04 - Kapitel 9 bis 11 (Seite 179 bis 231)

  • Hier könnt ihr zum vierten Abschnitt - Seite 179 bis 231 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Beim unangekündigte Besuch in Berlin erfährt Hedwig, daß Albert in ein Haus in der Nähe des Adlons gezogen ist. Und bei einer großen Feier gibt eine Schauspielerin sich für Alberts Ehefrau aus. Albert hat Erfolg und Hedwig hat gar nichts davon. Es ist nur zu gut zu verstehen, daß Hedwig nichts mehr mit Albert zu tun haben will!


    Jetzt sind auch noch die Rosenbaums weg. Sie wollen nach Norwegen. Daß sich Hedwig entschließt, die Wohnung und den Laden der Rosenbaums zu übernehmen, ist großartig. Durch ihren Bruder, der sie erst dazu überreden wollte, der Partei beizutreten, bekommt sie endlich Kredit bei der Bank. Wie schön, daß sie endlich Kahlenwald entkommen und ihren Traum verwirklichen konnte!


    Beinahe hätten ihre Kinder wieder zurück zu den Großeltern gemußt. Nur durch die Unterstützung ihres Vaters konnte Karl Mahnstein zur Vernunft gebracht werden. Das muß man ihm sehr hoch anrechnen!


    Schließlich tritt Hedwig doch der Partei bei, damit endlich Ruhe einkehrt.


    Alberts Glück hält nicht an. Er kommt zurück. So schnell kann das gehen!


    Hedwig ist eine kämpferische Frau und sie läßt sich nicht mehr alles gefallen. Hoffentlich geht es jetzt mal ohne Turbulenzen weiter. Sie hat wirklich schon genug davon gehabt!

  • Hedwig ist eine kämpferische Frau und sie läßt sich nicht mehr alles gefallen. Hoffentlich geht es jetzt mal ohne Turbulenzen weiter. Sie hat wirklich schon genug davon gehabt!

    Ich glaube, ich spoile hier nicht, denn ist ja allgemein bekannt, dass bald der Krieg ausbricht und was dann in Ostpreußen geschah. Somit wird Hedwig nicht lange Ruhe beschert sein - sonst wäre der Roman ja jetzt auch schon zu Ende ;-)

    Always look on the bright side of life ...

  • Schließlich tritt Hedwig doch der Partei bei, damit endlich Ruhe einkehrt.

    Kann man diesen Schritt Hedwigs verstehen? Von Anfang an war sie gegen Hitler und seine Politik, erkannte, dass da nichts Gutes auf die Deutschen zukommt, und jetzt tritt sie trotzdem der Partei bei. Sie tat es, um ihre Kinder zu schützen, hat also resigniert und musste einsehen, dass sie allein zu schwach ist, um gegen das Regime anzukämpfen ...

    So, wie Hedwig, handelten früher viele Menschen. Im Herzen waren sie keine Nationalsozialisten, oft war es aber nötig, Mitglied der Partei zu werden, um sich selbst und seine Lieben zu schützen.

    Always look on the bright side of life ...

  • Schließlich tritt Hedwig doch der Partei bei, damit endlich Ruhe einkehrt.

    Kann man diesen Schritt Hedwigs verstehen? Von Anfang an war sie gegen Hitler und seine Politik, erkannte, dass da nichts Gutes auf die Deutschen zukommt, und jetzt tritt sie trotzdem der Partei bei. Sie tat es, um ihre Kinder zu schützen, hat also resigniert und musste einsehen, dass sie allein zu schwach ist, um gegen das Regime anzukämpfen ...

    So, wie Hedwig, handelten früher viele Menschen. Im Herzen waren sie keine Nationalsozialisten, oft war es aber nötig, Mitglied der Partei zu werden, um sich selbst und seine Lieben zu schützen.

    Ohne den Teil gelesen zu haben: Ja, ich kann es schon verstehen. Der Druck von außen muss immens gewesen sein!

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Schließlich tritt Hedwig doch der Partei bei, damit endlich Ruhe einkehrt.

    Kann man diesen Schritt Hedwigs verstehen? Von Anfang an war sie gegen Hitler und seine Politik, erkannte, dass da nichts Gutes auf die Deutschen zukommt, und jetzt tritt sie trotzdem der Partei bei. Sie tat es, um ihre Kinder zu schützen, hat also resigniert und musste einsehen, dass sie allein zu schwach ist, um gegen das Regime anzukämpfen ...

    So, wie Hedwig, handelten früher viele Menschen. Im Herzen waren sie keine Nationalsozialisten, oft war es aber nötig, Mitglied der Partei zu werden, um sich selbst und seine Lieben zu schützen.

    Das sind auf jeden Fall schmerzhafte Entscheidungen und Gewissensfragen. Aus Angst vor Repressalien oder um nicht aus der Reihe zu tanzen in der Familie, Nachbarschaft, unter Kollegen etc. haben sich seinerzeit wohl viele zu diesem Schritt durchgerungen, obwohl sie keine überzeugten Nazis waren. Vielleicht können auch nur Menschen diese Zeiten nachempfinden, die sie auch miterlebt haben. Ich kenne solche Schilderungen auch nur aus den Erzählungen meiner Oma und meiner Eltern. Hedwig hat es sich nicht leicht gemacht - als sie bei Karl wegen des Kredits war, hat sie sich geweigert zu unterschreiben. Erst als die Situation wegen der Kinder eskaliert, kann sie sich zu diesem Schritt durchringen - und ja, in dieser Lage verstehe ich sie , wenn es auch eine zwiespältige Sache ist. Darf man gegen sein eigenes Gewissen handeln,quasi seine " Seele verkaufen" , um sich und die Seinen zu schützen oder macht man sich damit mitschuldig an einem großen Unrecht? Das sind uralte Menschheitsfragen, für die es keine eindeutigen Antworten geben kann.

  • Albert ist ja noch dümmer als ich dachte! ( ja, sorry, ich konnte es nicht abwarten:verlegen: Ich war so neugierig). Erst präsentiert er als Gattin eine Schauspielerin ( oder Lebensabschnittsgefährtin), wer weiß, wie er seine Frau dargestellt hat. Sicher nicht als Landpomeranze, auch wenn die daheim den Laden am Laufen hält und allein schon dafür Anerkennung erhalten sollte. Schließlich hält sie ihm den Rücken frei! Aber Albert denkt nur an sich und Johanna verteidigt ihr Goldbubele noch! Nachdem der Besuch in Berlin im Fiasko endet, hat Hedwig die Schnauze voll und zieht von ihren Schwiegereltern weg. Und das war eine gute Entscheidung, denn das wäre niemals besser geworden, eher schlimmer.

    Tragisch finde ich, dass die Rosenbaums bei Nacht und Nebel nach Norwegen fliehen, aber das hat denen wohl das Leben gerettet. Die Entscheidung, die Wohnung zu übernehmen, ist auch typisch für Hedwig: Geistesgegenwärtig, praktisch und menschlich. Denn, wenn sie das Mobiliar nicht übernommen hätte, wäre wahrscheinlich alles Abfall gewesen. Karl entwickelt sich zum echten Kotzbrocken mit seiner Parteihörigkeit, droht Hedwig einfach unverhohlen! Dabei ist er doch garkein so ein Loser! Ist euch schon mal aufgefallen, dass die schlimmsten Verbrecher vorher voll die Loser waren? Ich habe dieses Semester eine Vorlesung über die Vernichtungspolitik ( Und da habe ich auch jede Woche einen Riesenhals:kommmalherfreundchen:))

    Und dann hat Albert noch die Frechheit wieder angekrochen zu kommen, wenn er durch seine Sauferei den Job verloren hat. Alle sind ja so gemein zu ihm!

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Hedwig ist eine kämpferische Frau und sie läßt sich nicht mehr alles gefallen. Hoffentlich geht es jetzt mal ohne Turbulenzen weiter. Sie hat wirklich schon genug davon gehabt!

    Ich glaube, ich spoile hier nicht, denn ist ja allgemein bekannt, dass bald der Krieg ausbricht und was dann in Ostpreußen geschah. Somit wird Hedwig nicht lange Ruhe beschert sein - sonst wäre der Roman ja jetzt auch schon zu Ende ;-)

    Ja, daran hatte ich im Augenblick nicht gedacht!

  • Schließlich tritt Hedwig doch der Partei bei, damit endlich Ruhe einkehrt.

    Kann man diesen Schritt Hedwigs verstehen? Von Anfang an war sie gegen Hitler und seine Politik, erkannte, dass da nichts Gutes auf die Deutschen zukommt, und jetzt tritt sie trotzdem der Partei bei. Sie tat es, um ihre Kinder zu schützen, hat also resigniert und musste einsehen, dass sie allein zu schwach ist, um gegen das Regime anzukämpfen ...

    So, wie Hedwig, handelten früher viele Menschen. Im Herzen waren sie keine Nationalsozialisten, oft war es aber nötig, Mitglied der Partei zu werden, um sich selbst und seine Lieben zu schützen.

    Ja, man kann diesen Schritt verstehen. Schließlich mußte sie mit den Gegebenheiten leben!

  • Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Der Abschnitt war schon mehr nach meinem Geschmack. Hedwig nimmt die Dinge nun endlich selbst in die Hand. Mir war beim Lesen nicht so ganz klar, warum sie eigentlich nach Berlin fährt. War es, weil Albert sich nicht mehr gemeldet hat, aber klar war, dass er viel Geld hat, ohne dass etwas davon bei Hedwig ankommt?

    Der Berlinaufenthalt entpuppt sich schnell als ein einziger Albtraum. Alberts Verhalten ist unglaublich! Ich könnte ihm alles verzeihen, seine Affären, seine Dreistigkeit, eine andere Frau als seine Frau vorzustellen, dass er nichts von seinem Umzug erzählt, ... alles, wenn er sich trotzdem zumindest finanziell um seine Familie kümmern würde und das ganze Geld nicht nur für seinen Luxus verprassen würde. Damit hat er sich bei mir wirklich gänzlich unsympathisch gemacht. Zuguterletzt hat er dann auch noch den Schneid bei Hedwig aufzutauchen, als er seine Anstellung durch seine Trinkerei verliert, um bei ihr die Hände aufzuhalten und zu betteln. Unglaublich der Mann!


    Hedwig hingegen ist das komplette Gegenteil. So schrecklich wie die Erfahrung in Berlin auch gewesen sein muss, geht sich doch gestärkt daraus hervor! Endlich nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand und was vorher aus fadenscheinigen Gründen unmöglich war, wird endlich wahr. Sie kann ihr eigenes Geschäft eröffnen und sich endlich aus diesem unsäglichen Betrieb der Schwiegereltern lösen. Ich kann mir vorstellen, dass sie finanziell nun auch um einiges besser da steht. Das ist wirklich schön zu hören!


    Traurig hingegen sind natürlich die Zufälle, die 'rein spielen, damit Hedwig sich ihren Traum erfüllen kann. Die Rosenbergs sind weg. Aber ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass sie noch von sich aus geflohen sind und nicht deportiert wurden. Eigentlich sind wir noch in einer Zeit, in der ich mich über jeden geflohenen Juden freue, weil dieser höchstwahrscheinlich am Ende überleben wird. Also, missversteht mich nicht, natürlich wäre es mir am liebsten, sie könnten einfach unbehelligt bis ans Ende ihrer Tage leben, aber wir wissen alle, dass die Luft für die jüdischen Menschen nur noch dünner wird, bis sie ihnen ganz ausgeht. Dann doch lieber eine frühe gelungene Flucht!


    Die Episoden mit Karl und den Kindern fand ich gut. Dass Hedwig aber nun doch in die Partei eintritt, kam für mich in diesem Moment ein wenig plötzlich. Ich hätte es nachvollziehbarer gefunden, wenn sie es gemacht hätte, um sich von ihren Schwiegereltern loszusagen. Aber nun gut, sie ständigen Auseinandersetzungen mit ihrem Bruder und immer aufpassen müssen, was Werner eventuell weitersagen könnte... Dass es einige Menschen gab, die zu ihrem eigenen Schutz in die Partei eingetreten sind, weiß ich auch. Kenne ich sogar aus meiner eigenen Familie. ;)

  • Wo ich im anderen Abschnitt gerade nochmal über Hedis Vater geschimpft habe, muss ich ihn hier mal lobend erwähnen. Er setzt sich für Hedi ein und agiert gegen seinen Sohn, damit die Kinder bei ihr bleiben. Sicherlich nicht ganz uneigennützig, aber ich mag es, wenn Personen dennoch nicht durch die Bank weg schlecht geschildert werden. Karl ist für mich ebenso ein Beispiel. Er ist zwar ein knallharter Nazi, aber dennoch setzt er bei der Bank ein gutes Wort für Hedwig ein, damit sie ihren Kredit kriegt, auch ohne dass Hedwig in die Partei eintritt.

    Leider fällt Johanna gar nicht in dieses Raster und ist mir stellenweise schon zu einseitig unsympathisch dargestellt.

  • Na, Albert ist ja echt ein Herzchen. Mannomann, was Hedwig in Berlin erlebt, ist ja mehr, als manch einer in zwei Wochen erlebt. Nicht nur, dass sie von Berlin völlig erschlagen ist (ein totaler Kulturschock), dann erfährt sie auch noch, dass ihr feiner Herr Gatte im Adlon residiert. Meine Güte, wie peinlich muss das sein, wenn man als Ehefrau vor der Vermieterin steht und zugeben muss, dass man überhaupt keine Ahnung von dem hat, was der Ehemann treibt.


    Und dort läuft sie sogar Hans Albers und Heinz Rühmann in die Arme :totlach: Wegen deren Andeutungen, dass leider nicht alle Ehefrauen auf dem Empfang willkommen wären, habe ich mal eben gegoogelt; das war mir gar nicht bewusst, dass die Partnerinnen der beiden Schauspieler bei den Nazis alles andere als erwünscht waren.


    Dann kommt der nächste Klopper, als man ihr erzählt, Albert wäre mit seiner Frau auf dem Empfang! Hedwig muss sich wirklich vorgekommen sein, wie in einem völlig falschen Film – im wahrsten Sinne des Wortes.


    Wo Alberts Prioritäten liegen, als er Hedwig in die dunkle Nacht ziehen lässt, wird spätestens hier völlig klar. Aber ein gutes hatte der ganze grauenhafte Ausflug nach Berlin: er war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Hedwig platzt der Kragen und sie beschließt, ihr Leben endlich in die eigene Hand zu nehmen und keine Rücksicht mehr auf andere zu nehmen, die sie eh nur ausnutzen. Richtig so – das war schon längst überfällig! Irgendwann wäre sie sonst erstickt.


    Dass sie dann ausgerechnet die Wohnung und den Laden der Rosenbaums anmieten kann, fand ich irgendwie tröstlich, so gerät die Buchhändlerfamilie nicht ganz ins Vergessen. Ich fand es sowieso schon traurig genug, dass sie plötzlich weg waren und alles zurücklassen mussten, aber andererseits war ich auch froh, dass sie es noch geschafft haben, frühzeitig zu fliehen. Man spürt, wie die Situation für die Juden immer brenzliger wird und sich die Schlinge um sie immer mehr zuzieht.


    Eine ganz starke Szene fand ich, als Hedwig trotz allem zu Karl geht, um ihn zu bitten, ein gutes Wort für einen Kredit für sie einzulegen; dass Hedwig, obwohl Karl ihr die Pistole auf die Brust setzt, was die Parteimitgliedschaft angeht, sich nicht von ihm „erpressen“ lässt. Dass er dann trotzdem ihr zu einem Kredit verhilft, hat in mir ein wenig Hoffnung aufkommen lassen, dass bei ihm vielleicht doch noch nicht Hopfen und Malz verloren sind.


    Aber diese Hoffnung hat er vollkommen verspielt, als er alles daransetzen will, Hedwig die Kinder wegzunehmen! In der Situation hat mich Hermann Mahnstein sehr positiv überrascht, der, obwohl er nichts mit seiner Tochter großartig zu tun haben möchte, sich dann doch für Hedwig einsetzt.

    Natürlich ist es blöd, dass Hedwig keinen anderen Weg mehr sieht, als doch noch der Partei beizutreten, aber sie hat eigentlich auch keine andere Wahl, wenn sie nicht ständig Gefahr laufen will, ihre Kinder an ihre Schwiegereltern zu verliernen. Denn das wäre eine echte Katastrophe, die Kinder sind allzu leicht zu beeinflussen. Man sieht es ja, wie Hedwig gegen die Gehirnwäsche durch die Lehrer kämpfen muss.


    Und es war eine gute Entscheidung von Hedwig, dass sie den Schritt zur Selbständigkeit gewagt hat: sie ist ziemlich erfolgreich mit ihrer Schneiderwerkstatt. Sehr gut herausgearbeitet finde ich dabei auch der Zwiespalt, auf dem ihr Erfolg beruht: dass dieser „österreichische Gefreite“ es tatsächlich geschafft hatte, die deutsche Wirtschaft auf Vordermann zu bringen. Zu dem Zeitpunkt hat ja noch keiner durchschaut, wie er das gemacht hat.


    Und dann kommt dieser Taugenichts von Albert wieder angeschlichen, nachdem er sich mit seinem Alkoholkonsum in Berlin alles kaputtgemacht hat. Dass er er sich dann noch über die Hoffnungen der Kinder, er möge für immer bei ihnen wohnen, einschleicht, ist typisch für ihn. Hedwig war immer so fair, ihre Kinder nie gegen den Vater aufzuspielen, aber er nützt das gleich wieder für sich aus. Ich hoffe nur, Hedwig knickt nicht ein und nimmt ihn wieder bei sich auf.

  • Kann man diesen Schritt Hedwigs verstehen? Von Anfang an war sie gegen Hitler und seine Politik, erkannte, dass da nichts Gutes auf die Deutschen zukommt, und jetzt tritt sie trotzdem der Partei bei. Sie tat es, um ihre Kinder zu schützen, hat also resigniert und musste einsehen, dass sie allein zu schwach ist, um gegen das Regime anzukämpfen ...

    So, wie Hedwig, handelten früher viele Menschen. Im Herzen waren sie keine Nationalsozialisten, oft war es aber nötig, Mitglied der Partei zu werden, um sich selbst und seine Lieben zu schützen.

    Aus heutiger Sicht kann man leicht darüber die Nase rümpfen, aber wenn man unmittelbar davon betroffen ist und sie als alleinerziehende Frau (auch wenn nicht offiziell) sowieso nochmal mehr aufpassen muss wegen der Kinder, blieb ihr eigentlich nichts anderes übrig.


    Aber ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass sie noch von sich aus geflohen sind und nicht deportiert wurden. Eigentlich sind wir noch in einer Zeit, in der ich mich über jeden geflohenen Juden freue, weil dieser höchstwahrscheinlich am Ende überleben wird. Also, missversteht mich nicht,

    Ich missverstehe dich nicht, im Gegenteil, ich bin auch froh, von jedem jüdischen Flüchtling zu lesen, der es geschafft hat, dem KZ und dem sicheren Tod zu entgehen.

  • Mannomann, was Hedwig in Berlin erlebt, ist jamehr, als manch einer in zwei Wochen erlebt.

    Das stimmt. Als sie später zurück kommt und man sie fragt, wo sie diese eine Nacht war, habe ich auch kurz gestutzt und gedacht: Huch, war das nur eine Nacht?


    Dass sie dannausgerechnet die Wohnung und den Laden der Rosenbaums anmieten kann,fand ich irgendwie tröstlich, so gerät die Buchhändlerfamilienicht ganz ins Vergessen.

    Das stimmt. Sie wird die Wohnung mit all den Möbel- und Erinnerungsstücken der Rosenbaums gut behandeln. Ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere mit den Möbel und vor allem den Fotos nichts zu tun haben wollen würde und da ganz anders mit umgehen würde. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass die Rosenbaums sich freuen würden, wenn sie wüssten, dass sie mit ihrer Flucht Hedwig zu einem selbstständigen Leben verholfen haben.


    Ich hoffe nur, Hedwigknickt nicht ein und nimmt ihn wieder bei sich auf.

    Ich denke, dass genau das passieren wird. Was soll sie auch groß tun, wenn sie den Schein weiter wahren will?

  • Das stimmt. Sie wird die Wohnung mit all den Möbel- und Erinnerungsstücken der Rosenbaums gut behandeln. Ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere mit den Möbel und vor allem den Fotos nichts zu tun haben wollen würde und da ganz anders mit umgehen würde. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass die Rosenbaums sich freuen würden, wenn sie wüssten, dass sie mit ihrer Flucht Hedwig zu einem selbstständigen Leben verholfen haben.

    Genau die gleichen Gedanken hatte ich auch beim Lesen.

  • Ich hätte es nachvollziehbarer gefunden, wenn sie es gemacht hätte, um sich von ihren Schwiegereltern loszusagen

    Es ist auch ein Schritt, den Schwiegereltern den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn das Damoklesschwert, die Kindern an diese "abtreten" zu müssen, hing tief und scharf über Hedwig. Wenn sie jetzt äußerlich zeigt, dass sie die Partei unterstützt, beweist Hedwig, dass sie eine gute Mutter ist. So war damals das Denken ...

    Always look on the bright side of life ...

  • Und dort läuft siesogar Hans Albers und Heinz Rühmann in die Arme :totlach: Wegen derenAndeutungen, dass leider nicht alle Ehefrauen auf dem Empfangwillkommen wären, habe ich mal eben gegoogelt; das war mir gar nichtbewusst, dass die Partnerinnen der beiden Schauspieler bei den Nazisalles andere als erwünscht waren.

    In der Zeit, in der diese Szene spielt, war Heinz Rühmann mit einer Jüdin verheiratet. Ich möchte hier jetzt nicht seine Biografie schreiben (das würde den Rahmen doch sehr sprengen ;-) ), auf Druck der Nazi ließ Rühmann sich aber von ihr scheiden, um weiter als Schauspieler arbeiten zu können, da er sonst ein Berufsverbot bekommen hätte. Seine Exfrau heiratete dann einen Schweden und Göring persönlich sorgte dafür, dass sie unbehelligt nach Schweden ausreisen durfte.

    Später, nach dem Krieg, als das nach und nach ans Licht kam, wurde Rühmann der Vorwurf gemacht, seine Frau zugunsten seiner Karriere geopfert zu haben. Andere Stimmen jedoch meinen, dass er seine Frau habe schützen wollen und ihr das Leben gerettet hatte. Rühmann selbst äußerte sich dazu nur vage und vermied das Thema.

    Tatsache ist, dass Rühmann dann zum "Aushängeschild" der Nazi im deutschen Film und zum beliebtesten deutschen Schauspieler wurde. Er drehte drei bis vier Filme pro Jahr, die alle Kassenschlager waren. Die Filme waren allesamt lockere, leichte und lustige Unterhaltung - auch, um das Volk vom Krieg abzulenken und zumindest für eine oder zwei Stunden auf andere Gedanken zu bringen.

    Allerdings steckt in jedem Film auch sehr viel Nazipropaganda. Z.B. in "Quax, der Bruchpilot". Ein, auf den erster Blick lustiger, einfach gestrickter Film, versteckt aber sehr viel Propaganda, wie wir es heute bemerken.

    Rühmanns bekanntester Film ist sicher "Die Feuerzangenbowle". Die Dreharbeiten begannen 1943, die Veröffentlichung war aber erst im Januar 1944. Rühmann hatte damals einen so großen Einfluss, dass er die Dreharbeiten bewusst verzögerte, um seine Kameraden so lange wie möglich von einem Fronteinsatz fernzuhalten. Er selbst musste nicht in den Krieg, dafür war er für die "Unterhaltung und Erbauung des deutschen Volkes" zu wichtig, aber all die jungen Männer, die in der Feuerzangenbowle mitspielen, hatten eigentlich schon ihren Einberufungsbescheid. Es ist nicht vollständig belegt, aber einige Quellen berichten, dass alle der jungen Schauspieler, außer Rühmann, unmittelbar nach Drehende an die Front mussten und keiner wiederkam.


    Auch die Lebensgefährtin von Hans Albers war Jüdin, und auch er trennte sich nach außen hin von ihr - lebte aber weiterhin zurückgezogen am Starnberger See mit ihr zusammen. Albers lehnte die Propaganda ab, wollte sich von der Maschinerie der Nazis nicht vereinnahmen lassen und mied weitgehend solche, wie in dieser Szene beschriebenen, Veranstaltungen. Da er aber mit Leib und Seele Schauspieler war, ging auch Albers Kompromisse ein und drehte ein paar Propagandafilme. Allerdings vermied er es, wenn es ging, sich an der Zeiten von Göbbels zu zeigen oder gar Preise aus dessen Hand anzunehmen.

    Always look on the bright side of life ...

  • Das stimmt. Als sie später zurück kommt und man sie fragt, wo sie diese eine Nacht war, habe ich auch kurz gestutzt und gedacht: Huch, war das nur eine Nacht?

    Hedwig fährt am frühen Morgen mit den Zug von Sensburg nach Allenstein, von dort ging ein durchgehender Zug nach Berlin. Nach dem Vorfall im Adlon wartet sie am Bahnhof, bis am Morgen der erste Zug wieder nach Allenstein geht. Dort hat sie Glück, gleich den Anschlusszug nach Sensburg zu bekommen.

    Es ist schwierig, die damaligen Verbindungen, besonders mit den Fahrzeiten, heute zu recherchieren. Diese Beschreibung stammt aber von jemanden, der genau diese Fahrt gemacht hat, so habe ich mich auf deren Schilderung verlassen.

    Always look on the bright side of life ...

  • Das stimmt. Sie wird die Wohnung mit all den Möbel- und Erinnerungsstücken der Rosenbaums gut behandeln. Ich könnte mir vorstellen, dass der ein oder andere mit den Möbel und vor allem den Fotos nichts zu tun haben wollen würde und da ganz anders mit umgehen würde. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass die Rosenbaums sich freuen würden, wenn sie wüssten, dass sie mit ihrer Flucht Hedwig zu einem selbstständigen Leben verholfen haben.

    Genau die gleichen Gedanken hatte ich auch beim Lesen.

    Ich auch!

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

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