02 - Seite 83 bis einschl. Seite 154 (Kapitel 11 bis einschl. Kapitel 19)

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  • Ich glaube, das Gertrud Regine totgeschlagen hat, vielleicht nicht mal mit Absicht, aber ich glaube nicht. dass es ihr den Schlaf geraubt hat. Ich kann hier nicht schreiben, was ich von ihr halte. Ich frage mich nur, warum, warum, ist sie Erzieherin geworden??????

    Sie ist ja auch eine Nonne, oder? Gottesfürchtig. Ist nicht Nächstenliebe das höchste Gebot Gottes? Da dreht sich mir der Magen um!!

  • Ich glaube Ludwig Merk, dass er nicht vorhatte, Johanna zu töten. Für ihn muss das ja auch furchtbar gewesen sein. Ich finde es sehr mutig von ihm, Henni zu besuchen

    Ja, das er als Zöllner ein Kind aus dem Dorf getötet hat ist ein weiteres düsteres Drama in dieser Geschichte. Ich glaube ihm auch und fürchte, er wird seines Lebens nicht mehr froh. Ich hoffe nur, es wird mit ihm nicht so schlimm wie mit Hennis Vater.

    Ich fand es auch sehr mutig und bewegend, das er Henni besucht und die beiden keinen Groll gegeneinander hegen, keine Vorwürfe laut werden. Es ist vielleicht auch ein versöhnlicher Gedanke, das Johannas Tod die beiden verbindet, während alle anderen Menschen sich von ihnen abwenden.

  • Es wundert mich nicht, dass Thomas Gehirn das Alles verdrängt hat. Mit all dem zu Leben ist ja kaum machbar. Die Kinder müssen ja alle schwere psychische Probleme gehabt haben in ihrem Erwachsenenleben. Jeder verarbeitet anders. Und noch wissen wir ja nicht die ganze Wahrheit. Ich fürchte, da kommen noch ein paar dicke Brocken auf uns zu.

    Das befürchte ich auch. Für Thomas hoffe ich, dass die Anhörung und das damit verbundene Wiederaufleben der ganzen Geschichte ihn nicht noch mehr kaputt macht, sondern dass er einen Weg findet, die ganze Sache endlich und endgültig zu verarbeiten.

  • Es wundert mich nicht, dass Thomas Gehirn das Alles verdrängt hat. Mit all dem zu Leben ist ja kaum machbar. Die Kinder müssen ja alle schwere psychische Probleme gehabt haben in ihrem Erwachsenenleben. Jeder verarbeitet anders. Und noch wissen wir ja nicht die ganze Wahrheit. Ich fürchte, da kommen noch ein paar dicke Brocken auf uns zu.

    Das befürchte ich auch. Für Thomas hoffe ich, dass die Anhörung und das damit verbundene Wiederaufleben der ganzen Geschichte ihn nicht noch mehr kaputt macht, sondern dass er einen Weg findet, die ganze Sache endlich und endgültig zu verarbeiten.

    Das hoffe ich auch für ihn, dass er endlich damit abschließen kann. Das wünsche ich ihm echt. Denn sowas hat kein Kind verdient.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ich glaube, das Gertrud Regine totgeschlagen hat, vielleicht nicht mal mit Absicht, aber ich glaube nicht. dass es ihr den Schlaf geraubt hat. Ich kann hier nicht schreiben, was ich von ihr halte. Ich frage mich nur, warum, warum, ist sie Erzieherin geworden??????

    Sie ist ja auch eine Nonne, oder? Gottesfürchtig. Ist nicht Nächstenliebe das höchste Gebot Gottes? Da dreht sich mir der Magen um!!

    Ich glaube davon hat sie noch nicht mal gehört.

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Ich glaube, das Gertrud Regine totgeschlagen hat, vielleicht nicht mal mit Absicht, aber ich glaube nicht. dass es ihr den Schlaf geraubt hat.

    Das fürchte ich auch. Gertrud hat sie zwar totgeschlagen, aber sie hat es sicher geschafft, diese Tat irgendwie vor sich selber zu rechtfertigen und damit sich selber verzeihen. Als Nonne hatte sie sowieso die Verzeihung von ganz oben...

    Und ich fürchte fast, dass Regine von niemandem vermisst wurde und dass es da nie irgendwelche Nachforschungen oder gar Konsequenzen gegeben hat - ein Kind weniger, mehr nicht!


    @Senara: was hälst Du eigentlich von Jürgen Loose? Glaubst Du, dass da noch mehr dahinter steckt oder interpretiere ich zuviel in Nebensätze?

    Schließlich war sie ja nur eine Waise *io* Wer sollte sie auch vermissen? Aber Gertrud hat es ja nur zu ihrem Besten getan und dann war sie auf einmal tot. *sarkasmusoff*

    Am Anfang habe ich mit Jürgen zunächst Hoffnung verknüpft, aber mittlerweile glaube ich auch, dass da noch was im Busch ist. Ich glaube schon, dass er Henni helfen will, aber eben nicht nur.

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Die Strafen, die die " gottesfürchtigen Ordensschwestern" an den Kindern praktizieren waren sehr grauenvoll, und schon alleine nur beim lesen kaum auszuhalten. Wie schlimm muss es da für die Kinder gewesen sein? Die Szene mit der Hose am ausgestreckten Arm, hat mir die Tränen in die Augen geschossen. Die Schwestern sind nicht einmal auf die Idee gekommen, darüber nachzudenken, warum Thomas eingenässt hatte. Selbst Erwachsene machen sich ein wenn sie sich in extremen Angstzuständen befinden.

    Es ist ja nicht nur eine Ordensschwester, sondern es sind alle Schwestern und Erzieher. Das macht mich fassungslos und ich frage mich, ob das wirklich die Quintessenz von deiner Recherche ist, liebe Mechtild. Gab es gar keine Ausnahmen von dieser grauenhaften Regel? Waren alle nur auf Erziehung durch Folter eingeschworen? Ich habe schon mehrmals von solchen Zuständen gelesen und gehört aber selten in so vielen schrecklichen Details. Die Kinder wurden unmenschlich behandelt und gebrochen.

    Und keiner glaubte den Kindern, wenn sie sich bei Vertrauenspersonen beschwert haben. Keine Hilfe in Sicht. Die Ausweglosigkeit ist furchterregend für mich.


    Es wundert mich nicht, dass Thomas Gehirn das Alles verdrängt hat. Mit all dem zu Leben ist ja kaum machbar. Die Kinder müssen ja alle schwere psychische Probleme gehabt haben in ihrem Erwachsenenleben. Jeder verarbeitet anders. Und noch wissen wir ja nicht die ganze Wahrheit. Ich fürchte, da kommen noch ein paar dicke Brocken auf uns zu.

    Ja, die Kinder haben alle lernen müssen, dass die Erwachsenen im besten Fall keine Hilfe sind. Kennst du den Film "Sleepers"? Da werden auch die Zustände in diesen Besserungsanstalten thematisiert.

    Am liebsten würde ich das Kind Thomas nehmen und ihm ein großes Pflaster in Form von Liebe, Zuneigung und Geborgenheit auf seine Seele kleben.:trost:

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Das sind ja wirklich grauenvolle Ereignisse am Hohen Venn - dass Johanna erschossen wird, ist furchtbar, aber dass es diesem grauenvollen Pfarrer gelingt, tatsächlich die Kinder loszuwerden und zwar auf eine Art, die für ihr weiteres Leben unglaubliche Folgen hat, das ist wirklich schlimm.


    Der Vater ist leider eine richtige Lusche - offenbar hat er als Folge des Krieges alle seine guten Eigenschaften und seine Kraft eingebüßt, er sieht sich gar nicht mehr als zuständig für seine Kinder: so mein Gefühl. Am meisten schockiert hat mich ja, dass er Hennie überhaupt nicht in der Besserungsanstalt besucht hat und noch mehr, dass er sie nicht einmal für ein paar Tage zurücknehmen wollte. Dabei hat er doch von dem von ihr erschmuggelten Geld gut gelebt! Aber das hat er - möglicherweise mithilfe des sauberen Herrn Pfarrers schnell aus seinem Gedächtnis verbannt.


    Ich befürchte, dass diese Praktiken sowohl im Heim als auch in der Besserungsanstalt durchaus von Mechthild genau so recherchiert wurden und damit leider auf der Wahrheit beruhen. Noch Ende der 1960er war mein Mann als Siebenjähriger für neun Wochen in Kur und da wurden die Kinder ähnlich behandelt, auch wenn durchaus Eltern vorhanden waren. Doch denen wurde verboten, die - noch kleinen - Kinder zu besuchen, obwohl sie über Weihnachten da waren und die Päckchen wurden konfisziert und der Inhalt nur teilweise rausgerückt bzw. irgendwie umverteilt. Bücher mussten abgegeben werden, damit alle Kinder sie gebrauchen konnten (also quasi, um den Bestand des Kurheims zu erweitern). Das Essen war ganz schlimm, die Kinder haben es oft erbrochen und von einigen anderen haben wir gehört, dass sie dazu gezwungen wurden, das dann zu essen. Die Nonnen haben den Kindern so glaubhaft erzählt, dass sie im gelobten Land sind, dass mein Mann nach seiner Rückkehr seinen Eltern berichtete, dass sie zeitweilig nach Israel gefahren waren (mein Schwiegervater hat sogar dort angerufen, um das zu klären, weil der Bericht so glaubwürdig war). Am letzten Abend hat mein Mann irgendwas Verbotenes gemacht und dann haben sie gesagt, er darf nicht wie alle anderen nach Hause fahren. Am Morgen stand er dann mit allen anderen zusammen da und eine Nonne sagte "Du bleibst hier" und er weigerte sich standhaft und bekam Hilfe von einer Krankenschwester. Und wenn er gekuscht hätte? Was dann? Es ist einfach unglaublich!


    Ich finde, Hennie hat nichts, aber auch gar nichts falsch gemacht und einfach unter den damaligen Sitten und Bräuchen leiden müssen, die Arme.


    Ich stimme Euch zu, dass Jürgen sicher persönlich involviert ist durch seine Familie. In mir hat sich der Eindruck gefestigt, dass er der Sohn von dem Zollbeamten Ludwig Merk, der selbst schoss und aus Versehen Johanna traf und später dann das Dorf verlassen musste, sein könnte.

  • "Da war sie fünfzehn Jahre alt und fest davon überzeugt, dass das Leben es gut mit ihr meinte.! (Seite 115)


    Es sind Sätze wie dieser, die ein beklemmendes Gefühl hinterlassen.


    Hatte Henni je eine wirkliche Chance?

    Dieser Satz hat mich auch nicht mehr losgelassen.

    Ich glaube, das Gertrud Regine totgeschlagen hat, vielleicht nicht mal mit Absicht, aber ich glaube nicht. dass es ihr den Schlaf geraubt hat. Ich kann hier nicht schreiben, was ich von ihr halte. Ich frage mich nur, warum, warum, ist sie Erzieherin geworden??????

    Ich denke mal, dass Menschen, die so drauf waren wie Gertrud, ein paar Jahre vorher in KZs gearbeitet haben und das mit Genuss - was für uns unvorstellbar ist, war für sie ein Vergnügen: ihre Macht gegenüber den Schwachen auszuleben.

    Ich glaube Ludwig Merk, dass er nicht vorhatte, Johanna zu töten. Für ihn muss das ja auch furchtbar gewesen sein. Ich finde es sehr mutig von ihm, Henni zu besuchen. Er hat ihr in gewisser Weise geholfen, indem er ihr genau das gesagt hat, was sie gebraucht hat: „Man kann nicht hinter den Punkt zurück, den man ungeschehen machen möchte. Man kann nur weiter gehen.“ Diesen Schubs hat sie gebraucht, um endlich mit diesem Punkt abschließen zu können.

    Da stimme ich Dir zu! Ich glaube auch, dass er ihr geholfen hat. Aber der Besuch mag auch für ihn selbst sehr wichtig gewesen sein.

  • Ich glaube Ludwig Merk, dass er nicht vorhatte, Johanna zu töten. Für ihn muss das ja auch furchtbar gewesen sein. Ich finde es sehr mutig von ihm, Henni zu besuchen. Er hat ihr in gewisser Weise geholfen, indem er ihr genau das gesagt hat, was sie gebraucht hat: „Man kann nicht hinter den Punkt zurück, den man ungeschehen machen möchte. Man kann nur weiter gehen.“ Diesen Schubs hat sie gebraucht, um endlich mit diesem Punkt abschließen zu können.

    Da stimme ich Dir zu! Ich glaube auch, dass er ihr geholfen hat. Aber der Besuch mag auch für ihn selbst sehr wichtig gewesen sein.

    Das auf jeden Fall!

  • Ich habe noch was überlegt: wenn wirklich Ludwig Merk - der ja offenbar ein - zumindest für die Zeit - sensibler und feinfühliger Mann war und vor allem selbst sehr stark gelitten hatte unter dem Mobbing (denn anders kann man das kaum nennen) in Velda, der Vater von Jürgen Loose ist, dann hat er möglicherweise eine Art Samen in ihm gepflanzt. Bspw. in die Richtung, dass er den Vorfall, unter dem dann ja auch seine Familie gelitten hat, weiter verfolgt und möglichst klärt. Vielleicht war das ja sogar eine Art Auftrag.


    Und das Jürgen Loose heißt und nicht Merk, das kann ja vielerlei Gründe haben. Vielleicht musste sie sogar eine Namensänderung beantragen wegen des Druckes von außen.


    Das sind jetzt allerdings nur Mutmaßungen von mir, die können auch in die vollkommen falsche Richtung gehen!

  • wenn wirklich Ludwig Merk - der ja offenbar ein - zumindest für die Zeit - sensibler und feinfühliger Mann war und vor allem selbst sehr stark gelitten hatte unter dem Mobbing (denn anders kann man das kaum nennen) in Velda, der Vater von Jürgen Loose ist, dann hat er möglicherweise eine Art Samen in ihm gepflanzt. Bspw. in die Richtung, dass er den Vorfall, unter dem dann ja auch seine Familie gelitten hat, weiter verfolgt und möglichst klärt. Vielleicht war das ja sogar eine Art Auftrag.

    Das sind sehr interessante Mutmaßungen! Ich hab auch schon in diese Richtung gedacht - denn neben den Kindern war Ludwig Merk derjenige, der wirklich gelitten hat unter den Geschehnissen. Seine Familie war ja auch stark betroffen. Er hat nicht nur unter dem Mobbing in Velda gelitten, sondern auch unter der Tatsache, dass er Johanna erschossen hat. Damit wurde er auch nicht fertig, auch wenn es im Endeffekt ein Unfall war. Es war für ihn der einzige Ausweg, dass er aus Velda geflüchtet ist.


    Ich vermute auch, dass Ludwig Merk der Vater von Jürgen Loose ist - mir fällt ansonsten kein anderer passender Vater ein. Aber damit wird dann auch Jürgens Verhalten klarer: denn so eine Familiengeschichte führt schon dazu, dass alles was mit den Ursachen zusammen hängt, interessant ist. Für ihn als Jusstudent noch einmal mehr.

    Der fremde Nachname kann viele Gründe haben. Jedenfalls war das bei meinen Diskussionen mit mir kein wesentliches Gegenargument!

  • Und das Jürgen Loose heißt und nicht Merk, das kann ja vielerlei Gründe haben. Vielleicht musste sie sogar eine Namensänderung beantragen wegen des Druckes von außen.

    Er kann auch einen falschen Namen angegeben haben. Mit dem Sohn von Ludwig Merk hätte Elsa sicherlich nicht so bereitwillig gesprochen.

  • Und das Jürgen Loose heißt und nicht Merk, das kann ja vielerlei Gründe haben. Vielleicht musste sie sogar eine Namensänderung beantragen wegen des Druckes von außen.

    Er kann auch einen falschen Namen angegeben haben. Mit dem Sohn von Ludwig Merk hätte Elsa sicherlich nicht so bereitwillig gesprochen.

    Er hat doch erwähnt das seine Mutter nochmal geheiratet hat. Wenn er tatsächlich der ist, kann er ja auch den Namen des neuen Mannes angenommen haben

    Liebe Grüße


    Nadine


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    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Puh! Ihr Lieben:),

    also zunächst einmal - ich war mir darüber im Klaren, dass die Schilderungen des Heimalltags nicht leicht verdaulich sein würden. Auf der anderen Seite habe ich mit vielen ehemaligen Heimkindern gesprochen und mir war es wichtig, nichts durch Auslassung zu beschönigen.

    Die Erzieher/Innen in den Heimen wurden ja mit Kriegsende nicht einfach ausgewechselt, das waren immer noch die, die schon im Dritten Reich da waren, bzw. ihre Ausblindung in der Zeit gemacht hatten. Und auch die Kirche führte ihre Heime genauso weiter, wie zuvor. Ich habe mit einer Erzieherin gesprochen, die 1968 in einem Heim ihr Anerkennungsjahr gemacht hat. Zu dem Zeitpunkt änderte sich nach und nach die Heimpädagogik und sie hatte eine ältere Kollegin, die die Kinder immer noch schlug. Es war ein staatliches Heim und die Heimleitung erklärte der Kollegin: "Wir dulden das hier nicht, aber vielleicht suchen Sie sich eine Stelle in einer kirchlichen Einrichtung, da soll das noch gehen."

    Ich habe mit Absicht das Jahr 1970 als Ausgangspunkt gewählt, denn damals fand das Thema zum erstenmal auch in der Justiz Beachtung. Es kam zu gerichtlichen Anhörungen, aber die wurden alle "abgebügelt". Nach dem Motto: "Dass nicht sein kann, was nicht sein darf". Erst in den Neuzigerjahren, und später dann Anfang 2000 mit dem "Runden Tisch" wurden ehemalige Heimkinder angehört.


    TochterAlice : Von derartigen "Kuraufenthalten" ist mir auch berichtet worden. Eine Frau war als Kind zur Kur auf Borkum. Als sie zuhause von den Zuständen erzählte, hat sie sich eine Ohrfeige eingefangen und den Satz: "Sie solle nicht solche Lügen erzählen." Erst dreißig Jahre später war sie in der Lage, mit ihrem Mann über die damaligen Erlebnisse zu sprechen.


    Zu Jürgen Loose: Da verrate ich sicher nicht zuviel, wenn ich sage, dass ihr sehr aufmerksame Leserinnen seid :unschuldig:.


    Noch was zu dem Schmuggel in der Eifel: Die meisten Dörfler haben 1948 mit dem Schmuggel aufgehört. Da wurde die D-Mark eingeführt und Banden aus Aachen, Köln und dem Ruhrgebiet erkannten das Geschäft und fuhren mit gepanzerten LKWs über die Grenze. Die waren bewaffnet und es gab die ersten Toten. Daraufhin bekamen die Zöllner Schießbefehl. Man geht davon aus, dass diese "Kaffeefront" 31 Todesopfer gefordert hat, darunter auch immer wieder Jugendliche, die mit dem Bandenschmuggel nichts zu tun hatten.

    Jetzt bin ich sehr gespannt, was ihr über den dritten Teil schreiben werdet!


    Grüße aus dem schönen Bielefeld ;)

    Mechtild

  • Zu dem Zeitpunkt änderte sich nach und nach die Heimpädagogik und sie hatte eine ältere Kollegin, die die Kinder immer noch schlug. Es war ein staatliches Heim und die Heimleitung erklärte der Kollegin: "Wir dulden das hier nicht, aber vielleicht suchen Sie sich eine Stelle in einer kirchlichen Einrichtung, da soll das noch gehen."

    Ernsthaft? ;( Aber warum waren die kirchlichen Heime so viel schlimmer?

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Und das Jürgen Loose heißt und nicht Merk, das kann ja vielerlei Gründe haben. Vielleicht musste sie sogar eine Namensänderung beantragen wegen des Druckes von außen.

    Er kann auch einen falschen Namen angegeben haben. Mit dem Sohn von Ludwig Merk hätte Elsa sicherlich nicht so bereitwillig gesprochen.

    Auf jeden Fall ist stimmt mit Jürgen Loose etwas nicht. Ich hoffe das er gute Absichten hegt und nicht doch noch gegen Henni ist.

  • ch war mir darüber im Klaren, dass die Schilderungen des Heimalltags nicht leicht verdaulich sein würden. Auf der anderen Seite habe ich mit vielen ehemaligen Heimkindern gesprochen und mir war es wichtig, nichts durch Auslassung zu beschönigen.

    Das ist schon gut so - Auslassungen und Schönfärberei bringt nichts. Es wird ja noch nicht so lange offen gelegt und diskutiert und auch von den Institutionen anerkannt, dass Erniedrigungen, Folter und systematische Grausamkeit eher die Regel denn die Ausnahme waren. Die Menschen, die diesen Institutionen ausgeliefert waren, leiden heute noch darunter.


    Was mich dabei extrem schockiert, ist die Tatsache, dass das alles noch nicht so ewig lange her ist. In einem Internetbericht stand, dass es 1970 eine Reform gab, die jedoch nicht wirkliche Verbesserungen brachte. Erst eine Reform ung 1990 brachte Veränderungen - das behauptet zumindest der Kinderpsychiater Ernst Berger. (Es geht auch um die Zustände in österreichischen Kinderheimen. Ich fürchte allerdings, dass die Situation in Deutschland nicht wesentlich besser war)

    Es ist unvorstellbar!


    Aber ganz ehrlich - ich habe noch nie ein Buch gelesen, bei dem ich mir so sehr ein Happy End (wobei mir klar ist, dass es das hier nicht so einfach geben kann) gewünscht habe!

  • Er kann auch einen falschen Namen angegeben haben. Mit dem Sohn von Ludwig Merk hätte Elsa sicherlich nicht so bereitwillig gesprochen.

    Auf jeden Fall ist stimmt mit Jürgen Loose etwas nicht. Ich hoffe das er gute Absichten hegt und nicht doch noch gegen Henni ist.

    Ich unterstelle ihm jetzt einfach mal hehre Motive. Ich glaube nicht, das er zu den "Bösen" gehört.

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Aber ganz ehrlich - ich habe noch nie ein Buch gelesen, bei dem ich mir so sehr ein Happy End (wobei mir klar ist, dass es das hier nicht so einfach geben kann) gewünscht habe!

    Das wünsche ich mir auch. Wenn es jemand verdient hat, dann die, die das erleben mussten.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

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