02: 1. + 2. Stunde der Nacht

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  • Das Ritual um das Einhorn gerät vorerst ins Stocken. Das panische und verängstigte Tier leidet indessen weiter.

    "Die Schatten geben nichts mehr frei, auf das sie sich einmal gelegt haben."


    Und Tynay denkt: Und doch folgt auf jede Nacht ein Tag.

    Auszusprechen wagt sie den Gedanken allerdings nicht.


    Kaleto grübelt wohl wie er alles anstellen soll. Dass es Menschenopfer geben soll ist spätestens jetzt klar. Tynay redet Kaleto nach dem Mund Sie weiß ja, wie sehr er auf Regeln achtet.


    Das Einhorn symbolisiert auch hier Reinheit, Unschuld den Glauben und die Hoffnung an alles Gute, die Gewissheit auf Leben. Dass das Tier in ein Schattenross verwandelt werden soll, verbildlicht die Thematik des Romans. Gut / Böse. Rein / Unrein. Schuld / Unschuld. Hell / Dunkel. Recht / Unrecht. Leben / Tod. usw.


    Die Vorstellung dass der Palast abhebt und schwebt ist wirklich beeindruckend und gibt dem ganzen etwas von einem in sich geschlossenen Kosmos. Alles was nun dort geschieht bleibt dort. In sich geschlossen. Wenn ich es richtig verstanden habe, bleiben die anderen beiden Türme am Boden. Der eine hell und der andere dunkel. Fast könnte man annehmen, dass also am Boden bereits entschieden ist: es gibt hell und dunkel. Schwarz und weiß. Gut und Böse.


    Tynay kann immer noch nicht glauben, dass sie noch lebt und doch stellt sie ernüchtert fest, dass es allenfalls noch Sabea interessiert. Das Gefühl anderen gleichgültig zu sein, verletzt sie. Vielleicht begreift Tynay schon hier, dass ihr etwas im Leben fehlt. Etwas oder jemand der ihr das Gefühl gibt, dass sie etwas wert ist und eine Bedeutung hat. Denn bekommt unser Leben nicht erst dadurch einen Wert, dass wir jemandem etwas bedeuten? Oder ist das ein jämmerlicher Gedanke, den wir abschütteln sollten und uns selbst genügen sollten. Dass wir uns selbst etwas wert sind und dass wir dafür keinen Spiegel brauchen, den andere uns hinhalten.


    Tynay allerdings denkt geringschätzig von Menschen wie Kaleto. Für sie sind es Menschen die Glück hatten. Ihr Leben eine Beliebigkeit. So wie ihres. (Dadurch dass sie der Kutsche entgangen ist) Menschen, die sich für überlegen hielten. Und doch begreift sie, dass es eben jene Menschen sind, die am Hebel der Macht sitzen.

    Tynay wird klar, dass sie nur deshalb überlebt hat, weil sie im Kopf bereits abgeschlossen hatte. Sie hat sich also in ihr Schicksal gefügt und genau jener Moment wurde zu einer Art Wiedergeburt.


    Sie begreift das und mit der Stelle:


    "Tynay war wie die Samen jener Pflanzen gewesen, die viele Jahre im Wüstenboden auf den Regen warteten. Ihre steinharten Schalen ließen sie tot wie Kiesel erscheinen. Gerade dadurch bewahrten sie den Keim des Lebens in ihrem Innern."


    Doch ihr neues Lebensgefühl macht sie auch erhaben. Sie will es sich nicht mehr nehmen lassen. "Und wenn alle anderen dafür sterben müssen, dann soll es so sein."


    Wir erfahren, dass Kaleto sie oft geschlagen hat als Kind. "um die Anhänglichkeit an ihre Mutter aus ihr herauszuprügeln."

    Hier zeigt sich wie ohnmächtig Kaleto Emotionen gegenüber steht. Denn sie lassen sich weder beherrschen noch kontrollieren. Zumindest nicht von außen in dem Maße wie Kaleto in seinem Regelsystem lebt. Die Emotionen des Kindes bringen ihn an seine Grenzen.

    "Wer starb, der starb. Das ging Tynay nichts an. Sie lebte." Auch hier wird wieder deutlich, dass Tynay sich selbst der Nächste sein möchte.


    Und dann kommt das Zwiegespräch Iotana / Tynay. Eine für mich extrem spannende Stelle. Zwei sehr verschiedene Charaktere. Iotana offenbart sich auf eine kindlich naive Weise, dass Tynay voller Ungläubigkeit lauscht. Interessant wie Welten aufeinander prallen. Wie die beiden sich über Liebe austauschen hatte etwas sehr Rührendes für mich. Mich hat die Stelle bewegt. "Liebe ist Schwäche. Schwäche ist verachtenswert." denkt Tynay und stellt Iotanas Welt auf den Kopf.


    Doch Iotana widerspricht. "So ist das nicht, wenn man liebt. Man will den anderen nicht beherrschen." Iotana erzählt über Hingabe einem Menschen gegenüber und Tynay hält das alles für ein törichtes Spiel bei dem es für keinen etwas zu gewinnen gibt.

    Mega spannend wie hier mit den Gegensätzen jongliert wird. Hat mir sehr gut gefallen!


    Tynay bevorzugt den Hass. Er folgt einfacheren Gesetzen. Iotana ist ganz schockiert über die Ansichten Tynays. Sie verteidigt die Liebe und kämpft mit Argumenten.

    "Die Liebe schmerzt, das weiß ich. Besser als die meisten. Vielleicht kann man das ersticken, wenn man sich belügt, aber dann lebt man auch weniger. Man muss die Tore zu seinem Herzen weit aufstoßen für den Schmerz, nur dann kommt auch die Schönheit mit herein."


    Und wieder ein Gänsehautmoment. Und doch leise Zweifel, dass es doch aus so sein könnte wie Tynay sagt. Hassen ist einfacher. Wer liebt leidet. Ist verletzbar und ausgeliefert. Beeindruckende Stelle, die wieder viel Raum zum Grübeln lässt.


    "Die Schönheit wohnt im Herzen des Liebenden...…." wie poetisch. Ich bin wirklich ergriffen. Was für ein Gedanke. Das Lieben allein erfüllt uns. Ganz gleich, ob das Gegenüber sie erwidert. Zu Lieben allein ergibt einen Sinn. Ist das nicht ein tröstlicher Gedanke?


    In Tynay wirkt das Gespräch nach. Sie beneidet Iotana um ihre "Welt". Ich befürchte es könnte hier schon bald zu einem Konflikt kommen.


    Tynay erkennt die Unsicherheit in Bentoras Verhalten und triumphiert.

    Iotana begegnet Tennato. Man bekommt Herzklopfen. Angst vor Zurückweisung , Unsicherheit? Und doch wagt sie es und gibt sich zu erkennen. Und doch sieht es nicht so aus, als gäbe es für Iotana ein Happy end in Sachen Liebe. Aber wenn es so ist, wie sagt, dass das Lieben allein glücklich macht.... oder baut sie vor? Für den Fall der Zurückweisung? Um sich zu trösten?


    Ein sehr emotionaler Abschnitt. Die Zeilen wirken nach...

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

    3 Mal editiert, zuletzt von TippendeTastatur ()

  • Also die beiden ersten Stunden finde ich faszinierend. Meine Befürchtungen, dass das Ritual ohne die Kenntnis der Seelenbrecherin ein Fiasko wird scheint sich ja zu bewahrheiten. Auch wundert es mich, dass man eine so junge und unerfahrene Schattenherrin mit der Frage an das Orakel betraut hat. Ist es für die Ondrier eventuell gar nicht so wichtig?


    Durch den erzwungenen Frieden und die Isoltion im fliegenden Palast ergeben sich gespräche wie die zwischen den beiden jungen Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

    Die eine trauert einer unglücklichen, und wie es scheint auch nicht stattfindenden, Liebe hinterher, die andere, die das Leben im emotionalen Brachland entdeckt.


    Tynay hat sich mit ihrer neuen "Lust" am Leben irgendwie als Schattenherrin qualifiziert. Ich sorge mich um ihre Mitadepta.


    Interessant finde ich die Idee, dem Orakel einen Tanz zu schenken. Die Idee hat etwas und steht wirklich im vollen Wiederspruch zu den Ansichten der Ondrier. Ich befürchte aber, dass dieser Tanz durch die verzweifelten in der Delegation vom Qualiz sabotiert wird.


    Gibt es eigentlich eine Karte, die die gesamte Welt in der der Roman spielt zeigt? Ich frage mich, wie viel beherrschen die Ondrier wirklich. Und wie viele "Götter" gibt es, die Ihnen gegenüber stehen?


    Ich bleibe gespannt und fange an, mich mit Tynay zu solidarisieren, in der vermeintlichen Gewissheit, dass Sie eine der Überlebenden der Nacht sein wird.

  • Ja, ist es nicht schon wie Bosheit und liebe so im Wettstreit stehen?

    Die Argumente gegen die Götter sind doch nicht von der Hand zu weisen, oder?

    Aber auch die Liebe als Sinn gebendes Prinzip ist nicht ohne Einfluss.

    Sehnsucht nach Liebe erzeugt Sehnsucht nach einem schlagenden Herzen. Da sehe ich doch den Kohlenmunk Peter vor mir, wie er dem holländermichel sein Herz wieder abtrotzt. Einer der schönsten Märchenfilme der DEFA.

    Aber so sehr viel Liebe scheint ja im Palast nicht versammelt zu sein. Die Menschen verraten sich gegenseitig, weil sie auf die Macht der Ondrier hoffen. Dummheit ist schon ein schlimmer Ballast.

    Zur Nützlichkeit von orakeln habe ich mich hä schon geäußert. Dieses Treffen entscheidet für die Ondier wohl nichts. Jedenfalls sehe ich außer Prestige keine Notwendigkeit dazu.Also kann sich da mal eine Junge ausprobieren.

    Ach od bist du immer noch so optimistisch?

  • Die Vorstellung dass der Palast abhebt und schwebt ist wirklich beeindruckend und gibt dem ganzen etwas von einem in sich geschlossenen Kosmos.

    Diese Idee ist mir während des Schreibens gekommen - ich wollte das Setting noch kompakter, noch abgeschlossener machen.


    Wir erfahren, dass Kaleto sie oft geschlagen hat als Kind.

    Dieser Roman lebt sehr von seinen Figuren. Deswegen finden sich immer wieder Bezüge auf deren früheres Leben - damit man die Chance hat nachzuvollziehen, wie sie geworden sind, wie sie sind, und wieso sie in dieser Weise handeln.


    Mega spannend wie hier mit den Gegensätzen jongliert wird. Hat mir sehr gut gefallen!

    Ja, der Konflikt zwischen den Ondriern und den anderen Delegationen ist eine zutiefst ideologische Auseinandersetzung. Es geht nicht einfach nur um zwei Fraktionen, von denen beide die Macht haben wollen, eine Fahne rot, eine Fahne blau. Hier prallen Weltanschauungen aufeinander.

    Seht Ihr eine Möglichkeit, wie sie sich dennoch friedlich einigen könnten?

    Sie beneidet Iotana um ihre "Welt".

    Neid führt im Kult allerdings selten zu Nachahmung und häufig zu Zerstörung. :teufel:


    Ich meine es ist ja nicht so, dass ich für ein Orakel viel machen würde. Kenne keine Geschichte, in denen das gut ausgeht.

    Das zieht sich als Warnung durch die Sagen-, Märchen- und Geschichtenwelt. Bei den Griechen, bei den Germanen ... Wir haben die Neugier in uns, wissen zu wollen, was geschehen wird, aber auch das Wissen, dass das nicht gut für uns wäre. Auch Der Wüstenplanet (der im ersten Leseabschnitt angesprochen wurde) thematisiert dieses "Unglück des Wissenden". Paul Atreides wünscht sich nichts sehnlicher als das Ende seiner Visionen, weil er dann etwas sehr Wertvolles hätte, das er verloren hat: ein Leben voller Überraschungen.


    Meine Befürchtungen, dass das Ritual ohne die Kenntnis der Seelenbrecherin ein Fiasko wird scheint sich ja zu bewahrheiten.

    Gut spekuliert! :klatschen:


    Auch wundert es mich, dass man eine so junge und unerfahrene Schattenherrin mit der Frage an das Orakel betraut hat.

    Da hat man vielleicht durch die Lektüre der Schattenherren-Trilogie einen etwas irreführenden Eindruck gewonnen, weil dort sehr viele Osadroi auftauchen. Eigentlich sind sie aber sehr selten, vor allem außerhalb von Ondrien. Als Helion in Feind einen Osadro überwältigt und dieser hingerichtet wird, ist das eine solche Sensation, dass das zu einem riesigen Menschenauflauf führt.

    Wenn in Schattenkult überhaupt ein Schttenherrin beauftragt wird, heißt das also schon etwas ...

    die andere, die das Leben im emotionalen Brachland entdeckt.

    Emotionales Brachland ... hach, das hast Du jetzt schön formuliert. :err:


    Ich sorge mich um ihre Mitadepta.

    Wow, wer hier alles Empathie abkriegt ...

    Sabea wurde bislang kaum thematisiert. Aber auch sie gehört zu den drei wichtigen Mädels in dieser Nacht ...


    Gibt es eigentlich eine Karte, die die gesamte Welt in der der Roman spielt zeigt?

    Es gibt nur die Karte mit den verschiedenen Ländern, auf der Aeterna unten links zu sehen ist. Das ist nur ein Weltausschnitt - aber doch ein recht großer ...

    ;)


    Ich bleibe gespannt und fange an, mich mit Tynay zu solidarisieren, in der vermeintlichen Gewissheit, dass Sie eine der Überlebenden der Nacht sein wird.

    Tynay ist eine gute Wahl.

    Ich liebe diese vorsichtigen Formulierungen, wenn es darum geht, welche meiner Figuren einen Roman überleben könnte. :err:


    Die Argumente gegen die Götter sind doch nicht von der Hand zu weisen, oder?

    Ich überlasse es gern Euch, die Argumente zu wägen - was ich durchaus empfehle. Dieser "Konflikt der Ideen" zwischen Schatten und Göttertreuen ist in Schattenkult durchaus wesentlich.

    Aber so sehr viel Liebe scheint ja im Palast nicht versammelt zu sein.

    Könnte ein Mehr an Liebe die Schatten besiegen? Oder wäre auch eine solche Emotion ein Einfallstor für die Finsternis?

  • Um das Einhorn tut es mir ja schon leid und nicht nur, weil so an ihm rumgestümpert wird. Es sieht so aus, als wäre das alles eh umsonst gewesen mit dem Geschenk, das wird doch nichts mehr.


    Das erste Zusammentreffen von Iotana und Tynay hat mir wieder gut gefallen, wie jede der beiden jungen Frauen ihre Position zwar verteidigt, aber insgeheim doch empfänglich für die Gegenseite ist. Tynay bzw. die Ondrier scheinen eine gewisse Faszination auf Iotana auszuüben, sonst hätte sie nicht den Kontakt zu der anderen Frau gesucht. Und Iotanas Schwärmereien von der Liebe lassen Tyay wiederum nicht kalt, sondern rufen in ihr Gefühle vor, die sie eigentlich als Mitglied des Schattenkults längst überwunden haben sollte. Dass sie aber genau das noch nicht geschafft hat, macht sie wiederum sehr interessant. Im Gegensatz zu Sabea ist sie aber schlauer und behält ihre Gedanken für sich.


    Aber auch Iotana nimmt nicht alles ohne Widerspruch hin, was ihre Lehrer über die Ondrier erzählen, sondern macht sich ihre eigenen Gedanken dazu.


    Aber die so durchgehende Front gegen Ondrien der anderen acht Gesandschaften ist doch nicht so dicht wie gedacht, wie man an Qualiz' Bitte Bentora gegenüber sieht. Ist die Verzweiflung groß genug, dann ist man auch bereit, mit dem Feind zu paktieren. Qualiz war doch auch der Empfänger von Tennatos Brief aus dem Prolog.


    Gûndûr tritt so auf, wie man es von einem halben Stier erwartet: laut und poltrig. Überraschend ist, dass er für einen Halbgott nur 30 Jahre zu leben hat! So ein Halbgott-Dasein ist also auch nicht so dolle. Eher im Gegenteil, er hat mir leid getan, zumal er weiß, dass, wenn er tot ist, von ihm nichts mehr bleiben wird, dass er keine Nachkommen zeugen kann. Als abgefülltes Blut in Flaschen lediglich weiterzuleben, ist echt etwas makaber.


    Iotana wagt den Schritt und offenbart endlich Tennato, allerdings läuft das dann doch nicht ganz so ab, wie sie es sich vorgestellt hat. Tja, mal sehen, was das für Folgen haben wird.

  • Und Tynay denkt: Und doch folgt auf jede Nacht ein Tag.

    Auszusprechen wagt sie den Gedanken allerdings nicht.

    Gerade diese zweifelnden Gedanken finde ich bei ihr besonders toll.


    Und doch leise Zweifel, dass es doch aus so sein könnte wie Tynay sagt. Hassen ist einfacher. Wer liebt leidet. Ist verletzbar und ausgeliefert. Beeindruckende Stelle, die wieder viel Raum zum Grübeln lässt.

    Tja, welche der beiden gegensätzlichen Positionen wird mehr Eindruck bei der jeweils anderen hinterlassen? Welcher Auffassung werden die beiden Frauen sich jeweils eher zuwenden?

    Bernd hat es ja mal wieder in seiner unnachahmlich positiven Art zusammengefasst :totlach::

    Neid führt im Kult allerdings selten zu Nachahmung und häufig zu Zerstörung. :teufel:


  • Das erste Zusammentreffen von Iotana und Tynay hat mir wieder gut gefallen, wie jede der beiden jungen Frauen ihre Position zwar verteidigt, aber insgeheim doch empfänglich für die Gegenseite ist. Tynay bzw. die Ondrier scheinen eine gewisse Faszination auf Iotana auszuüben, sonst hätte sie nicht den Kontakt zu der anderen Frau gesucht. Und Iotanas Schwärmereien von der Liebe lassen Tyay wiederum nicht kalt, sondern rufen in ihr Gefühle vor, die sie eigentlich als Mitglied des Schattenkults längst überwunden haben sollte. Dass sie aber genau das noch nicht geschafft hat, macht sie wiederum sehr interessant. Im Gegensatz zu Sabea ist sie aber schlauer und behält ihre Gedanken für sich.

    Ja, genau diese Stelle hat mir auch so gut gefallen! Ich bin gespannt, was da noch kommt.

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

  • Ja, das befürchte ich auch. Meistens ist ja so, dass zwei solcher Frauen eben nicht nebeneinander bestehen können! Eine von beiden wird den Kürzeren ziehen und sich von der anderen etwas nehmen. Aber ich will mal noch nicht allzu heftig spekulieren und lasse mich lieber überraschen was der Autor da ersonnen hat.

    Es gibt Bücher, die uns in einer Stunde mehr leben lassen, als das Leben uns in zwanzig Jahren gewährt.

  • Die Stelle ist schön und sehr dialektisch. Ich habe aber das Gefühl gehabt, dass Iotana eigentlich gehofft hat, Hilfe bei der Gewinnung ihres Liebsten zu bekommen, ohne eine klare Vorstellung was eigentlich, da sie die Kräfte der Ondrier nicht kennt.

  • Aber die so durchgehende Front gegen Ondrien der anderen acht Gesandschaften ist doch nicht so dicht wie gedacht, wie man an Qualiz' Bitte Bentora gegenüber sieht.

    Ja, über die Verwicklungen zwischen den Figuren sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass es auch noch das übergeordnete Gegeneinander der Delegationen gibt ... Und so, wie die Figuren nicht nur im Streit mit anderen, sondern auch oft im Widerstreit mit sich selbst befinden, verhält es sich auch auf der höheren Ebene ...


    Qualiz war doch auch der Empfänger von Tennatos Brief aus dem Prolog.

    Genau! :klatschen: Dieser Brief ist übrigens auf Anregung des Piper-Lektorats entstanden (nach dem Vorlektorat).


    Überraschend ist, dass er für einen Halbgott nur 30 Jahre zu leben hat!

    Wenn ich eine Figur eines bestimmten Typus beschreibe - hier einen Halbgott -, gehe ich gern gedanklich durch, was man von einer solchen Figur mehr oder minder automatisch erwartet. Ich frage mich dann, was davon man wirklich braucht (weil sonst ein Halbgott kein Halbgott mehr wäre - wenn er zum Beispiel keine göttliche Abstammung hätte) und auf was man verzichten kann, um den Typus neu zu betrachten (da hat es diesmal die Unsterblichkeit bzw. Langlebigkeit getroffen).

    Ich habe aber das Gefühl gehabt, dass Iotana eigentlich gehofft hat, Hilfe bei der Gewinnung ihres Liebsten zu bekommen, ohne eine klare Vorstellung was eigentlich, da sie die Kräfte der Ondrier nicht kennt.

    Jedenfalls ist ihr wohl klar, dass sie von ihren eigenen Leuten in dieser Angelegenheit keine Unterstützung zu erwarten hat - und da mag es sein, dass sie sich nach alternativen Verbündeten umschaut.

  • Ok, langsam aber stetig lese ich weiter.

    Ich finde die Gegensätze zwischen den Delegationen sehr gut ausgearbeitet. Da prallen stellenweise Welten aufeinander. Und doch brauchen sich alle auf irgendeine Weise, sei es um einen gemeinsamen Tanz auf die Beine zu stellen oder um die Hoffnung aufrecht erhalten zu können weitere Dürren abzuwenden.

    Auch die acht anderen Delegationen haben mit ihrem Geschenk noch etwas Mühe, wenn auch nicht so grundlegende Probleme wie die Ondrier. Und Tynay zeigt immer mehr ihre manipulativen Fähigkeiten. Sie ist doch tiefer im Kult als dies anfangs schien. Aber mir gefällt trotzdem das sie sich eine gewisse Skepsis erhalten hat. Wer nichts hinterfragt kann schlechter differenzierte Meinungen bilden und vielleicht auch schlechter Situationen einschätzen.

    Die Begegnung mit Tennato hat interessante Einblicke in die Planung der freien Reiche für dieses Event offenbart, das fand ich klasse.

    Ich freu mich auf die nächsten Stunden.... aber nicht mehr heute abend. ;)

    Fenlinka

    "...und so zieht sie in die Welt hinaus, ohne Strümpfe ohne Schuh, sie brauch nur ein Buch dazu, ..." (Rolf Zukowski)

  • Das arme Einhorn :( Ich bin gespannt, wie es Kaleto ohne Perutela schafft, diese Umwandlung durchzuziehen. Wer weiß, vielleicht ist es sogar Tynay, die den ausschlaggebenden Hinweis zum Erfolg gibt. Oder das ganze gerät vollends außer Kontrolle.


    Das Gespräch zwischen Tynay und Iotana fand ich sehr interessant. Die beiden Mädels sind doch sehr gegensätzlich. Iotana passt eigentlich so gar nicht in diese Welt. Da prallen wirklich zwei Extreme aufeinander. Ob sie sich im Laufe des Rituals annähern?


    Und dann das Zusammentreffen zwischen Iotana und Tennato. Wenn das mal keinen dicken Liebeskummer gibt. Iotana muss ja eigentlich noch ins Dunkle gezogen werden. Starke negative Gefühle sind da genau richtig :teufel:


    Die dritte im Bunde, Sabea ist für mich noch ein wenig schwach, sie wird sicherlich noch ihre spezielle Stunde haben, denke ich.


    Die Vorstellung dass der Palast abhebt und schwebt ist wirklich beeindruckend und gibt dem ganzen etwas von einem in sich geschlossenen Kosmos. Alles was nun dort geschieht bleibt dort. In sich geschlossen. Wenn ich es richtig verstanden habe, bleiben die anderen beiden Türme am Boden. Der eine hell und der andere dunkel. Fast könnte man annehmen, dass also am Boden bereits entschieden ist: es gibt hell und dunkel. Schwarz und weiß. Gut und Böse.

    Diese Vorstellung gefällt mir auch sehr gut. Es keiner weg und keiner kommt dazu. Man ist auf sich gestellt. Das hat eine besondere Atmosphäre.

    Lieben Gruß Pat



    Motto: Leben und leben lassen

  • Ups, ich hänge gerade etwas hinterher und ihr habt schon alle Gedanken hier ihnen Raum geworfen. Als kommt hier nichts wirklich Neues von meiner Seite.

    Ich fand auch die gegenseitige Faszination von Tynay und Iotana fand ich auch sehr spannend.

    Iotana ist recht naiv aber erscheint mir eher harmlos. Andererseits kommt es bei Robert häufig anders als gedacht:totlach: Auf jeden Fall haben beide Frauen es geschafft, an der Überzeugung der jeweils anderen zu rütteln und Gedanken anzustoßen.

    Tynay fand das Prinzip Liebe zwar unverständlich aber wohl auch nicht uninteressant. Interessant fand ich hingegen,dass sie es eher verstehen konnte, dass jemand einen Rettungsversuch wegen der Aussicht auf einen guten Kampf unternimmt denn aus Liebe zu einem Menschen.

    Sabeas Rolle bei der Gefangennahme von Tynays Vater und Verlobtem wird das Verhältnis zwischen den beiden auch nicht gerade verbessern.

    Meine Favoritin bisher ist Tynay.

    Das Einhorn ist nur zu bedauern. Diese Stümperei - also die Umwandlung in ein Schattenspaß nicht schon grausam genug wäre wenn sie funktioniert. Aber so kennen wir unsern Robert. Wenn er keinen Kätzchen den Kopf abreissen lässt, muss ein armes Einhor leiden...;)

  • Auch die acht anderen Delegationen haben mit ihrem Geschenk noch etwas Mühe, wenn auch nicht so grundlegende Probleme wie die Ondrier.

    Ja, einig sind sie sich eigentlich nur in einem: der Ablehnung des Kultes. Aber irgendetwas nicht zu wollen ist viel einfacher, als sich auf etwas zu einigen, das man gemeinsam erreichen will ...

    Oder mit meiner Oma ausgedrückt: Doof finden ist einfach, aber besser machen ist schwierig.

    Sie ist doch tiefer im Kult als dies anfangs schien.

    Sicherlich - aber auch in der dogmatischen Weise, die Kaleto so gern vertritt? Vielleicht hat sie auch einen eigenen Weg in die Finsternis gefunden, der mit den allgemeinen Lehren wenig zu tun hat ...


    Iotana passt eigentlich so gar nicht in diese Welt.

    Iotana ist recht naiv aber erscheint mir eher harmlos.

    Die Frage ist, in welche Welt Iotana mit ihren Sehnsüchten und Einstellungen überhaupt passen würde. Denkt Ihr, sie hätte bei uns eine Chance auf ein glückliches Leben - oder würde sie auch in unserer Gegenwart ständig ausgenutzt und würde letztlich auf dem Straßenstrich landen?

    Auf jeden Fall haben beide Frauen es geschafft, an der Überzeugung der jeweils anderen zu rütteln und Gedanken anzustoßen.

    Knallharte Fanatiker mit betonharten Überzeugungen faszinieren uns oftmals. Wir wären unserer selbst und unserer Ansichten oft gern so sicher wie sie.

    In Romanen taugen sie aber meist nur als Nebenfiguren, weil sie sich kaum entwickeln können: Sie versuchen, ihr Ding durchzuziehen, und dann triumphieren sie oder es endet in einer Katastrophen. Facettenreichere Figuren dagegen sind für Überraschungen und Wandlungen gut.


    Interessant fand ich hingegen,dass sie es eher verstehen konnte, dass jemand einen Rettungsversuch wegen der Aussicht auf einen guten Kampf unternimmt denn aus Liebe zu einem Menschen.

    Das zeigt, welche Regungen der Kult während Tynays Ausbildung ausgemerzt hat. Gefühle und Ansichten, die ihm unwichtig erschienen, sind ihr dagegen geblieben.


    Oder das ganze gerät vollends außer Kontrolle.

    Andererseits kommt es bei Robert häufig anders als gedacht

    Liebes Tagebuch,

    inzwischen sind meine Leserinnen auf alles gefasst ...

  • Und dann das Zusammentreffen zwischen Iotana und Tennato. Wenn das mal keinen dicken Liebeskummer gibt. Iotana muss ja eigentlich noch ins Dunkle gezogen werden. Starke negative Gefühle sind da genau richtig :teufel:

    Hehe, das erkennst du genau richtig :teufel:


    Die dritte im Bunde, Sabea ist für mich noch ein wenig schwach, sie wird sicherlich noch ihre spezielle Stunde haben, denke ich.

    Ja, Sabea könnte momentan meinetwegen bleiben, wo der Pfeffer wächst.


    Oder mit meiner Oma ausgedrückt: Doof finden ist einfach, aber besser machen ist schwierig.

    Sehr kluger Ausspruch.


    Liebes Tagebuch,

    inzwischen sind meine Leserinnen auf alles gefasst ...

    Hallo liebes Tagebuch, sehr schön, dass du auch wieder dabei bist :)

  • Auch von mir liebe Grüße an das Tagebuch, aber der Eintrag ist sicher Täuschung. Ich bin mal gespannt, ob die ErstleserInnen wirklich auf alles gefaßt sind, was sie hier erwartet. Ich weiß jedenfalls, dass ich nach "Herr" dacht mich in der Dunkelheit auszukennen und dann völlig hinterrücks überrumpelt wurde....