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  • Hallo lieber Mike, liebe MitleserINNEN,


    hier treffen wir uns zum ersten Abschnitt der Leserunde zu dem Buch "Ruhrpiraten" und ich begrüße alle TeilnehmerINNEN und ganz besonders den Autor. Mike, schön, dass Du unsere kleine Runde begleitest!


    Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Informationen zu Leserunden und auch die Ausführungen zur Netiquette durch.


    Postet hier bitte erst, wenn Ihr zu lesen angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereits, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.

    Auch ist es nicht nötig, den Inhalt nachzuerzählen, wir lesen ja alle das gleiche Buch ;)


    Wenn Ihr erst ein paar Tage später in die Leserunde einsteigen könnt, gebt bitte hier oder per PN an den Moderator kurz Bescheid, denn eigentlich sind insgesamt ca. 2 Wochen dafür gedacht.

  • Hallo zusammen!


    Ich habe mich sehr gefreut dass gestern die Abschnitte online gingen, so konnte ich direkt loslesen. Habe mir dann gestern das Buch mit ins Bett genommen.


    Das Cover war das erste, was mir ins Auge sprang. Ich finde das wirklich sehr sehr schön und auch hochwertig aufgemacht, auch offensichtlich sehr gut zum Thema. Das Titelbild strahlt für mich allerdings erstmal Sommer/Sommerfeeling aus, also eher heile Welt, was ja nun erstmal im krassen Gegensatz zum Inhalt steht (zumindest bis jetzt).


    Mein erster Eindruck vom Inhalt: Ebenfalls sehr hochwertig, ich mag diesen Schreibstil. Es gibt allerdings auch gleich zu Anfang sehr viele Informationen/Perspektivenwechsel/Personen, was schon ein bißchen Konzentration erfordert, fand ich.

    Aber gerade da war ich überrascht, wie schnell der Autor doch die losen Fäden zusammenführt- also dass innerhalb der ersten 85 Seiten schon die Schnipsel ein großes Ganzes ergeben. Man weiß in der jeweiligen Situation immer genauso viel wie die Figuren, und doch kann man sich durch die Perspektivenwechsel sofort einiges zusammenreimen. Einiges ist mir noch nicht ganz klar, aber ich vermute, dass sich dieser Nebel noch lichten wird. Das wird schon eher ein Buch, das das Thema anspruchsvoll aufarbeitet- es sind auf jeden Fall schonmal sehr interessante Perspektiven!


    Überhaupt... ich empfinde die Erzählweise bisher als sehr detailverliebt. Hier wurde sich auch Dingen angenommen, die sonst immer nur oberflächlich betrachtet wurden. Hier fällt mir zum Beispiel die Hitlerjugend ein. Klar, jeder weiß dass es sie gab, aber wie die im Speziellen im Inneren aufgebaut ist und wie die Hierarchien sind mit jeweiligen Bezeichnungen und so weiter- das ist wirklich eine eigene Welt, die ich nicht kannte. Ich laufe also sozusagen wie eine Lernende mit riesigen Augen durch das Buch. ;)

    Zweites Beispiel sind natürlich die Bergleute, bzw. die Arbeit unter Tage. Darüber möchte ich auf jeden Fall noch mehr erfahren, glaube aber, dass wir das auch tun werden. Egon ist ein sehr sympathischer Protagonist und ich bin sehr gespannt, was er und Fritz gemeinsam erleben werden- allerdings schwant mir da auch übles wenn man Fritz' Verwandtschaftsverhältnisse bedenkt. Die Verweigerung wird bestimmt nicht ohne Folgen bleiben, ohje...

  • Nun auch von mir ein herzliches Hallo an dich Mike und euch Mitleserinnen


    Das Cover ist schön und sehr gelungen, es ist ein Bild welches so harmlos wirkt, obwohl es einen schrecklichen Hintergrund gibt.


    Ich muss gestehen, dass ich über das Ruhrgebiet so gar nichts weiß. Sicher , ich weiß das der Bergbau zum Ruhrgebiet gehört und ich weiß auch was eine Zeche, Flöz und so weiter ist. Aber dann hört es auch schon auf, um so dankbarer bin ich über die historischen Fakten die Mike mit einfließen lassen hat.

    Der Hauptprotagonist Egon ist mir sofort ans Herz gewachsen. Nach dem Tod seines Vaters, lastet ein schweres Paket auf seinen Schultern. Liebevoll kümmert er sich um seine kleine Schwester, dass ist so rührend und herzzerreißend. Und natürlich auch um seine Mutter,er bringt Kohle mit, damit sie auf dem Schwarzmarkt tauschen kann. Dann ist da noch sein Onkel Erich, der trägt überhaupt nichts zum Unterhalt bei, im Gegenteil,er ist eigentlich nur ein Schmarotzer und maßt sich an, Egon und die Mutter zu schlagen. Zum Glück hat Egon sich gewehrt. Nun scheint es, dass er doch nicht drauf geht. Dank des jüdischen Arztes, der als Sträfling in der Grube arbeiten muss, und Egon gesagt hat was er machen muss.

    Zum Glück haben sie noch ein Dach über dem Kopf, so vielen anderen ist durch die Bombenangriffe der Alliierten, alles genommen worden.

    Viele, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt,arbeiten im Kohlebergbau und riskieren dort ihr Leben für eine lächerliche Entlohnung. Das auch schon die Jugendlichen dort arbeiteten schockiert mich. Klar ich weiß, dass auch Kinder schon zu allen Zeiten arbeiten mussten, aber Bergbau ist schon sehr harter Tobak.


    Hinzu kommt, dass diejenigen, so wie Fritz mit seinen Kumpels und nun auch Egon, ganz schön riskant leben. Durch ihre strickte Verweigerung an den freien Tagen zur HJ zu gehen, könnte es passieren, dass sie sogar festgenommen werden. Auch Erika, die nicht gewillt ist zu den BDM zu gehen. Ich gehen davon aus, dass wir noch mehr von ihr und ihrem Vater lesen werden.


    So auch mit Sicherheit von Paul Schrader und seinem Vater, das sind ja 150 Prozent Überzeugte.


    Egon hat auch von den Juden gehört, die nach Osten gebracht werden ohne zu wissen oder zu ahnen was mit ihnen dort geschieht. Er hat noch keine schlechten Juden erlebt, er kenn sie nur freundlich. Und die Rassenkunde ist ihm offensichtlich zu wider.


    Durch Müller und Stahlschmidt, einer Kriminalkommissar und der andere ein leitender Gestapo-Beamte, bekommen wir einen Einblick in die Aufgabenverteilung und das sie kronisch unterbesetzt sind um die Ziele umzusetzen. Ich weiß aus vielen anderen Büchern, dass genau diese auch sehr gefährlich werden konnten.


    Die Situation, als die Ludger Brüder im Stollen von Fritz eine verpasst bekommen hat, hat mir gefallen. Das lockerte die Sache ein wenig auf, denn jetzt muss Egon sich vor denen bestimmt noch mehr in Acht nehmen. Gerade weil sie überzeugte HJ Jungs sind.


    Ich bin gespannt wie die ganzen Protagonisten, vor allem die jungen Leute , noch zusammen kommen.


    Wirklich spannend.

  • Das Cover war das erste, was mir ins Auge sprang. Ich finde das wirklich sehr sehr schön und auch hochwertig aufgemacht, auch offensichtlich sehr gut zum Thema. Das Titelbild strahlt für mich allerdings erstmal Sommer/Sommerfeeling aus, also eher heile Welt, was ja nun erstmal im krassen Gegensatz zum Inhalt steht (zumindest bis jetzt).




    Überhaupt... ich empfinde die Erzählweise bisher als sehr detailverliebt. Hier wurde sich auch Dingen angenommen, die sonst immer nur oberflächlich betrachtet wurden.

    Also wenn man nur das Cover betrachtet, ohne den Klappentext zu lesen, würde ich auch vermuten , das es um eine heile Welt geht. Eigentlich steht es im Wiederspruch zum Inhalt, na fast. Denn es passt schon, denn so möchten die Piraten ihr Leben verbringen und nicht vom Krieg gezeichnet.


    Da stimme ich dir zu, es ist sehr detailliert und es ist auch wichtig diese Dinge zu erfahren. Aber wenn ich das anführen darf, ich hoffe das es nicht zu viel wird, denn dann können die wichtigen Dinge schnell verloren gehen.

  • Ja, ich weiß was du meinst. Aber ich bin momentan noch dankbar für die vielen Details, das schafft eine solide Basis, um alles zu verstehen. Ich finde ja man merkt auch deutlich, dass Mike aus dem Ruhrgebiet kommt- wem sonst liegen die Zechenarbeiter so am Herzen?

    Auf jeden Fall mag ich Egon ebenso sehr wie du. Und Fritz kennen wir ja noch nicht lange, aber auch hier: Allein dass er einfach mal spontan für Egon da war macht ihn sympathisch.


    Hattet ihr auch solche Bauchschmerzen bei diesem angeblichen Arzt? War für mich kaum zu ertragen diese Stelle. Diese Arroganz, zieht den ärmsten der Armen den letzten Cent aus der Tasche und lässt es sich gutgehen.X(

  • Hallo zusammen.


    Zunächst möchte ich die Gelegenheit ergreifen, mich ganz herzlich für die Einladung zu dieser Leserunde und Eure Bereitschaft, Euch so intensiv mit meinem Text auseinanderzusetzen, zu bedanken.

    Es ist meine erste Leserunde und schon nach den wenigen ersten Beiträgen bin ich erstaunt, wie ernst Ihr Eure Sache nehmt. Sachliche Rückmeldungen, konstruktive Kritiken sind für mich als Autor enorm wichtig. Von daher freue ich mich auf die folgenden Diskussionen mit Euch.


    Ich melde mich zu diesem noch frühen Zeitpunkt, um Euch etwas von den Hintergründen dieses Buches zu erzählen. Möglicherweise hilft es Euch bei der Bewertung des Textes und fördert Euer Verständnis für den etwas ungewöhnlichen Plotaufbau.


    Wie kam es zu der Idee zu diesem Buch?


    Im Jahr 2016 trat der Gmeiner-Verlag, bei dem ich seit einigen Jahren unter Vertrag stehe, an mich heran und fragte mich ob ich mir vorstellen könnte ein Buch zu schreiben, welches sich mit dem Jugendwiderstand im 3. Reich befasst. Zunächst war ich nicht Feuer und Flamme, wusste ich doch nichts über dieses Thema. So erbat ich mir zunächst etwas Bedenkzeit, um mich mit der Materie vertraut zu machen und um zu sehen, ob ich mit dieser Idee warm werden könnte.

    Bei meinen Anfangsrecherchen trat dann relativ schnell Ernüchterung ein. Musste ich doch feststellen, dass es kaum detaillierte Informationen über dieses Thema gibt. Es finden sich allgemeine Erklärungen gerade über die Edelweißpiraten, aber tiefergehende Infos finden sich kaum. Und das verwundert, war doch gerade das Ruhrgebiet eine Hochburg so genannter unangepasster Jugendlicher. Auch mit Zeitzeugen sieht es in Anbetracht der vergangenen Zeit relativ schlecht aus. Ich stand also vor der Herausforderung ein Buch über ein Thema zu schreiben, von dem ich keine Ahnung hatte, über das es kaum Informationen gibt und das – wie immer bei einer Verlagsauftragsarbeit – in einem durchaus überschaubaren Zeitrahmen. Von dem Plotentwurf und der Tatsache, dass ich noch einem Brot- und Butterberuf nachgehe und das Ganze auch familiär vertretbar unterbringen musste, mal ganz abgesehen.

    Warum habe ich mich letztendlich doch dazu entschlossen?

    Drei Gründe. Zunächst stellte ich bei meinen Recherchen fest, dass ich, je tiefer ich in die Materie eintauchte, immer interessierte wurde, was ja schon einmal keine so schlechte Ausgangslage ist.

    Der zweite Punkt war, dass mir das Recherchieren, gerade in schwierigen Bereichen, liegt (vielleicht berufsbedingt). Der Hauptgrund aber war, dass offenbar noch nie jemand ein solches Buch geschrieben hatte.


    Was war die besondere Herausforderung?

    Das Thema ist sehr komplex. Selbst 16 Monate intensiver Recherchearbeit kratzt da nur an der Oberfläche. Ich bin also weit davon entfernt, nun ein Sachkundiger über das Thema zu sein.

    Ich erkannte nach und nach für mich, dass ich eine gewisse Verantwortung trage. Nicht nur vor dem historischen Kontext. Eine Zeit, in der Jugendliche ihrer Jugend beraubt wurden, sie für ihre Wünsche, Sehnsüchte staatlicher Sanktionierung ausgesetzt waren, verhaftet, inhaftiert und sogar ermordet wurden, ein Leben voller Leid, dem Verlust von nahestehenden Menschen …

    Wenn man sich dieser Zeit oberflächlich bedient, um einen Unterhaltungsroman zu schreiben, so scheint mir das auf gewisse Weise moralisch verwerfbar.


    Aus diesem Grund ist der Roman möglicherweise anders. Er folgt keinem klassischen Plotaufbau, hangelt sich nicht an einem Handlungsstrang entlang. Die Spannung sollte sich aus der Handlung ergeben. Um dem Anspruch gerecht zu werden, war es aus meiner Sicht wichtig, diese von Euch bereits angeführte „Detailverliebtheit“ an den Tag zu legen. Für den ein- oder anderen Leser mag das vielleicht etwas ungewohnt erscheinen. Nur durch diese Details ist es meiner Meinung nach möglich, sowohl beim Lesen, aber auch beim Schreiben „mitzufühlen“. Nur, wenn ich ein Gefühl dafür bekomme, wie trist, wie freud- und zukunftslos sich diese Zeit auf das Gemüt junger Menschen gelegt haben musste, nur dann schein man mir in der Lage zu sein nachzuempfinden, warum in so vielen Jugendlichen der unbändige Wunsch schlummerte, auszubrechen. Wie groß musste dieser Wunsch gewesen sein, dass man sogar wissentlich in Kauf nahm, dafür als Verbrecher verurteilt zu werden? Um das zu fühlen war ich als Autor mehr als bisher gefordert, mich in die Charaktere hineinzufinden. Und so ist dieses Buch tatsächlich „entstanden“. Es wuchs. Entwickelte sich von selbst in einer auch für mich ungewohnten Eigendynamik. Ich wusste am Ende einer Passage nicht, wie es weiterging, war tatsächlich selbst gespannt, was sich entwickelt.


    Ich freue mich auf Eure kommenden Beiträge.


    Viele Grüße,

    Mike

  • Mike Steinhausen , vielen Dank für die Erläuterung, wie es zu diesem Roman gekommen ist. Genau das ist es, was uns Leser auch immer interessiert.

    Ichch muss dir Recht geben, mit diesem Thema kenne ich noch kein Buch. Und ich habe wirklich schon viel aus dieser Zeit gelesen.

  • Hattet ihr auch solche Bauchschmerzen bei diesem angeblichen Arzt? War für mich kaum zu ertragen diese Stelle. Diese Arroganz, zieht den ärmsten der Armen den letzten Cent aus der Tasche und lässt es sich gutgehen.X(

    Ja ist das nicht schlimm, immer gibt es Menschen die die Not anderer schamlos ausnutzen. Ich habe ihn als richtigen Ekel empfunden.


    Da ist aber noch etwas anderes worüber man sonst gar nicht nachdenkt. Wie ......wo gehen die Arbeiter in der Grube zur Toilette......sie könnten ja nicht ständig im Korb hoch und runter. Also das fand ich schon ziemlich wiederlich;), vor allem das das Zeug auch noch wieder raus befördert werden musste.


    Und wie Egon habe ich mich gefragt, wie die Strafgefangenen diese Arbeit leisten konnten.

  • DAS habe ich mich auch gefragt! Ich meine, seien wir mal ehrlich. Wenn ich mir ne Spitzhacke nehme und damit Steine kloppe, bin ich nach einigen Stunden halbtot und kann auch ganz sicher die nächste Woche meine Arme kaum noch bewegen. Ganz zu schweigen davon wenn ich das alles auch noch geschwächt tun muss- ohne anständige Verpflegung und mit der Angst im Nacken. Ein Arzt, wie der arme Jude den wir kennen gelernt haben, wird ja auch so schwere körperliche Arbeit nicht gewöhnt sein. Ich kann mir nur vorstellen, dass ihn das pure Adrenalin aufrecht hält und die Todesangst ihn vorwärts zwingt. Das ist unvorstellbar. Und dann wird er auch noch so widerlich behandelt. Da habe ich wirklich schlucken müssen; das war eine ordentliche Kelle Realität. Und auch sehr bildhaft beschrieben. Ich hoffe eigentlich, ihn wiederzusehen- lebendig. Auch wenn ich nicht viel Hoffnung habe.


    Bei meinen Anfangsrecherchen trat dann relativschnell Ernüchterung ein. Musste ich doch feststellen, dass es kaumdetaillierte Informationen über dieses Thema gibt. Es finden sich allgemeineErklärungen gerade über die Edelweißpiraten, aber tiefergehende Infos findensich kaum.

    Finde ich sehr mutig, sich dem Thema dann trotzdem zu widmen. Wenn wenig Quellen vorhanden sind und die Zeitzeugen auch, dann ist man ja mehr oder weniger gezwungen viel hinzu zu denken. Und da ist es dann wirklich schwierig mit der Verantwortung, man möchte ja auch keinen Stuss über eine Vereinigung erzählen, die es wirklich gegeben hat und die überaus wichtig war.


    Aus diesem Grund ist der Roman möglicherweiseanders. Er folgt keinem klassischen Plotaufbau, hangelt sich nicht an einemHandlungsstrang entlang. Die Spannung sollte sich aus der Handlung ergeben. Um dem Anspruch gerecht zu werden,war es aus meiner Sicht wichtig, diese von Euch bereits angeführte „Detailverliebtheit“an den Tag zu legen.

    Mag ich gerne! Mir ist schon aufgefallen dass das Buch sich anders aufbaut, also nicht so linear wie üblicherweise, sondern es lebt von diesen Wechseln und dem Bild, das sich nach und nach zusammen fügt.

    Man merkt auf jeden Fall, dass du dir wirklich Gedanken gemacht hast, wie du das jetzt zusammen bringen kannst.


    Und jetzt wird noch weitergelesen! :)

  • Das Cover war das erste, was mir ins Auge sprang. Ich finde das wirklich sehr sehr schön und auch hochwertig aufgemacht, auch offensichtlich sehr gut zum Thema. Das Titelbild strahlt für mich allerdings erstmal Sommer/Sommerfeeling aus, also eher heile Welt, was ja nun erstmal im krassen Gegensatz zum Inhalt steht (zumindest bis jetzt).

    Das Cover an sich gefällt mir. Aber ich finde im Augenblick noch nicht, dass es zur Geschichte passt. Viele Mädels kommen nicht vor. Gut, eine. Und die hört tatsächlich auch "N...musik". Aber Tatsächlich wären zwei Bergarbeiter oder eine Gruppe von der HJ passender. Stimmt auch, dass es fast zu optimistisch ist.


    Dass die Jugend sich in so großer Zahl der HJ und dem BDM entziehen wollte, war mir gar nicht bewusst. Erschütternd mal wieder, mit welcher Macht die Nazis versucht haben, Zucht und Ordnung schon in die Kinder zu bringen. Dass man mit Polizeigewalt in diese Vereinigungen gezwungen werden konnte ist erschreckend.

    Es gibt allerdings auch gleich zu Anfang sehr viele Informationen/Perspektivenwechsel/Personen, was schon ein bißchen Konzentration erfordert, fand ich.

    Habe ich ähnlich empfunden. Die Ladung an Infos in jeder Szene ist schon sehr intensiv - aber auch interessant. Z.B., dass schon Luther antisemitische Thesen in seinen Schriften hatte. Ich bin ja katholisch und wusste das vielleicht deshalb nicht wirklich. Aber den Hass auf das Volk der Juden gibt es ja schon seit Jahrhunderten, also eigentlich nicht wirklich überraschend.

  • Hinzu kommt, dass diejenigen, so wie Fritz mit seinen Kumpels und nun auch Egon, ganz schön riskant leben. Durch ihre strickte Verweigerung an den freien Tagen zur HJ zu gehen, könnte es passieren, dass sie sogar festgenommen werden. Auch Erika, die nicht gewillt ist zu den BDM zu gehen

    Ich glaube ja, so richtig können sie die Bedrohung nicht einordnen. Da die Polizei zu wenig Personal hat, um die letzten Schritte der Polizeigewalt bei Verweigerung der "Jugendbunde" durchzusetzen, haben sie sicher noch nicht erlebt, wie Freunde verhaftet wurden, bloß weil sie nicht zur HJ oder zum BDM wollten. Außerdem ist ja die Jugend oft der Meinung, unverwundbar zu sein.

    Aber wenn ich das anführen darf, ich hoffe das es nicht zu viel wird, denn dann können die wichtigen Dinge schnell verloren gehen.

    MIr ist wichtig, dass es nicht zum Lehrbuch wird und manche Infos dürfen auch gerne Stück für Stück oder durch die Handlung transportiert werden.

  • Musste ich doch feststellen, dass es kaumdetaillierte Informationen über dieses Thema gibt. Es finden sich allgemeineErklärungen gerade über die Edelweißpiraten, aber tiefergehende Infos findensich kaum.

    Da bin ich ja froh, dass ich nicht einfach unwissend war, sondern es tatsächlich wenig zu diesem Thema gibt. Und ich finde es interessant, dass dieses Buch so quasi eine "Auftragsarbeit" ist.

    Wenn man sich dieser Zeit oberflächlich bedient,um einen Unterhaltungsroman zu schreiben, so scheint mir das auf gewisse Weise moralischverwerfbar.

    Hier kann ich dir nicht ganz zustimmen. Wenn ein wichtiges Thema durch seine Aufbereitung als Unterhaltungsroman schafft, wieder ein bisschen in den Fokus der Menschen zu kommen, dann ist so eine Romanform durchaus legitim und nicht verwerlich. Ich habe in den letzten Monaten zwei Bücher gelesen, die ebensolche wichtigen Themen aufgegriffen haben. Von Clair Winter "Die verbotene Zeit", in der u.a. erzählt wurde, wie Tausende von Nazis es schafften nach dem Krieg in der normalen Gesellschaft wieder unterzutauchen oder sogar integriert zu werden. Und von Daniela Ohms "Wie Treibholz im Sturm", in dem die Kriegstraumata der Menschen zentrales Thema war.

    Beide Bücher sind hochgradig emotionale und intensiv recherchierte Geschichten, aber auch zu 100 % Romane. Und gerade diese Form ist es, die mir viel besser gefällt, als trockene Geschichtsbücher. Denn durch die Empathie zu den Protagonisten kommt man der damaligen Zeit viel näher, als in einer nüchternen Berichterstattung, bei der man doch so oft nicht verstehen kann, wie es so weit kommen konnte und was die Menschen damals wirklich empfunden haben mögen.

  • Die Spannung sollte sich aus der Handlung ergeben. Um dem Anspruch gerecht zu werden,war es aus meiner Sicht wichtig, diese von Euch bereits angeführte „Detailverliebtheit“an den Tag zu legen. Für den ein- oder anderen Leser mag das vielleicht etwas ungewohnterscheinen. Nur durch diese Details ist es meiner Meinung nach möglich, sowohlbeim Lesen, aber auch beim Schreiben „mitzufühlen“.

    Dass die Spannung aus der Handlung (Action) heraus entsteht, das hoffe ich auch. Also auch, dass die Details der Handlung nicht den Rang ablaufen. Da hatte ich im ersten Abschnitt ein paar Mal fast die Befürchtung. Z.B. im Bergwerk, wo sehr viele Infos jeder Colloeur auf den Leser einprasseln. Oder wenn Egon zur Krankenstation stürzt, um Hilfe zu holen, und dann erst mal gründlich über das Gebäude und seine Entwicklung erzählt wird. Aber trotz der vielen Infos hat jetzt für mich die Spannung merklich angezogen und ich spüre, dass der Plot sich langsam entwickelt. :)

  • Ich finde es spannend dass Details für euch bedeuten, dass die Spannung ggf. geschmälert wird. Bei mir ist das nicht so, im Gegenteil. Wenn ich einen Waldweg entlang laufe um meinethalben zu einem Picknickplatz zu kommen bemerke ich ja trotzdem noch Details auf meinem Weg. Oh, da ist ein Futterplatz für Wildtiere... (mündet in Gedankengänge, welche Tiere es hier wohl gibt, wann ich kommen müsste um welche zu sehen etc.), ah sieh mal, eine besonders große Buche! (... ich habe gehört, man kann Bucheckern essen. Wenn ich zuhause bin muss ich mal schauen, ob es sogar Rezepte dafür gibt. Ob die gut schmecken?)


    Und so weiter. Bis ich letzten Endes den Platz erreiche wo die große Party steigt habe ich schon etliche Gedankengänge gehabt über Details, die nicht unbedingt zwingend für meine Party sind, aber dennoch das Bild meines Walderlebnisses vervollständigen.

    So ist auch das Buch. Auf den ersten Blick sind manche Details sicher nicht zwingend, aber sie ergeben ein rundes Bild und befriedigen meinen Forschergeist beim Lesen (ich neige dazu nach dem Lesen zu recherchieren über die Themen, da habe ich dann eine viel bessere Basis). Das Buch ist genauso aufgebaut wie ich denken würde.

    Aber mal sehen wie es sich entwickelt.

  • Guten Morgen und vielen Dank für eure Beiträge.


    gagamaus:


    Vielleicht habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt, was die moralische Verantwortung betrifft. „Ruhrpiraten“ ist ein Unterhaltungsroman. Zu keiner Zeit hatte ich den Anspruch, ein Lehr-oder Geschichtsbuch zu schreiben. Ich will auch nicht aufrütteln, belehren und führe keinen Kampf gegen das Vergessen, wenngleich das Beschäftigen mit dieser Zeit bei mir sicher zu einer anderen Betrachtungsweise geführt hat. Das liegt nicht an den gewonnenen Informationen, vielmehr an der Tatsache, dass ich mich tief in die Charaktere hineinbegeben habe; ihre Ängste und Sehnsüchte kenne.

    Wenn man so will, „erlebt“ man das Geschilderte.


    Mit moralischer Verantwortung meine ich, dass ich als Autor, in Anbetracht des unvorstellbaren Leids welches viele erlebt hatten, die Verpflichtung habe, nicht an der Oberfläche zu schreiben.

    Was ist damit gemeint?

    Unser jüdischer Arzt hat in der Geschichte eine Aufgabe. Durch ihn erhält Egon eine Information, die möglicherweise im weiteren Verlauf der Handlung noch eine Rolle spielen könnte. Um diese Information einzubringen, hätte es keiner detaillierten Beschreibung des Arztes bedurft. Er wäre zweidimensional geblieben. Eine schemenhafte Figur. Das hätte dem Plot möglicherweise nicht geschadet.

    Trotz all dem, was dieser Mensch wahrscheinlich schon durchgemacht hat, hilft er dem verletzten Bergmann, was schon einmal etwas über ihn als Menschen aussagt. Durch die Schilderung, wie er versucht, sich das Blut mit Sand von den Händen zu reiben, entsteht ein Bild. Durch dieses Bild ist subtil unserer Aufmerksamkeit geweckt und wir treten näher an ihn heran. Beobachten ihn, lassen uns auf ihn ein. Er beginnt, als Mensch aus der Masse/ aus den Buchstaben herauszutreten. Sein gehetzter Blick führt uns seine Angst vor Augen und lässt uns erahnen, was ihm vielleicht schon alles an Leid widerfahren ist. Wir erfahren, dass er bis auf die Knochen abgemagert ist und weitere Dinge über seine körperliche Konstitution. Er wird zu einer Persönlichkeit. Als er gierig nach dem angebotenen Brot von Egon greift sind wir an dem Punkt angelangt, den ich mit der von mir geschilderten Verantwortung erreichen möchte. Wir gelangen auf eine tiefere, emotionale Ebene. Weil wir uns in ihn hineinversetzen. Und spätestens, als der Wärter auf ihn einschlägt und dieser ausgehungerte und gequälte Mensch das Brot verliert, berührt uns sein Schicksal. Wir fühlen mit ihm.

    Bleibe ich an der Oberfläche, bediene mich nur aus den geschichtlichen Informationen, werde ich den Menschen, den Schicksalen der Zeit nicht gerecht. Ist es so vielleicht deutlicher geworden?

  • Ich mag den Begriff „Regionalkrimi“ eigentlich nicht. Er hat so einen Beigeschmack von Provinzschreiberei, von „Zweiterklasseliteratur“. Das liegt meiner Auffassung nach daran, dass viele Verlage nicht das notwendige Selbstvertrauen haben, sich mit geschwellter Brust vor ihre Autoren zu stellen (Hey! Wir sind das Volk der Dichter und Denker. Schon vergessen?). Streng genommen sind die meisten Romane Regionalkrimis. Ein Buch, welches in New York spielt, ist ebenfalls ein Regio.

    Trotzdem hat der Handlungsort natürlich einen großen Einfluss auf die Leserschaft.

    Wir greifen oft zu Büchern, zu deren Örtlichkeiten wir einen Bezug haben.


    Ruhrpiraten spielt im Ruhrgebiet. Und die meisten Leser werden sich aus den Ruhrmetropolen rekrutieren und ein ganz anderes Interesse an detaillierten Berichten über den Bergbau haben.

    Beschreibungen von Örtlichkeiten werden erst dann zu etwas Besonderem, wenn man diesen erwähnten Bezug dazu hat. Ein Roman, der vor eurer Haustür spielt, wo ihr auf vertraute Örtlichkeiten stoßt, wird ein ganz anderes Interesse bei euch wecken.

    Kennt ihr die Bretonenreihe von Jean-Luc Bannalec?

    Hand auf‘ s Herz. Für mich persönlich, zumindest, was die kriminalistische Handlung betrifft, so ziemlich das Langweiligste, was ich gelesen habe. Aber: meine heißgeliebte Schwiegermutter ist Französin und hat eine lange Zeit in der Bretagne gelebt; ich war also unzählige Male dort.

    Und gerade die detaillierten Beschreibungen der Bretagne, die Schilderungen der Charaktereigenschaften der Bretonen und die seitenlangen Erklärungen zu den verschiedensten Gerichten, haben diese Reihe (für mich schlecht nachvollziehbar) zum Erfolg getragen.


    Eins darf ich aber vorweg nehmen. Ruhrpiraten teilt sich im Grunde genommen in zwei Abschnitte. Im ersten Teil des Buches lernen wir unsere Protagonisten kennen. Wie sie zusammenfinden, wie sie denken und fühlen. Wir erfahren etwas über ihre Gegner. Wir bekommen ein Bild von den Lebensumständen und zeichnen uns ein Bild des kriegsgebeutelten Ruhrgebietes der damaligen Zeit.

    Der zweite Teil des Buches verlässt allmählich diese Erzählweise. Und ich bin sicher, ihr werden im Folgenden sehr nachdenklich werden.

  • Bleibe ich an der Oberfläche, bediene mich nur ausden geschichtlichen Informationen, werde ich den Menschen, den Schicksalen derZeit nicht gerecht. Ist es so vielleicht deutlicher geworden?

    Die Details, die Du bei den jüdischen Arzt beschreibst, meinte ich gar nicht. Es geht mir nicht um Charakterbeschreibungen oder Verhalten der Menschen. Das ist naütrlich wichtig. Ich meinte andere Infos die teilweise auch in Gesprächen transportiert werden. Es wäre jetzt auch kontraproduktiv, wenn ich eine einzige Szene als Beispiel nehme, denn tatsächlich ist es die Summe an Erklärungen, Beschreibungen, geschichtlichen Details, die zwar alle für sich genommen unglaublich interessant sind aber bei denen ich trotzdem in ihrer Fülle das Gefühl hatte, es passiert wenig und es wird viel erklärt. Aber wie gesagt, zum Ende des Abschnittes hin sind Strukturen des Plot da, die das Tempo merklich anziehen. Z.B. dass die Polizei Egon für einen Parolenschmierer und Regimegegener halten und überlegen, wie sie ihn und andere junge Leute, die nicht den Bünden beitreten wollen, dazu zwingen könnten.

    Ich beschreibe hier auch nur einen subjektiven Leseeindruck und dies ist auch kein "Angriff" auf Deinen Erzählstil.


    Ruhrpiraten spielt im Ruhrgebiet. Und die meistenLeser werden sich aus den Ruhrmetropolen rekrutieren und ein ganz anderesInteresse an detaillierten Berichten über den Bergbau haben.

    Beschreibungen von Örtlichkeiten werden erst dannzu etwas Besonderem, wenn man diesen erwähnten Bezug dazu hat. Ein Roman, dervor eurer Haustür spielt, wo ihr auf vertraute Örtlichkeiten stoßt, wird einganz anderes Interesse bei euch wecken.

    Kennt ihr die Bretonenreihe von Jean-Luc Bannalec?

    Hand auf‘ s Herz. Für mich persönlich, zumindest,was die kriminalistische Handlung betrifft, so ziemlich das Langweiligste, wasich gelesen habe. Aber: meine heißgeliebte Schwiegermutter ist Französin undhat eine lange Zeit in der Bretagne gelebt; ich war also unzählige Male dort.

    Du sprichst mir aus der Seele, dass dies eine früchterlich langweilige Serie ist.

    Wobei ich besonders gerne Romane lese, die NICHT vor meiner Haustüre spielen, denn meine Umgebung kenne ich ja zur Genüge. Mich faszinieren eher die "Spannungsromane" die nicht in meiner Zeit und/oder nicht in meiner Gegend spielen. Weil ich da Neues erfahre. Deshalb sollten sie auch spannend sein, sonst lese ich sie nämlich nicht. ;) Wie die Frankreichreihe.


    Regio ist es für mich eigentlich nur, wenn es in der Gegenwart spielt. Und wenn die Region eine entscheidende Rolle spielt. Also z.B. der Ermittler ein typischer Vertreter der Region ist.

    Ruhrpiraten ist für mich bis jetzt ein Histo und kein Krimi.

    Der zweite Teil des Buches verlässt allmählich dieseErzählweise. Und ich bin sicher, ihr werden im Folgenden sehr nachdenklichwerden.

    Das klingt spannend und vielversprechend.^^

  • gagamaus , du schreibst


    Hier kann ich dir nicht ganz zustimmen. Wenn ein wichtiges Thema durch seine Aufbereitung als Unterhaltungsroman schafft, wieder ein bisschen in den Fokus der Menschen zu kommen, dann ist so eine Romanform durchaus legitim und nicht verwerlich. Ich habe in den letzten Monaten zwei Bücher gelesen, die ebensolche wichtigen Themen aufgegriffen haben. Von Clair Winter "Die verbotene Zeit", in der u.a. erzählt wurde, wie Tausende von Nazis es schafften nach dem Krieg in der normalen Gesellschaft wieder unterzutauchen oder sogar integriert zu werden. Und von Daniela Ohms "Wie Treibholz im Sturm", in dem die Kriegstraumata der Menschen zentrales Thema war.

    Beide Bücher sind hochgradig emotionale und intensiv recherchierte Geschichten, aber auch zu 100 % Romane. Und gerade diese Form ist es, die mir viel besser gefällt, als trockene Geschichtsbücher. Denn durch die Empathie zu den Protagonisten kommt man der damaligen Zeit viel näher, als in einer nüchternen Berichterstattung, bei der man doch so oft nicht verstehen kann, wie es so weit kommen konnte und was die Menschen damals wirklich empfunden haben mögen.




    .... Da bin ich ganz bei dir, genauso sehe ich das auch. Ich finde es auch wichtig, das diese Themen immer wieder in Romanen verarbeitet werden. Durch die Protagonisten kommt man dem Geschehenen einfach näher, man erlebt wie sie sich gefühlt haben könnten mit all dem Leid und der Hoffnung.

    Und ich denke auch, dass Romane zur Aufarbeitung bestimmter Themen sehr gut geeignet sind, ohne ein Geschichtsbuch zu sein. Schließlich darf diese Zeit nie vergessen werden.

    Die von dir erwähnten Bücher habe ich auch gelesen, und sie sind mir noch so im Gedächtnis als habe ich sie gestern erst ausgelesen.



    Dieses von dir gewählte Thema " Jugendwiderstand" Mike Steinhausen , finde ich sehr interessant, da ich darüber wirklich noch nichts gelesen habe. Wenn ich ehrlich bin, wusste ich nicht einmal das es ihn gegeben hat. Um so mehr macht es mich froh, dass du dich entschieden hast, darüber zu schreiben :)

  • Nicht im Ansatz würde ich eine andere Meinung als Angriff auf meinen Erzählstil werten. Dafür ist das Niveau hier ohnehin zu hoch. Jeder hat das Recht auf seine eigene/andere Meinung. Wenn ich mich mit meinen niedergeschriebenen Gedanken in die Öffentlichkeit begebe, muss ich Kritik aushalten. Und konstruktive Kritik bringt einem manchmal mehr, als Lob. Ich habe gerade nichts anderes gemacht. Eine Romanreihe für mich persönlich infrage gestellt, die – und das darf man nicht vergessen – eine Bestsellerreihe ist. Wenn jemand zu dem Ergebnis kommt, dass er mit meinen Büchern nicht anfangen kann, sie – auf den Punkt gebracht – sch***e findet, dann hat er das Recht dazu und ich fühle mich nicht aufgefordert, dagegen zu argumentieren, mich zu rechtfertigen und denjenigen umzustimmen. Man stelle sich vor, wir hätten alle den gleichen Geschmack …


    Ruhrpiraten ist kein Krimi. Ehrlich gesagt habe ich selbst Schwierigkeiten, ihn einem bestimmten Genre zuzuordnen. Histo dürfte als Oberbegriff den Kern treffen. Mit Elementen eines Spannungs- und Kriminalromans. Aber so weit sind wir an dieser Stelle noch nicht.


    kessi69:


    Die Geschichte des Jugendwiderstandes in der Nazizeit ist ein Phänomen. Allein im Ruhrgebiet mehrere Zehntausend, im gesamten Reich Hunderttausende und kaum jemand hat das tatsächlich auf dem Schirm. Eine Geschichte, die nur rudimentär und darüber hinaus oftmals nur lokal begrenzt und zeitlich nicht zusammenhängend dokumentiert wurde. Selbst einfachste Dinge scheinen nicht dokumentiert. Wer möchte, darf mal versuchen herauszubekommen, wer in Essen die Leitung der Gestapo innehatte. Der Name findet im Buch lediglich in einem Satz Verwendung. Man sollte meinen, dass so etwas doch ausreichend niedergelegt und schnell herauszufinden ist. Versucht es mal. Viel Vergnügen. Und das gilt für weite Bereiche der Informationen im Buch. Vielleicht liegt es am Begriff des Widerstandes, weil er falsch definiert wird. Ich wurde in einer Lesung gefragt, ob nicht jeder, der nicht für das Regime war, ein Widerständler, wenn nicht sogar ein Held war. Ich denke nicht. In den allermeisten Fällen war es eher eine Form des zivilen Ungehorsams. Die Jugendlichen wussten noch nichts von der Tragweite der Taten dieses Unrechtsregimes. In den 80gern hätte man sie vielleicht als Punks bezeichnet. Selbst Mitglieder der Ehrenfelder Gruppe aus Köln, die einzige, wirklich detailliert aufgearbeitete Geschichte, die ihren traurigen Höhepunkt in der Hinrichtung mehrerer Jugendlicher fand, wurden erst nach vielen Jahren der Status einer Widerstandsbewegung anerkannt. Vorher hatten sie sogar führende Kommunalpolitiker als Verbrechertruppe bezeichnet.