01 - Kapitel 1 bis 7 (bis Seite 78)

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  • Hallo ihr Lieben,


    hier treffen wir uns ab dem 31. August 2018 zur Leserunde zu dem Buch "Das Geheimnis der Papiermacherin" von Andrea Bottlinger und ich begrüße alle Teilnehmer*innen und ganz besonders Andrea! Wie schön, dass du dir die Zeit nimmst und Lust hast uns bei der Leserunde zu begleiten! :bussi:


    Bitte beachtet auf die allgemeinen Informationen zu Leserunden und die hiesige Nettiquette.

    Postet hier bitte erst, wenn ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereit, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.


    Wenn ihr erst ein paar Tage später in die Leserunde einsteigen könnt, dann wäre es gut, wenn ihr hier oder per PN mir kurz Bescheid geben würdet.


    Es wäre schön, wenn ihr darauf achtet, nicht einzeln zu sehr vorzupreschen, damit wir größtenteils zusammenbleiben können. Grobe Faustregel ist hierbei, dass bitte pro Tag nicht mehr als ein Abschnitt gelesen und dazu gepostet werden sollte! :winken:



    Zum Abschluss: bitte denkt auch daran, dass ein wichtiger Teil der Leserunden eure abschließenden Rezensionen sind und stellt diese am Ende der Runde zeitnah hier im Forum und auf literaturschock.de direkt ein.


    Hier könnt ihr bis Seite 78 schreiben.

    Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.


    Ich wünsche uns allen viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!


    Liebe Grüße

    Avila :winken:

  • Was für eine Geschichte! Anna Pecht kämpft um den Erhalt der Papermühle ihres Vaters Josef. Ihr Vater erschwert die Lage noch durch sein Karten- und Würfelspiel und seine Schulden.


    Johann, der Bruder des Bartholomäus von Treist, der Leister des Handelshauses von Treist, weiß um die krummen Geschäfte seines Bruders. Bartholomäus stiftet ihn an, den Tuchhändler Stromer umzubringen. Als Söldner hat er darin Erfahrung. Der Tuchhändler schlägt seine Kinder und seine Frau hat große Angst um sie.


    Anna riskiert es, mit Paul, seinem Freund Matthias, Marie und Jackel in der Nähe von Fürth auf den von den Bauern verlassenen Höfen Lumpen zu sammeln, denn Lumpen und Stoffreste werden für die Kranken und Verwundeten des Krieges benutzt, und Anna brauchte unbedingt neues Material für die Mühle.


    Als Räuber sie auf dem Rückweg überfallen, rettet sie Johann. von Treist. Johann hofft, daß Anna ihrem Bruder Bartholomäus nicht in die Quere kommen würde, denn er hatte den Schmuggel bemerkt.


    Die Situation für Anna ist nicht einfach. Ohne den Schmuggel wird sie die Mühle nicht weiterbetreiben können. Kann sie vielleicht Johann bitten, sie zu unterstützen. Gerät Johann dann nicht noch mehr unter Druck bei Bartholomäus?

  • Ich bin heute auch eingestiegen und der Einstieg fiel mir nicht schwer, vor allem als sich dann der Erzählstrang von Johann und Anna miteinander verwoben haben.


    Anna ist eine tatkräftige Frau, vor allem wenn man die Zeit, in der sie lebt, berücksichtigt. Sie managet die Papiermühle ihres Vaters in einer schweren Kriegszeit. (Ich habe erst im August einen anderen historischen Roman über den 30-jährigen-Krieg gelesen, in dem der Winterkönig Friedrich im Mittelpunkt stand. So bin ich gerade recht gut informiert und kann mit den Personen und Schauplätzen, der Thematik einiges anfangen, was mir auch zusätzlich nochmal geholfen hat, mich im Roman zurecht zufinden.) Ich bin beeindruckt, wie sie sich in dieser Männerwelt zurecht findet und kurzerhand Lumpen schmuggelt. Ich kann ihre Tat durchaus verstehen und würde sie auch nicht verurteilen. Theoretisch hätte ja auch wer anders die Lumpen sammeln können und die Menschen dort sind nun mal tot und können nicht mehr viel mit diesen Sachen anfangen.


    Verstehe ich es richtig, dass jede Mühle ein Patent oder ähnliches holen muss, damit es bestimmte Papiersorten herstellen darf? Geht das über Geld oder Kontakte?


    Johann ist auch ein Mann, der mir gefällt. Man könnte ihn ebenfalls als tatkräftig beschreiben, wenn auch ein wenig anders. Er schlittert in seine kriminelle Laufbahn eher durch seinen Bruder, der dafür aber - im Gegensatz zu Anna - ein Vollzeitganove zu sein scheint. Tja, von nichts kommt halt nichts. :D Ich bin gespannt, wie sich das Verhältnis zwischen Johann und seinem Bruder noch entwickeln wird,wenn Johann mehr im Geschäft einsteigen will. Johann kennt zudem Annas Geheimnis und scheint auch ein wenig beeindruckt von der jungen Frau zu sein. Das kann auch noch spannend werden, wobei ich nicht denke, dass Johann Anna damit unter Druck setzen wird oder ähnliches.


    Jackel gefällt mir. Und habe ich es richtig gelesen, dass er eine Zeichnung von Matthias bei sich hatte? Hegt da einer etwa Gefühle?

  • Ihr Vater erschwert die Lage noch durch sein Karten- und Würfelspiel und seine Schulden.

    Ah ja, die Spielschulden habe ich ganz vergessen. Der Vater kann einem irgendwie Leid tun. Er weiß genau, dass er Mist baut, aber er kann einfach nicht aufhören und vergeht sich dabei in Selbstmitleid. Dass Anna da irgendwann der Kragen platzt, kann ich gut verstehen. Mich würde so ein Geheule ebenfalls sehr nerven. Soll er doch etwas daran ändern, wenn er es so bereut. Wer anders wird das wohl nicht für ihn übernehmen.


    Kann sie vielleicht Johann bitten, sie zu unterstützen. Gerät Johann dann nicht noch mehr unter Druck bei Bartholomäus?

    Ich hatte ähnliche Gedanken, kann mir aber gerade nicht vorstellen, wie Johann ihr helfen will. Aber er wäre sicherlich der verlässlichere Partner als Matthias und vor allem der Klügere. Bartholomäus müsste erstmal herausfinden, dass Johann Anna hilft. Ich frage mich gerade eher noch, wie Bartholomäus im Allgemeinen etwas von Annas Tätigkeit erfahren soll. Das klingt ja alles sehr nach mafiösen Strukturen.

  • Ein liebes Hallo in die Runde, ihr wart ja schon fleißig.


    Anna ist mir gleich sympathisch und hab sie sofort in mein Herz geschlossen. Ihr Vater überschattet nur leider alles. Sie ist so bemüht und voller Leidenschaft, die Mühle, in der sie aufgewachsen ist, am Laufen zu halten. Ich kann ihre Ängste um den Vater seine Spielsucht voll verstehen.

    Ich hatte es schon irgendwann in einer anderen LR erwähnt. Mein Urgroßvater hatte durch seine Spielsucht Haus und Hof verspielt. Das war ein ganz großes Drama damals für die Familie.


    Krieg ist immer schrecklich und die Bevölkerung muss leiden, aber Nürnberg scheint bald am Flüchtlingsstrom zu ersticken. Leider hat der Krieg auch andere Auswirkungen. Alles was an alten Lumpen zuvor an die Mühlen abgegeben wurden, werden nun für alle möglichen Dinge gebraucht. Das stellt ein großes Problem für Anna dar.

    Sie begibt sich sogar in Gefahr, in dem sie sich außerhalb der Stadt begibt um mit ihren Freunden Lumpen zu sammeln.

    Wie war das denn, durften Menschen wie Anna nicht einfach so Nürnberg verlassen? Ich hätte auch gedacht, dass es egal ist welches Papier in einer Mühle hergestellt wird. Dem scheint nicht so zu sein. Mit Schreibpapier würde Anna und ihr Vater mit Sicherheit mehr verdienen. Packpapier wird zwar auch benötigt, doch wenn sie nicht genug Lumpen hat, muss die Mühle geschlossen werden.

    Und es ist jetzt schon schwer die Mitarbeiter zu bezahlen. Dann hat Kurt sich schwer an einer Hand verletzt. Gab es damals schon soetwas wie Entschädigung, falls Arbeiter durch einen Unfall nicht mehr arbeiten konnten?


    Anna hat schon eine ganz schön große Last zu tragen, denn die Schulden ihres Vaters müssen auch bezahlt werden, auch wenn es noch einen kleinen Aufschub gegeben hat.

    Wolfgang Endters Druckerei hat mich überrascht. Ich hatte es gar nicht so im Gedächtnis, dass es zu der Zeit schon Flugblätter gab. Musste erst einmal googeln:totlach:

    Auch wenn Anna hart verhandeln muss, so hat sie Endters wenigstens noch als Kunden.


    Die Brüder Bartholomäus und Johann von Treist können wirklich nicht unterschiedlicher sein. Bartholomäus ist ein durchtriebener Schuft sowie Betrüger und hat Johann ganz schön im Griff. So sehr, dass er für seinen Bruder einen Mord begeht. Okay, ich gebe zu, der Tuchhändler Stromer hat es nicht anders verdient. Mir tat der kleine Junge sehr leid, sowie die Ehefrau Sybille und die anderen Kinder.

    Die Frage die ich mir stelle ist, wie weit lässt Johann sich von seinem Bruder beeinflussen. Ich glaube nicht, dass er am Morden Spaß hat.

    Man konnte sein gutes Herz in dem Moment erkennen, als er Anna und ihre Begleiter, vor den Räubern gerettet hat. Marie gefällt mir auch,sie hat Anna dazu angestiftet, Johann schöne Augen zu machen. Marie und ihr Bruder Paul wissen wie und wann sie am besten voran kommen. Ich glaube sie ist eine tolle Freundin.

    Schade, dass Annas Mutter nicht mehr lebt. Eine Frau zusätzliche im Haus wäre schön für sie. Ihre Mutter hat sie ja dazu erzogen einmal einen Kaufmann zu heiraten. Ihr Vater hat glaube ich wenig Ambitionen etwas in diese Richtung zu unternehmen. Ich finde ihn gegenüber Anna verantwortungslos.


    Ach noch etwas, die Situation als sie den erhängten Mann am Baum entdecken und Mathias ihm dann die Kleidung abnehmen will, war gruselig. Einem Toten die Sachen vom Leib zu schneiden, ich hätte das nicht gekonnt. Aber gut, Anna Brauch unbedingt die Lumpen.

    Jackel scheint sehr loyal zu sein, auch er gefällt mir gut. Mathias kommt mir ein wenig hochnäsig vor und kann ihn nicht richtig einschätzen. Die Idee mit dem Holzstapel ist aber genial gewesen. Früher mussten sich die Menschen allerhand einfallen lassen um etwas in und aus den Städten zu schmuggeln.


    Johann würde Anna also nicht verraten und ich glaube er verurteilt sie nicht. Bin gespannt wie sich das noch alles entwickelt. Hauptsache sie kommt Bartholomäus nicht in die Quere. Ich glaube ein Funken Interesse an Anna ist geweckt.


    Wenn Bartholomäus nun auch das Handelshaus in Regensburg gehört, bedeutet das wahrscheinlich, dass er noch mehr krumme Geschäfte führen wird. Und wer wird eingespannt werden wenn jemand Bartholomäus in die Quere kommt? Johann!! Zumindest hat Johann schon angedroht ihn umzubringen, sollte er versuchen, ihn zu erpressen.


    Indirekt hat er Anna gewarnt, nicht mehr unbedingt Geschäfte mit dem Laden des Tuchhändlers zu machen. Denn deren Besitzer ist jetzt sein Bruder. Ergo, er macht sich Sorgen um Anna und will sie beschützen.


    Eine Frage hab ich noch. Ist euch aufgefallen, wie Jackel errötete als Anna die Kohlezeichnung von Mathias sah. Ob Jackel etwas für Mathias empfindet?


    Also ich war gleich im Geschehen, was mir sehr gut gefallen hat und ich finde es jetzt schon spannend.

  • Anna ist wirklich tatkräftig. Und was macht ihr Vater? Er kommt nicht einmal auf die Idee sich anderweitig, als das Glücksspiel, Gedanken zu machen um das Unternehmen am Laufen zu halten. Sie ist sogar bereit, sich in Gefahr zu begeben um die Mühle vor dem Bankrott zu bewahren.


    Das mit der Erlaubnis zur unterschiedlichen Papierherstellung habe ich auch noch nicht ganz verstanden. Nach welchen Kriterien da wohl entschieden wurde.


    Für Johann hoffe ich nur, dass er sich Bartholomäus nicht zu sehr beugt. Wenn ich mir überlege, dass er im Krieg gewesen ist und schreckliches erlebt hat, frage ich mich warum er sich nicht mehr gegen seinen Bruder zur Wehr setzt.


    Ha, da ist uns beiden das Gleiche mit Jäckel aufgefallen. Denn genau dieselbe Frage habe ich mir gestellt. Es war schon etwas eigenartig.

  • Kann sie vielleicht Johann bitten, sie zu unterstützen. Gerät Johann dann nicht noch mehr unter Druck bei Bartholomäus?

    Ich hatte ähnliche Gedanken, kann mir aber gerade nicht vorstellen, wie Johann ihr helfen will. Aber er wäre sicherlich der verlässlichere Partner als Matthias und vor allem der Klügere. Bartholomäus müsste erstmal herausfinden, dass Johann Anna hilft. Ich frage mich gerade eher noch, wie Bartholomäus im Allgemeinen etwas von Annas Tätigkeit erfahren soll. Das klingt ja alles sehr nach mafiösen Strukturen.

    Ich habe auch die Hoffnung, dass Johann vielleicht im Verborgenen ein Auge auf Anna hat um sie zu beschützen. Den Mut, Johann um Hilfe zu bitten hat Anna glaube ich nicht.

  • Wie war das denn, durften Menschen wie Anna nicht einfach so Nürnberg verlassen?

    Ich denke verlassen durfte Anna Nürnberg schon, sie hat sich nur so hinter dem Pferd versteckt, damit die Gruppe und die zwei Karren nicht weiter auffallen. Denn dann wäre nachher der Karren untersucht worden und man hätte die Lumpen entdeckt, die sie aus fremden Gebieten geholt haben .


    Ich hatte es gar nicht so im Gedächtnis, dass es zu der Zeit schon Flugblätter gab. Musste erst einmal googeln :totlach:

    Vor allem die Art der Flugblätter ließ mich Schmunzeln. Eine alte Art der Bildzeitung, viel mehr war das wohl nicht.


    Mathias kommt mir ein wenig hochnäsig vor und kann ihn nicht richtig einschätzen.

    Ich kann ihn auch gar nicht einschätzen, aber er war mir erstmal eher unsympathisch. Auf der anderen Seite hilft er Anna und ihren Freunden und scheint sie nicht dabei übers Ohr zu hauen. Hm, mal sehen, ob wir ihm noch weiter begegnen werden. Wobei Jänkels Vorliebe darauf schon schließen lässt. ;)


    Johann würde Anna also nicht verraten und ich glaube er verurteilt sie nicht.

    Wenn Johann Anna verurteilt, wo er sich zu sowas wie einem Auftragsmord von seinem Bruder hinreißen ließ, wäre auch ziemlich heuchlerisch. ;)

  • Wow, ihr wart ja schon fleißig!


    Erst mal hallo, ich bin die Autorin, und ich freue mich, dass euch der Anfang bisher gefällt :-)


    Da schon ein paar Fragen zu den unterschiedlichen Papiersorten gekommen sind: Ich hoffe, das wird noch klarer, aber prinzipiell war es so, dass in Nürnberg lange Zeit nur die Kleinweidenmühle das Privileg hatte, reinweiße Hadern zu sammeln, also Lumpen von ausreichender Qualität, um Schreibpapier daraus herzustellen. (Die Kleinweidenmühle gab es übrigens wirklich und sie kann in Nürnberg besichtigt werden.) Die anderen Mühlen in der Gegend wurde angewiesen, nur Packpapier herzustellen. Diese Entscheidung wurde getroffen, weil es vorher Streitigkeiten über das Sammeln von Lumpen gab, die man damit klären wollte. Ich bin sicher, der Besitzer der Mühle hat diesen Streit gewonnen, weil er die besseren Kontakt hatte ;-) aber sonderlich viele Details findet man dazu nicht. Das alles ist um die 80 Jahre vor Annas Zeit passiert.


    Wie war das denn, durften Menschen wie Anna nicht einfach so Nürnberg verlassen?

    Ja, durfte sie. Die Einzigen, die Nürnberg nicht oder nur eingeschränkt verlassen durften, wären Leute, die sogenannten gesperrten Handwerken nachgegangen sind, also sich mit Dingen auskannten, die Nürnberg einen wirtschaftlichen Vorteil eingebracht haben, so dass das Wissen darüber nicht in andere Städte gelangen sollte.

    Es war halt nur nicht sonderlich klug, zu diesen Zeiten die Stadt zu verlassen, wie man an der Sache mit den Räubern sieht.


    Jackel gefällt mir. Und habe ich es richtig gelesen, dass er eine Zeichnung von Matthias bei sich hatte? Hegt da einer etwa Gefühle?

    Ich finde es interessant, dass da gleich mehrere von euch drauf stoßen :-) Der Einzige meiner Testleser, der an dieser Stelle dazu eine entsprechende Frage gestellt hat, ist selber bisexuell. Allen meinen anderen Testlesern ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen ;-)

  • Grüß Euch!


    Hier ist ja schon viel los;)!

    Also: in die Geschichte bin ich wirklich gut reingekommen, der Schreibstil ist gut zu lesen, die Handlung abwechslungsreich und spannend.


    Die einzelnen Personen sind gut gezeichnet - ich hab schon von allen Bilder im Kopf!

    Was mir aber besonders gut gefällt, sind die "Nebensätze" - zB dass nicht jeder jede Art von Papier herstellen durfte. Wer hat das eigentlich geregelt und kontrolliert? Zünfte?

    Und auch die Erwähnung von "Hadern" bzw "Hadernbrei" - ich gestehe, ich musste nachlesen, was das ist. rotwerd

    Aber es ist ja nie zu spät, gescheiter zu werden!

    Und auch die Flugblätter - ich finde es schon sehr spannend, dass diese Blätter damals schon ein Kommunikationsmittel für die Massen gewesen sind. Auch zu Zeiten, wo noch lange nicht alle Menschen lesen konnten!

    Und amüsant fand ich die Unterschriften unter dem Brief, der die Schulden des Vaters bei der Tochter einforderte: Gerber, Krämer und Wagner. :boah: Hat der Name Pecht eigentlich auch eine Bedeutung


    Anna ist ein wenig die typische Heldin: fleißig, tatkräftig, mutig und unbemannt;) - ich bin neugierig, wie sie sich noch weiterentwickeln wird. Untypisch (meiner Meinung nach) ist aber Johann von Treist. Er hat Homer auch auf dem Schlachtfeld gelesen, er hat als Söldner getötet und er tötet auch jetzt. Vor allem war er im Endeffekt sehr schnell bereit zu morden, ohne auch nur nach einem anderen Ausweg zu suchen. Er mordete zwar nicht, weil sein Bruder es so wollte, sondern weil die "Zielperson" wirklich ein Kotzbrocken ist, aber Mord ist es ja trotzdem. Ich kann ja schließlich auch nicht alle Kotzbrocken in meiner Umgebung ausrotten!


    Wenigstens ist ihm klar, dass sein Bruder durch diese Tat, Macht über ihn hat. Früher oder später wird er sich auch klar gegen seinen Bruder stellen müssen. Dass er Sybille rät, gut zu verhandeln und dass er die Schmuggelei von Annas Truppe übersieht, macht ihn doch ziemlich sympathisch.


    In Sybille hat er eine kluge Vertraute und Anna wird höchstwahrscheinlich seine Partnerin. Alles andere würde mich überraschen (und ich lasse mich gerne überraschen!) Ich bin nur neugierig, welche Umwege sie nehmen werden.


    Und Bartholomäus? Ein überaus manipulativer Charakter, der nur seinen eigenen Vorteil im Sinn hat. Er würde auch seinen Bruder ans Messer liefern, wenn der Gewinn nur hoch genug wäre. Bei so einem Bruder braucht man keine Feinde mehr - aber das weiß Johann ja glücklicherweise!


    Und jetzt bin ich neugierig auf den zweiten Abschnitt!

  • Hallo Andrea - schön, dass Du da bist! Und herzlichen Dank für die Erklärungen! Besonders spannend fand ich folgende Aussage:

    Die Einzigen, die Nürnberg nicht oder nur eingeschränkt verlassen durften, wären Leute, die sogenannten gesperrten Handwerken nachgegangen sind, also sich mit Dingen auskannten, die Nürnberg einen wirtschaftlichen Vorteil eingebracht haben, so dass das Wissen darüber nicht in andere Städte gelangen sollte.

    Welche Handwerke waren gesperrt? Und wer hat das bestimmt? Die betreffenden Handwerker durften Nürnberg nicht verlassen? Wurde das finanziell gewürdigt?


    Vor allem die Art der Flugblätter ließ mich Schmunzeln. Eine alte Art der Bildzeitung, viel mehr war das wohl nicht.

    Hat damals gut funktioniert, funktioniert auch heute noch;)!


    Ach noch etwas, die Situation als sie den erhängten Mann am Baum entdecken und Mathias ihm dann die Kleidung abnehmen will, war gruselig. Einem Toten die Sachen vom Leib zu schneiden, ich hätte das nicht gekonnt. Aber gut, Anna Brauch unbedingt die Lumpen.

    Ja! Diese Szene war wirklich gruselig und für uns momentan nicht recht vorstellbar. Momentan sage ich auch, dass ich so etwas nie könnte. Wenn Not herrscht, kann man noch viele mehr, als man denkt!:o

    So entsetzlich manche Bereiche dieses "Ausflugs" auch waren - ich vermute mal, dass es genau so bzw noch ärger tatsächlich gewesen ist...

  • Der Einzige meiner Testleser, der an dieser Stelle dazu eine entsprechende Frage gestellt hat, ist selber bisexuell. Allen meinen anderen Testlesern ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen ;-)

    Ach was für ein witziger Funfact! Ich für meinen Teil bin übrigens hetero. Aber bei Leserunden liest man ja automatisch aufmerksamer! :) Aber ich war mir jetzt auch nicht sicher, ob ich nicht zu viel hinein interpretiere, da man in historischen Romanen doch (leider) eher selten auf nicht heterosexuelle Menschen stößt.


    In Sybille hat er eine kluge Vertraute und Anna wird höchstwahrscheinlich seine Partnerin. Alles andere würde mich überraschen (und ich lasse mich gerne überraschen!) Ich bin nur neugierig, welche Umwege sie nehmen werden.

    Zuerst dachte ich ja, dass Sybille vielleicht seine Partnerin wird, aber als er dann auf Anna stieß, bin ich da auch schnell zu einer anderen These gekommen. ;)

  • Avila , ich dachte auch erst, dass Johann und Sybille ein Paar werden. Doch sie hat bestimmt erst einmal genug von der Männerwelt. Aber Bartholomäus hätte das gut in den Kram gepasst.

  • Was mir aber besonders gut gefällt, sind die "Nebensätze" - zB dass nicht jeder jede Art von Papier herstellen durfte. Wer hat das eigentlich geregelt und kontrolliert? Zünfte?

    Funfact: Es gab keine Zünft in Nürnberg. Also, es gab einen kurzen Versuch, Zünft einzuführen, aber dadurch wurden die Handwerker für den Geschmack des Rates viel zu selbstständig, und dann hat man die schleunigst wieder abgeschafft.

    Geregelt wurde das meiste vom Rat (der größtenteils aus Mitgliedern wichtiger Nürnberger Pratrizierfamilien bestand), bzw. vom Rugamt, das extra dafür eingerichtet wurde, diverse handwerkbezügliche Dinge zu regeln und zu überwachen.

    Hallo Andrea - schön, dass Du da bist! Und herzlichen Dank für die Erklärungen! Besonders spannend fand ich folgende Aussage:

    Die Einzigen, die Nürnberg nicht oder nur eingeschränkt verlassen durften, wären Leute, die sogenannten gesperrten Handwerken nachgegangen sind, also sich mit Dingen auskannten, die Nürnberg einen wirtschaftlichen Vorteil eingebracht haben, so dass das Wissen darüber nicht in andere Städte gelangen sollte.

    Welche Handwerke waren gesperrt? Und wer hat das bestimmt? Die betreffenden Handwerker durften Nürnberg nicht verlassen? Wurde das finanziell gewürdigt?

    Der Rat hat das bestimmt. Und das waren ganz viele verschiedene Handwerke. Kompassmacher, Instrumentenbauer, eine bestimmte Art von Drahtzieher und Brillenmacher zum Beispiel. Ein bisschen was dazu kommt auch später noch im Roman vor.

    Und ja, die betreffenden Handwerker durften nicht aus Nürnberg wegziehen und nur sehr eingeschränkt reisen. Ihre Post wurde auch überwacht (vom oben erwähnten Rugamt). Ich bin mir nicht sicher, inwiefern das finanziell gewürdigt wurde. Ich bin gerade dabei, das alles noch mal mehr im Detail zu recherchieren für einen weiteren Roman, und habe schon ein paar Hinweise gefunden, dass es auch in diesen Handwerken durchaus verarmte Meister gab u.ä. Also sonderlich gut kann der Deal nicht gewesen sein, den die da hatten.


    Übrigens, ich habe gestern ganz vergessen, was zu Flugblättern zu schreiben! Ich freue mich total, dass ihr die Flugblätter genauso lustig findet wie ich! Die waren wirklich so was wie die Bildzeitung von damals. Wer sich ein paar angucken möchte, kann einfach mal bei der google Bildersuch "newe zeitung" eingeben. Auf die Art findet man ganz viele.

  • Wow, das waren aber strenge Methoden. Aber so haben sie sich natürlich die Einnahmen ( Abgaben und Steuern) für die Stadt gesichert. Aber nicht die Stadt verlassen zu können und kaum mal etwas anderes zu sehen auch sehr öde. Aber Reisen war zu der Zeit ja noch nicht so weit verbreitet, es gab so viele Menschen die nicht Mal die damaligen Landesgrenzen gesehen haben. Es galt ja für den Unterhalt der Familie zu sorgen.

  • Ich bin gut in die Geschichte gestartet. Der Erzählstil ist flüssig und interessant. Anna Pecht ist eine sehr starke Frau mit Köpfchen. Mit ihrem Vater zusammen betreibt sie eine Papiermühle, doch die Zeiten sind schlecht und ihr Vater macht mit seiner Trunk- und Spielsucht es nur noch schlimmer.


    Die Schulden wachsen und Anna bangt um die Zukunft. Daher ist es nur verständlich, dass sich Anna zusammen mit ihren Freunden und Lumpenzulieferer aufmacht, um an neue Lumpen in den umliegenden Dörfern zu kommen.


    Johann von Triest steht sich gerne selbst im Weg. Zum einen versucht er mit seinem Bruder auszukommen, der recht egoistisch und skrupellos durchs Leben geht. Zum anderen versucht er irgendwie Ehrbar zu bleiben. Dabei benutzt er vor allem seine Redekunst und sein kluges Köpfchen.

  • Dank Dir, liebe Andrea, konnte ich heute bereits ohne das Buch in Händen zu halten starten. Und bisher bin ich ganz begeistert. Ein Problem habe ich allerdings: Meine Post-its halten am Bildschirm so schlecht – grins-.


    Da schlägt sich Anna Pecht mühevoll mit der Papierfabrik durch und ihr Vater erhöht weiter seine Spielschulden. Ich mag die patente furchtlose junge Frau, die fluchen kann wie eine Hure, schon jetzt recht gern. Sie versucht gekonnt sich in einer Männerdomäne zu behaupten. Als sie auf Schmuggeltour geht, hatte ich schon etwas Bedenken. Aber nach anfänglichem Grausen greift auch sie beherzt zum Messer und schneidet den Toten die Lumpen vom Leib. Ich finde es immer wieder erstaunlich zu lesen, zum einen was ein Krieg aus den Menschen macht, zum anderen, wie sich die Menschen im Krieg verhalten. Da bin ich bei den Erzählungen meines Opas, der zwei Kriege mitgemacht hat, schon immer andächtig auf seinen Knien gesessen und habe ihm zugehört. Hier bedroht er z.B. die Existenz von Anna´s Papierfabrik. Wenn die Lumpen für Anderes gebraucht werden, kann sie kein Papier mehr schöpfen.

    Ich wusste gar nicht, dass eine Druckerei nicht ohneweiteres Schreib- und Druckpapier herstellen darf. Wieder etwas gelernt. Bekam man da eine Bewilligung vom Rat?


    Ob ich Annas Vater Josef mag, kann ich im Moment noch gar nicht so genau sagen. Vielleicht hat ihm der Tod seiner Frau so zugesetzt. Er tut mir schon leid, dass er aus seinem Problem Trinken und Spielen nicht raus kommt. Er merkt ja wohl selbst, dass er seiner Tochter damit noch mehr Sorgen aufhalst. Heutzutage würde man ihn zum Entzug oder zur Entwöhnung schicken. Ihn kann ich im Moment noch schwer einschätzen.


    Schmuggler Mathias dagegen ist mir mit seiner Art Anna so von oben herab zu behandeln einfach unsympathisch. Ich denke, ich würde seine derben Lieder auch nicht mögen. Und ich hoffe, dass sich Anna mit ihm zusammen nicht noch mal auf Schmugglertour begibt. Richtig gruselig fand ich die Szene, als sie den erhängten Mann am Baum entdecken und Mathias ihm ohne zu zucken die Kleider vom Leib schneidet. Das fand ich für mich schon krass und kann auch verstehen, dass das Anna nicht gefallen hat. Auf die Idee mit dem zusammengeklebten Holzstapel muss man aber auch erst mal kommen.

    Aber kann es sein, dass Jackel Gefallen an dem Grobian gefunden hat? Kam mir so vor, als er ihn auf dem Flugblatt erkennt.


    Genau so unsympathisch finde ich Bartholomäus von Treist, der von Schmuggel, Erpressung und den Betrieb mehrerer Bordelle lebt. Wie er versucht seinen Bruder Johann zu manipulieren oder ihm unterschwellig zu drohen, mag ich gar nicht. Ich habe das Gefühl, wenn die Brüder aufeinander treffen, hängt etwas Schicksalhaftes in der Luft. Da passiert bestimmt noch was.


    Johann dagegen mochte ich von Anfang an. Schon weil er liest. Dass er sich zum zweiten Mord an einem Unbewaffneten hat hinreißen lassen, kann ich sehr gut verstehen. Mir haben der kleine Junge und Sybille Stromer so leid getan, wie sie unter Vater und Mann zu leiden haben.

    Auch wie er Anna aus der Patsche hilft, als sie vom schmuggeln zurück nach Nürnberg kommt, zeugt von einem großen Herzen und, wie ich finde, von einer ersten Anziehungskraft. Die Beiden werden sich sicher noch öfters begegnen.


    So, nun freue ich mich auf morgen auf´s weiterlesen.

  • Freut mich, dass du jetzt auch starten konntest, und ich hoffe, das Buch kommt morgen wirklich an!

    Ich wusste gar nicht, dass eine Druckerei nicht ohneweiteres Schreib- und Druckpapier herstellen darf. Wieder etwas gelernt. Bekam man da eine Bewilligung vom Rat?

    Theoretisch ja, aber der Rat hat das Privileg nur der Kleinweidenmühle gegeben. Anna könnte also machen, was sie wollte, die Erlaubnis bekommt sie nicht.


    Deinen Eindruck von den Charakteren finde ich sehr interessant. Ich bin gespannt, was du im weiteren Verlauf der Handlung von den einzelnen Leuten noch denken wirst :-)

  • So, nun habe ich auch endlich mal angefangen. Hallo an euch alle, ganz besonders an Andrea, vielen Dank für das Begleiten der Leserunde. :-)


    Ich mag es, wenn man von vornherein gleich in die Zeit eines historischen Romans hineingeworfen wird und sich der Schwere bewusst wird. Das hat man hier mit Anna sehr deutlich. Sie ist auch auf dem ersten Blick das, was ich als „Powerfrau“ bezeichnen würde, bemüht, sich gegen eine Männerdomäne zu behaupten. Ich kann auch nachvollziehen, dass ihr da der Kragen platzt, wenn man sich schon an illegalen Geschäften beteiligt, um den Laden halbwegs am Laufen zu halten, weil der Vater offenbar nicht dazu in der Lage ist, dann ist der Spruch „Es läuft halt nicht so gut.“ wohl mehr als beschönigend...


    Ja und dann haben wir noch Bartholomäus und Johann, bei denen ich am Anfang noch dachte, dass es auf die allseits bekannte „Zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten“-Geschichte herausläuft. Ich würde immer noch sagen, Johann ist wenigstens der Einfühlsamere der beiden, aber dass er Sybille so direkt anbietet, ihren Mann umzubringen... so ganz skrupellos scheint er auch nicht zu sein. Auch der Umgang mit Anna, vor allem am Ende des Abschnitts, ist mir wirklich nicht geheuer. Da bin ich sehr gespannt darauf, zu erfahren, was da vorgefallen ist, dass Johann seinen Bruder nicht ausstehen kann.


    Die Darstellung des Schmuggels und der Angriff der Räuberbande war schön spannend geschrieben, danke dafür! Ich hätte aber eigentlich erwartet, dass sich Johann und Anna anders kennen lernen, ich hab da die Verbindung über Stromer gesehen...