07: Ende Kapitel 3 (ab "Nach Wochen in Zelten ...")

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  • Zur Refelektion bezüglich des Barons: Helion reift auf dieser Reise schnell von dem naiven Lehrling eines Einsiedlers zu einem echten Anführer. Nicht jede Schlacht kann mit Waffen gewonnen werden. Zusammen mit Pepps Plänen und der konsequenten Lösung des Problems durch Helion sieht man hier sehr schön, dass das Wohl Vieler über dem Wohl Einzelner steht. Eine sehr logische Entscheidung. Sowohl der Baron als auch Helion haben sich für die, ihrer Meinung nach, am wenigsten Tote fordernde Lösung entschieden. Sind das damit "gute" oder "böse" Handlungen?

    Hachja, wer das Zitat findet darf es behalten ;) wenn auch aus nem anderen Genre.

    Zitate raten ist hier im Haus ein beliebtes Spiel, daher bin ich direkt drüber gestolpert ;)

    Fenlinka

    "...und so zieht sie in die Welt hinaus, ohne Strümpfe ohne Schuh, sie brauch nur ein Buch dazu, ..." (Rolf Zukowski)

  • Ich hätte nur tatsächlich gedacht, dass er schon einiges erreicht hat, indem er sich dem Heerzug anschließt und bei Helion ja nun auch einiges lernt an Kampftechniken.

    Ich glaube, die Einschätzung dazu, ob dieser Feldzug zu überleben ist, spielt da eine wesentliche Rolle. Als Pepp angeheuert hat, war Guardaja noch weit weg. Er hat wohl erst mal ein paar Monate mit vollem Bauch vor sich gesehen. Die sind vorbei, er kommt gerade von einem Spähtrupp, hat einen persönlichen Eindruck davon, wie riesig das Schwarze Heer ist. Er sieht den Zahltag kommen ... und auf einmal erscheint der Deal nicht mehr so attraktiv, zumal sich nun eine Alternative zu bieten scheint.

    Okay, wo Du recht hast, hast Du recht;)

  • Wäre es humaner, Pepps Zunge herauszuschneiden? Die medizinischen Fähigkeiten dürften kaum ausreichen, um Schmerzen und einen vermutlich sehr qualvollen Tod zu verhindern.

    Nein, humaner wäre es auch nicht gewesen. Als ich meinen Beitrag geschrieben habe, dachte ich in dem Moment auch, ob ein schneller Tod dann nicht allemal besser ist, da ich mir vorstellen könnte, dass die Gefahr zu verbluten recht groß ist, wenn man die Zunge abschneidet.


    Ihre Erlösung ist damit, so weit aufzusteigen, dass sie eine Unsterbliche wird. Ich finde die ethische Betrachtung dieses Dilemmas sehr spannend.

    Das hast du sehr schön zusammengefasst. Und trifft es auf den Punkt.


    Helion reift auf dieser Reise schnell von dem naiven Lehrling eines Einsiedlers zu einem echten Anführer.

    Ja, der Gedanke kam mir zwischendurch auch immer mal wieder. Und obwohl er ja ein absoluter Neuling bei den Mondschwertern ist, greift Phaistor auch sehr gerne auf seine Ratschläge und Unterstützung zurück.

  • Nicht jede Schlacht kann mit Waffen gewonnen werden.

    Ja, das musste Helion lernen - und mehr noch: Selbst, wenn es sich um eine Schlacht im eigentlichen Sinne handelt, hat er nicht unbedingt die Waffen, um sie zu schlagen. Gegen Lisanne kann er schlicht vergessen, mit den üblichen Mitteln von Paladinen zum Ziel zu kommen. Er braucht Modranel, einen Magier ...

    Sind das damit "gute" oder "böse" Handlungen?

    Vielleicht lässt sich das nicht mit einer einzigen Antwort entscheiden. Die Handlungen selbst sind sicher verwerflich (isoliert betrachtet), aber die Ziele mögen gut sein. Dann stellt sich die Frage, ob diese Methoden wirklich das geringste Übel sind, um das Ziel zu erreichen ... Ich glaube, da kann man sehr lange überlegen und wird immer neue Aspekte und Möglichkeiten finden. Aber derjenige, der die Entscheidung zu treffen hat, muss sich für eine Möglichkeit entscheiden - und wenn er sich zu lange nicht entscheidet, werden die Schatten die Entscheidung herbeiführen.

    Ihre Erlösung ist damit, so weit aufzusteigen, dass sie eine Unsterbliche wird. Ich finde die ethische Betrachtung dieses Dilemmas sehr spannend.

    Das hast du sehr schön zusammengefasst. Und trifft es auf den Punkt.

    Ich finde das auch sehr schön auf den Punkt gebracht. In mehrerer Hinsicht kämpft Lióla um ihr Leben. Einmal ganz konkret im Diesseits, im Kult, wo auch ein geschickter Mord ein valides Mittel für den Aufstieg ist. Dann aber eben auch, was das Nachleben angeht: Von den Göttern hat sie nichts Gutes zu erwarten.

    Wenn man es überspitzt, könnte man sogar sagen, Liólas Grausamkeit dient der Selbstverteidigung.

    Das müsste man in der realen Welt dann aber auch religiös motivierten Selbstmordattentätern zugestehen - sie bringen "Ungläubige" um und erwarten in ihrer extremistischen Ideologie, dafür im Jenseits mit dem Paradies belohnt zu werden und dem Gericht eines zornigen Gottes zu entgehen ...

  • Dies ist die erste gänzlich neue Szene in der erweiterten Edition. Sie ist primär in den Roman gekommen, weil viele Leser der Originalausgabe - so wie Ihr auch - geschockt davon waren, dass Helion Pepp umbringt, um das Geheimnis zu wahren. Durch die Überlegungen von Modranel und Ajina soll deutlich werden, wie wichtig die Geheimhaltung eingeschätzt wird.

    Ich glaube, diese Szene hat viel ausgemacht, denn in dieser Leserunde haben viel mehr Verständnis für Helions Tat als in der ersten dazu. Helion wird damit leben müssen, ihn getötet zu haben und ich denke auch die Notwendigkeit bewahrt ihn nicht davor von seinen Erinnerungen gequält zu werden. Da ist es gut, dass er zum Nachdenken wenig Zeit hat.

    Ich frage mich allerdings, woher die Kämpfer die Motivation nehmen, weiter gegen die Schatten zu kämpfen, wenn der Kampf so aussichtslos ist. Und Lisanne ist sie nicht die personifizierte Macht? Das dann auch nicht im Körper eines alternden Mannes sondern einer überirdisch schönen Frau?

    'In der neuen Szene fand ich interessant, dass Ajina nicht jedes Mittel recht ist um zu siegen. Ich glaube sogar, dass der Sieg ihr nicht so wichtig ist wie die Seelenrettung ihres Vaters.

  • Ich frage mich allerdings, woher die Kämpfer die Motivation nehmen, weiter gegen die Schatten zu kämpfen, wenn der Kampf so aussichtslos ist.

    Einige stammen aus der Gegend, oder sogar aus Ländereien nördlich von Guardaja. Sie wollen nicht kampflos weichen, um dann als Fremde in einem anderen Land zu leben.

    Andere haben ein extremes Ehrgefühl, sie wollen unbedingt ehrenhaft kämpfen und sterben.

    Wieder andere wollen ihre Angehörigen (die im Süden von Guardaja leben) so lange schützen, wie es eben geht. Einige dieser Angehörigen werden auf Treks in den Süden sein, wie demjenigen, dem Helion begegnet ist.

    Und manche folgen ihrem Glauben, zum Beispiel an Terron, den Stiergott, der die Stärke belohnt.

    Im einfachen Fußvolk gibt es sicher auch viele wie Pepp, die aus Not ins Heer eingetreten sind oder von ihren Fürsten gepresst wurden - wie in jedem Krieg haben die einfachen Soldaten am wenigsten Vorteile davon, selbst, wenn er gewonnen wird ...

  • 'In der neuen Szene fand ich interessant, dass Ajina nicht jedes Mittel recht ist um zu siegen. Ich glaube sogar, dass der Sieg ihr nicht so wichtig ist wie die Seelenrettung ihres Vaters.

    Das habe ich dort auch gedacht, die Seele ihres Vaters ist mind sosehr Ziel für sie wie der Tod von Lissane

    Fenlinka

    "...und so zieht sie in die Welt hinaus, ohne Strümpfe ohne Schuh, sie brauch nur ein Buch dazu, ..." (Rolf Zukowski)

  • Wäre es humaner, Pepps Zunge herauszuschneiden?

    Das war auch mein erster Gedanke, als ich die Szene gelesen hatte. Dass Helion Pepp tötet, hat mich überrascht, obwohl es insgesamt betrachtet wohl die einzige Möglichkeit war, das Geheimnis um Modranel sicher zu bewahren.


    Und Liola beseitigt ihren Konkurrenten. Absehbar, dass sie die Sache aus dem vorherigen Abschnitt nicht einfach auf sich sitzen lässt. Einen Konkurrenten um die Gunst von Lisanne kann sie einfach nicht gebrauchen.


    Ich befürchte, dass Derias Rinia sich ebenfalls unter den Kindern befand.

    Da könntest du Recht haben. Hoffentlich kann Rinia noch rechtzeitig befreit werden und Lisanne hat ihr noch nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt...


    Daria und Modranel sind schon ein merkwürdiges Paar, aber offensichtlich fühlen sich beide in der Gesellschaft des anderen wohl und das zählt.