03 - Kapitel 17 bis 24 (Seite 157 bis 239)

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  • Du bringst auf den Punkt, was ich die ganze Zeit empfinde, wenn ich über diese verflixte Chaiselongue Szene nachdenke. Es war definitiv eine Rebellion gegen diese aufgezwungene Verlobung bzw. Hochzeit und ihren Vater.

    Mich freut diese Rebellion auch wirklich, weil ich der festen Überzeugung bin, dass es sie weiterbringen wird - auch in Zukunft vielleicht ein wenig selbstbewusster machen wird, wenn sie mit Männern umgeht, weil sie sich ein klein wenig von der Freiheit genommen hat, die ansonsten nur dem männlichen Geschlecht zu stehen. So braucht sie sich nicht untergeordnet fühlen. :)

  • Nee, ich denke Judith war einfach verliebt in Max. Und Max hat wohl gezielt noch schnell was mit Judith angefangen, um es seinem Freund so richtig zu zeigen. Ich denke nicht, dass Max da Unterschiede macht. Er ist wütend auf seinen Vater und wirft alle in einen Topf. Auch seinen Freund Albrecht.

    Beide befinden sich einer Ausnahmesituation. Normalerweise muss Max wissen, was auf ihn zukommt, wenn er nicht mit irgeneinem Dienstmädchen "schnackselt", sondern mit einer aus der Gesellschaft ... aber da ihm eh schon alles egal ist, er ohnehin nicht die große Verantwortungsbereitschaft zeigt und seine Italien Pläne schon weit gediehen sind, haut er einfach ab. Und wie so oft damals haben die Frauen das Nachsehen - und in diesem Fall auch einmal eine "höhere" Tochter, nicht immer nur die Mädchen aus dem Volk...

  • Meine Güte, auch dieser Abschnitt ist wieder zum lachen und zum weinen.

    Nicht nur Judith durchlebt ein Gefühlschaos, wir Leser bzw. Hörer auch.

    Wunderbar! Genauso ist es! Ihr lebt mit mir all das durch, was ich beim Schreiben in meine Figuren hineingelegt habe. Wie wunderschön!

  • Aber Hermione sagt Helene auch ganz klar, dass es nicht einfach wird diesen Weg zu gehen. Dieser jüngere Arztsohn ist halt nur ein vorüber gehendes Glück - ein dauerhaftes Glück in ihrem Alter noch zu finden ist fast Aussichtslos. Auch das macht sie Helene sehr deutlich klar.

    Hermione mag zwar eine Skandalnudel sein, aber dabei ehrlich und bodenständig.

    Hermione ist eine außerordentliche Person - sie wird am Anhang näher erläutert - denn es hat sie genauso gegeben! Teilweise habe ich ihr ihre eigenen Worte aus der Biografie in den Mund gelegt! Sie war Gast bei HAartungens und sie hatte 1903 diese Affäre mit dem wesentlichen jüngeren Christl - eigentlich wollte sie Heinrich Mann, aber der hat sich ihr immer wieder entzogen - Christl hat sie getröstet... aber lest weiter

  • Beide befinden sich einer Ausnahmesituation. Normalerweise muss Max wissen, was auf ihn zukommt, wenn er nicht mit irgeneinem Dienstmädchen "schnackselt", sondern mit einer aus der Gesellschaft ... aber da ihm eh schon alles egal ist, er ohnehin nicht die große Verantwortungsbereitschaft zeigt und seine Italien Pläne schon weit gediehen sind, haut er einfach ab. Und wie so oft damals haben die Frauen das Nachsehen - und in diesem Fall auch einmal eine "höhere" Tochter, nicht immer nur die Mädchen aus dem Volk...

    als Frau war man doch bei so was (fast) immer die gelackmeierte. Wenn man Glück hatte, hat der Mann sie geheiratet, aber wenn nicht, war nur sie diejenige mit dem Problem

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Vielleicht weil Wilhelm von der Hochzeit geschrieben hat und Helene ahnt, dass sie in ihrem Entschluss - sich Scheiden zu lassen - vielleicht wanken würde, wenn sie Judiths Briefe liest.

    Die Bindung zwischen Mutter und Tochter ist vielleicht enger, als die zu den Zwillingen?

    Judith war das erstgeborene Kind, dass war schon immer etwas besonderes.

    Genaul Hier entzieht sich Helene den Gefühlen und liest den Brief ihres Mannes zuerst. Sie braucht den Abstand, um sich zu sortieren und neu zu positionieren. Das ist schwierig, aber ich habe mir das gut überlegt. Es sind diese Dinge, die die Figuren auch anders machen - nicht nur so, wie wir man es erwarten würde. Und Judith ist 21 Jahre alt. Helene hat sie losgelassen.

  • Exakt so ist Helenes PSychogramm. Sie trifft ja zum ersten Mal in ihrem Leben eine eigenständige Entscheidung. Und sie hat Hermiones Worte tief in sich aufgenommen. Sie braucht ihre Kraft für den Neuanfang. Und sie lässt die erwachsene Tochter los - eigentlich ein richtiger Schritt. Mit den Jungs ist es anders - aber es sind eben Jungs und ihre fehlende Bindung zu den beiden - die sie ja "unter Zwang" bekommen musste, tut ihr übriges. Eigentlich war sowas eine Vergewaltigung -mit Billigung von Kirche und Gesellschaft.

  • Hélène sucht wie befürchtet (oder erhofft? Ich bin mir noch nicht so sicher.) einen Ausweg aus der Ehe und will ihren Mann verlassen. Dann bekommt sie den Brief. Hat sie Judiths Briefe danach wirklich nicht gelesen? Hier empfand ich sie zum ersten Mal auch wirklich als zu egoistisch! Ihr muss doch klar sein, dass das für Judith (egal ob eine gewollte oder ungewollte Ehe) ein krasser Schritt ist und sie sich ihre Mutter da an ihrer Seite wünscht... Ich hoffe ja, dass sie uns noch überraschen wird und die Fahrkarte nicht ungenutzt lässt.

    Helene polsarisiert. Das ist für mich sehr interessant. Lest weiter ...

  • Das zeigt eigentlich nur, wie wenig Wilhelm seine Tochter kennt bzw respektiert

    Es interessiert ihn schlichtweg nicht, was Judith denkt. Genausowenig hat ihn interessiert, was Helene empfunden und gedacht hat. Aber Judith ist stark, viel stärker als ihre Mutter. Diese Rebellion tut ihr gut - sie geht natürlich davon aus, dass Max ihr Gefühle entgegebringt und sie heiraten wird - hier ist sie noch zu sehr Kind ihrer Zeit und zu wenig lebenserfahren.

  • Mich freut diese Rebellion auch wirklich, weil ich der festen Überzeugung bin, dass es sie weiterbringen wird - auch in Zukunft vielleicht ein wenig selbstbewusster machen wird, wenn sie mit Männern umgeht, weil sie sich ein klein wenig von der Freiheit genommen hat, die ansonsten nur dem männlichen Geschlecht zu stehen. So braucht sie sich nicht untergeordnet fühlen. :)

    Mir hat es gut getan, sie das tun zu lassen ;-)) Nicht nur Friede Freude Eierkuchen - nein, es gibt auch andere Wege - die sind härte. Aber sie bringen letzten Endes viel weiter.

  • Eigentlich war sowas eine Vergewaltigung -mit Billigung von Kirche und Gesellschaft.

    Genau das habe ich mir gedacht, als ich über die Ehe von Helene mit Wilhelm nachgedacht habe.

    Die Sprecherin des Hörbuches tut ein übriges und bringt auch viel von Helenes Gefühlen, wenn sie an ihr Zuhause in Stuttgart denkt, in die Handlung ein.

  • Die Sprecherin des Hörbuches tut ein übriges und bringt auch viel von Helenes Gefühlen, wenn sie an ihr Zuhause in Stuttgart denkt, in die Handlung ein.

    Beate Himmelstoß ist perfekt für das Hörbuch. Ich habe Ausschnitte auch in der Lesung dabei, weil sie so wunderbar rezitiert. Ich selbst erlebe meinen Roman dadurch nochmal neu.

  • Da bin ich nicht so überzeugt...Helene hat ja schon anderes durchgesetzt wie die freien Tage für die Bediensteten. Abgesehen davon habe ich im Kopf, dass Helene ja gar nicht vor den Briefen weiss, dass Judith verheiratet werden soll. Das erfährt sie ja erst durch die Briefe.

    Wenn ich das richtig im Kopf habe, dann stand in dem Brief von Wilhelm, dass Helenes Anwesenheit jetzt zu Hause erforderlich ist, um die Hochzeit ihrer Tochter vorzubereiten. Darum schickt er ihr ja auch die Fahrkarte für Oktober, damit sie sich mit Judith zusammen um die Aussteuer und Hochzeit Vorbereitungen kümmern kann.

    Warum auch immer, denn ein Mitspracherecht hat sie ja eh nicht.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Das zeigt eigentlich nur, wie wenig Wilhelm seine Tochter kennt bzw respektiert

    Es interessiert ihn schlichtweg nicht, was Judith denkt. Genausowenig hat ihn interessiert, was Helene empfunden und gedacht hat. Aber Judith ist stark, viel stärker als ihre Mutter. Diese Rebellion tut ihr gut - sie geht natürlich davon aus, dass Max ihr Gefühle entgegebringt und sie heiraten wird - hier ist sie noch zu sehr Kind ihrer Zeit und zu wenig lebenserfahren.

    Weil Frauen nicht zählen?! Wer will schon wahrhaben, das die erste große Liebe ein Griff ins Klo war?

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Hélène sucht wie befürchtet (oder erhofft? Ich bin mir noch nicht so sicher.) einen Ausweg aus der Ehe und will ihren Mann verlassen. Dann bekommt sie den Brief. Hat sie Judiths Briefe danach wirklich nicht gelesen? Hier empfand ich sie zum ersten Mal auch wirklich als zu egoistisch! Ihr muss doch klar sein, dass das für Judith (egal ob eine gewollte oder ungewollte Ehe) ein krasser Schritt ist und sie sich ihre Mutter da an ihrer Seite wünscht... Ich hoffe ja, dass sie uns noch überraschen wird und die Fahrkarte nicht ungenutzt lässt.

    Helene polsarisiert. Das ist für mich sehr interessant. Lest weiter ...

    Ich finde es gar nicht so verabscheuenswert, was sie tut. Klar, aus heutiger Sicht ist es nicht nachvollziehbar, aber wenn man sich in ihre Zeit und Lage versetzt und überlegt, was man sonst für eine Chance gehabt hätte?! Eben. Keine.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)