04: Kapitel 28 – Ende

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  • Der Bruder lebt tatsächlich in der Hütte, wo alles passierte und bewacht das Skelett von Manja. Das ist wirklich schon ganz schön krank. Wie gut, dass er jetzt professionelle Hilfe bekommt und der Fall endlich aufgeklärt ist. So können alle damit irgendwann besser abschließen.


    Manjas Mutter hat wohl mit allem abgeschlossen. War sie schon damals Alkoholikerin? Mich wundert, dass keiner misstrauisch geworden ist, als Susannes Vater immer wieder Manja geholt an. Auch sie muss sich doch verändert haben.


    Zwischendurch habe ich mir die Frage gestellt, wo der Vater soviel Geld her hat. Zwei Häuser zu finanzieren ist ja keine Kleinigkeit.


    Dass der Bruder Manja versehentlich erschossen hat, war für mich schon überraschend. Damit muss man auch erst zurecht kommen. Ganz schön viel für einen kleinen Jungen. Kein Wunder, dass Susanne alles tief in ihr Unterbewusstsein vergraben hat.


    Letztendlich war es gut, dass sie sich auf die Suche gemacht hat und die Geschichte so zu einem Abschluss kommen konnte.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Die Angestellte vom Jugendamt ist ja mehr als entgegenkommend, was Susannes Suche nach ihrem Bruder Patrick angeht. Das kommt garantiert nicht sehr oft vor. Schließlich hatte Susanne keinen Beweis, dass sie und Patrick den gleichen Vater haben. Aber man muss auch mal Glück haben.


    Evtl. hatte die Frau auch Mitleid mit den beiden, denn der Lebenslauf von Patrick ist ja alles andere als schön. Was leider auch zu befürchten war, dass diese ganzen furchtbaren Ereignisse nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind. Zumal wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass er versehentlich Manja getötet und auch den Vater damals erstochen hat. Meine Güte, was musste dieser Junge alles ertragen.


    Als Susanne herausfindet, dass ihr Erbe nicht ganz unerheblich ist, dachte ich: na, wenigstens etwas. Mit dem Geld kann man zwar in keinster Weise die Wunden von damals heilen, aber wenigstens haben sie und vor allem Patrick nun eine finanzielle Grundlage, die ihnen das Leben etwas erleichtert.


    Ich habe mich gefreut, dass Richard so glimpflich davongekommen ist, denn er hat ja wirklich im besten Wissen und Gewissen gehandelt und sein Tun aufrichtig bereut. Schön, dass er auch die Richter davon überzeugen konnte.


    Nur gut, dass sich Susanne auf den Weg zu der verhassten Jagdhütte gemacht hat, denn sonst hätte sie Patrick ewig suchen können, auch wenn Gerd ihr geholfen hat. Ich muss sagen, Gerd ist echt ein toller Mensch, der glücklicherweise nicht das Klischee der Journalisten erfüllt und nur auf eine gute Story aus ist.


    Anfangs war ich überrascht, dass Patrick doch so relativ gefestigt erscheint, zumal wir zuvor von seiner Pflegemutter erfahren hatten, dass er immer wieder drastische Hoch und Tiefs hatte. Schön fand ich, dass er aber gegenüber seinen Pflegeeltern immer dankbar war. Es ist so traurig, dass er deren liebevolles Zuhause nie dauerhaft annehmen konnte.


    O.k., in diesem Fall war es gut, dass Gudrun Susanne hinterherspioniert hat, mit wem sie sich trifft, aber ich glaube, das würde mich massiv stören und ich würde mich durch Gudruns Misstrauen eingeengt vorkommen. Ich glaube nicht, dass ich damit dauerhaft klarkommen würde.


    Mittelfristig gesehen war es sogar gut, dass Patrick seiner Schwester gegenüber diesen Aussetzer hatte und sie zur Bewacherin von Manja eingesetzt hat, denn so konnte sie die entsprechenden Maßnahmen einleiten und für eine dauerhafte Hilfe für ihn sorgen. Ich wünsche ihm sehr, dass er mit seinen Bildern einigermaßen Erfolg haben wird, damit er eine Bestätigung erfährt und ein Ziel in seinem Leben hat.

  • Das ist wirklich schon ganz schön krank. Wie gut, dass er jetzt professionelle Hilfe bekommt und der Fall endlich aufgeklärt ist. So können alle damit irgendwann besser abschließen.

    Ja, das ist echt allerhöchste Zeit, dass nun die Wahrheit über Manjas Schicksal ans Tageslicht kommt und Patrick nicht mehr mit diesem Wissen, der Schuld und der Angst leben muss. Wie du schreibst, nun hat er endlich die Chance, mit alldem abschließen zu können.

    Zwischendurch habe ich mir die Frage gestellt, wo der Vater soviel Geld her hat. Zwei Häuser zu finanzieren ist ja keine Kleinigkeit.

    Stimmt, das habe ich mich auch gefragt. Ich war eh überrascht, dass er Manjas Mutter so unter die Arme gegriffen hat, nachdem Manja tot war.

  • Ich finde es toll, dass du dich so sehr in die Figuren - die ich ja rein fiktiv geschaffen habe - hineinversetzt, Karin. Das ist für einen Autor, glaube ich, das größte Kompliment, wenn sie für den Leser leben. Darüber freue ich mich sehr. Und auch darüber, dass dir das Ende gefallen hat. Ich versuche immer, bei solchen schrecklichen Themen - manchmal habe ich das Gefühl, ich schreibe nur über solche Themen - einen versöhnlichen Schluss zu finden, damit ich den Leser irgendwie auch mit einem Aufatmen entlasse. Natürlich darf das nicht unrealistisches Heiapopeia sein, es muss schon vorstellbar sein.


    Bin gespannt auf die Meinung der anderen.

  • Ich denke sie war schon damals Alkoholikerin. Mich würde mehr interessieren, was aus ihrem Mann geworden ist. Ich denke schon, dass er zu den Männern gehört hat und vielleicht ist das der Grund für den Alkohol der Frau, die sich damit ins Vergessen getrunken hat. Es ist nicht leicht gegen einen starken Mann anzukommen. Wenn man zum Beispiel nicht geschieden wird, weil: "er hat sie doch schon vor der Ehe geschlagen, also warum stört sie das jetzt. Er liebt sie doch..." wörtliches Zitat der Richterin. Und alle fanden ihn nur "charmant".

    Zwischendurch habe ich mir die Frage gestellt, wo der Vater soviel Geld her hat. Zwei Häuser zu finanzieren ist ja keine Kleinigkeit.

    Das habe ich mich auch gefragt, dabei ist die Antwort eigentlich ganz einfach und mich wundert, dass Susanne sich die Frage nicht stellt. Ich hätte das Geld nicht angenommen oder zumindest einen großen Teil davon einem Verein für die Opfer aus Missbrauch gestiftet, denn ich denke, dass genau da das Geld herkommt. Die Herren werden ganz schön gelöhnt haben und ich hätte auch geforscht, wer die anderen Männer waren und ob es noch mehr Missbrauchsopfer aus dieser "Jagdgesellschaft" gibt.

    Ich habe mich gefreut, dass Richard so glimpflich davongekommen ist, denn er hat ja wirklich im besten Wissen und Gewissen gehandelt und sein Tun aufrichtig bereut. Schön, dass er auch die Richter davon überzeugen konnte.

    Ja, das hat mich auch gefreut. Ohne ihn wäre nichts aufgeklärt worden. Da haben Polizei und Psychotherapeuten jämmerlich versagt, auch und gerade bei Patrick. Wenn sie das herausgefunden hätten, wäre er vielleicht wirklich in ein normales Leben gekommen. So hatte er keine Chance, die "Schuld" aufzuarbeiten.


    Es ist so traurig, dass er deren liebevolles Zuhause nie dauerhaft annehmen konnte.

    Mich würde interessieren, was jeweils die Auslöser waren, dass er ausgebrochen ist und warum niemand was in der Richtung gemerkt hat.

    O.k., in diesem Fall war es gut, dass Gudrun Susanne hinterherspioniert hat, mit wem sie sich trifft, aber ich glaube, das würde mich massiv stören und ich würde mich durch Gudruns Misstrauen eingeengt vorkommen. Ich glaube nicht, dass ich damit dauerhaft klarkommen würde.

    Aber vorher hat Susanne doch mit lügen und Verschweigen angefangen. Warum hat sie Gudrun nicht von Gerd erzählt? ich hätte mich gefreut, wenn nach einem Streit mein Freund zu mir gekommen wäre und hätte ihn rüber gewunken und die beiden vorgestellt. Schließlich ist Gerd ein Mann und das wäre so, als ob mein Freund auf eine Bekannte von mir eifersüchtig wäre. Susanne hat also mit fehlendem Vertrauen angefangen.

    Überhaupt hat mein Mann unabhängig von mir auch gesagt, dass er Susanne am Ende nicht mehr wirklich leiden konnte. Sie ist einfach sehr egoistisch in der ganzen Zeit, ohne Verständnis für die Probleme anderer und sie hört nicht zu, sie gibt nicht nach und hinterfragt nicht, ob andere auch ihre Verdrändungsstrategien entwickelt haben, die in einer völlig anderen Zeit aufgewachsen sind. Missbrauch war in meiner Umgebung überhaupt kein Thema und heute meint man er passiert in jeder zweiten Familie. Natürlich sind wir heute sensibilisiert und emanzipiert. Wir können ohne Mann leben. Aber wie ist es bei folgender Situation: eine Gesellschaft in der die Frau hauptsächlich Hausfrau und Mutter ist. Nichts gelernt hat und finanziell völlig abhängig vom Mann. Der Mann mit Einfluss (wie hier ja der Vater, dessen Kumpane sicher keine armen Leute waren, wer weiß wer dazu gehört hat). Wenn er sagt, er wird dafür sorgen, dass er die Kinder behält und dass man ihm glaubt und sie in die Klapse schickt. Was wäre dann? So was ist passiert. Wir gehen viel zu viel von der heutigen Gesellschaft aus. Ich konnte allein mit zwei Kindern studieren ohne Unterstützung und ich war das Vorbild für zwei weiter Frauen, die sich getraut haben, ihre Männer zu verlassen. Eine von ihnen hat es, wie ich, geschafft. Die andere ist in eine tiefe Depression gekommen und hat sich in die Religion gerettet. Weiß nicht was aus ihr geworden ist.

  • Ich freue mich über die Fragen, die ihr stellt. Manche davon habe ich mir z.B. gar nicht gestellt. Aber auch wenn ich sie mir gestellt hätte, würde das nicht automatisch bedeuten, dass ich sie im Roman auch beantwortet hätte. Man muss als Autor einfach entscheiden, was die Handlung vorantreibt und dafür relevant ist und was nicht. Die Idee, von dem Geld etwas einem passenden Verein zu spenden, ist super! Nur ist sie mir leider nicht gekommen. Sonst hätte ich das ganz bestimmt eingebaut.


    Dass Susanne so egoistisch rüberkommt und sogar unsympathisch wird, tut mir leid, das war nicht meine Absicht. Aber das zeigt mal wieder, wie unterschiedlich auch die Figuren auf die Leser wirken. Was Gudruns Reaktion anbetrifft, so stimme ich Rhea voll zu. Susanne hat mit der Geheimnistuerei und dem Verschweigen angefangen. Ich sehe die Handlungen Gudruns auch nicht negativ, sondern kann sie sehr gut nachvollziehen. Ich finde es toll, wie sie trotz allem zu Susanne steht.


    Was Patricks Ausbrücke aus seiner Pflegefamilie anbetrifft, hätte ich sicher ins Detail gehen können, doch das schien mir jetzt für die Handlung nicht so wichtig zu sein. Ich finde sowieso grundsätzlich, ein Roman muss nicht alle Fragen beantworten und sollte vor allem noch genug Platz für die Fantasie und Interpretation des Lesers lassen.

  • Die Mitarbeiterin vom Jugendamt war wirklich kooperativ. Sonst wäre Susanne nicht zu der Adresse der Pflegeeltern gekommen. Die Frau tut mir wirklich leid! Sie und ihr Mann wollten das beste für Patrick, er hat es aber nicht geschafft, auf dem rechten Weg zu bleiben. Der „destruktive Kern, den sein Vater in ihm gelegt hat, war nicht auszurotten.“ Sehr schade. Dass er Manja versehentlich erschossen hat, musste furchtbar für ihn sein! Hätte er es doch schon früher erzählt, dann wäre ihm sicherlich geholfen worden. Ich hoffe für ihn, dass er sein Leben noch auf die Reihe kriegt. Susanne und er haben jetzt ja Geld und können eigentlich ein sorgenfreies Leben führen.

    Ich bin wirklich erschrocken, als er Susanne eingesperrt hat, damit sie auf Manja „aufpasst“! Das hätte auch schief gehen können....


    Susannes Vater war ja ein Ar.....!! Er hat Manja auch missbraucht und ihrer Mutter darfür Geldgeschenke gemacht. Pfui....


    Richard ist glimpflich davon gekommen, das freut mich auch. Wie wird er jetzt wohl weitermachen? Diese Art von Behandlung dürfte ihm verleidet sein.

  • Zumal wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass er versehentlich Manja getötet und auch den Vater damals erstochen hat. Meine Güte, was musste dieser Junge alles ertragen.

    Wie furchtbar, das das ganze Leben mit sich rumzuschleppen, ohne mit jemandem drüber zu reden. Da MUSS man ja durchdrehen.

    Zitat

    Nur gut, dass sich Susanne auf den Weg zu der verhassten Jagdhütte gemacht hat, denn sonst hätte sie Patrick ewig suchen können, auch wenn Gerd ihr geholfen hat. Ich muss sagen, Gerd ist echt ein toller Mensch, der glücklicherweise nicht das Klischee der Journalisten erfüllt und nur auf eine gute Story aus ist.

    Meine Meinung über Gerd musste ich auch revidieren. Er hat sein eigenes Anliegen zurückgestellt, um Susanne zu helfen.

    Zitat

    O.k., in diesem Fall war es gut, dass Gudrun Susanne hinterherspioniert hat, mit wem sie sich trifft, aber ich glaube, das würde mich massiv stören und ich würde mich durch Gudruns Misstrauen eingeengt vorkommen. Ich glaube nicht, dass ich damit dauerhaft klarkommen würde.

    Gudruns Misstrauen gefällt mir auch nicht. Susannes Geheimnistuerei allerdings ebenso wenig. In einer so engen Beziehung muss Vertrauen da sein. Warum hat Susanne nicht von Gerd erzählt? Es war doch nichts Schlimmes, was die beiden planten. Was wäre passiert, wenn Gudrun die beiden „erwischt“ hätte? Das wäre doch schlimmer als die Wahrheit, was Gerd und Susanne anbetrifft.

    Misstrauen ist einfach nur furchtbar! Mein erster Mann hat ständig mein Handy kontrolliert, weil er Angst hatte, dass ich mit „irgendjemandem“ SMS schreibe. Smartphones gab es damals noch nicht. Wenn ich meinem Partner nicht vertrauen kann, ist die Beziehung am Ende. Klar, mein Partner muss nicht alles und jedes von mir wissen oder ich von ihm. Ich käme aber nicht auf die Idee, ihm hinterher zu spionieren oder sein Handy oder seinen Laptop zu kontrollieren.

  • Manjas Mutter hat wohl mit allem abgeschlossen. War sie schon damals Alkoholikerin? Mich wundert, dass keiner misstrauisch geworden ist, als Susannes Vater immer wieder Manja geholt an. Auch sie muss sich doch verändert haben.

    Das frage ich mich auch. Manja muss doch irgendwie verstört gewesen sein? Vielleicht hat sie etwas geahnt, es aber nicht wahrhaben wollen. Sie redet sich ein, dass Susannes Vater „ein feiner Mensch“ war. Waren ihr die Geldgeschenke und Zuwendungen nicht suspekt?

  • Zum Thema "Da muss doch irgendjemand was gemerkt haben" muss ich noch eine Begegnung anführen, die ich gestern während meines Komparsendrehs gehabt habe. Die Frau, etwa in meinem Alter, engagiert sich gegen Kinderprostitution, die in Hotels stattfindet. Da passiert es dann eben mal, dass ein begüterter Mann eine teure Suite mietet und an der Rezeption Bescheid sagt, dass seine "Enkelin" ihn nachher besuchen kommt, und dass man sie zu im hochschicken kann. Und was glaubt ihr, was das Hotelpersonal macht? Es tut genau das. Ohne nachzuprüfen, ob dieses kleine Mädchen wirklich seine Enkelin ist. Die Frau, mit der ich sprach, kämpft darum, das Hotelpersonal zu sensibilisieren, es geht auch um die "Lover-Boy"-Masche, wo ja auch oft Minderjährige betroffen sind. Es ist unheimlich schwer, sagt sie, da durchzudringen. Da machen lieber alle die "3 Affen" und freuen sich über das Geld, das reinkommt. Es ist echt zum K....

  • Sie ist einfach sehr egoistisch in der ganzen Zeit, ohne Verständnis für die Probleme anderer und sie hört nicht zu, sie gibt nicht nach und hinterfragt nicht, ob andere auch ihre Verdrändungsstrategien entwickelt haben, die in einer völlig anderen Zeit aufgewachsen sind.

    Ich kann Susanne eigentlich gut verstehen und finde nicht, dass sie nur egoistisch ist. Sie möchte endlich mir ihrer Vergangenheit abschließen. Dass sie sich um Patrick kümmern will, finde ich gut. Die beiden zusammen könnten es schaffen, die schlimme Kindheit endlich zu bewältigen.

    Unmöglich fand ich das Verhalten gegenüber ihrer todkranken Mutter und die Geheimnistuerei Gudrun gegenüber.

  • Ich möchte doch noch mal eine Lanze für Susanne brechen. Ich denke, dass sie so einen Tunnelblick hatte und so mit der Suche nach ihrer eigenen Wahrheit beschäftigt war, dass es ihr gar nicht möglich war, auch andere Menschen rechts und links von ihr mit ihren Bedürfnissen und Motivationen wahrzunehmen. Ich glaube, das wäre doch ein bisschen viel verlangt gewesen. Schließlich muss sie ja innerhalb von nur wenigen Wochen eine Menge verarbeiten. Ich finde, wir sollten da ein bisschen realistischer und großzügiger in unserem Urteil sein. Aus sicherer Entfernung eines Unbeteiligten ist es immer einfach, zu be- und verurteilen. Wie es uns gehen würde, wären wir in derselben Situation, steht noch mal auf einem ganz anderen Blatt.


    Nach dem 2. Weltkrieg habe auch alle gesagt: Wir hätten auch Juden versteckt, wenn wir in die Situation gekommen wären. Es gab überhaupt nur Leute im Widerstand und ich habe mich immer wieder gefragt, woher dann die ganzen Täter gekommen sind.

  • Oh, ich bin die Letzte, die jemanden verurteilt, wenn sie sich nicht in die Situation veresetzen kann. Aber Susannes Situation mit der im Nazireich zu vergleichen ist wohl etwas gewagt. Sie hatte ein gutes Leben mit ein paar Schwierigkeiten. Sie war an keiner Stelle bereit, mal in Ruhe zu reden. Wie gesagt, wenn sie schon alle Therapien durcch gehabt hätte, aber Gudrun hat wohl schon länger die Vermutung und wollte sie zu einem Therapeuten schicken. Da hat sie aber alles von sich gewiesen und nun ist sie auf einmal voll dabei. Das ist einfach nicht nett Gudrun gegenüber. Sie findet den Bruder und statt sich erst einmal um ihn zu kümmern hat sie nur im Sinn, wie sie an Informationen kommt. Naja, kann sein, ich würde es auch so machen, aber es muss mir nicht gefallen.

    Was de Behandlung der Mutter betrifft habe ich jedoch keinerlei Verständnis.

  • Wenn man zum Beispiel nicht geschieden wird, weil: "er hat sie doch schon vor der Ehe geschlagen, also warum stört sie das jetzt. Er liebt sie doch..." wörtliches Zitat der Richterin. Und alle fanden ihn nur "charmant".

    Ist nicht wahr? So ein Ausspruch haut mich jetzt aus den Socken.


    Die Herren werden ganz schön gelöhnt haben und ich hätte auch geforscht, wer die anderen Männer waren und ob es noch mehr Missbrauchsopfer aus dieser "Jagdgesellschaft" gibt.

    Damit könntest du recht haben, dass daher das viele Geld herkam. Ich dachte auch kurz daran, ob es eine Möglichkeit gibt, die anderen Männer nach all den Jahren noch zur Verantwortung zu ziehen, aber zum einen hätte das den Rahmen des Buches gesprengt, das wäre sicherlich Thema für ein weiteres Buch. Andererseits weiß ich nicht, wie es mit der Verjährung dabei aussieht, obwohl solch abscheulichen Taten eigentlich auch nie verjähren dürften. Und dann müssen Susanne und Patrick soweit auch stabil und dafür bereits sein, so eine Suche durchzuziehen.

    Aber natürlich wäre es mir auch am liebsten, diese Typen würden alle auffliegen und an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden.


    Mich würde interessieren, was jeweils die Auslöser waren, dass er ausgebrochen ist und warum niemand was in der Richtung gemerkt hat.

    Da bin ich bei Cornelia, das hätte sicher ebenfalls den Rahmen gesprengt. Wahrscheinlich können die Auslöser auch gar nicht konkret benannt werden, denn die verletzte Seele von Menschen, die solche Gräuel mitmachen musten, tut oftmals Dinge, die man nicht nachvollziehen kann.


    Aber vorher hat Susanne doch mit lügen und Verschweigen angefangen. Warum hat sie Gudrun nicht von Gerd erzählt? ich hätte mich gefreut, wenn nach einem Streit mein Freund zu mir gekommen wäre und hätte ihn rüber gewunken und die beiden vorgestellt.

    Hm, wobei ich davon ausgehe, dass Gudrun in den ganzen drei Jahren bereits so eifersüchtig und misstrauisch war, daher bin ich davon ausgegangen, dass Susanne das wusste und ihr aus diesem Grund nichts erzählt hat, weil sie keine Lust auf Diskussionen und Streit hatte.


    Ich möchte doch noch mal eine Lanze für Susanne brechen. Ich denke, dass sie so einen Tunnelblick hatte und so mit der Suche nach ihrer eigenen Wahrheit beschäftigt war, dass es ihr gar nicht möglich war, auch andere Menschen rechts und links von ihr mit ihren Bedürfnissen und Motivationen wahrzunehmen.

    Das denke ich auch, es ist ja wahnsinnig viel über sie hereingebrochen und nichts davon war angenehm oder schön, ganz im Gegenteil.

  • Zum Thema "Da muss doch irgendjemand was gemerkt haben" muss ich noch eine Begegnung anführen, die ich gestern während meines Komparsendrehs gehabt habe. Die Frau, etwa in meinem Alter, engagiert sich gegen Kinderprostitution, die in Hotels stattfindet. Da passiert es dann eben mal, dass ein begüterter Mann eine teure Suite mietet und an der Rezeption Bescheid sagt, dass seine "Enkelin" ihn nachher besuchen kommt, und dass man sie zu im hochschicken kann. Und was glaubt ihr, was das Hotelpersonal macht? Es tut genau das. Ohne nachzuprüfen, ob dieses kleine Mädchen wirklich seine Enkelin ist.

    Meine Güte, es ist wirklich furchtbar, was da teilweise läuft.

  • Damit könntest du recht haben, dass daher das viele Geld herkam. Ich dachte auch kurz daran, ob es eine Möglichkeit gibt, die anderen Männer nach all den Jahren noch zur Verantwortung zu ziehen, aber zum einen hätte das den Rahmen des Buches gesprengt, das wäre sicherlich Thema für ein weiteres Buch. Andererseits weiß ich nicht, wie es mit der Verjährung dabei aussieht, obwohl solch abscheulichen Taten eigentlich auch nie verjähren dürften. Und dann müssen Susanne und Patrick soweit auch stabil und dafür bereits sein, so eine Suche durchzuziehen.

    Aber natürlich wäre es mir auch am liebsten, diese Typen würden alle auffliegen und an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden.

    Das wäre sicher beruhigend, die Männer zur Rechenschaft zu ziehen. Aber wie will man die finden? Die Kinder waren damals noch klein und ich bezweifle, dass ein Richter sich darauf einlassen wird, Erinnerungen, die evtl. im Drogenrausch zum Vorschein kommen, als Beweise anzuerkennen.

  • Ich finde ja, dass es möglich sein müßte, die Jagdgesellschaft zusammen zu bekommen. Sicher ist das ein Puzzlearbeit, aber damit konnte die Polizei wieder gut machen, was sie bei Manja versäumt hatten. Wenn ich hier sage, was mich interessieren würde, meine ich nicht, es müsse im Buch kommen, aber da wir an anderer Stelle über die Gefahren Betroffener gesprochen haben, durch das Lesen bestimmter Sachen Flashbacks zu bekommen, fände ich es eben auch interessant zu erfahren, wie das bei Patrick aussah und, da er ja in psychiatrischer Behandlung war, die Frage, wieso die es nicht gemerkt haben, wieso keiner nachgeforscht hat warum dieser Junge immer wieder aus der Bahn kommt.

  • Eigentlich ist das das Beste, was einem als Autor passieren kann: Wenn die Leser die von mir erfundenen Figuren derart als wahr und realistisch empfinden, dass sie sich Gedanken darüber machen, wie es diesen Figuren ergangen wäre, wenn...


    Und ob nicht dies oder jenes hätte eintreten können, müssen...


    Also praktisch die Geschehnisse nach dem Buch.


    Kann das damit zusammenhängen, dass einige von euch aus der Rollenspielszene kommen oder zu diesen Autoren gehören, die bekannte Romane weiterschreiben oder die Figuren weiterentwickeln (mir fällt gerade der Begriff dafür nicht ein).


    So krass wie hier ist mir das nämlich noch in keiner Leserunde passiert. Ich frage mich nur, was das für mich als Autor bedeutet. Heißt das, ich hätte auf das ein oder andere mehr eingehen müssen? Sind die Beweggründe der Figuren nicht ausreichend gut dargestellt? Bleiben zu viele Fragen offen, die ich hätte beantworten müssen?

  • Kann das damit zusammenhängen, dass einige von euch aus der Rollenspielszene kommen oder zu diesen Autoren gehören, die bekannte Romane weiterschreiben oder die Figuren weiterentwickeln (mir fällt gerade der Begriff dafür nicht ein).

    Weder noch :)

    Ich frage mich nur, was das für mich als Autor bedeutet. Heißt das, ich hätte auf das ein oder andere mehr eingehen müssen? Sind die Beweggründe der Figuren nicht ausreichend gut dargestellt? Bleiben zu viele Fragen offen, die ich hätte beantworten müssen?

    Ich denke, wir machen uns auch deswegen die Gedanken, weil es so ein aufwühlendes Thema ist. Und wie es scheint, regt nicht nur mich das Buch an, nach Ende der Lektüre über diese Thematik weiter nachzudenken. Wenn du die einzelne Figuren neben Susanne ebenfalls mehr Raum in der Geschichte gegeben hättest (damit meine ich ihre Emotionen, Gedanken usw.) dann wäre der Roman sicher 200 Seiten dicker geworden. Für den Umfang des vorliegenden Buches finde ich daher die Informationen in Ordnung, so wie sie sind.