Leserundenfazit, Rezensionen (ohne Spoiler)

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    Bitte achtet darauf, nichts Wichtiges zu verraten. Diesen Thread lesen evtl. auch Personen, die das Buch noch nicht gelesen haben, aber es noch tun wollen!

  • Ich bedanke mich bei meinen Mitleserinnen und vor allem bei Cornelia Lotter für diese interessante und unterhaltsame Leserunde. Es war wirklich aufschlussreich, vieles war neu für mich. Das Thema wird mich noch eine Zeitlang beschäftigen.


    Hier nun meine Rezension:

    ————

    Eine Reise in die Vergangenheit


    Inhalt:

    Susanne hat keine Erinnerung an ihre Kindheit. Sie möchte der Vergangenheit auf die Spur kommen, um eine Erklärung für ihre Albträume zu finden. Was sie in einer bewusstseinserweiternden Psychotherapie erfährt, übersteigt jedes Vorstellungsvermögen und hat gravierende Folgen für ihr Leben.


    Meine Meinung:

    Cornelia Lotter beschreibt eindrücklich und überzeugend den Ablauf einer Psychotherapie mit bewusstseinserweiternden Drogen. Für mich ist es beängstigend, was dadurch passieren kann und auch passiert ist. Leider ist das keine Fiktion, sondern gut recherchiert und mehrfach so oder so ähnlich passiert. Vorbild ist die „Kirschblütengemeinschaft“, eine sektenähnliche Lebensgemeinschaft mit einem Psychiater als Guru. Er wendet eine Variante der Psycholyse an, einer umstrittenen, drogengestützten Psychotherapie, die er hart am Rande der Legalität praktiziert.

    Es hat mir sehr gut gefallen, wie Susanne Schritt für Schritt die schrecklichen Geschehnisse ihrer Kindheit wieder ans Tageslicht holt. Gegen den Willen ihrer Lebensgefährtin Gudrun zieht sie die Therapie durch und hat letztendlich „Erfolg“, der allerdings teuer bezahlt wird.

    Susanne kam mir anfangs egoistisch und ein bisschen zickig vor, das hat sich im Lauf der Geschichte aber gelegt. Im Nachhinein kann ich ihr Handeln, ihr Tun und Lassen größtenteils nachvollziehen. Allein das Verhalten ihrer Mutter gegenüber ist in meinen Augen ein „Nogo“.

    Auch die anderen Charaktere sind gut gelungen, sie haben mich überzeugt.

    Das einzige, was mir nicht gefallen hat, war die heftige Sexszene am Anfang. Sie passt meiner Meinung danach nicht ins Buch und hat mich eher abgeschreckt.


    Fazit:

    Ein brisantes Thema spannend umgesetzt. Absolute Leseempfehlung.

    ————

    Streuliste:

    Auf der Literaturschock-Hauptseite stelle ich die Rezi ein, sobald das Buch gelistet ist.


    Amazon

    Literaturschock-Forum

  • Liebe Caren, liebe Alle,


    sorry, dass ich mich jetzt erst melde, aber ich war in einer internetfreien Zone unterwegs. Vielen Dank an alle für das interessierte Lesen und Kommentieren. Es war für mich sehr interessant, zu sehen, welche Gedanken und Gefühle ihr beim Lesen hattet.


    Dir, liebe Caren, danke ich sehr für die ehrliche und schöne Rezension. Ich bin gespannt, was die anderen noch schreiben.

  • Vielen Dank für die spannende Leserunde und auch für die nette Begleitung durch Cornelia Lotter . Es hat mir wieder viel Spaß gemacht.


    Hier nun mein kleiner Eindruck ohne Inhaltsangabe:


    2 starke Themen in einem Thriller verpackt


    Die Geschichte ist angelehnt an einer wahren Begebenheit, in der seinerzeit bei einer Gruppentherapie zur Bewusstseinserweiterung Drogen verabreicht wurden. Das alleine ist schon ein starkes Thema. Die Hauptprotagonistin Susanne versucht mit dieser Therapie ihrer Vergangenheit auf den Grund zu gehen. Tief in ihrem Unterbewusstsein hat sie sehr schlimme Erlebnisse vergraben, die nach und nach zum Vorschein kommen. Hier sollten zart besaitete Leser die kursiv gedruckten Zeilen besser nicht lesen. Das ist schon ziemlich heftig und nimmt einen als Leser richtig mit. Ich finde auch gut, dass diese Szenen erkenntlich sind und man nicht versehentlich sich als Leser mitten in einer Abscheulichkeit befindet, die man unter Umständen nicht lesen möchte. Susannes Weg der Wahrheitsfindung fand ich auch interessant beschrieben und ich hatte als Leser genug Möglichkeiten zu spekulieren.

    Mit der Figur selbst wurde ich allerdings nicht richtig warm. Sie kam mir eher unsympathisch und auch ein wenig unfreundlich rüber, einige Verhaltensweisen konnte ich nicht richtig nachvollziehen. Die anfängliche Sexszene hätte ich auch nicht unbedingt gebraucht, auch wenn ich ziemlich gut fand, dass diesmal ein lesbisches Pärchen involviert ist. Das findet man doch nicht so oft. Susannes Partnerin Gudrun kam mir dagegen sehr authentisch rüber.

    Rotes Rauschen ist ein solider Thriller mit starken Themen und überraschenden Wendungen.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Vielen Dank an die Leserunde und an Cornelia. Ich hoffe, Dein erster Auftritt bei leserunden.de hat dir gefallen. Hier wird immer sehr ernsthaft gelesen und spekuliert. Nun meine erweiterte Lesermeinung.


    Rotes Rauschen


    Klappentext

    Woher kommt dieser immergleiche Albtraum von der einsamen Blockhütte im Wald? Warum watet sie in ihren Träumen durch Seen voll Blut?


    Die 45-jährige Susanne hat keinerlei Erinnerungen an ihre Kindheit. Durch eine Bekannte erfährt sie von einer neuartigen Psychotherapie. Dabei werden durch den Einsatz bewusstseinserweiternder Drogen verdrängte Erinnerungen an traumatisierende Erlebnisse hervorgeholt und bearbeitet. Wird sie mit Hilfe dieser Therapie die weißen Flecken in ihrer Vergangenheit ausfüllen können?


    Susanne ahnt nicht, dass sie sich auf eine Reise begibt, an deren Ende nicht nur ihr Leben bedroht ist.

    Meine Meinung

    Wer den Klappentext genau liest, kann schon damit rechnen, dass es im Wesentlichen um die verdrängten Kindheitserinnerungen der Protagonistin geht. Ich hatte dies nicht getan und erwartete eigentlich eine Auseinandersetzung mit der Kirschblütengesellschaft, da dieser Roman sich ja an einer wahren Begebenheit gerade dieser Gesellschaft orientiert.

    Insofern war ich dann überrascht vom eigentlichen Fortgang der Geschichte. Susanne hat ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter, weiß aber nicht warum. Sie hat Probleme im Alltagsleben, die ihre Partnerin zu deuten weiß, aber sie vertraut deren Aussagen nicht. Sie wird von Alpträumen gequält, die sie sich nicht erklären kann. Scheinbar hat se aber auch keine wirkliche Psychotherapie gemacht, denn das ist es, was ihre Partnerin ihr erfolglos vorschlägt. Diese ist nämlich der Einnahme von Drogen gegenüber sehr misstrauisch. Susanne aber sieht in dieser Therapie eine Chance, die Schranken zu ihrem Unbewußten zu überwinden und geht gegen den Rat zu einem entsprechenden Treffen. Der Damm beginnt zu brechen. Nun wird der Leser mit den aufkommenden Erinnerungen in aller Ausführlichkeit bedacht. Für Leute wie mich, die dies nicht brauchen, um der Geschichte zu folgen, ist es netterweise kursiv gedruckt und man kann es ohne Probleme überlesen.

    Interessant ist es zu erfahren, ob die unter Drogen erwachten Erinnerungen stimmen, oder ob die Aussagen der Mutter richtig sind. Um mehr zu erfahren, geht Susanne weiter zu den Treffen und auch zu einer Einzelsprechstunde, in der sie hypnotisiert wird und weitere Erkenntnisse über ihre Kindheit gewinnt. Dabei unterschätzt sie die Gefahr, die mit Drogeneinnahme verbunden ist

    Die Geschichte ist spannend geschrieben. Als interessantes Detail ist die lesbische Partnerschaft sehr gut geschildert, mit großer Selbstverständlichkeit und einer sehr einfühlsamen Sexszene wird die Beziehung der beiden Frauen in den Focus gestellt, um auch die unterschiedliche Einstellung zur Therapie darzustellen. Sollte man Erinnerungen, die unsere Psyche mit einem Deckel versehen hat, auch zugedeckt lassen? Oder ist es so, dass diese Deckelung mit den Jahren durchlässiger wird und gelüftet werden muss? Wer hat Recht? Susanne oder Gudrun?

    Gudrun war mir als Leser sehr sympathisch. Susanne allerdings erschien mir als Charakter zu selbstsüchtig. In ihrem Bemühen, die Vegangenheit zu entschlüsseln , benimmt sue sich sehr rücksichtlos gegenüber den Menschen die ihr nahestehen oder eventuell involviert sind. Besonders ihr Verhalten zu ihrer Mutter war für mich nicht akzeptabel. Obwohl, ich war auch nicht in ihrer Situation.

    Eine spannende Geschichte, bei der für mich allerdings heraus kam, dass diese Therapie erfolgreich ist und die Probleme dadurch entstehen, dass die Drogeneinnahme illegal ist und deshalb die Drogen nicht legal und kontrolliert beschafft werden können.

    Es ist auf alle Fälle interessant, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen.

  • Ein Trip in die Vergangenheit


    Die 45-jährige Susanne leidet unter dem Verlust der Erinnerungen an ihre Kindheit. Warum fühlt sie sich nicht in der Lage, andere Menschen zu lieben? Warum ist das Verhältnis zu ihrer Mutter so kühl? Und welche Rolle spielt dabei ihr verstorbener Vater? Mithilfe einer neuartigen Psychotherapie, die jedoch auf der Einnahme von bewusstseinserweiternden Drogen basiert, hofft Susanne, Antworten auf diese Fragen zu finden. Dabei stößt sie das Tor zu einem vergessenen Albtraum auf.


    Ich muss gestehen, aufgrund des Klappentextes hatte ich eine etwas andere Handlung erwartet, die Erwähnung von „Warum watet sie in ihren Träumen durch Seen voll Blut?“ hat mich eher an blutrünstige Morde denken lassen, daher war ich überrascht, welche Wendung Susannes Suche nach ihrer Vergangenheit genommen hat.


    Susanne führt eigentlich ein gutes Leben: im Job und auch in ihrer Beziehung mit Gudrun läuft es rund. Aber dennoch lassen sie ihre fehlenden Erinnerungen an ihre Kindheit nicht zur Ruhe kommen. Sie ist sich sicher, dass es ihr erst besser gehen wird, wenn sie Antworten gefunden hat. Daher greift sie nach mehreren erfolglosen Behandlungsversuchen zu dem Strohhalm der Therapie mit bewusstseinserweiternden, illegalen Drogen. Hier verwebt die Autorin dabei geschickt Tatsachenberichte mit der Handlung. Und auch wenn sich bei Susanne erste Erfolge dank dieser Therapie einstellen, werden von Cornelia Lotter ihre gesundheitlichen Gefahren und Risiken drastisch aufgezeigt.


    Ich denke, dass es durchaus Drogen gibt, mit denen man sehr gute Erfolge in der Medizin erlangen kann, jedoch bin ich sehr skeptisch, wenn die Therapie nicht unter kontrollierter ärztlicher Aufsicht durchgeführt wird. Daher kann ich Gudruns Einwände sehr gut nachvollziehen, kann aber auf der anderen Seite auch Susanne verstehen, die endlich Fragen auf ihre Antworten möchte.

    Allerdings konnte man sich bei dem, was Susanne unter dem Einfluss der Drogen aus ihrem Unterbewusstsein ausgräbt, nicht sicher sein, ob das tatsächliche Erinnerungen darstellen oder ob es sich dabei um Halluzinationen handelt. Für meinen Geschmack war sich Susanne zu oft zu sicher, das ihre Flashbacks tatsächlich so geschehen sind.


    Jedoch fragt man sich als Leser bei dem, was Susanne erfährt, ob es nicht seinen guten Grund hat, warum bestimmte Erinnerungen verdrängt werden. Auch mit dieser Frage setzt sich die Autorin auseinander.

    Aber Susanne geht den Weg, den sie einmal beschritten hat, unerbittlich weiter, auch wenn jede neue Erinnerung weiteren Schrecken für sie bereithält. Glücklicherweise bekommt sie dabei noch Hilfe von außen.


    Das Buch ist spannend geschrieben, wenn ich auch warnen möchte, dass Susannes Vergangenheit schockierende Tatsachen ans Tageslicht bringt, bei deren Beschreibung die Autorin nichts beschönigt und die mich als Leser auch nach der Lektüre noch beschäftigt haben.

    Ich war mir nicht sicher, ob und wie Susanne all das verkraften wird. Spannend war in diesem Zusammenhang auch das Verhalten von Susannes Mutter, die die Augen vor der Vergangenheit fest verschlossen hat, während Susanne versucht, zu ihr durchzudringen.


    Meine Meinung erscheint bei:

    Amazon

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    Liebe Cornelia,

    nochmal herzlichen Dank für das Freiexemplar und deine tolle Begleitung dieser spannenden Leserunde. Ich hoffe, es hat dir ebenfalls Spaß gemacht und du konntest aus der Leserunde etwas für dich mitnehmen.

  • Liebe Karin, vielen Dank für die schöne Rezension. :-)


    Ich freue mich, dass mein Buch in dir nachwirkt. Und die Leserunde hat mir viele Einsichten beschert, wie manche Dinge bei den Leserinnen ankommen. Das ist sehr wertvoll für einen Autor.


    Alles Liebe


    Cornelia

  • Susanne hat Albträume und Probleme, sich an Einzelheiten aus ihrer Kindheit zu erinnern. Auch Ihre Mutter ist ihr dabei keine grosse Hilfe. Durch eine Psychotherapie unter Einnahme einer bewusstseinsverändernden Droge verspricht sie sich, Klarheit zu verschaffen.


    in "Rotes Rauschen" wird die Geschichte der 45-jährigen Susanne mit den Ansätzen der "Kirschblütengemeinschaft" in Verbindung gebracht. Für mich ist es immer spannend, wenn ein Roman mit einer tatsächlichen Begebenheit verknüpft wird.


    Susanne sieht nach ihren ersten Therapiestunden Erfolge und führt die Besuche in der Gruppe fort. Ihrer Partnerin Gudrun missfällt das und damit war sie mir sofort sympathisch. Mit Susanne konnte ich nicht so richtig warmwerden. Sie verfolgt ihr Ziel ohne Rücksicht auf Verluste. Ihr Verhalten ihrer Mutter und auch Gudrun gegenüber konnte ich nicht nachvollziehen.

    Warum Gudrun Vieles aus Ihrer Kindheit verdrängt hat, wird im Laufe des Romans klar. Zartbesaitete Gemüter sollten die kursiv gedruckten Textpassagen nicht lesen. Ich habe das leider etwas spät bemerkt und war dementsprechend schockiert.

    Nicht klar war mir zeitweise, ob die unter Drogenkonsum erlebten Flashbacks echte Erinnerungen waren oder aus dem Drogenrausch resultierende Halluzinationen.


    Problematisch war für mich die Erkenntnis der Autorin, dass die Kirschblütengemeinschaft durchaus erfolgreich in der Behandlung mit Psychodrogen war, die Gruppe sich allerdings aufgrund der nicht legalen Beschaffung und des Konsums der Drogen abseits der rechtlichen Wege bewegt hat. Ich sehe die Einnahme dieser Stoffe deutlich kritischer.


    Bisher hatte ich von der Kirschblütengemeinschaft noch nichts gehört, der Roman war für mich interessant, allerdings hat die erotische Anfangsszene mich verwirrt, weil sie nichts mit der folgenden Geschichte zu tun hat. Leider konnte ich diesen für mich negativen Einstieg bis zum Schluss nicht beiseite schieben.