02 - Seite 83 bis einschl. Seite 154 (Kapitel 11 bis einschl. Kapitel 19)

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  • Auf jeden Fall ist stimmt mit Jürgen Loose etwas nicht. Ich hoffe das er gute Absichten hegt und nicht doch noch gegen Henni ist.

    Ich unterstelle ihm jetzt einfach mal hehre Motive. Ich glaube nicht, das er zu den "Bösen" gehört.

    Das Gefühl habe ich auch.

  • also zunächst einmal - ich war mir darüber im Klaren, dass die Schilderungen des Heimalltags nicht leicht verdaulich sein würden. Auf der anderen Seite habe ich mit vielen ehemaligen Heimkindern gesprochen und mir war es wichtig, nichts durch Auslassung zu beschönigen.


    Die Erzieher/Innen in den Heimen wurden ja mit Kriegsende nicht einfach ausgewechselt, das waren immer noch die, die schon im Dritten Reich da waren, bzw. ihre Ausblindung in der Zeit gemacht hatten. Und auch die Kirche führte ihre Heime genauso weiter, wie zuvor. Ich habe mit einer Erzieherin gesprochen, die 1968 in einem Heim ihr Anerkennungsjahr gemacht hat. Zu dem Zeitpunkt änderte sich nach und nach die Heimpädagogik und sie hatte eine ältere Kollegin, die die Kinder immer noch schlug. Es war ein staatliches Heim und die Heimleitung erklärte der Kollegin: "Wir dulden das hier nicht, aber vielleicht suchen Sie sich eine Stelle in einer kirchlichen Einrichtung, da soll das noch gehen."


    Ich habe mit Absicht das Jahr 1970 als Ausgangspunkt gewählt, denn damals fand das Thema zum erstenmal auch in der Justiz Beachtung. Es kam zu gerichtlichen Anhörungen, aber die wurden alle "abgebügelt". Nach dem Motto: "Dass nicht sein kann, was nicht sein darf". Erst in den Neuzigerjahren, und später dann Anfang 2000 mit dem "Runden Tisch" wurden ehemalige Heimkinder angehört.

    Wahnsinn, das Du das hier nochmal so deutlich aussprichst. Klar waren es noch Erzieherinnen aus der Nazizeit - aber man hat immer irgendwie die Vorstellung, Menschen (und ganz explizit Frauen und noch expliziter Nonnen) könnten doch nicht so sein und Kinder derart quälen. Das geht einfach nur schwer in mein eigenes Weltbild rein und erschüttert mich sehr. Dieser Satz "Wir dulden das hier nicht aber...." Oh Gott - im wahrsten Sinne des Wortes - was würde der dazu sagen, dass hier in seinem Namen geschlagen wird. Und ich bin auch immer wieder frustriert, dass es 50 Jahre gedauert hat, bis das so richtig thematisiert und aufgearbeitet wurde, also zu einer Zeit, wo man viele der bösartigen ErzieherINNEN schon gar nicht mehr zur Rechenschaft ziehen konnte, weil sie schon tot oder uralt waren.

  • Zu Jürgen Loose: Da verrate ich sicher nicht zuviel, wenn ich sage, dass ihr sehr aufmerksame Leserinnen seid :unschuldig: .

    Ich mag es, dass Du uns ganz zarte Hinweise gibt's, wo wir als aufmerksame LeserINNEN sagen können, hoppla, das bedeutet sicher was. Das schreibt Mechtild nicht einfach so dahin. Es ist ein bisschen ein Spiel zwischen Autorin und Leserin. :)

    Aber ganz ehrlich - ich habe noch nie ein Buch gelesen, bei dem ich mir so sehr ein Happy End (wobei mir klar ist, dass es das hier nicht so einfach geben kann) gewünscht habe!

    Für mich ist es ein Buch, wo ich mir gar nicht genau vorstellen kann, was es für ein Ende werden sollte aber Happy kann ich mir auch nicht vorstellen. Dafür sind die Seelen der Menschen hier einfach zu sehr verletzt. Dass Henni nicht ins Gefängnis muss, ja das schon. Aber ich frage mich, wer dann ins Gefängnis muss. Gab es einen Mörder oder eine Mörderin?

  • Ich stimme euch zu, ein „happy“ end kann es nicht geben! Wenn Henni freigesprochen wird und vielleicht endlich mal ein annähernd normales Leben führen kann, wäre das schon viel. Thomas tut mir auch sehr leid, er müsste dringend seine Vergangenheit aufarbeiten, um damit abschließen zu können.

  • Ihr Lieben, ich melde mich morgen ... habe schon weitergelesen aber hatte hier in Usedom keinen Internet Anschluss ... bis morgen :)

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Gleich zu Beginn: welche Rolle spielt nun Jürgen Loose wirklich? Wer ist er? Es gibt da ein paar Andeutungen und Nebensätze, die mich stutzig gemacht haben. Ich vermute, dass er mit der ganzen Geschichte enger verbunden ist, als bis jetzt angenommen.

    Da bin ich ganz bei Dir. Ich tippe jetzt mal, dass Jürgen Loose der Sohn vom Zollbeamten Merk ist. Zum einen, weil es auf mich so wirkt, als hätte er ein "Eigeninteresse" (und damit meine ich keine Semesterarbeit, für die er sich eh viel zu wenig Notizen mach) und zum anderen, weil er sich ein-, zweimal gegenüber Elsa fast verhaspelt und einen Mann erwähnt...

    Aktuell könnte ich mir vorstellen, dass Merk am Tod von Johanna zerbrochen ist und die Versetzung und der Umzug da auch nicht mehr helfen konnten. Vielleicht hat er Selbstmord begangen? Oder sich zu Tode gesoffen? Jürgen könnte durch die zweite Ehe der Mutter den Nachnamen seines Stiefvaters erhalten haben, ist nun aber auf Spurensuche nach seinem leiblichen Vater. Und Hennis Prozess ist dafür ja kein schlechter Ansatz, oder?


    Wirklich widerlich finde ich die Reaktionen der Dorf"gemeinschaft"! Erst profitieren sie alle, dann hacken sie auf die Zollbeamten ein und schlussendlich machen sie es sich besonders einfach und geben einfach Henni alle Schuld. Unfassbar! Ausgerechnet einer Jugendlichen, die lediglich für das Auskommen ihrer kleineren Geschwister unfassbar gestrampelt hat...

    So sehr ich Elsa auch schätze, einen bitteren Beigeschmack hat ihr Geständnis, dass sie Henni auch nie besucht hat, doch bei mir hinterlassen. Klar, sie war jung und verliebt - aber Henni hat auch immer zu ihr gestanden! Wenigstens gesteht sie diesen Fehler ein und verurteilt die damalige Freundin nicht der Einfachheit halber, wie so viele andere.

    Henni beginnt also mit dem Schmuggeln und anfangs geht ja auch noch alles gut. Sie sorgt für die Familie, ihr Vater nimmt es erst einfach hin, kümmert sich gar nicht darum. Ich vermute jedoch, dass er es später dann doch gewußt hat. Oder hat er tatsächlich geglaubt, dass sie im "Eifelblick" als Küchenmädchen so viel verdient, dass die ganze Familie gut durchkommt?

    Mein Gefühl sagt mir, dass sich Hennis Vater einfach nicht geschert hat. Er war so mit sich und seinem Glauben beschäftigt, dass er keinen Blick oder gar Gedanken für seine Kinder hat. Das geht so weit, dass er sie weder als Glück noch als Last empfindet - sie scheinen ihm einfach gänzlich egal zu sein.


    Im Grunde ist Hennis Geschichte eine unglaubliche Verkettung wirklich unglücklicher Zustände. Vermutlich wäre das alles nicht passiert, wenn der Vater nicht als Minenentschärfer im Krieg hätte "dienen" müssen... So aber löst der gebrochene Mann eine Lawine los.

  • Doch dann kam eine kleine Änderung, sie bekam eine Stelle bei dem Ehepaar Castrup. Die Frau Castrup scheint mir eine ganz nette zu sein, hoffentlich hat Henni es dort gut.

    Kommen die Castrups in diesem Leseabschnitt schon vor? Bei mir fällt lediglich der Name des Ehepaar zum Ende von Kapitel 19.;)

    Was wohl mit der Regine geschehen war und was war mit Thomas?

    Matthias und Fried wurden Thomas seine besten Freunde, vor allem Matthias beschützte Fried und Thomas.

    Ja, das ist auch eine der Fragen, die für mich aktuell am Schwersten wiegt. Obwohl ich gestehen muss, dass ich mich auch ein wenig vor der Antwort fürchte...

    Wenn man mal bedenkt, dass das alles noch gar nicht so lange her ist! Da wurden wirklich fürchterliche Erziehungsmethoden angewandt, Kinder und Jugendliche wie Feinde behandelt, jungen Frauen nicht geglaubt (weil das Wort eines verheirateten Familienvaters natürlich mehr zählt) und Pädagogik bestand aus drakonischen Strafen... Keine leichte Lektüre, wenngleich eine wichtige Geschichte, die es zu erfahren gilt. Das kann ich getrost jetzt schon festhalten.


    Was mich sehr beeindruckt, ist der Zusammenhalt der Schöning-Kinder. Auch Matthias hat das Herz sowas von am rechten Fleck! Wie er sich für Fried und Thomas einsetzt... da steht er seiner großen Schwester in fast nichts nach. Es ist traurig, dass die Mutter so früh gestorben ist, denn ich bin mir sicher, dass sie eine tolle Frau war, die in wenigen Jahren ihren Kindern einiges mitgegeben hat!

  • Ich glaube, das Gertrud Regine totgeschlagen hat, vielleicht nicht mal mit Absicht, aber ich glaube nicht. dass es ihr den Schlaf geraubt hat. Ich kann hier nicht schreiben, was ich von ihr halte. Ich frage mich nur, warum, warum, ist sie Erzieherin geworden??????

    Noch dazu in einem christlichen Kinderheim! Da ist wirklich kein Funke von dem, was ich unter erzieherischen Aufgaben und christlicher Nächstenliebe verstehe, vorhanden. Aber ja, in den 50ern war da noch sehr vieles ganz anders - auch in der öffentlichen Wahrnehmung.


    Ich denke auch, dass Regine tot ist - auch wenn ich nicht einschätzen kann, was genau passiert sein könnte. Hat es mit dem Keller zu tun? Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich ärgste Befürchtungen habe, was die Räumlichkeiten unter der Treppe angeht...

  • Und das Jürgen Loose heißt und nicht Merk, das kann ja vielerlei Gründe haben. Vielleicht musste sie sogar eine Namensänderung beantragen wegen des Druckes von außen.

    Ha, wir haben den gleichen Gedanken gehabt! Dass Jürgen mit Nachnamen Loose heißt, habe ich nicht weiter hinterfragt. Ich habe einfach angenommen, dass seine Mutter ein zweites Mal geheiratet hat und Loose der Nachname seines Stiefvaters ist.

  • Ich glaube, das Gertrud Regine totgeschlagen hat, vielleicht nicht mal mit Absicht, aber ich glaube nicht. dass es ihr den Schlaf geraubt hat. Ich kann hier nicht schreiben, was ich von ihr halte. Ich frage mich nur, warum, warum, ist sie Erzieherin geworden??????

    Noch dazu in einem christlichen Kinderheim! Da ist wirklich kein Funke von dem, was ich unter erzieherischen Aufgaben und christlicher Nächstenliebe verstehe, vorhanden. Aber ja, in den 50ern war da noch sehr vieles ganz anders - auch in der öffentlichen Wahrnehmung.


    Ich denke auch, dass Regine tot ist - auch wenn ich nicht einschätzen kann, was genau passiert sein könnte. Hat es mit dem Keller zu tun? Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich ärgste Befürchtungen habe, was die Räumlichkeiten unter der Treppe angeht...

    Ich tippe auf einen "bedauerlichen Unfall" bei der körperlichen Züchtigung. Also so lange verklopft, bis sie tot war.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Es ist traurig, dass die Mutter so früh gestorben ist, denn ich bin mir sicher, dass sie eine tolle Frau war, die in wenigen Jahren ihren Kindern einiges mitgegeben hat!

    Die Mutter hätte bestimmt auch ihrem Mann helfen können, wieder ins Leben zu finden. Wirklich tragisch, dass sie so früh gestorben ist.

  • So sehr ich Elsa auch schätze, einen bitteren Beigeschmack hat ihr Geständnis, dass sie Henni auch nie besucht hat, doch bei mir hinterlassen.

    Da gebe ich dir recht! Sie war zu sehr mit ihrer Liebe beschäftigt. Die hat sie sprichwörtlich blind gemacht für ihre Freundin. Aber später hat sie sich gegen den Dorfklatsch gestellt, das war schon klasse.

  • Was mich sehr beeindruckt, ist der Zusammenhalt der Schöning-Kinder. Auch Matthias hat das Herz sowas von am rechten Fleck! Wie er sich für Fried und Thomas einsetzt... da steht er seiner großen Schwester in fast nichts nach. Es ist traurig, dass die Mutter so früh gestorben ist, denn ich bin mir sicher, dass sie eine tolle Frau war, die in wenigen Jahren ihren Kindern einiges mitgegeben hat!

    Kinder sind ja auch das Produkt ihrer Umwelt und ihrer Eltern. Ich glaube, dass der Vater früher durchaus ein positiver Mensch, ja, vermutlich sogar ein guter Vater gewesen ist. Die Kinder hatten früher ein glückliches ausgeglichenes Elternhaus und wurden starke Persönlichkeiten. Ich vermute einfach mal, dass der Vater früher schon etwas richtig gemacht hat. NIcht nur die Mutter, die natürlich bis zu ihrem Tod ein Anker für die Familie war.

  • Doch dann kam eine kleine Änderung, sie bekam eine Stelle bei dem Ehepaar Castrup. Die Frau Castrup scheint mir eine ganz nette zu sein, hoffentlich hat Henni es dort gut.

    Kommen die Castrups in diesem Leseabschnitt schon vor? Bei mir fällt lediglich der Name des Ehepaar zum Ende von Kapitel 19.;)

    Ich bin jetzt einfach davon ausgegangen das sie die Stelle bekommt. Hab wohl eine Seite zu weit gehabt, sorry:)