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  • Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines der Autorin) immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Ruhrpiraten" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!


    Außerdem wäre es sicherlich für Mike Steinhausen als auch den Gmeiner-Verlag, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.

    Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

  • So, solange die Gedanken noch ganz frisch sind, hier meine Rezi.


    .....


    Klappentext:



    Ruhrgebiet 1942. Während Deutschland im Gleichschritt marschiert, träumen der 16-jährige Egon Siepmann und sein Freund Fritz Gärtner von Freiheit und Abenteuer. Hin und her gerissen zwischen dem Kampf ums Überleben, den Schikanen der Hitlerjugend und der Verfolgung durch die Gestapo, suchen sie nach ihrer Identität. Doch wer sich in dieser Zeit auflehnt, wird bestraft. Und die Schergen des NS-Regimes kennen keine Gnade.


    Autoreninfo:


    Mike Steinhausen wurde 1969 in Essen geboren. Er ist Polizeibeamter und war mehrere Jahre als Zivilfahnder im Bereich der Drogenbekämpfung tätig. Sein Debüt als Autor gab er mit dem zeitgeschichtlichen Kriminalroman »Operation Villa Hügel«.


    Meine Meinung:



    Ich liebe Bücher, deren Autoren ich noch nicht kenne
    Ich liebe Bücher, die sich mit Themen befassen, von denen man noch nie etwas gehört hat
    Ich liebe Bücher, die in dieser historischen Epoche spielen


    Also war es klar, dass ich Ruhrpiraten unbedingt lesen musste. Ein Roman der sich mit den sogenannten 'unangepassten Jugendlichen' befasst, den Jugendlichen im Naziregime also, die Widerstand leisteten; auf die eine oder andere Art. Eine Untergrundbewegung, die von den Nazis nie wirklich gesprengt oder unter Kontrolle gebracht werden konnte. Jugendliche, die einfach frei sein und ihr eigenes Leben mit eigenen Moralvorstellungen leben wollten. Heute ist dies vielerorts Usus und wird als etwas völlig normales gesehen. Nicht so unter Hitler und seinen Schergen. In diesem Buch bekommen wir die Möglichkeit einen ungeschönten und erschütternden Blick in ein Kapitel deutscher Geschichte zu werfen, den bisher noch niemand gewagt hat. Und dies wundert nicht, sind die Bilder die im Kopf beschworen werden doch wahnsinnig erdrückend und schmerzvoll. Egon, unser Hauptprotagonist, war mir ausgesprochen sympathisch- ein junger Bergmann im Ruhrgebiet, der ein bodenständiges und einfaches Leben führt. Und dennoch wünscht er sich mehr vom Leben als das, was Hitler seinem Volk zugesteht. Und während er seinen Weg geht muss er erkennen, dass es nicht so einfach wird, wie er es sich erhofft hat...


    Ich muss sagen, dieses Buch ist wie ein Presslufthammer. Kompromisslos, erschütternd und bewegend und dabei vor allem eines: Absolut authentisch. Jede Seite habe ich mit Egon mitgefiebert und gehofft, dass er am Ende irgendeine Art von Glück findet. Dem Autor gelingt es diese Epoche, die Gefühle der Menschen und ihre Sorgen und Nöte derart bildhaft zu beschreiben, dass man ohne weiteres selbst dort sein könnte. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle wie einfühlsam der Autor seine Figuren begleitet- mit Empathie und einem Blick für Details steht er ihnen zur Seite und geht mit ihnen ihren Weg, wohin er auch führen mag.
    Besonders erwähnenswert ist auch die hochwertige Sprache, die für mich die Lektüre zu einem abgerundeten Erlebnis machte. Von plumpem Satzbau oder Oberflächlichkeit ist dieser Roman in jeder Hinsicht weit entfernt.


    Von mir eine guten Gewissens absolute Leseempfehlung für dieses sehr besondere Werk!



    So gepostet auf


    Meinem Blog

    Amazon

    Lovelybooks

    Literaturschock (noch in Freischaltung)

    buch7


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    Und hier mein Fazit für diese Leserunde.

    Mike Steinhausen , ich könnte sagen, du hast mich ein ganz schönes Stück klüger gemacht. Ich bekam durch diese Leserunde die Möglichkeit ein Thema zu betrachten, von dem ich davor noch nie etwas gehört hatte.

    Ganz besonders toll fand (und finde) ich die ganzen fruchtbaren Diskussionen die in allen Abschnitten laufen- das Buch gab das aber auch einfach her, und ich habe da durchaus noch weiteren Gesprächsbedarf, obwohl ich das Buch jetzt schon beendet habe. Deswegen finde ich es toll, dass die Runde noch eine Weile läuft.

  • Der Autor Mike Steinhausen hat in seinem Roman " Ruhrpiraten " über ein interessantes Thema im zweiten Weltkrieg geschrieben. Nämlich den Jugendwiderstand gegen den Nationalsozialismus.

    1942, wie in vielen Teilen Deutschlands erheben sich im Ruhrgebiet junge Menschen gegen das NS Regime. Im Laufe des Geschehens nennen sie sich die " Ruhrpiraten" es gab unzählige Gruppen, am bekanntesten wahrscheinlich die " Edelweißpiraten.

    Allen geht es um Freiheit, sie wollen selbstbestimmt entscheiden können und sich der Hitler-Jugend entziehen. Das ist der Gestapo und der Kriminalpolizei immer mehr ein Dorn im Auge und dementsprechend wird immer konsequenter gegen sie vorgegangen.

    Egon Siepmann hat seinen Vater verloren, er ist an der Front gefallen. Nun lastet alles auf seinen Schultern, erarbeitet als Hauer in der Zeche in Essen, wie auch Fritz Gärtner. Er ist nun der Mann im Haus und muss für das Wohl seiner Mutter und seiner kleinen geliebten Schwester Annemarie sorgen. Fritz und Egon freunden sich an und Fritz nimmt ihn mit zu seinen Freunden. Dort lernt Egon noch andere Jugendliche kennen, die genaue wie er denken.

    Gemeinsam unternehmen sie viel, haben Spaß und versuchen trotz des Krieges eine schöne Zeit zu haben. Auch nehmen sie an Treffen teil, bei denen sehr viele Gleichgesinnte aus anderen Teilen Deutschlands anreisen. Egon ist fasziniert davon und kann es kaum glauben wie viele Gruppierungen es in dem Wiederstand gibt.

    Doch dann ändert sich auf Schlag alles. Durch einem Vorfall, bei dem der Sohn eines Gestapo-Beamten bei einer Schlägerei verletzt wird, beginnt die Verfolgung dieser Jugendlichen, die sich der HJ entziehen. Der Verletzte, Paul Schrader, ist ein überzeugter Hitler Junge. Er will Karriere bei der SS machen und so treibt ihn die Rache und sein Ehrgeiz an. Auch die HJ geht vermehrt Streife um das Übel dingfest zu machen und wenn nötig zu denunzieren.

    Die Ruhrpiraten geraten immer mehr in Bedrängnis, nirgends sind sie mehr sicher. Es kommt zur Katastrophe und einige werden geschnappt und in sogenannte Jugendschutzeinrichtungen gebracht. Diese kommen einem KZ gleich und es herschen unmenschliche Zustände.

    Was wird nun aus den Ruhrpiraten?


    Meine Meinung:

    Obwohl ich schon viel über den zweiten Weltkrieg gelesen habe, ist mir das Thema " Jugendwiderstand" nicht bekannt gewesen. Auch nicht, dass diese Gruppierungen vehement verfolgt wurden.

    Der Autor schildert sehr bildlich, wie sich der Alltag der Protagonisten gestaltet haben kann. Mit gut recherchierten historischen Hintergründen, bekommt man als Leser den Eindruck, wie es sich zugetragen hat.

    Wenn auch notwendig, waren mir einige Ausführungen zu langatmig. Aber das ist reine Empfindungs - Sache.

    Mit dem Ende war ich nicht ganz so glücklich, gerne hätte ich mir einen Epilog gewünscht. Aber der Autor überlässt es dem Leser sich das Ende auszumalen. Sicher, in der Zeit gab es kaum ein Happyend, aber mich hätte es interessiert ob jemand den Krieg überlebt hat. Denn einige von den Protagonisten sind mir an Herz gewachsen.

    Ein interessanter Roman über eine kaum bekannte Wiederstandsbewegung.




    Lieber Mike und Mitleserinnen, ich danke euch für die tolle, interessante Leserunden. Wie immer hat es mir Spaß gemacht mich mit euch auszutauschen.

    Für mich war es ein neues spannendes Thema, über das ich noch so gar nichts wusste.


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    Irgendwie finde ich immer bei Literaturschock- Hauptseite meine Rezensionen nicht wieder. Irgend etwas mach ich wohl falsch. Auf jeden Fall hab ich sie dort veröffentlicht.

    Liebe Grüße Kerstin

    4 Mal editiert, zuletzt von kessi69 ()

  • Obwohl ich schon so einige Bücher über den zweiten Weltkrieg gelesen habe, gibt es immer wieder Geschichten, die neue Facetten und unbekannte Details zu Tage fördern. Mike Steinhausen nimmt sich in seinem Roman „Ruhrpiraten“ eines Themas an, welches meiner Meinung nach in der Literatur noch viel zu wenig besprochen wurde. Der Widerstand junger Menschen im Dritten Reich ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Die Nazis hatten damals rigide Vorschriften erlassen, um alle Teenager in die HJ und den BDM zu zwingen. Dort sollten die Jungs und Mädchen geformt und ihre Ansichten und Aktivitäten überwacht werden. Aber umso länger der Krieg dauerte, umso mehr junge Menschen schlossen sich zusammen und leisteten passiv oder sogar aktiv Widerstand gegen das Regime und versuchten sich ein kleines Stück Selbstbestimmung und Freiheit zu bewahren und gegen die Methoden der Hitler-Diktatur zu protestieren.


    Die Ruhrpiraten sind eine solche Gruppe. Eingebettet in ein dichtes Netz von geschichtlichen Informationen spielt die fiktive Handlung im Ruhrgebiet 1942. Die Hauptdarsteller sind durch die Bank Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, die bereits auf verschiedene Arten mit dem Krieg und der Regierung zu tun hatten. Dem einen ist bereits der Vater gestorben und der Onkel mit schwerem Kriegstrauma zurückgekehrt. Der andere bekommt erste Repressalien gegen die Juden zu spüren und alle leiden unter dem Druck, den die Polizei auszuüben versucht, um sie in die Jugendverbände zu zwingen. Mit Aufrufen an Hauswänden und auf Papier rebellieren sie, verfolgt von den Nazis, unter denen ebenfalls junge Menschen einen ganz anderen Weg eingeschlagen haben als die jugendlichen Rebellen.


    „Ruhrpiraten“ besticht vor allem dadurch, dass Mike Steinhausen all sein Recherchewissen in die Geschichte hineinpackt. Das hatte eine große Informationswucht, die vielleicht manchmal der Handlung und dem Spannungsbogen etwas den Rang abläuft. Die Charaktere wachsen einem aber ans Herz und man fiebert mit und leidet, als Verhaftung, Erniedrigung , ja sogar Folter drohen. Es ist keine Geschichte, die man einfach so wegsteckt als Leser. Dazu sind das Thema und die Zeit einfach zu dramatisch und Mike Steinhausen legt großen Wert auf Authentizität und verweigert dem Leser ein profanes Happy End. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Dazu ist das Buch viel zu interessant.


    Ich bedanke mich bei Mike für eine sehr intensive und aufmerksame Lesebegleitung, die den Blick noch weiter für dieses Thema geschärft hat.


    :buchtipp:



    Amazon

    Literaturschock

  • 1941. Im Ruhrgebiet herrscht Krieg. Die Allierten werfen tausende Bomben auf die Fabriken im Ruhrgebiet, während die Jugendlichen eigentlich nur eine unbeschwerte Zeit genießen wollen. Doch das System sieht für sie die Hitler Jugend vor, wo sie sich aber gefangen statt frei fühlen. Da ihnen die Freiheit jedoch wichtig ist, gehen sie dafür einige Wagnisse ein...


    Der Roman bietet viel. Sein Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den Jugendbewegungen außerhalb der Hitler Jugend, die sich so automatisch im Widerstand befinden. Die Swing-Jugend kommt kurz vor, aber der Hauptaugenmerk liegt auf den Edelweißpiraten, ein Oberbegriff für bündische Organisationen um Rhein und Ruhr. Mit der Hauptfigur des Egons nähern die Leserinnen sich aber auch der Welt unter Tage. Unter welchen Bedingungen man dort gearbeitet hat, wie das Verhältnis unter Bergleuten ist, wird eindrücklich beschrieben. Doch auch die Tätigkeiten der Hitler Jugend finden Beachtung und darüber hinaus gibt es später auch Einblicke in die Gefängnis- und "Lager"welt der Nazis, was nichts für schwache Nerven ist.


    Im intensiven Schreibstil liegt für mich die Stärke in diesem Buch. Mike Steinhaus beschreibt die Gefühle und Umstände so präzise und emotional, dass es mich wahrhaftig mitgerissen hat. Ich habe mit den Jungs und Mädels gelacht, getanzt, gesungen, aber auch gekämpft, geweint, gelitten. Der Spannungsbogen ist ein ständiges Auf und Ab. Immer wieder kommen unsere Ruhrpiraten in unmögliche Situationen, aus denen sie sich mal mehr mal weniger beschadet herauswinden. Ständig denkt man, dass alles passieren kann und wird. Verstärkt wird dieses Gefühl dadurch, dass die Leserinnen hin und wieder einen Einblick in die Vorgehensweise der Polizei und Gestapo bekommen, so dass man weiß, wie dicht sie an der Truppe dran sind.


    Die Charaktere sind durch die intensive Beschreibung sehr facettenreich und einzigartig. Hinter jeder Figur verbirgt sich eine spannende Geschichte, die erzählt werden will, so dass jede Figur deutliche Konturen bekommt. Dabei stehen natürlich die Jugendlichen im Fokus, doch auch die Erwachsenen bekommen ihren Raum und ihre Geschichte. Da es sich hier zum Großteil um Personen im Widerstand handelt, gibt es natürlich auch viel Potenzial, dem aber auch großer Schrecken anhaftet.


    Also ein großartiger Roman, der jedoch nichts Verschönigt, aber dafür konstant spannend und einfühlsam geschrieben ist. Für alle Fans von Büchern aus der NS-Zeit mit all den Schrecken und Gräueltaten ein Muss!

  • So, Ihr Lieben.


    Zum Abschluss meine Rezension.

    An vielen Dingen, die man das erste Mal tut, erinnert man sich rückwirkend besonders. Und so wird unsere kleine Runde hier mir nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Es war für mich eine ungewöhnliche Erfahrung. Bei Lesungen haben in der Regel nur die wenigsten Gäste ein Buch bereits gelesen; der gedankliche Austausch ist ein anderer, als wenn jemand Seite für Seite intensiv gelesen hat. Die Zeit, die man bei der Besprechung einzelner Abschnitte hat, die Möglichkeit, kontrovers Inhalte zu erörtern, klarzustellen und/oder andere Sichtweisen anzubieten … all das sind Dinge, zu denen man sonst nicht in dieser intensiven Form die Möglichkeit hat.

    Ich war überrascht, wie ernst ihr die Sache genommen habt. Eure – und das ist ganz wichtig -ehrlichen Rückmeldungen haben mir sehr viel gebracht. Ich konnte das erste Mal tatsächlich an den Empfindungen von Lesern teilhaben und auch den ein- oder anderen Vergleich ziehen, ob die Emotionen, die ich auslösen wollte, auch tatsächlich so empfunden werden.


    Ganz besonders hervorheben möchte ich das hohe Niveau. Den Umgang miteinander. Gerade in Zeiten, in denen die Anonymität des Internets einen daran zweifeln lassen, ob überhaupt noch so etwas wie Anstand vermittelt wird. Das wird mir am nachhaltigsten in Erinnerung bleiben.

    Ich bedanke mich bei Euch allen ganz herzlich, wünsche Euch alles erdenklich Gute und wer weiß?

    Vielleicht liest man sich …


    Mike Steinhausen

  • Mike Steinhausen

    lieber Miki, vielleicht ergibt es sich noch mal und wir lesen wieder gemeinsam eine sei er Bücher. Ich würde mich sehr freuen. Mir hat es viel gegeben deine Sichtweise zu erfahren. Die Hintergründe die du uns erklärt hast, hat mich um vieles bereichert.

    Dir auch alles erdenklich Gute und natürlich viele gute Ideen für's Schreiben:)