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  • Hier ist Platz für Rezensionen zum Buch und Meinungen zur Leserunde allgemein, die Ihr nach der Leserunde schreiben wollt. Denkt bitte daran, dass Eure Rezensionen eine Art "Gegenleistung" für die Freiexemplare der Verlage sind. Es wäre deshalb schön, wenn sich hier möglichst alle beteiligen - ebenso ist ein Fazit zur Leserunde (gerne auch eines der Autorin) immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler und komplette Zusammenfassungen des Inhalts in den Rezensionen, da diesen Thread vielleicht auch Leute lesen, die "Grenzgänger" nicht gelesen haben, es aber noch tun wollen!


    Außerdem wäre es sicherlich für Mechtild Borrmann als auch den Droemer-Knaur-Verlag, der uns freundlicherweise Freiexemplare spendiert hat, schön, wenn Ihr Eure Rezensionen nicht nur hier, sondern auch auf anderen Internetseiten, Blogs und so weiter einstellen mögt.

    Bitte rezensiert das Buch auch auf unserer Hauptseite Literaturschock.de. Eine extra Anmeldung ist hierzu nicht nötig, Gastrezensionen werden manuell freigeschaltet.

  • Erziehung im Namen des Herrn

    Mechtild Borrman erschafft in ihrem Roman „Grenzgänger“ eine düsteres und sehr unbekanntes Kapitel der deutschen Geschichte.

    Henriette verliert nach dem Krieg durch Krankheit ihre Mutter und da ihr nach dem Krieg heimgekehrter Vater keine Hilfe ist, kümmert sie sich allein um ihre Geschwister. Da sie mit 14 noch keine wirkliche Arbeit annehmen kann und keine Arbeit mit der Betreuung ihrer drei Geschwister kompatibel ist, schmuggelt sie wie, viele in dieser Zeit, Kaffee über die belgische Grenze. Leider wird sie erwischt und durch einen Unfall kommt ihre Schwester Johanna ums Leben. Weil sich Henni wegen der Bezahlung ihres Vaters, der die die Stelle eines Küsters ausübt, aber nicht bezahlt wird, mit dem Pastor anlegt, wird sie in die Besserungsanstalt eingewiesen. Ihre Brüder kommen in ein katholisches Heim. Dort erleben sie mit, wie die Kinder von den dortigen Angestellten gequält werden, körperliche und psychische Gewalt ist an der Tagesordnung. Nachdem der ältere Bruder Matthias seine Lehrstelle verliert, flieht er zurück zum Vater, der ihn postwendend zurückschickt. Danach planen die Brüder gemeinsam mit ihrem Freund Thomas eine Flucht nach Italien. Thomas jedoch verrät, gequält mit der Wasserfolter wegen eines angeblichen anderen Deliktes, den Plan. Matthias wird ins „Loch“ gesperrt, der jüngere Bruder bricht sich bei der Prügelstrafe den Arm. Matthias holt sich im „Loch“ eine Lungenentzündung, an der er schließlich stirbt.

    Henni entflieht der Besserungsanstalt kurzzeitig, weil sie eine Stelle bei den Eheleuten Castrup bekommt, als sie in ihrer Freizeit nach Hause fährt erfährt sie von Matthias Tod, doch der Vater will ihr nichts genaues sagen und jagt sie vom Hof, ohne das sie erfährt, was mit ihrem anderen Bruder ist. Dieser flieht schließlich mit Thomas aus der Anstalt und macht eine Lehre zum Schreiner. Über viele Jahre hinweg bricht der Kontakt der Geschwister ab, als sie sich wieder sehen, erzählt Fried Henni von Matthias Tod. Henni, mittlerweile verheiratet, hat Kinder und hilft ihrem Mann in dessen Gärtnerei, will die Umstände ans Licht bringen und kann eine gerichtliche Anhörung durchsetzen. Weil die Zeugen manipuliert werden und Berichte aus dem Zusammenhang gerissen sind, endet die Anhörung ohne Ergebnis, nur Thomas erfährt dass die Heimleitung, Schwester Angelika, ihn angelogen hat, was den Tod seiner Mutter betrifft. Völlig verstört macht sich Thomas auf den Heimweg, ebenso Henni und Fried. Schwester Angelika kommt am gleichen Tag ums Leben, sie fällt vor einen einfahrenden Zug, Hennis Vater verbrennt in seinem Haus. Verdächtig ist nun Henni, da sie beide bei der Anhörung bedroht hat. Ihre Freundin Elsa aus Kindertagen kann mit dem Sohn des Zöllners, der damals Johanna getötet hat, Henni zumindest vom Vorwurf des Mordes an ihrem Vater freisprechen, des Todes von Schwester Angelika wird sie jedoch zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, obwohl angedeutet wird, dass Thomas in seiner Verstörtheit schuld ist. Nachdem sie ihre Schuld teilweise abgesessen hat, wird sie freigelassen und es gelingt ihr, ein ruhiges Leben zu führen.

    Mechtild Borrmann schafft es die düstere Seite der deutschen Heimvergangenheit auferstehen zu lassen. Stellvertretend für alle Heimkinder stehen Thomas, Fried, Matthias und Regine. Dabei sind die Umstände sehr glaubwürdig dargestellt und gut recherchiert. Ihr Schreibstil ist teilweise sehr sachlich, beinahe nüchtern, aber niemals ungenau. Konsequent gibt sie dem Leser mit ihrer Sprache einen festen Rahmen, teilweise sind es Andeutungen, die es dem Leser überlassen, die Andeutungen zu füllen. Damit zieht die Autorin den Leser sofort in ihren Bann und man ist „mitten drin“. Mit ihrer Geschichte und ihrem Schreibstil ist Mechtild Borrmann diesem schwierigen und eigentlich schwer aushaltbaren Thema absolut gerecht geworden, ein Buch das ein absolutes Muss darstellt, selbst als Schullektüre ist es vorstellbar. Auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung!



    Liebe Mechthild, liebe Mitleserinnen, vielen Dank für diese Leserunde. Es hat wirklich viel Spass gemacht und war sehr anregend. Ich freue mich sehr auf eine weitere mit euch!

    Gestreut wurde die Rezension auf Amazon und der Hauptseite *edit* auf der Hauptseite gibt es noch keine Rezensionsmöglichkeit, das wird nachgeholt, sobald möglich.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

    Einmal editiert, zuletzt von Senara von Nostria ()

  • Hier meine Rezension zu einem Buch, das mich wieder einmal sehr begeistert hat. Ich danke Dir, Mechtild für die Begleitung dieser wie immer unschlagbar eindringlichen und wertvollen Leserunde, gagamaus für die Organisation und allen Mitleserinnen für den spannenden Austausch!


    Hart und entbehrungsreich

    war das Leben in der Eifel unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg für Familie Schöning, die unmittelbar an der deutsch-belgischen Grenze lebt. Der Vater ist nicht mehr derselbe, nachdem er aus dem Krieg zurückgekehrt ist, er ist arbeitsunfähig, wendet sich Gott und vor allem der Kirche zu und kümmert sich überhaupt nicht mehr um seine Frau und die vier Kinder.


    Nach dem baldigen Tod der Frau und Mutter würde er die vier Kinder am liebsten ins Heim abschieben, doch Hennie, die Älteste, wehrt sich mit Händen und Füßen - zunächst erfolgreich, bringt sie doch gutes Geld nach Hause, das der Vater freilich zu einem großen Teil vertrinkt. Offiziell arbeitet Hennie in der Küche der örtlichen Gaststätte, aber was sie in Wirklichkeit tut, darf keiner erfahren: sie ist nämlich zum Teil der örtlichen Schmugglerbande geworden, die nächtens rübermacht nach Belgien, um dann mit in Deutschland immer noch kostbaren Waren zurückzukehren.


    Doch eines Nachts gibt es ein Blutbad - die Folge ist, dass Hennie in eine Besserungsanstalt und ihre Brüder in ein katholisches Heim eingewiesen werden.


    Beide Anstalten sind nicht gerade Tempel der Warmherzigkeit, ganz im Gegenteil und bei Schilderungen der Handlungen kirchlicher Würdenträger, die so gar nicht in Würde agieren, fühlt man sich an die Schilderungen aus Irland, wo die katholische KIrche allmächtig war, erinnert.

    Ein schönes und doch kein schönes Buch - das ist "Grenzgänger" von Mechthild Borrmann. Schön ist es natürlich in der Hinsicht, als dass die Autorin eine grandiose Schriftstellerin ist, die anspruchsvoll, gleichzeitig packend, spannend und mitreißend von der ersten bis zur letzten Zeile zu erzählen vermag und dabei einmal mehr großartige Recherchearbeit geleistet hat. Unschön, doch umso wichtiger ist das Thema: ein historisches Setting, in das die Handlung - also die Geschichte um Hennie - eingebettet ist.


    Ich als großer Fan der Autorin habe alle ihre bisherigen Spannungsromane gelesen, um nicht zu sagen, verschlungen - am meisten gefiel mir bisher "Der Geiger", in dem es um den sowjetischen Gulag geht, doch dieses so traurige wie faszinierende Buch steht dem in Nichts nach. Obwohl ich mich in der deutschen Nachkriegszeit, einer aus meiner Sicht sehr interessanten Epoche, recht gut auskenne, wurden mir hier Eindrücke vermittelt, die nicht unbedingt neu waren, mich aber die Geschichte so plastisch und gleichzeitig so schmerzlich wie noch nie erleben ließen.


    Und so traurig das Thema auch ist - Mechthild Borrmann schreibt stets mit einer ihr eigenen Zuversicht, auch mit einem gewissen Pragmatismus, der den Leser nach vorne schauen, ihn - mit gewissen Vorbehalten natürlich - optimistisch bleiben lässt. Obwohl es mir nach dieser Lektüre ganz ehrlich gesagt schwerfällt, noch an das Gute im Menschen zu glauben, trotz der wenigen starken und positiven Charaktere, die die Autorin auch in diesem Buch wieder agieren lässt - allerdings neben einigen andern, die ich nicht anders als teuflisch und von Grund auf Böse bezeichnen kann. Ein spannendes, aber auch kluges und wertvolles Buch, das ich von Herzen weiterempfehle!

    :buchtipp:
  • Als der Vater von Henriette und ihren drei Geschwistern nach zwei Jahren aus dem zweiten Weltkrieg kommt, ist er ein gebrochener Mann. Er kann seinen Beruf als Uhrmacher deshalb nicht mehr ausüben und verkriecht sich in Sprachlosigkeit und Tatenlosigkeit. Die Mutter und ihre älteste Tochter versuchen mit Putzarbeiten die Familie irgendwie über Wasser zu halten. Als die Mutter überraschend an einer nicht erkannten Eileiterschwangerschaft stirbt, glaubt Henni als Älteste, die Verantwortung läge nun auf ihren Schultern und sie verlässt die Schule und beginnt mit einer Gruppe Schmuggler über die Grenze zu ziehen, um dort Kaffee zu tauschen, für den hohe Preise in Deutschland gezahlt werden. Eine Weile geht das auch gut aber die Kontrollen werden immer strenger und Henni muss gefährlichere Wege gehen, um die Ware ins Land zu schaffen. Um in kürzerer Zeit mehr Geld zu verdienen, nimmt sie ihre zwei ältesten Geschwister mit auf einer Schmuggeltour und dabei geschieht ein Unglück. Danach gerät Hennis Welt endgültig aus den Fugen und sie und ihre Geschwister landen in Heim und Besserungsanstalt.


    „Grenzgänger“ ist wieder mal eines der scheinbar so schmalen Bücher von Mechtild Borrmann, die in Wahrheit immer große Schwergewichte sind, voller Tragik und Emotionen. Darauf sollte man vorbereitet sein, denn es ist anspruchsvolle und traurige Kost, die man zu lesen bekommt. Das Leben von Henriette und ihren Geschwistern ist hart und entbehrungsreich und der Tod der Mutter und die psychische Erkrankung des Vaters sind nur die ersten Stolpersteine, die es aber allen vier unmöglich machen, eine normale glückliche Kindheit zu erleben und die Erlebnisse im Heim sind so dramatisch, dass sie unauslöschliche Spuren auf den Kinderseelen hinterlassen – bei manchem sogar Schlimmeres.


    Dank intensiver Recherchearbeit kann Mechtild Borrmann die Situation in den damaligen Kinderheimen explizit am Schicksal der vier Kinder beschreiben. Die Zustände, die kinderfeindliche Atmosphäre, die drakonische Härte der Strafen, die Grausamkeiten, vor allem der katholischen Nonnen, aber auch das Unverständnis und die Borniertheit der Gesellschaft sind zentrales Thema dieser Geschichte. Ich war fassungslos, dass sowohl die katholische Kirche, als auch die Gerichte und sämtliche zuständigen Ämter zu keinem Zeitpunkt auch nur das geringste Gegen diese menschenunwürdigen ja gefängnisähnlichen Zustände in den Heimen getan haben. Weder glaubte man den Schilderungen der Kinder noch den Beschwerden der Ärzte, die ungewöhnliche Verletzungen der Kinder durchaus mal gemeldet haben. Ein Armutszeugnis für die damalige Gesellschaft und ein Spiegel, den man den kirchlichen Institutionen nicht oft genug vorhalten kann, um ihnen zu zeigen, was sie da verbrochen haben, im Namen Gottes noch dazu.


    Die Charaktere sind, wie immer bei Mechtild Borrmann, lebensecht und liebenswert geschildert, wodurch man umso mehr mitleidet mit den Kindern. Durch den trickreichen Wechsel in verschiedene Erzählstränge in unterschiedlichen Zeiten, wird nach und nach die ganze Lebensgeschichte von Henni aufgeblättert. Am Ende schließt sich ein Kreis, klärt sich manche Frage, erfüllt sich das Schicksal der Hauptpersonen.

    Ein Roman, welcher bei mir im besten Sinne lange nachwirkt und die volle Punktzahl und viele Leser verdient.


    :buchtipp:



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    Zeitgeschichte, die tief berührt


    Henni Schöning lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem kleinen Dorf an der deutsch-belgischen Grenze. Die Nachkriegsjahre sind hart und jede Familie muss zusehen wie sie über die Runden kommt. Die Situation der Schönings verschärft sich jedoch, als der Vater von Henni aus dem Krieg, in dem er als Bombenentschärfer war, zurück kehrt und nicht mehr in seinem Beruf als Uhrmacher arbeiten kann. Auch zu andere Arbeiten ist er nicht in der Lage. Er rettet sich täglich in die Kirche und ist ab da an nicht mehr für seine Familie als Familienoberhaupt hilfreich.

    So bleibt Hennis Mutter nichts anderes übrig für die Familie zu sorgen. Henni unterstützt ihre Mutter wo sie nur kann, doch dann geschieht ein Unglück. Die Mutter stirbt, noch in letzter Minute nimmt sie Henni noch ein letztes Versprechen ab. Sie soll für ihre Geschwister sorgen und für sie da sein. Lange Zeit zum überlegen bleibt ihr nicht, sie entscheidet sich, gutes Geld, welches die Familie dringend benötigt, mit dem Kaffeschmuggel zu verdienen. Es ist ein gefährliches Unterfangen, die Zöllner sind ihnen oft auf den Fersen.

    Als es zu gefährlich wurde, geht Henni durch das Hochmoor, weil die Zollbeamten sich dort nicht hinein wagen. Doch dann geschieht das, wovor jeder Schmuggler Angst hatte. Sie werden erwischt und Hennis Schwester wird erschossen.

    Nun macht Herbert Schöning Ernst, er steckt seine Kinder in ein kirchliches Heim. Henni wird 1951 zu einem Aufenthalt bis zu ihrer Volljährigkeit, in einer Besserungsanstalt verurteilt.

    Die jüngeren Geschwister, die im kirchlichen Heim untergebracht wurden, durchleben Höllenqualen. Und Matthias stirbt sogar an einer Lungenentzündung.

    Kann ihnen irgendjemand helfen, können sie sich selber befreien, oder wird alles unter einem Treppich des Schweigens vertuscht. Was ist die ganze Wahrheit?


    Meine Meinung:

    Über das Thema, worüber Mechthild Borrmann mit " Grenzgänger" schreibt, ist beim lesen schwer zu ertragen. Noch heute kämpfen Opfer, die in kirchlichen Heimen untergebracht waren, um Anerkennung der Misshandlungen, die ihnen angetan wurden.

    Der Schreibstil ist überragend in all seinen Facetten. Sehr einfühlsam schreibt die Autorin über das Leben von Henni und deren Familie. Der Kampf, den sie und ihre Geschwister kämpfen musste um nicht vollends am Erlebten zugrunde zu gehen. Die Schilderungen der Misshandlungen und Qualen, die die Kinder durch die christlichen Schwestern erleiden mussten, waren für mich kaum auszuhalten. Ich kann nicht verstehen, wie Schutzbefohlene in der Obhut einer kirchlichen Einrichtung, wie Abfall behandelt wurden.

    Es ist ein sehr spannender, emotionsgeladener und aufwühlender Roman, der mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

    Der letzte Satz, den die Autorin im Nachwort geschrieben hat lautet...

    ".... dieses Buch soll an all jene erinnern, deren Schicksal über Jahrzehnte ignoriert und geleugnet wurde und die bis heute darunter leiden." Sie hat mit vielen Betroffenen gesprochen und konnte so ein klares Bild über die damaligen Umstände zusammenfügen. Die Kunst, dies in einem Roman umzuwandeln ist ihr ausgezeichnet gelungen.


    Für mich hat Mechthild Borrmann den Opfer mit diesem grandiosen Werk ein Denkmal gesetzt. Sie ruft einem ins Gedächtnis, wie glücklich wir uns schätzen können, diese unfassbaren Zustände nicht erlebt haben zu müssen.

    Absolute Leseempehlung, ein Buch das in die Tiefe geht.





    Liebe Mechtild , vielen lieben Dank für dieses tolle Buch und das du uns begleitet hast. Es hat mir Spaß ( Spaß hört sich bei dem ernsten Thema doof an) mich mit dir und euch Mitleserinnen über so ein tiefgründiges Thema zu diskutieren. Ich werde mir jetzt erst einmal noch " Trümmerkind" kaufen. Ich muss noch mehr von Mechtild lesen:)


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    Liebe Grüße Kerstin

    3 Mal editiert, zuletzt von kessi69 ()

  • Liebe Mechtild,

    herzlichen Dank für die großartige Begleitung dieser Leserunde! Auch an alle Mitleserinnen: herzlichen Dank für die tollen Diskussionen und Gedankenanregungen. Lesen mit Euch allen ist wirklich unvergleichlich wertvoll!


    Meine Rezension


    Grenzgänger


    Mechtild Borrmann, Bestsellerautorin und bekannt durch Bücher wie „Trümmerkinder“ oder „Der Geiger“, greift in „Grenzgänger“ ein lange verdrängtes Kapitel Zeitgeschichte auf: die Zustände in kirchlichen Kinderheimen in der Nachkriegszeit.


    Sie erzählt uns die Geschichte von Henni und ihren Geschwistern. Henni muss jung Verantwortung für ihre Familie übernehmen: ihre Mutter verstarb früh, der Vater, durch den Krieg traumatisiert, war völlig unfähig, seine Kinder zu versorgen. Durch Kaffeeschmuggel an der deutsch-belgischen Grenze verdient sie ihren Lebensunterhalt und ermöglicht es, dass die Geschwister zu Hause bleiben dürfen. Als dann allerdings ein Unglück passiert, landet Henni in einer Besserungsanstalt und ihre jüngeren Geschwister werden in einem kirchlichen Kinderheim untergebracht. Damit beginnt ihr unfassbarer Leidensweg, denn anstatt Liebe und Fürsorge erfahren die Kinder Gewalt, systematische Misshandlungen und Erniedrigungen.


    Mechtild Borrmann erzählt ihre Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen. So werden die einzelnen Kapitel zu Puzzleteilchen, die erst am Schluss ein ganzes und erschütterndes Bild ergeben.

    Die Sprache ist klar und präzise, hat enorme Sogwirkung, denn der Leser ist sofort mitten in der Geschichte und leidet mit den Protagonisten mit. Die Formulierungen bleiben fast minimalistisch, ohne Übertreibungen, ohne überflüssige Wertungen beschränkt sich die Autorin auf das Erzählen der Schicksale. Übertreibungen sind bei diesen Geschichten auch keinesfalls notwendig, sie lassen niemanden unberührt.


    Selten habe ich so mitgelitten und selten habe ich mir so sehr ein Happy End gewünscht, wie bei der Lektüre dieses Buches. Vielleicht auch deshalb, weil mir von Anfang an klar war, dass zwar die einzelnen Figuren fiktiv sind, die geschilderten Erlebnisse jedoch nicht. Mechtild Borrmann hat in zahlreichen Gesprächen mit ehemaligen Heimkindern die Zustände genau recherchiert. Sie hat mit jenen Menschen gesprochen, die zum Teil auch heute noch unter diesen Erlebnissen leiden und auch unter einer Umwelt leiden, die dieses grausame Kapitel Sozialgeschichte jahrzehntelang bewusst ignoriert und totgeschwiegen hat.


    Mit diesem Buch haben sie endlich eine Stimme bekommen.


    LB

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  • Liebe Mechthild , liebe Mitleserinnen, auch ich möchte mich bei euch für diese tolle Leserunde bedanken. Das Buch hat mich rundum begeistert, ich freue mich darauf, auch die anderen Bücher von Mechthhild zu lesen. Aber erst mal ein bisschen sacken lassen...

    ————

    Erschütternd


    Inhalt:

    Henni gerät im jugendlichen Alter in eine sehr schwierige Situation. Ihre Mutter ist gestorben, ihr Vater ist schwer traumatisiert vom Krieg und nicht in der Lage, sich um seine vier Kinder zu kümmern. Henni sieht keine andere Möglichkeit, als sich den Kaffeeschmugglern anzuschließen. Nur mit dem dadurch verdienten Geld gelingt es ihr, sich und ihre Geschwister zu versorgen und zu verhindern, dass sie in ein Heim gegeben werden. Leider passiert bei einer Tour ein fürchterliches Unglück, das zur Folge hat, dass Henni in einer Besserungsanstalt untergebracht wird und die Geschwister in einem Kinderheim landen. Das ist der Anfang eines schrecklichen Leidensweges, denn die Kinder werden menschenunwürdig behandelt und für ihr Leben gezeichnet.


    Meine Meinung:

    „Grenzgänger“ war für mich das erste Buch von Mechthild Borrmann, aber gewiss nicht das letzte. Die klare und einfache Sprache hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Von Anfang an ist man mitten drin in der Geschichte und leidet mit den Protagonisten. Glücklicherweise gibt es auch einige Situationen, in denen man sich mit freuen kann. Trotz aller Tragik lockern humorvolle Szenen das Geschehen auf, was das Lesen erträglicher macht. Die Handlung wird in verschiedenen Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, sodass sich die Geschichte stückweise zu einem erschütternden Gesamtbild zusammenfügt. Die Anhörung und die Verhandlung um die Geschehnisse in den Heimen findet in den 70er Jahren statt. Es wird deutlich, dass die Kinder von damals, die mittlerweile erwachsen sind, immer noch an dem leiden, was sie damals erlebt haben. Die Zustände in dem katholischen Kinderheim haben mir die Tränen in die Augen getrieben. Es ist wirklich erschütternd, was den armen Kinderseelen angetan wurde - von „gottesfürchtigen“ Erzieherinnen. Die Personen sind fiktiv, die Geschehnisse allerdings sind wirklich passiert und lassen den Leser fassungslos und entsetzt zurück. Die Autorin hat Zeitzeugen interviewt und ihnen durch die Aufarbeitung dieses Tabuthemas Gehör verschafft.

    Die Charaktere sind authentisch und liebevoll gezeichnet. Henni ist ein tolles Mädchen, das genau weiß, was es will. Die Sorge um ihre Geschwister treibt sie an und lässt sie über sich hinauswachsen. Als erwachsene Frau vor Gericht ist sie noch immer um das Wohl ihrer Geschwister besorgt, was ihr zum letztendlich Verhängnis wird.

    Auch alle anderen Haupt- und Neben-Protagonisten haben mich überzeugt.

    So sehr man sich ein Happy End wünscht, man weiß doch, dass es keines geben kann.


    Fazit:

    Ein erschütternder, sehr emotionaler Roman, der noch lange nach dem Lesen nachwirkt.

    ————

    Streuliste:

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    Literaturschock-Forum

    buecher.de

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    Hugendubel (wartet auf Freischaltung)

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    Auf der Literaturschock-Hauptseite stelle ich die Rezension ein, sobald das Buch dort gelistet ist.

  • Hier kommt nun auch meine Rezension zu diesem wunderbaren, sehr aufrührenden Buch:

    Note 1 mit Sternchen: Seit Jahren schon steht die wunderbare Autorin Mechthild Borrmann ganz weit oben auf der Liste meiner Lieblingsautorinnen. Auch diesmal hat sie mich mit ihrem neuen Buch „Grenzgänger“ mehr als überzeugt.

    Die Story als solche spielt auf drei Zeitebenen, einmal in der Kindheit zur frühen und späten Nachkriegszeit sowie während zwei einschneidenden Ereignissen im Jahr 1970. Alle Schauplätze sind von einer Düster- und Traurigkeit überschattet, die einem zeitweise Tränen in die Augen treibt. Fast möchte man an ihrer Authentizität zweifeln, um sie besser verarbeiten zu können.

    Sie haben es wirklich nicht leicht, die vier Schönings-Kinder. Während es vor dem Krieg noch so etwas wie eine halbwegs heile Welt für die Familie gibt, droht diese nach der Rückkehr des Vaters aus dem Krieg auseinander zu brechen. Der Tod der Mutter bedeutet für die Kinder schließlich auch den Anfang eines wenig lebenswerten Lebens. Aber die junge Henni, älteste unter den vier Geschwistern, will nicht aufgeben. Mit allen Mitteln kämpft sie darum, die Geschwister vereint zu halten. Doch was vielversprechend beginnt, endet schlussendlich in einer Katastrophe. Die verbleibenden Geschwister kommen ins Kinderheim und Henni selbst in eine sogenannte Besserungsanstalt. Die Zustände in beiden Einrichtungen haben mir fast die Luft zum Atmen genommen. Dass es dort streng zu ging, war für mich kein Geheimnis. Die Grausamkeiten, die dort jedoch unter anderem im Namen der Kirche stattfinden, spotten jeder Beschreibung. Den Kindern widerfährt eine körperliche und auch seelische Grausamkeit, an der sie zerbrechen, die einem von ihnen sogar das Leben kostet. Als sich schließlich für Fried und Henni die Sonne ein wenig am Horizont zeigt, droht die Vergangenheit sie wieder einzuholen. Wird hier je Gerechtigkeit gesprochen werden?

    Atmosphärisch dicht und sehr eindringlich erzählt Frau Borrmann Hennis Geschichte, die ich wohl noch lange mit mir tragen werde. Wer keine Angst vor der Wahrheit hat, dem lege ich dieses Buch ans Herz. Von mir bekommt das Buch die Bestnote!


    Mechthild ... an dieser Stelle möchte ich mich bei dir für das Buch und die tolle Begleitung in dieser Leserunde bedanken. Ich würde mich fast als Fan der ersten Stunde betrachten, wenn ich auch noch nicht alle deine Bücher gelesen habe. Als ich dich live erleben durfte, konnte ich es direkt spüren, wie du dich mit deinem jeweiligen Roman identifizierst ... einfach klasse!

    Vielen Dank auch an meine Mitleserinnen und natürlich an den Verlag für die Bereitstellung der Bücher.


    Meine Rezension streue ich wie folgt:


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    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Henni ist das älteste Kind der Schönings und lebt mit ihren Eltern und den drei jüngeren Geschwistern in Velda, einem Dorf nahe der Stadt Monschau in der Eifel. Der Vater wurde in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs als Bombenentschärfer eingesetzt, was das Leben in den Jahren nach der Kapitulation trotz seiner Rückkehr nicht besser macht. Als Jugendliche muss Henni daher früh mit anpacken und ihrer Mutter helfen, die Familie über Wasser zu halten...

    Aufgrund der Nähe zur belgischen Grenze ergibt sich schon bald eine Gelegenheit, die die gradlinige wie mutige Henni nach einem weiteren heftigen Schicksalsschlag nicht ausschlagen kann: 10 bis 15 kg Kaffeebohnen bringen den Wochenlohn eines Arbeiters ein und so macht sich die Vierzehnjährige gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern auf den beschwerlichen nächtlichen Weg durch das Hohe Venn hinüber zu einem belgischen Bauernhof.

    Als der Schmuggel auch Banden anlockt und durch das anschließende Aufrüsten des Zolls immer gefährlicher wird, geschieht schließlich ein Unglück. Dieses wiegt so schwer, dass Henni ihre Familie nicht mehr zusammenhalten kann...


    Während Mechtild Borrmann immer wieder von den Ereignissen der Nachkriegsjahre erzählt und dabei vor allem Henni im Mittelpunkt steht, gibt es noch weitere Ebenen, die ihren Teil zum Roman beitragen: zum einen ist die Schilderung von Elsa, einer früheren Nachbarin und Hennis bester Freundin, ganz entscheidend, zum anderen die bruchstückhaften Erinnerungen von Thomas, einem Mann, der inzwischen in Lüttich lebt. Die Autorin schafft mit diesen unterschiedlichen Perspektiven eine in sich verwobene Geschichte, die gleichzeitig zeigt, dass Geschehnisse von verschiedenen Menschen völlig unterschiedlich gesehen und bewertet werden können.

    Als Henni in den 70ern in Aachen der Prozess gemacht wird, haben beispielsweise viele Bewohner Veldas ihre ganz eigene Meinung - die häufig das eigene Handeln in der Nachkriegszeit völlig außer Acht lässt.


    Über die Geschichte selbst will ich nicht zu viel verraten - nur, dass sie sehr spannend ist, weil sie die Ereignisse nur nach und nach offenlegt und man lange im Unklaren ist, was zur Anklage gegen die mittlerweile achtunddreißigjährige Henni geführt hat. Allerdings muss ich auch gestehen, dass die Lektüre ganz und gar keine einfache ist, denn die Erlebnisse von Henni und ihren Geschwistern sind mitunter nur schwer zu ertragen. Dennoch finde ich, dass die Heimerziehung der 50er und 60er Jahre diese Aufmerksamkeit dringend benötigt, hat sie doch für reichlich traumatisierte Menschen gesorgt, die noch heute mit dem Erlebten kämpfen und irgendwie fertig werden müssen. Mechtild Borrmann verleiht diesen Menschen mit ihren fiktiven Romanfiguren eine Stimme und - das ist für mich mit der bedeutsamste Aspekt - erzählt mit einer sehr verdichteten, wunderschön literarischen Sprache eine Geschichte, die mich des Öfteren kopfschüttelnd über dem Buch verharren hat lassen.


    Zitat

    Ihr Lachen ist im Gedächtnis geblieben. Ein Lachen, so voll und satt, dass es jeden Raum ausfüllte und das die Lehrerin gleich im ersten Schuljahr schmutzig nannte, weil es immer ein wenig abfällig klang. Aber das war es nicht.

    Jahre später, als das Gehör empfindsam für Nuancen war, konnten die, die sie gut kannten, es heraushören: die Verzweiflung und den gleichzeitigen Lebenshunger. Diese beiden Gewichte in ihr, die sie ihr Leben lang mit der Präzision einer Apothekerwaage austarieren und halten musste.

    Lange hat die Balance gehalten, indem sie jedem Gramm Lebensfreude das doppelte Gewicht zusprach. Zum Schluss hat auch das nicht gereicht.

    (aus dem Prolog)


    Ein beeindruckender Roman, der mich aufgewühlt hat und der noch lange in mir nachhallen wird.


    Volle Punktzahl und eine unbedingte Leseempfehlung!


    Die Links:

    Literaturschock-Forum

    Goodreads

    Amazon

    (weitere folgen nach Freischaltung)

  • Mechtild Auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank für Deine Begleitung bei unserer Leserunde. Es hat sehr viel Spaß gemacht - trotz des beinharten Inhalts.

    Außerdem habe ich mich sehr gefreut, Dich gestern kurz kennenzulernen. Ich hoffe sehr, dass nicht nur "Grenzgänger" viele Leser*innen findet, sondern auch viele Menschen den Weg zu einer Veranstaltung mit Dir, denn mir hat Deine Lesung sehr gut gefallen.

    Nun wünsche ich Dir erst einmal viel Erfolg mit Deinem Roman und für Dein nächstes Projekt ebenso viel Freude beim Recherchieren und Schreiben! Und - last but not least - hoffe ich natürlich, dass wir uns dann wieder lesen. Bis dahin alles Gute für Dich!