02 - Seite 83 bis einschl. Seite 154 (Kapitel 11 bis einschl. Kapitel 19)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Im ersten Abschnitt wird noch gut weiterdiskutiert, der zweite Abschnitt ist aber nicht weniger interessant! Und vor allem wieder sehr emotional.


    Gleich zu Beginn: welche Rolle spielt nun Jürgen Loose wirklich? Wer ist er? Es gibt da ein paar Andeutungen und Nebensätze, die mich stutzig gemacht haben. Ich vermute, dass er mit der ganzen Geschichte enger verbunden ist, als bis jetzt angenommen. Ich weiß nur noch nicht wie!


    Die Ereignissen überschlagen sich - die drei Erzählebenen erhöhen die Spannung enorm!


    Hennis Brief nach Aachen zeigt Wirkung und ihr Vater wird jetzt wenigstens für seine Arbeit bezahlt. Den Pastor hat sie sich zum Feind gemacht und der Vater droht mit der Trennung der Geschwister - ihrer größten Sorge.


    Henni beginnt also mit dem Schmuggeln und anfangs geht ja auch noch alles gut. Sie sorgt für die Familie, ihr Vater nimmt es erst einfach hin, kümmert sich gar nicht darum. Ich vermute jedoch, dass er es später dann doch gewußt hat. Oder hat er tatsächlich geglaubt, dass sie im "Eifelblick" als Küchenmädchen so viel verdient, dass die ganze Familie gut durchkommt? Weltfremd wie er ist, kann das natürlich auch möglich sein! Frau Witler, die Nachbarin kümmert sich eindeutig mehr um Henni und ihre Geschwister als der Vater.


    Die Beschreibung, wie die Schmuggler organisiert waren, ist wirklich bemerkenswert, denn eigentlich gab es so etwas wie guten Zusammenhalt in dieser Gruppe. Leo trägt ja auch Hennis erste Schmugglerware, weil sie nicht an einen Rucksack gedacht hat. Und dann werden sie überrascht, einer aus der Dorfgemeinschaft wird erschossen. Die Reaktion von Frau Kopisch am Friedhof finde ich beachtlich - obwohl sie ihren Mann verloren hat, verliert sie nicht die Realität aus den Augen: es waren ja nicht Gruska oder Merk, die ihn erschossen haben. Aber da hat sie Größe bewiesen.


    Das Problem ist ja, dass für Henni der Schmuggel überlebenswichtig ist. Der Weg übers Hohe Venn ist ihre Idee, sie führt die anderen. Auch ihre Geschwister - bis zur großen Tragödie, die die Geschwister trennt. Der Pastor rächt sich grausam. So ein ....

    Die Beschreibung von Hennis Leben in der Besserungsanstalt - wie grausam, dass sich überall Hierarchien bilden, wo mit Genuss Macht ausgespielt wird.


    "Da war sie fünfzehn Jahre alt und fest davon überzeugt, dass das Leben es gut mit ihr meinte.! (Seite 115)

    Es sind Sätze wie dieser, die ein beklemmendes Gefühl hinterlassen.

    Hatte Henni je eine wirkliche Chance?

  • Es ist sehr spannend aber leider für mich an manchen Stellen kaum auszuhalten gewesen. Wenn Thomas von seinem Heimaufenthalt berichtet. Auch wie Henni alles gegeben hat um ihre Geschwister durch zu bringen , damit sie alle zusammen bleiben können und nicht ins Heim mussten, hat mir ganz schön zugesetzt. Und dann der tragische Tod von Johanna und die Folgen.


    Henni ging von nun an im Auftrag von dem Gastwirt dem Schmuggelgeschäft nach. Auch wenn sie zu der Kindergruppe gehörte, ging sie ein großes Risiko ein. Es war schnell verdientes Geld, aber eben auch sehr gefährlich. Wie Henni war ich von der Organisation des ganzen schwer beeindruckt. Ihre Geschwister Matthias und Johanna hat sie eingeweiht. Und ihr dusseliger Vater bekommt von allem nichts mit? Nicht einmal dann als sie erwischt wurden. Einfach unglaublich in was für einer Welt ihr Vater sich bewegte.

    Dann lief alles aus dem Ruder und es gab die ersten Toten. Die Stimmung im Dorf war geladen, denn die Zollbeamten aus dem Dorf bekamen es ab, obwohl sie nicht an diesem Tag ( Nacht) anwesend waren. Es war zu riskant und das schmuggeln würde erst einmal gelassen.

    Doch dann kamen ihr die ersten Gedanken an das Vennplateau ( Hochmoor), sie musste ja irgendwie zu Geld kommen, die Vorräte fast aufgebraucht. Also entschied sie sich dafür das Wagnis einzugehen. Sie kannte sich im Hochmoor aus und war sich sicher, dass alles gut gehen würde.

    Sie erzählte Matthias und Johanna davon, die sie überredeten in den Ferien mit ihr zu gehen. Dann geschah das Unglück, Johanna wurde von dem Zollbeamten Merk erschossen. Mir blieb buchstäblich das Herz stehen, wie traurig.

    Das war für den Vater und den Pastor Anlass genug die Kinder nun endlich ins Heim zu stecken. Der Pastor war gleich ganz eifrig und hatte alles in die Wege geleitet. Henni kam dann in eine Besserungsanstalt, wo sie noch zu Beginn ihren starken Willen behalten hat und somit dann später von den anderen in Ruhe gelassen wurde. Aber was die sich alles haben einfallen lassen um Henni das Leben so schwer wie möglich zu machen, war schon enorm.

    Und die Sache mit dem Mann in der Fabrik, die Henni bitter büßen musste, mit Isolierhaft, unglaublich.

    Doch dann kam eine kleine Änderung, sie bekam eine Stelle bei dem Ehepaar Castrup. Die Frau Castrup scheint mir eine ganz nette zu sein, hoffentlich hat Henni es dort gut. Ihr Vater wollte sie ja nicht bei sich zu Hause haben. Allmählich hege ich einen richtigen Groll gegen Herbert, mein Verständnis für ihn ist nun ganz dahin.


    Jürgen Loose kommt wieder zu Elsa und diese hat ihm alles erzählt, was sie weiß. Es ist eine ganz andere Darstellung, wie so mancher aus dem Dorf oder in den Zeitungen, sie zu erzählen weiß. Es ging mir richtig ans Herz, wie sie erzählte, dass sie und Henni sich aus den Augen verloren haben, weil die Interessen auseinander gingen. Ihr war zu Beginn gar nicht klar gewesen, dass Henni nicht das Leben führen konnte, welches sie führte. Henni musste für die Familie sorgen, indem sie Geld beschaffte, den Haushalt und Garten am laufen hielt und täglich die Kinder umsorgte. Und Elsa konnte das Leben eines jungen Mädchens führen, dass war Henni verwährt. Jahre später tat es dann Elsa aufrichtig leid. Das geht ricchtig an die Nieren.

    Auch Jürgen Loose lässt das Erzählte nicht kalt, auch er ist tief berührt.


    Für mich ist Thomas ein gebrochener Mann,der es irgendwie geschafft hat die Jahre im Heim in eine Schublade in seinem Gehirn einzuschließen. Und nun soll er zur Anhörung, wodurch alles nach und nach wieder so präsent wird, dass er es kaum aushalten kann.

    Er ist damals mit Fried aus dem Heim geflohen, haben sich durchgeschlagen und es geschafft nicht mehr in die Hölle zurück zu müssen. Wenigsten hat da der Vater von Fried einmal richtig entschieden.

    Thomas ist in Lüttich hängen geblieben und widmet sich ganz dem Zeichnen und Malen. Es hatte mich für ihn gefreut, dass er den alten Maler kennen gelernt und der ihn so vieles beigebracht hatte.

    Die Strafen, die die " gottesfürchtigen Ordensschwestern" an den Kindern praktizieren waren sehr grauenvoll, und schon alleine nur beim lesen kaum auszuhalten. Wie schlimm muss es da für die Kinder gewesen sein? Die Szene mit der Hose am ausgestreckten Arm, hat mir die Tränen in die Augen geschossen. Die Schwestern sind nicht einmal auf die Idee gekommen, darüber nachzudenken, warum Thomas eingenässt hatte. Selbst Erwachsene machen sich ein wenn sie sich in extremen Angstzuständen befinden. Thomas war erst zarte fünf Jahre alt, ohne Eltern, von allen gehänselt und von den Schwestern misshandelt. Ich bin unglaublich wütend darüber, was ich schon im ersten Abschnitt erwähnte, aber es lässt mich einfach nicht los.

    Was wohl mit der Regine geschehen war und was war mit Thomas?

    Matthias und Fried wurden Thomas seine besten Freunde, vor allem Matthias beschützte Fried und Thomas.


    Dieser Abschnitt hat mich ganz schön aufgewühlt und ich habe die Befürchtung, dass da noch einiges auf uns zukommt.

  • Jürgen Loose macht mir auch ein wenig Kopfzerbrechen, irgendwie ist es an manchen Stellen komisch gewesen. Es sind bestimmte Äußerungen und Fragen und warum war er schon so früh im Ort, obwohl er erst Nachmittags mit Elsa verabredet war. Seine Erklärung dazu scheint mir nicht ganz ehrlich.


    Ja es war für Henni überlebenswichtig, nur leider hat ihr Vater davon gar keine Ahnung gehabt, was es heißt eine Familie zu ernähren. Dann war ja noch das Holz für den Winter. Und ihm fiehl nicht einmal auf, dass die Kinder neue Schuhe hatten.

    Diese Jahre in der Besserungsanstalt hatte sie einfach nicht verdient und es hat alles an Ungerechtigkeit übertroffen.


    Nein, Henni hatte keine Chance, früher oder später hätte der Vater und der Pastor schon dafür gesorgt, dass die Kinder ins Heim gekommen wären.

  • aber leider für mich an manchen Stellen kaum auszuhalten gewesen. Wenn Thomas von seinem Heimaufenthalt berichtet. Auch wie Henni alles gegeben hat um ihre Geschwister durch zu bringen , damit sie alle zusammen bleiben können und nicht ins Heim mussten, hat mir ganz schön zugesetzt. Und dann der tragische Tod von Johanna und die Folgen.

    Da geht es mir auch so: es ist wirklich kaum auszuhalten und ich lese das Buch immer mit einem schrecklichen Gefühl der Hilflosigkeit und auch Wut!


    Ihr Vater wollte sie ja nicht bei sich zu Hause haben.

    Das habe ich auch noch als speziell gemein empfunden! Er wußte doch sicher, dass Henni nur dann aus der Besserungsanstalt darf, wenn sie einen Platz hat, wohin sie gehen kann! Es ist so ungerecht, dass er alles, was Henni für ihn und die Familie gemacht hat, übersieht. Es fällt ihm keine Sekunde ein, dass es eigentlich seine Aufgabe gewesen wäre, für Holz und warme Kleidung zu sorgen...


    Dieser Abschnitt hat mich ganz schön aufgewühlt und ich habe die Befürchtung, dass da noch einiges auf uns zukommt.

    Ja... ein schrecklicher Abschnitt und ich hatte auch mehr als einmal Tränen in den Augen!

    Kann man dieses Buch ohne Tränen lesen?

  • Bei mir geht das nicht, ich bin ja so eine Heulsuse und fühle immer ganz stark mit den Protagonisten. Ich bin dann beim lesen so in die Geschichte eingetaucht, das ich denke ich sehe es vor mir. Das zeigt auch, was für einen gefühlvollen Schreibstil Mechtild hat. Da kann ich nur ein großes Lob aussprechen.

  • Henni versucht weiterhin, den Alltag aufrecht zu erhalten, doch natürlich reicht die Kohle hinten und vorne nicht.

    Die "Aachener Kaffeefront" war damals ja sehr beliebt, ich habe gelesen, dass insgesamt etwa 1000 Tonnen Kaffee geschmuggelt wurde, der Gewinn pro Kilo waren etwa 10 Mark pro Kilo.

    Weil das Schmuggeln immer organisierter war, wurden auch die Zöllner immer nervöser, was ja zu dem furchtbaren Vorfall mit Werner Kopisch geführt hat. Das Schlimme ist ja: Egal, was die Zöllner davon hielten, sie mussten tun, was ihr Dienstherr befahl. Damit ist natürlich auch die Schmuggelroute kalt.

    Henni ist zwar sehr mutig, aber die neue Route ist nicht ohne. Das war dann wohl eher der Mut der Verzweiflung. Auf der anderen Seite: Welche Wahl hatte sie denn?

    Mit Thomas leide ich sehr mit, der tut mir einfach nur so unendlich leid, was er erlebt hat, war so grauenvoll und unfair. Immerhin hat er noch jemand wie Martin gefunden, ich glaube, der hat ihn gerettet. Zumindest psychisch. Natürlich auch Fried und Matthias, aber Martin war wohl sowas wie ein väterlicher Freund. Schön fand ich auch, dass er nachdem er so viele negative Erfahrungen gemacht hat, in Lüttich gute Erinnerungen hat. Menschen, die es gut mit ihm meinen und ihm helfen.

    Ich glaube, das Gertrud Regine totgeschlagen hat, vielleicht nicht mal mit Absicht, aber ich glaube nicht. dass es ihr den Schlaf geraubt hat. Ich kann hier nicht schreiben, was ich von ihr halte. Ich frage mich nur, warum, warum, ist sie Erzieherin geworden??????

    Und ich weiß auch nicht, was Pastor Lemke davon hat, wenn er sie Kinder in einem Heim unterbringt. Warum? Einfach nur Rache an Henni? Aber warum die Jungs? Ich kann mir das Verhalten der Kirchenleute und Erzieher nicht erklären. Wie kann man so rachsüchtig und kleinlich sein, so bar jeder Kritikfähigkeit?

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • aber leider für mich an manchen Stellen kaum auszuhalten gewesen. Wenn Thomas von seinem Heimaufenthalt berichtet. Auch wie Henni alles gegeben hat um ihre Geschwister durch zu bringen , damit sie alle zusammen bleiben können und nicht ins Heim mussten, hat mir ganz schön zugesetzt. Und dann der tragische Tod von Johanna und die Folgen.

    Da geht es mir auch so: es ist wirklich kaum auszuhalten und ich lese das Buch immer mit einem schrecklichen Gefühl der Hilflosigkeit und auch Wut!

    So geht es mir auch. Vor allem das Wissen, dass die Umstände nicht fiktiv sind. Grauenvolle Vorstellung

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ich glaube, das Gertrud Regine totgeschlagen hat, vielleicht nicht mal mit Absicht, aber ich glaube nicht. dass es ihr den Schlaf geraubt hat.

    Das fürchte ich auch. Gertrud hat sie zwar totgeschlagen, aber sie hat es sicher geschafft, diese Tat irgendwie vor sich selber zu rechtfertigen und damit sich selber verzeihen. Als Nonne hatte sie sowieso die Verzeihung von ganz oben...

    Und ich fürchte fast, dass Regine von niemandem vermisst wurde und dass es da nie irgendwelche Nachforschungen oder gar Konsequenzen gegeben hat - ein Kind weniger, mehr nicht!


    @Senara: was hälst Du eigentlich von Jürgen Loose? Glaubst Du, dass da noch mehr dahinter steckt oder interpretiere ich zuviel in Nebensätze?

    Liebe Grüße!;)
    Miriam

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()

  • Die Geschichte ist berührend und beklemmend. Ein Buch, bei welchem man nicht ohne Erklärungen sagen kann, warum es einem gefällt, denn die Geschehnisse gefallen natürlich nicht. Es ist die Art, wie Mechtild erzählt, wie sie andeutet und aus verschiedenen Blickwinkeln aufblättert, was geschehen ist. Die Tragik, die im Lebenslauf der Kinder steckt, macht traurig und da man ja weiß, was die Zukunft ihnen bringt, ist auch kein Licht am Ende zu sehen.


    Henni muss man einfach nur bewundern wegen ihrer Stärke und Loyalität und ihrem Mut. Manche der Erwachsenen erkennen das aber leider weder der Vater noch der Pfarrer. Anfangs habe ich noch mit ihm Nachsicht gehabt. Aber die schwindet von "Jahr zu Jahr". Dass Henni die Familie ernährt, muss er wissen. Und dass das nicht mit einer einfachen Putzstelle getan ist, auch dass wird er wohl ahnen. Aber er drückt sich davor, genau hinzuschauen, hat sich eingeigelt in seinem zurückgezogenen ichbezogenen Leben. Die Kinder spielen keine Rolle mehr, sind ihm eine Last. Johannas Tod hätte ihn wachrütteln müssen aber alles war er tut ist, seine Kinder ins Heim zu geben.

    Doch dann kam eine kleine Änderung, sie bekam eine Stelle bei dem Ehepaar Castrup. Die Frau Castrup scheint mir eine ganz nette zu sein, hoffentlich hat Henni es dort gut. Ihr Vater wollte sie ja nicht bei sich zu Hause haben. Allmählich hege ich einen richtigen Groll gegen Herbert, mein Verständnis für ihn ist nun ganz dahin.

    Auch mein Groll wächst so langsam wobei ich inzwischen auf die meisten der Erwachsenen sauer bin. Frau Castrup ist so nett, das kann man schon kaum mehr glauben, dass es so etwas auch noch geben könnte.


    Die Strafen, die die " gottesfürchtigen Ordensschwestern" an den Kindern praktizieren waren sehr grauenvoll, und schon alleine nur beim lesen kaum auszuhalten. Wie schlimm muss es da für die Kinder gewesen sein? Die Szene mit der Hose am ausgestreckten Arm, hat mir die Tränen in die Augen geschossen. Die Schwestern sind nicht einmal auf die Idee gekommen, darüber nachzudenken, warum Thomas eingenässt hatte. Selbst Erwachsene machen sich ein wenn sie sich in extremen Angstzuständen befinden.

    Es ist ja nicht nur eine Ordensschwester, sondern es sind alle Schwestern und Erzieher. Das macht mich fassungslos und ich frage mich, ob das wirklich die Quintessenz von deiner Recherche ist, liebe Mechtild. Gab es gar keine Ausnahmen von dieser grauenhaften Regel? Waren alle nur auf Erziehung durch Folter eingeschworen? Ich habe schon mehrmals von solchen Zuständen gelesen und gehört aber selten in so vielen schrecklichen Details. Die Kinder wurden unmenschlich behandelt und gebrochen.

    Und keiner glaubte den Kindern, wenn sie sich bei Vertrauenspersonen beschwert haben. Keine Hilfe in Sicht. Die Ausweglosigkeit ist furchterregend für mich.

    Für mich ist Thomas ein gebrochener Mann,der es irgendwie geschafft hat die Jahre im Heim in eine Schublade in seinem Gehirn einzuschließen. Und nun soll er zur Anhörung, wodurch alles nach und nach wieder so präsent wird, dass er es kaum aushalten kann.

    Es wundert mich nicht, dass Thomas Gehirn das Alles verdrängt hat. Mit all dem zu Leben ist ja kaum machbar. Die Kinder müssen ja alle schwere psychische Probleme gehabt haben in ihrem Erwachsenenleben. Jeder verarbeitet anders. Und noch wissen wir ja nicht die ganze Wahrheit. Ich fürchte, da kommen noch ein paar dicke Brocken auf uns zu.

  • Jürgen Loose macht mir auch ein wenig Kopfzerbrechen, irgendwie ist es an manchen Stellen komisch gewesen. Es sind bestimmte Äußerungen und Fragen und warum war er schon so früh im Ort, obwohl er erst Nachmittags mit Elsa verabredet war. Seine Erklärung dazu scheint mir nicht ganz ehrlich

    Er ist mit Sicherheit ein Sohn eines Beteiligten. Eines Grenzers würde ich mal tippen oder eines der erschossenen Schmuggler vielleicht. Mechtild macht da ein paar hauchfeine Andeutungen. Aber ich hoffe mal, er ist trotzdem einer von den Guten.

    Ja... ein schrecklicher Abschnitt und ich hatte auch mehr als einmal Tränen in den Augen!


    Kann man dieses Buch ohne Tränen lesen?

    Meine Kehle ist staubtrocken, wenn ich das alles lese und rüber nachdenke. Ich muss nicht weinen aber ich bin entsetzt und wütend. Und ich frage mich, wie die heutigen Kinderheime die Schmach von damals aufgearbeitet und abgestreift haben. Wie wurde diese böse Brut ausgebrannt, damit so etwas heute nicht mehr vorkommt? Hat es gereicht, dass die Forschung vorangekommen ist und man erkannt hat, welche psychischen Verletzungen man in der Kindheit erleiden kann und dass die meisten Leiden später - also z.B. Depressionen - auf so etwas zurückzuführen sind? Wie war das Personal damals geschult? Gar nicht? Oder waren die alle vorher GefängniswärterINNEN? War das alles einfach noch so in der Gesellschaft drinnen. Drill und Anpassung? Nur nicht aufmucken? Das System ist ja genau das gleiche wie jenes, welches die Nazis für das ganze deutsche Volk angewandt haben. Jeder gegen jeden, üble Nachrede, Verleumnungen, Drohungen, Strafen. Ich kann mir die alle auch gut in einem KZ als WärterINNEN vorstellen.


    Sehr gut kommt auch rüber, wie Kinder denken und wie sie um Liebe und Zuneigung kämpfen. Wie sie zuerst die Fehler bei sich suchen. Wie sie an ihrem Vater festhalten, obwohl er inzwischen auch ein Fremder sein könnte.

  • Ich habe auch diesen zweiten Abschnitt beendet und bin noch ganz fassungslos ... wie viel Leid kann ein Mensch ertragen, ohne daran zu zerbrechen? Vor dem schrecklichen Tod der kleinen Schwester Johanna war die 15jährige Henni noch fest davon überzeugt, dass das Leben es gut mit ihr meinte ... doch schon knapp zwei Jahre später nahm ihr Leben eine schreckliche Wendung. Auch wenn ihr später der Zollbeamte, der damals den tödlichen Schuss abgab, versicherte, dass es nicht ihre Schuld war, kommt sie doch nie darüber hinweg.


    Gut, hinzu kommt erschwerend, dass der eigene Vater und auch fast der ganze Rest des Dorfs ihr sehr wohl die Schuld in die Schuhe schiebt. Der Vater nimmt diesen Vorfall sogar zum Anlass, sich nun ganz der Kinder zu entledigen und sie ins Heim, bzw. eine Besserungsanstalt zu schicken. Alle drei Kinder erfahren keinerlei Wärme, da muss die Seele doch verkümmern!


    Auch über den armen Thomas erfahren wir noch mehr aus seiner trostlosen Kindheit im Heim. Was waren das denn für Schwestern, die da auf die Kinder losgelassen wurden? Man kommt ja nicht umhin im gleichen Gedankenzug an KZ Wärterinnen zu denken! Wie traurig ist dies Szene, in der der kleine Thomas im Garten stehen muss bis seine Hose wieder trocken ist ... ich bin sprachlos und wütend, wie große Menschen mit kleinen Menschen umgegangen sind! Und was wohl mit Regine passierte? Ist sie gar umgebracht worden?

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Gleich zu Beginn: welche Rolle spielt nun Jürgen Loose wirklich? Wer ist er? Es gibt da ein paar Andeutungen und Nebensätze, die mich stutzig gemacht haben. Ich vermute, dass er mit der ganzen Geschichte enger verbunden ist, als bis jetzt angenommen. Ich weiß nur noch nicht wie!


    Du könntest recht haben, dass es hier um mehr geht als nur eine Doktorarbeit ...

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • "Da war sie fünfzehn Jahre alt und fest davon überzeugt, dass das Leben es gut mit ihr meinte.! (Seite 115)

    Es sind Sätze wie dieser, die ein beklemmendes Gefühl hinterlassen.


    Oh, ich sehe, ysa, dieser Satz ist dir auch sehr nahe gegangen ... den hatte ich mir auch notiert ... ich sitze wie versteinert hier. Liebe Mechtild, es ist wirklich der Wahnsinn, wie du es schaffst, genau diese Stimmung rüber zu bringen. Ich bin echt beeindruckt. Ähnlich ging es mir bei deinen anderen Büchern, z. B. auch bei "Wenn das Herz im Kopf schlägt", das hatte mich auch tief bewegt.

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Nein, Henni hatte keine Chance, früher oder später hätte der Vater und der Pastor schon dafür gesorgt, dass die Kinder ins Heim gekommen wären.

    So sehe ich das auch ... richtig schrecklich fand ich auch, dass sie nur an ihren Vater Briefe schreiben durfte (und das ja selbst nicht ahnte) und diese dann ungeöffnet wieder an sie zurück kamen. Sie muss sich wirklich von der ganzen Welt im Stich gelassen gefühlt haben ...

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Es wundert mich nicht, dass Thomas Gehirn das Alles verdrängt hat. Mit all dem zu Leben ist ja kaum machbar. Die Kinder müssen ja alle schwere psychische Probleme gehabt haben in ihrem Erwachsenenleben. Jeder verarbeitet anders. Und noch wissen wir ja nicht die ganze Wahrheit. Ich fürchte, da kommen noch ein paar dicke Brocken auf uns zu.

    Ja, das fürchte ich auch und ich habe fast ein wenig Angst, weiterzulesen ... das Buch macht mich sehr betroffen ... schön, dass ich mit euch darüber reden kann! :)

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Meine Kehle ist staubtrocken, wenn ich das alles lese und rüber nachdenke. Ich muss nicht weinen aber ich bin entsetzt und wütend. Und ich frage mich, wie die heutigen Kinderheime die Schmach von damals aufgearbeitet und abgestreift haben. Wie wurde diese böse Brut ausgebrannt, damit so etwas heute nicht mehr vorkommt? Hat es gereicht, dass die Forschung vorangekommen ist und man erkannt hat, welche psychischen Verletzungen man in der Kindheit erleiden kann und dass die meisten Leiden später - also z.B. Depressionen - auf so etwas zurückzuführen sind? Wie war das Personal damals geschult? Gar nicht? Oder waren die alle vorher GefängniswärterINNEN? War das alles einfach noch so in der Gesellschaft drinnen. Drill und Anpassung? Nur nicht aufmucken? Das System ist ja genau das gleiche wie jenes, welches die Nazis für das ganze deutsche Volk angewandt haben. Jeder gegen jeden, üble Nachrede, Verleumdungen, Drohungen, Strafen. Ich kann mir die alle auch gut in einem KZ als WärterINNEN vorstellen.


    Oh, ich sehe, du hattest ähnliche Gedanken wie ich ich ...

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Auch über den armen Thomas erfahren wir noch mehr aus seiner trostlosen Kindheit im Heim. Was waren das denn für Schwestern, die da auf die Kinder losgelassen wurden? Man kommt ja nicht umhin im gleichen Gedankenzug an KZ Wärterinnen zu denken!

    Eine oberflächliche Suche im Internet hat ein erschreckendes Ergebnis geliefert: eigentlich waren diese Zustände keineswegs die Ausnahe, eher die Regel. Es war also völlig normal, Menschen zu misshandeln und zu brechen. Systematischer Sadismus - ich frage mich, wie Menschen, die in der Kindheit so etwas erlebt haben, dann als Erwachsene leben und wie sie Partnerschaft und Familie erleben.

  • Mir geht es wie euch - ich bin betroffen, traurig und wütend! Die Szene im Kinderheim aber auch in der „Besserungsanstalt“ sind einfach nur furchtbar!

    Wie die Jungs in dem Heim von den ach so frommen Nonnen behandelt werden, das ist einfach nicht zu glauben. Wie können Menschen so grausam sein? Einen Jungen Heu bestrafen für etwas, was er gar nicht getan hat! Matthias ist anscheinend der einzige, der den Mut hat, sich gegen die Frauen aufzulehnen. Aber ihm wird ja noch irgendetwas, ich vermute furchtbares, zustoßen.


    In der Besserungsanstalt, in der Henni ist, geht es auch nicht besser zu! Anfangs die Schikane durch die „Hilfserzieherinnen“, dann später die Schmach, sexuell belästigt zu werden. Natürlich glaubt das keiner, es sind nur „haltlose Anschuldigungen gegen einen Familienvater, die das ungeheure Ausmaß ihrer sittlichen Verwahrlosung zeigen“.

    Man kann Henni nur wünschen, dass sie es bei den Castrups besser hat. Ab er eigentlich kann es nur besser werden.


    Das Drama um Johanna! Wie furchtbar! Das ist sicher der zweite „Mord“, der Henni zur Last gelegt wird. Dabei war es einfach nur ein furchtbarer Unfall. Ich glaube Ludwig Merk, dass er nicht vorhatte, Johanna zu töten. Für ihn muss das ja auch furchtbar gewesen sein. Ich finde es sehr mutig von ihm, Henni zu besuchen. Er hat ihr in gewisser Weise geholfen, indem er ihr genau das gesagt hat, was sie gebraucht hat: „Man kann nicht hinter den Punkt zurück, den man ungeschehen machen möchte. Man kann nur weiter gehen.“ Diesen Schubs hat sie gebraucht, um endlich mit diesem Punkt abschließen zu können.

  • Gleich zu Beginn: welche Rolle spielt nun Jürgen Loose wirklich? Wer ist er? Es gibt da ein paar Andeutungen und Nebensätze, die mich stutzig gemacht haben. Ich vermute, dass er mit der ganzen Geschichte enger verbunden ist, als bis jetzt angenommen. Ich weiß nur noch nicht wie!

    Das geht mir genauso! Manche Sätze und Verhaltensweisen lassen den Schluss zu, dass mehr hinter der Geschichte steckt als nur eine Semesterarbeit.

    Zitat von ysa

    Hennis Brief nach Aachen zeigt Wirkung und ihr Vater wird jetzt wenigstens für seine Arbeit bezahlt. Den Pastor hat sie sich zum Feind gemacht und der Vater droht mit der Trennung der Geschwister - ihrer größten Sorge.

    Ich befürchte, da kommt noch was nach. Sich den Pastor zum Feind zu machen - das kann nicht ohne schwerwiegende Folgen bleiben.


    Zitat von ysa

    Henni beginnt also mit dem Schmuggeln und anfangs geht ja auch noch alles gut. Sie sorgt für die Familie, ihr Vater nimmt es erst einfach hin, kümmert sich gar nicht darum. Ich vermute jedoch, dass er es später dann doch gewußt hat. Oder hat er tatsächlich geglaubt, dass sie im "Eifelblick" als Küchenmädchen so viel verdient, dass die ganze Familie gut durchkommt? Weltfremd wie er ist, kann das natürlich auch möglich sein! Frau Witler, die Nachbarin kümmert sich eindeutig mehr um Henni und ihre Geschwister als der Vater.

    Der Vater ist total weltfremd! Er lebt nur noch in seinem Glauben. Über seine Kinder, Geld und sonstige „unwichtige“ Dinge macht er sich keine Gedanken.