03 - Seite 155 bis einschl. Seite 226 (Kapitel 20 bis einschl. Kapitel 27)

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  • Das mit dem Erbrochenem musste ich am eigenen Leib erfahren. Ich war in einem evangelischen Kindergarten und ein sehr schlechter Esser. Wenn ich das Essen hochgewürgt habe, weil ich das Essen nicht mochte, wurde es mir eingeflößt. In Rückenlage mit Nase zuhalten. Es hieß dann, Essen sei wertvoll und ich solle froh sein Essen zu bekommen.

    Das ist ja kaum zu glauben!! Wie kann man ein Kind so quälen? Unfassbar! Und das in den 70er Jahren? Krass. Du ärmste! Gut, dass deine Mutter die Konsequenzen gezogen hat.

    Um Himmels Willen, kessi, das ist ja furchtbar !!!!

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Das ist ja kaum zu glauben!! Wie kann man ein Kind so quälen? Unfassbar! Und das in den 70er Jahren? Krass. Du ärmste! Gut, dass deine Mutter die Konsequenzen gezogen hat.

    Um Himmels Willen, kessi, das ist ja furchtbar !!!!

    Ja das ist grausam gewesen und leider kein Einzelfall. In dem anderen Kindergarten wo ich war, gab es auch bestimmte Maßnahme wie am Tisch sitzen bleiben bis aufgegessen wurde, oder man musste alleine in den Waschraum. Da wurde dann die Schlafliege hinein gestellt und man lag da alleine oder auch mit noch einem Kind. Davon bin ich zum Glück verschont geblieben, da meine Mutter gleich klar gestellt hatte, was sie davon hält und das sie das nicht wünscht.

  • Mathias ist wie Henni, so stark und tapfer. Ich hatte den Eindruck, dass die Schwestern ihn im Heim nicht hätten brechen können, wenn nicht der Vater gewesen wäre, der ihm die letzte Hoffnung genommen hätte. Er dachte, der Vater wäre der einzige Erwachsene, der zu ihm stände, wenn es drauf ankam. Auch wenn Heinrich ja seit seiner Rückkehr nie mehr so war, so hatte Mathias nie aufgegeben daran zu glauben. Aber als sein Vater ihn nicht mal gegen die gewalttätigen lügenden hinterfotzigen - sorry für den garstigen Ausdruck - Nonnen verteidigt hat, da ist etwas in ihm zerbrochen. Und in die Kerbe haben die Nonnen reingehauen und ihn seelisch und körperlich vernichtet. Zum Heulen, dass sie gewonnen haben.

    Ja, ich war auch wirklich überrascht, als ich erkannt habe, dass Matthias im Grunde Hennis Rolle übernimmt und sich für den kleineren Fried verantwortlich zeigt. Auch sein Einsatz für Thomas zeugt von großer Menschlichkeit, bedenkt man mal, dass ein Jugendlicher mehr Mitgefühl und Menschlichkeit zeigt als die ganzen Erwachsenen in seiner Umgebung zusammen!

    Ich denke, dass Matthias - im Gegensatz zu Henni - noch Hoffnung in den Vater hatte, lag mit Sicherheit daran, dass bislang die große Schwester auch ein wenig vor solchen Enttäuschungen abgeschirmt hat... Umso härter trifft ihn die Erkenntnis! Unglaublich, dass er fünf Tage von Trier bis Velda gegangen ist, sein Vater diese "Tat" aber mit einer einzigen Geste wegwischt. Spätestens da hätte Herbert Schöning doch mal in sich gehen können - angesichts der Leistung seines ältesten Sohnes!

    Jürgen ist der Sohn von Merk. Aber ich bin froh, dass er und Elsa sich schnell wieder vertragen, denn die beiden sind es, die der Geschichte mit ihren Fragen noch eine gute Wendung geben könnten. Darauf hoffe ich ja noch für Henni. Elsa finde ich eine besonders tolle Figur. Ihre ruhige Stärke und ihre Hartnäckigkeit und Treue sind ein positiver Anker in all dem Kummer.

    Ich muss gestehen, dass die Erkenntnis, dass ich Jürgen richtig eingeordnet habe, tatsächlich ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert hat. Eines der wenigen bei dieser teilweise beinharten Lektüre.

    Jürgens Argumentation, dass er mit zwei Wahrheiten aufgewachsen ist - die der Mutter und die des bedauernden Vaters -, fand ich plausibel. Und mehr als das: es freut mich ungemein, dass er sich ein eigenes Bild macht und sich auf die richtige Seite schlägt!

    Ehrliche, treue und hartnäckige Menschen wie Elsa und Jürgen kann Henni jetzt sehr gut gebrauchen.

    Eine Nebenfigur, die auch sehr gut gelungen ist, ist Frau Castrup. Wie die im Gericht den Staatsanwalt demontiert ist ein Highlight gewesen. :totlach: Bei all dem Unglück hat Henni auch immer wieder Glück mit Menschen, wie Frau Castrup oder ihrem Ehemann oder Elsa. Sonst würde sie - und ich - ja ganz das Vertrauen an die Menschheit verlieren.

    Ja, Frau Castrup ist großartig! Nicht nur, weil sie mir Hoffnung auf das Gute im Menschen zurückgegeben hat, sondern weil sie auch Henni ein großes Glück im Kleinen beschert...<3

  • Der Vater.... Wie grausam kann ein Mensch sein? Sind ihm durch seinen traumatischen Erlebnisse alle Gefühle abhanden gekommen? Er lässt seinen Inder fallen und intrigiert sogar gegen sie. Wenn ich das richtig interpretiere, ist es nicht so, dass Fried keinen Kontakt zu Henni wollte. Das hat der Vater so bestimmt. Warum?? Mathias hat er auch hängen lassen, er ist daran zerbrochen und letztlich gestorben.

    Meiner Meinung trifft Deine Vermutung, dass durch sein Trauma seine Emotionen abhanden gekommen sind, ziemlich gut zu. Er dreht sich nur noch um sich selbst... Projiziert sein Leben und seine Verantwortung alleine auf seine Beziehung zu Gott.

    Seine Kinder manipuliert er, weil die Schwestern ihm erzählen, dass seine Söhne immer nur lügen und sie erst einmal zur Besinnung kommen müssen, bevor sie wieder integrierbar sind. Er glaubt den Schwestern vorbehaltlos, weil sie für die Kirche und seinen eigenen Glauben stehen - da haben selbst seine Kinder keine Chance.

  • Ich finde auch: wie kann der Richter es wagen, Thomas als debil zu bezeichnen und seine Ausbildung in Frage zu stellen. Dafür gibt es doch Beweise, also das Zeugnis und er müsste es betrachten, wenn er nicht einmal Fried glaubt, der es auch bezeugt. Wahrscheinlich war der gekauft oder zumindest mit im Klüngel.

    Ich denke, der Richter hat Vorurteile. Soll nicht sein, ist aber wohl so.

    Wir sind in den 70ern, da waren nicht wenige Richter noch ganz andere Zeiten gewohnt.X( Und ja, die damaligen Zeiten waren so, dass man einer kirchlichen Einrichtung mehr Vertrauen entgegenbrachte als deren Zöglingen.

    Ich vermute mal, dass auch die unzähligen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche nicht immer nur unter den Teppich gekehrt werden konnten. Aber wenn man die Wahl hat, einer solchen Institution, die auf den Glauben und das Gottvertrauen der Menschen setzt, und Kindern zuzuhören und danach sein Urteil zu fällen, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass den Kindern in etlichen Fällen vermutlich nicht mal Gehör geschenkt wurde. Weil deren Geschichte so "unglaublich" schien...

  • Extrem zu Herzen ging mir dann diese Szenen, wo weder Fried noch Thomas an Matthias' Tod glauben konnten. Es hätte ihnen den letzten Lebensmut geraubt und so wurde ihr Wunsch, dass Matthias fliehen konnte und bereits in Italien ist, immer mehr zur Wahrheit.

    Ja, eine unglaubliche Schilderung, die mir Tränen beschert hat! Die beiden wissen unterbewusst, dass Matthias tot ist, aber ihr Gehirn weigert sich, das wirklich zu begreifen. So malen sie sich Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus, stilisieren Matthias noch mehr zu ihrem Retter.

    Irgendwie fand ich es auch für Matthias selbst sogar tröstlich. Ich denke, es wäre für ihn gut gewesen, dass er so noch für den Lebensmut der beiden Jüngeren sorgt. So lange, bis sie halbwegs in der Lage sind, seinen Tod zu verarbeiten.

  • Übrigens musste ich im methodistischen Kindergarten auch in den 80ern noch so lange am Tisch sitzen bleiben, bis ich das Essen aufgegessen hatte.

    Zuhause musste ich das auch zweimal. Allerdings war ich da tatsächlich selbst "schuld", weil ich mir zu viel auf den Teller getan hatte... Meine Eltern (beide noch zu Kriegszeiten geboren) wollten mir damit zeigen, dass man sich immer nur so viel nimmt, wie man auch wirklich schafft. Selbst wenn es das absolute Lieblingsessen ist (wie in den beiden Fällen), kann man immer noch was nachholen... Einen deutlichen Unterschied gab es: ich wurde letzten Endes nicht gezwungen, das Essen wirklich noch hineinzustopfen. Es war eher wie Nachsitzen.

  • Meine Eltern (beide noch zu Kriegszeiten geboren) wollten mir damit zeigen, dass man sich immer nur so viel nimmt, wie man auch wirklich schafft. Selbst wenn es das absolute Lieblingsessen ist (wie in den beiden Fällen), kann man immer noch was nachholen... Einen deutlichen Unterschied gab es: ich wurde letzten Endes nicht gezwungen, das Essen wirklich noch hineinzustopfen. Es war eher wie Nachsitzen.

    Das ist ja noch eine sinnvolle erzieherische Maßnahme. Du hast sicher daraus gelernt, oder? Etwas aufessen zu müssen, was einem nicht schmeckt, ist einfach nur grausam. Meine Kinder mussten alles probieren, aber wenn es nicht geschmeckt hat, mussten sie es nicht essen. Mein Sohn hat mich mal gefragt, ob man von zuviel Brokkoli sterben kann.... :totlach:

  • Ich denke, dass Matthias - im Gegensatz zu Henni - noch Hoffnung in den Vater hatte, lag mit Sicherheit daran, dass bislang die große Schwester auch ein wenig vor solchen Enttäuschungen abgeschirmt hat... Umso härter trifft ihn die Erkenntnis! Unglaublich, dass er fünf Tage von Trier bis Velda gegangen ist, sein Vater diese "Tat" aber mit einer einzigen Geste wegwischt. Spätestens da hätte Herbert Schöning doch mal in sich gehen können - angesichts der Leistung seines ältesten Sohnes

    Das merkt man Matthias aber auch an, nachdem er vom Vater so verraten wurde, bricht er ja emotional zusammen und löst sich vom Vater, weil er erkennt, dass er keinerlei Hilfe erwarten kann. Die Enttäuschung von Matthias war richtig spürbar, auch als Leser

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Mein Sohn hat mich mal gefragt, ob man von zuviel Brokkoli sterben kann.... :totlach:

    Mein Sohn hat von dem Augenblick an, als er feste Nahrung zu sich nehmen durfte, alles verweigert, was grün war. Also weder Brokkoli noch Spinat oder Salat - ganz egal. :totlach: Nach ein paar Jahren ist das dann Gott sei Dank gekippt, aber Obst isst er immer noch nicht gerne. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was ich für Gewalt hätte anwenden müssen, um ihm zu zwingen etwas zu essen, was er nicht mochte.

  • Übrigens musste ich im methodistischen Kindergarten auch in den 80ern noch so lange am Tisch sitzen bleiben, bis ich das Essen aufgegessen hatte.

    Zuhause musste ich das auch zweimal. Allerdings war ich da tatsächlich selbst "schuld", weil ich mir zu viel auf den Teller getan hatte... Meine Eltern (beide noch zu Kriegszeiten geboren) wollten mir damit zeigen, dass man sich immer nur so viel nimmt, wie man auch wirklich schafft. Selbst wenn es das absolute Lieblingsessen ist (wie in den beiden Fällen), kann man immer noch was nachholen... Einen deutlichen Unterschied gab es: ich wurde letzten Endes nicht gezwungen, das Essen wirklich noch hineinzustopfen. Es war eher wie Nachsitzen.

    Aber manchmal sind die Augen größer als der Hunger:) da kann man sich schon mal als Kind ein wenig zu viel auffüllen :totlach:

  • Beitrag von TochterAlice ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
  • Wir sind in den 70ern, da waren nicht wenige Richter noch ganz andere Zeiten gewohnt. X( Und ja, die damaligen Zeiten waren so, dass man einer kirchlichen Einrichtung mehr Vertrauen entgegenbrachte als deren Zöglingen.

    Ja, da hast Du Recht und es ist mir auch klar, aber es auf so schockierende Weise (die sicher keine Seltenheit war) präsentiert zu bekommen, entsetzt mich dann doch!

    Aber manchmal sind die Augen größer als der Hunger :) da kann man sich schon mal als Kind ein wenig zu viel auffüllen :totlach:

    Nicht nur bei Kindern - auch mir geht das manchmal so und ich bin heilfroh, dass ich schon seit Jahrzehnten selbst bestimmen kann, was ich stehen lasse und was nicht!

  • Aber manchmal sind die Augen größer als der Hunger:) da kann man sich schon mal als Kind ein wenig zu viel auffüllen :totlach:

    Vor allem, wenn Geschwister da sind und man Angst hat, zu kurz zu kommen. Meine Kinder waren da schlimm. Wenn es z. B. Frikadellen gab, war die erste Frag: “Wieviel kriegt jeder?“ :totlach: Ein Wunder, dass aus allen dreien gestandene Mannsbilder geworden sind.... 8)