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  • Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines des Autors) immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Land im Sturm" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!


    Außerdem wäre es sicherlich für Ulf Schiewe als auch den Lübbe-Verlag, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.

    Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

  • Ein Spaziergang durch knapp 900 Jahre deutsche Geschichte.

    Das Buch beginnt im Jahre 955 als Otto I. die Ungarn schlägt. Wir erleben die Geschichte an der Seite des jungen Schmiedes Arnulf, der aus seinem Dorf verschwinden muss, weil er den Vogt in Notwehr erschlägt. Unterwegs begegnet er der jungen Hedwig, der die Ungarn übel mitgespielt haben. Einige Jahre später holt ihn die Vergangenheit ein und er flieht mit seinem Sohn Arnulf nach Lüneburg, ihm gelingt es allerdings noch seinen Säbel aus dem Krieg gegen die Ungarn mitzunehmen.

    Hier macht das Buch jetzt einen Sprung und fährt im Jahre 1146 fort. Die Nachfahren von Arnulf, Gero und Arnulf leben beide noch in Lüneburg und setzen das Familienhandwerk fort und arbeiten als Waffenschmiede. Nach einer Auseinandersetzung im Wirtshaus verlieren beide Brüder ihr Hab und Gut bei einem verheerenden Brand. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als zu ihrer Schwester nach Lübeck zu gehen. Lüneburg steckt zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen, ihr Aufstieg als Hansestadt und ein Zentrum des Salzhandels hat noch nicht begonnen. Gero, der unternehmungslustigere der Brüder, landet mitten in dem „Kreuzzug“ gegen die Wenden. Erschrocken über die Brutalität hilft er der jungen Olga, die von Soldaten gefangen wurde. Sie können zwar beide entkommen, doch Gero wurde bei einem Kampf verletzt und vertraut Olga den Säbel an.

    Ein weiterer großer Zeitsprung leitet das nächste Kapitel ein und entführt in den grausamen Dreißigjährigen Krieg. Beschrieben wird das letzte Kriegsjahr, als alle schon kriegsmüde sind und Geld, Nahrung und andere lebensnotwendige Güter knapp sind. Ewalt, der Freiherr von Billung überwirft sich mit seinem Kommandanten und stiehlt ihm die Soldkasse. Verfolgt von den Bluthunden seines Kommandanten landet er auf dem Gutshof der jungen Olga, die dort ganz allein mit ihrem Verwalter lebt, nach dem ihre Eltern bei einem vorherigen Angriff ums Leben kamen. Während Ewalt und seine Männer im Gutshof belagert werden kommen sich Olga und Ewalt näher. Nachdem die Belagerten ihre Verfolger besiegt haben, verlassen Olga und Ewalt das Gehöft, im Gepäck ist ein alter Säbel...

    Im nächsten Teil befinden wir uns in der Napoleonischen Zeit, im Jahre 1815. Diesmal ist die junge Hedwig die Hauptperson, die während ihrer Arbeit als Dienstmädchen auf ihre große Liebe Ewalt von Billung trifft. Trotz der Standesunterschiede verloben sich beide. Doch Ewalt wird genau wie Hedwigs Bruder Gero zu den Waffen gerufen und soll gegen Napoleon kämpfen. Bevor Ewalt ins Feld zog, gab er Hedwigs Vater noch einen alten, silbernen Säbel zur Restauration. Hedwig stellt fest, dass sie von Ewalt schwanger ist, doch heiraten beide nicht, weil Ewalt im Krieg fällt.

    Das letzte Kapitel dreht sich um die Industrialisierung. Hedwig und Gero haben es geschafft, aus der kleinen Schmiede ihres Vaters eine Firma aufzubauen, die Metallwaren herstellt. Dadurch haben beide einen gewissen Wohlstand erarbeitet. Hedwigs Sohn Ewalt ist Ingenieur und tüftelt an einer Lok. Doch dann verliebt sich Ewalt ausgerechnet in die bereits anderweitig verlobte Tochter ihres ärgsten Konkurrenten. Allen Widrigkeiten zum Trotz brennt Ewalt mit Gisela durch und zieht sich die Feindschaft des abgelegten Verlobten und seines Schwiegervaters zu, denen es beinahe gelingt, die Firma zu vernichten. Doch erhalten sie von unerwarteter Seite Hilfe und schaffen es, ihre Feinde zu besiegen.

    Fazit: Ulf Schiewe führt einen mit leichter Hand und liebevoll ausgeklügelten Figuren durch fast 900 Jahre Geschichte. Dabei verliert man sich aber nie in den verschiednen Kapiteln. Es entsteht keine Verwirrung durch die vielen verschiedenen Orte und Zeiten, weil sich die Personen nicht sehr verändern. Es ist wie ein Spaziergang durch die Zeit, wo man ständig alte Bekannte trifft, die einem von Kapitel zu Kapitel mehr ans Herz wachsen. Ein Geniestreich sind die kleinen Einführungen am Beginn jedes Kapitels, so weiß jeder sofort, wo man sich gerade befindet und was einen erwartet. Die Einführungen bilden die Überleitung von jeder Epoche. Darüber hinaus sind die Umstände sehr gut und genau recherchiert, bis hin zu zeitgenössischen sprachlichen Ausdrücken. Klare Empfehlung zum Lesen! Wer historische Romane gerne liest und mehrere Epochen mag, wird dieses Buch lieben. Aber auch für jeden anderen ist eine äußerst kurzweilige Lektüre!



    Vielen Dank für die Leserunde, hoffentlich liest man sich bald mal wieder:buchtipp:

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

    Einmal editiert, zuletzt von Senara von Nostria ()

  • Vielen Dank für deine Teilnahme und natürlich deine Rezension. Übrigens, Ewalt muss nicht für sondern gegen Napoleon kämpfen. :)

    Der Bastard von Tolosa (2009), Die Comtessa (2011), Die Hure Babylon (2012), Das Schwert des Normannen (2013), Die Rache des Normannen (2014)<br />www.ulfschiewe.de

  • Vielen Dank für deine Teilnahme und natürlich deine Rezension. Übrigens, Ewalt muss nicht für sondern gegen Napoleon kämpfen. :)

    ups, das werde ich gleich berichtigen

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Mit „Land im Sturm“ wagt Ulf Schiewe diesmal ein ungewöhnliches Projekt. Es handelt sich nicht um einen durchgängig erzählten Roman, sondern um fünf historisch relevante Episoden aus der Geschichtsschreibung Deutschlands. Sowohl der Sturm der Ungarn als auch der 30-Jährige Krieg, Napoleon und der gesellschaftliche Wandel zu Beginn des Industriezeitalters sind Eckpfeiler des Buches. Dabei lässt der Autor immer wieder Protagonisten der gleichen Familien in den verschiedenen Abschnitten auftauchen. Dadurch entsteht trotz der ständig wechselnden Hauptdarsteller der Eindruck eines übergreifenden Erzählstranges, der über mehrere Jahrhunderte hinweg als roter Faden durch das Buch läuft.


    Arnulf, der Sohn eines Schmiedes, ist der erste Vertreter seiner Familie und seine Ururenkel und deren Ururenkel bevölkern die weiteren Episoden, wobei sich der Beruf des Schmiedes ebenso fortsetzt und dem Wandel der Zeit unterzogen wird, wie die Darsteller anderer Familien, die den Weg von Arnulfs Nachkommen immer wieder kreuzen.


    Tatsächlich sind also die Darsteller diesmal wichtig aber man sollte die Geschichte wohl vor allem unter dem Aspekt der historischen Abläufe lesen. Die sind nämlich kompakt, hautnah und sehr informativ beschrieben und lassen sowohl einen guten Überblick über die wechselvolle Geschichte Deutschlands und Europas als auch über große Zusammenhänge und politische Entwicklungen zu.


    Dabei fasziniert nicht nur das große Ganze, sondern auch, dass Ulf Schiewe es schafft, trotz der relativ kurzen Abschnitte seinen Protagonisten schnell und intensiv Leben einzuhauchen und man muss mit ihnen immer wieder aufs Neue mitfiebern. Nicht jedes Mal gönnt er dem Leser ein Happy End und mehr als einmal ist man traurig, sich von einem Darsteller auf die ein oder andere Weise so schnell wieder zu verabschieden. Aber der Autor hält den Spannungsbogen hoch und lässt keine Langeweile aufkommen.


    Ein Buch, wie ich es so noch nicht gelesen habe. Eine Idee, die mir sehr gut gefallen hat und die mich in ihrer Umsetzung auf ganzer Linie überzeugen konnte.

  • Sehr schön zusammengefasst. Vielen Dank! :)

    Der Bastard von Tolosa (2009), Die Comtessa (2011), Die Hure Babylon (2012), Das Schwert des Normannen (2013), Die Rache des Normannen (2014)<br />www.ulfschiewe.de

  • Tausend Jahre deutsche Geschichte sind gar nicht so leicht auf tausend Seiten unterzubringen. Ulf Schiewe hat bewiesen, dass es geht – und er hat die Leser an die Hand genommen, um sie zu den Wendepunkten der Deutschen zu führen, obwohl man die Völker vor 1000 Jahren noch gar nicht so richtig als Deutsch bezeichnen konnte.


    Alles beginnt mit einem jungen Schmied vor der ersten Jahrtausendwende, der zu Unrecht eines Mordes bezichtigt wird – und auf der Flucht die junge Hedwig trifft. Natürlich entbrennt die Liebe zwischen ihnen. Gemeinsam gehen sie nach Augsburg, wo sie in die größte Ungarnschlacht König Ottos verwickelt werden. So wie diese beiden Helden finden sich auch im Laufe der Jahrhunderte ihre Nachfahren an bedeutsamen historischen Punkten wieder und erleben diese hautnah mit.


    Dieses Buch ist etwas Besonderes, allen voran durch seinen episodischen Aufbau. Auf ca. 200 Seiten wird eine Geschichte aus einer Generation erzählt – folglich werden die Protagonisten rasch vorgestellt und Ulf Schiewe verzichtet auf lange ausschweifende Einleitungen, sondern steigt generell rasch in die Handlung ein. Das vermindert zwar die Komplexität der einen „Episoden“, beschleunigt jedoch die Handlung ungemein, sodass der Leser praktisch eine Episode in einem „Rutsch“ lesen kann. Da kommt selbst ungeübten historisch interessierten Lesern das Buch nicht wie ein Mammut vor, da die Geschichten in „mundgerechten“ Häppchen serviert werden. Ein Ansatz, den ich für meinen Teil so noch nicht kannte, der sich aber durchaus als praktikabel und umsetzbar erwiesen hat und der mir persönlich viel Spaß bereitet hat, obwohl ich mich zugegeben erst dran gewöhnen musste, liebgewonnener Charaktere wieder gehen zu lassen (ohne die Chance zu haben, sie noch einmal wieder zu sehen). Bei den ersten zwei Episoden hat mir schon ein bisschen das Herz geblutet, aber dann war ich neugieriger darauf, in welche geschichtliche Epoche uns Ulf Schiewe als nächstes entführt und mit welchen Figuren wir als nächstes mitfiebern und mitleiden dürfen. Der Autor hat vor jede Episode eine kurze Einführung gesetzt, die die Stimmung und den Zustand des Reiches wiedergibt – das fand ich auch sehr hilfreich zur Einstimmung auf das Kommende. Insofern – die Struktur des Buches war für mich stimmig und mal etwas gänzlich anderes, es hat mal viel Spaß gemacht!

    Das verbindende Element hat bei mir auch ziemlich gut funktioniert. Der Leser verfolgte nicht nur die einzelnen Generationen von einer Familie, sondern auch einen Säbel, den Arnulf in der ersten Episode erlangte und der bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts existierte (und darüber hinaus). Ich war richtig neugierig, wann und in welcher Form der Säbel denn in der aktuellen Episode auftauchen würde – so erreichte der Autor auch eine gewisse „Leserbindung“ – an einen Säbel – ich muss selbst lachen.


    Die einzelnen Geschichten waren alle schön zu lesen – der Fokus auf die deutsche Geschichte hat mir außerordentlich gut gefallen. Vor allen Dingen, da ich über Napoleon und Deutschland im 19. Jahrhundert nur die groben Zusammenhänge kannte – mein Steckenpferd ist eben das Mittelalter – aber ein solcher angenehm zu lesender „Überblick“ hat doch einige geschichtliche Lücken gestopft und Querverbindungen hergestellt (und natürlich weiß ich, dass die gesamtdeutsche Geschichte schwerlich auf tausend Seiten unterzubringen ist.) In zwei, drei Episoden fand ich die Liebesgeschichte etwas überstürzt, aber das ist wohl nicht zu ändern, wenn die Geschichte weiter fortbestehen soll. So hat mir eine Episode mehr, die andere ein bisschen weniger gefallen.

    Generell hatte Ulf Schiewe den Blick auf die Bevölkerung gerichtet, wie sie die Welt und wie sie die Mächtigen sah – und dieser Blickwinkel ist ihm sehr gut gelungen.


    Was bleibt mir zu dieser rasanten Reise durch die Geschichte zu sagen? Ich empfand sie als sehr lehrreich und kurzweilig und Ulf hat mich an historische Gegebenheiten herangeführt, die ich in meinem normalen Leseverhalten eigentlich umgehe. Danke dafür! Ich vergebe 4,5 Sterne für ein tolles Buch und tolle Lesestunden.

    Home is people, not a place (Robin Hobb, Live Ship Traders)

  • Ich bedanke mich an dieser Stelle, für die schöne Leserunde. Es hat Spaß gemacht, gemeinsam mit euch die Geschichte zu streifen.


    Hier kommt nun meine Rezension:


    Streifzug durch 1000 Jahre Geschichte


    5 Abschnitte oder doch eher 5 kleine Bücher, gebunden in ein Großes.

    Die Geschichte beginnt im Jahre 955 und erzählt von einer großen Schlacht gegen die Ungarn. Geht dann weiter durchs Mittelalter, um dann über den 30 jährigen Krieg bis 1813 in die Zeit Napoleons zu wandern. Um schließlich 1848, zur Zeit der Revolution, zu enden.


    Jeweils zu Beginn eines Abschnittes hat der Autor einen Prolog gesetzt, der die Ereignisse dieser Epochen zusammenfasst. Er erzählt dann kurze Lebensgeschichten seiner Protagonisten, und noch bevor der Leser sich richtig an die Charaktere gewöhnt hat, geht es in der Zeit auch schon weiter. Einziges richtiges Verbindungsglied zwischen den Zeiten ist ein alter Säbel und die Handwerkskunst des Schmiedens. Auch sind die einzelnen Charaktere immer irgendwie mit den vorangegangen verwandt. So gibt es bestimmte Handlungen zum Beispiel im 30. jährigen Krieg, die maßgeblich für das Leben der Menschen um 1848 verantwortlich sind.


    Mir hat dieser Streifzug durch die Geschichte gut gefallen. Auch wenn ich der Meinung bin, dass die Protagonisten alle miteinander jeder für sich, ein eigenes Buch verdient hätten. Das Potenzial wäre sicher da gewesen, aber dann würde sich dieser Streifzug auch als langwierig erweisen. Mich hätte es nicht gestört, ich fand es aber auch so unterhaltend und hatte nicht das Gefühl, überhaupt 900 Seiten gelesen zu haben.


    Jede Szene hat mich mitgenommen in eine spannende Zeit. Ich fand es interessant, wie es Ulf Schiewe geschafft hat, die so unterschiedlichen Zeiten dann doch irgendwie miteinander zu verbinden. Der Säbel, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde und auch die Schmiede, die sich weiterentwickelt haben, prägen die Handlung. Und natürlich die einzelnen Charaktere und Familien.


    Der Erzählstil von Ulf Schiewe lässt sich dabei gut lesen und man spürt eben, dass er sich mit der Geschichte Deutschlands auseinandergesetzt hat. Er hat spannende Epochen ausgesucht und daraus kurzweilige Unterhaltung gemacht. Hat man „Land im Sturm“ gelesen, hat man einen schönen Querschnitt durch die Geschichte hinter sich und auch einiges Neues erfahren. Ich hätte durchaus auch noch mehr Epochen lesen können, zu interessant waren die Ereignisse, auch wenn ich mir manches mal ein anderes Ende, der jeweiligen Geschichte gewünscht hätte, am Ende hat aber alles zusammengepasst und ich ein spannendes Buch gelesen.


    :buchtipp:


    Und hier ist sie im Netz zu finden:


    Lovelybooks

    Hauptseite

    Forum

    Lesejury von Lübbe

    Büchertreff.de

    Bücherforum zur Buchrebellin

    Amazon

  • Vielen Dank für deine rege Teilnahme und deine Rezension.


    Nur ein Wort noch zu deinem Kommentar, jeder Protagonist hätte ein eigenes Buch verdient. Das mag sicher sein, aber dann wäre es nicht mehr dieses Buch gewesen, das ja eben mehr sein wollte als ein normaler Roman ... eben ein Streifzug durch die Geschichte. :)

    Der Bastard von Tolosa (2009), Die Comtessa (2011), Die Hure Babylon (2012), Das Schwert des Normannen (2013), Die Rache des Normannen (2014)<br />www.ulfschiewe.de

  • Vielen Dank für diese schöne, interessante Leserunde.

    Irgendwie war die verschwundene Rezi ausführlicher, aber ich habe sie nicht mehr zusammenbekommen. Hier jetzt das Ergebnis nach ca einer Woche Pause. :)



    Deutsche Geschichte mal anders

    Das Buch gibt einen Abriss der deutschen Geschichte über einen Zeitraum von etwa 900 Jahren. Wir begegnen diversen Familien, und folgen ihren Spuren quer durch die Jahrhunderte. Wir fangen im Jahre 955 an, mit König Otto und den Kämpfen gegen die Ungarn, gehen zu den Religionskriegen gegen die Wenden unter Heinrich dem Löwen im 12. Jh, über den 30jährigen Krieg im 17. Jh zu den Napoleonischen Kriegen im 19. Jahrhundert, wo wir schließlich mit der industriellen Revolution zum Abschluss kommen. In jedem Abschnitt begegnen wir den Nachkommen der Familien die wir im ersten Abschnitt kennenlernen (und ein paar, die später hinzukommen).Anhand der Schicksale dieser Familien wird die Geschichte deutlich gemacht.


    Dies ist ein ungewöhnliches, aber gelungenes Projekt. Ein Mammutprojekt, was auch in der Seitenzahl reflektiert wird; aber durch die Unterteilung in Abschnitte, und durch die Tatsache, dass wir immer auf bekannte Namen treffen, ist es sehr kurzweilig. Ungewöhnlich deshalb, weil es sich nicht auf eine Epoche konzentriert, sondern auf fünf, von denen die meisten nicht ursächlich zusammenhängen. Das Buch führt uns zu Momenten und Plätzen in der Vergangenheit über die ich wenig bis gar nichts wusste, oder die ich nach Möglichkeit vermeide (30jähriger Krieg). Den Lebenswegen der verschiedenen Familien zu folgen ist sehr interessant.


    Anhand der Namen, die sich wiederholen, weiß man immer sofort wer wer ist, und mit wem man es zu tun hat. Obwohl die Familien in der Regel nicht viel von ihren Vorgängern wissen (schließlich liegen ja immer einige Jahrhunderte dazwischen), gibt es für den Leser einiges wieder zu erkennen. Die Protagonisten sind so gut herausgearbeitet, dass es schwer fällt, sich am Ende eines Abschnittes von ihnen zu verabschieden. Man möchte gerne mehr erfahren, ihrem weiteren Lebensweg folgen.


    Es gelingt Ulf Schiewe, den Leser zu fesseln und zu involvieren. Die Erlebnisse der Protagonisten sind eindringlich beschrieben, ohne dass der Autor in detaillierten Beschreibungen von Gewalt schwelgt — und in den diversen Kriegen gibt es natürlich jede Menge Gewalt. Wir erfahren wie die Leute gelebt haben, wie die Häuser aussahen, wie die Arbeit vonstatten ging. Das Schicksal der Leibeigenen berührt uns genauso wie das Schicksal der Soldaten, und das der Arbeiter, die vor dem Hunger in die großen Städte geflüchtet sind, wo ihre Perspektiven und Lebensbedingungen auch nicht besser sind als auf dem Land.


    Natürlich kann man in einem Buch nicht sämtliche Epochen der Geschichte abhandeln, aber die Auswahl, die Ulf Schiewe getroffen hat, vermittelt einen ausgezeichneten Einblick in die Irrungen und Wirrungen die unser Land durchlief bevor es ein Staat wurde. Wer historisch interessiert ist sollte dieses Buch unbedingt lesen, oder anhören, denn es gibt auch eine ausgezeichnet gelesene Hörbuchversion (gelesen von Reinhard Kuhnert).


    Ich möchte mich bei Bastei Lübbe und Leserunden.de für die Bereitstellung des Leseexemplares bedanken.

  • Sehr schön, lieber Vorleser. Vielen Dank für die Rezension und für deine Teilnahme an dieser angeregten Leserunde. :)

    Der Bastard von Tolosa (2009), Die Comtessa (2011), Die Hure Babylon (2012), Das Schwert des Normannen (2013), Die Rache des Normannen (2014)<br />www.ulfschiewe.de

  • Sehr schön, lieber Vorleser. Vielen Dank für die Rezension und für deine Teilnahme an dieser angeregten Leserunde. :)

    Wir müssen uns bei dir bedanken, dafür dass du unsere Fragen so geduldig beantwortet hast und die Leserunde neben den Lesern lebendig gemacht hast! So machen Leserunden richtig Spaß! <3

    Home is people, not a place (Robin Hobb, Live Ship Traders)

  • Sehr schön, lieber Vorleser. Vielen Dank für die Rezension und für deine Teilnahme an dieser angeregten Leserunde. :)

    Wir müssen uns bei dir bedanken, dafür dass du unsere Fragen so geduldig beantwortet hast und die Leserunde neben den Lesern lebendig gemacht hast! So machen Leserunden richtig Spaß! <3

    seh ich auch so. Vielen Dank für deine Antworten und deine Zeit<3

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

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    (Chin. Weisheit)

  • Nun endlich möchte auch ich mich bei dir,lieber Ulf, bedanken. Auch wenn ich leider nicht viel anwesend gewesen bin, so war es eine spannende Runde,denn ich habe alle Beiträge aufmerksam verfolgt.

    Auch an euch Mitleserinnen ein Dankeschön, auch für euer Verständnis der familiären Situation und meiner mangelnden Beteiligung.



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    1000 Jahre deutsche Geschichte, spannend erzählt


    Klappentext

    Bayern, AD 995: Weil er zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird, flieht der junge Schmied Arnulf vor seinen Verfolgern über die Berge. Mitten im Wald trifft er auf Hedwig, die von feindlichen Ungarn verschleppt wurde, aber entkommen konnte. Gemeinsam wandern sie nach Augsburg, wo sie in die Ereignisse um die große Ungarnschlacht König Ottos verwickelt werden. Dabei verlieben sie sich - und legen den Grundstein einer Familie, deren Nachkommen durch manchen Sturm gehen müssen, bevor sie fast tausend Jahre später die Deutsche Revolution miterleben ...


    Zum Inhalt:

    Dieser grandiose historische Roman ist in fünf Teile unterteilt, die jeweils in unterschiedlichen Epochen der deutschen Geschichte spielen.

    Beginnend im Jahr 955 in Bayern mit Arnulf. Dieser wird beschuldigt, sich an einer jungen Frau vergriffen zu haben. Bei der Entdeckung, dieser angeblichen Tat, komm es zu einem dramatischen Zwischenfall. Arnulf dem jungen Schmied, bleibt nichts anderes übrig als die Flucht zu ergreifen. Und damit beginnt die Wanderung durch die Epochen.

    Arnulf rettet bei der Belagerung von Augsburg Ewalt von Bulling das Leben. Auch seine Familie, so wie noch ein paar andere, kann der Leser über die Jahrhunderte begleiten.

    Angefangen mit der großen Schlacht König Ottos gegen die Ungarn. Eine wahre Meisterleistung, wie Otto mit seinem Heer sich den Ungarn gegenüber stellte, die Ungarn vernichtete und den kläglichen Rest in die Flucht geschlagen hatte.

    Gefolgt von den Kriegen der Wenden, wo man die Anfänge der heutigen Hansestadt Lübeck verfolgen kann.

    500 Jahre später befinden sich die neuen Generationen der bekannten Familien mitten im vernichteten Deutschland, wo der dreißig jähriger Krieg bald ein Ende haben wird. Eine spannende und zugleich grausame Zeit, in der sinnlos so viele Menschen ihr Leben lassen mussten.

    Zuletzt das Jahrhundert im preußischen Reich, der Krieg Napoleons und dem preußischen Konig , die Revolutionen und wie die deutsche Geschichte eine Wendung nahm.


    Meine Meinung:

    Ulf Schiefe ist ein Meister seines Faches. Wie vom Autor gewohnt, ist alles enthalten. Angefangen mit einer enormen Spannung, die historisch belegten Hintergründe, die mein Wissen um einiges bereichert haben. Die Gabe, die Schlachten und Kriege über die Jahrhunderte hinweg, so bildhaft zu beschreiben, dass man das Interesse nicht verliert, ist grandios.

    Ich kann mit meiner Rezension nicht dem gerecht werden, was Ulf Schiefe mit diesem fast tausend seitigen Roman geleistet hat.

    Ein interessantes Werk, welches mir großes Lesevergnügen bereitet hat.


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    Liebe Grüße Kerstin

    2 Mal editiert, zuletzt von kessi69 ()

  • Danke, liebe Kessi für deine Teilnahme trotz privater Prüfungen. Und auch für die schöne Rezension. :)

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