6. Kapitel 51 - Nachwort (S. 451 bis 527)

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  • So, was soll ich sagen - das Buch ist aus. Leider! Wieder mal viel zu schnell, liebe Melanie.

    Ich hätte den Weg aller sehr gern weiterfolgt.


    Und auch in diesen Teil passiert noch so einiges.


    Krüger ist homosexuell. Ganz ehrlich, dass hätte ich nicht erwartet. Er, der mehrfach "unwertes Leben" beendet hat. Homosexualität galt doch zu dieser Zeit auch als "unwert". Das er deswegen angezeigt wird, ist zwar nicht sehr nett, aber es führt letzend endlich zum Ziel. Er verliert seine Zulassung als Arzt und das ist in meinen Augen eigentlich das wichtigste. Auch wenn die Strafe wirklich nicht gerecht ist und es für Homosexualität eine höhere Strafe gibt, wie für die Tötung von behinderten Kinder. Auch wenn ich zwischendurch ehrlich gesagt gedacht habe, Melk haut ihn wieder raus.


    Toll fand ich die "Hochzeitsreise" nach London zu Fritz´s Mutter.

    Allerdings fand ich es sehr traurig, als Harri über die Bombennacht erzählt hat. Als er das mit Rudi erzählt hat, hätte ich ihn am liebsten in den Arm genommen und getröstet. Es muss schlimm gewesen sein, was Kinderseelen aushalten mussten. Umso mehr kann ich Fritz verstehen, wenn er seinen Sohn seine Wünsche erfüllt.

    Und auch bei Helen scheint es was ausgelöst zu haben. Es kommt zum klärenden Gespräch zwischen ihr und Fritz und Fritz verzeiht ihr.


    Ansonsten spürt man auch hier den Wiederbeginn ganz deutlich.

    Die Träume gehen weiter in Erfüllung. Das Doppelhaus wird fertig, Fritz heiratet Julia. Auch Arthur und Lottchen heiraten und bekommen einen kleinen Sohn.

    Toll fand ich auch die Sache mit den Ärztehaus.


    Und dann gibt´s ein Wiedersehen mit Leonie. Darüber habe ich mich sehr gefreut.


    Und ganz zum Schluss die versprochene Reise zur Silberhochzeit nach Rom. In meinen Augen ein gelungener Abschluss.

    Und wie Paula so schön sagt, wer weiss, wie alles gekommen wäre, hätte es keinen Krieg gegeben.

    Nur gut, dass das niemand weiß!


    Melanie, mir hat "Die Stimmlosen" wieder ausgezeichnet gefallen und sicher habe ich auch viele Dinge vergessen zu erwähnen. Aber ich wollte einfach immer nur weiter lesen und habe nicht immer gleich alles notiert.

  • Was für ein schönes Ende – und alle Träume, die sich Richard und Paula vorgenommen haben, erfüllen sich, und das auch noch innerhalb des geplanten Zeitrahmens <3


    Das Doppelhaus, die Autos, die Reise nach Italien – und dann sogar noch ein Ärztehaus! Dass Richard und Fritz so leichtfertig Kredite aufnehmen, mutet im ersten Moment aus unserer heutigen Sicht etwas blauäugig an, aber wir haben ja auch glücklicherweise keine solchen Krisen und Inflationen hinter uns, die einem deutlich machen, dass man u.U. mit Schulden deutlich besser dran ist wie mit Erspartem. Und sie mussten so lange auf alles verzichten, dass es normal ist, wenn man nun endlich wieder seine Träume verwirklichen möchte. Außerdem kurbelt das ja auch die Wirtschaft an.


    Die kleine Tanne konnte endlich wieder an ihren angestammten Platz im Schrebergarten eingepflanzt werden – das hatte für mich einen besonderen symbolischen Wert. Überhaupt der Schrebergarten: er war, wie Professor Wehmeyer, eine Konstante im Leben der Hellmers und von Fritz, eine Art Fels in der Brandung, der die ganzen finsteren Jahre unbeschadet überstanden hat.


    Als Fritz' Mutter nicht zu seiner Hochzeit erschienen ist, dachte ich mir beinahe schon, dass etwas passiert sein könnte, allerdings hatte ich gehofft, das Auto hätte eine Panne gehabt oder das Flugzeug konnte nicht starten o.ä. Denn dass sie einfach ohne Nachricht der Hochzeit fernbleiben würde, das wäre schon ein ziemlich starkes Stück gewesen; das habe ich ihr dann doch nicht zugetraut.


    Klasse, dass es Thomas gelingt, einen Flug zu organisieren und wir so das Zuhause der Mitchell-Kindern kennenlernen, wie „gut“ Helen es finanziell mit ihrem zweiten Ehemann getroffen hat. Schlimm fand ich, dass Harri in dem Moment, in dem er seine Oma im Bett liegen sieht, an Helmuts Oma denken muss, die immer wieder diese schreckliche Geschichte des Feuersturms erzählt hat. Und es Harri zu schaffen macht, nichts genaues über Rudis Schicksal zu wissen. Solche Erinnerungen sollten Kinder niemals miterleben müssen :(


    Dafür musste ich dann im Anschluss über Henrieke lachen, als Fritz meinte, sie hätten alles, was sie brauchen und sie dann erklärt, dass sie gerne ein Pony hätte :totlach:

    Die 5000 britische Pfund sind genau das Startkapital, welches Richard und Fritz für das Ärztehaus brauchen – für Fritz ist auch direkt sonnenklar, dass er das Geld dafür verwenden wird.


    Ralph Morgan – er braucht eindeutig länger als Thomas, bis er seinen Hass überwinden wird, wenn er ihn überhaupt überwinden wird. Auch hier ist Fritz wieder absolut souverän und lässt sich nicht provozieren.

    „So was kommt vor, wenn Chirurgen sich als Psychiater versuchen.“ Thomas ist eindeutig Fritz' Bruder ^^


    Und dann macht Helen Mitchell endlich den entscheidenden Schritt auf Fritz zu und gesteht ihm ihre Schuld ein. Die Erleichterung von Fritz, als er sie anschließend in seine Arme zieht, war in jedem Wort zu spüren.

    Ein Stück weit kann ich seine Mutter sogar verstehen, wenn sie fürchten musste, dass James dafür sorgen könnte, dass sie Ellinor und Thomas nicht mehr wiedersehen würde. Dann noch die Ungewissheit, ob Fritz' Vater ihr verzeihen und aufnehmen würde; denn wenn nicht, dann hätte sie all ihre Kinder verloren. Alles nicht sehr einfach, auch wenn sie natürlich Fehler gemacht hat.


    Krügers Verhandlung … tja, da geht es mir wie Richard, dass ich sehr zwiegespalten und ein wenig abgestoßen bin. Natürlich hat er es verdient, dass er endlich verurteilt wird, aber bitte doch für das Töten der 22 Kinder und nicht, weil ihm jemand eine Falle gestellt hat und er eigentlich fälschlich verurteilt wird. Ich fand es auch ziemlich ernüchternd, dass eine Anklage wegen Homosexualität deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, als der Prozess der toten Kinder.

    Der Hammer ist auch der Satz, dass Krüger mit Sicherheit einen Freispruch hätte erwarten können, wenn das Opfer eine Frau gewesen wäre. Das zeigt sehr deutlich, was damals noch alles im argen lag.


    Schon interessant, wie das Wirtschaftswunder das Blatt wendet: den Hellmers und Ellerwegs geht es immer besser, während sich Arthur wie der arme Verwandte fühlt und Sorge hat, wie es nach seinem Ausscheiden aus dem britischen Dienst weitergehen wird.


    Aber Arthurs Nachbar Collin hatte eben doch völlig unrecht, was Arthurs deutsche Freunde angeht: nach dessen Theorie hätten Fritz und Richard ja Arthur spätestens jetzt fallengelassen, nachdem sie ihn und seine Hilfe nicht mehr brauchten. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: sie binden ihren Freund mit in die Pläne ein und nehmen ihn freudig in die Familie auf. Zudem haben sie ihm nicht vergessen, was er in der schlechten Zeit alles für sie getan hat: sie danken es ihm mit einem eigenen Auto zur Hochzeit. Toll, dass Helen sich ohne wenn und aber an dem Auto beteiligt und sich sogar dahinterklemmt, schnellstmöglich einen VW herzubekommen.


    Lachen musste ich ja, als Fritz seinen Freund wegen dem Fernseher aufzieht, dass Arthur bestimmt sagen würde, dass er und Lottchen sich das nicht leisten könnten und der ganz trocken erwidert: „Ich bin aus London, nicht aus Schottland.“ Ich liebe einfach den Humor der beiden Bücher.

    Besonders gerührt war ich, als die Griffords ihr erstes Kind Richard nennen.


    Alles läuft optimal – nur für Georg nicht, ihm werden bei seinen Berufswünschen immer wieder Steine in den Weg gelegt. Toll, wie sich hier Richards Tischlerlehre bezahlt macht, wenn auch ganz anders als jemals gedacht. Und dass Georg zusammen mit Bruno an der Erfindung des Camper-VW-Busses beteiligt ist, ist ja echt ein Ding. So wie es scheint, hat er damit auch seine Berufung gefunden, das finde ich super. Die Tischlerei läuft ja auch wie geschmiert.


    Die silberne Hochzeit von Richard und Paula schlägt sehr schön den Bogen zum Beginn des ersten Buches und endlich, endlich sehen sich Paula und Leonie nach all den Jahren wieder. Leonie ist glücklicherweise noch die Alte und gehört einfach immer noch dazu. Ich hatte beinahe das Gefühl, die vielen Jahre der Trennung hätte es gar nicht gegeben.


    Ein wunderbares Buch, was zu meinen Highlights von 2018 zählen wird.

  • Vielen Dank für eure Feedbacks. Ich freue mich sehr, dass euch das Buch so gut gefallen hat - ist ja neben "Im Lautlosen" auch ein echtes Herzensprojekt - übrigens das erste Buch, das ich seit meiner "Profi-Karriere" wieder völlig ohne Vertrag anfing zu schreiben, weil es einfach geschrieben werden musste. Ich hatte "Im Lautlosen" extra so geschrieben, dass die Fortsetzung passt, aber beide Bücher abgeschlossen gelesen werden können. Es ist ja immer ein Risiko und dass "Im Lautlosen" ein Bestseller wird, konnte ich damals noch nicht ahnen. Aber da mir die Figuren so lieb und teuer waren, musste einfach eine Fortsetzung her.


    Ich freue mich sehr, dass euch die Geschichte von Harri und Rudi berührt und überhaupt die englische Verwandtschaft von Fritz - einige Rezensenten bei Amazon meinten ja, das wäre ihnen zu weit hergeholt, aber ich fand diese Entwicklung ganz wichtig und habe mir diese Figuren gegönnt - denn im Grunde kann man alle irgendwo verstehen - am Schluss sogar Fritz' Mutter, als sie sich endlich nicht mehr versteckt, sondern zu ihrer alten Stärke zurückfindet und sich und ihrem Sohn Fritz eingesteht, was wirklich der Grund war - ihre Angst, alles zu verlieren und am Ende ganz allein da zu stehen. Sie war durch den 1. Weltkrieg auch traumatisiert - das machte sich dann ganz lange bemerkbar durch ihr absonderliches Verhalten Thomas gegenüber und eine nach außen schroffe Fassade am Anfang, als sie Fritz das erste Mal begegnete.


    Ich habe eine Zeitlang mit dem Gedanken an eine Fortsetzung gespielt, aber die hätte diesen Büchern nicht mehr gerecht werden können - sie wäre zerbröselt wie die Lindenstraße, weil es zu viele Handlungsstränge ohne ein Ziel gewesen wären. Hier, in "Die Stimmlosen" gab es ja von Anfang an zwei Ziele - Krügers Verurteilung und das Erreichen der Träume meiner Helden. Hier konnte ich am Ende eine Brücke zum Anfang schlagen - eben mit Leonies Auftritt und als die silberne Hochzeit im Grunde Erinnerungen an die echte Hochzeit weckt, als alle noch glücklich waren - und jetzt sind sie es wieder. Die Wunden sind vernarbt - ab und zu fühlt man sie noch, aber man schaut in die Zukunft. Sie sind daran gewachsen.


    Ein kleines Bonbon hänge ich euch mal an - wie es mit meinen mir liebgewonnenen Figuren weitergegangen wäre (aber es reicht leider nicht zu einem echten Roman - wie gesagt, da fehlt dann der rote Faden und ich würde viele Leser enttäuschen und damit die ersten beiden Bände schwächen).


    Fritz ist ja schon Chefarzt und Professor. Er reist nicht mehr nach London zu Kongressen, sondern jetzt spielt die Musik in den USA. Dort gibt er dem tatsächlichen Erfinder der Aortenaneurysmen-Prothese, die in den 50er Jahren erstmals in USA auf den Markt kam, den entscheidenden Tipp. Sein Sohn Harri versteht sich erstaunlich gut mit seinem Onkel Thomas und teilt dessen Leidenschaft fürs Fliegen - wir wollen nicht wissen, was seine Oma wohl dazu sagt. Harri wird später einer der ersten Lufthansa-Piloten. Seine Stiefschwester Henrieke ist von ihrem leiblichen Vater erblich belastet und besucht ein Musikkonservatorium. Die kleine Leni erfährt niemals, wer ihr Erzeuger war, sondern glaubt für alle Ewigkeiten, dass Fritz ihr Papa ist. Und sie ist ihm auch am Ähnlichsten von allen drei Kindern - sie ist die einzige, die auch Medizin studiert und wird der Liebling ihrer britischen Oma (die keine Ahnung hat, dass dieses Kind eigentlich überhaupt nicht mit ihr verwandt ist).


    Karl wird zusammen mit seinen Brüdern reich durch die Tischlerei und das Patent auf die Camping-Möbel. Bruno reist mit Eddy, der BBC-Reporter geworden ist, mit einem zum Wohnmobil umgebauten VW-Bus durch die Welt - sie erleben in den 50er Jahren bei ihrer Tour in der arabischen Welt mit, wie die CIA den ersten demokratisch gewählten Premierminister im Iran stürzt und den Schah mit Gewalt an die Macht holt - es geht ums Öl. Eddy will darüber schreiben, aber das wird von ganz oben unterdrückt. Er muss also bei den Reiseberichten über das Wohnmobil bleiben. Eine interessante Episode der Geschichte - sie legte den Grundstein für die spätere islamische Revolution und den Hass auf Amerika im Iran - darüber ist leider nicht viel bekannt in der Welt.


    Julies Eltern kommen aus Frankreich zu Besuch, als sie erfahren, dass Karl wohlhabend ist. Sie haben nämlich nicht viel und wollen vom Reichtum der deutschen Verwandtschaft profitieren - Familienknatsch ist vorprogrammiert - der arme Arthur wird als Engländer in diesen Streit auch noch reingezogen, weil Julies Vater ein echter Fiesling ist. Am Schluss versöhnt Julie sich mit ihrer Mutter, schmeißt aber ihren Vater genauso raus, wie er sie einst rausgeschmissen hat, als sie ihm ihre Liebe zu Karl gestand. Darüber sind dann alle erleichtert und sogar ihre Mutter kann das verstehen.


    Paula und Richard kümmern sich in Gutachterprozessen um die Entschädigung von Zwangssterilisierten. Richard wird 1963 bei einer Beratungskommission Sachverständiger - scheitert aber erneut an den alten Seilschaften. Zwangssterilisierte werden nicht entschädigt. Das hindert Richard aber nicht daran, weiter Gutachten zu schreiben, um Opfern anderweitig Entschädigung zukommen zu lassen. Im Alter von 87 Jahren erfährt er noch, dass die Opfer endlich als Opfer anerkannt und entschädigt werden - wir schreiben dann das Jahr 1988.


    Richards und PaulasTochter Emilia wird Ärztin und erlebt ähnliche Probleme wie ihre Mutter als junge Frau, sie kann sich aber besser durchsetzen, da sie nicht nur ihre Eltern als Ärzte, sondern auch Professor Ellerweg als Fürsprecher im Rücken hat.


    Georg setzt sich durch, nach seiner Tischlerlehre doch noch das Lehrerseminar als Taubstummenlehrer zu belegen, er kämpft erfolgreich um eine Sondergenehmigung, was klappt, da er eine ganz normale Lehre gemacht hat und darlegt, dass er auf diese Weise andere Gehörlose besonders gut fördern könnte.


    Lottchen wird Gynäkologin und die Wohnung wird später zur Praxis - Arthur und Lottchen bekommen noch ein zweites Kind, dann traut Arthur sich endlich, ein Haus zu bauen - mit zwei Praxen kann man sich das dann leisten. 1963 bekommt er Besuch von den Figuren von Mina Baites in "Träume aus Silber" - da hat er dann schon alles erreicht.


    Bei Arthur war es mir übrigens tatsächlich wichtig, noch mal zu zeigen, wo sein Problem liegt - er hat Angst, ist übervorsichtig geworden, hat Probleme, etwas zu riskieren. Aber jetzt erntet er, was er gesät hat - wie du schon geschrieben hast, Karin, sein Nachbar Colin hat sich geirrt - ich schätze, Arthur hat deutlich vor Colin ein eigenes Auto. Eine echte Freundschaft zeigt sich eben darin, dass diejenigen geben, die geben können, um jemand anders zu helfen. Und als Fritz und Richard endlich wieder geben können, bekommt Arthur, was er braucht. Auch damit - das Auto als Hochzeitsgeschenk - konnte ich schön den Bogen zu Band 1 schlagen - und es soll zeigen, dass man niemand aufgeben soll - irgendwann geschieht ein Wunder, auch wenn das ganz anders aussieht, als man es sich jemals vorgestellt hätte. Wenn die Realität nicht so ausgesehen hätte, hätte man das ja auch wirklich für ein Märchen gehalten. So ging es unter dem Begriff "Wirtschaftswunder" in die Geschichte ein. Und eben auch deshalb, weil die Deutschen endlich wieder kaufen wollten. Angebot und Nachfrage waren da. Jeder brauchte nach dem Krieg im Grunde alles neu - ein unglaublicher Markt, getragen von Hoffnung.


    Natürlich verklärt man diese Zeiten heute gern - deshalb musste ich auch die negativen Seiten zeigen - alte Seilschaften, die es für schlimmer erachten, wenn jemand schwul ist, als wenn er Kinder tötet. Ich hatte sogar erst noch überlegt, ob ich eine Szene einbaue, wie Frau Müller wieder zu Paula kommt und über Krüger schimpft, das sei ja ein Unding, dass so einer auf Kinder losgelassen wird ... Hätte gepasst, war mir dann aber doch etwas zu dick aufgetragen, obwohl es sicher realistisch gewesen wäre.

  • Mit Krügers Verurteilung geht es mir wie Karin, ich bin zwiegespalten. Natürlich freue ich mich, dass er endlich bestraft wird und wahrscheinlich seine Zulassung als Arzt verliert. Aber vor dem Hintergrund, dass Homosexualität „schlimmer“ ist als Kindermorde, das hat doch einen bitteren Beigeschmack. Richard sieht das auch so, er kann sich nicht so richtig freuen und verspürt nicht nur Genugtuung. „Alle drei Prozesse sind eine Schande für die deutsche Justiz.“ Das sagt alles...


    Die Aussöhnung mit der Mutter fand ich sehr berührend. Fritz hat nicht nur zugestimmt, um seiner Mutter einen Gefallen zu tun, er war davon überzeugt, obwohl er es sich nicht hatte vorstellen können. Für die Kinder ist die Oma auch klasse, obwohl sie sich unter nicht ganz günstigen Umständen kennenlernen. Als sie bei der Hochzeit fehlt, habe ich schon gedacht, sie macht doch einen Rückzieher, aber das war nicht so. Im Gegenteil, sie war sogar darauf bedacht, erst nach der Hochzeit mir der Wahrheit rauszurücken, um die Feier nicht zu stören.


    Es hat mich sehr berührt, wie sie erzählt hat, dass sie jeden Tag an Fritz gedacht hat. Es war für sie bestimmt mindestens so schlimm wie für ihn. Dass sie jetzt vermögend ist, kommt allen zugute. Das Ärztehaus wird gebaut. Dass Arthur voll mit einbezogen wird, obwohl er im Moment so gut wie mittellos ist, zeigt, dass die Freundschaft zwischen den drei Männern wirklich tief ist. Ich denke, sie hätten genauso gehandelt, wenn Arthur nicht Richards Nichte geheiratet hätte.


    Wie Fritz mit Ralph Morgan umgegangen ist, war nicht gerade zimperlich, aber das beruhte ja auf Gegenseitigkeit. Fritz hat sich nicht provozieren lassen, er ist sachlich und (fast) freundlich geblieben. Damit hat er jedenfalls etwas erreicht. Ralph hat seine Denkaufgabe bekommen.

    Thomas‘ Ausspruch, „sowas kommt vor, wenn Chirurgen sich als Psychiater versuchen“ macht deutlich, dass die beiden gemeinsame Gene haben. :totlach:


    Diese vielen humorvollen Anekdoten haben das Lesen dieser tragischen Ereignisse sehr erleichtert. Unseren Protagonisten ist es wirklich gelungen, aus schlimmen Erlebnissen immer noch etwas positives zu ziehen. Leonie hat es auf die Spitze getrieben, indem sie sagt, dass es Richard und Paula nicht so gut ginge, wenn es den Krieg nicht gegeben hätte. Da musste ich erst mal schlucken....


    Die Hochzeit von Arthur und Lottchen - wie schön! Arthur ist begeistert von dem Auto, da ist Fritz wirklich ein toller Coup gelungen. Klar, seine Mutter hat vieles dazu beigesteuert, aber die Idee war von Fritz und er hat alles daran gesetzt, sie umzusetzen.


    Georg tut mir richtig leid! Ihm wird der Beruf als Lehrer verwehrt. Ich kann die Begründung aber durchaus verstehen, wenn die Gehörlosen die Lautsprache lernen sollen, kann er nicht korrigieren. Aber es müsste doch trotzdem eine Möglichkeit geben, dass er als Lehrer arbeiten kann?


    Vielleicht wird er ja als Tischler glücklich. Mein Sohn ist Tischler und er geht in seinem Beruf auf. Im letzten Schuljahr sollte er sich um drei Praktika in verschiedenen Berufen bemühen. Er (ein Sturschädel vor dem Herrn) kam mit drei Praktika bei drei verschiedenen Schreinern an. Er wollte Schreiner werden, sonst nix. Bei allen dreien hat er das Praktikum gemacht, bei allen hätte er die Lehre anfangen können und er hat sich den besten ausgesucht.


    Die Idee mit dem Wohnmobil ist klasse, wie man zur Zeit sieht, hat es sich durchgesetzt. Wir sind auch begeisterte Wohnmobilisten und werden unser Rentnerdasein in unserem Haus auf Rädern fristen.


    Man könnte meinen, Richard und Paula haben alles erreicht und können sich auf den Lorbeeren ausruhen. Aber nein, sie haben weitere Ziele und das ist gut so.


    Rührend fand ich auch die Szene, als der Weihnachtsbaum, der seit 1945 im Waschzuber „gelebt“ hat, wieder in den Garten gepflanzt wurde. Erstaunlich, dass er den Krieg überlebt hat.


    Liebe Melanie, das war wirklich ein wunderschönes, berührendes Buch! Dass du deinen Vater mit „eingebaut“ hast, gibt dem Ganzen eine noch persönlichere Note. Wie schon „im Lautlosen“ hat mich die Geschichte gefesselt und gerührt. Die ProtagonistInnen sind dir hervorragend gelungen!<3

    Das Buch in dieser Runde zu lesen, war ein tolles Erlebnis. Ich habe lange nicht an einer so ausführlichen und emotionalen Runde teilgenommen.

    Vielen Dank an euch alle!

  • Die Träume gehen in Erfüllung - wie schön! Es ist ein rundum versöhnlicher und positiver Abschluss, ein schönes Ausklingen eines aufregenden, spannenden, informativen und emotionalen Buches.


    Mir gefällt die Aufbruchstimmung die auch zwischen den Zeilen richtig gut spürbar ist! Sogar Arthur wird ein wenig davon angesteckt. Seine Hochzeit mit Lottchen war ein wunderschöner Anschluss an die Familienfeiern vor dem grauenhaften Krieg.


    Fritz und Julia heiraten auch. Natürlich gefällt mir besonders gut, dass Fritz ein so liebevoller Vater für alle seine Kinder ist! Und er kann jetzt endlich sein Interesse für die technischen Neuerungen ausleben. Er schafft es auch, seine Mutter wieder in sein Leben zu lassen und sie auch tatsächlich gern zu haben. Das ist großartig von ihm! Ich mag ihn besonders gerne. Eigentlich nicht nur, weil er ein großherziger und großzügiger Mensch ist, sondern, weil er seine Ecken und Kanten hat, weil er eben nicht immer Fassung bewahrt und höflich bleibt.

    Richard hingegen ist mir schon fast etwas zu perfekt gezeichnet - ohne diese Ecken. Seine einzige "Schwäche" war die Leica auf Raten.


    Georg findet trotz anfänglicher Probleme seinen Weg, auch wenn der den Umweg über die Tischlerlehre geht. Wird er seinen ursprünglichen Traumberuf erreichen? Ich denke, er könnte gehörlosen Kindern viel beibringen, was über Verständigungsmöglichkeiten hinausgeht.


    Krüger wird wegen seiner Homosexualität verurteilt und das hat doch einen seltsamen Beigeschmack. Als ob Homosexualität schlimmer wäre als die Morde. Richard hat da ganz recht mit seiner Aussage zu den Fehlleistungen der Justiz!

    Ich hab den Abschnitt in der Nacht recht hastig fertig gelesen. Ist er jetzt seine Arbeitsberechtigung als Arzt los oder wird das erst die Ärztekammer entscheiden? Das wäre mir persönlich schon fast wichtiger als sein Freiheitsentzug: dass er NIE NIE NIE wieder als Arzt arbeiten darf!


    Später mehr, aber es steht schon jetzt fest, dass ich 1) den ersten Teil bald lesen werden und 2) die Bücher meinen Freunden schenken werde! Denn dieses Buch gehört sicher zu den Bemerkenswerten des heurigen Jahres!


    ;)

  • Liebe Melanie, das war wirklich ein wunderschönes, berührendes Buch! Dass du deinen Vater mit „eingebaut“ hast, gibt dem Ganzen eine noch persönlichere Note. Wie schon „im Lautlosen“ hat mich die Geschichte gefesselt und gerührt. Die ProtagonistInnen sind dir hervorragend gelungen!<3

    Das Buch in dieser Runde zu lesen, war ein tolles Erlebnis. Ich habe lange nicht an einer so ausführlichen und emotionalen Runde teilgenommen.

    Vielen Dank an euch alle!

    Vielen Dank! Ich fand diese Leserunde auch sehr emotional und berührend, weil das Thema ja alle dazu verführte, sich wirklich darauf einzulassen und auch viel von eigenen Verbindungen und Emotionalität preiszugeben - das hat man nur ausgesprochen selten in dieser Intensität in einer Leserunde. Und das ist das schönste Geschenk an einen Autor - wenn die Figuren die Leser genauso berühren und ihnen genauso ans Herz wachsen!

  • Krüger wird wegen seiner Homosexualität verurteilt und das hat doch einen seltsamen Beigeschmack. Als ob Homosexualität schlimmer wäre als die Morde. Richard hat da ganz recht mit seiner Aussage zu den Fehlleistungen der Justiz!

    Ich hab den Abschnitt in der Nacht recht hastig fertig gelesen. Ist er jetzt seine Arbeitsberechtigung als Arzt los oder wird das erst die Ärztekammer entscheiden? Das wäre mir persönlich schon fast wichtiger als sein Freiheitsentzug: dass er NIE NIE NIE wieder als Arzt arbeiten darf!


    Später mehr, aber es steht schon jetzt fest, dass ich 1) den ersten Teil bald lesen werden und 2) die Bücher meinen Freunden schenken werde! Denn dieses Buch gehört sicher zu den Bemerkenswerten des heurigen Jahres!


    ;)

    Vielen Dank - ich habe ja weiter oben noch einen kleinen Ausblick auf das weitere Leben der Protagonisten gegeben.


    Krüger wird seine Approbation verlieren. Für Sexualstraftaten verliert man sie übrigens noch heute. Das entscheiden aber nicht Gerichte, sondern die können nur an die standesrechtlichen Institutionen - also Ärztekammer und alles, was dazugehört - verweisen. Aber 1949 war man als Arzt unter solchen Umständen untragbar. Er muss künftig auf andere Weise seine Brötchen verdienen - ursprünglich hatte ich mal überlegt, ob er später Selbstmord begeht, aber ich bin mir nicht sicher. Krüger wird vermutlich eher illegal als Arzt in den alten Nazi-Verbindungen arbeiten und den Kriegsverbrechern bei der Flucht helfen - die waren ja bis in die 50er Jahre gut vernetzt ...

  • Gerade mit der Homosexualtät war mir die Doppelmoral zu demaskieren so wichtig - am Ende bekommt Krüger seine Strafe - aber sie hat einen bitteren Beigeschmack, er könnte einem fast leid tun. Richard sieht das auch so, weil er von der Justiz erneut enttäuscht wird.


    Noch was zu Richard und seiner Perfektion - ja, er hat nicht so viele Ecken und Kanten wie Fritz. Er hat eher das Problem, dass er zeitweilig mit depressiven Anflügen zu kämpfen hat. Und dann versucht er sich zu stabilisieren, indem er sich an klare Regeln und Gesetze halten will. Und an Träume. Richards Trauma aus all der Zeit, die hinter ihm liegt, ist diese leicht depressive Grundstimmung, gegen die er mit neuen Zielen und Optimismus immer verzweifelt ankämpfen muss. Und dazu braucht er auch Paula und Fritz - die ziehen ihn immer wieder ins Licht. Im Grunde ist er da Arthur ähnlicher als seinen anderen Freunden. Deshalb hat er vermutlich von Anfang an so einen guten Draht zu Arthur entwickeln können - sie sind beide ein wenig schwermütig von der Veranlagung her. Aber dafür auch sehr gewissenhaft und zuverlässig. Und beide brauchen einen Freund wie Fritz, während Fritz ab und zu Leute braucht, die ihn wieder erden, wenn er sich in irgendetwas verrennt.

  • Wie Fritz mit Ralph Morgan umgegangen ist, war nicht gerade zimperlich, aber das beruhte ja auf Gegenseitigkeit. Fritz hat sich nicht provozieren lassen, er ist sachlich und (fast) freundlich geblieben. Damit hat er jedenfalls etwas erreicht. Ralph hat seine Denkaufgabe bekommen.

    Thomas‘ Ausspruch, „sowas kommt vor, wenn Chirurgen sich als Psychiater versuchen“ macht deutlich, dass die beiden gemeinsame Gene haben. :totlach:

    Ralph Morgan musste unbedingt noch was zum Denken mitbekommen, nachdem er so blöd zu Ellinor war und ihren Artikel nicht wollte ;-)

  • Deshalb hat er vermutlich von Anfang an so einen guten Draht zu Arthur entwickeln können - sie sind beide ein wenig schwermütig von der Veranlagung her. Aber dafür auch sehr gewissenhaft und zuverlässig. Und beide brauchen einen Freund wie Fritz, während Fritz ab und zu Leute braucht, die ihn wieder erden, wenn er sich in irgendetwas verrennt.

    Die drei ergänzen sich wirklich perfekt, es ist ein gewinnbringendes Geben und Nehmen für alle!

  • Fritz und Julia heiraten auch. Natürlich gefällt mir besonders gut, dass Fritz ein so liebevoller Vater für alle seine Kinder ist!

    Die wahre Herkunft von Leni kennen aber nur Paula und Richard, oder? Julia ist nicht eingeweiht? Ich meine nichts davon gelesen zu haben.

    Zitat von ysa

    Denn dieses Buch gehört sicher zu den Bemerkenswerten des heurigen Jahres!

    Da stimme ich dir voll und ganz zu!

  • Vielen Dank - ich habe ja weiter oben noch einen kleinen Ausblick auf das weitere Leben der Protagonisten gegeben.

    Vielen Dank für den Ausblick! Ich hätte es gerne als ganzen Roman gelesen, aber ich verstehe deine Bedenken, du hast sicherlich recht. Das würde den Lautlosen und Stimmlosen nicht gerecht werden.


    Besonders freue ich mich für Georg, dass er doch noch unterrichten darf.


    Und natürlich, dass Krüger seine Approbation verliert.

  • Fritz und Julia heiraten auch. Natürlich gefällt mir besonders gut, dass Fritz ein so liebevoller Vater für alle seine Kinder ist!

    Die wahre Herkunft von Leni kennen aber nur Paula und Richard, oder? Julia ist nicht eingeweiht? Ich meine nichts davon gelesen zu haben.

    Zitat von ysa

    Denn dieses Buch gehört sicher zu den Bemerkenswerten des heurigen Jahres!

    Da stimme ich dir voll und ganz zu!

    Vielen Dank für eure Komplimente.


    Die wahre Herkunft von Leni kennen Fritz, Paula, Richard und Arthur - der war auch dabei. Julia hingegen weiß, dass Fritz nicht der Vater sein kann - erinnere dich an ihren Spruch "Und Frauen sind nicht immer zu dumm zum Rechnen" - als er den Kinderwagen wollte. Und er bat sie, nie wieder seine Vaterschaft infrage zu stellen und sie versprach es, war aber von seinem großen Herzen gerührt. Julia ahnt also, was dahinter steckt, aber sie respektiert es und fragte nie wieder.

  • Hach, vielen Dank für die "Zukunftsaussichten" - ich finde aber schon, dass man damit noch in Buch füllen könnte.


    Ich hatte sogar erst noch überlegt, ob ich eine Szene einbaue, wie Frau Müller wieder zu Paula kommt und über Krüger schimpft, das sei ja ein Unding, dass so einer auf Kinder losgelassen wird ...

    Du, als ich meinen Beitrag oben gechrieben habe, musste ich an Frau Müller denken, ob sie jetzt wieder zu Paula zurückkommt und sich dann womöglich darüber beschwert, was für einer der Krüger sei ...


    „Alle drei Prozesse sind eine Schande für die deutsche Justiz.“ Das sagt alles...

    Absolut!!


    ursprünglich hatte ich mal überlegt, ob er später Selbstmord begeht, aber ich bin mir nicht sicher. Krüger wird vermutlich eher illegal als Arzt in den alten Nazi-Verbindungen arbeiten und den Kriegsverbrechern bei der Flucht helfen - die waren ja bis in die 50er Jahre gut vernetzt ...

    Ich denke auch eher, dass so einer keinen Selbstmord begeht, sondern sich immer irgendwie durchlaviert.


    Für diejenigen von euch, die vorher bei Mina Baites Leserunde dabei waren - hättet ihr Arthur dort wieder erkannt, wenn ihr "Die Stimmlosen" zuerst gelesen hättet?

    Ich denke schon, obwohl er in "Träume aus Silber" geerdeter rüberkommt als über weite Teile in "Die Stimmlosen", wo er in einer Findungsphase ist.

  • Hach, vielen Dank für die "Zukunftsaussichten" - ich finde aber schon, dass man damit noch in Buch füllen könnte.


    Ich hatte sogar erst noch überlegt, ob ich eine Szene einbaue, wie Frau Müller wieder zu Paula kommt und über Krüger schimpft, das sei ja ein Unding, dass so einer auf Kinder losgelassen wird ...

    Du, als ich meinen Beitrag oben gechrieben habe, musste ich an Frau Müller denken, ob sie jetzt wieder zu Paula zurückkommt und sich dann womöglich darüber beschwert, was für einer der Krüger sei ...

    Ja, genau von wegen: "Also wissen Sie, Frau Hellmer, hätte ich gewusst, dass das so'n Perverser ist, wär ich da doch nie hingegangen! Wer weiß, was der mit den armen Kindern gemacht hat!"

    "Er hat sie umgebracht, das wussten Sie doch, oder?"

    "Ach ... ähm, das war ja ... ähm so eine Art Gnade, so missgebildet und lebensunfähig, wie die waren. Aber was ist, wenn der Perverse sich vorher noch an denen vergangen hat? Das wäre doch das Letzte, finden Sie nicht, Frau Hellmer?"

  • Hach, vielen Dank für die "Zukunftsaussichten" - ich finde aber schon, dass man damit noch in Buch füllen könnte.

    Das Problem ist der rote Faden - was könnte das Grundthema für all diese kleinen Episoden sein, um sie zusammenzuführen? Sonst wäre es nur ein Episodenroman, und das würde die Vorgänger-Bände schwächen. Ich habe natürlich schon mal mit dem Gedanken gespielt, das Hauptaugenmerk auf Eddy und Bruno und den Iran in dieser Zeit zu lenken - gerade weil das so eine unbekannte, aber heute noch entscheidende Episode der Geschichte des nahen Ostens ist. Damals stürzte die CIA den demokratischen Premierminister des Iran, weil der sagte, das Öl des Iran gehört dem Iran und nicht britischen und amerikanischen Firmen. Daraufhin wurde dann der Schah eingesetzt, der unterdrückte sein Volk und gab USA und GB alle Öl-Rechte. Das war für das iranische Volk eine Katastrophe. Und zugleich der Anfang vom Hass auf USA. Vor diesem Hintergrund fanden sie die Werte der USA verlogen - was sie ja auch waren - nur um Öl zu bekommen, wurde eine demokratische Regierung durch einen Autokraten ausgetauscht. Der Schah war ein echter Fiesling und unterdrückte das Volk. In USA sahen sie auch Usurpatoren, deshalb schlossen sich so viele Iraner der islamischen Revolution an - sie glaubten, das wäre eine gute Alternative, sie könnten dann zu ihrer eigenen Kultur zurückfinden. Und dann hatten sie plötzlich einen Gottesstaat, der noch viel schlimmer als der Schah war. Und wer war Schuld daran?