01 - Seite 7 bis einschl. Seite 82 (bis einschl. Kapitel 10)

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  • Hallo liebe Mechtild, liebe MitleserINNEN,


    hier treffen wir uns zum ersten Abschnitt der Leserunde zu dem Buch "Grenzgänger". Ich begrüße alle TeilnehmerINNEN und ganz besonders die Autorin. Liebe Mechtild, schön, dass Du unsere Runde wieder begleitest!


    Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Informationen zu Leserunden und auch die Ausführungen zur Netiquette durch.


    Postet hier bitte erst, wenn Ihr zu lesen angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereits, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.

    Auch ist es nicht nötig, den Inhalt nachzuerzählen, wir lesen ja alle das gleiche Buch ;)


    Wenn Ihr erst ein paar Tage später in die Leserunde einsteigen könnt, gebt bitte hier oder per PN an den Moderator kurz Bescheid, denn eigentlich sind insgesamt ca. 2 Wochen dafür gedacht.

  • Liebe Mechtild, liebe Mitleserinnen,


    ich habe nun den ersten Teil gelesen und war gleich mitten drin im Geschehen auf dem Hohen Venn - ich wohne ja in Köln und da ganz im Westen, wir haben die Eifel (bzw. zumindest die Autobahn dahin) quasi vor der Haustür. Dass dort nach dem Krieg fleissig geschmuggelt wurde, ist natürlich bekannt und ich habe auch schon einige entsprechende Dokumentationen im Fernsehen gesehen, wo ersichtlich war, dass oft sehr junge Menschen mit von der Partie waren. So, wie es sich hier für Henni abzeichnet.


    Ich bin wirklich ganz fertig nach diesem ersten Teil, es ist ungeheuerlich, wie passiv sich der Vater verhält, dass er gar nicht um seine Kinder kämpft! Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand auch innerlich so kraftlos ist, dass er den Kopf in den Sand steckt, wenn es um die eigenen Kinder geht. Aber der Krieg hat wohl so viele verschiedene grauenhafte Folgen gehabt, dass dies nur eine kleine Facette davon ist.


    Henni ist hingegen mutig und furchtlos und erhält durchaus Unterstützung im Dorf. Es ist echt heftig, dass sich der Pfarrer das Geld für die Küsterstelle offenbar in die eigene Tasche gesteckt hat und schlau von Henni, dem auf den Grund zu gehen. Auf der anderen Seite hat sie nun wohl einen Feind mehr, der ihr das Leben schwer machen wird.


    Und dann brennt Hennis Elternhaus.
    Und es scheint ein Opfer gegeben zu haben, einen von Hennis Brüdern, weswegen Henni offenbar angeklagt ist - wobei wir wahrscheinlich in der Geschichte noch voranschreiten müssen, um die vollständigen Zusammenhänge zu begreifen.


    Ich finde es bereits jetzt so spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen kann und brenne darauf, zu erfahren, wie sich die Dinge so entwickeln.


    Velda scheint aber ein fiktiver Ort zu sein? Beim Googeln habe ich nur Boxspringbetten mit diesem Namen gefunden!

  • Guten Abend liebe Mechtild, liebe Mitleserinnen!


    Eigentlich sagt das vorangestellte Zitat von Goethe schon fast alles "...sein Innerstes wird unwiderstehlich nach seinem Schicksale gezogen". Genau so kommt mir diese Geschichte vor! Sie hat Sogwirkung und alles läuft auf ein, möglicherweise zwei große Ereignisse hin.


    Es ist eine geniale Idee, auf drei verschiedenen Zeitebenen zu erzählen: 1945 und später, Frühjahr 1970 und Herbst 1970 und auch die Perspektiven ändern sich: einerseits Elsa und andererseits Thomas. Und beide berichten bzw denken an Ereignisse und Erlebnisse, die alles andere als einfach und gut waren. Es sind die perfiden Grausamkeiten denen Thomas ausgeliefert war, die Art, wie Kinder "gebrochen" wurden - und das Wissen, dass es nicht nur Geschichten sind, sondern ein Kapitel Zeitgeschichte... wie schrecklich.

    Elsa hingegen berichtet bis jetzt aus der Position der Beobachterin, was alles vor und dann rund um den Tod von Hennis Mutter passiert ist. Sie ist die subjektive Beobachterin, die Partei ergreift.


    Henni - die eigentliche Hauptperson. Kämpferisch und mutig wird sie beschrieben, ein junges Mädchen, das sagt was sie denkt. Immer und ohne Rücksicht auf Verluste. Ihre Vorstellung im Prolog hat mir extrem gut gefallen. So traurig der Satz "...indem sie jedem Gramm Lebensfreude das doppelte Gewicht zusprach. Zum Schluss hat auch das nicht gereicht."


    Der erste Abschnitt ist gelesen und er lässt mich unheimlich traurig zurück, es ist eine zutiefst emotionale Geschichte und Mechtild versteht es wirklich, Gefühle zwischen den Zeilen fassbar zu machen.


    Liebe Mechtild, ganz zu Beginn schreibst Du von der Anhörung in Sachen Matthias Schöning und dem Prozess gegen Henni Bernhard. Waren das reale Personen? Oder sind die Personen fiktiv, die Schicksale jedoch gelebt?

    Und wie bist Du auf dieses Thema gekommen? Könntest Du uns dazu ein paar Informationen geben - das wäre nett von Dir!

    :)


    Und noch etwas (weil so eine Leserunde etwas besonderes ist und auch besondere Möglichkeiten bietet)... ich wurde beim Lesen schon wirklich traurig, so trist und beklemmend schilderst Du die Lebensgeschichten. Wie ist es Dir beim Schreiben damit ergangen? Wenn das zu persönlich ist, dann bitte einfach ignorieren...

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()

  • Ich bin wirklich ganz fertig nach diesem ersten Teil, es ist ungeheuerlich, wie passiv sich der Vater verhält, dass er gar nicht um seine Kinder kämpft! Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand auch innerlich so kraftlos ist, dass er den Kopf in den Sand steckt, wenn es um die eigenen Kinder geht. Aber der Krieg hat wohl so viele verschiedene grauenhafte Folgen gehabt, dass dies nur eine kleine Facette davon ist

    Das Verhalten des Vaters ist wirklich ungeheuerlich. Er verfällt dem Glauben bzw der Kirche und kümmert sich um sonst gar nix mehr. Und Beten wärmt wirklich keine Stube. Dass er dann aber so freiwillig seine Kinder hergeben will, das ist wirklich grausam. Natürlich ist es eine der grausamen Folgen des Krieges, das weiß ich schon auch - verstehen kann ich es trotzdem nicht!


    Und es scheint ein Opfer gegeben zu haben, einen von Hennis Brüdern, weswegen Henni offenbar angeklagt ist - wobei wir wahrscheinlich in der Geschichte noch voranschreiten müssen, um die vollständigen Zusammenhänge zu begreifen.

    Ich bilde mir ein, etwas von zwei Mordopfern gelesen zu haben. Ich weiß allerdings nicht, ob der Brand bzw die Brandstiftung 2 Todesopfer gefordert hat oder ob da zwei andere Morde gemeint sind.


    Es ist fürchterlich spannend, wenn die einzelnen Kapitel zu Puzzleteilchen werden und wir so nach und nach immer mehr Fakten und Aspekte erfahren.

  • gagamaus : natürlich warte ich auf Euch - es soll doch eine Diskussion sein und ich selber mag es auch nicht, wenn andere vorpreschen. Ich hab nur den allgemeinen Teil nicht gelesen und somit nicht gewußt, dass die ebooks noch nicht verschickt wurden.

    Jetzt warte ich mal auf die nächsten Einträge und freu mich auf die Diskussion.

    Schönes Wochenende!

    :blume:

  • Ich mache auch langsamer, ich habe nur schonmal losgelegt, weil es bei mir sonst etwas knapp wird mit der Zeit. Aber ich hoffe, es ist ok, wenn ich jetzt - wo es gerade frisch ist - schon mal auf ysas Post antworte. Natürlich melde ich mich dann später auch noch!

  • Elsa hingegen berichtet bis jetzt aus der Position der Beobachterin, was alles vor und dann rund um den Tod von Hennis Mutter passiert ist. Sie ist die subjektive Beobachterin, die Partei ergreift.

    Und gerade das finde ich so sympathisch. Sie steht voll und ganz hinter Henni!

    Henni - die eigentliche Hauptperson. Kämpferisch und mutig wird sie beschrieben, ein junges Mädchen, das sagt was sie denkt. Immer und ohne Rücksicht auf Verluste. Ihre Vorstellung im Prolog hat mir extrem gut gefallen.

    Ja, mir ging es genauso, eine sehr tapfere Person. Da sie so emotional ist, kann das schnell gefährlich werden!

    Es ist fürchterlich spannend, wenn die einzelnen Kapitel zu Puzzleteilchen werden und wir so nach und nach immer mehr Fakten und Aspekte erfahren.

    Genau, und ich bin schon wahnsinnig gespannt auf den nächsten Teil!

  • Hallo zusammen,

    ich habe gerade erst mit dem Buch anfangen können...


    Elsa tut mit leid. Ich frage mich, ob ihr Vater ihr fehlgebildetes Bein auch so ignoriert hätte wenn sie ein Junge und kein Mädchen gewesen wäre...


    Hier wird ja auch direkt im ersten Kapitel die Frage aufgeworfen wie wir Menschen uns unsere Erinnerungen bilden...ein spannendes Thema. Natürlich auch für die Justiz, wenn man sich fragt, welche Qualität Zeugenaussagen haben. Wie verlässlich sind unsere Erinnerungen? Wie war es wirklich und wie wollen wir vielleicht das es war...


    Bin sehr gespannt, wie es weitergeht...

  • Wir haben beschlossen, noch bis übermorgen zu warten, damit unsere ebookler auch mitmachen können ;)

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ihr Lieben,


    einige der Fragen, die hier gestellt wurden kann ich wohl schon beantworten, ohne für die die später eingestiegen sind etwas vorweg zu nehmen.

    @ gagamaus: Velda ist ein erfundener Name. In diversen Eifeldörfern wurde das Familieneinkommen mit dem Schmuggel von Kaffee aufgebessert, denn man konnte mit 10-15 Kilo Kaffee den Wochenlohn eines Arbeiters verdienen. Mir ging es darum, an diesem Dorf "das gemeinsame Erinnern" in solchen Gemeinschaften aufzuzeigen. Dazu habe ich den Erzählstrang der Elsa eingebaut, die die "Dorferinnerung" immer wieder zurechtrückt.

    ysa: Die Personen sind fiktiv. Mir ging es darum von den dramatischen Ereignissen an der deutsch-belgischen Grenze unmittelbar nach dem Krieg zu erzählen und gleichzeitig von dem Schicksal vieler Heimkinder in jener Zeit. Dazu habe ich mit ehemaligen Heimkindern gesprochen und mit Menschen, die die Schmuggelzeit im Grenzgebiet erlebt haben.

    Ich brauche für meine Bücher immer gut ein Jahr zur Recherche und in dieser Recherche waren es die Gespräche mit den ehemaligen Heimkindern, die mir sehr zugesetzt haben. Im späteren Schreibprozess ist es dann so, dass ich meine Eindrücke verarbeite indem ich meine Sprache dafür finde.

    artepsponk: Das Thema "Erinnerung" in ein wichtiges Motiv in dem Buch, aber darüber müssen wir später sprechen;)

    Jetzt erst einmal allen eine spannende Lesezeit.

    Liebe Grüße


    Mechtild

  • Hallo liebe Mechthild und Mitleserinnen,


    Ich finde das es ein ziemlich starker Einstieg gewesen ist,denn man ist gleich mitten im Geschehen. Auch die Aufteilung der drei Erzählstränge, gefällt mir gut. So lernt man die wichtigsten Protagonisten intensiver kennen.


    Elsa hat es schwer getroffen, glaubte sie noch als junges Mädchen keinen Mann mit ihrer Behinderung ( humpeln, durch das zu kurze Bein) zu finden , hatte sie doch einen liebevollen Mann. Leider ist dieser viel zu früh gestorben. Sie steht eindeutig auf der Seite von Henni und verteidigt diese auch, wenn die Tratschbasen aus dem Dorf über sie herziehen. Sie ist auch über die Berichterstattung in diversen Zeitungen sehr erbost. Ja so ist es leider mit sensationssüchtigen Journalisten, die ihre Story gerne etwas ausschmücken um die Artikel interessanter zu machen.

    Durch Die bekommen wir in Hennis Leben einen Einblick, wie sie alles in Erinnerung hat. Sie ist dazu bereit, dem Jurastudenten Jürgen Loose, alles an Informationen über Henni und die gesamte Lebenslage zu erzählen. Ich hoffe, dass Loose etwas erreichen kann.


    Thomas, der schon als Kleinkind ins Heim gekommen ist. Oh das tat beim Lesen weh, zu erfahren, was so ein kleiner Wurm durchmachen musste. Diese Methoden sind ja bekannt, aber ich kann einfach nicht begreifen, wie Ordensschwestern ihren Schutzbefohlenen so etwas antun konnten. Das verschlägt mir immer wieder aufs Neue die Sprache und macht mich richtig wütend :teufel: . Davon steht nichts in der Bibel, wo also haben sie das her, zu glauben, auf diese Art Kinder erziehen zu können.

    Ihm das Schaukeln auszutreiben, welches ihm Trost spendete, ist nur eine der grausamen Misshandlungen. Schläge, stundenlanges knien und beten und und und. Da kann ich es gut verstehen, dass er ungerne Fried seiner Bitte nachkommt, zur Anhörung zu kommen. In den Ort, wo er nie wieder hin wollte.


    Eines habe ich nicht ganz verstanden. Fried sagt zu Thomas.....

    »Henni hat es geschafft. Es wird wegen Matthias eine Anhörung im Amtsgericht Aachen geben. Du musst kommen und aussagen.«

    Ich denke es wird da noch eine Auflösung geben, aber es hieß doch, Henni äußert sich nicht und arbeitet nicht mit ihrem Anwalt zusammen. Oder habe ich etwas überlesen? Wie hat sie es also geschafft?


    Und nun zu Henni, ein tapferes mutiges Mädchen, vor der ich jetzt schon den Hut ziehe. Sie setzt sich gegen ihren Vater durch und will dafür kämpfen, dass sie und die Geschwister im elterlichen Haus bleiben.

    Für den Vater habe ich nur bedingt etwas Mitleid. In einem Entschärfungs Kommando arbeiten zu müssen muss schrecklich gewesen sein. Ständig die Angst, nur ein klitzekleiner Fehler und das war's. Aber wieder Zuhause, sich von der Familie abzuwenden und nur noch in die Kirche gehen, dafür habe ich kein Verständnis. Henni hat es so schon schwer genug und es tat mir unendlich leid, dass sie schon so ein großes Paket tragen muss. Der schmerzliche Verlust der Mutter, der letzte Satz, Henni muss sich um die Kinder kümmern und die Hiobsbotschaft, alle sollen ins Heim und Henni zur Tante, ist einfach zu viel. Aber sie steckt nicht den Kopf in den Sand. Sie schreibt dem Bischof und als sie das Gespräch beim Gastwirt belauscht, sieht sie ihre Chance gekommen, mehr Geld für die Familie zu verdienen.

    Ich hätte ihr so gerne gewünscht zum Gymnasium gehen zu können, aber so waren leider die damaligen Zeiten.


    Mechtild , du schreibst doch von dem Hochmoor, wo die Schmuggler durch sind um die Waren zu schmuggeln. Ich glaube Mal gelesen zu haben, dass dabei auch einige ums Leben gekommen sind. Gerade diejenigen, die sich nicht besonders im Hochmoor auskannten. Und das es den Verfolgern oftmals nicht gelungen ist die Schmuggler so schnell zu verfolgen, da sie sich nicht auskannten.


    Dann schreibst du oben, dass du Gespräche mit ehemaligen Heimbewohnern geführt hast. Das stelle ich mir unglaublich schwer vor, ist es doch ein hochsensibles Thema, in denen die Betroffenen gedanklich in die Vergangenheit reisen mussten.


    Bin jetzt gespannt wie es weiter geht, ist jetzt schon spannend.

  • Henni - die eigentliche Hauptperson. Kämpferisch und mutig wird sie beschrieben, ein junges Mädchen, das sagt was sie denkt. Immer und ohne Rücksicht auf Verluste. Ihre Vorstellung im Prolog hat mir extrem gut gefallen.

    Ja, mir ging es genauso, eine sehr tapfere Person. Da sie so emotional ist, kann das schnell gefährlich werden!

    Es ist fürchterlich spannend, wenn die einzelnen Kapitel zu Puzzleteilchen werden und wir so nach und nach immer mehr Fakten und Aspekte erfahren.

    Genau, und ich bin schon wahnsinnig gespannt auf den nächsten Teil!

    Henni ist unglaublich, so kämpferisch und mutig. Sich gegen den Vater und dem Pastor aufzunehmen, dass ist mehr wie mutig. Sie wurde dazu von ihrer eigenen Verzweiflung angetrieben. Ich hätte vielleicht gar keinen klaren Gedanken fassen können, doch sie bleibt besonnene und handelt prompt.


    Wenn die einzelnen Kapitel zu immer mehr Puzzle Teile werden, gefällt mir auch gut. Manchmal macht mich das wahnsinnig, weil ich dann nicht schnell genug weiterlesen kann:totlach:

  • Was sich von Anfang an durch das Buch zieht ist, dass Kinder damals gerade bei den öffentlichen Einrichtungen - Schule und Kinderheim - keinen hohen Stellenwert hatten und man die Kinder am liebsten mit Drohungen und Strafen erzogen hat. Das beginnt bei dem Lehrer, der Henni rügt und ausschimpft, ohne zu hinterfragen, warum so ein gescheites Mädel plötzlich in der Schule nachlässt und Unterricht versäumt. Und es geht weiter beim Pfarrer - der ist sowieso eine krätzige Nummer - der die Kinder einfach mal ins Heim abschieben will, kaum, dass die Mutter tot ist und dann die Schwestern im Kinderheim, die wirklich das Allerletzte sind.


    Aber es gibt immerhin ab und zu einen Lichtblick. Als die zwei Jungs aufgegriffen werden kommen sie ja in eine Institution, wo sie sich wohl fühlen. Und es gibt noch so Leute wie den Wirt, der Henni helfen will und sie nicht gleich wegschickt. Auch wenn Schmuggeln nicht unbedingt die beste Art ist, um für eine 14jährige Geld zu verdienen.


    In letzter Zeit habe ich so einiges über Kriegstraumata gelesen. Z.B. im letzten Buch von Daniela Ohms, wo der junge Mann wirklich völlig durch den Wind war. Und auch im Buch von Kristin Hannah hat ein Vater schwere seelische Verletzungen und schlägt seine Frau und seine Tochter, als er zurückkommt, weil er den Krieg nicht verarbeiten kann. Und in Babylon Berlin hat Gereon Rath ja das große "Zittern" deswegen. Also es gibt viele Arten. Der Vater von Henni ist nicht mehr recht lebensfähig und nur der Glaube gibt ihm noch Halt. Das ist für uns Außenstehende natürlich schlimm zu lesen aber der arme Mann kann nichts dafür. Leider gab es damals noch keine Psychotheraphien für diese seelischen Verletzungen. Man kann froh sein, dass er die Familie nicht schikaniert und schlägt. Das gab es sehr häufig.

    Und er hätte ja seinen Beruf versucht auszuüben. Aber das bekannte Zittern hat das Verhindert und zum Erlernen eines neuen Jobs war er einfach nicht fähig.


    Henni muss schon sehr viel Verantwortung übernehmen in jungen Jahren. Das wird Spuren bei ihr hinterlassen.


    Dass Henni von außen ganz anders gewirkt hat und als Querulantin und schwierig galt, tut mir richtig weh. So schnell ist der Ruf ruiniert - ganz grundlos.

  • Eines habe ich nicht ganz verstanden. Fried sagt zu Thomas.....

    »Henni hat es geschafft. Es wird wegen Matthias eine Anhörung im Amtsgericht Aachen geben. Du musst kommen und aussagen.«


    Ich denke es wird da noch eine Auflösung geben, aber es hieß doch, Henni äußert sich nicht und arbeitet nicht mit ihrem Anwalt zusammen. Oder habe ich etwas überlesen? Wie hat sie es also geschafft?

    Ich glaube, das wird sich im Laufe der nächsten Seiten noch auflösen - hoffe ich halt.

    Das erste Gespräch fand ja im Frühjahr 1970 statt und der Prozess gegen Henni, wo sie sich überhaupt nicht äußert, findet im Herbst 1970 statt. Es wird sehr spannend zu erfahren, was im Frühsommer tatsächlich passiert ist. In welchem Zusammenhang Henni zu den zwei Toten steht und warum sie deshalb angeklagt wird.


    Das ist für uns Außenstehende natürlich schlimm zu lesen aber der arme Mann kann nichts dafür. Leider gab es damals noch keine Psychotheraphien für diese seelischen Verletzungen. Man kann froh sein, dass er die Familie nicht schikaniert und schlägt. Das gab es sehr häufig.

    Damit hast Du natürlich recht, gagamaus, viele Männer litten unter diesen Traumata. Aber ich finde diese Vernachlässigung der Familie nicht weniger schlimm als beispielsweise Schläge. Wer in diesem Zusammenhang völlig versagt, ist der Pastor. Anstatt ihm zu helfen, nützt er Hennis Vater auch noch aus.

    Dass Henni von außen ganz anders gewirkt hat und als Querulantin und schwierig galt, tut mir richtig weh. So schnell ist der Ruf ruiniert - ganz grundlos.

    Tja... da muss sich jeder von uns bei der eigenen Nase nehmen - neigen wir nicht alle dazu, unsere Vorurteile gewissenhaft zu hegen und zu pflegen?

  • Tja... da muss sich jeder von uns bei der eigenen Nase nehmen - neigen wir nicht alle dazu, unsere Vorurteile gewissenhaft zu hegen und zu pflegen?

    Ich würde es ja nicht als Vorurteil sondern als vorschnelles Urteil bezeichnen. Und gerade die "Pädagogen" sollten da vorsichtiger damit sein und noch dazu bei Kindern und Halbwüchsigen, die ja noch in der Entwicklung sind. Also das wusste man sicher damals auch schon. Aber die Zeiten waren natürlich noch andere und Kindererziehung vor allem autoritär.

  • Es sind die perfiden Grausamkeiten denen Thomas ausgeliefert war, die Art, wie Kinder "gebrochen" wurden - und das Wissen, dass es nicht nur Geschichten sind, sondern ein Kapitel Zeitgeschichte... wie schrecklich.

    Ich habe ja shcon einiges über die Kinderheime gelesen. Aber die perfiden Strafen die die Erzieher ersinnen, schockieren mich jedes Mal aufs Neue. Also nicht nur, weil sie gegen Kinder angewendet werden sondern ganz allgemein gegen andere Menschen. Heute vermutet man so was ja eher in Guantanamo. :o

  • Ich bilde mir ein, etwas von zwei Mordopfern gelesen zu haben. Ich weiß allerdings nicht, ob der Brand bzw die Brandstiftung 2 Todesopfer gefordert hat oder ob da zwei andere Morde gemeint sind.

    Der Vater und noch jemand sind die Opfer, denke ich. So ganz kommt das ja erst nach und nach heraus.

  • Und es scheint ein Opfer gegeben zu haben, einen von Hennis Brüdern, weswegen Henni offenbar angeklagt ist - wobei wir wahrscheinlich in der Geschichte noch voranschreiten müssen, um die vollständigen Zusammenhänge zu begreifen.

    Ich bilde mir ein, etwas von zwei Mordopfern gelesen zu haben. Ich weiß allerdings nicht, ob der Brand bzw die Brandstiftung 2 Todesopfer gefordert hat oder ob da zwei andere Morde gemeint sind.

    Ich bin auch Dr Meinung von zwei Opfern gelesen zu haben, darum war ich etwas verwirrt, als am nächsten Tag nur der Vater von Henni gefunden wurde.