06 - Kapitel 16 bis 18 (Seite 301 bis 358)

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  • Für Hedwig und Margarethe aber ein Glück, dass Grete so schwer krank wird ... Für die junge Frau und ihre Tochter allerdings nicht. Es gab zwar Überlebende des Untergangs, Hedwig hat der Gedanke, die Frau und das Kind in den Tod geschickt zu haben, indem sie ihnen ihre Karten schenkte, niemals wieder losgelassen.

    Zu all dem Unglück, dass die Flüchtenden damals mitmachen mussten, kommen dann noch solche Gedanken, obwohl dafür ja keiner etwas kann. Dass die Gustloff untergeht, wusste niemand - aber dennoch macht man sich Vorwürfe, was normal ist.

  • Sie spürten gar nichts, waren lediglich angetrieben von dem Wunsch, zu überleben, und auch irgendwie abgestumpft. Sie funktionierten einfach, wie Roboter, setzten einen Fuß vor den anderen, immer in der Gewissheit, dass es jeden Moment vorbei sein könnte. Keiner, der das erleben musste (früher und leider auch noch heute ...) kann meiner Meinung nach wirklich die Gefühle und Empfindungen dieser Menschen vollständig nachvollziehen.

    Ich denke, anders kann man solch eine Tortur auch nicht durchstehen, wie wenn man (bzw. das Unterbewusstsein) alles ausblendet.


    Daher berührt es mich so sehr, dass Du/Ihr ähnlich empfindet, dass es mir gelungen ist, das Schreckliche auf eine Art rüberzubringen, die auch Euch aufwühlt. Danke.

    Ohja, die Szenen sind sehr aufwühlend - nach diesem Abschnitt habe ich erstmal eine Verschnaufpause gebraucht, bevor ich überhaupt hierzu etwas schreiben konnte.


    Gerade in der Szene, als Werner wieder da ist, weist sie Grete zurecht und ist auch von Werners Plan nicht angetan, so sein Geld zu verdienen, wie es ihm Spaß macht. Oder ist es nur, weil es sie so sehr an Albert erinnert?

    Ich denke auch, dass es die Erinnerungen an Albert sind, die sie hier etwas überreagieren lassen.

  • Daher berührt es mich so sehr, dass Du/Ihr ähnlich empfindet, dass es mir gelungen ist, das Schreckliche auf eine Art rüberzubringen, die auch Euch aufwühlt. Danke.

    Ohja, die Szenen sind sehr aufwühlend - nach diesem Abschnitt habe ich erstmal eine Verschnaufpause gebraucht, bevor ich überhaupt hierzu etwas schreiben konnte.

    Ich auch! Das war so aufwühlend!

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Hedwig hat das beste gemacht was ihr eingefallen ist. Sie hat das Parteibuch verbrannt und das Parteiabzeichen im Wasser versenkt. So kann die rote Armee nicht gleich auf Anhieb etwas finden. Sie hat sich also zur Flucht entschieden und wollte ihr Versprechen, welches sie Albert gegeben hat, einlösen und seine Eltern mitnehmen. Doch alles gute Zureden half nichts, zu überzeugt sind Paul und Johanna immer noch, dass es einen Endsieg geben wird. Sie würden sogar Hedwig wegen Verrat melden. Die kleine Jodga tat mir leid, was wohl aus ihr geworden ist.

    Mit vielen Bekleidungsstücken am Körper sind Hedwig und Grete zu Auguste. Diese wartete bereits auf die beiden und war vorbereitet. Die Situation mit dem Kater war sehr dramatisch für Grete und ich glaube, dass sie da anfing zu ahnen, was auf sie zukommen wird.

    In der Frage, was mit Werner und Vati ist, und ob Hedwig einen Zettel geschrieben hat, kann man förmlich Gretes Angst heraus hören.

    Mit Auguste auf dem Kinderschlitten begann nun eine schreckliche und quälende Flucht, denn die Russen kamen stetig und gefährlich näher.

    Leider bleibt auch der Versuch Wilma zu überreden mit ihnen zu kommen, ohne Erfolg. Doch noch länger konnten sie nicht warten.

    Die Flucht war mehr als dramatisch, als sie kein Glück mit dem Zug hatten, riet ein Soldat Hedwig und den ihren um ihr Leben zu rennen. Nach ein wenig Luftholen, ging es weiter und gut das Hedwig entschieden hat keine Strassen zu benutzen. Doch sie mussten mitten durch die russischen Kampflinien. Wie schrecklich, was für Angst die Menschen ausstehen musste.

    Die Erwähnung Werners sechzehnten Geburtstag fand ich sehr traurig. Ohne zu wissen ob es ihm gut geht und ob er noch am Leben ist.

    Nachdem sie von den deutschen Soldaten aufgegriffen wurden, war ich erleichtert. Doch leider blieb es nicht lange so. Die Szene am nächsten Bahnhof, als Hedwig sich entschied, dass für Höflichkeiten kein Platz mehr ist, zeigt eindeutig wie es ist, wenn man um das eigene Leben Angst hat. Und was es aus einen Menschen macht, welche Fähigkeiten man entwickelt. Schlussendlich war sich jeder selbst der nächste, nicht einmal das Brot wollten sie essen um nicht damit gesehen zu werden.

    Die Überquerung des frischen Haff, als Auguste nicht mehr zu sehen war, hat mir das Herz gebrochen. Nicht nur wegen der vielen Bomben und den unzähligen Toten. Nein besonders um Auguste ging es mir, sie hat so viel erleiden müssen, hat Mann und Söhne verloren, dann begibt sie sich mit auf die Flucht und ist verschollen.


    Endlich konnten Hedwig und Grete etwas durchatmen, doch Grete ist schwer krank. So konnten sie das Angebot von Marianne nicht annehmen. Sie hätten mit der Gustloff reisen können, die aber auch untergegangen ist. Das war ein kleines Glück, doch die Mutter mit dem kleinen Kind ist mit untergegangen. Und Hedwig dachte noch etwas gutes getan zu haben.

    Von meinem Schwager die Mutter sollte auch mit der Gustloff mit, aber sie war voll und so musste sie mit ihrer Familie im Hafen bleiben. Sie hatte somit auch das Glück nicht unter zu gehen. Denn es war die Reise bei der die Gustloff untergegangen ist.


    Es ist Hedwig und Grete gelungen ihre Flucht fortzusetzen. Nun sind sie in Gemeinde Behrensdorf auf einem Bauernhof einer Witwe, auf dem sie mitarbeiten. Und wieder sind sie zuvor mit dem Leben davon gekommen, denn drei Wochen nach dem Verlassen von Svinemünde wurde auch diese Stadt bombardiert.

    Im Schweinestall leben, kommt mehr dem Mittelalter nahe. Aber egal, Hauptsache am Leben. Im Schulgebäude hat Hedwig eine Nähmaschine gefunden und näht von da an wieder. Dadurch konnte sie die beiden vor dem Verhungern retten.

    Tja und dann hat der Feigling Hitler sich der Verantwortung entzogen und sich selbst gerichtet. Der Krieg ist vorbei.

    Da Hedwig für die Gräfin von Waldersee näht, haben sie die Möglichkeit bekommen dem Bauerhof zu entkommen. Grete muss auch hier auf diesem Hof helfen und Hedwig macht sogar Geschäfte auf dem Schwarzmarkt, aber besser als im Schweinestall.

    Und dann geschieht ein Wunder, Werne ist unversehrt aus dem Krieg zurück gekehrt. Ausführlich berichtet er, wie er es geschafft hat die beiden zu finden.

    Der ehemals kleine Werner, der voller Euphorie in den Krieg zog, war geschockt als die Amis ihnen die Filmaufnahmen von den Konzentrationslagern gezeigt hat. Die Frage, ob die Erwachsenen davon gewusst haben, zeigt wie unwissend die Jugend war.

    Es gibt noch Nachricht von Luise und diese hat auch Nachricht von Anna. Nur von Paule gibt es noch kein Lebenszeichen.

    Werner möchte zurück nach Hamburg um dort vor Publikum aufzutreten. Wie sein Vater. Er sagt noch, dass Grete auch wieder am Leben teilnehmen sollte. Das fand ich gut, denn schließlich ist auch sie noch sehr jung und musste genug schlimmes erleben.

  • Von Minensuchbooten als Transportmittel habe ich noch nie gehört

    Das ist historisch belegt. Gegen Ende des Krieges wurde alle verfügbaren Schiffe eingesetzt, um so viel Menschen wie möglich aus Ostpreußen rauszubekommen. Zu dem Zeitpunkt, an dem diese Szene spielt, war der Landweg bereits von der Roten Armee überrollt worden, es gab nur noch den Weg über die Ostsee, um in den Westen zu kommen Eine gewisse "Ordnung" der Wehrmacht bestand aber noch, zumindest bis Mitte/Ende April, so dass die Soldaten und ihre Schiffe zur Rettung der Zivilbevölkerung eingesetzt wurden.

    Ich habe darüber auch schon einiges gelesen und gesehen. Bei der Menge von Flüchtlingen war es auch sinnvoll alle verfügbaren Schiffe, egal welcher Art, einzusetzen.

  • Welch ein Unglück, daß dieses Schiff untergeht!

    Für Hedwig und Margarethe aber ein Glück, dass Grete so schwer krank wird ... Für die junge Frau und ihre Tochter allerdings nicht. Es gab zwar Überlebende des Untergangs, Hedwig hat der Gedanke, die Frau und das Kind in den Tod geschickt zu haben, indem sie ihnen ihre Karten schenkte, niemals wieder losgelassen.

    Das ist auch verständlich . Sie wollte den beiden helfen und dann geschieht ein solch großes Unglück. Ich würde das auch mein Leben lang nicht vergessen. Sicher denkt man dann immer, vielleicht würden die beiden noch am Leben sein.

  • Was müssen die Frauen - und natürlich auch die anderen Menschen - ausgestanden haben! In der Kälte, in Viehwaggons unterwegs, vorwärts in die Ungewissheit, hinter sich die Russen! Angst muß ein sehr starker Antrieb gewesen sein!

    Spricht man mit Zeitzeugen, und sind diese bereit darüber zu sprechen, wenn nicht immer der Fall ist, hört man oft, dass sie (zumindest in ihrer Erinnerung) während der Flucht gar keine Angst verspürt haben. Sie spürten gar nichts, waren lediglich angetrieben von dem Wunsch, zu überleben, und auch irgendwie abgestumpft. Sie funktionierten einfach, wie Roboter, setzten einen Fuß vor den anderen, immer in der Gewissheit, dass es jeden Moment vorbei sein könnte. Keiner, der das erleben musste (früher und leider auch noch heute ...) kann meiner Meinung nach wirklich die Gefühle und Empfindungen dieser Menschen vollständig nachvollziehen.

    Ja so ähnlich hat es meine Oma auch einmal beschrieben. Sie musstet mit meinem Opa und vier Kindern aus Sudetendeutschland. Meine Mutter gerade mal erst 1942 geboren. Da ging es nur darum alle warm zu halten und etwas zum Essen zu haben. Da blieb kaum Zeit für Angst. Jeden Tag wollte man nur weiter voran kommen. Aber auch meine Großeltern haben wenig von ihrer Flucht erzählt, so wie Hedwig es gesagt hat, es ging darum nach vorne zu sehen.

Anstehende Termine

  1. Freitag, 12. Oktober 2018 - Freitag, 26. Oktober 2018

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  2. Mittwoch, 17. Oktober 2018, 21:43 - Mittwoch, 31. Oktober 2018, 22:43

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  3. Freitag, 19. Oktober 2018 - Freitag, 2. November 2018

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  4. Freitag, 19. Oktober 2018 - Freitag, 2. November 2018

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