06 - Kapitel 16 bis 18 (Seite 301 bis 358)

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  • Hier könnt ihr zum sechsten Abschnitt - Seite 301 bis 358 - schreiben.


    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

  • Hedwig ist entschlossen, Masuren zu verlassen, weil die Russen immer näher kommen. Die Schwiegereltern wollen nicht mitkommen. Mit Margarethe und ihrer Mutter Auguste auf einem Schlitten wird in bitterer Kälte aufgebrochen. Wie schrecklich, daß sie Auguste bei einem Angriff aus den Augen verlieren und gezwungen werden, sofort weiterzugehen!

    Von Marianne von Kosin, die sie unterwegs trifft, erhält sie Karten für das Schiff Wilhelm Gustloff. Weil Margarethe aber schwer krank im Krankenhaus verweilen muß, gibt sie die Karten weiter. Welch ein Unglück, daß dieses Schiff untergeht!

    Hedwig und Margarethe werden im Hafen einem Minensuchboot zugewiesen. Von Minensuchbooten als Transportmittel habe ich noch nie gehört. Hoffentlich geht diese Fahrt gut aus!


    Was müssen die Frauen - und natürlich auch die anderen Menschen - ausgestanden haben! In der Kälte, in Viehwaggons unterwegs, vorwärts in die Ungewissheit, hinter sich die Russen! Angst muß ein sehr starker Antrieb gewesen sein!

  • Schließlich kommen Margarethe und Hedwig in Behrensdorf bei einer Bauersfrau unter, bei der beide sehr viel arbeiten müssen. Mit Näharbeiten bekommt Hedwig zusätzlich Lebensmittel. Und weiter geht es zur Gräfin von Waldersee, bei der Hedwig in Vollzeit als Schneiderin arbeiten kann. Das Haus, das sie beziehen, ist eher eine Bruchbude.

    Als dann Werner wieder auftaucht, ist Hedwig dankbar. Er hat den Krieg überlebt!


    Diese Zeit ist ein großer Kampf für Hedwig und Margarethe, aber sie lassen sich nicht unterkriegen. Das ist auch gut so!

  • Von Minensuchbooten als Transportmittel habe ich noch nie gehört

    Das ist historisch belegt. Gegen Ende des Krieges wurde alle verfügbaren Schiffe eingesetzt, um so viel Menschen wie möglich aus Ostpreußen rauszubekommen. Zu dem Zeitpunkt, an dem diese Szene spielt, war der Landweg bereits von der Roten Armee überrollt worden, es gab nur noch den Weg über die Ostsee, um in den Westen zu kommen Eine gewisse "Ordnung" der Wehrmacht bestand aber noch, zumindest bis Mitte/Ende April, so dass die Soldaten und ihre Schiffe zur Rettung der Zivilbevölkerung eingesetzt wurden.

    Always look on the bright side of life ...

  • Welch ein Unglück, daß dieses Schiff untergeht!

    Für Hedwig und Margarethe aber ein Glück, dass Grete so schwer krank wird ... Für die junge Frau und ihre Tochter allerdings nicht. Es gab zwar Überlebende des Untergangs, Hedwig hat der Gedanke, die Frau und das Kind in den Tod geschickt zu haben, indem sie ihnen ihre Karten schenkte, niemals wieder losgelassen.

    Always look on the bright side of life ...

  • Welch ein Unglück, daß dieses Schiff untergeht!

    Für Hedwig und Margarethe aber ein Glück, dass Grete so schwer krank wird ... Für die junge Frau und ihre Tochter allerdings nicht. Es gab zwar Überlebende des Untergangs, Hedwig hat der Gedanke, die Frau und das Kind in den Tod geschickt zu haben, indem sie ihnen ihre Karten schenkte, niemals wieder losgelassen.

    Ja, für sie war es ein Glück! Daß sie die Karten weitergeschenkt hat, sollte eine gute Sache sein. Daß die Frau mit dem Kind umgekommen sind, sollte sie nicht als ihre Schuld sehen. Sie hat der Frau Hoffnung geschenkt. Und das zählt!

  • Was müssen die Frauen - und natürlich auch die anderen Menschen - ausgestanden haben! In der Kälte, in Viehwaggons unterwegs, vorwärts in die Ungewissheit, hinter sich die Russen! Angst muß ein sehr starker Antrieb gewesen sein!

    Spricht man mit Zeitzeugen, und sind diese bereit darüber zu sprechen, wenn nicht immer der Fall ist, hört man oft, dass sie (zumindest in ihrer Erinnerung) während der Flucht gar keine Angst verspürt haben. Sie spürten gar nichts, waren lediglich angetrieben von dem Wunsch, zu überleben, und auch irgendwie abgestumpft. Sie funktionierten einfach, wie Roboter, setzten einen Fuß vor den anderen, immer in der Gewissheit, dass es jeden Moment vorbei sein könnte. Keiner, der das erleben musste (früher und leider auch noch heute ...) kann meiner Meinung nach wirklich die Gefühle und Empfindungen dieser Menschen vollständig nachvollziehen.

    Always look on the bright side of life ...

  • Von Minensuchbooten als Transportmittel habe ich noch nie gehört

    Das ist historisch belegt. Gegen Ende des Krieges wurde alle verfügbaren Schiffe eingesetzt, um so viel Menschen wie möglich aus Ostpreußen rauszubekommen. Zu dem Zeitpunkt, an dem diese Szene spielt, war der Landweg bereits von der Roten Armee überrollt worden, es gab nur noch den Weg über die Ostsee, um in den Westen zu kommen Eine gewisse "Ordnung" der Wehrmacht bestand aber noch, zumindest bis Mitte/Ende April, so dass die Soldaten und ihre Schiffe zur Rettung der Zivilbevölkerung eingesetzt wurden.

    Ja, das habe ich auch schon gelesen. Es gibt ein Buch von Guido Knopp (gilt wahrscheinlich eher als Belletristik), in dem das beschrieben ist.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Für Hedwig und Margarethe aber ein Glück, dass Grete so schwer krank wird ... Für die junge Frau und ihre Tochter allerdings nicht. Es gab zwar Überlebende des Untergangs, Hedwig hat der Gedanke, die Frau und das Kind in den Tod geschickt zu haben, indem sie ihnen ihre Karten schenkte, niemals wieder losgelassen.

    Ja, für sie war es ein Glück! Daß sie die Karten weitergeschenkt hat, sollte eine gute Sache sein. Daß die Frau mit dem Kind umgekommen sind, sollte sie nicht als ihre Schuld sehen. Sie hat der Frau Hoffnung geschenkt. Und das zählt!

    Ja, nur wird man das Schuldgefühl wahrscheinlich nie ganz los

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Jetzt habe ich den Abschnitt gelesen und musste mich erstmal sammeln. Puh, was für ein Erlebnis! Durch das verschneite Ostpreußen, in einem der kältesten Winter, immer die Russen im Nacken, sogar durch die Linien durch. Ich hatte beim Lesen so großes Mitleid und so viel Respekt vor so viel Mut und Entschlossenheit. Und wie bitter, etwas Gutes tun zu wollen und dann festzustellen, dass man die Personen wahrscheinlich in den Tod geschickt hat. Denn von der Wilhelm Gustloff entkamen tatsächlich keine im Schwimmbad einquartierten Personen. Ich klammere mich an die Hoffnung, dass stellvertretend für Mutter und Kind tatsächlich überlebt haben. Und wieder einmal zeigt sich: Niemand kann sich was ausdenken, was es nicht bereits gab, und das sogar noch tausendmal schlimmer! Der "supertolle" Gauleiter Koch hat sich noch vor dem Ende aus dem Staub gemacht, mit einem Boot extra für ihn!

    Ich hoffe sogar für die Schwiegereltern, dass sie das Ganze relativ unbeschadet überstanden haben, wider Erwarten.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Was müssen die Frauen - und natürlich auch die anderen Menschen - ausgestanden haben! In der Kälte, in Viehwaggons unterwegs, vorwärts in die Ungewissheit, hinter sich die Russen! Angst muß ein sehr starker Antrieb gewesen sein!

    Spricht man mit Zeitzeugen, und sind diese bereit darüber zu sprechen, wenn nicht immer der Fall ist, hört man oft, dass sie (zumindest in ihrer Erinnerung) während der Flucht gar keine Angst verspürt haben. Sie spürten gar nichts, waren lediglich angetrieben von dem Wunsch, zu überleben, und auch irgendwie abgestumpft. Sie funktionierten einfach, wie Roboter, setzten einen Fuß vor den anderen, immer in der Gewissheit, dass es jeden Moment vorbei sein könnte. Keiner, der das erleben musste (früher und leider auch noch heute ...) kann meiner Meinung nach wirklich die Gefühle und Empfindungen dieser Menschen vollständig nachvollziehen.

    So habe ich das noch nicht gesehen. Ich glaube auch, daß man Krieg selbst erlebt haben muß, um die Gefühle wirklich verstehen zu können.

  • Ja, für sie war es ein Glück! Daß sie die Karten weitergeschenkt hat, sollte eine gute Sache sein. Daß die Frau mit dem Kind umgekommen sind, sollte sie nicht als ihre Schuld sehen. Sie hat der Frau Hoffnung geschenkt. Und das zählt!

    Ja, nur wird man das Schuldgefühl wahrscheinlich nie ganz los

    Es gibt im Leben wahrscheinlich mehrere Sachen, die man im Nachhinein bedauert. Aber wenn man vor Entscheidungen steht, kann man nicht in die Zukunft schauen. Man kann sich nur so oder anders entscheiden.

  • Jetzt habe ich den Abschnitt gelesen und musste mich erstmal sammeln. Puh, was für ein Erlebnis! Durch das verschneite Ostpreußen, in einem der kältesten Winter, immer die Russen im Nacken, sogar durch die Linien durch. Ich hatte beim Lesen so großes Mitleid und so viel Respekt vor so viel Mut und Entschlossenheit. Und wie bitter, etwas Gutes tun zu wollen und dann festzustellen, dass man die Personen wahrscheinlich in den Tod geschickt hat. Denn von der Wilhelm Gustloff entkamen tatsächlich keine im Schwimmbad einquartierten Personen.

    Das war wirklich ein sehr bewegender Abschnitt und ich konnte auch erst nicht aufhören zu lesen und war dann hinterher erschüttert. Was für einen Mut und Lebenswillen diese Menschen hatten und mitten unter ihnen Hedwig mit ihrer Tochter Grete. Sie schaffen es ganz knapp, aus Sensburg zu fliehen, zu Fuß mitten im Winter bei eisiger Kälte mit Auguste auf dem Schlitten. Das sind so eindringliche Bilder, die ich nicht mehr vergessen werde. Sie kämpfen sich durch zusammen mit anderen Flüchtlingen aus dem Osten und erleben so schreckliche Szenen auf dem zugefrorenen Haff, dass es kaum auszuhalten ist. Bomben fallen, Menschen und Pferde sterben und auch Auguste bleibt zurück im allgemeinen Chaos. Dennoch geht es immer wieder gut aus für Hedwig und Grete, auch wenn sie beide weit über ihre Grenzen gefordert sind ,sowohl seelisch als auch körperlich und am Rande der Erschöpfung, nur noch fokussiert auf das Überleben. Wahrscheinlich spürt man in solchen Extremsituationen keine Schmerzen mehr und keine Angst, solche Empfindungen werden ausgeblendet als Schutzreaktion der Psyche, weil sie ansonsten zusammenbrechen würden. Sogar die schwere Erkrankung von Grete erweist sich im Nachhinein als lebensrettend, denn an Bord der Wilhelm Gustloff hätten sie nicht überlebt. Dieses Unglück mit ca. 9000 Todesopfern gilt bis heute als verlustreichste Katastrophe der Seefahrt. :(

  • Jetzt habe ich den Abschnitt gelesen und musste mich erstmal sammeln. Puh, was für ein Erlebnis! Durch das verschneite Ostpreußen, in einem der kältesten Winter, immer die Russen im Nacken, sogar durch die Linien durch. Ich hatte beim Lesen so großes Mitleid und so viel Respekt vor so viel Mut und Entschlossenheit. Und wie bitter, etwas Gutes tun zu wollen und dann festzustellen, dass man die Personen wahrscheinlich in den Tod geschickt hat. Denn von der Wilhelm Gustloff entkamen tatsächlich keine im Schwimmbad einquartierten Personen.

    Das war wirklich ein sehr bewegender Abschnitt und ich konnte auch erst nicht aufhören zu lesen und war dann hinterher erschüttert. Was für einen Mut und Lebenswillen diese Menschen hatten und mitten unter ihnen Hedwig mit ihrer Tochter Grete. Sie schaffen es ganz knapp, aus Sensburg zu fliehen, zu Fuß mitten im Winter bei eisiger Kälte mit Auguste auf dem Schlitten. Das sind so eindringliche Bilder, die ich nicht mehr vergessen werde. Sie kämpfen sich durch zusammen mit anderen Flüchtlingen aus dem Osten und erleben so schreckliche Szenen auf dem zugefrorenen Haff, dass es kaum auszuhalten ist. Bomben fallen, Menschen und Pferde sterben und auch Auguste bleibt zurück im allgemeinen Chaos. Dennoch geht es immer wieder gut aus für Hedwig und Grete, auch wenn sie beide weit über ihre Grenzen gefordert sind ,sowohl seelisch als auch körperlich und am Rande der Erschöpfung, nur noch fokussiert auf das Überleben. Wahrscheinlich spürt man in solchen Extremsituationen keine Schmerzen mehr und keine Angst, solche Empfindungen werden ausgeblendet als Schutzreaktion der Psyche, weil sie ansonsten zusammenbrechen würden. Sogar die schwere Erkrankung von Grete erweist sich im Nachhinein als lebensrettend, denn an Bord der Wilhelm Gustloff hätten sie nicht überlebt. Dieses Unglück mit ca. 9000 Todesopfern gilt bis heute als verlustreichste Katastrophe der Seefahrt. :(

    Nicht nur das, auch das mit den meisten Kindern.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Das sind so eindringliche Bilder, die ich nicht mehr vergessen werde. Sie kämpfen sich durch zusammen mit anderen Flüchtlingen aus dem Osten und erleben so schreckliche Szenen auf dem zugefrorenen Haff, dass es kaum auszuhalten ist.

    Alle Figuren meiner Romane sind für mich, während des Schreibprozesses, real - ich leide und lache mit ihnen, empfinde das, was sie empfinden und zitterte auch, wenn ihnen etwas Schreckliches widerfährt. Auch wenn es seit Jahrzehnten sehr viele Bücher, Filme und Reportagen von der Flucht über das Frische Haff gibt, auch wenn ich mich schon lange damit beschäftigte - dieser Roman hat mich all meine Kraft und auch jede Menge Tränen gekostet. An manchen Tagen konnte ich nur eine oder zwei Seiten schreiben, dann war ich zu aufgewühlt, um weiterzumachen und ging spazieren oder Radfahren, um den Kopf wieder einigermaßen frei zu bekommen.

    Daher berührt es mich so sehr, dass Du/Ihr ähnlich empfindet, dass es mir gelungen ist, das Schreckliche auf eine Art rüberzubringen, die auch Euch aufwühlt. Danke.

    Always look on the bright side of life ...

  • Das sind so eindringliche Bilder, die ich nicht mehr vergessen werde. Sie kämpfen sich durch zusammen mit anderen Flüchtlingen aus dem Osten und erleben so schreckliche Szenen auf dem zugefrorenen Haff, dass es kaum auszuhalten ist.

    Alle Figuren meiner Romane sind für mich, während des Schreibprozesses, real - ich leide und lache mit ihnen, empfinde das, was sie empfinden und zitterte auch, wenn ihnen etwas Schreckliches widerfährt. Auch wenn es seit Jahrzehnten sehr viele Bücher, Filme und Reportagen von der Flucht über das Frische Haff gibt, auch wenn ich mich schon lange damit beschäftigte - dieser Roman hat mich all meine Kraft und auch jede Menge Tränen gekostet. An manchen Tagen konnte ich nur eine oder zwei Seiten schreiben, dann war ich zu aufgewühlt, um weiterzumachen und ging spazieren oder Radfahren, um den Kopf wieder einigermaßen frei zu bekommen.

    Daher berührt es mich so sehr, dass Du/Ihr ähnlich empfindet, dass es mir gelungen ist, das Schreckliche auf eine Art rüberzubringen, die auch Euch aufwühlt. Danke.

    Und das du so mitfieberst, mitleidest, dich mitfreust... , all das macht die Personen so nahe

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Endlich flieht Hedi. Ich hatte schon Sorge, dass sie überrannt werden. Dass ihre Schwiegereltern nicht gehen wollen, ist logisch. Sie sind fanatisch und glauben alles, was ihnen erzählt wird. Der Realität gegenüber verschließen sie die Augen. Und Johanna will ja das Gut nicht aufgeben. Immerhin ist sie ja die Baronin.


    Mutig finde ich, wie Hedi um ihre Mutter kämpft. Mit einem Schlitten, der eine große Last ist, treten sie die Flucht an. Die Flucht selbst war sehr gefährlich und mehrmals hatten sie wohl viel Glück gehabt. Um Auguste tut es mir sehr leid. Nun ist sie so weit gekommen und hat sie sich so durchgekämpft…;(


    Hedi kann wieder nähen und so den Lebensunterhalt bestreiten, aber auch Margarethe muss arbeiten. Und dann die Überraschung: Werner ist wieder da und es geht ihm gut.

  • Das sind so eindringliche Bilder, die ich nicht mehr vergessen werde. Sie kämpfen sich durch zusammen mit anderen Flüchtlingen aus dem Osten und erleben so schreckliche Szenen auf dem zugefrorenen Haff, dass es kaum auszuhalten ist.

    Alle Figuren meiner Romane sind für mich, während des Schreibprozesses, real - ich leide und lache mit ihnen, empfinde das, was sie empfinden und zitterte auch, wenn ihnen etwas Schreckliches widerfährt. Auch wenn es seit Jahrzehnten sehr viele Bücher, Filme und Reportagen von der Flucht über das Frische Haff gibt, auch wenn ich mich schon lange damit beschäftigte - dieser Roman hat mich all meine Kraft und auch jede Menge Tränen gekostet. An manchen Tagen konnte ich nur eine oder zwei Seiten schreiben, dann war ich zu aufgewühlt, um weiterzumachen und ging spazieren oder Radfahren, um den Kopf wieder einigermaßen frei zu bekommen.

    Daher berührt es mich so sehr, dass Du/Ihr ähnlich empfindet, dass es mir gelungen ist, das Schreckliche auf eine Art rüberzubringen, die auch Euch aufwühlt. Danke.

    Auch wenn wir die dramatischen Schilderungen dieser Flucht aus Dokumentationen etc. kennen, bleibt es doch vor allem das persönliche Schicksal unzähliger Menschen. Jeder musste für sich alleine und seine Angehörigen unbeschreibliches Leid, Todesangst und Kälte aushalten und genau diese persönliche Sicht macht den Unterschied bei deinem Roman. Wir haben sicher alle gespürt, wie sehr du mit ganzem Herzen ihre Erlebnisse aufgeschrieben hast, wie intensiv dich diese Menschen begleitet haben und du mit ihnen gelitten hast. Du hast die Kraft, die es dich gekostet hat und die Emotionen, die auch für dich belastend waren, in etwas Gutes verwandelt und hast damit ein kreatives Universum der Liebe und des Erinnerns erschaffen - und das ist die beste und schönste Art, deinen Angehörigen und allen anderen Betroffenen ein würdiges und respektvolles Andenken zu schenken. <3

  • Spricht man mit Zeitzeugen, und sind diese bereit darüber zu sprechen, wenn nicht immer der Fall ist, hört man oft, dass sie (zumindest in ihrer Erinnerung) während der Flucht gar keine Angst verspürt haben. Sie spürten gar nichts, waren lediglich angetrieben von dem Wunsch, zu überleben, und auch irgendwie abgestumpft.

    Das kann ich mir gut vorstellen. Wenn man auf der Flucht anfangen würde, darüber nachzudenken, was man alles erlebt, dann würde man keinen Fuß mehr vor einen anderen setzen können. Hedwig hätte auch schon längst zusammenbrechen müssen mit ihren Erkältungen an den Beinen, dazu hat sie ihre Mutter verloren und ihr Kind ist sterbenskrank. Sie weiß nicht, wo sie hin soll und ob sie das überhaupt überleben soll. Hunger, Tod (durch so viele Möglichkeiten, Bomben, Hunger, Kälte,...) und dann die Gefahr durch die russische Arme, die über allem schwebt. Man würde ja verrückt werden, wenn man sich das klar macht in so einer Situation.


    Hedwig ist eine starke Frau und es ist wirklich erschreckend zu lesen, wie die russische Arme im Osten gewütet hat. Als ob der Krieg nicht an sich schon schlimm genug ist, dass dann auch noch Schändungen hinzukommen müssen, werde ich wohl nie begreifen. Aber Hedwig zieht im letzten Moment die Notbremse und flieht. Wie knapp sie immer dem Tod entrinnen, ist sehr eindrücklich beschrieben und ich war froh, als die Fluchtkapitel zu Ende waren, weil sie doch sehr nahe gehen.


    So ganz gut geht es ihnen immer noch nicht. Sie haben zwar eine Unterkunft und etwas zu essen, aber gerade für Grete ist die Situation unangenehm. Hedwig hat es gut, sie kann in ihrem Beruf arbeiten, der ihr gefällt. Ich bin mir hier ein wenig irritiert, dass Hedwig sich da nicht mehr für Grete einsetzt. Gerade in der Szene, als Werner wieder da ist, weist sie Grete zurecht und ist auch von Werners Plan nicht angetan, so sein Geld zu verdienen, wie es ihm Spaß macht. Oder ist es nur, weil es sie so sehr an Albert erinnert? Ich hoffe auf jeden Fall, dass auch Grete bald etwas dazu verdienen kann, so dass auch sie Spaß daran hat. Die Arme hat für ihre 15, 16 (?) Jahre wirklich schon genug durchmachen müssen.


    Über Werners Rückkehr habe ich mich gefreut. Er scheint wirklich viel Glück gehabt zu haben, wobei auch seine Gesundheit ihm wohl auch das Leben gerettet hat. Während seine Kameraden an der Ostfront starben, hat er durchgehalten. Diese verzweifelten Kämpfe im Osten waren wirklich unglaublich. Allgemein der Angriff gegen Russland war wenig durchdacht. Aber im Nachhinein bin ich ja immer froh über Hitlers Größenwahn in Bezug auf Eroberungen. Denn so zwang er die anderen Nationen gegen Deutschland zu kämpfen und befreite es aus Hitlers Zwängen.


    Wie ungezwungen Werner trotz allem noch ist und wieder nach Vergnügen sucht, freut mich. Ich hoffe, dass er so den Krieg mit all dem Unglück auch verarbeiten kann...

  • Es ist immer wieder unglaublich, wie lang das Nazi-Regime den Leuten erzählt hat, dass sie den Krieg noch gewinnen werden bzw. den Menschen im Osten verboten haben, ihre Städte und Dörfer zu verlassen und sie damit den Übergriffen und dem Tod durch die gegnerische Armee aussetzten!


    Paul und Johanna kann man echt nicht mehr helfen, so weltfremd wie sie sind. Vielleicht wollen sie aber auch einfach nicht ihr verfallenes Gut verlassen und hoffen einfach, dass alles nicht so schlimm werden wird. Wenn Johanna überlebt, gehört sie garantiert nachher zu denjenigen, die am lautesten schreien, dass sie gegen Hitler gewesen sei, um ihren Hals zu retten. Ich war jedenfalls froh, dass Hedwig nach der Absage von Alberts Eltern endlich die Flucht angetreten und sich nicht wegen Alberts Bitte weiterhin verpflichtet fühlte. Andersrum hätten sich die Schwiegereltern sicherlich nicht so um sie gekümmert.

    Hedwig und Margarethe lassen alles, aber auch wirklich alles hinter sich: ihre bisheriges Leben und Zuhause, ihre Träume und Hoffnungen.


    Die Flucht ist eindeutig das Schlimmste, was Hedwig und ihre Familie bisher durchmachen musste. Auch wenn ich weiß, was die Flüchtlinge erwartete, fand ich es dennoch schrecklich, es nochmal zu lesen. Dieser Wettlauf gegen die Zeit bzw. das Vorrücken der Roten Armee, die Flucht durch die Frontlinien, der Angriff auf dem Frischen Haff, bei dem auch Auguste ums Leben kommt (ich glaube jedenfalls nicht, dass sie das überlebt hat :() - und keine Zeit zu trauern. Und dann der Hoffnungsschimmer durch die Wilhelm Gustloff - wir Leser wussten, dass das Schiff kein gutes Ende nahm, aber für die Menschen war es die verheißende Rettung. Ich fand es toll, dass Hedwig die Gräfin wieder getroffen hat und diese ihr die Karten überlassen hat. Wenn Grete nicht so krank gewesen wäre und der Arzt darauf bestanden hätte, dass sie im Krankenhaus bleiben muss, würden die beiden Frauen nicht mehr leben.


    Und endlich schaffen die beiden es bis nach Norddeutschland, wo ihre Flucht endet und sie erstmal unterkommen, auch wenn die Verhältnisse unterirdisch sind. Aber die Mahnstein-Frauen sind wirklich sehr stark und starten tatkräftig in ein neues Leben, welches sie sich von ganz unten aufbauen müssen. Die Verbesserungen durch den Umzug zu der Gräfin sind zwar geringer als erhofft, aber wenigstens stinkt es nicht mehr so furchtbar wie vorher.

    Und sobald Hedwig die Möglichkeit wieder hat, zu nähen, ergreift sie sie. Ich will nicht wissen, welche Schmerzen sie eigentlich durch die Erfrierungen hat, das hört sich richtig böse an.


    Und dann kehrt Werner heim! Was für eine Erleichterung muss das für Mutter und Schwester gewesen sein, die keine Ahnung haben, ob überhaupt noch jemand von ihrer Familie überlebt hat. Werner hat es eigentlich ganz gut getroffen, dass er und seine Truppe so schnell wie möglich nach Westen verfrachtet wurden.


    Werner erinnert Hedwig in seiner unbeschwerten Art an Albert, aber wer kann es ihm eigentlich verdenken. Die ganze Kindheit und Jugend von ihm und seiner Schwester waren geprägt durch die Nazis und durch den Krieg. Dass sie jetzt endlich mal das Leben genießen wollen, nachdem dieser unsägliche Krieg vorbei ist und wie es für junge Menschen in ihrem Alter normal wäre, finde ich absolut verständlich. Außerdem ist Werner ungebunden, er muss sich noch nach niemanden richten. Und da er ein Mann ist, wird es für ihn auch deutlich einfacher sein wie für seine Schwester.


    Nun bin ich sehr gespannt auf den letzten Teil: wie die Mahnsteins schlussendlich nach Süddeutschland kommen und wer von ihrer Familie überlebt haben wird.

Anstehende Termine

  1. Freitag, 9. November 2018, 21:43 - Freitag, 23. November 2018, 22:43

    odenwaldcollies

  2. Freitag, 9. November 2018, 21:43 - Freitag, 23. November 2018, 22:43

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  3. Montag, 12. November 2018, 16:11 - Montag, 26. November 2018, 17:11

    Editing Expertise

  4. Freitag, 16. November 2018, 21:43 - Samstag, 1. Dezember 2018, 22:43

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