02 - Kapitel 4 bis 6

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  • Avila

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  • Avila

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  • Wir kommen nach Prag! Ich war vor langer Zeit mal in Prag, erinnere ich mich aber kaum noch dran und stattdessen tauchen die ganzen Bilder von Krakow in meinem Kopf auf. Also meine Bilder im Kopf sind sehr davon geprägt...


    Aber zum Buch:

    Froni wirkt immer noch leicht naiv auf mich. Obwohl sie eine doch sehr feine Beobachtungsgabe besitzt und ihre einige Ungereimtheiten auffallen, schafft sie es dann doch selten noch einen Schritt weiter zu denken und Elizabeth oder Friedrich infrage zu stellen. Deswegen habe ich mich umso mehr über ihre neue Zimmermitbewohnerin gefreut: Jane. Jane ist großartig! Eine stille, aber sehr intelligente junge Frau und dabei hoch empathisch. Intelligent und empathisch - eine tolle Kombination, die man viel zu selten trifft! Durch sie bekommen wir den kritischen Blick und ich denke, dass sie nicht nur Eindruck sondern auch Einfluss auf unsere Froni ausübt. Die Zofe der beiden ist dabei ebenfalls ein Glücksgriff. Durch sie kann Jane (und hoffentlich auch bald Froni) nicht nur die Sprache lernen, sondern erhalten sie auch einen Einblick in die Prager Gesellschaft des Volkes. Und da merken wir wie unzufrieden das Volk ist.


    Fronis und Janes kleines Abenteuer verdeutlicht das natürlich nochmal im besonderen Maße. Es ist wirklich traurig, dass die Beiden in ihrem Schloss so eingesperrt werden, dass sie sich auf das waghalsige Abenteuer einlassen müssen, um die Stadt mal sehen zu können. Aber immerhin kommen sie nochmal gut davon, weil Froni wieder auf ihren geheimnisvollen Marek trifft. In Bezug auf Marek fiel mir die oben beschriebene Beobachtungsgabe ohne Verknüpfung übriges besonders auf. Sie bemerkt, dass er die gleiche Kleidung wie der Priester trägt, schafft es aber nicht alleine eine Verbindung herzustellen. Erst Jane macht sie darauf aufmerksam, aber dann tut sie diesen Gedanken auch noch ab. Diese Denkart lässt mich immer leicht die Stirn in Falten ziehen.

    Dass Marek als Heiratskandidat nicht infrage kommt, war von vornherein klar. Er ist nicht adelig, kümmert sich um Bettler (die Elizabeth, wie sie direkt beim Einzug in die Stadt gezeigt hat, nicht leiden kann) und ist einer der religiösen Aufrührer. Oh je, dass Froni sich trotzdem von ihm angezogen fühlt, ist wohl verständlich, denn auch wenn Froni es nicht immer so weiß, aber in ihre steckt immer noch das rebellische kleine Herz, das sie auf Bäume klettern ließ.


    Jane hat ziemlich schnell verstanden, dass die Sprache der Schlüssel ist. Elizabeth hapert es allerdings an dieser Erkenntnis. Ich weiß nicht genau warum, eigentlich macht sie in Prag kaum etwas anders als damals in Heidelberg, aber ihre ignorante Art nervt mich wirklich sehr. Natürlich kann ich verstehen, dass sie sich ihrem Volk nicht unterordnen möchte, aber zwischen unterordnen und sich darüber lustig machen, bzw. völlig ignorieren liegt ja auch nochmal ein großer Unterschied. Aber dieses feine Gespür fehlt Elizabeth vollkommen, weshalb sie für mich nicht zur Herrscherin geeignet ist. Wie schön und charmant sie auch sein mag, das sind keine Eigenschaften, die eine (erfolgreiche) Führungspersönlichkeit vorrangig benötigt.

  • Deine Interpretation trifft genau ins Schwarze :) Ich war auch sehr verwundert über die Ignoranz und Überheblichkeit von Elisabeth, als sie z.B. die Prager Frauen mit dem Blumengebäck so arrogant abkanzelt. So schafft man sich keine Freunde, zudem in einer so prekären politischen Situation und in einem Land, dessen Kultur und Sprache man nicht kennt und sich auch nicht dafür interessiert. Die Engländerin Jane gefällt mir auch sehr gut, sie hat verstanden, worauf es ankommt und außerdem muss sie nicht ständig mit ihrem Wissen angeben. Wirklich kluge Menschen haben es nicht nötig, ständig im Mittelpunkt zu stehen. Auch Marek ist ein angenehmer Mensch und eine Bereicherung für seine Umgebung. Die Zofe Yveta und ihre Familie sind ebenfalls liebenswerte Menschen - und wie schön, dass sich Frantisek um den kranken Henry gekümmert hat. Leider gibt es auch auch viele religiöse Konflikte und Fanatiker in Prag und die Stimmung wirkt bedrohlich.

  • Deine Interpretation trifft genau ins Schwarze :) Ich war auch sehr verwundert über die Ignoranz und Überheblichkeit von Elisabeth, als sie z.B. die Prager Frauen mit dem Blumengebäck so arrogant abkanzelt. So schafft man sich keine Freunde, zudem in einer so prekären politischen Situation und in einem Land, dessen Kultur und Sprache man nicht kennt und sich auch nicht dafür interessiert. Die Engländerin Jane gefällt mir auch sehr gut, sie hat verstanden, worauf es ankommt und außerdem muss sie nicht ständig mit ihrem Wissen angeben. Wirklich kluge Menschen haben es nicht nötig, ständig im Mittelpunkt zu stehen. Auch Marek ist ein angenehmer Mensch und eine Bereicherung für seine Umgebung. Die Zofe Yveta und ihre Familie sind ebenfalls liebenswerte Menschen - und wie schön, dass sich Frantisek um den kranken Henry gekümmert hat. Leider gibt es auch auch viele religiöse Konflikte und Fanatiker in Prag und die Stimmung wirkt bedrohlich.

    Da dachte ich auch: So eine dumme Nuss!:totlach::verlegen:

    Jane ist da irgendwie das komplette Gegenteil: Der fremden Kultur aufgeschlossen.

    Faszinierend finde ich auch, wie deutlich es wird, dass der Hof eine in sich abgeschlossene und abgeschottete Welt ist. Wo sie da in Schwierigkeiten kommen, bei dem "Ausflug" und Froni ihre nackten Schultern zeigt( daran erkennt man auch ihre Unreife, denn sie erkennt ja, dass die einheimischen Frauen nicht an den Hof mitgenommen werden, und bringt dies auch mit den losen Sitten, also, vor allem Kleidervorschriften, in Verbindung, aber bringt es nicht mit sich selbst in Verbindung, bzw. denkt, dass ihr Status sie schützt.)

    Und als sie Marek kennenlernt, dachte ich, sie wird sich doch jetzt nicht mit dem einlassen. Bisher hat sie ja nicht, aber sie findet ihn ja wohl sehr interessant. Ich hoffe einfach mal, dass er nicht zur Kategorie religiöse Eiferer gehört.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • und Froni ihre nackten Schultern zeigt( daran erkennt man auch ihre Unreife, denn sie erkennt ja, dass die einheimischen Frauen nicht an den Hof mitgenommen werden, und bringt dies auch mit den losen Sitten, also, vor allem Kleidervorschriften, in Verbindung, aber bringt es nicht mit sich selbst in Verbindung, bzw. denkt, dass ihr Status sie schützt.)

    Ja, auch so ein Beispiel, wo sie zwar beobachtet, aber die letzte Verknüpfung nicht macht. Aber vielleicht musste sie auch auf die harte Tour lernen, dass ihr Status ihr nur in ihrer Welt nützt, aber irgendwo anders nicht.

  • und Froni ihre nackten Schultern zeigt( daran erkennt man auch ihre Unreife, denn sie erkennt ja, dass die einheimischen Frauen nicht an den Hof mitgenommen werden, und bringt dies auch mit den losen Sitten, also, vor allem Kleidervorschriften, in Verbindung, aber bringt es nicht mit sich selbst in Verbindung, bzw. denkt, dass ihr Status sie schützt.)

    Ja, auch so ein Beispiel, wo sie zwar beobachtet, aber die letzte Verknüpfung nicht macht. Aber vielleicht musste sie auch auf die harte Tour lernen, dass ihr Status ihr nur in ihrer Welt nützt, aber irgendwo anders nicht.

    Da muss man einfach auch ihr Alter berücksichtigen. Sie kennt ja nur die "heile" Hofwelt. Klar, ist es dann schwierig, eine andere Verknüpfung zu finden.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Deine Interpretation trifft genau ins Schwarze :) Ich war auch sehr verwundert über die Ignoranz und Überheblichkeit von Elisabeth, als sie z.B. die Prager Frauen mit dem Blumengebäck so arrogant abkanzelt. So schafft man sich keine Freunde, zudem in einer so prekären politischen Situation und in einem Land, dessen Kultur und Sprache man nicht kennt und sich auch nicht dafür interessiert. Die Engländerin Jane gefällt mir auch sehr gut, sie hat verstanden, worauf es ankommt und außerdem muss sie nicht ständig mit ihrem Wissen angeben. Wirklich kluge Menschen haben es nicht nötig, ständig im Mittelpunkt zu stehen. Auch Marek ist ein angenehmer Mensch und eine Bereicherung für seine Umgebung. Die Zofe Yveta und ihre Familie sind ebenfalls liebenswerte Menschen - und wie schön, dass sich Frantisek um den kranken Henry gekümmert hat. Leider gibt es auch auch viele religiöse Konflikte und Fanatiker in Prag und die Stimmung wirkt bedrohlich.

    Da dachte ich auch: So eine dumme Nuss!:totlach::verlegen:

    Das mit dem Blumengebäck ist historisch belegt. Es war eine der ersten Aktionen, durch die Elizabeth es sich mit ihren neuen Untertanen verdarb.


    Was Fronis schulterfreies Kleid betrifft, so dachte ich, dass sie in dieser Situation einfach andere Dinge im Kopf hat als ihre vielleicht unpassende Kleidung. Es laufen ja nicht nur religiöse Eiferer in Prag herum. Sie hat einfach Pech, weil sie einem davon begegnet.

  • Das mit dem Blumengebäck ist historisch belegt. Es war eine der ersten Aktionen, durch die Elizabeth es sich mit ihren neuen Untertanen verdarb.

    und die waren auch völlig zu Recht angepisst

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Ein Abschnitt in dem wir Froni noch ein bisschen besser kennenlernen. Sie freundet sich mit Jane an. Jane gefällt mir gut. Sie ist neugierig und auch bereit die fremde Sprach zu lernen. Sie spricht ja sogar schon etwas Deutsch und kann sich so gut mit Froni verständigen. Ich finde es gut, wenn die Menschen sich mit ihrer Umgebung auseinander setzen. Jane versucht es im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Eine davon ist eben zuzuhören und zu schauen und so auch ein wenig von der Sprache zu lernen. Bei dem Rest hilft die Kammerzofe.

    Froni ist mir in allem einfach zu naiv. Der Ausflug der beiden hätte auch schlimme Folgen haben können und nur weil sie nicht an die richtige Kleiderwahl gedacht hat. Mit etwas mehr Beobachtungsgabe hätte sie sehen können, dass die einfachen Frauen in Prag eben nicht Schulterfrei rumlaufen. Gefallen hat mir aber, dass die zwei überhaupt den Mut aufgebracht haben, sich die Stadt ansehen zu wollen.

    Sich in Marek zu verlieben, kann nicht wirklich gut für sie sein. Auch wenn er nicht ganz so ein frömmler zu sein scheint, wird er doch sicher auf einiges mehr achten, als Froni bisher.


    Das mit dem Blumengebäck ist historisch belegt. Es war eine der ersten Aktionen, durch die Elizabeth es sich mit ihren neuen Untertanen verdarb.

    und die waren auch völlig zu Recht angepisst

    Ich kann auch nicht verstehen, warum sich gerade Elisabeth überhaupt nicht die Mühe macht, sich mit den fremden Frauen und deren Welt auseinanderzustetzen. Dadurch kann es doch nur zu Spannungen kommen.

  • Elisabeth geht davon aus, dass sie jetzt Königin ist und auch als solche behandelt werden soll. In der Hinsicht ist sie ziemlich verwöhnt.


    Zu Froni seid ihr ein bisschen hart, finde ich. Sie hat ja nicht so viele Gelegenheiten, Ausflüge in die Stadt zu machen. Da kann sie sich nicht auch noch vorher umziehen. :)

  • Elisabeth geht davon aus, dass sie jetzt Königin ist und auch als solche behandelt werden soll. In der Hinsicht ist sie ziemlich verwöhnt.


    Zu Froni seid ihr ein bisschen hart, finde ich. Sie hat ja nicht so viele Gelegenheiten, Ausflüge in die Stadt zu machen. Da kann sie sich nicht auch noch vorher umziehen. :)

    dann darf sie sich aber nicht noch halb ausziehen ;) denn bedeckt waren die Schultern ja.

    Liebe Grüße


    Nadine


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  • Ein kleines Jäckchen hätte ja schon gereicht, ein schönes Tuch oder ähnliches. Eigentlich hätte Jane daran denken können. Sie scheint ja doch eher den Durchblick zu haben, oder?

  • Nach dem Heiratsantrag, bei welchem sich Froni Bedenkzeit erbittet, überschlagen sich die Ereignisse: Es kommt zu ersten militärischen Provokationen, die Berater bei Hofe versuchen die Wogen zu glätten und die Lage zu beruhigen, doch sowohl Friedrich als auch Elizabeth wollen die Krone. Vielleicht hatte Friedrich das Gefühl der Unterlegenheit gegenüber seiner Gattin, die ja "im Purpur geboren" ist, während Friedrich "nur" Kurfürst ist. In dieser unruhigen Zeit verschlechtert sich zusätzlich die Gesundheit von Fronis Mutter. Zusätzlich wird sie von Elizabeth voll in Beschlag genommen, die Beziehung wird gar so eng, dass Elizabeth Froni von dem Brief ihres Vaters erzählt. Jakob rät ihr dringend davon ab, die böhmische Krone zu nehmen. Ich vermute, dass Jakob Angst hatte vor einem Präzedenzfall, so ähnlich, als sich Elizabeth I. geweigert hat, das Todesurteil von Mary Stuart ( Jakobs Mutter bzw. Elizabeths Großmutter) zu unterschreiben. Wenn ein Kurfürst einen König stürzt, ist das schon ziemlich hart. Offensichtlich hatte Jakob hier den nötigen Weitblick, der seiner Tochter noch fehlt. Doch Elizabeth tut das, was so viele Kinder mit den Ratschlägen ihrer Eltern machen: Sie schlägt ihn in den Wind und begründet es mit ihrer Religion und Friedrichs Bestimmung, den Protestantismus in die Welt zu tragen. Wenn man das so liest, wird einem klar, wie vermessen diese Vorstellung war und kein Haar besser als die Katholischen, die ja prinzipiell das gleiche dachten. Nachdem Froni hört, dass auch alle Berater von dieser Krone abraten, rät sie Elizabeth zum Abwarten. Elizabeth ringt Froni das Versprechen ab, sie auf jeden Fall nach Prag zu begleiten. Das damit Karls Antrag erledigt ist, wird ihr erst später klar.

    Die Hoffnung, dass sich durch Abwarten das Problem erledigt zerschlägt sich, denn kurze Zeit später stirbt der Kaiser und der bisherige böhmische König wird Kaiser. Also ist der Thron frei und die Böhmen müssen sich nur noch für Friedrich entscheiden, was aber für das Kurfürstenpaar eigentlich nicht zur Debatte steht. Sie waren wohl freie Wahlen nicht gewohnt:err:

    Dennoch stehen die Zeichen auf Abschied und die Verzögerung macht vor allem Elizabeth schlechte Laune. Froni lehnt den Antrag von Karl endgültig ab, er ist besorgt über die Entwicklungen und sagt, dass es kein gutes Ende nehmen kann. Froni hingegen glaubt, dass alle zu einem Kompromiss finden. Dass, diejenigen, die die Macht haben, nichts hergeben wollen und noch mehr Macht an sich reißen wollen, weiß sie noch nicht. Dieses Problem ist aber nicht auf Früher beschränkt, denkt nur an Konrad Adenauer, der auch freiwillig nicht gehen wollte und zum Schluss nur noch Mist gemacht hat. Karl bezweifelt dass zwar, will sich aber im Guten von Froni trennen, was beiden auch gelingt.


    Friedrich knüpft Verbindungen, um sich Böhmen mit Gewalt zu nehmen und Elizabeth stellt Froni eine vorteilhafte Verbindung in Aussicht, was diese erschreckt.

    Gegen den Rat der Fürsten der protestantischen Union und mit Waffengewalt (die immense Summen verschlingen) wollen die beiden nun die Krone. Froni beginnt nun, ihre Angelegenheiten zu regeln und bittet Karl nach ihrer Mutter zu sehen, damit diese nicht allein in Heidelberg zurückbleibt.

    Zu Pferd ziehen alle nach Prag und werden dort freundlich aufgenommen. Während sie in die Stadt einziehen, reiten die Damen um ein Haar ein Bettlerkind über den Haufen und nur Fronis Aufmerksamkeit ist es zu verdanken, dass das Kind gerettet wird. Dabei fällt ihr ein junger Mann auf, den sie später wiedertrifft, als sie ihren kranken Hund zu einem Bekannten ihrer Zofe bringt.

    In Prag lernt sie die junge Engländerin Jane kennen, die zuerst schüchtern wirkt, aber sich als sehr klug und wissbegierig entpuppt, so lernt sie zum Beispiel sehr schnell Tschechisch.

    Die Begeisterung der Böhmen für ihr neues Königspaar hält aber nicht lange an, denn Elizabeth scheint unfähig sich in die Sitten und Gebräuche ihres neuen Volkes einzufühlen ( irgendwo ja auch typisch englisch ^^)

    Ähnlich wie bei der Reformation findet in Prag ein Bildersturm statt (und das finde ich einfach barbarisch! Für die mag es ja einfach nur ein Kultgegenstand gewesen sein, aber was ist mit den Künstlern, die die Statuen, Bilder, Malereien, Steinmetzarbeiten, Glasfenster und Handschriften geschaffen haben? Haben sie es nicht auch verdient, dass man ihre Arbeit wertschätzt? Ganz zu schweigen von dem historischen Wert. Ich als (noch-nicht) Historikerin finde das so traurig.)Damit machen sie sich logischerweise auch keine Freunde.


    Als Henry, Fronis Pflegehund, krank wird und in der Stadt zu einem Heiler geht, trifft sie den jungen Mann wieder, der damals das Bettlerkind gerettet hat. Er heißt Marek und kümmert sich um die Waisenkinder in der Stadt. Froni ist sehr angetan von Marek und seiner Tätigkeit und frägt ihre Zofe nach ihm aus.

    Elizabeth bekommt ein weiteres Kind, Ruprecht, und schiebt es nach seiner Geburt direkt zu einer Amme ab. Auch in der Stadt bleibt es unruhig, weil einige Kunstschätze vernichtet wurden, unter anderem ein Bild von Lukas Cranach ( Barbaren!!!! Lucas Cranach war zum Beispiel Hofmaler von Henry VIII). Elizabeth kapiert auch überhaupt nicht, was sie damit anrichten oder es ist ihr egal. oder beides.

    Nach einem Hoffest machen Froni und Jane einen Abstecher in die Stadt und erleben die aufgeheizte Stimmung am eigenen Leib, weil sie durch ihre prächtige Kleidung als Hofangehörige identifiziert werden. Marek kommt ihnen schließlich zu Hilfe und erklärt ihnen später auch, was genau das Volk so stört. Froni bietet an sich ebenfalls um die Waisen zu kümmern, wahrscheinlich nicht ganz uneigennützig, denn sie scheint durchaus Interesse an ihm zu haben, obwohl sie himmelweit auseinanderstehen. Sie ist eine Hofdame, gehört zum Adel und er ist ein Bürgerlicher. Trotz oder gerade deswegen hat Froni großes Interesse an Marek. Bleibt zu hoffen, dass er es tatsächlich gut meint.


    Wenn ich jetzt diesen Bericht schreibe, merke ich gerade, dass trotz der wenigen Kapitelzahl wirklich viel passiert. Aber ich finde das gut, denn so kommt es zu keinem "Durchhänger". Heute Abend werde ich weiterlesen :abinsbett::freu:

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Ein kleines Jäckchen hätte ja schon gereicht, ein schönes Tuch oder ähnliches. Eigentlich hätte Jane daran denken können. Sie scheint ja doch eher den Durchblick zu haben, oder?

    Naja, wie sollte sie damit rechnen? Sie kennt ja auch nur das Hofleben oder das zu Hause. Und wenn sie Wyatt heißt, stammt sie ja bereits von Höflingen ab. Wenn mich nicht alles täuscht, dann gab es bei Henry VIII und Anne Boleyn einen Dichter namens Wyatt, der mit Anne Boleyn etwas kopflos wurde. Also eine lange Höflingstradition und keine Ahnung von "normalen" Leben.

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Das Problem an den damaligen religiösen Konflikten ist tatsächlich, dass Protestanten und Katholiken sich hinsichtlich Intoleranz das Wasser reichen konnten. Wo der Protestantismus Einzug hielt, kam es immer wieder zu einer Zerstörung von teilweise sehr wertvollen Kultgegenständen. Man tat sich damals noch schwer damit, eine andere Religion zu respektieren. Für die Zerstörung des Cranach-Bildes soll Friedrichs Hofprediger verantwortlich gewesen sein. Friedrich hätte es selbst vielleicht nicht gewollt, schaffte es aber (wie üblich) nicht, sich durchzusetzen.


    Höfische Damen waren es gewöhnt, in höfischer Kleidung herumzulaufen. Prag kennen sie noch zu wenig, um zu wissen, was dort geht und was nicht. Viele Leute hätten sich auch nicht getraut, eine reiche Dame anzugreifen, weil das natürlich Folgen haben konnte. Darauf haben Froni und Jane sich zu sehr verlassen.

  • Das Problem an den damaligen religiösen Konflikten ist tatsächlich, dass Protestanten und Katholiken sich hinsichtlich Intoleranz das Wasser reichen konnten. Wo der Protestantismus Einzug hielt, kam es immer wieder zu einer Zerstörung von teilweise sehr wertvollen Kultgegenständen. Man tat sich damals noch schwer damit, einen andere Religion zu respektieren. Für die Zerstörung des Cranach-Bildes soll Friedrichs Hofprediger verantwortlich gewesen sein. Friedrich hätte es selbst vielleicht nicht gewollt, schaffte es aber (wie üblich) nicht, sich durchzusetzen.


    Höfische Damen waren es gewöhnt, in höfischer Kleidung herumzulaufen. Prag kennen sie noch zu wenig, um zu wissen, was dort geht und was nicht. Viele Leute hätten sich auch nicht getraut, eine reiche Dame anzugreifen, weil das natürlich Folgen haben konnte. Darauf haben Froni und Jane sich zu sehr verlassen.

    Ja, das stimmt. Die waren beide genau gleich (schlimm). Ich glaube, es wäre für die Prager vielleicht noch hinnehmbar gewesen, wenn es für den Hofprediger Konsequenzen gegeben hätte. Dadurch, dass es keine gab, erweckte es den Anschein, als ob Friedrich es toleriert oder gar gutheißt. Und das war natürlich ein Super-GAU.

    Sie haben einfach nicht damit gerechnet, dass die Prager sich diese Freiheit rausnehmen, die woanders undenkbar gewesen wäre.

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Das Problem an den damaligen religiösen Konflikten ist tatsächlich, dass Protestanten und Katholiken sich hinsichtlich Intoleranz das Wasser reichen konnten. Wo der Protestantismus Einzug hielt, kam es immer wieder zu einer Zerstörung von teilweise sehr wertvollen Kultgegenständen. Man tat sich damals noch schwer damit, eine andere Religion zu respektieren. Für die Zerstörung des Cranach-Bildes soll Friedrichs Hofprediger verantwortlich gewesen sein. Friedrich hätte es selbst vielleicht nicht gewollt, schaffte es aber (wie üblich) nicht, sich durchzusetzen.


    Höfische Damen waren es gewöhnt, in höfischer Kleidung herumzulaufen. Prag kennen sie noch zu wenig, um zu wissen, was dort geht und was nicht. Viele Leute hätten sich auch nicht getraut, eine reiche Dame anzugreifen, weil das natürlich Folgen haben konnte. Darauf haben Froni und Jane sich zu sehr verlassen.

    Es ist oft nur eine schmale Grenze zwischen Religiosität und Fanatismus und das betrifft wahrscheinlich jede Form von Glauben - vielleicht mit Ausnahme des Buddhismus, der auch mehr eine Art Philosophie als Religion darstellt. Daher war mir diese gesamte Religionsthematik schon immer sehr suspekt, gerade weil sich religiöse Konflikte bis hin zu Kriegen, Hass und Intoleranz durch die Geschichte der Menschheit ziehen mit unzähligen Grausamkeiten und Millionen von Toten . Der 30-jährige Krieg war nur einer von vielen Konflikten, die allerdings auch oft die unterschiedlichen Glaubensrichtungen nur als Vorwand benutzten für das eigentliche Streben nach Eroberung, Macht und politischer Einflußnahme. Dennoch eignen sich bis heute gerade religiöse Vorstellungen mit fanatischer Ideologie um Unfrieden, Aggressivität und Gewalt in eine Gesellschaft zu tragen - viel hat sich also nicht verändert seit damals ...

  • Der 30-jährige Krieg war nur einer von vielen Konflikten, die allerdings auch oft die unterschiedlichen Glaubensrichtungen nur als Vorwand benutzten.

    das auf jeden Fall. Einfach nur landeroberung unter dem religionsdeckmäntelchen

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Froni wirkt immer noch leicht naiv auf mich. Obwohl sie eine doch sehr feine Beobachtungsgabe besitzt und ihre einige Ungereimtheiten auffallen, schafft sie es dann doch selten noch einen Schritt weiter zu denken und Elizabeth oder Friedrich infrage zu stellen.

    Stimmt! Ich halte sie auch für reichlich naiv. Aber andererseits lebt sie ja am Hof in einer Art "Blase", wo wenig von außen eindringen kann und auch wenig Platz für kritische Auseinandersetzung ist. Jane, ihre neue Zimmerkollegin wird zur Freundin und ich finde, sie hat einen wirklich positiven Einfluss auf Froni - zumindest macht sie ihr klar, wie wichtig es ist, die Sprache des Landes, in dem man lebt zu lernen. Außerdem gefällt mir ihre ruhige Art sehr. Sie beobachtet und macht sich zu allem ihre Gedanken.

    Und auch mit der Zofe hast Du recht: sie ist wirklich ein Glücksgriff. Erst sie ermöglicht es den beiden, ein wenig in die reale Welt zu blicken! Und die sieht dann doch etwas anders aus, als es am Hof angenommen wird.


    Jane hat ziemlich schnell verstanden, dass die Sprache der Schlüssel ist. Elizabeth hapert es allerdings an dieser Erkenntnis. Ich weiß nicht genau warum, eigentlich macht sie in Prag kaum etwas anders als damals in Heidelberg, aber ihre ignorante Art nervt mich wirklich sehr. Natürlich kann ich verstehen, dass sie sich ihrem Volk nicht unterordnen möchte, aber zwischen unterordnen und sich darüber lustig machen, bzw. völlig ignorieren liegt ja auch nochmal ein großer Unterschied. Aber dieses feine Gespür fehlt Elizabeth vollkommen, weshalb sie für mich nicht zur Herrscherin geeignet ist. Wie schön und charmant sie auch sein mag, das sind keine Eigenschaften, die eine (erfolgreiche) Führungspersönlichkeit vorrangig benötigt.

    Das hast Du perfekt auf den Punkt gebracht: Elisabeth hat wenig Erkenntnis, was das Volk braucht. Allerdings war es damals zu Beginn des 17. Jh. eher nicht üblich, dass Herrscher sich großartig um das Volk gekümmert haben. Nachdem Elizabeth immer in diesem Glauben an die eigene Großartigkeit gelebt hat und dies auch immer von ihrer Umgebung unterstützt wurde - woher sollte sie denn ein anderes Denkmodell haben? Ein einziger leichter Kritiker war in ihrer näheren Umgebung (ich weiß allerdings momentan nicht mehr genau, wer das war), der ihr zu Bedenken gab, dass Kleider durchaus mehrmals getragen werden können und dass ihre Ausgaben für die Garderobe und ihre Festlichkeiten bedenklich hoch sind. Ansonsten wurde sie immer nur hofiert. Sie ist zur Herrscherin erzogen worden, nicht zu einer Führungspersönlichkeit.


    Ihr Verhalten gegenüber den Frauen, die ihr das Gebäck in Form von Blumen brachten war völlig deplaziert und passte auch nicht so ganz zu der Persönlichkeit, die bis jetzt hier geschildert wurde: sie war zwar von sich selbst eingenommen, aber sie war immer höflich. Diese Eigenschaft hat sie hier wirklich im falschen Moment verlassen. So dumm und undiplomatisch kann man doch nicht reagieren!


    Das mit dem Blumengebäck ist historisch belegt. Es war eine der ersten Aktionen, durch die Elizabeth es sich mit ihren neuen Untertanen verdarb.

    So viel Dummheit und Ignoranz hätte ich ihr nicht zugetraut...:(

  • Es ist sehr interessant, Geschichte so zu erfahren.

    Ist Friedrichs Bad in der Moldau historisch belegt oder war das dichterische Freiheit?


    Bei der Geschichte um Henry und seiner Krankheit hab ich über mich selber lachen müssen: ich hab nämlich erst an Vergiftung und Attentat gedacht. Und was war es im Endeffekt: Blähungen:lachen:


    Marek... er interessiert Froni ja ganz offensichtlich sehr, auch wenn diese Verbindung von vorn herein als unmöglich weil unpassend eingestuft wird. Ich bin neugierig, wie sich das noch entwickeln wird. Irgendwas muss sich da noch ergeben! Aber in diesem Zusammenhang ist mir wieder aufgefallen wie wenig ich über diesen Krieg weiß: ich hatte keine Ahnung von "Böhmischen Brüdern" oder Dissenten. Ich wußte nur, dass religiöse Gründe ausschlaggebend für die langen und grausamen kriegerischen Auseinandersetzungen waren. Wie viele verschieden Splittergruppen da mitmischten war mir jedoch nicht klar.

    Das Problem an den damaligen religiösen Konflikten ist tatsächlich, dass Protestanten und Katholiken sich hinsichtlich Intoleranz das Wasser reichen konnten. Wo der Protestantismus Einzug hielt, kam es immer wieder zu einer Zerstörung von teilweise sehr wertvollen Kultgegenständen. Man tat sich damals noch schwer damit, eine andere Religion zu respektieren. Für die Zerstörung des Cranach-Bildes soll Friedrichs Hofprediger verantwortlich gewesen sein. Friedrich hätte es selbst vielleicht nicht gewollt, schaffte es aber (wie üblich) nicht, sich durchzusetzen.

    Es ist wirklich schade um diese Kunstschätze. Mir war nicht klar, dass Friedrich so wenig Durchsetzungsvermögen hatte - zumindest was seine nähere Umgebung, wie zum Beispiel diesen Hofprediger, angeht. Dann war es ja eigentlich erstaunlich, dass er gegen den Rat der Protestantischen Union handelte, die böhmische Krone anzunehmen. Oder fühlte er sich tatsächlich von Gott berufen?