01 - Seite 7 bis einschl. Seite 82 (bis einschl. Kapitel 10)

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  • Es sind die perfiden Grausamkeiten denen Thomas ausgeliefert war, die Art, wie Kinder "gebrochen" wurden - und das Wissen, dass es nicht nur Geschichten sind, sondern ein Kapitel Zeitgeschichte... wie schrecklich.

    Ich habe ja shcon einiges über die Kinderheime gelesen. Aber die perfiden Strafen die die Erzieher ersinnen, schockieren mich jedes Mal aufs Neue. Also nicht nur, weil sie gegen Kinder angewendet werden sondern ganz allgemein gegen andere Menschen. Heute vermutet man so was ja eher in Guantanamo. :o

    Immer wenn ich solche grausamen Dinge über Misshandlungen Schutzbefohlener lese, bekomme ich eine unsagbar Wut im Bauch. Ich kann dann viele Tage nicht abschalten, weil mir das durch den Kopf spuckt. Ich stelle mir immer alles sehr bildlich vor,auch nicht immer gut.

  • Puh, was für ein Abschnitt. Schon der Prolog hat es mächtig in sich: Den Auftakt finde ich gut gelungen, er macht neugierig, aber gleichzeitig auch traurig. Leider erahne ich schon ein böses Ende. Ich kann mir vorstellen, dass die Recherchen zu dem Buch sehr aufwendig und vor allem aufwühlend waren.

    Im ersten Kapitel sind mir " Die Lügen der Henriette B." aufgefallen, da musste ich ja gleich an Goethe denken, ich hoffe es nimmt nicht das gleiche traurige Ende wie bei Werther. Typisch finde ich auch das Neumixen der Wahrheit, dass ist ja auch heute noch so. Auch interessiert niemand, warum jemand so geworden ist, es wird nur das Aktuelle bewertet. Auch das Gesundheitliche ist ja leider normal. Erstmal abwarten und dann ist es leider zu spät. Heute ist das ja besser, aber früher war es anders. Nicht schön zu lesen fand ich auch das Selbstwertproblem von Else: […]" hatte sie trotz ihrer ungleichen Beine genommen[…]" Was heißt hier "trotz"?X(

    Die Beschreibung der tratschenden Dorfgesellschaft ist sehr realistisch gelungen :totlach: Genau so ist es!

    Insgesamt herrscht im ersten Kapitel die Melancholie, Trauer und Resignation. Trauer über das was war und was man verloren hat. Das macht einen beim Lesen etwas fassungslos, aber gerade als man denkt, alles ist verloren, kreuzt plötzlich die Hoffnung in Form von Jürgen Loose auf. Die Jahreszeit Herbst passt gut in das Kapitel, weil es wie die Ruine des Hauses, von der Vergänglichkeit zeugt.

    Die Charaktereigenschaften von Henni, die ja als vorlaut beschrieben wird, hat mich überrascht, weil ich sie nicht so eingeschätzt habe.

    Eine schreckliche Vorstellung, dass der Vater bei einem Bombenentschärfungskommando war. Wie muss er unter Stress gestanden haben! Aber auch seine Familie leidet unter dem Krieg und ich könnte mir gut vorstellen, dass Henni dadurch gelernt hat, wie wichtig Familie ist und das man sie beschützen muss.

    Die Verdrängung nach dem Krieg, dass man das Schlimme schnell vergisst, habe ich selbst oft erlebt, erst jetzt fängt die Uroma langsam an etwas zu erzählen, ihre Erlebnisse würde ich gerne mal wissenschaftlich ausarbeiten und auch für die Nachwelt sichern. Das Problem an dieser Verdrängung ist, dass es keinen Platz läßt für die Aufarbeitung und Anerkennung. Und so die traumatisierten Opfer (auch Soldaten sind für mich in dieser Hinsicht Opfer) allein lässt.

    Wie grauenvoll muss es für Herbert gewesen sein, sozusagen als lebender Toter weiter zu machen. Tot im emotionalen Sinn. Eigentlich lebt die Familie auch nach dem Krieg ohne Vater. Der kreist nur um sich und lebt in seinem Selbstmitleid und mit seinen Gedanken. Heute könnte man ihm wahrscheinlich gut helfen.

    Auch in diesem Kapitel ist der Ton eher melancholisch, aber ich finde, alles andere wäre dem Thema auch nicht angemessen.

    Die Wohnung von Thomas im dritten Kapitel fand ich sehr schön beschrieben: So richtig geborgen und sicher, vom Wasser umarmt. Wasser ist gleichzeitig unbeständig und beständig, es schützt und ernährt, kann aber auch zerstören.

    Ebenso wie das Wasser scheint auch die Nacht eine heilende Wirkung für Thomas zu haben: Es ist ruhig, die Geräusche sind nachts und unter Wasser gedämpft, man ist geborgen "im Schutz der Nacht" . Bevor er seine Wohnung verlässt, kann man deutlich mitfühlen, dass sich die Angst breit machen will und er dann die Flucht ergreift.

    Richtig schlimm finde ich die Beschreibungen vom Kinderheim, unterstrichen habe ich mir dabei das "katholisch". Wie kann jemand, der sich Gottes Gebote unterwirft, der Nächstenliebe, Gnade und Liebe vermittelt, so mit einem Kind umgehen? Sagt nicht die Bibel, dass die Kinder etwas Besonderes sind? Offensichtlich hat die gute Schwester in dieser Lesung gefehlt. Und natürlich, was sie sagt bewahrheitet sich, eine selbsterfüllende Prophezeiung. Auf der Seite 32 bestehen meine Randnotizen aus " ?!XX?!%&" Das sind zensierte Kraftausdrücke, die ich der doofen Nuss am liebsten an den Kopf geschmissen hätte. Und dann der Name: Schwester Angelika...ein Engelchen? Niemals! Die hätte sich eher Lillith nennen sollen.

    Nach diesem sehr aufwühlenden Kapitel musste ich eine Pause einlegen. Dagegen war dann das vierte Kapitel wieder sehr erholsam, die Grundstimmung war beinahe heiter und ich mich erinnerte Elsa ein bisschen an eine Schildkröte: langsam, stoisch. Spannend fand ich hier den Gegensatz von jung zu "alt" Elsa ist noch nicht so alt, wirkt aber viel älter. Und mit Jürgen verknüpfe ich immer noch Hoffnung.

    Als Hennis Mutter stirbt und Herbert in die Kirche rennt um zu beten, steht bei mir am Rand: Echt jetzt?! :totlach:;(

    Wie schlimm, wenn man in so jungem Alter schon so verbittert ist, was den Vater betrifft. Und natürlich, der Vater ist so mit sich beschäftigt, der kann sich nicht um die Kids kümmern, der wäre total überfordert. Allerdings ist er nicht zu heilig, um die Eileiterschwangerschaft hervorzurufen X(

    Und der Pastor ist auch keine Hilfe, der will nur Geld sparen. Somit haben Henni und ihre Geschwister eigentlich keine echte Chance, was so schlimm ist. Henni versucht ja noch verzweifelt den Alltag aufrechtzuerhalten, was ihr mehr schlecht als recht gelingt. Eigentlich ist sie die einzige Erwachsene, der Vater ist ja ähnlich wie ein Kind.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ich habe ja shcon einiges über die Kinderheime gelesen. Aber die perfiden Strafen die die Erzieher ersinnen, schockieren mich jedes Mal aufs Neue. Also nicht nur, weil sie gegen Kinder angewendet werden sondern ganz allgemein gegen andere Menschen. Heute vermutet man so was ja eher in Guantanamo. :o

    Immer wenn ich solche grausamen Dinge über Misshandlungen Schutzbefohlener lese, bekomme ich eine unsagbar Wut im Bauch. Ich kann dann viele Tage nicht abschalten, weil mir das durch den Kopf spuckt. Ich stelle mir immer alles sehr bildlich vor,auch nicht immer gut.

    Das mit der Wut geht mir ganz genauso.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ich bilde mir ein, etwas von zwei Mordopfern gelesen zu haben. Ich weiß allerdings nicht, ob der Brand bzw die Brandstiftung 2 Todesopfer gefordert hat oder ob da zwei andere Morde gemeint sind.

    Ich bin auch Dr Meinung von zwei Opfern gelesen zu haben, darum war ich etwas verwirrt, als am nächsten Tag nur der Vater von Henni gefunden wurde.

    Es ging mir bei meienr Aussage gar nicht um die Anzahl der Opfer, nur um die Vermutung, wen es da getroffen hat (eben Hennies Bruder)

  • Und der Pastor ist auch keine Hilfe, der will nur Geld sparen.

    Ich finde, das ist eine ziemliche Untertreibung. Aus meiner Sicht sieht es so aus, als ob er in die eigene Tasche wirtschaftet, wie auch immer. Und damit hat er die Kirche bestohlen, auch wenn sich das möglicherweise aus seiner Sicht anders darstellt. Aber da die Summe ganz offensichtlich fest für die Bezahlung eines Küsters vorgesehen war, ist es zumindest Veruntreuung. Und es scheint ja, als ob Hennie mit dieser Meinung nicht alleine dasteht.

    Als Hennis Mutter stirbt und Herbert in die Kirche rennt um zu beten, steht bei mir am Rand: Echt jetzt?

    Ich finde, Beten kann helfen. Also ist es legitim, dass er das tut. Aber nicht die ganze Zeit und nicht ausschließlich, denn es gibt ja Menschen um ihn herum, die noch leben und die ihn brauchen!

  • Und der Pastor ist auch keine Hilfe, der will nur Geld sparen.

    Ich finde, das ist eine ziemliche Untertreibung. Aus meiner Sicht sieht es so aus, als ob er in die eigene Tasche wirtschaftet, wie auch immer. Und damit hat er die Kirche bestohlen, auch wenn sich das möglicherweise aus seiner Sicht anders darstellt. Aber da die Summe ganz offensichtlich fest für die Bezahlung eines Küsters vorgesehen war, ist es zumindest Veruntreuung. Und es scheint ja, als ob Hennie mit dieser Meinung nicht alleine dasteht.

    Als Hennis Mutter stirbt und Herbert in die Kirche rennt um zu beten, steht bei mir am Rand: Echt jetzt?

    Ich finde, Beten kann helfen. Also ist es legitim, dass er das tut. Aber nicht die ganze Zeit und nicht ausschließlich, denn es gibt ja Menschen um ihn herum, die noch leben und die ihn brauchen!

    der Pastor scheint eh ein Paradebeispiel für einen korrupten, fiesen und nur auf seinen Vorteil bedachten gottesdiener zu sein.

    Klar kann beten helfen, aber doch nicht wenn ganz andere Hilfe dringend gebraucht wird.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ich finde, das ist eine ziemliche Untertreibung. Aus meiner Sicht sieht es so aus, als ob er in die eigene Tasche wirtschaftet, wie auch immer. Und damit hat er die Kirche bestohlen, auch wenn sich das möglicherweise aus seiner Sicht anders darstellt. Aber da die Summe ganz offensichtlich fest für die Bezahlung eines Küsters vorgesehen war, ist es zumindest Veruntreuung. Und es scheint ja, als ob Hennie mit dieser Meinung nicht alleine dasteht.

    Ich finde, Beten kann helfen. Also ist es legitim, dass er das tut. Aber nicht die ganze Zeit und nicht ausschließlich, denn es gibt ja Menschen um ihn herum, die noch leben und die ihn brauchen!

    der Pastor scheint eh ein Paradebeispiel für einen korrupten, fiesen und nur auf seinen Vorteil bedachten gottesdiener zu sein.

    Klar kann beten helfen, aber doch nicht wenn ganz andere Hilfe dringend gebraucht wird.

    Ja, der Pastor ist ein ganz besonderes Prachtexemplar seiner Zunft :teufel:. Ich könnte mir vorstellen, dass wir von ihm noch einiges erwarten können.


    Mit dem Beten hast Du mich möglicherweise mißverstanden. Es kann für den Einzelnen auch im dem Sinne helfen, dass es eine Kraftquelle ist (wobei das bei dem Vater ganz offenbar nicht so ist). Von daher kann es subjektiv eine zentrale Bedeutung haben. Aber natürlich kann man als Witwer und Vater mehrerer Kinder dem nicht sein Leben widmen, wenn gerade alles um einen zusammenbricht!

  • Mit dem Beten hast Du mich möglicherweise mißverstanden. Es kann für den Einzelnen auch im dem Sinne helfen, dass es eine Kraftquelle ist (wobei das bei dem Vater ganz offenbar nicht so ist). Von daher kann es subjektiv eine zentrale Bedeutung haben. Aber natürlich kann man als Witwer und Vater mehrerer Kinder dem nicht sein Leben widmen, wenn gerade alles um einen zusammenbricht!

    Ich denke schon, dass das Beten ihm hilft ruhiger zu werden. Aber gesund wird er natürlich nicht damit. Er hat eine schwere psychische Erkrankung und auch wenn es schwer zu akzeptieren ist, er kann den Kindern nicht so helfen, wie ein Vater es sollte. Heutzutage würde ich hoffen, dass das Jugendamt hier helfend eingreift und ihm ärztliche und personelle Unterstützung gewährt. Aber damals, so kurz nach dem Krieg, war daran noch nicht zu denken.

  • Bevor ich eure Kommentare nachlese, möchte ich erstmal in ein paar Worten meinen eigenen Gefühlen Ausdruck geben. Ich muss sagen, Frau Borrmann hat es vom ersten Buch an geschafft, mich zu fesseln. Sie hat so eine tolle Art, die Atmosphäre der jeweiligen Zeit zu vermitteln, die ihresgleichen sucht. In diesem Roman, Der Grenzgänger, fängt sie die Nachkriegszeit ebenso toll ein, wie die 70er Jahre. In den 70er Jahren lernen wir die inzwischen erwachsen gewordenen Protagonisten kennen - im Mittelpunkt steht Henni, die vor Gericht steht ... sie soll jemanden umgebracht haben? Doch auch weitere Kinder der Nachkriegszeit werden beleuchtet ... ihr Bruder Fried, ihre ehemalige beste Freundin und Frieds bester Freund Thomas. Können sie Henni während der Verhandlung helfen?
    Erschüttert hat mich die Zeit nach dem Krieg. Der Vater, der völlig daneben aus dem Krieg zurück gekehrt ist, die Mutter, die sich für die Familie aufopfert und letztlich daran zu Grunde geht und die Kinder, die in alle Winde zerstreut werden sollen nach ihrem Tod! Was ist nur los mit dem Vater, wie kann er so grausam sein? Doch auch er ist eine Art Opfer, lässt er es doch zu, dass der Pfarrer ihn ausnützt.

    So ganz schlau werde ich aus den Charakteren noch nicht und bin schon sehr gespannt auf den nächsten Abschnitt. Nun lese ich mir mal eure Kommentare durch und bin gespannt, ob ihr ähnlich empfindet ...

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Es ist eine geniale Idee, auf drei verschiedenen Zeitebenen zu erzählen: 1945 und später, Frühjahr 1970 und Herbst 1970 und auch die Perspektiven ändern sich: einerseits Elsa und andererseits Thomas. Und beide berichten bzw denken an Ereignisse und Erlebnisse, die alles andere als einfach und gut waren. Es sind die perfiden Grausamkeiten denen Thomas ausgeliefert war, die Art, wie Kinder "gebrochen" wurden - und das Wissen, dass es nicht nur Geschichten sind, sondern ein Kapitel Zeitgeschichte... wie schrecklich.

    Elsa hingegen berichtet bis jetzt aus der Position der Beobachterin, was alles vor und dann rund um den Tod von Hennis Mutter passiert ist. Sie ist die subjektive Beobachterin, die Partei ergreift.

    Henni - die eigentliche Hauptperson. Kämpferisch und mutig wird sie beschrieben, ein junges Mädchen, das sagt was sie denkt. Immer und ohne Rücksicht auf Verluste. Ihre Vorstellung im Prolog hat mir extrem gut gefallen. So traurig der Satz "...indem sie jedem Gramm Lebensfreude das doppelte Gewicht zusprach. Zum Schluss hat auch das nicht gereicht."


    Der erste Abschnitt ist gelesen und er lässt mich unheimlich traurig zurück, es ist eine zutiefst emotionale Geschichte und Mechtild versteht es wirklich, Gefühle zwischen den Zeilen fassbar zu machen.

    Ich stimme dir absolut zu, genau das gefällt mir auch sehr gut ... in jedem Abschnitt kommt eine andere Person zu Wort, die wiederum auch schwer an ihrem eigenen Schicksal zu tragen. Von Thomas' Werdegang war ich unheimlich betroffen. Wie grausam man damals mit Kindern umgegangen ist, die einfach anders waren. Man hatte kein Verständnis für ihre Traumas und deren Auswirkungen und dachte man kann alles wegprügeln. Wenn man bedenkt, dass das alles noch gar nicht so lange her ist, kann einem ganz anders werden.


    Aber auch Elsa hat ihr Päckchen zu tragen ... wie traurig, dass ihr Mann so jung gestorben ist. Nun ist sie in ihren 30er Jahren mit ihrer Behinderung, die bei richtiger Behandlung durchaus vermeidbar gewesen wäre, allein und muss sich irgendwie durchschlagen. Ob sie je noch mal einen Mann finden wird, der ihr ein bisschen Liebe spenden wird? Sonst kann so ein Leben ja sehr lang und einsam werden ...


    Tja, und dann Henni, die hat mich von Anfang an begeistert. Wie sie sich für ihre Geschwister einsetzt in dem sie den Brief nach Aachen schreibt, ist schon bewundernswert. Auch dem eigenen Vater bietet sie Paroli ... Chapeau!


    Ja, liebe Mechthild ... die Geschichte ist, wie deine anderen Bücher auch, sehr emotional und stimmungsgeladen. Ich bin großer Fan von dir und deinen Romanen seit ich dich auf einer Stuttgarter Kriminacht mal live erleben durfte. Meine Freundin und ich hingen förmlich an deinen Lippen und das sind nicht nur leere Worte! Ich freue mich sehr, dass du auch hier aktiv dabei bist.

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Und es scheint ein Opfer gegeben zu haben, einen von Hennis Brüdern, weswegen Henni offenbar angeklagt ist - wobei wir wahrscheinlich in der Geschichte noch voranschreiten müssen, um die vollständigen Zusammenhänge zu begreifen.

    Ich bilde mir ein, etwas von zwei Mordopfern gelesen zu haben. Ich weiß allerdings nicht, ob der Brand bzw die Brandstiftung 2 Todesopfer gefordert hat oder ob da zwei andere Morde gemeint sind.

    Ja, ich habe auch etwas von zwei Mordopfern im Hinterkopf ...

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  • ysa: Die Personen sind fiktiv. Mir ging es darum von den dramatischen Ereignissen an der deutsch-belgischen Grenze unmittelbar nach dem Krieg zu erzählen und gleichzeitig von dem Schicksal vieler Heimkinder in jener Zeit. Dazu habe ich mit ehemaligen Heimkindern gesprochen und mit Menschen, die die Schmuggelzeit im Grenzgebiet erlebt haben.

    Ich brauche für meine Bücher immer gut ein Jahr zur Recherche und in dieser Recherche waren es die Gespräche mit den ehemaligen Heimkindern, die mir sehr zugesetzt haben. Im späteren Schreibprozess ist es dann so, dass ich meine Eindrücke verarbeite indem ich meine Sprache dafür finde.

    Puh, das kann ich mir vorstellen, liebe Mechtild, das setzt einem sicher sehr zu und muss sehr bewegend sein. Ich bewundere dich da wirklich für.

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • In letzter Zeit habe ich so einiges über Kriegstraumata gelesen. Z.B. im letzten Buch von Daniela Ohms, wo der junge Mann wirklich völlig durch den Wind war. Und auch im Buch von Kristin Hannah hat ein Vater schwere seelische Verletzungen und schlägt seine Frau und seine Tochter, als er zurückkommt, weil er den Krieg nicht verarbeiten kann. Und in Babylon Berlin hat Gereon Rath ja das große "Zittern" deswegen. Also es gibt viele Arten. Der Vater von Henni ist nicht mehr recht lebensfähig und nur der Glaube gibt ihm noch Halt. Das ist für uns Außenstehende natürlich schlimm zu lesen aber der arme Mann kann nichts dafür. Leider gab es damals noch keine Psychotherapien für diese seelischen Verletzungen. Man kann froh sein, dass er die Familie nicht schikaniert und schlägt. Das gab es sehr häufig.

    Und er hätte ja seinen Beruf versucht auszuüben. Aber das bekannte Zittern hat das Verhindert und zum Erlernen eines neuen Jobs war er einfach nicht fähig.

    Ja, dass die Soldaten nicht richtig betreut wurden, finde ich auch ganz grausam. Vor allem, wenn ich daran denke, dass selbst die US Soldaten, die in Korea und sogar noch in Vietnam gekämpft hatten oft alleine nach Hause geschickt wurden um dann am Flughafen bei ihrer Ankunft auch noch von Kriegsgegnern bespuckt und beschimpft zu werden ... ganz, ganz furchtbar. Heute ist man da weiter in der Entwicklung aber dass Kriege Menschen verändern und fürs Leben zeichnen, wird leider immer so bleiben ... !

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Ich bilde mir ein, etwas von zwei Mordopfern gelesen zu haben. Ich weiß allerdings nicht, ob der Brand bzw die Brandstiftung 2 Todesopfer gefordert hat oder ob da zwei andere Morde gemeint sind.

    Ich bin auch Dr Meinung von zwei Opfern gelesen zu haben, darum war ich etwas verwirrt, als am nächsten Tag nur der Vater von Henni gefunden wurde.

    Ich meine, dass Matthias noch als Kind oder Jugendlicher gestorben ist. Entweder stand das im Klappentext oder es wurde schon irgendwie angedeutet.


    Ich schreibe erst mal meine Gedanken auf, eure kommentiere ich später am PC, am Tablet ist das Zitieren so mühsam.


    Henni ist als Kind bzw. Jugendliche wirklich erstaunlich. Wie sie darum kämpft, dass die Geschwister zusammen bleiben ist schon klasse. Für sie wäre es „einfacher“ gewesen, zu ihrer Tante zu gehen. Da hätte sie bestimmt ein bequemeres Leben gehabt. Aber sie setzt sich durch. Verzichtet aufs Gymnasium und sucht sich Arbeit. In der Gaststätte zu arbeiten ist ja noch ok. Ich finde es aber unverantwortlich von dem Wirt, das junge Mädchen in die Schmuggelgeschichte zu verwickeln. Ob sie das schafft, nachts aus dem Haus zu gehen, ohne dass ihr Vater das merkt?

    Der Vater ist ja auch ein toller Typ! Fromm sein ist ja in Ordnung, aber es gibt auch ein Leben außerhalb der Kirche. Wenn er den A.... in der Hose gehabt hätte, für seine Arbeit als Küster ein vernünftiges Einkommen zu verlangen, wäre das vielleicht schon früher was geworden. Waschlappen. Und dann die Kinder kampflos aufgeben?! Trauer ist ja gut und schön, aber er muss doch ein Herz für seine Kinder haben?!


    Die verschiedenen Erzählperspektiven gefallen mir sehr gut. Thomas hat eigentlich mit damals abgeschlossen. Jetzt holt ihn die Vergangenheit wieder ein und er erinnert sich an die Zeit in und nach dem Kinderheim. Es war verdammt mutig von den beiden, abzuhauen und das mit allen Konsequenzen durchzuziehen. Selbst als sie „enttarnt“ wurden, kämpften sie dafür, nicht zurück zu müssen. Hut ab.


    Henni ist anscheinend angeklagt, weil sie am Tod ihres Vaters schuld sein soll? Oder geht es (auch) um einen Todesfall, der in ihrer Kindheit passiert ist? Im Dorf scheint sie ja nicht sehr beliebt zu sein. Der Dorftratsch ist ja sowas von typisch! X( Elsa ist eine tolle Frau! Irgedwie habe ich sie mir als alte Frau vorgestellt, bis erwähnt wurde, dass sie 38 ist. Also ist sie Jahrgang 1932, wie mein Vater. :)


    Durch das, was sie dem Studenten erzählt, erlebt sie die Geschichte noch einmal, was sicherlich nicht leicht ist. Ich finde es sehr schade, dass sie sich so klein macht und für wertlos hält. Nur wegen ein bisschen Hinken ist man doch kein schlechter Mensch?!?! Ich wünsche ihr, dass sie nochmal einen Mann findet, der ihren Wert erkennt.


    Alles in allem finde ich die Stimmung sehr traurig. Was in dem Kinderheim passiert ist, ist einfach nur furchtbar. Die armen Kinder! Wir können gottesfürchtige (!!) Nonnen so grausam sein? Waren die selber nie Kinder?


    Es gefällt mir, dass wir die Geschehnisse von damals bröckchenweise seriert bekommen. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie es Henni mit dem Schmuggeln ergeht und was die Anhörung ergibt.

  • Aber auch Elsa hat ihr Päckchen zu tragen ... wie traurig, dass ihr Mann so jung gestorben ist. Nun ist sie in ihren 30er Jahren mit ihrer Behinderung, die bei richtiger Behandlung durchaus vermeidbar gewesen wäre, allein und muss sich irgendwie durchschlagen. Ob sie je noch mal einen Mann finden wird, der ihr ein bisschen Liebe spenden wird? Sonst kann so ein Leben ja sehr lang und einsam werden ...

    Ich hoffe auch sehr für Elsa, dass sie nochmal einen Mann findet. Warum eigentlich nicht? Sie ist eine liebenswerte Frau! Sie bräuchte vielleicht ein bisschen mehr Selbstwertgefühl. Eine kleine körperliche Behinderung ist doch nichts, für das man sich schämen müsste.....

    Zitat von Mechthild

    Ich brauche für meine Bücher immer gut ein Jahr zur Recherche und in dieser Recherche waren es die Gespräche mit den ehemaligen Heimkindern, die mir sehr zugesetzt haben.

    Das kann ich mir gut vorstellen! Mir kommen ja schon die Tränen und nachts die Albträume, wenn ich davon lese. Wie schlimm muss es erst sein, mit Leuten zu sprechen, die das wirklich erlebt haben. :(

    Zitat von kessi69

    Sie steht eindeutig auf der Seite von Henni und verteidigt diese auch, wenn die Tratschbasen aus dem Dorf über sie herziehen. Sie ist auch über die Berichterstattung in diversen Zeitungen sehr erbost. Ja so ist es leider mit sensationssüchtigen Journalisten, die ihre Story gerne etwas ausschmücken um die Artikel interessanter zu machen.

    Das Schlimme ist ja, dass das Getratsche und die Berichterstattung, auch wenn es nicht die Wahrheit ist, der betreffenden Person immer nachhängen. Auch wenn sie später rehabilitiert wird, es bleibt immer in den Köpfen der Leute. Ist der Ruf erst ruiniert..... Traurig, aber leider immer noch wahr.

    Zitat von ysa

    Wer in diesem Zusammenhang völlig versagt, ist der Pastor. Anstatt ihm zu helfen, nützt er Hennis Vater auch noch aus.

    Der Pastor gehört in die selbe Schulblade wie die heiligen Nonnen im Kinderheim. Kein Wunder, dass sich viele Leute von der Kirche abwenden, wenn die „Heiligen“, die ja Vorbilder sein sollen, derart versagen.

    Zitat von Senara von Nostria

    Die Charaktereigenschaften von Henni, die ja als vorlaut beschrieben wird, hat mich überrascht, weil ich sie nicht so eingeschätzt habe.

    Henni war selbstbewusst und hat ihren Willen durchgesetzt. Das mag in den Augen mancher vielleicht vorlaut gewirkt haben, aber ich sehe das nicht als negativ an. Für den Dorfklatsch ist es natürlich Öl ins Feuer.

  • Als Hennis Mutter stirbt und Herbert in die Kirche rennt um zu beten, steht bei mir am Rand: Echt jetzt?! :totlach:;(

    Wie schlimm, wenn man in so jungem Alter schon so verbittert ist, was den Vater betrifft. Und natürlich, der Vater ist so mit sich beschäftigt, der kann sich nicht um die Kids kümmern, der wäre total überfordert. Allerdings ist er nicht zu heilig, um die Eileiterschwangerschaft hervorzurufen X(

    Der plötzliche Tot von Hennis Mutter Maria hat mich auch beschäftigt. Ich habe mich gefragt, von wem Maria wohl schwanger war.

    Dem traumatisierten Vater traue ich soviel Manneskraft gar nicht zu. Aber falls es doch von ihm war, fühlt er sich jetzt nicht auch schuldig an Marias Tod? Das es ihn in diesem Fall zunächst in die Kirche zieht, kann ich nachvollziehen....


    Oder hatte Maria vielleicht einen heimlichen Geliebten, der ihr Ablenkung zum tristen Alltag bot? Hat sie vielleicht sogar heimlich ihren Körper verkauft um das Familieneinkommen aufzubessern? Hat sie sich deshalb gescheut zum Arzt zu gehen, obwohl sie die Anzeichen bemerkt hat?


    Ich finde, das die Mutter mit ihrer letzten Bitte, das Henni sich um die Geschwister kümmern soll, der Henni eine unerträgliche Last aufgebürdet hat. Wie soll ein junger Mensch mit solch einer Verantwortung umgehen? Das ist auch eine Form emotionaler Grausamkeit -wenn auch sicher von der Mutter nicht beabsichtigt-, die Hennis Biographie entscheidend prägt.

  • Hier wird immer wieder das beten angesprochen. Ich denke schon, dass es einem Trost und Kraft spenden kann. Doch hätte der Vater in dem Moment nicht auch für die Kinder da sein sollen? Er hätte versuchen können mit den Kindern Trost im Gebet zu finden, oder ähnliches.

    Die schreckliche Sache mit den Bomben entschärfen, und das es Herbert so schwer zugesetzt hat, dass er nun zittert sobald er sich konzentrieren muss, kann ich nachvollziehen.

    Kennt ihr " Unter dem Sand"? Dort müssen sehr junge deutsche Kriegsgefangene an der dänischen Westküste, Landminen entschärfen. Das ist nicht zum aushalten welcher nervlicher Belastung die jungen Leute ausgesetzt sind.

    Vielleicht hätte er sich wo anders Hilfe suchen sollen, um für seine Familie da sein zu können.

    Und dann beschäftigt mich noch eine Sache. Die Eileiterschwangerschaft von Maria. Entschuldigt wenn das jetzt etwas hart klingt, aber ich kann es nicht ganz verstehen und nachvollziehen. Neben seinen Gebeten findet Herbert Zeit seiner Frau ein Kind zu machen. Aber ihm fällt nicht auf, dass es ihr zunehmend schlechter geht, da er ja nie zu Hause ist. Hätte da nicht nach ihrem Tod so etwas wie ein schlechtes Gewissen eintreten sollen, was dafür gesorgt hätte, gerade jetzt alles für die Kinder zu machen, denen die Mutter so soll fehlt?

  • Und dann beschäftigt mich noch eine Sache. Die Eileiterschwangerschaft von Maria. Entschuldigt wenn das jetzt etwas hart klingt, aber ich kann es nicht ganz verstehen und nachvollziehen. Neben seinen Gebeten findet Herbert Zeit seiner Frau ein Kind zu machen. Aber ihm fällt nicht auf, dass es ihr zunehmend schlechter geht, da er ja nie zu Hause ist. Hätte da nicht nach ihrem Tod so etwas wie ein schlechtes Gewissen eintreten sollen, was dafür gesorgt hätte, gerade jetzt alles für die Kinder zu machen, denen die Mutter so soll fehlt?

    Vielleicht war Maria gar nicht von ihm schwanger und er ist deswegen verbittert. Der Pastor scheint ja auch sehr auf ihn einzuwirken. Das sind alles nur Spekulationen, aber keine Entschuldigung! Ich schätze, der Krieg ihn einfach emotional fertig gemacht.

  • Ich brauche für meine Bücher immer gut ein Jahr zur Recherche und in dieser Recherche waren es die Gespräche mit den ehemaligen Heimkindern, die mir sehr zugesetzt haben. Im späteren Schreibprozess ist es dann so, dass ich meine Eindrücke verarbeite indem ich meine Sprache dafür finde.

    Ich stelle mir diese Gespräche extrem bedrückend und belastend vor. Wie geht es den ehemaligen Heimkindern jetzt mit diesen Erlebnissen? Zum Teil wird das ja jetzt ein wenig aufgearbeitet oder zumindest wird anerkannt, dass es diese Misshandlungen gegeben hat. Lange ist das ja totgeschwiegen worden! Wie hast Du es überhaupt geschafft, mit ihnen in Kontakt zu kommen?

    Sie ist dazu bereit, dem Jurastudenten Jürgen Loose, alles an Informationen über Henni und die gesamte Lebenslage zu erzählen. Ich hoffe, dass Loose etwas erreichen kann.

    Ich weiß nicht, ob Loose tatsächlich versuchen wird, vor Gericht etwas zu erreichen. Momentan geht es ihm eher um eine Art Semesterarbeit. Momentan ist er hier auch Beobachter und Sammler der Erinnerungen. Aber ich frage mich, was er dann noch mit ihnen anfangen will.


    Was mich bei Henni noch wirklich stark beeindruckt hat,war ihr Brief nach Aachen, wegen der Stelle des Küsters. Die anderen aus dem Dorf dürften auch nicht so begeistert vom Pastor gewesen sein, denn sie stellen sich ja auf Hennis Seite.

    der Pastor scheint eh ein Paradebeispiel für einen korrupten, fiesen und nur auf seinen Vorteil bedachten gottesdiener zu sein.

    Leider! Und ich fürchte, er wird Hennis Vater auch weiter in seinem Sinne beeinflussen. Da kommt nix Gutes raus dabei, was meint ihr?