05 - Seite 354 bis Ende (Kapitel 33 bis Ende)

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  • Aber die Schuldgefühle scheinen ja auch ihr ständiger Begleiter geblieben zu sein.

    Bei allem Entsetzen über Margarets kaltblütiges Handeln habe ich doch auch Mitleid mit ihr. Sie muss wohl sehr, sehr verzweifelt und unglücklich gewesen sein...mitunter vielleicht auch depressiv. Existenzsorgen, Überforderung und eine Art innere Einsamkeit haben sie in eine Ausnahmesituation gebracht. Erschreckend finde ich allerdings, das sie keinerlei Reue zeigt.

    Ich habe kein Mitleid mit ihr. Auch wenn es ihr schlecht ging und sie Existenzsorgen hatte, so lässt man keinen Menschen sterben. Außerdem hat sie versucht gleich eventuelles Gerede zu verhindern, indem sie die Trevors zur Verschwiegenheit verpflichtet und Mrs. Eldridge erfunden hat. Da gehört schon eine Menge Kaltschnäuzigkeit dazu. Sie hätte zurück nach England gehen können, aber sie hatte nicht den Mut sich dem Gerede zu stellen. Selbst als Paula sie zur Rede stellt, bereut sie nicht und ist immer noch überzeugt, richtig gehandelt zu haben.

    Und Paula wird liebe Schwiegereltern bekommen, die sie schon als Baby kannten, wie sich jetzt herausstellt.

    Nur einen Schwiegervater, Benjamins Mutter ist doch tot und sowohl Benjamin und auch sein Vater vermissen sie schrecklich.

  • "Schön gedacht" ist ein guter Ausdruck dafür. Sie hat auch nicht damit gerechnet, dass dieses Thema jemals wieder angesprochen würde. Bis Onkel Rudy aus der Versenkung auftaucht ...

  • Ich glaube ja wirklich, dass Margret ohne Harriet eine andere wäre - zumindest teilweise!

    Das ist sehr gut möglich.


    Ich finde auch, dass William - auch wenn er jetzt wesentlich sympathischer rüberkommt - Fehler gemacht hat und ich kann mir gut vorstellen, dass Margaret damals schockiert war, dass er eine andere Frau ansprach und quasi im Affekt handelte.

    William hat seine Fehler gemacht, keine Frage. Aber jemanden absichtlich sterben zu lassen, wiegt doch sehr schwer. Aber diese Ambivalenz ist dir wirklich sehr gut gelungen, liebe Susanne.

  • William hat seine Fehler gemacht, keine Frage. Aber jemanden absichtlich sterben zu lassen, wiegt doch sehr schwer. Aber diese Ambivalenz ist dir wirklich sehr gut gelungen, liebe Susanne.

    Ich finde ja, es ist sogar mehr, als nur unterlassene Hilfeleistung. Für mich ist es eigentlich Mord. Klingt hart aber sie hat ihm absichtlich nicht geholfen und wusste, dass er sterben würde, da unten.

  • Ich finde ja, es ist sogar mehr, als nur unterlassene Hilfeleistung. Für mich ist es eigentlich Mord. Klingt hart aber sie hat ihm absichtlich nicht geholfen und wusste, dass er sterben würde, da unten.

    Ja, die Überlegungen habe ich ebenfalls angestellt.

  • Was soll ich sagen, es ist ein trauriges und zugleich schönes Ende. Meine Gefühle sind in diesem Abschnitt ständig hin und her geschwankt.


    Onkel Rudy finanzierte die Reise, die Paula und Benjamin gemeinsam unternommen haben, um endlich das Rätsel um Paulas Vater zu lösen.

    Als Paula bewusst wurde, welche Aufmerksamkeit eine Frau in der Universität erregte,als sie zum Professor gegangen ist, wurde mir wieder die Zeit bewusst in der sie gelebt haben. Da musste ich schon schmunzeln. Aber sie war natürlich in Sorge um Rudy und hat gar nicht darüber nachgedacht.

    Ach, den Professor mag ich auch sehr, er findet immer die richtigen Worte, so das Paula es gewagt hat die Reise anzutreten.

    William hat es passend getroffen....." Verliebte die eine Reise geschenkt bekommen und sich nicht trauen, sie zu genießen" Die beiden passen wirklich wie Deckel auf den Topf:)


    Lieb fand ich Mrs. Jackson, die Paula noch ein Opernglas gebracht hat, damit sie die schöne Gegend noch besser sehen kann.

    Benjamin hatte heraus gefunden, wie es damals mit den Anlegestellen gewesen ist. Sie haben feste Ziele gehabt, die sie nach und nach aufgesucht haben.

    Überall wo sie das Bild zeigten, erzählte Paula die gleiche Geschichte. Das muss wirklich mit der Zeit frustrierend und entmutigend gewesen sein. Doch Benjamin schaffte es immer wieder sie aufs neue aufzubauen.

    Nach und nach fügten sich einige Puzzleteile zusammen, doch sie verloren die Spur. Bis die Tochter des Wortes den entscheidenden Hinweis gibt.


    Die Ruine Ehrenfels, zu der sich Paula so hingezogen gefühlt hat, als könne sie ihren Vater spüren. Als sie dieses Loch entdeckte überkam mich ein komisches Gefühl, wie eine Vorahnung.

    Als sie sich die Geschichte der Tochter des Wirtes angehört hatten, sind sie sofort zurück zur Ruine. Nun gab es Gewissheit, Paulas Vater ist in das Loch gefallen und ist dort elendlig gestorben. Sicher ist es immer gut, endlich Gewissheit zu haben, aber das ist grausam.


    Aber was dann folgte, als Paula zu ihrer Mutter gefahren ist um die ganze Wahrheit zu hören, hat mich sprachlos gemacht. Aus falscher Verletzheit oder falschen Stolz, hat Margaret ihren Mann in dem Loch sterben lassen. Nur weil er den Namen von Caroline gerufen hat und er nicht auf den Gedanken gekommen ist, dass seine Frau ihn vielleicht suchen könnte, hat Margaret diesen folgenschweren Entschluss gefasst. Ich war ehrlich geschockt als ich das gelesen habe. Ich weiß nicht ob ich ihr das verzeihen könnte.


    Onkel Rudy hat gewartet, bis Paula zurück war und ist dann ein wenig später gestorben. Ach da musste ich ein paar Mal weinen ( ich bin ja so eine Heulsuse) . Auch als der Professor mit Paula und Benjamin mit der Urne auf der Terrasse der Ruine standen, kullerten mir die Tränen. Die beiden Brüder an ihrem geliebten Rhein, im Tod, wieder miteinander vereint. Ach Mensch, dass war so emotional. Paula hatte leider nicht lange das Glück Zeit mit ihrem Onkel zu verbringen. Auch der Professor hatte mein Mitgefühl, er hat seinen geliebten Rudy verloren.


    Ich finde Paula hat es richtig gemacht, sie hat Benjamin geheiratet und nachdem sie eine Weile bei Benjamins Vater gewesen sind, sollte es auf Reisen gehen. Zu lange musste sie so vieles entbehren, warum sollte sie dann den Laden führen, wo Herr Wörth der beste Mann dafür ist. Onkel Rudy hat ihr nicht nur Geld oder materielle Dinge vererbt, nein, dass Wichtigste, so finde ich ist, dass er ihr gezeigt hat, dass sie ein liebenswerter Mensch ist, der es verdient hat glücklich zu sein.


    Schade, nun sind wir am Ende, ein wirklich schöner Roman.

  • Wenn damals nur wenige Gäste zu Besuch waren, kann ich mir schon vorstellen, dass man sich an Gäste wie Caroline Bennet mit ihren Begleiter erinnern kann.


    Paulas Mutter ist einfach nur unglaublich, ich habe im ganzen Buch keine Sympathie für sie entwickeln können. Sie hat vermutet, dass er ein Verhältnis hat. Macht sich auf die Suche um zu erfahren was geschehen ist und lässt ihn dann sterben? Für mich ist das Mord.


    Ich finde, Paula hat es verdient erst auf Reisen zu gehen. Sie war zu lange bei der Cousine eingesperrt. Zu Beginn hat sie gesagt, sie ist wie vertrocknet und nun ist sie aufgeblüht und kann das Leben endlich genießen.

  • Als Paula bewusst wurde, welche Aufmerksamkeit eine Frau in der Universität erregte,als sie zum Professor gegangen ist, wurde mir wieder die Zeit bewusst in der sie gelebt haben.

    Stimmt, das sind solche Szenen, in denen das mir auch immer wieder bewusst wurde. Und ich finde, Paula ist eine ziemlich moderne Frau, da haben die ganzen Jahre des Weggesperrtsein beim Harriet glücklicherweise nichts ändern können.


    Ich finde Paula hat es richtig gemacht, sie hat Benjamin geheiratet und nachdem sie eine Weile bei Benjamins Vater gewesen sind, sollte es auf Reisen gehen. Zu lange musste sie so vieles entbehren, warum sollte sie dann den Laden führen, wo Herr Wörth der beste Mann dafür ist.

    Das finde ich auch, dass sie es richtig macht. Und der liebe Rudy hat das ebenfalls erkannt und ihr diese Möglichkeit offen gelassen.


    Onkel Rudy hat ihr nicht nur Geld oder materielle Dinge vererbt, nein, dass Wichtigste, so finde ich ist, dass er ihr gezeigt hat, dass sie ein liebenswerter Mensch ist, der es verdient hat glücklich zu sein.

    Das hast du schön geschrieben - und du hast so recht damit. In der kurzen Zeit, in der Paula bei ihrem Onkel war, hat er es geschafft, sie aus ihrem langjährigen Kokon zu holen und sie selbst zu sein.

  • Der Vergleich mit dem Kokon ist sehr schön, Karin. :)


    Mir war es sehr wichtig, dass Paula eben kein junges Mädchen ist, das voller Elan in die Welt aufbricht, sondern eine für damalige Verhältnisse schon ältere Frau, die eigentlich nichts mehr vom Leben erwartet.


    Und was Margaret angeht: Ich habe lange überlegt, ob ich sie wirklich so hart mache, aber es erschien mir konsequent. Die Eltern haben sich beide auf ihre Weise schuldig gemacht. Was Margaret getan hat, ist unverzeihlich, aber je mehr Zeit vergangen ist, desto tiefer hat sie es in ihrer Erinnerung vergraben. Und was ihren Umgang mit Paula angeht, wollte sie vermeiden, dass ihre Tochter die gleiche Erfahrung macht: eine Liebe, die sich als Illusion erweist. Das alles soll sie nicht entschuldigen, aber mir ist es wichtig, dass beide Eltern zu den Ereignissen beigetragen haben.


    Auch William hätte sich anders verhalten können und würde das als Mann von heute vermutlich auch tun. Er würde bei seiner Frau bleiben, vielleicht eine Therapie vorschlagen und sich um seine kleine Tochter kümmern, solange die Mutter das nicht kann. Aber die Welt von 1837 war eben doch eine ganz andere.

  • Und was ihren Umgang mit Paula angeht, wollte sie vermeiden, dass ihre Tochter die gleiche Erfahrung macht: eine Liebe, die sich als Illusion erweist. Das alles soll sie nicht entschuldigen, aber mir ist es wichtig, dass beide Eltern zu den Ereignissen beigetragen haben.

    Da magst du Recht haben. Aber steht es Margaret zu, für Paula eine Entscheidung zu treffen, nur weil sie kein Glück in der Liebe hatte? Es muss ja nicht zwangsläufig in jeder Beziehung so sein wie bei ihr und William. Ich finde es sehr egoistisch.

  • Und was ihren Umgang mit Paula angeht, wollte sie vermeiden, dass ihre Tochter die gleiche Erfahrung macht: eine Liebe, die sich als Illusion erweist. Das alles soll sie nicht entschuldigen, aber mir ist es wichtig, dass beide Eltern zu den Ereignissen beigetragen haben.

    Den Zwiespalt, in dem Margret hier steckt, habe ich gut erkennen können: sie ist ja der Meinung, dass Paula bisher ein gutes Leben hatte und ich denke, sie macht sich hier nicht nur etwas vor, sondern ist davon auch felsenfest überzeugt und ist sich gar nicht darüber im Klaren, dass ihre Tochter vllt. ein anderes Leben haben möchte.

    Wie du oben auch schreibst: in der heutigen Zeit wäre eine Therapie für sie unumgänglich, um das Trauma ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten.

  • Kerstin: Nein, es steht ihr nicht zu, aber sie macht es dennoch. Auch heute noch treffen Eltern Entscheidungen für ihre Kinder oder lenken sie in eine bestimmte Richtung, sei es Beziehungen oder Berufswahl. Selbst die "aufgeklärten" Eltern meiner Generation tun das nicht selten. Daher denke ich, dass dieser Konflikt gar nicht mal so altmodisch ist. Aber ich heiße Margarets Handeln nicht gut, auf keinen Fall.

  • Kerstin: Nein, es steht ihr nicht zu, aber sie macht es dennoch. Auch heute noch treffen Eltern Entscheidungen für ihre Kinder oder lenken sie in eine bestimmte Richtung, sei es Beziehungen oder Berufswahl. Selbst die "aufgeklärten" Eltern meiner Generation tun das nicht selten. Daher denke ich, dass dieser Konflikt gar nicht mal so altmodisch ist. Aber ich heiße Margarets Handeln nicht gut, auf keinen Fall.

    :totlach:Dann habe ich etwas falsch gemacht. Unser Sohn hat sich nicht lenken lassen, der hat immer gemacht was er wollte, nicht im bösen Sinne. Aber manchmal haben wir auch versucht ihn in eine andere Richtung zu lenken:), aber er hat einen starken Charakter, was nicht schlecht ist. So ist er gut seinen Weg gegangen.

    Aber es stimmt , Mütter versuchen manchmal größeren Einfluss zu nehmen, gerade bei ihren Söhnen. Mein Mann hat dann immer gesagt.....lass ihn machen, er muss die Erfahrung alleine sammeln....

    Diese Möglichkeit hat Margaret ihrer Tochter für lange Zeit genommen.

  • Ich meinte natürlich nicht alle Eltern und nicht immer! ;)

    Mir ging es genauso, selbst wenn ich zu lenken versuchte, klappte es meistens nicht. Ist auch gut so. Sie müssen ihre eigenen Fehler machen und eigenen Erfolge erleben.

  • Das mit dem Söhne lenken funktioniert ja meiner Erfahrung nach nicht nur mit Druck sondern auch ganz gut durch "Vorleben". Selbst Söhne, die in einem bestimmten Alter recht rebellisch sind übernehmen mit zunehmendem Alter doch viele der Werte und Vorstellungen der Eltern. Also man nimmt ja in vieler Form Einfluss auf seine Kinder. Und ich finde durchaus, dass Eltern auch dazu da sind, den Kindern eine Richtung zu weisen. Von der antiautoritären Erziehung ist man ja schon lange wieder abgekommen, da man festgestellt haben, dass Kinder und Jugendliche durchaus Regeln und "Vorschriften" brauchen. Natürlich ist der Übergang in die Selbsttändigkeit fließend - und Paula ist ja schon viel zu alt für eine Bevormunden, wie sie ihre Mutter viele Jahre versucht.

    Zwischen "mit sanfter Elternhand" und dem, was Margarete macht, sind ja Welten.