05 - Kapitel 12 bis 15 (Seite 233 bis 300)

Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier könnt ihr zum fünften Abschnitt - Seite 233 bis 300 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Adolf Hitler sagt zu Greta, daß es schade sei, daß sie schwarze Haare und Augen wie eine Zigeunerin habe. Muß man mit Kindern derart umgehen? Ich finde das schrecklich!

    Nach einem schweren Motorradunfall, der Albert ein halbes Jahr im Krankenhaus festhält, stellt Hedwig ihn vor die Alternative Familie oder Musik. Er beginnt eine Arbeit beim Bauamt.

    Mit der Ausbildung von Rosemarie Struska kommt neuer Ärger auf Hedwig zu. Sie soll sie sofort entlassen, weil Rosemarie Jüdin ist, was Hedwig aber nicht macht. Schließlich kommt sie ins Gefängnis. Erst nach 3 Monaten wird sie entlassen. Ihre Meisterbriefe sind nicht mehr gültig. Aber zum Glück läßt sich Hedig nicht unterkriegen und macht die Prüfung erneut und besteht sie.

    Albert und auch Annas Freund Ernst werden einberufen. Anna und Ernst heiraten einen Tag bevor Ernst gehen muß. Auch Fritz und Siegfried müssen gehen.


    Und wieder kümmert sich Hedwig um Albert, dessen verheilte Bruchstelle seines Beines splitterte. Er muß nicht mehr an die Front, sondern wird an die polnische Grenze zum Zoll versetzt.


    Als Fritz vermisst wird, bricht eine Welt zusammen für seinen Vater. Hermann Mahnstein wird ertrunken aufgefunden. Später stellt sich heraus, daß eine Verwechslung stattgefunden hatte!


    Hedwigs Bruder Karl verübt mit anderen ein Attentat auf Hitler und flieht. Er wird gefunden und erschossen. Das ist ganz schrecklich für die Familie!


    Dann wird Albert doch noch in den Osten geschickt.


    Und es kommt noch schlimmer: Werner, noch keine 16 Jahre alt, wird auch Soldat.


    Mein Vater und seine Klassenkameraden sollten in den letzten Monaten des Krieges auch noch eingezogen werden. Mein Vater war gerade 16 Jahre alt. Der Klassenlehrer war angewiesen, die Jungen zum Zug in die nächste Stadt zu begleiten. Er trödelte aber dermaßen, daß der Zug - mit Absicht - verpaßt wurde. Mein Vater hat sich dann für einige Zeit bei uns im Wald versteckt. Mein Vater und seine Klassenkameraden wären nur Kanonenfutter gewesen!


    Bei den Familien von meinen Eltern gab es sowohl im ersten als auch im zweiten Weltkrieg Verluste. Krieg ist so etwas schreckliches. Ich bin froh, daß ich selbst Krieg nicht miterleben mußte.

  • Mein Vater und seine Klassenkameraden sollten in den letzten Monaten des Krieges auch noch eingezogen werden. Mein Vater war gerade 16 Jahre alt. Der Klassenlehrer war angewiesen, die Jungen zum Zug in die nächste Stadt zu begleiten. Er trödelte aber dermaßen, daß der Zug - mit Absicht - verpaßt wurde. Mein Vater hat sich dann für einige Zeit bei uns im Wald versteckt. Mein Vater und seine Klassenkameraden wären nur Kanonenfutter gewesen!

    Dieser Mut ist großartig und hat Deinem Vater und seinen Kameraden wohl das Leben gerettet. Konnte er später dem Lehrer dafür danken?

    Leider war es aber so, dass viele Kinder, wie in dieser Geschichte Werner, davon überzeugt waren, gehen zu MÜSSEN. Seit Jahren wurden sie darauf gedrillt, dass der Führer sie braucht und sie nun die einmalige und großartige Chance haben, ihren Beitrag zu dem großen Ziel zu leisten. Furchtbar ...

    Bewusst habe ich den Prolog so gewählt, dass die Leser wissen, dass Werner es überleben wird. Nimmt an dieser Stelle vielleicht etwas die Spannung, aber ich denke, dass gerade genug Schreckliches, gerade für Hedwig, geschieht, so kann man wegen Werner auch ein wenig aufatmen. Die Frage bleibt ja bestehen: Was wird er erleben? Wie durchkommen? Wie seine Familie wiederfinden?

    Always look on the bright side of life ...

  • Hedwigs Bruder Karl verübt mit anderen ein Attentat auf Hitler und flieht. Er wird gefunden und erschossen. Das ist ganz schrecklich für die Familie!

    Karl war nur ein kleines Rädchen bei dem Attentat, so genau wusste er im Vorfeld gar nicht, was und wie genau es geplant ist. Nur, dass es in der Wolfsschanze geschehen soll, und er hatte wichtige Informationen und Lagepläne geliefert.

    Erst viele Jahre nach dem Krieg wurde festgestellt, dass in das Attentat vom 20. Juli 1944 mehr als 5000 Menschen involviert waren! Fast alle wurden von den Nazis recht bald danach aufgespürt und auf der Stelle erschossen - einer von ihnen war Hedwigs Bruder. Heute verehren wir Claus Schenk, Graf von Staufenberg, als Held, das Attentat wird allein ihm zugeschrieben, und er war ja auch der Drahtzieher des Ganzen. Die 5000 Anderen sind aber nahezu vergessen.

    Kleine Anekdote am Rande: Stauffenbergs Ehefrau Nina Schenk wurde für einige Zeit inhaftiert - und zwar im Gefängnis meiner Heimatstadt Rottweil! Während meiner Schulzeit wussten weder ich noch meine Schulfreunde etwas davon, obwohl wir das Thema des 3. Reiches im Geschichtsunterricht behandelten. Auch später war darüber in Berichten über Rottweil nichts nachzulesen, obwohl sogar eine kleine Plakette an der Außenmauer des alten Gefängnis mit ihrem Namen angebracht ist. Viele, viele Jahre bin ich fast täglich an dem Gefängnis vorbeigelaufen, habe mal ein paar Monate direkt gegenüber gearbeitet - aber erst bei der Recherche zu dieser Zeit bin ich darauf gestoßen.

    Always look on the bright side of life ...

  • Mein Vater und seine Klassenkameraden sollten in den letzten Monaten des Krieges auch noch eingezogen werden. Mein Vater war gerade 16 Jahre alt. Der Klassenlehrer war angewiesen, die Jungen zum Zug in die nächste Stadt zu begleiten. Er trödelte aber dermaßen, daß der Zug - mit Absicht - verpaßt wurde. Mein Vater hat sich dann für einige Zeit bei uns im Wald versteckt. Mein Vater und seine Klassenkameraden wären nur Kanonenfutter gewesen!

    Dieser Mut ist großartig und hat Deinem Vater und seinen Kameraden wohl das Leben gerettet. Konnte er später dem Lehrer dafür danken?

    Leider war es aber so, dass viele Kinder, wie in dieser Geschichte Werner, davon überzeugt waren, gehen zu MÜSSEN. Seit Jahren wurden sie darauf gedrillt, dass der Führer sie braucht und sie nun die einmalige und großartige Chance haben, ihren Beitrag zu dem großen Ziel zu leisten. Furchtbar ...

    Bewusst habe ich den Prolog so gewählt, dass die Leser wissen, dass Werner es überleben wird. Nimmt an dieser Stelle vielleicht etwas die Spannung, aber ich denke, dass gerade genug Schreckliches, gerade für Hedwig, geschieht, so kann man wegen Werner auch ein wenig aufatmen. Die Frage bleibt ja bestehen: Was wird er erleben? Wie durchkommen? Wie seine Familie wiederfinden?

    Ich werde meinen Vater bei meinem Besuch mal darauf ansprechen. Ich glaube, es waren aber alle froh, daß sie nicht in den Krieg mußten.

  • Hedwigs Bruder Karl verübt mit anderen ein Attentat auf Hitler und flieht. Er wird gefunden und erschossen. Das ist ganz schrecklich für die Familie!

    Karl war nur ein kleines Rädchen bei dem Attentat, so genau wusste er im Vorfeld gar nicht, was und wie genau es geplant ist. Nur, dass es in der Wolfsschanze geschehen soll, und er hatte wichtige Informationen und Lagepläne geliefert.

    Erst viele Jahre nach dem Krieg wurde festgestellt, dass in das Attentat vom 20. Juli 1944 mehr als 5000 Menschen involviert waren! Fast alle wurden von den Nazis recht bald danach aufgespürt und auf der Stelle erschossen - einer von ihnen war Hedwigs Bruder. Heute verehren wir Claus Schenk, Graf von Staufenberg, als Held, das Attentat wird allein ihm zugeschrieben, und er war ja auch der Drahtzieher des Ganzen. Die 5000 Anderen sind aber nahezu vergessen.

    Kleine Anekdote am Rande: Stauffenbergs Ehefrau Nina Schenk wurde für einige Zeit inhaftiert - und zwar im Gefängnis meiner Heimatstadt Rottweil! Während meiner Schulzeit wussten weder ich noch meine Schulfreunde etwas davon, obwohl wir das Thema des 3. Reiches im Geschichtsunterricht behandelten. Auch später war darüber in Berichten über Rottweil nichts nachzulesen, obwohl sogar eine kleine Plakette an der Außenmauer des alten Gefängnis mit ihrem Namen angebracht ist. Viele, viele Jahre bin ich fast täglich an dem Gefängnis vorbeigelaufen, habe mal ein paar Monate direkt gegenüber gearbeitet - aber erst bei der Recherche zu dieser Zeit bin ich darauf gestoßen.

    Ich bewundere den Mut derjenigen, die sich gegen Hitler gestellt haben, was für diese bestimmt nicht einfach gewesen ist. Im Nachhinein denkt man vielleicht, daß es viel mehr Leute gebraucht hätte, um das Schicksal zu wenden. Aber jeder, der etwas gegen Hitler unternehmen wollte, wußte von vorneherein, daß es sehr, sehr gefährlich war!

  • Im Nachhinein denkt man vielleicht, daß es viel mehr Leute gebraucht hätte, um das Schicksal zu wenden. Aber jeder, der etwas gegen Hitler unternehmen wollte, wußte von vorneherein, daß es sehr, sehr gefährlich war!

    Wir werden wohl nie erfahren, wie viele Menschen damals begeistert Hitler nachliefen, und wie viele das Regime zwar insgeheim ablehnten, sich aber nicht trauten, etwas dagegen zu unternehmen. Man war ja auch nicht so organisiert wie heute, man konnte sich nicht einfach mit Gleichgesinnten zusammenschließen, auch der Informationsfluss war gering. Die Menschen erfuhren nur das, was über die - von den Nazis kontrollierten! - Medien verbreitet wurden.

    Meine persönliche Meinung ist: 1933 wurde Hitler mit Begeisterung aufgenommen und auch in den nächsten Jahren verehrt, das er ja wirklich viel für Deutschland und die Wirtschaft getan hat. Und Reden schwingen und die Menschen mit seinem Charisma und seinen Worten in den Bann ziehen - das beherrschte er perfekt. Was in Wahrheit dahintersteckte, hat das "einfache Volk" nicht gesehen, erst, als der Krieg ausbrach. Tja, und dann war es schon zu spät ...

    Always look on the bright side of life ...

  • Im Nachhinein denkt man vielleicht, daß es viel mehr Leute gebraucht hätte, um das Schicksal zu wenden. Aber jeder, der etwas gegen Hitler unternehmen wollte, wußte von vorneherein, daß es sehr, sehr gefährlich war!

    Wir werden wohl nie erfahren, wie viele Menschen damals begeistert Hitler nachliefen, und wie viele das Regime zwar insgeheim ablehnten, sich aber nicht trauten, etwas dagegen zu unternehmen. Man war ja auch nicht so organisiert wie heute, man konnte sich nicht einfach mit Gleichgesinnten zusammenschließen, auch der Informationsfluss war gering. Die Menschen erfuhren nur das, was über die - von den Nazis kontrollierten! - Medien verbreitet wurden.

    Meine persönliche Meinung ist: 1933 wurde Hitler mit Begeisterung aufgenommen und auch in den nächsten Jahren verehrt, das er ja wirklich viel für Deutschland und die Wirtschaft getan hat. Und Reden schwingen und die Menschen mit seinem Charisma und seinen Worten in den Bann ziehen - das beherrschte er perfekt. Was in Wahrheit dahintersteckte, hat das "einfache Volk" nicht gesehen, erst, als der Krieg ausbrach. Tja, und dann war es schon zu spät ...

    Wenn man sich mal den geschichtlichen Werdegang ansieht, von der Monarchie über die Weimarer Republik, war es eigentlich nur logisch, dass die Republik scheiterte. Die Welt war da noch nicht so richtig bereit dafür und es wurde auch der Fehler gemacht, verfassungsfeindliche Parteien zuzulassen. Hindenburg glaubte ja bis zu seinem Tod daran, dass die Monarchie wiederkam und hat Hitler einen Brief hinterlassen, in dem stand, er solle den Kaiser wieder holen. Was Hitler natürlich nicht gemacht hat.....

    Ansonsten war er einfach ein guter Redner und hat auch Dinge für sich beansprucht, die garnichtt sein Verdienst waren (Zum Beispiel die Autobahnen). Hitler eignet sich ziemlich gut für Kontrafaktische Geschichte: Was wäre passiert, wenn Hitler einfach Postkartenmaler in Wien geblieben wäre? Meine Meinung dazu: Dann wäre ein anderer gekommen, vielleicht nicht so extrem, vielleicht noch schlimmer, wer weiß das schon. Denn auch Antisemitismus war nichts neues zu der Zeit! Neu waren die unglaublichen Ausmaße, die Professionalisierung und Effizienz dieser grauenvollen Maschinerie! Außer vielleicht, was Zynismus anbetrifft, da war Hitler unübertroffen, ein kleines Mädchen Zigeunerin nennen, oder die komischen Namen, die die Aktionen hatten ( Zum Beispiel "Aktion Erntefest" als Name für die Massenerschießungen in der Aktion Reinhardt)

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ich glaube, dass Hedwig noch Glück hatte, dass sie "nur" eingesperrt wurde. Johanna beweist mal wieder mehr, was für eine intrigante, blöde Kuh sie ist. Krass finde ich ja auch, das Albert so bereitwillig aus Kahlenwald wegzieht. Bei manchen Sachen hat er doch einen Arsch in der Hose!

    Aber wie kann Paul sich darüber freuen, dass ein Sohn eingezogen wird? Und mit der Aussage: Spätestens an Weihnachten bin ich zurück, sieht man ja auch, dass die tatsächlich nichts aus dem letzten Krieg gelernt haben. Wobei Albert da noch Glück im Unglück hat und "nur" dauerhaft behindert ist, zahlt Siegfried( Der gerade noch ein Baby war:o..so gefühlt....) mit seinem Leben.

    Ich kann nicht entscheiden, ob Hermann nun versehentlich ertrunken ist, selbst reingesprungen oder geworfen wurde?! Ich tendiere am ehesten zum Unfall.

    Karl scheint zu kapieren, wie der Hase aka Regime tatsächlich läuft. Wusstet ihr das der BDM den Spitznamen Bund deutscher Matratzen oder Bubi drück mich hatte? Gut, dass Grete noch so jung ist:P

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

    Einmal editiert, zuletzt von Senara von Nostria ()

  • Ich glaube, dass Hedwig noch Glück hatte, dass sie "nur" eingesperrt wurde. Johanna beweist mal wieder mehr, was für eine intrigante, blöde Kuh sie ist. Krass finde ich ja auch, das Albert so bereitwillig aus Kahlenwald wegzieht. Bei manchen Sachen hat er doch einen Arsch in der Hose!

    Aber wie kann Paul sich darüber freuen, dass ein Sohn eingezogen wird? Und mit der Aussage: Spätestens an Weihnachten bin ich zurück, sieht man ja auch, dass die tatsächlich nichts aus dem letzten Krieg gelernt haben. Wobei Albert da noch Glück im Unglück hat und "nur" dauerhaft behindert ist, zahlt Siegfried( Der gerade noch ein Baby war:o..so gefühlt....) mit seinem Leben.

    Ich kann nicht entscheiden, ob Hermann nun versehentlich ertrunken ist, selbst reingesprungen oder geworfen wurde?! Ich tendiere am ehesten zum Unfall.

    Karl scheint zu kapieren, wie der Hase aka Regime tatsächlich läuft. Wusstet ihr das der BDM den Spitznamen Bund deutscher Matratzen oder Bubi drück mich hatte? Gut, dass Grete noch so jung ist:P

    Ja, wahrscheinlich hatte sie wirklich Glück, dass sie wieder entlassen wurde ohne Misshandlungen oder andere Strafen. Vielleicht lag es an ihrem Namen und an ihrer Familie, die sich ansonsten linientreu verhielt. Dennoch ist das ein sehr beklemmender Abschnitt, die Schlinge zieht sich immer enger zu und das Leben wird auch in Ostpreußen immer unerträglicher. Hedwig wurde wie eine Verbrecherin behandelt, weil sie ein 14- jähriges jüdisches Mädchen ausbilden wollte - das ist so unvorstellbar und doch leider die Realität in diesen bösen Zeiten.

    Auch für die Familie Mahnstein wird es immer schlimmer , Verluste, Angst und Trauer bestimmen jetzt den Alltag unzähliger Menschen. Karl erkennt allmählich, dass er und so viele andere verraten und belogen wurden von Anfang an. Er hat den Mut zu handeln und dabei sein Leben zu riskieren, dafür hat er meinen Respekt, auch wenn er früher sehr unangenehm auftrat. Aber das Ende zählt und da ist Karl als Held gestorben.

  • Ja, die Zeit ist sehr verstörend, vor allem wenn man weiß, dass es sowas ja tatsächlich gab. Das ist ja keine Fantasiegeschichte. Obwohl mir das fast lieber wäre.... Und auch der Heldentod ist nur ein schwacher Trost, denn Karl ist trotzdem weg und kommt nie wieder.

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Liebe Rebecca, das Buch erfüllt wieder locker meine Erwartungen, es gefällt mir sehr gut, auch weil die Figuren nicht vorhersehbar und für Überraschungen gut sind.


    Also, am Anfang dieses Abschnitts war ich ziemlich zwiegespalten, dass Hedwig Albert doch wieder so halb aufnimmt, auch wenn er diesmal endlich seinen Beitrag zum Unterhalt der Familie beisteuert. Noch besser fand ich aber, dass Hedwig Albert nach seinem schweren Unfall ein Ultimatum gestellt hat, dass er sich endlich entweder für die Musik oder für seine Familie entscheiden muss. Ich hatte ja echt meine Zweifel, ob er sich für die Familie entscheiden würde und war daher überrascht, dass er sich tatsächlich am Reimen reißt.


    Ich glaube, Albert braucht eine starke Hand, die ihn führt und ihm sagt, wo es langgeht, ansonsten lässt er sich einfach nur treiben. Er ergreift sogar gegen seine Mutter Partei für Hedwig – das hat mich insgesamt wieder etwas mit ihm ausgesöhnt. Und jetzt im Krieg, wo man nicht weiß, ob die männlichen Familienangehörigen überhaupt lebend von der Front zurückkehren, gelten eh andere Regeln.


    Mit Karl erlebt nicht nur Hedwig ein Wechselbad der Gefühle, auch meine Nerven als Leser strapazierte er ziemlich. Aber trotz allem finden die Geschwister immer wieder zusammen, sie sind halt doch eine Familie. Ich weiß nicht, ob ich immer wieder bereit gewesen wäre, mit Karl überhaupt noch zu sprechen, aber ich musste glücklicherweise auch nicht solche Zeiten durchmachen wie unsere Protagonisten.


    Karl bleibt aber trotz seiner drastischen Kehrtwendung, was Hitler angeht, eine zwiespältige Persönlichkeit, denn ihm scheint vor allem die Außenpolitik des Führers ziemlich gegen den Strich zu gehen, dessen Verachtung für Nichtarier teilte er aber dennoch. Aber genau das macht auch dieses Buch so gut, dass die Charaktere alles andere als einseitig sind.


    Als Karl noch vor der Nazi-Herrschaft Hedwig davon vorschwärmt, welche Ziele Hitler für Deutschland hätte, habe ich mich damals schon gefragt, ob sich bei ihm in der Zukunft nicht vielleicht Ernüchterung breitmachen wird, wenn er mitbekommt, was Hitler tatsächlich plant. Dass er aber so weit gehen würde und sich den Attentäter anschließt, habe ich dann doch nicht erwartet.


    Hedwigs Verhaftung war schrecklich und zeigt die Willkür, die damals herrschte und wie machtlos man dagegen war, wenn man in die Mühlen dieser Tyrannei geraten war. Und am Schicksal der Struskas kann man leider gut erkennen, wie wenig es zur damaligen Zeit wert war, wenn Deutsche für ihr Land im Ersten Weltkrieg den Hintern hingehalten haben, aber jüdischer Abstammung waren. Leider hilft Hedwigs ganzes Engagement für ihr Lehrmädchen und deren Familie gar nichts: sie wurden dennoch deportiert :(


    Die Männer in der Familie Mahnstein werden immer weniger. Den Tod des Vaters fand ich ziemlich tragisch, auch wenn mir Hermann in weiten Teilen nicht sehr sympathisch war.

    Johanna ist weiterhin die gleiche Nervensäge wie eh und je.


    Und nun werden auch noch die ganz Jungen als Kanonenfutter an die Front geschickt. Bei Werner hat die Gehirnwäsche ziemlich gut funktioniert, vielleicht macht er sich aber auch nur etwas vor, um sich nicht mit der Wahrheit beschäftigen zu müssen und sich Mut zuzusprechen. Bei Werner wissen wir aber glücklicherweise ja, dass er überleben wird.


    Das Kriegsende rückt zwar immer näher, aber für die Ostpreußen ist deswegen noch lange nicht Ruhe: die große Flucht steht ihnen noch bevor.

  • Ihre Meisterbriefe sind nicht mehr gültig.

    Das war auch wieder so eine fiese Wilkür.


    Als Fritz vermisst wird, bricht eine Welt zusammen für seinen Vater. Hermann Mahnstein wird ertrunken aufgefunden. Später stellt sich heraus, daß eine Verwechslung stattgefunden hatte!

    Die ganze Situation und ihre Folgen war echt tragisch.


    Mein Vater und seine Klassenkameraden sollten in den letzten Monaten des Krieges auch noch eingezogen werden. Mein Vater war gerade 16 Jahre alt.

    Mein Vater war damals auch um die 16 Jahre, als er ebenfalls an die Front noch hätte sollen. Er ist irgendwann desertiert und hat sich lieber in französische Gefangenschaft begeben.


    Bewusst habe ich den Prolog so gewählt, dass die Leser wissen, dass Werner es überleben wird. Nimmt an dieser Stelle vielleicht etwas die Spannung, aber ich denke, dass gerade genug Schreckliches, gerade für Hedwig, geschieht, so kann man wegen Werner auch ein wenig aufatmen.

    Ich war froh zu wissen, dass Werner überleben wird, das Schicksal von Hedwig und ihrer Familie ist schon schlimm genug.


    Ich glaube, dass Hedwig noch Glück hatte, dass sie "nur" eingesperrt wurde.

    Ja, das dachte ich am nach den drei Monaten auch - sie hätte auch ins KZ kommen können.


    Wusstet ihr das der BDM den Spitznamen Bund deutscher Matratzen oder Bubi drück mich hatte?

    Nein, das war mir bisher unbekannt.

  • Ich glaube, dass Hedwig noch Glück hatte, dass sie "nur" eingesperrt wurde.

    Wie zermürbend muss es für Hedwig gewesen sein, keine Verhandlung und keinen Anwalt zu bekommen, nicht zu wissen, was mir ihr geschehen wird und wie lange sie in Haft bleiben muss. Das war Taktik von den Nazis, um sie weichzukochen, ich glaube nicht, dass geplant war, sie in ein KZ zu bringen oder noch Schlimmeres anzutun.

    An dieser Stelle stellt sich wieder die Frage: Was haben die Menschen damals über Konzentrationslagern überhaupt gewusst? Im weiteren Verlauf des Romans wird das auch noch angesprochen, es ist hier aber kein Spoiler, denn diese Frage konnte bis heute nicht befriedigend beantwortet werden.

    In der Umgebung von Sensburg gab es kein KZ, Züge mit Juden und Menschen, die in die Vernichtungslager verschleppt wurden, fuhren zu dieser Zeit nicht durch die Stadt. Die Menschen wusste das, was die von den Nazis kontrollierten Medien verbreiteten - und darin wurde von den KZ´s nicht erwähnt. Gegen Ende der 1930er wussten sie zwar, dass Nicht-Arier nach Osten "umgesiedelt" wurden, es wurde aber vermittelt, dass sie dort neues Land und Häuser bekommen und unter sich leben können.

    Die Frage, wie viel die deutsche, einfache Bevölkerung wirklich darüber gewusst hat - bzw. hat wissen und sehen wollen! - treibt mich seit Jahrzehnten um. Heute wissen wir nur das, was Zeitzeugen erzählen. Es gibt ja durchaus Menschen, die Schreckliches derart verdrängen können, das über lange Zeit hinweg, bis sie selbst das glauben, was sie sich einreden.


    Übrigens: In meinem Roman "Winterrosenzeit" (unter dem Pseudonym Ricarda Martin, es gab zu diesem ebenfalls hier eine Leserunde), greife ich genau dieses Thema auf: Die Verarbeitung des 2. Weltkrieges von denen, die überlebt haben, und wie die nachfolgende Generation damit umgeht. Gerade eine Generation, deren Fragen nicht beantwortet wurden, denn erst weit in den 1980ern begann man, offen darüber zu sprechen. Zuvor was das 3. Reich und alles, was dazu gehörte, ein Tabu.

    Always look on the bright side of life ...

  • Muß man mit Kindern derart umgehen? Ich finde das schrecklich!

    Ich wäre ziemlich froh, wenn diese Aussage Hitlers das Schlimmste wäre, was er getan hat. Ist es aber leider nicht, dennoch zeigt diese Aussage, wie es in Hitlers Kopf ausgesehen haben muss. Was ich immer wieder genauso irritierend wie Grete finde, dass Hitler selbst überhaupt nicht arisch aussah. Wie kommt er dann zu diesem Schönheitsideal?


    Ich kann nicht entscheiden, ob Hermann nun versehentlich ertrunken ist, selbst reingesprungen oder geworfen wurde?! Ich tendiere am ehesten zum Unfall.

    Ich könnte mir so einen Mix vorstellen. Er ist gestolpert, liegt im See und denkt sich, warum es nicht einfach vorbei gehen lassen. Hermann wollte wohl selbst nicht noch mehr seiner Kinder sterben sehen oder gar selbst an die Front wollen. Höchstwahrscheinlich hat er noch allzu gute Erinnerungen an den ersten Weltkrieg. Auf jeden Fall eine tragische Wendung und für mich hat sich Hermann in den letzten Tagen seines Lebens nochmal gemacht. Er ist auch sehr böse auf Karl, weil er sich erst gegen seine Schwester stellt und sie denunziert...


    Noch besser fand ichaber, dass Hedwig Albert nach seinem schweren Unfall einUltimatum gestellt hat, dass er sich endlich entweder für die Musikoder für seine Familie entscheiden muss.

    Ich bin im Allgemeinen gar kein Fan von Ultimaten und kann persönlich immer nur den Kopf darüber schütteln. Hedwig kann ich hier nur begrenzt verstehen, denn wenn würde ich weniger die Musik als vielmehr den Alkohol für Alberts Verhalten verantwortlich machen. Deswegen hätte mein Ultimatum eher anders gelautet, wenn kein Alkohol dann natürlich nur ohne Musik eingehalten werden kann, ist die logische Konsequenz, auch diese an den Nagel zu hängen. Aber an sich las es sich nicht so, als ob das Geldproblem und das unregelmäßige Einkommen von Albert ein Problem gewesen wäre, seitdem Albert wieder zurückgekehrt ist. Deswegen konnte ich da Hedwig nicht ganz verstehen.


    Karl bleibt abertrotz seiner drastischen Kehrtwendung, was Hitler angeht, einezwiespältige Persönlichkeit, denn ihm scheint vor allem dieAußenpolitik des Führers ziemlich gegen den Strich zu gehen, dessenVerachtung für Nichtarier teilte er aber dennoch.

    Hier habe ich mich wirklich gefragt, was Karl erfahren hat, das ihn zu dieser Kehrtwende veranlasst hat. War es wirklich nur die Außenpolitik? Er hat Hitler auch persönlich kennengelernt. Vielleicht hat er auch allgemein gemerkt, was für ein kranker Kopf er ist und wie er sich in seiner Welt verrannt hat. Ich könnte mir zudem auch vorstellen, dass er durch den Umgang mit den Zwangsarbeitern nochmal einen ganz anderen Einblick in die Massenvernichtung gewonnen hat und auch wenn sein Hass auf die jüdische Bevölkerung groß war, ist es ja trotzdem nochmal etwas ganz anderes, sie so systematisch hinzurichten.



    Es passiert wieder wahnsinnig viel in diesem Abschnitt, so dass ich mir gar nicht all meine Gedanken merken kann. :D

  • Greta ist so stolz auf ihren Auftritt und dann sagt Adolf Hitler so etwas. Gut, es klingt plausibel (es passt zu ihm und seiner Überzeugung), aber da sollte er doch vorher vielleicht mal einen Blick in den Spiegel werfen. X(

    Arme Greta! Hoffentlich bleibt das an ihr nicht haften.


    Der Motorradunfall.. ich hätte fast erwartet, dass es das war, aber Albert überlebt, wenn auch schwerstverletzt.


    Ich kann Hedi verstehen, dass sie Rosemarie nicht einfach so entlassen will, nur weil sie angeblich eine Jüdin ist. Aber was will sie machen? Letztlich war Rosemarie doch weg, Hedi inhaftiert und ein Makel klebte an ihr.


    Zum Glück hatte es sonst keine größeren Folgen. Immerhin hätte die Wohnung aufgelöst und das Geschäft geschlossen sein können.

    Karl hat seine Überzeugung geändert. Hitler ist nicht mehr der Mann, den er zu Beginn vergöttert hat, aber dass er ihn deswegen gleich töten will? Bzw. die Attentäter dabei unterstützt? Das hätte ich nun nicht erwartet.

  • Übrigens: In meinem Roman "Winterrosenzeit" (unter dem Pseudonym Ricarda Martin, es gab zu diesem ebenfalls hier eine Leserunde), greife ich genau dieses Thema auf: Die Verarbeitung des 2. Weltkrieges von denen, die überlebt haben, und wie die nachfolgende Generation damit umgeht. Gerade eine Generation, deren Fragen nicht beantwortet wurden, denn erst weit in den 1980ern begann man, offen darüber zu sprechen. Zuvor was das 3. Reich und alles, was dazu gehörte, ein Tabu.

    An der Leserunde konnte ich zeitlich leider nicht mitlesen, aber das Buch möchte ich in jedem Fall noch lesen. Ein ganz spannendes Thema!


    An dieser Stelle stellt sich wieder die Frage: Was haben die Menschen damals über Konzentrationslagern überhaupt gewusst?

    Mein Vater wurde ja, wie schon geschrieben, auch mit ca. 16 Jahren noch für die letzten Kriegswochen eingezogen. Seine Truppe kamen mal in der Nähe eines KZ's vorbei, die Schornsteine waren am Rauchen. Sie haben dann untereinander ausgetauscht, was jeder so über die KZ's gehört hat und ein Kamerad hat gemeint, dass er gehört hätte, dort würden Juden und andere als minderwertig geltende Menschen umgebracht werden Das fanden die anderen so unvorstellbar, dass sie sich sicher waren, dass das völlig übertriebene Gerüchte seien.


    Was ich immer wieder genauso irritierend wie Grete finde, dass Hitler selbst überhaupt nicht arisch aussah. Wie kommt er dann zu diesem Schönheitsideal?

    Ja, das fand ich auch so verlogen.


    Hier habe ich mich wirklich gefragt, was Karl erfahren hat, das ihn zu dieser Kehrtwende veranlasst hat. War es wirklich nur die Außenpolitik? Er hat Hitler auch persönlich kennengelernt. Vielleicht hat er auch allgemein gemerkt, was für ein kranker Kopf er ist und wie er sich in seiner Welt verrannt hat. Ich könnte mir zudem auch vorstellen, dass er durch den Umgang mit den Zwangsarbeitern nochmal einen ganz anderen Einblick in die Massenvernichtung gewonnen hat und auch wenn sein Hass auf die jüdische Bevölkerung groß war, ist es ja trotzdem nochmal etwas ganz anderes, sie so systematisch hinzurichten.

    Damit könntest du recht haben, es könnte von allem etwas sein, das seine Überzeugung hat kippen lassen.

  • Was heißt gewusst? Die, die unmittelbar dort gewohnt haben, haben es gewusst. Es sind Beschwerden von Anwohnern überliefert, die sich über den Geruch beschwert haben.

    Aber der Knaller( im negativen Sinn) war derjenige, der in die KZ-Sauna gegangen ist und dann behauptet hat, er hätte von nichts gewusst, sondern war nur in der Sauna.

    Ich glaube nicht mal, das es ein Treffen mit Hitler selbst war, denn mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass er da nicht der einzige war, der das angestellt hat. Ich bin mir nicht mal mehr sicher, ob er überhaupt bis ins Detail Bescheid wusste. Sicher aber stand er dem wohlwollend gegenüber, sonst hätte er es ja gestoppt. Deshalb tippe ich bei Karl auf eine Begegnung mit Jemand, der in dem Vernichtungsvisier stand. Oder er hat eine Gräueltat miterlebt, den Umgang mit Zwangsarbeitern, Erschießungen oder so. Etwas was an seine Menschlichkeit appelliert hat.

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Ich kann nicht entscheiden, ob Hermann nun versehentlich ertrunken ist, selbst reingesprungen oder geworfen wurde?! Ich tendiere am ehesten zum Unfall.

    Ich könnte mir so einen Mix vorstellen. Er ist gestolpert, liegt im See und denkt sich, warum es nicht einfach vorbei gehen lassen. Hermann wollte wohl selbst nicht noch mehr seiner Kinder sterben sehen oder gar selbst an die Front wollen. Höchstwahrscheinlich hat er noch allzu gute Erinnerungen an den ersten Weltkrieg. Auf jeden Fall eine tragische Wendung und für mich hat sich Hermann in den letzten Tagen seines Lebens nochmal gemacht. Er ist auch sehr böse auf Karl, weil er sich erst gegen seine Schwester stellt und sie denunziert...

    Für einen Suizid war er aber viel zu gläubig, ich tippe nachdem ich drüber nachgedacht habe auf einen Unfall. Und er kam selbst nicht mehr raus, weil er einfach zu viel getankt hatte.

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

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