01 - Kapitel 1 bis 7 (bis Seite 78)

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  • Die Frage die ich mir stelle ist, wie weit lässt Johann sich von seinem Bruder beeinflussen. Ich glaube nicht, dass er am Morden Spaß hat.


    Ich bin mir da tatsächlich nicht sicher. Tatsächlich halte ich Johann sogar für den Gefährlicheren der beiden Brüder. Bartholomäus ist offenkundig böse, Johann halte ich persönlich eher für hinterlistig und ich glaube nicht, dass er so freundlich ist, wie er sich gibt.


    Richtig gruseligfand ich die Szene, als sie den erhängten Mann am Baum entdecken undMathias ihm ohne zu zucken die Kleider vom Leib schneidet.


    Ich mag Matthias zwar auch nicht, aber hier nehme ich ihn mal im Schutz - der macht das sicher nicht zum ersten Mal. Von daher hat er auch regelmäßig mit dem Tod bzw. toten Menschen zu tun und dann bekommt man wohl eine gewisse Routine darin und sieht das fast schon als normal an. Eben ganz im Unterschied zu Leuten, die das zum ersten Mal so bewusst erleben und dann natürlich zusammenzucken.

  • Die Schulden wachsen und Anna bangt um die Zukunft. Daherist es nur verständlich, dass sich Anna zusammen mit ihren Freunden undLumpenzulieferer aufmacht, um an neue Lumpen in den umliegenden Dörfern zukommen.

    Schulden sind wirklich ein mieser Strudel. Wenn man einmal drin ist, ist es schwer aus eigener Kraft wieder herauszukommen. Für Anna ist das zwar auch schwierig zu regeln, aber ich denke, ihr Vater wäre ohne sie vollkommen verloren. Und ich kann Anna auch gut verstehen, dass sie dann auf eigene Faust (illegal) Lumpen sammeln geht.


    Ich mag die patentefurchtlose junge Frau, die fluchen kann wie eine Hure, schon jetztrecht gern.

    Anna ist mir auch sympathisch, gerade weil sie nicht so angepasst und tatkräftig ist. Gerade in Romanen kann ich damit immer viel anfangen! :)


    Obich Annas Vater Josef mag, kann ich im Moment noch gar nicht so genausagen. Vielleicht hat ihm der Tod seiner Frau so zugesetzt. Er tutmir schon leid, dass er aus seinem Problem Trinken und Spielen nichtraus kommt. Er merkt ja wohl selbst, dass er seiner Tochter damitnoch mehr Sorgen aufhalst. Heutzutage würde man ihn zum Entzug oderzur Entwöhnung schicken. Ihn kann ich im Moment noch schwereinschätzen.

    Annas Vater einzuschätzen, ist wirklich schwer. Er hat zwar ein Trink- und Spielproblem, aber er ist immerhin nicht gewalttätig, wie man es auch öfter im Zusammenhang mit diesen Dingen kennt. Und er scheint früher (also vor dem Tod seiner Frau) besser drauf gewesen zu sein und vor allem wesentlich sortierter. So ein Verlust ist wirklich immer grausam.


    Ja und dann haben wir noch Bartholomäus und Johann, beidenen ich am Anfang noch dachte, dass es auf die allseits bekannte „ZweiBrüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten“-Geschichte herausläuft.

    Das ist wirklich nur auf den ersten Blick so. Du hast ja selbst schon gesagt, dass Johann ebenso hart drauf sein kann wie sein Bruder. Ich finde, hier merkt man schon, dass die beiden sich im Charakter ein wenig unterscheiden, aber dennoch die gleiche Kinderstube genossen haben.

  • Deinen Eindruck von den Charakteren finde ich sehr interessant. Ich bin gespannt, was du im weiteren Verlauf der Handlung von den einzelnen Leuten noch denken wirst :-)

    Oh, das hört sich ja interessant an. Da bin ich auch mal gespannt.

  • Mein Urgroßvater hatte durch seine Spielsucht Haus und Hof verspielt. Das war ein ganz großes Drama damals für die Familie.

    Das gab es in meiner Familie auch. Daher hasste es mein Großvater, wenn wir als Kinder irgendwelche Karten- oder Würfelspiele um Geld spielten. Es waren zwar nur Pfennige, aber unser Opa wurde dann richtig grantig.

    Ich hatte es gar nicht so im Gedächtnis, dass es zu der Zeit schon Flugblätter gab

    Das war mir bis hierauch auch nicht bewusst-.

    Anna hat schon eine ganz schön große Last zu tragen, denn die Schulden ihres Vaters müssen auch bezahlt werden, auch wenn es noch einen kleinen Aufschub gegeben hat.

    Die Schuldner werden auch nicht ewig warten wollen. Ich bin gespannt, wie Anna das händelt.

    Ob Jackel etwas für Mathias empfindet?

    Genau das frage ich mich auch. Klingt ja fast so.

  • Die einzelnen Personen sind gut gezeichnet - ich hab schon von allen Bilder im Kopf!

    Das geht mir genauso. Mein Kopfkino ist in vollem Gange.

    "Hadern" bzw "Hadernbrei"

    Die Begriffe habe ich mir, da sie mir unbekannt waren, auch von Tante Google erklären lassen.

    Er mordete zwar nicht, weil sein Bruder es so wollte, sondern weil die "Zielperson" wirklich ein Kotzbrocken ist, aber Mord ist es ja trotzdem. Ich kann ja schließlich auch nicht alle Kotzbrocken in meiner Umgebung ausrotten!

    Dass Johann zu diesem Mord doch so schnell bereit war, hat mich auch etwas erschreckt. Ich hatte gehofft, er findet eine andere Möglichkeit, den Mann auszuschalten.

    Ich finde das immer wieder spannend neu Fakten kennen zu lernen.

    Das geht mir ganz genau so. Deshalb liebe ich die Leserunden mit Autorenbegleitung so.

  • Die Frage die ich mir stelle ist, wie weit lässt Johann sich von seinem Bruder beeinflussen. Ich glaube nicht, dass er am Morden Spaß hat.


    Ich bin mir da tatsächlich nicht sicher. Tatsächlich halte ich Johann sogar für den Gefährlicheren der beiden Brüder. Bartholomäus ist offenkundig böse, Johann halte ich persönlich eher für hinterlistig und ich glaube nicht, dass er so freundlich ist, wie er sich gibt.

    Johann ist der Söldner, aber ich glaube, andere Leute umzubringen, macht er nicht gerne.

  • Langsam verstehe ich, warum meine Lektorin so besorgt war wegen dem Mord am Anfang :boah:


    Also, ich finde alle eure Ansichten sehr interessant und will euch auch nicht erzählen, was ihr von den Charakteren zu halten habt.


    Ich hatte halt zwei Dinge im Hinterkopf, als ich Johann den Tuchhändler Stromer habe umbringen lassen:


    1. Seine Erfahrungen bestehen größtenteils aus derselben Erziehung, die seinen Bruder zu dem gemacht hat, was er ist, und dann seiner Zeit im Krieg. Friedliche Lösungen für Konflikte zu suchen stand da nicht so ganz weit oben auf der Prioritätenliste.


    2. Sobald Stromer einmal mitbekommen hatte, dass Johann sich einmischt, konnte man ihn eigentlich nicht mehr mit seiner Familie allein lassen. Eine große Gefahrenquelle bei häuslicher Gewalt sind nämlich Leute, die sich gutmeinend, aber planlos einmischen. Für alles, was solche Helfer tun, wird nämlich das Opfer am Ende bestraft werden. Wenn man sich so einmischt, dass der Täter das mitbekommt, muss man absolut sicherstellen, dass der Täter danach keinen Zugang mehr zum Opfer hat oder zu irgendetwas, über das er dem Opfer schaden kann. Denn ansonsten wird er seine ganze Wut über die Einmischung daran auslassen. Also hatte Johann wirklich nur zwei Möglichkeiten: Stromer beseitigen oder Sybille und ihre Kinder möglichst weit wegbringen. Und bei Letzterem wäre dann die Frage gewesen, wo sie hin gesollt hätten.

  • Ich mag Matthias zwar auch nicht, aber hier nehme ich ihn mal im Schutz - der macht das sicher nicht zum ersten Mal. Von daher hat er auch regelmäßig mit dem Tod bzw. toten Menschen zu tun und dann bekommt man wohl eine gewisse Routine darin und sieht das fast schon als normal an. Eben ganz im Unterschied zu Leuten, die das zum ersten Mal so bewusst erleben und dann natürlich zusammenzucken.


    Wie war eigentlich im Mittelalter das Verhältnis der Menschen zum Tod? Ich glaube doch, dass es da schon deutliche Unterschiede zu unserem heutigen Verständnis diesbezüglich gab. Er war wahrscheinlich irgendwie "normaler", "dazugehöriger" oder "unwichtiger" für das Individuum. Der Tod war eigentlich allgegenwärtig und somit nicht so besonders wie heute. Oder denke ich da ganz falsch?

    Und ich bin mir nicht sicher, wie weit mein Respekt vor einem Toten ginge, wenn ich selber in einer Notlage wäre.


    Ich bin mir da tatsächlich nicht sicher. Tatsächlich halte ich Johann sogar für den Gefährlicheren der beiden Brüder. Bartholomäus ist offenkundig böse, Johann halte ich persönlich eher für hinterlistig und ich glaube nicht, dass er so freundlich ist, wie er sich gibt.

    Tja - das ist eine große Frage, wer denn nun der gefährlichere der Brüder ist. Ich halte Johann eigentlich nicht für hinterlistig. Aber ich finde, er mordet aus Überzeugung. Und zwar aus Überzeugung, das Richtige zu tun. Er spielt da schon ein wenig "Gott", sorgt für Gerechtigkeit. Und das halte ich für sehr gefährlich - für ihn selber.

    Er hat Stromer ermordet, ohne wirklich genaueres über ihn zu wissen. Was wäre gewesen, wenn Sybille mit Bartholomäus unter einer Decke stecken würde und alles nur gespielt gewesen wäre?

    Der Mord macht Johann nicht wirklich sympathisch.


    Langsam verstehe ich, warum meine Lektorin so besorgt war wegen dem Mord am Anfang :boah:

    Hmmm... eigentlich verstehe ich diese Sorge nicht: es ist ja nicht übel, wenn ein Protagonist nicht so eindeutig gut oder böse ist. Es hat ja auch was, wenn so ein "reitender Held" Seiten hat, die fürchterlich sind. Das macht es spannend und facettenreich!

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa () aus folgendem Grund: Blödsinn geschrieben...

  • ysa : Zum Thema Tod krame ich mal grob mein Geschichtsverständnis bzw. Wissen heraus: Es ist im Wesentlichen so, wie es mehr oder weniger auch im Buch gesagt wurde - der Tod ist freilich allgegenwärtig (insbesondere in Extremsituationen wie beispielsweise während der Pest oder, wie hier, während eines Krieges), aber man wollte ihn nicht vor der Haustür haben. Tote wurden, wie auch im Buch beschrieben, abgeholt, auf einen Karren gekarrt und vor den Stadttoren vergraben. Der Friedhof direkt neben der Kirche, wie wir ihn heute kennen, ist, soweit ich weiß, eine "Erfindung" der Neuzeit...


    Ich merke gerade mit Bedauern, dass ich mich in meinem Studium (ich hatte Europäische Ethnologie als Nebenfach) viel mehr mit Sterbekultur hätte beschäftigen sollen. Spannendes Thema eigentlich.



    Zum Thema Johann: Ich kann Andreas Argumentation, dass Johann in gewisser Hinsicht Stromer umbringen musste, um nicht noch alles schlimmer zu machen, zwar verstehen, trotzdem bin ich ihm gegenüber skeptisch. Zudem hat er im Zweifelsfall auch was gegen Anna in der Hand, da er ja vom Lumpenschmuggel weiß. Und der Aspekt gefällt mir auch eher weniger.

    Hier wird gesubt und gesammelt! :)

    Einmal editiert, zuletzt von Doscho ()

  • Die Schulden wachsen und Anna bangt um die Zukunft. Daherist es nur verständlich, dass sich Anna zusammen mit ihren Freunden undLumpenzulieferer aufmacht, um an neue Lumpen in den umliegenden Dörfern zukommen.

    Schulden sind wirklich ein mieser Strudel. Wenn man einmal drin ist, ist es schwer aus eigener Kraft wieder herauszukommen. Für Anna ist das zwar auch schwierig zu regeln, aber ich denke, ihr Vater wäre ohne sie vollkommen verloren. Und ich kann Anna auch gut verstehen, dass sie dann auf eigene Faust (illegal) Lumpen sammeln geht.

    Anna möchte die Mühle ihrer Eltern und damit auch ihr Auskommen erhalten. Es bleibt ihr leider nichts anderes übrig als nicht ganz legale Wege zu beschreiten. Wobei ich sagen muss, dass ich finde, sie geht es noch nicht mal so extrem an. Da gäbe es gewiss noch andere Dinge, die sie tun könnte, als "nur" ein paar Lumpen außerhalb der Stadtmauern zu sammeln. Das fand ich noch recht human.


  • Zudem hat er im Zweifelsfall auch was gegen Anna in der Hand, da er ja vom Lumpenschmuggel weiß. Und der Aspekt gefällt mir auch eher weniger.

    Ich hoffe doch sehr, dass er das Wissen wirklich für sich behält und Anna nicht irgendwann mal damit z.B. erpresst.

  • Und ich bin mir nicht sicher, wie weit mein Respekt vor einem Toten ginge, wenn ich selber in einer Notlage wäre.

    Das habe ich mir auch immer mal wieder überlegt, wenn mein Großvater aus seinen Kriegszeiten erzählt hat. Auch damals, und das ist ja noch gar nicht so lange her, hat er z.B. mal einem Mann seine Armbanduhr abgenommen und gegen Brot und Streichfett eingetauscht. Ich denke, wenn die Not zu groß wird, wird jeder Mensch, wenn er überleben will, zur Bestie.