04 - Seite 253 bis Seite 331 (Von "Dumpfe Geräusche." bis "... Zündholz an der Reibefläche.)

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  • So... jetzt spitzt es sich wirklich richtig zu. Ich habe auf meinen Fingernägeln gekaut vor Spannung... und es fiel mir jetzt wirklich sehr schwer, das Buch bis morgen nochmal weg zu legen, wo dann der letzte Abschnitt dran ist.


    Erstmal: Was war ich saufroh dass die Jungs gerade eben noch so aus dem Haus entkommen sind. Im Nachhinein war das Ganze schon ziemlich leichtsinnig, andererseits ehrt es sie auch, schließlich wollten sie damit Erika schützen, die ja sonst schlicht und ergreifend mit ihrem Vater abtransportiert worden wäre.

    Insofern: Ich kann schon verstehen, dass man das für eine Freundin tut. Bewundernswert, umso schlimmer, dass sie Erika nun leider doch nicht vor allem schützen konnten.


    Bei dieser Szene war dann auch mein letzter Zweifel hinweg gewischt, dass Paul Schrader noch irgendwelche Grenzen kennt. Er ist wirklich ein ganz vorbildlicher Nationalsozialist. Ich denke auch nicht- selbst wenn das rauskäme, wo er ja klug vorgesorgt hat- dass es irgendwelche rechtlichen Folgen für ihn hätte. Nicht wenn man bedenkt, welche Stellung Papi innehat. Aussage gegen Aussage und so.

    Das war für mich wirklich eine bittere Pille, dass er damit wahrscheinlich davon kommen wird.

    Allerdings war das wohl wirklich kein Einzelfall.


    All dieser Psychoterror, die Angst, der Schrecken und der Druck dringen wirklich durch jede Zeile und haben mich stellenweise den Atem anhalten lassen. Dass es wahrscheinlich kein Friedefreudeeierkuchen- Ende geben wird, ist mir klar. Das wäre ja unrealistisch. Aber ich hoffe einfach so sehr dass meine liebgewonnenen Protagonisten irgendwie heil aus der ganzen Sache rauskommen. Vielleicht fliehen sie doch noch?

    Nur... wohin?


    Am meisten flattere ich jetzt natürlich wegen Karl. Ob er da seinen Hals aus der Schlinge ziehen kann? Ob man ihn bereits beobachtet oder nur auf ihn wartet?

  • Als wenn ich es geahnt habe. Die Aktion in dem Haus hat zwar letztendlich funktioniert, aber es war ganz schön eng. Der Fluchtweg, den die drei Jungs sich ausgedacht haben, war nicht ganz optimal. Sie mussten durch die Kanalisation, was sich als Sackgasse herausstellte. Und die Szene mit dem Hund.....oh, das war spannend. Auch wenn ich selber einen Hund habe, blieb Fritz keine andere Wahl, ansonsten wären sie böse zugerichtet worden.

    Das Karl im Dunkeln Panik geschoben hat, kann ich nachvollziehen. Nichts ist schlimmer als nichts zu sehen und wenn ich dann noch Geräusche gehört hätte, wäre es wahrscheinlich auch um mich geschehen.

    Aber dank Egon haben sie eine Möglichkeit gefunden, einen Ausgang zu finden. Interessant fand ich die Aussage der Bergleute, die Egon durch den Kopf ging. Das man im Dunkeln irgendwann anfängt Licht zu sehen, wo gar keins ist.


    Sie bleiben hartnäckig und nachdem sie überlegt haben was sie überhaupt noch machen können um etwas zu bewegen, kam die Idee mit den Flugblättern.

    Alle gehen sie mit der Verteilung ein großes Wagnis ein, aber auch Wände haben sie mit Botschaften beschrieben. Diese ganzen Aktionen machen Schrader rasend vor Wut. Müller, der zwar den Rucksack mit den Papieren, Tüchern und Paul sein Messer gefunden hat, kann die Aktion als nicht besonders erfolgreich verbuchen. Dieser Stahlschmidt ist glaube ich ebenfalls ein ganz harter Hund. Ich sehe sie alle als hochgradig gefährlich, denen traue ich alles zu um an ihr Ziel zu kommen. Wie sagt man.....die gehen über Leichen...


    Genau wie Paul Schrader, der hat ebenfalls Ziele und dreht auch immer mehr am Rad. Das er sich nun auch noch eine Waffe besorgt hat, macht mich mehr als unruhig. Und er ist in meinen Augen ein Schwein.....vergeht sich an Erika und setzt sie dann unter Druck. Mir vielen die Worte, wenn ich daran geglaubt habe, dass er dafür sorgt Erika ins KZ schicken zu lassen, aber das?


    Das Gespräch, welches Erika mit Heinz über ihren Glauben und Gott geführt hat, fand ich sehr bewegend. Er hat seinen Glauben schon lange verloren, denn nun wissen wir warum und seit wann er stottert. Und nur Karl wusste bis jetzt davon. Auch Karl hat keine Eltern mehr, so viele schlimme Schicksale.



    Erika hat hat nun auch ihren Glauben verloren, das arme Mädchen. Die Scham ist unendlich groß und dass ihr Vater und Karl mit angesehen haben, wie sie versucht sich den Dreck von Paul abzuwaschen, vergrößert sie noch.

    Aber, sie ist entschlossen und ich hoffe inständig, dass sie in Sicherheit bleibt. Auch Heinz wurde in Sicherheit gebracht. Bei ihm ist es noch schlimmer, dass Paul Schrader nun weiß das er Jude ist, macht es für ihn noch schlimmer. Wenn man bedenkt, dass die Stadt offiziell Judenfrei ist, kann man sich vorstellen wie das abgelaufen ist.


    Eigentlich ist alles suboptimal für die Ruhrpiraten. Alle wurden aus der HJ entlassen, Egon und Fritz erleben die Hölle in der Zeche und Egon überlegt sogar hin zu schmeißen.

    Das auch die Mutter darunter zu leiden hat und keine Lebensmittel mehr bekommt ist sehr tragisch. Da könnte nun aber wirklich der Erich losgehen um Essen zu besorgen.


    Jetzt im Moment müssen sie sich alle verstecken und Karl will Schraders Haus in Schutt und Asche legen. Meine Güte, dass ist mehr als spannend und ich habe immerzu um das Leben der Jungs und Erika große Angst.

    Was geschieht mit Erika ihrem Vater und mit Egon seiner Familie. Die kleine Annemarie leidet so darunter ihren geliebten Egon kaum noch zu sehen.


    Mir fallen noch zwei Dinge ein, die Beschreibung der Bomben und was sie für Schaden anrichten fand ich interessant aber auch erschreckend. Und die Bezeichnung, oh Schitt jetzt komme ich nicht drauf....die, wo die Briten beabsichtigen die Bevölkerung durch die nächtlichen Bombardements zu zermürben. Das ist ja auch eine grausame Taktik. Die zivile Bevölkerung ist eh schon zermürbt, durch die Zerstörung und die mangelnde Nahrung.


    Gehörte die Pauluskirche in Essen der Paulusgemeinde? Ich habe gelesen, dass die im zweiten Weltkrieg zerstört und 1950 komplett abgerissen wurde.


    Ein kleiner Fehler hat sich im eBook Seite 195 eingeschlichen. Da geht es um Heinz, als Schrader ihn gerade in die Enge getrieben hat. Da steht einmal anstelle von Heinz Egon.

  • Oh man, das Buch wird ja noch richtig dramatisch. Irgendwann im Laufe des Abschnitts habe ich mich gefragt, wie das Buch wohl enden mag. Die Nazis werden ja nicht von unseren Ruhrpiraten ablassen, aber dass sie sich nach all dem Beugen erschien mir auch unrealistisch. So langsam zeichnet sich ein anderer Weg ab: die Flucht. Wahrscheinlich ist es das beste für sie, aber drei Jahre werden sie noch fliehen müssen. Keine kurze Spanne, vor allem da Lebensmittel immer knapper werden.

    Aber erstmal muss Karl seine Racheaktion überstehen. Oh je, oh je. Ob das gut gehen kann? Bisher hat Mike aus jeder verträumten Situation einen Ausweg gefunden und diese Auswege fand ich immer großartig. Es war bis dahin absolut spannend und ich hab das ein oder andere Mal wirklich die Hoffnung auf ein gutes Ende aufgegeben gehabt. Doch jetzt bei Karl bin ich so pessimistisch wie noch nie vorher. Das Buch ist fast zu Ende und das einer der Jungs es nicht schaffen wird, ist ja nicht ganz aus der Luft gegriffen...


    Erikas Schicksal ging mir auch unglaublich nahe. Männer wie Paul Schrader, die es nötig haben, so seine Macht und körperliche (!) Überlegenheit ausspielen müssen, widern mich an. Da finde ich kaum Worte für.

    Und dann der Abschied vom Vater ging mir sehr nahe. Sie kann keine Nähe zu lassen und weiß, es wird sie irgendwann unendlich traurig machen. Oh man, das ist so traurig. Vor allem kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr Vater ihre Flucht überleben wird. Man wird ihn schnappen, einsperren und töten. Also werden sie sich sicher nicht wieder sehen... :(

  • So langsam zeichnet sich ein anderer Weg ab: die Flucht. Wahrscheinlich ist es das beste für sie, aber drei Jahre werden sie noch fliehen müssen.

    Doch jetzt bei Karl bin ich so pessimistisch wie noch nie vorher.


    Erikas Schicksal ging mir auch unglaublich nahe. Männer wie Paul Schrader, die es nötig haben, so seine Macht und körperliche (!) Überlegenheit ausspielen müssen, widern mich an.

    Und dann der Abschied vom Vater ging mir sehr nahe. Sie kann keine Nähe zu lassen und weiß, es wird sie irgendwann unendlich traurig machen.

    Ich habe schon oft gedacht, warum sie nicht fliegen und untertauchen um allem zu entgehen. Doch dann kam die Frage, wie wollen sie sich ernähren, es hat ja kaum noch jemand etwas zu essen. Und der Winter steht vor der Tür, das ist nicht zu schaffen. Dann die ständige Angst erwischt zu werden, selbst in den Wäldern war es nicht mehr sicher.


    Karl ist ausser sich vor Wut, da kommt man schnell auf dumme Gedanken, die einem zum Verhängnis werden können.


    Mich hat Erikas Schicksal auch sehr berührt und Paul Schrader hat mich nur angeekelt. Solchen müsste man ihr bestes Stück scheibchenweise abschneiden, jeden Tag ein bisschen.

    Ich fand den Moment mit dem Abschied richtig traurig, wenn sie nicht einmal mehr die Nähe ihres Vaters ertragen konnte. Da konnte man sehen wie alles in ihr zerbrochen ist.

  • Ich habe schon oft gedacht, warum sie nicht fliegen und untertauchen um allem zu entgehen. Doch dann kam die Frage, wie wollen sie sich ernähren, es hat ja kaum noch jemand etwas zu essen. Und der Winter steht vor der Tür, das ist nicht zu schaffen. Dann die ständige Angst erwischt zu werden, selbst in den Wäldern war es nicht mehr sicher.

    Untertauchen in Deutschland in so einer großen Gruppe ist kaum möglich über längere Zeit. Zumindest nicht ohne fremde Hilfe. Und es sind ja schon junge Leute - fast noch Kinder. So einfach gehen die nicht in den Untergrund und sie haben keinerlei falsche Pässe, Geld oder Beziehungen. Wohin sollten sie auch fliehen. Ringsrum ist Krieg.

  • Erikas Schicksal ging mir auch unglaublich nahe. Männer wie Paul Schrader, die es nötig haben, so seine Macht und körperliche (!) Überlegenheit ausspielen müssen, widern mich an. Da finde ich kaum Worte für.


    Und dann der Abschied vom Vater ging mir sehr nahe. Sie kann keine Nähe zu lassen und weiß, es wird sie irgendwann unendlich traurig machen. Oh man, das ist so traurig. Vor allem kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr Vater ihre Flucht überleben wird. Man wird ihn schnappen, einsperren und töten. Also werden sie sich sicher nicht wieder sehen... :(

    Erikas Schicksal geht mir auch nahe. Aber sie ist unglaublich stark. Ich fand auch gut, dass Schraders Innenleben genauer beschrieben wurde. Das auch die Täter immer wieder mal "zu Wort" kommen mit ihren Gedanken und Empfindungen.

  • Ich habe schon oft gedacht, warum sie nicht fliegen und untertauchen um allem zu entgehen. Doch dann kam die Frage, wie wollen sie sich ernähren, es hat ja kaum noch jemand etwas zu essen. Und der Winter steht vor der Tür, das ist nicht zu schaffen. Dann die ständige Angst erwischt zu werden, selbst in den Wäldern war es nicht mehr sicher.

    Untertauchen in Deutschland in so einer großen Gruppe ist kaum möglich über längere Zeit. Zumindest nicht ohne fremde Hilfe. Und es sind ja schon junge Leute - fast noch Kinder. So einfach gehen die nicht in den Untergrund und sie haben keinerlei falsche Pässe, Geld oder Beziehungen. Wohin sollten sie auch fliehen. Ringsrum ist Krieg.

    Ja, das ging mir dann auch durch den Kopf. Es gab einfach keine andere Möglichkeit für sie,nalso mussten sie bleiben.

  • Da musste ich mich jetzt erstmal informieren... aber es gab ja wirklich keinen Ausweg drum herum. Belgien, Niederlande... und auf den anderen Seiten erst recht nicht. Das macht es irgendwie beklemmend... denn normalerweise bleibt einem wenigstens noch dieser Ausweg, also das Ausland...

  • Da musste ich mich jetzt erstmal informieren... aber es gab ja wirklich keinen Ausweg drum herum. Belgien, Niederlande... und auf den anderen Seiten erst recht nicht. Das macht es irgendwie beklemmend... denn normalerweise bleibt einem wenigstens noch dieser Ausweg, also das Ausland...

    Ja, so hatte ich auch erst gedacht. Aber da gab es nichts

  • Ich habe schon oft gedacht, warum sie nicht fliegen und untertauchen um allem zu entgehen. Doch dann kam die Frage, wie wollen sie sich ernähren, es hat ja kaum noch jemand etwas zu essen. Und der Winter steht vor der Tür, das ist nicht zu schaffen. Dann die ständige Angst erwischt zu werden, selbst in den Wäldern war es nicht mehr sicher.

    Untertauchen in Deutschland in so einer großen Gruppe ist kaum möglich über längere Zeit. Zumindest nicht ohne fremde Hilfe. Und es sind ja schon junge Leute - fast noch Kinder. So einfach gehen die nicht in den Untergrund und sie haben keinerlei falsche Pässe, Geld oder Beziehungen. Wohin sollten sie auch fliehen. Ringsrum ist Krieg.

    Ihr habt sicher Recht, aber so geht es doch gerade auch nicht wirklich weiter. Für mich stellt sich zu diesem Zeitpunkt halt die Frage: Was ist wahrscheinlicher? Dass sie es schaffen, sich in Wäldern zu verstecken und von all dem was dort geboten wird zu ernähren? Evtl. es sogar schaffen über die Eifel bspw. fliehen zu können? Oder dass die Nazis sie ungeschoren davon kommen lassen? Aber sich über Fluchtrouten etc. zu informieren, dafür fehlten ihnen sicherlich auch die Mittel. Vielleicht hätte Herr Baumeister helfen können?

  • Avila , manchmal hab ich so in mich gehorcht und mir vorgestellt was ich gemacht hätte. Über Flucht nachdenken wäre mit Sicherheit nicht ausgeblieben, aber hätte ich meine Familie alleine im Ungewissen lassen können? Ich glaube nicht, dass hätte ich nicht übers Herz gebracht.

  • Die Familie ist wirklich ein Knackpunkt mit denen die Nazis ja auch viel gespielt haben. Denn ist ja nicht nur nie Ungewissheit (damit hätte ich wohl noch am ehesten leben können), sondern man wusste, dass man die Familie damit explizit in Gefahr bringt. Denn erstmal haben sie ja immer die Familie verhört und ihre Verhörmethoden hatte Egon ja bereits am eigenen Leib erfahren... Ja, Flucht war nicht unbedingt einfach.

  • Avila , manchmal hab ich so in mich gehorcht und mir vorgestellt was ich gemacht hätte. Über Flucht nachdenken wäre mit Sicherheit nicht ausgeblieben, aber hätte ich meine Familie alleine im Ungewissen lassen können? Ich glaube nicht, dass hätte ich nicht übers Herz gebracht.

    Über so etwas sinniere ich auch immer. Und ich bin auch ein sehr ortgebundener und familienbezogener Mensch und würde wirklich nur im äußersten Notfall eine Flucht in Erwägung ziehen und dann am liebsten mit all meinen Lieben und an einen Ort, den ich bereits kenne. Ich möchte nie in so eine ausweglose Lage kommen.

  • Apropos nicht in diese Lage kommen wollen... ich denke, das wünscht sich jeder. Das ist jetzt ein anderer Grund, aber meine Lieben und ich haben so einen Fluchtplan, der im Notfall zur Ausführung kommen würde.


    Grund: Wir wohnen ziemlich nahe an Tihange. Das ist ein Atomkraftwerk nahe der Grenze, das in der Kritik ist, weil es stellenweise Risse und Co. hat. Meine Stadt verteilt sogar Jodtabletten für den Ernstfall. Passiert was mit diesem Kraftwerk, wird mein Landstrich unbewohnbar. Das ist leider eine Bedrohung, die nicht unvorstellbar weit weg ist, sondern sehr real. Aus diesem Grund ist ein Plan A bis C fest, wir wissen wohin wir dann abhauen werden, inklusive der Hunde. Man wünscht sich immer nicht in eine solche Lage zu kommen, seine Heimat zu verlieren und nur mit dem was man tragen kann zu fliehen. Aber man tut nicht schlecht daran, es sich trotzdem mal durch den Kopf gehen zu lassen. Das macht einen handlungsfähiger, wenn wirklich der Fall eintritt.

  • Als wenn ich es geahnt habe. Die Aktion in dem Haus hat zwar letztendlich funktioniert, aber es war ganz schön eng. Der Fluchtweg, den die drei Jungs sich ausgedacht haben, war nicht ganz optimal. Sie mussten durch die Kanalisation, was sich als Sackgasse herausstellte.

    Die Szene war wirklich extrem spannend - die Klopfzeichen, die Eindrücke aus dem Leben von Bergleuten... Ich hatte regelrecht Bilder (und Gerüche<X) vor Augen und habe echt mit den Dreien mitgefiebert. Es ist wirklich toll geschildert, wie die Jungs immer wieder über sich hinauswachsen (müssen). Und dennoch frage ich mich, wann sie wohl in eine Falle tappen. Die GeStaPo ist nicht nur besser ausgerüstet, sondern hat eben auch eine Menge Erfahrung in "Feindbekämpfung" und im Zweifel Ermittlerarbeit - so tendenziös und gewaltverliebt sie auch ist.

    Sie bleiben hartnäckig und nachdem sie überlegt haben was sie überhaupt noch machen können um etwas zu bewegen, kam die Idee mit den Flugblättern.

    Alle gehen sie mit der Verteilung ein großes Wagnis ein, aber auch Wände haben sie mit Botschaften beschrieben.

    Die Jungs haben begriffen, dass sie etwas tun müssen - und dass sie dafür große Teile der Bevölkerung auf ihre Seite bringen sollten. Ein fast schon zu pazifistischer Ansatz angesichts all der Grausamkeiten und Mordlust auf der anderen Seite. Aber ja, Egon und seine Freund haben kaum Möglichkeiten - wenn man dagegen die Verschwörer des 20. Juli betrachtet: die waren vergleichsweise mächtig und konnten unter dem Strich ebenso wenig erreichen.

    Aber die größten Sorgen mache ich mir in Anbetracht zweier Punkte:

    1. Die Kalktünche mussten sie nicht mit nachhause nehmen. Die Flugblätter sind während der ganzen Zeit, die sie sie bei sich haben, eine riesige Gefahr.

    2. Der Ansatz, die Bevölkerung gegen die Nazis auszubringen, ist einer, den nicht nur die Ruhrpiraten verfolgten - die Geschwister Scholl und ihre Freunde, die Alliierten, etc. Dennoch wissen aber auch alle Deutschen, die vielleicht nicht auf Linie sind, wie lebensbedrohlich das Kundtun einer abweichenden Ansicht ist. Da werden es auch gute Argumente schwer haben - die Streu des Nationalsozialismus ist längst aufgegangen und die Angst ist allgegenwärtig.

    Genau wie Paul Schrader, der hat ebenfalls Ziele und dreht auch immer mehr am Rad. Das er sich nun auch noch eine Waffe besorgt hat, macht mich mehr als unruhig. Und er ist in meinen Augen ein Schwein.....vergeht sich an Erika und setzt sie dann unter Druck. Mir vielen die Worte, wenn ich daran geglaubt habe, dass er dafür sorgt Erika ins KZ schicken zu lassen, aber das?

    Paul Schrader ist ein durch und durch schlechter Charakter. Schon bei den Wettkämpfen hat sich gezeigt, dass er ihm nur um Macht und Erfolg geht. Er will nach ganz oben - und dafür würde er unter Garantie alles machen.

    Die Vergewaltigung Erikas ist eine reine Machtdemonstration - Schrader ist wirklich widerlich.

    Mir fallen noch zwei Dinge ein, die Beschreibung der Bomben und was sie für Schaden anrichten fand ich interessant aber auch erschreckend. Und die Bezeichnung, oh Schitt jetzt komme ich nicht drauf....die, wo die Briten beabsichtigen die Bevölkerung durch die nächtlichen Bombardements zu zermürben. Das ist ja auch eine grausame Taktik. Die zivile Bevölkerung ist eh schon zermürbt, durch die Zerstörung und die mangelnde Nahrung.

    Du meinst das area bombing, dass auch als "moral bombing" bezeichnet wurde, oder? Einige Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges und noch einmal in den 70ern wurde das Genfer Abkommen dahingegen geändert, dass Flächenbombardements heutzutage als Kriegsverbrechen einzustufen sind. Ich denke, man hat in vielerlei Hinsicht aus dem II. Weltkrieg gelernt - aber damals war es der zweite derart verheerende Weltkrieg innerhalb von wenigen Jahrzehnten... In Anbetracht der Millionen Toten bei Kriegshandlungen, aber auch dem industriellen Massenmord schien es ein legitimes Mittel, mit solche Angriffen die Moral der Deutschen zu brechen. Aber die Alliierten haben die Rechnung ohne die alles durchdringende Propaganda der Nazis gemacht...

  • So langsam zeichnet sich ein anderer Weg ab: die Flucht. Wahrscheinlich ist es das beste für sie, aber drei Jahre werden sie noch fliehen müssen. Keine kurze Spanne, vor allem da Lebensmittel immer knapper werden.

    Gut das Du das geschrieben hast, denn ich war wirklich entsetzt als ich gelesen habe, dass wir uns erst im Herbst '42 befinden... Noch zweieinhalb Jahre, die es durchzustehen gilt - in Anbetracht der Schlinge, die sich allmählich zusammenzieht, ist es kaum vorstellbar, dass die Jungs und Erika davonkommen. Also vielleicht doch Flucht? Das was ich schon in der Nacht bei den Güterzügen vermutet habe?! Andererseits wird das Überleben wirklich schwierig - in einer solch dicht bevölkerten Gegend und ohne Lebensmittelrationen... Ich fürchte das Ende.:(

    Aber erstmal muss Karl seine Racheaktion überstehen. Oh je, oh je. Ob das gut gehen kann? Bisher hat Mike aus jeder verträumten Situation einen Ausweg gefunden und diese Auswege fand ich immer großartig. Es war bis dahin absolut spannend und ich hab das ein oder andere Mal wirklich die Hoffnung auf ein gutes Ende aufgegeben gehabt. Doch jetzt bei Karl bin ich so pessimistisch wie noch nie vorher. Das Buch ist fast zu Ende und das einer der Jungs es nicht schaffen wird, ist ja nicht ganz aus der Luft gegriffen...

    Ich kann Karl verstehen, aber ich finde seine Aktion mehr als leichtsinnig. Er kennt den Zusammenhang doch gar nicht, weiß nicht, ob Erikas Vergewaltiger nicht einen Schritt voraus ist... Und dann in einer nachtschwarzen Straße - da wird ein Feuerschein von Molotowcocktails schnell auffallen. Kann er wirklich so schnell entkommen? In einer Straße, in der die Häuserwände Augen und Ohren haben? Ich habe arge Zweifel...

    Erikas Schicksal ging mir auch unglaublich nahe. Männer wie Paul Schrader, die es nötig haben, so seine Macht und körperliche (!) Überlegenheit ausspielen müssen, widern mich an. Da finde ich kaum Worte für.

    Und dann der Abschied vom Vater ging mir sehr nahe. Sie kann keine Nähe zu lassen und weiß, es wird sie irgendwann unendlich traurig machen. Oh man, das ist so traurig. Vor allem kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr Vater ihre Flucht überleben wird. Man wird ihn schnappen, einsperren und töten. Also werden sie sich sicher nicht wieder sehen... :(

    Ja, ich denke auch, dass es mit einem Wiedersehen schwierig wird. Zumindest einem baldigen.

    Erika muss dringend weg und ihr Vater weiß sie in derzeit bestmöglichen Händen. Da er aber selbst sehr resigniert wirkt, fürchte ich, dass er ausharrt, bis es zu spät ist.

  • Die Familie ist wirklich ein Knackpunkt mit denen die Nazis ja auch viel gespielt haben. Denn ist ja nicht nur nie Ungewissheit (damit hätte ich wohl noch am ehesten leben können), sondern man wusste, dass man die Familie damit explizit in Gefahr bringt. Denn erstmal haben sie ja immer die Familie verhört und ihre Verhörmethoden hatte Egon ja bereits am eigenen Leib erfahren... Ja, Flucht war nicht unbedingt einfach.

    Familie ist definitiv ein Punkt - aber die Jungs waren ja so etwas ähnliches wie ein familiäres Konstrukt, oder? Einige von ihnen scheinen ja keine Familie mehr zu haben oder aber sie wissen, dass sie diese auch in Gefahr bringen.

    Nicht wenige "flohen" aber auch an die Front...