05 - Seite 331 bis Ende (ab "Sie hatten sich aufgeteilt.")

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  • Bei der Szene mit Fritz und Paul ist mir erst dann eingefallen, dass Paul noch eine Pistole besitzt, als er so selbstsicher grinste. Mir war die Waffe bis dahin wieder entfallen und ich habe nicht damit gerechnet, dass er sie wirklich ständig bei sich tragen würde.

    Es war eigentlich klar, dass mit dieser Waffe noch etwas sehr Schlimmes passieren wird, aber ich hatte sie bis dahin sogar auch wieder vergessen. Also bei mir setzte auf jeden Fall nicht der Impuls ein: Lauf weg, näher dich nicht! Komisch, dass es uns beiden da so erging.

  • Hatte ich auch, das Gefühl- sich alleine in einer dunklen Gasse mit Paul Schrader zu befinden kann kein gutes Ende nehmen- selbst dann nicht wenn man so schlagkräftig ist wie Fritz es war. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass er erschossen wird. Ich dachte sie prügeln sich und Paul schiebt dann Fritz irgendetwas unter oder so, wodurch er dann verschleppt würde...

  • Vorweg muss ich gestehen, dass ich zunehmend verwirrt auf die schwindende Seitenzahl gestarrt habe - ich hatte schon fast die Vermutung, dass mit meinen eBook etwas nicht stimmt. Naja, schon klar, dass es da keine Fehldrucke gibt und das Ende als nahte.

    Im ersten Moment war ich dann schockiert, als der Roman dann tatsächlich zu Ende gelesen war. Ist das Ende nicht zu offen? war die erste Frage, die mir bewusst durch den Kopf gegangen ist. Aber nach ein wenig Nachdenken muss ich gestehen, dass es mir gut gefällt - vor allem weil es glaubhaft für die Zeit ist. Egon zieht resigniert in den Krieg... um wenigstens die Hoffnung zu haben, dass es Annemarie dadurch halbwegs gut geht. Aber die Gefahr, die an der Ostfront herrscht, und seine Verfassung machen jetzt nicht unbedingt Hoffnung für ihn.;(

    Überhaupt war die letzte Szene mit Karl sehr schwierig - ich hatte einen gehörigen Kloß im Hals.

    Fritz' Tod hat mich schwer getroffen- noch viel schwerer weil Paul Schrader auch damit durchkam... das kann doch einfach nicht wahr sein. Für jeden Mensch der auch nur ein ganz klein wenig Gerechtigkeitsempfinden hat ist das wirklich wie ein Schlag ins Gesicht. Es bleibt am Ende nur die Hoffnung, dass er bei den Prozessen nach Kriegsende seine Strafe erhält. Aber vermutlich auch nicht wirklich, denn schließlich war er ja kein Offizier oder sowas. Galt wohl eher als armer, fehlgeleiteter Jugendlicher.

    Nun ja, ich habe nicht erwartet, dass irgendjemand Paul Schrader Steine in den Weg legt oder gar bestraft. Zu keinem Zeitpunkt bin ich von Gerechtigkeit ausgegangen - nicht einmal als Stahlschmidt Paul Schrader am Anfang des "Verhörs" ein bisschen mehr zusetzt.

    Nicht einmal, dass Paul Schrader nach der Kapitulation für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen wird, kann ich mir vorstellen. Es sind unzählige Menschen gänzlich ohne Strafe davongekommen, die mehr Schuld auf sich geladen haben. Der deutsche Nachfolgestaat hat sich in den spärlichen Prozessen nun auch nicht gerade bemüht, besonders hart durchgreifen zu wollen.

    Aber ja, ich denke durchaus, dass Paul Schrader auch ein Stück fehlgeleitet wurde. Wenn man bedenkt, dass 1942 der Nationalsozialismus bereits neun Jahre allgegenwärtig war - also seit Paul Schrader sieben Jahre alt war... Sprich, er wurde entsprechend sozialisiert, vor allem wenn man bedenkt, dass sein Vater eine wichtige Rolle spielt.

  • Das Ende des Buches war so gewollt. Weil es auf seine eigene Art, ohne die Beschreibung von körperlichem oder seelischem Leid, die Grausamkeit dieser Zeit widerspiegelt. Meine Absicht – ich hoffe Ihr seht es mir nach, wenn es mir gelungen sein sollte – war, genau diese Ungewissheit zurückzulassen. Die Ungewissheit unzähliger Menschen, über das Schicksal liebgewonnener Personen. Insofern fand ich das Ende passend. Abrupt. Möglicherweise unbefriedigend. Aber der Sache und der Zeit angemessen.

    Meiner Meinung nach ist das Ende extrem gelungen - aber ich musste es auch erst einmal sacken lassen. Ich tendiere auch dazu, wissen zu wollen, wohin der Weg liebgewonnener Figuren gehen wird, daher war ich im ersten Moment über das plötzliche Ende etwas enttäuscht. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto runder fand ich den Schluss. In einer Zeit, in der es nicht einmal einen Hauch von verlässlicher Zukunft für die Menschen gab, ist es passend, dass wir ebenfalls nicht den Luxus zugestanden bekommen. Toll, dass Du das so umgesetzt hast - mich hat es noch einmal zum Nachdenken gebracht.

  • Und wofür das alles? Weil ein Mann größenwahnsinnig war.

    Nein, das ist viel zu kurz gesagt. Hitler war ein wesentlicher Teil des Ganzen, aber er hat weder den Faschismus erfunden, noch den Antisemitismus hoffähig gemacht.

    Ein einziger Mensch hatte niemals die Macht, so viele Menschen verfolgen, quälen und ermorden zu lassen. Es brauchte eine gehörige Masse an Überzeugungstätern, Mitläufern und Leuten, die schlicht und ergreifend aus Angst weggeschaut haben. Furcht musste gesät werden, industrieller Massenmord organisiert werden.

  • Und wofür das alles? Weil ein Mann größenwahnsinnig war.

    Nein, das ist viel zu kurz gesagt. Hitler war ein wesentlicher Teil des Ganzen, aber er hat weder den Faschismus erfunden, noch den Antisemitismus hoffähig gemacht.

    Ein einziger Mensch hatte niemals die Macht, so viele Menschen verfolgen, quälen und ermorden zu lassen. Es brauchte eine gehörige Masse an Überzeugungstätern, Mitläufern und Leuten, die schlicht und ergreifend aus Angst weggeschaut haben. Furcht musste gesät werden, industrieller Massenmord organisiert werden.

    Ich gebe dir Recht, ohne seine fanatischen Anhänger wäre Hitler alleine nicht in der Lage gewesen sind ein Unheil über die Menschen zu bringen. Ich meinte mehr in dem Sinne, dass mit ihm alles begonnen hat. So oder so, er war eine zu grausame Zeit

  • Hallo Tabea,


    wie ich sehe, hast Du die Diskussion nochmals zum Leben erweckt. Vielen Dank, dass Du Dir so intensiv die Mühe gemacht und Dich so detailliert mit dem Text auseinandergesetzt hast. Mehr noch als zuvor habe ich bei Deinen Beiträgen das Gefühl, dass sich Leserin und Autor besonders nahe sind.


    Deine Interpretationen treffen im besonderen Maße exakt das, was ich in diesen Situationen im Buch zum Ausdruck bringen wollte. Jeder versteht einen Plot auf seine Weise. Und mancher sieht nicht unbedingt das, was der Autor während des Schreibens vor Augen hatte. Das ist völlig okay und auch gewünscht. Wir liefern mit unseren Texten einen Impuls, der die Fantasie anregt, Gefühle auslöst, Bilder schemenhaft, im besten Fall klar und deutlich entstehen lässt. Und dieser „Kopfkinofilm“ ist immer einzigartig. Bei Deinen Schilderungen hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass wir denselben Film gesehen haben. Und das freut mich. Nebenbei war in von deinem Wissen um diese Zeit beeindruckt.


    Schade, dass Deine hoffentlich völlig ausgestandene Erkrankung es nicht zugelassen hatte, gemeinsam und zeitgleich mit den anderen Teilnehmern durch die einzelnen Abschnitte zu gehen.

    Es wäre ohne Zweifel eine Bereicherung für uns alle gewesen.


    Von daher nochmals einen besonderen Dank, dass Du Dich trotzdem nachträglich mit solcher Ernsthaftigkeit mit dem Buch beschäftigt hast.


    Viele Grüße,

    Mike Steinhausen