05: Ende Kap. 2 (ab "Der schwarze Stern")

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  • Hier könnt Ihr zum Inhalt von Ende Kap. 2 (ab "Der schwarze Stern") schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Und hier ist sie wieder: Lióla, die einzige Figur, die in Prolog, Interludium und Hauptteil auftaucht.

    In der Originalversion waren ihre Szenen bereits früher eingeflochten. Ich habe sie verschoben, weil Lióla sonst unverhältnismäßig lange für die Reise gebraucht hätte, die noch vor ihr liegt. Habt Ihr sie vermisst - oder haben Ajina und Helion Euch in der Zwischenzeit ausreichend unterhalten?

  • Was für ein wahnsinniger Abschnitt. Da ist soviel passiert.


    Zunächst mal zu Lióla: Ich habe mich gefreut, wieder von ihr zu lesen. Diese Figur fasziniert mich doch irgendwie, auch wenn sie grausam und dunkel ist. Die Erklärung der Schattenherren und ihrem Schattenkönig Elien Vitan finde ich sehr interessant. Bedeutet es, dass wenn Elien Vitan stirbt oder gestürzt wird oder was auch immer, dass eventuell einer der Schattenherren nachrücken kann? Und dass es auch unter den Herren und Dame einen Kampf geben könnte?

    Und dann die Ernte dr Lebensessenz, die stärker wird, je mehr tiefe Angst empfunden wird, erklärt dann schon, warum die Menschen gequält und gefoltert werden. Obwohl die psychische Folter mit Sicherheit einer der Schlimmsten ist. Ich bin schon gespannt, was dabei "vorbereiten" heißt. Arme Pnenaja... :o


    Helion entwickelt sich sehr stark, auch wenn da mehr die Heldenbrust spricht als der Verstand. Schon erstaunlich, wie er die Gespräche mit Baron Truber führt, unerschrocken, zum Teil respektvoll, aber sehr direkt und wahrheitsliebend.

    Auch ganz besonders, als klar wurde, dass der Baron Kinder an die Schattenherren verkauft.

    Bei dieser Geschichte bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite kann man ihn durchaus dafür verachten, dass er sowas macht und nicht an die weitere Zukunft seiner Leute denkt. Auf der anderen Seite lebt er nun mal im hier und jetzt mit den Menschen vor Ort und muss gegen die Faye kämpfen. Da kann man schon irgendwo nachvollziehen, dass er da das kleinere Übel nimmt, um den Rest der Bevölkerung vor Größerem zu bewahren. Und bis jetzt hat es anscheinend auch funktioniert. Direkt verurteilen kann man ihn hierfür nicht. Wie würden wir entscheiden?

    Ich weiß nicht, warum mir da gerade die Nazis in den Kopf kommen, aber ich glaube, damals mussten auch viele diese Entscheidung treffen, auch wenn diese Tyrannei nicht Jahrhunderte anhielt. Schwierig.... sehr schwierig....


    Die Szene im Wald war schon schrecklich, zumal ich tatsächlich bei dem Namen Kester immer einen Anderen vor Augen hatte und mir gewünscht hätte, dieser Kester würde überleben und seine Tochter im Kampf rächen...so oder so ähnlich. Nun ist es die Mutter, die ausgerechnet bei Modranel landet. Sehr geiler Dialog übrigens:

    Zitat

    "Die Liebe zu einem Kind ist eine der größten Kräfte in der Welt". "Offenbar nicht bei jedem" stellte Helion schneidend fest.

    Ich freue mich bereits auf den nächsten Schlagabtausch zwischen den Herren. Nicht, dass da noch Freundschaft entsteht :totlach:


    Dieser Roman entwickelt einen Lesesog, dem man sich nicht entziehen kann. Wie gut, dass ich derzeit parallel lese und somit gar nicht erst vorpreschen kann.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Habt Ihr sie vermisst - oder haben Ajina und Helion Euch in der Zwischenzeit ausreichend unterhalten?

    Ich habe sie ein wenig vermisst, auch wenn mir Helion sehr gut gefällt und ich gerne von ihm lese. Und auch von Modranel :teufel:

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Und hier ist sie wieder: Lióla, die einzige Figur, die in Prolog, Interludium und Hauptteil auftaucht.

    In der Originalversion waren ihre Szenen bereits früher eingeflochten. Ich habe sie verschoben, weil Lióla sonst unverhältnismäßig lange für die Reise gebraucht hätte, die noch vor ihr liegt. Habt Ihr sie vermisst - oder haben Ajina und Helion Euch in der Zwischenzeit ausreichend unterhalten?

    Ich hab sie vermisst, das habe ich eben in einem der vorherigen Abschnitte ja schon angedeutet.


    Mehr zu dem Abschnitt dann später, jetzt nutze ich das schöne Wetter.

  • Ein sehr schönes Kapitel, zeigt es doch wieder mal deutlich wie viele Grautöne das Leben hat.

    Liolas Szene zeigt noch einmal sehr eindrücklich wie lange dieser Krieg schon existiert, mindstens 5 Schattenkönige, und jeder hatte weit mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel! Auch die Denkweise der Schattenherzöge wird nocb einmal deutlich gemacht, sie denken in sehr viel grösseren Zeiträumen, und (menschliche) Opfer und Leiden sind ihnen egal, bzw sogar lieb weil sie sie stärken.

    Helions Aktionen fand ich spannend. Man kann den Baron nicht wegen seiner Absichten verurteilen, seine Methoden dagegen..... Und Helion trifft es mitten ins Mark, vielleicht auch weil er sich hintergangen fühlt. Da ist wieder das Thema das jeder irgendwie schuldig sein kann den Schatten zu helfen, aus welchen Gründen auch immer.

    Schön fand ich die Szene im Köhlerhaus, ich habe mich die ganze Zeit gefragt ob dies eine Art Flashback bei Ajina erzeugt hat und sie deshalb handelte. Die Situation war ja doch ihrer eigenen im Prolog sehr ähnlich.

    Und jetzt ist das Heer zwar nicht um ein Regiment Piketiere, aber eine zu allem entschlossene Mutter reicher, die auch noch Mordranels Geheimnis kennt. .oO(Und für Angebote der Schatten, ihre Tochter betreffend anfällig wäre...)

    Fenlinka

    "...und so zieht sie in die Welt hinaus, ohne Strümpfe ohne Schuh, sie brauch nur ein Buch dazu, ..." (Rolf Zukowski)

  • Diese Figur fasziniert mich doch irgendwie, auch wenn sie grausam und dunkel ist.

    Ja, das ist ein seltsamer Effekt. Die Finsternis fasziniert. Das geht mir beim Schreiben ebenso.


    Bedeutet es, dass wenn Elien Vitan stirbt oder gestürzt wird oder was auch immer, dass eventuell einer der Schattenherren nachrücken kann?

    Nein. Der Thronwechsel ist sehr stark reglementiert. Das wird später in der Trilogie auch noch ausführlich thematisiert. ;)


    Obwohl die psychische Folter mit Sicherheit einer der Schlimmsten ist.

    Das denke ich auch. So richtig in den Griff bekommen habe ich das aber erst in meinem späteren Roman Grauwacht. Auf die psychische Folter, der Nata dort ausgesetzt ist, bin ich sehr stolz. 8)

    Auf der anderen Seite lebt er nun mal im hier und jetzt mit den Menschen vor Ort und muss gegen die Faye kämpfen.

    Und für Angebote der Schatten, ihre Tochter betreffend anfällig wäre...

    Das sind die Abwägungen, die jeder Mensch danach entscheiden wird, wie seine inneren Maßstäbe liegen. So gesehen kann man durch die Lektüre von Dark Fantasy auch etwas über sich selbst lernen.

    Zählt das Leben der eigenen Tochter mehr als das von 100 Fremden?

    Muss man die Zukunft um jeden Preis bewahren, auch wenn man dafür die Gegenwart opfert? Oder kann man den Nachfahren zutrauen, dass sie die Probleme lösen, die man ihnen hinterlässt?

    Dieser Roman entwickelt einen Lesesog, dem man sich nicht entziehen kann.

    :freu:

  • Ein sehr intensiver Leseabschnitt.


    Ich war überrascht, zu lesen, wie Lióla über ihren Vater denkt. Sie kann sein Handeln nachvollziehen und ist sogar stolz auf ihn. Mal schauen, was passiert, wenn ihr bewusst wird, dass Modramel und Ajina sich gegen die Schattenherren stellen werden.


    Helion und der Barbarenhäuptling, dieses Duo finde ich super.

    Spontan dachte ich über den Baron nur, was für eine miese Type. Allerdings will er den Rest der Menschen, für die er die Verantwortung hat, vor Schlimmerem bewahren Und dann gibt es nicht nur die Schattenherren, sondern auch noch die Fayé. Trotzdem kann ich sein Verhalten nicht gutheissen.


    zumal ich tatsächlich bei dem Namen Kester immer einen Anderen vor Augen hatte

    Jetzt wo du es sagst. Ich hatte beim Lesen unbewusst auch etwas gestockt und überlegt, woher mir der Name so bekannt vorkam. Jetzt weiss ich es :)

  • Bedeutet es, dass wenn Elien Vitan stirbt oder gestürzt wird oder was auch immer, dass eventuell einer der Schattenherren nachrücken kann? Und dass es auch unter den Herren und Dame einen Kampf geben könnte?

    So habe ich es auch verstanden. Und gibt es dann im Anschluss auch einen neuen Schattenherren bzw. eine Schattenherrin?


    Was mir gerade noch einfällt, warum hat Ajina die Mutter zu Modranel in den Wagen gebracht. Nur als Gesellschaft für ihn?

  • Was für ein wahnsinniger Abschnitt. Da ist soviel passiert.


    Zunächst mal zu Lióla: Ich habe mich gefreut, wieder von ihr zu lesen. Diese Figur fasziniert mich doch irgendwie, auch wenn sie grausam und dunkel ist.

    An dieser Stelle möchte ich wehement wiedersprechen. Gemessen an Ihren Maßstäben ist sie nicht grausam oder dunkel sondern Ihrer Weltanschauung entsprechend. Sie handelt, wie sie sozialisiert wurde.


    Und jetzt ist das Heer zwar nicht um ein Regiment Piketiere, aber eine zu allem entschlossene Mutter reicher, die auch noch Mordranels Geheimnis kennt. .oO(Und für Angebote der Schatten, ihre Tochter betreffend anfällig wäre...)

    Ja, Menschen mit einem treibenden Motiv sind nicht zu unterschätzen. Auch hier es dem Autor gelungen, einen weiteren, vielversprechenden Charakter einzubauen. Auch das Schichsal des Knappen ohne wirklichen Meister finde ich spannend. Fast schon sicher sehe ich, dass Helion zum Anführer der Paladine dieses Kreuzzugs wird.

  • Helion und der Barbarenhäuptling, dieses Duo finde ich super.

    Ich stelle oft fest, dass grobschlächtige, aber ehrliche Figuren als Nebenfiguren gut ankommen. Als Hauptfiguren bieten sie allerdings offenbar zu wenig Identifikationsmöglichkeit.


    Was mir gerade noch einfällt, warum hat Ajina die Mutter zu Modranel in den Wagen gebracht.

    Sie hat ja keine Erlaubnis, mit dem Heerzug zu ziehen. Also muss sie verborgen reisen, bis sie außer Reichweite des Barons sind. Das ist eine ähnliche Anforderung wie bei Modranel, der auch verborgen bleiben muss. Also packt Ajina sie zu ihm.

  • Als Hauptfiguren bieten sie allerdings offenbar zu wenig Identifikationsmöglichkeit.

    Diesen Barbarenhäuptling könnte ich mir schon als tragende Figur vorstellen. Er ist nicht nur grobschlächtiog und ehrlich, sondern auch intelligent und hat irgendwie mehr als der "klassische" Barbar. Hoffentlich erlebt er das Ende der Trilogie...

  • Gemessen an Ihren Maßstäben ist sie nicht grausam oder dunkel sondern Ihrer Weltanschauung entsprechend. Sie handelt, wie sie sozialisiert wurde.

    Schon richtig. Sie hat aber auch in den ersten Lebensjahren eine ganz andere Erziehung genossen (das unterstelle ich jetzt mal). Aufgrund der besonderen Konstellation ihrer Geburt scheint es da durchaus eine entsprechende Neigung zu geben. Deshalb glaube ich schon, dass da etwas dunkles schon immer geschlummert hat und durch die Umerziehung nun richtig zum tragen kommt.

    Fast schon sicher sehe ich, dass Helion zum Anführer der Paladine dieses Kreuzzugs wird.

    Das kann ich mir auch sehr gut vorstellen.

    Ich stelle oft fest, dass grobschlächtige, aber ehrliche Figuren als Nebenfiguren gut ankommen. Als Hauptfiguren bieten sie allerdings offenbar zu wenig Identifikationsmöglichkeit.

    Ich finde starke Nebenfiguren in Romanen mindestens genauso wichtig wie eine gute Hauptfigur. Auch bei Filmen werden ja nicht umsonst Oskars an die besten Nebendarsteller vergeben.

    Schade, das es sowas nicht auch in der Literatur gibt.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • So gruselig Karat-Dor auch ist, so übt die Kathedrale jedoch auch eine gewisse Faszination aus, z.B. dieses Wispern, dass man über längere Distanz in den Kammern wahrnehmen kann. Bei den übergroßen Statuen muss ich immer an das Schloss Hohenzollern mit seinen Statuen denken, vor denen ich als kleines Kind fürchterliche Angst hatte, weil sie mir damals so groß erschienen :totlach:


    Tja, Lióla konnte in dem Abschnitt keine Sympathiepunkte erringen, im Gegenteil, sie ist durch und durch ein Geschöpf der Schattenherren geworden. Beim ersten Lesen sind bei mir damals an diesem Punkt sämtliche Hoffnungen erloschen, dass sie sich vielleicht doch noch gegen ihre Herren entgegenstellen könnte. Ob sie jedoch langfristig ebenfalls die Unsterblichkeit anstrebt, lässt sie bei ihrem Gespräch mit Pnemaja offen.

    Ich muss ja gestehen, dass ich auch beim zweiten Lesen die Hoffnung hatte, dass Lióla Pnemaja verschonen könnte, obwohl ich es besser wusste. Als Dunkelruferin ist es Liólas Aufgabe, die Essenz der Gefangenen in einer möglichst hohen Qualität zu ernten bzw. diese Vorgang zu überwachen.

    Nein, wie auch beim ersten Lesen wurde mir Lióla hier zunehmend unsympathischer.


    Auf den Palast der Truber, der ein natürlich gewachsenes Relikt der Fayé ist, habe ich mich besonders gefreut. Die Fayé und ihre Baukunst hat mich schon damals fasziniert. Und fand es auch damals schon traurig, dass von diesen hellen Geschöpfen nichts mehr übrig geblieben zu sein scheint, sondern sie sich sogar ins Dunkle verkehrt haben.


    Beim ersten Gespräch zwischen Truber, Helion und Phaistor war ich geneigt, Trubers Beweggründe einigermaßen zu verstehen, auch wenn er nicht langfristig genug vorausdenkt.

    Aber dann kam ja die Szene in der Hütte der Köhlerfamilie, die mich damals auch schon geschockt hat und in deren Folge Trubers wahre Beweggründe enthüllt werden.


    Handelt Truber umsichtig oder nicht? Ist er ein Feigling oder ein vorsichtiger Regent, weil er das Schicksal seiner Untertanen nicht auf eine so wacklige Karte wie den aktuellen Feldzug setzt? In jedem Fall ist seine Entscheidung recht egoistisch, da er nur an das Schicksal seines Volkes denkt und nicht an das Schicksal der Menschen in den noch freien Reichen. Andererseits plant er langfristig, indem er davon ausgeht, dass der Puffer, der momentan noch zwischen ihm und Ondrien liegt, fallen wird. Jedoch scheint seine Überraschung auf Jidons Eröffnung, dass ein Pakt der Schattenherren nur so lange Gültigkeit hat, wie der jeweilige Schattenkönig an der Macht ist, echt zu sein – in dem Moment dürfte ihm klar geworden sein, dass seine langfristige Planung doch nicht langfristig genug ist. Seine lapidare Antwort zeigt meines Erachtens seine Hilflosigkeit.


    Aber ganz gleich, wie man Trubers Entscheidung bewertet, wir sind uns in der Empörung über die Lieferung von 100 Kindern an Ondrien wahrscheinlich einig. Würde es sich nicht um Kinder, sondern Erwachsene handeln, wären wir dann genauso empört? Empört bestimmt, aber auch in dem Grad? Zumal mit Rina diese Kinder ein Gesicht bekommen.

    Dass Truber es vermeiden wollte, Eskads Kinder zu „exportieren“ und dafür auf Sklavenkinder zurückgreift, macht die ganze Sache nicht besser. Auch nicht, dass er angewiesen hat, bei den fehlenden 20 Kinder auf Kinder zurückzugreifen, die keine Zukunft hätten. Ich denke jedoch, dass er sich die Entscheidung tatsächlich nicht leicht gemacht hat und ganz ehrlich, in seiner Haut wollte ich nicht stecken.


    Ich weiß noch, dass ich mich damals gefragt habe, warum es eigentlich mehrere Schattenkönige gibt, wenn die Schattenherren doch eigentlich unsterblich sind. Ob die Regentschaft wechselt, wenn einer von ihnen sterben sollte, was sicherlich seltenst vorkommt, aber durch Pnemajas Frage wird die Antwort in diesem Abschnitt angerissen. Und man überlegt sich natürlich, wodurch die Schattenherren überhaupt seinerzeit entstanden sind.


    Spannend fand ich, dass wir in diesem Abschnitt erfahren, wie die beiden Schwestern Ajina und Lióla von ihrem Vater denken. Bei Lióla hätte ich Hass erwartet, aber im Gegenteil, sie ist ihm sogar dankbar, dass er dafür gesorgt hat, dass sie gezwungen war, ihre Stärke in sich zu entdecken. Während Ajina hofft, dass Modranels Absichten, Lisanne in einen Hinterhalt zu locken, seine vergangenen Taten bei den Göttern reinwaschen werden, ist sich Lióla sicher, dass ihr Vater die Unsterblichkeit als Osadro anstrebt. Wer von den beiden wird recht haben? Ajina ist diejenige, die die ganze Zeit mit Modranel zusammengelegt hat, davon sollte man ausgehen, dass sie ihn besser kennt. Und falls man Modranel glauben kann, dann würde er alles tun, um seine Tochter Ajina glücklich zu machen. Aber wie ernst ist es ihm damit? Sind seine Schuldgefühle von damals, dass er Lióla verschachert hat, stark genug, um wenigstens Ajina nicht zu enttäuschen?


    Ich mag und traue Modranel ja nicht, aber in diesem Abschnitt muss ich ihm zugute halten, dass er immerhin Deria auf andere Gedanken bringt, auch wenn er mit seiner Identität recht lasch umgeht. Denn wenn das die Runde macht, dass der Magier den Kriegszug begleitet, dann werden über kurz oder lang auch die Osadroi davon erfahren und damit ist das Überraschungsmoment dahin. Das sollte Modranel doch eigentlich auch klar sein. Oder beabsichtigt er genau das?


    Dass Deria ihre Tochter nicht aufgeben will, kann ich nachvollziehen. Auch dass Deria verzweifelt genug ist, um sich dafür in den sicheren Tod zu begeben, ist nachvollziehbar, denke ich, denn was erwartet die Witwe und kinderlose Mutter noch zuhause?

  • Helion entwickelt sich sehr stark, auch wenn da mehr die Heldenbrust spricht als der Verstand. Schon erstaunlich, wie er die Gespräche mit Baron Truber führt, unerschrocken, zum Teil respektvoll, aber sehr direkt und wahrheitsliebend.

    Ja, Helion übernimmt ganz schon viel Führungsaufgaben - wenigstens wird das von Phaistor auch honoriert.

    Zunächst mal zu Lióla: Ich habe mich gefreut, wieder von ihr zu lesen. Diese Figur fasziniert mich doch irgendwie, auch wenn sie grausam und dunkel ist.

    Und bei mir ist es wieder so, dass ich sie zunehmend als unangenehm und widerlich empfinde, weil sie so voll auf der Schiene des Bösen ist, da sind keinerlei Zweifel o.ä. da. Das ging mir aber auch schon beim ersten Lesen so :totlach:

  • Gemessen an Ihren Maßstäben ist sie nicht grausam oder dunkel sondern Ihrer Weltanschauung entsprechend.

    Hm ... Vermutlich trifft das aber auf alle großen Schurken der Weltgeschichte zu, oder? Nahezu alle basteln sich eine Ideologie, innerhalb derer sie die Kings sind und das Recht haben, andere zu quälen und zu unterdrücken.


    Aber dann kam ja dieSzene in der Hütte der Köhlerfamilie, die mich damals auch schongeschockt hat und in deren Folge Trubers wahre Beweggründe enthülltwerden.

    Eine Million Tote sind eine Zahl - ein einzelner Toter ist eine Tragödie. Große Massen sind emotional nicht anschlussfähig. Wenn in den Nachrichten berichtet wird, dass dreihundert Leute im Mittelmeer ertrunken sind, denkt man: "O wie schrecklich!" Wenn man das Bild eine toten Kindes sieht, das an den Strand gespült wird, treibt es einem die Tränen in die Augen.

    Jedoch scheint seine Überraschung aufJidons Eröffnung, dass ein Pakt der Schattenherren nur so langeGültigkeit hat, wie der jeweilige Schattenkönig an der Macht ist,echt zu sein – in dem Moment dürfte ihm klar geworden sein, dassseine langfristige Planung doch nicht langfristig genug ist.

    Ein Kernproblem, das die freien Reiche habe, ist, dass ein Sterblicher einfach nur schwer in den Maßstäben eines Unsterblichen denken kann. Truber hat geglaubt, das Prinzip zu verstehen - aber dann hat er dennoch ein wesentliches Element übersehen ...

    ganze Sache nicht besser. Auchnicht, dass er angewiesen hat, bei den fehlenden 20 Kinder auf Kinderzurückzugreifen, die keine Zukunft hätten. Ich denke jedoch, dasser sich die Entscheidung tatsächlich nicht leicht gemacht hat

    Ich wollte auch den Baron facettenreich anlegen. Er sollte kein Zyniker sein, der einfach sein Ding durchzieht, sondern jemand, der eine (möglicherweise die falsche) Entscheidung getroffen hat und diese nun möglichst gut umzusetzen versucht.

    Und manüberlegt sich natürlich, wodurch die Schattenherren überhauptseinerzeit entstanden sind.

    Das wird innerhalb der Trilogie noch beantwortet - aber, wenn ich mich richtig erinnere, nicht mehr in diesem Band. ;)

  • Hallo zusammen


    Dieser Abschnitt hat mich schockiert ... und fasziniert zugleich. So muss Dark Fantasy sein.


    Habt Ihr sie vermisst - oder haben Ajina und Helion Euch in der Zwischenzeit ausreichend unterhalten?

    Ich habe kaum vermisst, mir ist der andere Handlungsstrang auf jeden Fall spannd genug.



    Zunächst mal zu Lióla: Ich habe mich gefreut, wieder von ihr zu lesen. Diese Figur fasziniert mich doch irgendwie, auch wenn sie grausam und dunkel ist.


    An dieser Stelle möchte ich wehement wiedersprechen. Gemessen an Ihren Maßstäben ist sie nicht grausam oder dunkel sondern Ihrer Weltanschauung entsprechend. Sie handelt, wie sie sozialisiert wurde.


    Also ich finde sie extrem grausam. Zumal sie sich ja ihrer Grausamkeit durchaus auch bewusst ist. Ja, sie wurde so erzogen aber trotzdem ist sie ein Mensch und lässt jegliches "menschlich sein" vermissen. Anscheinend macht das die Schattenherren aus.



    Auch ganz besonders, als klar wurde, dass der Baron Kinder an die Schattenherren verkauft.

    Bei dieser Geschichte bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite kann man ihn durchaus dafür verachten, dass er sowas macht und nicht an die weitere Zukunft seiner Leute denkt. Auf der anderen Seite lebt er nun mal im hier und jetzt mit den Menschen vor Ort und muss gegen die Faye kämpfen. Da kann man schon irgendwo nachvollziehen, dass er da das kleinere Übel nimmt, um den Rest der Bevölkerung vor Größerem zu bewahren. Und bis jetzt hat es anscheinend auch funktioniert. Direkt verurteilen kann man ihn hierfür nicht. Wie würden wir entscheiden?

    Aber er sieht doch mit welchen Mitteln die Schattenherren ihre Macht halten. Ich kann sein Verhalten nicht gut heißen auch wenn ich es natürlich nachvollziehen kann.



    Diesen Barbarenhäuptling könnte ich mir schon als tragende Figur vorstellen. Er ist nicht nur grobschlächtiog und ehrlich, sondern auch intelligent und hat irgendwie mehr als der "klassische" Barbar. Hoffentlich erlebt er das Ende der Trilogie...

    Ich würde ihn auch nicht nur als Nebenfigur abstempeln wollen. Er hat Charakter, Herz und Kopf und ich möchte gerne mehr von ihm lesen.



    Spannend fand ich,dass wir in diesem Abschnitt erfahren, wie die beiden SchwesternAjina und Lióla von ihrem Vater denken. Bei Lióla hätte ich Hasserwartet, aber im Gegenteil, sie ist ihm sogar dankbar, dass er dafürgesorgt hat, dass sie gezwungen war, ihre Stärke in sich zuentdecken. Während Ajina hofft, dass Modranels Absichten, Lisanne ineinen Hinterhalt zu locken, seine vergangenen Taten bei den Götternreinwaschen werden, ist sich Lióla sicher, dass ihr Vater dieUnsterblichkeit als Osadro anstrebt. Wer von den beiden wird rechthaben? Ajina ist diejenige, die die ganze Zeit mit Modranelzusammengelegt hat, davon sollte man ausgehen, dass sie ihn besserkennt. Und falls man Modranel glauben kann, dann würde er alles tun,um seine Tochter Ajina glücklich zu machen. Aber wie ernst ist esihm damit? Sind seine Schuldgefühle von damals, dass er Liólaverschachert hat, stark genug, um wenigstens Ajina nicht zuenttäuschen?

    Über Liolas Gedanken war ich überrascht. Aber anscheinend ist sie so sehr in ihrem neuen Leben aufgegangen dass sie kein anderes Leben vermisst und daher ihrem Vater nicht böse sein kann. Zumal er ja auch " den Schatten entsprechend" handelt

    Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

  • Bemerkenswert, dass der Baron ja irgendwie der Meinung war, Rina einen Gefallen zu tun, wenn er sie an die Schattenherren gibt. Ihr Leben als Halbwaise wäre laut ihm ja auch schwierig gewesen, wenn nicht sogar kurz.

    So hat sie für ihn wahrscheinlich sogar einen sinnvollen Nutzen gehabt. Blöd halt,dass der Vater gar nicht gestorben wäre, aber das haben seine Soldaten ja geklärt.