03 - Seite 168 bis Seite 253 (Von "Egon war völlig fertig" bis " ... in den Hausflur.)

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  • Dieser Leseabschnitt, der dritte, hat mich wirklich mitgenommen ihr Lieben.


    Ich meine mir war klar, dass der Widerstand und der Angriff auf Paul Schrader nicht dauerhaft ohne Konsequenzen bleiben kann (dafür waren die Nazis zu eifrig wenn es um die eigenen Getreuen bzw. Kinder hoher Tiere ging) aber mich wundert schon, wie weit sie zu gehen bereit sind. Da werden Leute einfach von ihrem Arbeitsplatz weggerissen und in irgend ein Loch geworfen. Und man macht sich von offizieller Seite aus nicht mal die Mühe, die Eltern zu informieren. Die merken dann nur, dass ihr Kind nicht nach Hause gekommen ist. Was ein Horror.


    Und dann Egon. Hut ab, dass er da standhaft blieb. Bei dem Mitinhaftierten Karl- Heinz hatte ich gleich ein mulmiges Gefühl. Es wurde zwar jetzt nicht explizit gesagt (nur angedeutet durch den Umstand, dass er Dinge wusste die Egon ihm nicht erzählt hatte) aber ich denke es ist recht sicher, dass er ein Spitzel war der sich nur als Mithäftling ausgegeben hat. Er war mir gleich viel zu eifrig und bemüht, den Jungs Angst einzujagen.

    Als Egon seine Unterschrift unter das Vernehmungsprotokoll setzen musste und kaum etwas erkennen konnte hatte ich ehrlich gesagt gedacht sie hätten ihn ein Geständnis unterschreiben lassen, ohne dass er das wirklich mitbekommt. Ich meine, erzählen was da angeblich drin steht können sie ja viel, oder?

    Irgendwann glaubt man nichts und niemandem mehr.


    Ich bin jedenfalls stolz auf die Jungs, dass sie dicht gehalten haben, obwohl sie sicher ordentlich was eingesteckt haben. Dennoch... es stimmt schon. Ein einziges Abweichen, eine einzige scheinbare Lücke in der Antwort und sie lassen dich nicht mehr vom Haken. Ich denke nicht, dass das in irgendeinem Verhör dieser Welt anders ist. Alles basiert auf Psychoterror, mild oder hart.


    Ist ziemlich viel passiert in diesem Abschnitt... den anderen Teil nehme ich mir später heute noch vor hier, sonst wird es ein Riesen- Mammutpost.

  • So, weiter im Text.


    Die erste Länge, wo ich wirklich merkte, das war mir zuviel, hatte ich bei dem Gespräch des Ortsleiters, Schrader, Müller und so weiter. Das war mir deutlich zuviel Beamten Blabla. Ich merkte buchstäblich wie da meine Aufmerksamkeit erlahmte und mir beinahe die Augen zufielen- aber die Stelle war zum Glück schnell vorbei.

    Ich machte dann eine Pause und las die Stelle nochmal, und beim zweiten Mal fand ich es entbehrte nicht einer gewissen Situationskomik (wenn das Thema nicht so ernst wäre), was für ein Theater die Herren da spielen. Diese elende Schieberei von Verantwortung von A über B nach C. Es kam mir wirklich vor wie ein Kasperltheater- alle Herren debattieren darüber wer denn jetzt die Unangepassten bestrafen muss und wie, aber keiner kommt darauf, wie bescheuert das Ganze eigentlich ist. Also- im zweiten Durchlauf musste ich sogar (böse) grinsen.



    Und nun? Nun sitze ich mit Egon, Fritz und Karl da und sehe, wie die Nazis durch die Hinterhöfe kommen, um sie zu fassen. Klingt ja erstmal ganz gut der Plan durch den Boden abzuhauen- ich hoffe nur, sie haben den Fluchtweg auch geprobt und stoßen nicht auf irgendein Hindernis, das sie nicht erwartet hatten. Das ist ein verdammt gefährliches Spiel was sie da spielen- wenn es allerdings tatsächlich klappt, war das ein absolut genialer Schachzug. Endlich wissen wir auch, wo Jupp sein Diebesgut hernimmt! Ganz schön tapfer, der Kerl...

  • Ich fand den dritten Abschnitt sehr emotional und erschütternd. Ich habe schon einiges gelesen oder in Dokus gesehen. Aber das sogar Jugendliche auf brutalste Art und Weise gequält wurden um an Informationen zu kommen, war mir so nicht bekannt.


    Fritz war schon vor Egon in Haft genommen worden. Das Fritz ein Verräter sein sollte konnte ich nicht glauben. Auch nicht, als Egon Fritz seine Unterschrift vorgelegt wurde. Ein tapferer und loyaler Bursche ist Egon. Er hat Fritz seinen Rat befolgt und immer wieder behauptet, er wisse von nichts. Völlig nachvollziehbar für mich, dass etwas in Egon zu Bruch gegangen ist. Auch das er denkt, die deutsche Bevölkerung müsste davon erfahren wie mit ihnen umgegangen wird. Was er sehen musste, ließ seine Welt aus den Fugen geraten. Ich meine den Mann der an dem Haken im Raum hing. Diese Foltermethode ist schon so alt und findet immer wieder seine Anwendung, schon im Mittelalter wurden die Menschen auf diese Art gefoltert.

    Diesen Karl Heinz und Bruno, die beiden hatte ich als eingeschleuste Spitzel unter Verdacht. Aber wer weiß, sie waren dann mit einem Mal weg.


    Gerade gestern kam bei ZDF Info eine Doku über den Nürnberger Prozess. Da war Willi Brand als Journalist anwesend. Und er stellte die Frage, warum nicht auch deutsche Ankläger zugelassen wurden,denn schließlich wurde auch an ihnen ein Verbrechen begangen. Das nur am Rande.


    Als Egon wieder zu Hause war, fand ich eine Situation sehr makaber. Als Erich ihm sagte, seine Mutter hätte sich dafür eingesetzt, dass er in der Zeche weiter arbeiten könnte. Hallo, geht's noch? Keiner fragt ihn wie es ihm geht, ob er Schmerzen hat, geschweige denn das er gepflegt wird.

    Natürlich möchte Egon nicht, dass Annemarie ihrer Mutter weggenommen wird.


    So schnell lassen sich die Ruhrpiraten jedoch nicht klein kriegen. Weiterhin gehen sie große Wagnisse ein, um etwas zu bewegen und um von sich abzulenken.

    Doch auch bei den anderen ist zu bemerken, dass sich etwas geändert hat. Die Leichtigkeit ist verfolgen,die Freuden der letzten Wochen verschwunden. Was bleibt, die Ernsthaftigkeit, die der Krieg mit sich bringt.

    Erika ist ebenfalls noch dabei, wobei für sie die Zeit davon läuft. Ihr Vater wurde verhaftet und sie versucht ihn frei zu bekommen.

    Die Sache am Güter Bahnhof war ganz schön spannend. Ich habe gedacht, die sind doch verrückt und werden erwischt. Und als sie dann von zwei bewaffneten Typen dingfest gemacht wurden, glaubte ich......das war's jetzt.

    Aber als die Waffen den Besitzer gewechselt haben, hab ich nur gehofft das sie nicht schießen.


    Nun der Plan mit den falschen Kennkarten. Zuerst habe ich gar nicht verstanden was der Sinn sein soll. Aber nun ist alles klar. Erika hat so glaubwürdig wie möglich Müller Informationen geliefert. Aber ich verstehe nicht so ganz, warum sie das Wagnis eingehen und sich im besagten Gebäude aufhalten. Ihnen muss doch klar sein, dass ihnen die Flucht nicht gelingt,dass etwas schief geht oder, oder. Klar, die Idee mit dem Rucksack ist nicht schlecht, aber in meinen Augen das Risiko zu groß. Wenn Egon und Fritz nun zum zweiten mal in Gefangenschaft geraten, befürchte ich nichts Gutes.


    Nun wissen wir auch was mit Fritz seinen Bruder geschehen ist. Es ist alles so grausam, so viel Leid bringt der Krieg, egal in welchem Jahrhundert.


    Dieses Kompetenz Gerangel zwischen den Kriminalbeamten und Schrader, sowie die offene Feindseligkeit zwischen Müller und Gettenberg, fand ich ganz interessant. Auch welche Gesetze und welcher Erlass wann getroffen wurde. Aber es war mir ein wenig zu lang das Ganze.


    Nun bin ich gespannt ob die Ruhrpiraten entkommen können.

    Ach eines noch, es gibt vielleicht ein Pärchen:) Karl und Erika. Ich hätte gedacht, dass Erika ihren Retter mehr mag.

  • . Da werden Leute einfach von ihrem Arbeitsplatz weggerissen und in irgend ein Loch geworfen. Und man macht sich von offizieller Seite aus nicht mal die Mühe, die Eltern zu informieren. Die merken dann nur, dass ihr Kind nicht nach Hause gekommen ist. Was ein Horror.


    Und dann Egon. Hut ab, dass er da standhaft blieb. Bei dem Mitinhaftierten Karl- Heinz hatte ich gleich ein mulmiges Gefühl.

    Eine schreckliche Vorstellung, nicht zu wissen wo mein Kind ist. Wo schon die Abmahnungen ins Haus kamen und die HJ vor der Tür stand. Da malt man sich doch die schlimmsten Sachen aus.


    Ich habe auch bestaunt,dass Egon dem allen Stand gehalten hat. So wie du auch hatte ich die beiden in Verdacht, die haben sich zu auffällig verhalten.

  • Hallo zusammen und ein erneutes Dankeschön für eure Beiträge.


    Ich muss gestehen, dass ich bei dem Gespräch zwischen dem Ortsgruppenleiter und den Polizisten überlegt habe, wie viel Informationen man einem Leser zumuten kann.

    Zu Beginn des Manuskripts und insbesondere während des Schreibens, hatte sich bei mir ein gewisses Verantwortungsgefühl entwickelt, den Roman so authentisch wie nur möglich zu gestalten.

    Und da halte ich es für unabdingbar, einige Sachlagen auch zu erklären. Wenn im Buch erzählt wird, dass es eine Jugendpflichtdienstverweigerung von bis zu 50% in Teilen eines Banns gab, so wird der ein- oder andere Leser sich möglicherweise die Frage stellen, was denn nun stimmt. Die gängige Ansicht, dass kaum jemand sich dem System entziehen konnte, oder die hier geschilderte Situation?

    Beides passt nicht richtig zusammen. Auf der einen Seite ein lückenloser Überwachungsstaat, auf der anderen Seite mehrere Tausend Jugendliche allein im Ruhrgebiet.


    Tatsächlich war es so, dass es den Nazis und insbesondere der Gestapo gelang, einen fiktiven, aber von der Bevölkerung als real empfundenen Dämon zu schaffen der in der Lage war, in jeden Winkel des Reiches zu sehen. Nicht durch eigene Kraft. In Anbetracht der desolaten Personallage wäre dies nicht möglich gewesen. Man lebte vom Denunziantentum, welches man zur Perfektion ausarbeitete.

    Allein im Ruhrgebiet lebten tausende von geflohenen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen im Untergrund. Dieses „Kompetenzgerangelgespräch“ ist ein Abschnitt, der den Plot nicht unbedingt vorantreibt. Er dient in erster Linie dazu ein Verständnis für die Probleme der Verfolgungsbehörden und für die Tatsache zu entwickeln, warum es den Nazis nicht gelang, diese unangepassten Jugendgruppen unter Kontrolle zu bekommen.


    Leser historischer Romane, gerade aus der Zeit des Nationalsozialismus, lesen ein solches Buch oftmals kritischer. Du hast als Autor nur einen sehr engen Raum, in dem du dich in der Epoche frei bewegen kannst. Die Geschichte hat stattgefunden und ist historisch detailliert aufgebarbeitet. Die darf ein Autor nicht verändern. Das darf nur Quentin Tarantino. Und der kann das.

  • Mittlerweile ist es hinreichend bekannt, dass junge Menschen, Jugendliche, Heranwachsende in großer Zahl für ihre Ablehnung dem Regime gegenüber mit dem Leben bezahlten.

    Die hier dargestellten Folterszenen sind fiktive Sequenzen.

    Ich habe einige Zeugenaussagen von Folteropfern finden können, welche die im Buch dargestellten Szenen so ähnlich erlebt haben. Auch die Verhörmethoden, das Drohen, das Versprechen … all diese Dinge finden sich in vielen Berichten.


    Wer sich über das Buch hinaus etwas für die Geschichte der Jugend der damaligen Zeit interessiert, dem sei folgende Seite ans Herz gelegt. Ich hoffe, ich darf den Link hier einfach so einfügen.


    http://www.jugend1918-1945.de/…ma.aspx?root=8937&id=4959


    Es finden sich viele Informationen in unzähligen Unterpunkten, die über die Inhaltsleiste auf der linken Seite zu erreichen sind.

  • Mike Steinhausen , klar darfst du. Wir sind über solche Infos die zum Thema des Buches passen immer sehr dankbar. Ich habe schon reingeschaut und mir die Seite abgespeichert. So kann ich hier wieder ein wenig mehr erfahren. Danke dafür.


    Es ist völlig in Ordnung das du das Gespräch mit dem " Kompetenz Gerangel" und dessen Inhalt ausführlich geschildert hast. Es ist natürlich informativ und interessant. Aber da kannst du sehen wie unterschiedlich die Leser es empfinden. Das mindert für mich aber noch lange nicht die Qualität des Romans. Mir gefällt er nach wie vor.

  • Mir auch! Ich habe im Nachhinein und nach deiner Erklärung durchaus verstanden, dass diese Szene wichtig ist. Und selbst wenn es immernoch nicht meine Lieblingsszene sein mag, finde ich ja trotzdem den Rest des Buches toll.

  • Ach eines noch, es gibt vielleicht ein Pärchen :) Karl und Erika. Ich hätte gedacht, dass Erika ihren Retter mehr mag.

    Ich hatte gleich auf Karl getippt, als Erika zur Gruppe stieß. Mehr gefühlsmäßig und aus der Unterhaltung, die sie mit Egon führte als er sie zum ersten Mal nach der Rettung traf. Da hat so gar nix geknistert, fand ich. ;)


    Ich fand den dritten Abschnitt sehr emotional und erschütternd. Ich habe schon einiges gelesen oder in Dokus gesehen. Aber das sogar Jugendliche auf brutalste Art und Weise gequält wurden um an Informationen zu kommen, war mir so nicht bekannt

    Eigentlich hätten wir das schon wissen müssen. Wenn man bedenkt, wie viele Kinder und Jugendliche getötet wurden, warum sollten die dann nicht auch gefoltert werden. Aber ich bin ganz allgemein auch immer wieder baff, dass es ja eine wirkliche Diktatur war, die da im Mantel der "Demokratie" in Deutschland regierte. Recht und Gesetz waren nur vorgeschoben und wurden so gebeugt, wie sie es wollten. Das erschreckt mich z.B. auch immer in den Kutscher-Romanen, die ja noch vor dem Krieg spielen aber schon zeigen, wie die Daumenschrauben Jahr für Jahr von den Nazis angezogen wurden. Im Krieg nahmen sie sich dann alle Freiheiten. Zur Not war halt jeder ein Volksverhetzer, Spion, Feind.

  • Dieses Kompetenz Gerangel zwischen den Kriminalbeamten und Schrader, sowie die offene Feindseligkeit zwischen Müller und Gettenberg, fand ich ganz interessant. Auch welche Gesetze und welcher Erlass wann getroffen wurde. Aber es war mir ein wenig zu lang das Ganze.

    Die Gespräche der Herren von der Staatsgewalt waren ja schon im ersten Abschnitt etwas, was für mich über ein normales Gespräch hinaus ging. Also da wurde sehr viel wichtige Info transportiert aber ich fand die Gesprächsstruktur fast etwas überzogen. Es war wie ein dozieren. Natürlich war es auch ein Aufplustern der Herren voreinander.


    Manlebte vom Denunziantentum, welches man zur Perfektion ausarbeitete.

    Das setzte sich in der DDR fort. Da wurde ähnliches praktiziert und das Volk machte mit. :o

  • Ja, es ist schon erschreckend wozu Menschen im Stande sind wenn sie glauben, es bringt ihnen einen (und auch noch so kleinen) Vorteil. Jeder ist sich selbst der nächste. Das war damals so und hat sich eigentlich auch nicht wesentlich geändert.


    Mir geht es so wie euch- es ist auch etwas ganz anderes nur zu wissen 'dass eben gefoltert wurde' und es bildhaft beschrieben zu bekommen. Das geht mir dann schon weit näher. Ganz besonders natürlich wenn ich einen Charakter so lieb gewonnen habe wie Egon.

  • Mir geht es so wie euch- es ist auch etwas ganz anderes nur zu wissen 'dass eben gefoltert wurde' und es bildhaft beschrieben zu bekommen. Das geht mir dann schon weit näher. Ganz besonders natürlich wenn ich einen Charakter so lieb gewonnen habe wie Egon.

    Ja, die Jungs erinnern mich an meine eigenen Söhne. Ich versuche mir immer vorzustellen, wie es ihnen damals gegangen wäre und bin heilfroh, dass sie in der "richtigen" Zeit geboren wurden.

  • Uff, das stelle ich mir aber auch irgendwie schwierig vor, bzw. emotional belastend- sind deine Jungs denn genau in dem Alter wo Wehrmacht etc. ein Thema für sie wäre, wenn sie ein paar Jahre früher geboren worden wären?

  • Sie sind Anfang 20 - also ist das Teenageralter mir noch recht präsent. Es belastet mich jetzt emotional nicht. Aber ich empfinde große Empathie für die Jungs im Buch.

  • Entschuldigt, diese Wetterumschwünge von Regen bis zum Abwinken, dann großer Sonnenschein, wieder Regen, wieder Sonne ... Das macht mich gerade fertig. Ich war eigentlich nie so der Mensch, der auf Wetter reagiert hat, aber gerade bin ich ständig müde und schlafe über jedem Buch ein.

    Als Egon seine Unterschrift unter das Vernehmungsprotokoll setzen musste und kaum etwas erkennen konnte hatte ich ehrlich gesagt gedacht sie hätten ihn ein Geständnis unterschreiben lassen, ohne dass er das wirklich mitbekommt. Ich meine, erzählen was da angeblich drin steht können sie ja viel, oder?

    Das war auch mein erster Gedanke. Allgemein empfand ich die Gefängnisszenen sehr bedrückend. Egon hat nun wirklich nicht viel verbrochen und dafür muss er diese Tortur überstehen. Auch die hygienischen Verhältnisse sind wirklich widerwärtig, von ihren Verhör"methoden" mal abgesehen. Ich habe mich wirklich auch ans Mittelalter erinnernt gefühlt. Und dann dieser Wisch - ich hab Egon auf jeden Fall im Geiste angefleht nicht zu unterschreiben oder es sich zumindest vorher durchzulesen. Aber hätte das was geändert? Wohl eher nicht.

    Wie er den Glauben an Fritz nicht verloren hat, fand ich auch erstaunlich. Auch hat er den Spion in der Zelle ausgemacht. Da sieht man wieder, was für ein kluger Kopf Egon ist.

    Zuerst habe ich gar nicht verstanden was der Sinn sein soll. Aber nun ist alles klar.

    Ich war auch bis zum Schluss verwirrt, warum sie auf Güterzüge springen wollen etc. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt,ob ich etwas überlesen habe. Aber nein, schien gewollt. ;) Und am Ende wird aufgeklärt. Sie brauchten Geld und Zigaretten sind gerade mehr wert und es ist wohl auch einfacher einen Güterzug zu überfallen als eine Bank. Es hat auf jeden Fall für ordentlich Spannung gesorgt - ich hätte nicht gedacht, dass sie da noch heil herauskommen.

    Ich hätte gedacht, dass Erika ihren Retter mehr mag.

    Hätte ich auch - oder zumindest gehofft. Vor allem ist mir Egon selbst viel sympathischer als Karl. Aber gut, den kennen wir schließlich auch besser. ;)

    Manlebte vom Denunziantentum, welches man zur Perfektion ausarbeitete.

    Das finde ich, ist fast das Schlimmste an der Zeit. Man wusste irgendwann einfach nicht mehr, wem zu trauen war und wem nicht. Selbst sogenannte Freunde oder Verwandte konnten zu Verrätern werden. Das hat nebenbei auch noch einen wahnsinnigen psychologischen Effekt.

  • Mir geht es so wie euch- es ist auch etwas ganz anderes nur zu wissen 'dass eben gefoltert wurde' und es bildhaft beschrieben zu bekommen. Das geht mir dann schon weit näher. Ganz besonders natürlich wenn ich einen Charakter so lieb gewonnen habe wie Egon.

    Ja, die Jungs erinnern mich an meine eigenen Söhne. Ich versuche mir immer vorzustellen, wie es ihnen damals gegangen wäre und bin heilfroh, dass sie in der "richtigen" Zeit geboren wurden.

    Ich hätte mir da eher Sorgen um unsere Tochter machen müssen, als um unseren Sohn. Die war nämlich allem gegenüber sehr rebellisch in dem Alter wie die Jungs jetzt sind. Die hatte wirklich Schwierigkeiten den Normen und Regel zu folgen. Da konnten wir predigen wie ein Buch. Auch die Konsequenzen die ihr aufgezeigt wurden interessierten sie nicht:o aber nun ist zum Glück alles gut:)