doch eher lustigen Romans auftritt!

    Sehe das eigentlich nur ich so?

    Mir gefällt das auch wirklich gut und für mich macht es auch eindeutig den Reiz des Buches aus. Wenn diese Themen nicht mitschwingen würden, würde ich das Buch wohl schnell auch langweilig und klamaukig finden (gut, manche mögen Klamauk, ich eher nicht so ;) ). Vor allem schafft Stephan es hier, die Themen anzusprechen, aber sie nicht zu veralbern.


    Noch eine Frage: ist Janko eigentlich der Jan von 1968? Irgendwo sagt er ja, dass er sie bereits 1968 geliebt hat.

    Gute Frage, die Parallele ist mir noch gar nicht aufgefallen. rotwerd

  • Vor Jarmila bekomme ich so langsam Angst. Anfangs dachte ich ja noch, sie meint es eher halb im Scherz, dass sie Michael umbringen möchte. Aber nein, da ist schon richtiger Ernst hinter. Was ist da zwischen den Beiden noch passiert?

    Ich frage mich auch, welche Kränkungen Jarmila noch nicht überwinden konnte, dass sie jetzt so reagiert. Aber: einen Mord zu denken ist noch immer etwas ganz anderes, als ihn durchzuführen. Ich glaube nicht, dass es so einfach ist, den Polster auf ein Gesicht zu drücken. Folglich bin ich optimistisch, dass Jarmila im Endeffekt nichts derartiges machen wird.

    Obwohl... die Selbstverständlichkeit, mit der sie diesbezüglich Pläne macht, ist erschreckend und anmaßend!


    Tja. Stimmt. Ich weiß nicht, ob ich das genug beschrieben habe, deshalb lege ich noch mal nach: Jarmilla ist keine ganz unkomplizierte Persönlichkeit, sehr eigen und ziemlich stur. Deshalb kommt Anke auch nur so mittel mit ihr klar. Weil Simon als Ehemann und Sohn schon per Definition zwischen beiden steht, will er die Berührungspunkte in dieser ernsten Sache möglichst klein halten. Ergibt das irgendwie Sinn?

    Es entspricht auch voll und ganz Simons ruhiger Art! Also besser einen Konflikt von vorne herein vermeiden, als eventuell durchstehen müssen. Dürfte ja nicht ganz einfach sein, so zwischen zwei Menschen, die man mag, zu stehen. Aber früher oder später wird er zumindest Anke einweihen müssen!

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()

  • Mir gefällt das auch wirklich gut und für mich macht es auch eindeutig den Reiz des Buches aus. Wenn diese Themen nicht mitschwingen würden, würde ich das Buch wohl schnell auch langweilig und klamaukig finden (gut, manche mögen Klamauk, ich eher nicht so ;) ). Vor allem schafft Stephan es hier, die Themen anzusprechen, aber sie nicht zu veralbern.

    Ich staune wirklich über diese Fähigkeit Witz und Ernst miteinander zu verbinden! Kompliment!!!

    Reine Klamaukbücher sind nicht so meines!


    Was mich aber sehr interessieren würde: was steckt dahinter? Warum hast Du diese doch eher sperrigen Themen mit reinverarbeitet? Es sind zwar Themen, die medienwirksam immer wieder zur Sprache kommen, aber ich hab den Verdacht, dass da nur jene sich weiter drum kümmern, die irgendwie betroffen sind. Aber auch verständlich, dass diese Themen irgendwie ins hinterste Eck verschoben werden...

  • Ich empfinde das Buch nicht unbedingt zum lachen...sondern er macht mich eher nachdenklich und traurig. Einfach, weil genau was hier beschrieben wird so oft im realen Leben vorkommt. Ein Mann ganz alleine am Ende des Lebens...ein Sohn, der mit 40 Jahren seinen Vater ganze drei mal gesehen hat und nun zahlen muss...eine Frau, die ihren Ex am liebsten das Kissen auf das Gesicht drücken würde.

    Lustig finde ich das alles nicht. Mich berührt die Thematik und die Geschichte. Manchmal muss ich schmunzeln, das ja...vor allem vom Wortwitz, doch eigentlich nicht von den einzelnen Szenen.

  • Noch eine Frage: ist Janko eigentlich der Jan von 1968? Irgendwo sagt er ja, dass er sie bereits 1968 geliebt hat.

    Die Antwort darauf ist… natürlich keine, die ich jetzt geben kann. Spoiler Alert und so. Aber Du wirst es herausfinden!

  • Was mich aber sehr interessieren würde: was steckt dahinter? Warum hast Du diese doch eher sperrigen Themen mit reinverarbeitet? Es sind zwar Themen, die medienwirksam immer wieder zur Sprache kommen, aber ich hab den Verdacht, dass da nur jene sich weiter drum kümmern, die irgendwie betroffen sind. Aber auch verständlich, dass diese Themen irgendwie ins hinterste Eck verschoben werden...

    Auch das steht sehr weit hinten im Buch, nämlich in der Danksagung. Wo fange ich an? Also: Meine Eltern haben sich getrennt, als ich fünf war, und für die nächsten 40 Jahre war der Kontakt zu meinem Vater nicht so doll. Man könnte sagen: Er war ein ziemlicher Idiot, Unterhalt hat er auch so gut wie nie gezahlt. Irgendwann habe ich mal mit meiner Mutter Nachrichten geguckt, und da ging es um genau dieses Grundsatzurteil, das Simon in Kapitel 2 erwähnt. Und meine Mutter sagte: „Also, wenn du jemals für deinen Vater zahlen sollst, bringe ich ihn um." Würde sie nie tun, aber bei mir ging sofort ein Film im Kopf los. Oder vielmehr ein Buch. Und was das Pflegeheim-Setting angeht: Ich war in den späten 80ern Zivi, und alles was im Heim passiert – die Pfleger, die Bewohner, die Skurrilitäten, die Stimmung auf der Station – sind komplett authentisch, ich schwöre. Nur die Mordversuche nicht. Jedenfalls verarbeite ich so irgendwie auch meinen Zivildienst.


    Das sind alles Themen, die alles andere als witzig und amüsant sind, aber wichtig! Und ich finde es wirklich cool, wenn es im Rahmen eines doch eher lustigen Romans auftritt!

    Sehe das eigentlich nur ich so? Was hat der Lektor eigentlich zu dieser wilden Mischung gemeint?

    Gute Frage. Irgendwie fand er das alles ganz gut, wenn ich mich recht erinnere. Das verblasst ja immer ein bisschen, wenn es dann in die kleinteilige Auseinandersetzung geht.