02 - Kapitel 8 bis 16 (Seite 76 bis 156)

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  • Die Mutter Helene genießt ihre Freiheit in vollen Zügen. Sie wird doch nicht auf die Idee kommen, sich von ihrem Mann zu trennen? Victor macht die Arbeit in der Schokoladenfabrik Spaß. Jetzt wird er auch noch zum verantwortlichen Monteur für die maschinen. Das freut mich für ihn! Auch Judith bereitet es Vergnügen, in die Fabrik zu gehen und die Produktion zu beobachten. Die Zwillinge machen natürlich weiterhin Unsinn, wenn sie nicht beaufsichtigt werden. Daß der Vater sie mit Albrecht von Braun verheiraten will, wird Judith nicht gefallen.


    Es ist schon traurig, daß die Mutter gar nicht an ihre Söhne denkt. Sie sühlt sich in Stuttgart eingesperrt.


    Judith weiß sehr wohl, daß weibliche Arbeitskräfte weniger Geld erhalten und ihre Arbeitsmöglichkeiten beschränkt sind. Sie kann sich - im Gegensatz zu ihren Brüdern - geschickt über die Regeln ihres Vaters hinwegsetzen. Aber gegen eine Heirat anzugehen, wird schwer werden. Zumal es da auch noch um Geld geht.


    Das Verständnis des Vaters für die Jungen und für das Personal ist beschränkt. Das Personal sind doch nicht seine Sklaven! Es fehlt die Mutter!


    Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das weitergeht. Die Jungen kann er schlecht auf ein Internat geben. Dafür fehlen ihm die Mittel.

  • Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das weitergeht. Die Jungen kann er schlecht auf ein Internat geben. Dafür fehlen ihm die Mittel.

    Das musste ich mal für eine seminararbeit recherchieren, das war nicht mal so extrem teuer. Klar nicht umsonst, aber es ging. Ich glaube die schulgebühr entsprach 150 Euro/Monat. Mal abgesehen davon, würde das Wilhelm niemals zugeben, dass er sich das nicht leisten kann.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Die Charaktere und mit ihnen die einzelnen Handlungsstränge entwickeln sich weiter und wir bekommen jetzt auch einen persönlichen Eindruck von Hélène und den Problemen, die sie von Stuttgart vertrieben haben. Der Kontrast zwischen ihrem kontrollierten und von Standeszwängen bestimmten Leben in Stuttgart und der geistigen wie körperlichen Freiheit in Riva könnte kaum größer sein. Wie sie da am Ufer sitzt und sich so intensiv spürt, ihre Lebenslust und Sinnlichkeit entdeckt, das ist so ein schönes Bild, dass sie mir sofort mehr als sympathisch war. Zudem hat sie die Malerei für sich entdeckt und eine wunderbare, humorvolle Leichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen und heimlichen Verehrern. Das wäre alles unvorstellbar gewesen an der Seite von Wilhelm in ihrem alten Leben und ich habe das Gefühl, dass sie ihren eigenen Weg sucht in einem neuen, ganz anderen Leben und nicht mehr in die Enge der großbürgerlichen Welt zurückkehrt.

    In Stuttgart findet Victor inzwischen seinen Platz im Betrieb und macht sich schnell unentbehrlich durch sein Geschick und sein Talent für Maschinenbau. Zudem entwickelt sich da was zwischen ihm und Judith - noch sehr vorsichtig und verhalten, aber immer wenn die beiden sich begegnen, ist da so eine bestimmte Schwingung und Atmosphäre in der Luft...:love:

  • Das Sanatorium Hartungen in Riva gab es wirklich. Noch heute steht einer der Bauten in Ufernähe - man kann problemlos im Park herumspazieren. Bei der Recherche habe ich mir bildlich vorgestellt, wie dort die Lufthütten standen und Hélène sich am Ufer ihrer Freiheit erfreut hat. Auch den Wind habe ich erlebt - er kommt am späteren Vormittag auf und bläst wirklich recht frisch. Nicht umsonst ist Riva heute ein Surferparadies.

    Die Stimmung, die Atmosphäre in Riva ist heute noch einzigartig, eine Mischung aus Tirol und italienischem Flair.


    Emmy - du hast diese Eindrücke aus dem Buch sehr schön wiedergegeben! Genauso, wie ich sie hineingeschrieben habe, wunderbar.


    Anne - zu Hélènes Kindern:

    Ich bin selbst Mutter von zwei Kindern, 19 und 14. Auch für mich war es schwer, zu schreiben, dass Hélène sich nicht nur ihrem Mann - was ja verständlich ist - sondern auch ihren Kindern entzieht.

    Die Depressionen, die sie bereits viele Jahre begleiten, verändern das Gefühlsleben. Für sie war dieser konsequente Schnitt unumgänglich, wollte sie gesund werden. So hart es klingen mag, so passt diese Verhaltensweise durchaus zum Krankheitsbild. Zumal sie wusste, dass die Kinder im Falle einer Trennung beim Vater blieben.


    Senara - ja, es gab diese Knabenanstalten - und als Schreckensszenario für ungehorsame Söhne waren sie durchaus gut geeignet;-)

  • Vielen Dank, liebe Maria :)

    wenn mir ein Roman gefällt, schreibe ich viel und gerne über meine Eindrücke beim Lesen/Genießen. Deine Schokoladenvilla ist großartig erzählt, du hast eine sehr zeittypische Atmosphäre erschaffen und bleibst doch immer nahe an deinen Personen, die so echt und glaubwürdig agieren und empfinden, dass es eine wahre Freude ist, sie durch das Geschehen zu begleiten.

    Ich habe bei Hélène`s Beschwerden auch gleich an Depressionen gedacht und sehe auch den - zumindest auf den ersten Blick - Egoismus der Betroffenen, der aber aus meiner Sicht mehr eine Art Selbstschutz bedeutet, als den Impuls, sich von allen Menschen distanzieren zu müssen. Es ist ein schwieriges Leiden, meine Mutter hat jahrelang unter Depressionen gelitten und erst viel später habe ich viele Dinge besser verstehen können und in einem anderen Kontext sehen. Jedenfalls denke ich, dass es für Hélène das Beste wäre, sich von ihrer Familie und Stuttgart zu distanzieren, bis sie stabil genug ist und für sich weiß,wie sie ihr weiteres Leben führen möchte - nur so kann eine Heilung für sie gelingen und das würde ich ihr sehr wünschen, denn in ihr schlummert so viel Energie und Lebensfreude.

  • Ich bin selbst Mutter von zwei Kindern, 19 und 14. Auch für mich war es schwer, zu schreiben, dass Hélène sich nicht nur ihrem Mann - was ja verständlich ist - sondern auch ihren Kindern entzieht.

    Die Depressionen, die sie bereits viele Jahre begleiten, verändern das Gefühlsleben. Für sie war dieser konsequente Schnitt unumgänglich, wollte sie gesund werden. So hart es klingen mag, so passt diese Verhaltensweise durchaus zum Krankheitsbild. Zumal sie wusste, dass die Kinder im Falle einer Trennung beim Vater blieben.


    Senara - ja, es gab diese Knabenanstalten - und als Schreckensszenario für ungehorsame Söhne waren sie durchaus gut geeignet;-)

    um ihre Depressionen nachhaltig los zu werden, muss sie sich ja dauerhaft verändern. Ich stelle es mir sehr schwierig vor, seine (kleinen) Kinder einfach zurückzulassen und der Willkür des Vaters zu überlassen, aus der sie ja ebenso geflohen ist. Auf der anderen Seite haben die Kinder nichts von einer kranken Mutter.

    Das diese Anstalten Schreckgespenster waren, kann ich mir gut vorstellen:totlach:

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ich muss sagen, dass ich von Victor einen richtig guten Eindruck habe, der hatte einfach das Pech, in eine völlig falsche Richtung gepresst zu werden, ein Schicksal, dass er ja mit Judith teilt.

    Robert scheint dagegen ein richtiger Stalker zu sein, er ist in das Dienstmädchen Babette verknallt, aber sie nicht, aber sie in Frieden lassen will er sie auch nicht. Wie kommt er auf die Idee, dass nur er weiß, was gut für sie ist? Das ist doch auch wieder die männliche "Überlegenheit" ( zumindest hätten sie das gerne.)

    Ein ähnliches Spielchen haben wir ja mit Hèlène und ihrem Kurschatten. Aber den lässt sie ja eiskalt abblitzen.

    Ist der Nill`sche Tiergarten der Vorläufer der Wilhelma? Die Wilhelma selbst gab es ja schon, aber halt noch ohne Tiere. Wurden die dann zusammengelegt? Das Tierschleck finde ich ja auch super. :totlach: Auch Tiere dürfen naschen.

    Und dann die Zwillis wieder! Was für eine saublöde Idee, Pfeile auf ein Wespennest zu schießen! Immerhin war keiner allergisch und wer weiß, vielleicht lernen sie ja was draus. Was man in dem Kapitel auch sehr schön sieht, ist, dass das Personal dem Dienstherr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war. Einfach mal freie Tage streichen!

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Helene scheint gar nicht so krank zu sein, wie ich im ersten Leseabschnitt gedacht habe. Sie ist ja sehr beschäftigt und unterhält sich gut in den Sanatorium. Die leidet bestimmt nicht unter Depression. Eher unter einer Wilhelm-Allergie!

    Umso weniger verstehe ich, dass sie ihre Kinder bei ihm zurück lässt!

    Victor hat ja einen regelrechten Karriereschritt getan. Und dieses mal nicht aus Dankbarkeit wegen der Rettung von Karl, sondern weil er was kann! Ich finde, er wäre der ideale Hochzeitskanditat.:unschuldig:

    Man spürt die hervorragende Recherchen zu den Haushaltsdingen und den Maschinen von damals. Wie zum Beispiel der "Kühlschrank" beschrieben ist, ist toll. Ebenfalls der Ablauf des Wäschewaschens.

    Herzhaft gelacht habe ich über "das grösste Kamel ist immer der Mann"!

    Wilhelm will seine Finanzen wohl aufpolieren, indem er seine Tochter reich verschachert. Ich frage mich, ob die es sich einfach so gefallen lässt?

    Die Szene in der Küche nachts bei dem Sturm ist herzerwärmend. Und zeigt, dass die Zwillinge genau solche Momente mit Zuwendung benötigen. Auch finde ich die Botschaft, dass die Bediensteten und die Erben des Hauses zusammen sitzen und zusammen halten, sehr mutmachend!

  • Ich denke, eine Trennung wäre wohl das einzig richtige. sie kann sich ja nicht auf ewig in Italien verschanzen und ihre Kinder zurück lassen.

    Mich hat das über den ungleichen Lohn von Männern und Frauen nachdenklich gestimmt. 100 Jahre später sind wir auch noch oft in dieser Lage!

  • Wie sie da am Ufer sitzt und sich so intensiv spürt, ihre Lebenslust und Sinnlichkeit entdeckt, das ist so ein schönes Bild, dass sie mir sofort mehr als sympathisch war. Zudem hat sie die Malerei für sich entdeckt und eine wunderbare, humorvolle Leichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen und heimlichen Verehrern.

    Mir ist Helene leider nicht besonders sympathisch. Ich finde sie macht es sich zu einfach...und das auf dem Buckel ihrer Kinder!


    Und ich glaube nicht an eine Depression! Denn in Italien scheint es ihr ja gut zu gehen. Eine Depression ist nicht ortsabhängig und hier kommt schon der Verdacht auf, dass es ihr zu hause aus bestimmten Umständen nicht gut geht. Und das das Problem ist...aber eine Depression ist meiner Meinung nach nicht.

  • Oh, das ist ja schön, hier wird schon richtig viel diskutiert.


    Zu den Kindern: Das Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern war um die Jahrhundertwende nicht vergleichbar wie dem, wie wir es heute haben. Gott sei Dank ist es heute anders. Auch wurden die Kinder damsl sehr viel schneller erwachsen. Kinder der Arbeiterklasse mussten oftmals schon sehr jung in Fabriken mitarbeiten - das Thema habe ich ausgeklammert, weil man es nicht wirklich unterbringen kann, wenn man es nicht kritisch bearbeitet - auch in einem Roman.

    Judith mit ihren 21 Jahren war mehr als erwachsen, fast "überfällig". Die Zwillinge mit 8 Jahren mussten zu Männern werden, so sah man das damals. Ohnehin hatte der Vater die Erziehungsgewalt. Im Mittelalter wurden die Buben schon ganz jung als Page weggeschickt, in einen anderen Haushalt.

    Wie gesagt - jede Zeit hat ihre eigenen Gesetze.


    Hélène: Die Ausprägung einer Depression ist sehr verschieden - leichte, mittelschwere, schwere Episode. Natürlich war Helene nicht schwerst depressiv, sie war melancholisch, antriebslos, sah wenig Sinn in ihrem Dasein. Das ändert sich am Gardasee - als der Fokus auf sie fällt ist sie ja schon einige Wochen dort. Dr. Hartungen setzte in seinem Sanatorium (und das ist wirklich so gewesen!) auf gesunde Ernährung und viel Bewegung - es ist heute erwiesen, dass Sport wie ein Antidepressivum wirkt. Auch ein vollkommener Umgebungswechsel kann die Gesundung rasch voranschreiten lassen. Zusammen mit der Sonne ist es plausibel, dass Hélène sich wieder gefangen hat.


    Gleichstellung: Ein hochaktuelles Thema! Wir sind schon sehr weit heute, auch wenn es noch Verbesserungspotenzial gibt. Damals zu leben aber dürfte für uns Frauen von heute der Horror sein! Schauen wir uns das vergangene Jahrhundert an: 1919 gab es das Wahlrecht für Frauen. Erst seit den 70er Jahren dürfen Frauen arbeiten, ohne dass ihre Ehemänner zustimmen müssen.

  • Wie sie da am Ufer sitzt und sich so intensiv spürt, ihre Lebenslust und Sinnlichkeit entdeckt, das ist so ein schönes Bild, dass sie mir sofort mehr als sympathisch war. Zudem hat sie die Malerei für sich entdeckt und eine wunderbare, humorvolle Leichtigkeit im Umgang mit anderen Menschen und heimlichen Verehrern.

    Mir ist Helene leider nicht besonders sympathisch. Ich finde sie macht es sich zu einfach...und das auf dem Buckel ihrer Kinder!


    Und ich glaube nicht an eine Depression! Denn in Italien scheint es ihr ja gut zu gehen. Eine Depression ist nicht ortsabhängig und hier kommt schon der Verdacht auf, dass es ihr zu hause aus bestimmten Umständen nicht gut geht. Und das das Problem ist...aber eine Depression ist meiner Meinung nach nicht.

    Ja, Helene macht es sich ziemlich einfach. Die jungen Zwillinge brauchen ihre Mutter. An eine Depression glaube ich auch nicht. Sie war wahrscheinlich unglücklich Zuhause. Und die Kuren haben ihr Freiheit gegeben.

  • Ist der Nill`sche Tiergarten der Vorläufer der Wilhelma? Die Wilhelma selbst gab es ja schon, aber halt noch ohne Tiere. Wurden die dann zusammengelegt? Das Tierschleck finde ich ja auch super. :totlach: Auch Tiere dürfen naschen.

    Nein. Der Nill'sche Tiergarten war ein eigenständiger Zoo in Stuttgart, den es wirklich genauso gab, wie er im Roman beschrieben ist. Das alles steht noch im Anhang drin - aber der ist ja ganz hinten8o

    Auch den Tierschleck hat es gegeben. Der Nill'sche Tiergarten wurde 1906 geschlossen. Danach gab es den Tierpark Doggenburg. Auch er hatte nichts mit der Wilhelma zu tun. Die wurde erst später zum Zoo.

  • Ja, Helene macht es sich ziemlich einfach. Die jungen Zwillinge brauchen ihre Mutter. An eine Depression glaube ich auch nicht. Sie war wahrscheinlich unglücklich Zuhause. Und die Kuren haben ihr Freiheit gegeben.

    Depressionen - exogene - sind von äußeren Umständen ausgelöst. Depressionen gibt es vielen Ausprägungen und Schweregraden. Entsprechend stehen die Chancen auf eine Heilung. Es gibt auch völlig gesunde Frauen, die nur schlecht eine Bindung zu ihren Kindern aufbauen. Hélène hatte eine postnatale Depression die sich auf einer leichten Ebene verfestigt hat. Deshalb ist ihre Bindung zu den Jungs weniger intensiv. Und ihre Tochter ist erwachsen mit 21 Jahren.

  • Mir ist Helene leider nicht besonders sympathisch. Ich finde sie macht es sich zu einfach...und das auf dem Buckel ihrer Kinder!


    Und ich glaube nicht an eine Depression! Denn in Italien scheint es ihr ja gut zu gehen. Eine Depression ist nicht ortsabhängig und hier kommt schon der Verdacht auf, dass es ihr zu hause aus bestimmten Umständen nicht gut geht. Und das das Problem ist...aber eine Depression ist meiner Meinung nach nicht.

    Wenn Menschen Depression entwickeln werden sie manchmal aus der gewohnten Umgebung herausgenommen. Zumal dann, wenn esich der Auslöser der Erkrankung im direkten Umfeld findet, wie hier bei Hélène. Eine postnatale Despression - als erster Auslöser - geht oft mit einem weniger starken Bindungsgefühl für das Kind/ die Kinder einher. Und wenn sie sich verfestigt, so wie bei Hélène, dann kann sie keine normalen Muttergefühle entwickeln, so wie wir es heute kennen.

    Kinder wurden damals eh generell anders erzogen. Meine Großmutter musste um 1910 frühmorgens die Tiere auf dem Feld versorgen und anschließend 2 h in die Schule laufen. Das hat keinen sonderlich gestört. Heute wäre es Kindesmisshandlung. Gerade Familienleben / Kindererziehung hing sehr vom zeitlichen / gesellschaftlichen Kontext ab.

  • Hélène: Die Ausprägung einer Depression ist sehr verschieden - leichte, mittelschwere, schwere Episode. Natürlich war Helene nicht schwerst depressiv, sie war melancholisch, antriebslos, sah wenig Sinn in ihrem Dasein. Das ändert sich am Gardasee - als der Fokus auf sie fällt ist sie ja schon einige Wochen dort. Dr. Hartungen setzte in seinem Sanatorium (und das ist wirklich so gewesen!) auf gesunde Ernährung und viel Bewegung - es ist heute erwiesen, dass Sport wie ein Antidepressivum wirkt. Auch ein vollkommener Umgebungswechsel kann die Gesundung rasch voranschreiten lassen. Zusammen mit der Sonne ist es plausibel, dass Hélène sich wieder gefangen hat.


    Gleichstellung: Ein hochaktuelles Thema! Wir sind schon sehr weit heute, auch wenn es noch Verbesserungspotenzial gibt. Damals zu leben aber dürfte für uns Frauen von heute der Horror sein! Schauen wir uns das vergangene Jahrhundert an: 1919 gab es das Wahlrecht für Frauen. Erst seit den 70er Jahren dürfen Frauen arbeiten, ohne dass ihre Ehemänner zustimmen müssen.

    Und bei diesen Symptomen macht es wirklich Sinn, eine "Auszeit" zu nehmen. Und es ist ja nicht verwunderlich, dass man nach einer Therapie sich ändert und manches in Frage stellt, was bisher nie zur Debatte stand. Soweit ich weiß wirkt Sport bei leichten bis mittelschweren (! Ich rede nicht von der Major Depression!) Depressionen besser wirkt.

    Das Thema Gleichstellung und die Freiheit zu tun, was man möchte, ganz egal ob Männlein oder Weiblein, zieht sich bisher ja durch den ganzen Roman, teilweise sehr subtil, was einem beim normalen Lesen vielleicht nicht auffällt. Aber ich finde das sehr spannend.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ist der Nill`sche Tiergarten der Vorläufer der Wilhelma? Die Wilhelma selbst gab es ja schon, aber halt noch ohne Tiere. Wurden die dann zusammengelegt? Das Tierschleck finde ich ja auch super. :totlach: Auch Tiere dürfen naschen.

    Nein. Der Nill'sche Tiergarten war ein eigenständiger Zoo in Stuttgart, den es wirklich genauso gab, wie er im Roman beschrieben ist. Das alles steht noch im Anhang drin - aber der ist ja ganz hinten8o

    Auch den Tierschleck hat es gegeben. Der Nill'sche Tiergarten wurde 1906 geschlossen. Danach gab es den Tierpark Doggenburg. Auch er hatte nichts mit der Wilhelma zu tun. Die wurde erst später zum Zoo.

    Es gibt einen Anhang? :freu:

    Das war mir auch neu, dass es da verschiedene Tiergarten gab. Was passierte dann mit den Tieren, die noch übrig waren, als es aufgelöst wurde?

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Das ändert sich am Gardasee - als der Fokus auf sie fällt ist sie ja schon einige Wochen dort.

    Kurz nachdem ich meinen Beitrag hier gepostet habe, habe ich genau das auch überlegt. Wir haben ja Helene in dem Sanatorium erst nach einer gewissen Zeit kennen gelernt. Und da war sie wohl schon aus dem Gröbsten raus. Darum wirkt sie so gesund und unternehmungslustig. Wobei ich mir vorstellen könnte, dass es besser geht, sobald sie von ihrem ollen Mann weg ist.