04 - Seite 227 bis Ende (Kapitel 28 bis Ende)

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  • Henni hat geschwiegen, weil sie dachte, Fried hätte Vater und Nonne umgebracht. Was für ein Dilemma. Sie hatte das Gefühl, wenigstens ihren letzten Bruder beschützen zu müssen. Das Thomas Schwester A. gestoßen hatte und der Vater Selbstmord begangen, darauf wäre sie nie gekommen. Aber es war für mich durchaus naheliegend.


    Beim Vater hat mich ja gewundert, dass er so lange durchgehalten hat. Er hat sich alles schöngeredet und beim Prozess ist sein Traumgebäude zerbrochen und er musste erkennen, dass er – nicht Henni – mit Schuld am Tod zweier seiner Kinder ist. Hätte er Geld verdient, hätten die Kinder nicht schmuggeln müssen und hätte er sich gekümmert nicht ins Heim gemusst.


    Elsa wird zu einer Ermittlerin und findet heraus, dass der Benzinkanister nicht von Henni dort platziert war. Elsa ist toll. Gut, dass es sie gibt. Leider reicht es nicht für einen Freispruch. Ich hätte gedacht, dass man das Verfahren nochmal aufnehmen kann. Aber da gibt es ja sicher Fristen und Vorgaben und die erfüllt Hennis Situation nicht. Sieben Jahre werden ihr nochmal gestohlen von ihrem Leben. Wenigstens hält die Familie zu ihr.


    Ein Problem, welches ja auch heutzutage immer wieder auftaucht ist zu beweisen, dass jemand nicht auf das Kindeswohl geachtet hat. Also z.B. der Arzt, der ja gemerkt hat, dass da nicht alles mit rechten Dingen zu geht in dem Heim. Aber seine Beschwerden verlaufen im Sande. Jugendamt gab es ja noch nicht und selbst dann muss man es ja auch erst mal beweisen. Ob man die Kinder heutzutage bei solchen Vorwürfen wenigstens aus der Gefahrenzone bringen würde? Oder die Erzieher suspendieren? Auch heute passiert es ja immer wieder, dass Kinder misshandelt werden – nicht unbedingt in Heimen aber generell – und dass die Behörden nur langsam oder auch zu spät handeln. Aber die Kindesmisshandlung über so einen langen Zeitraum in so großem Stil ist natürlich nochmal eine andere Hausnummer. Erinnert mich sehr an die Fälle von Missbrauch in Internaten und bei der Kirche in den letzten 10, 15 Jahren. Das kann man auch nicht fassen, das da niemand früher etwas gemerkt aht und Alarm geschlagen hat.


    Eine Gefühlsregung, die man nicht haben sollte, die ich aber als Leserin dieser Geschichte einfach ausgelebt habe, ist die, dass ich gut fand, dass Thomas die Nonne vor den Zug geschubst hat. Nein, so etwas tut man nicht. Es ist Mord. Aber sei`s drum. Beim Lesen kann ich auch mal meine dunkle Seite ausleben – und Du beim Schreiben vielleicht auch, liebe Mechtild. Ich habe also zufrieden die Faust geballt, als Schwester A. endlich ihrem Schöpfer gegenüber stehen musste. Ungestraft durfte die nicht davon kommen.:teufel:


    Und auch wenn es natürlich traurig ist, dass Henni wegen Thomas im Gefängnis sitzt, so denke ich, hat sie die sieben Jahre besser verkraftet als Thomas. Der wäre im Gefängnis wahrscheinlich vollständig untergegangen. Ich fragte mich nur, hat er gar nicht mitbekommen, dass Henni ja wegen seiner Tat verurteilt wurde? Ja, er hat die Tat verdrängt. Aber es kam mir so vor, als wüsste er gar nicht, wie das Urteil ausfiel, nachdem er Deutschland verlassen hatte.


    Liebe Mechtild, ein erschütterndes und intensives Buch, was Du uns da geschrieben hast. Die Recherche kann ich mir diesmal besonders hart vorstellen, mit all den Gesprächen der ehemaligen Heimkinder. Du hast mir mal wieder ein paar unvergessliche Charaktere geschenkt, die ich nicht so schnell vergessen werde. Danke dafür.

  • Kapitel 28:

    Zitat

    "Pastor Jaeckel folgt ihr zum Ausgang. "Sie sind davon überzeugt, das Schönings Tochter unschuldig ist, und das ehrt Sie. Aber passen Sie auf, dass Sie sich nicht verrennen", mahnt er sie fürsorglich.

    Elsa steht schon auf der Mitte des Plattenwegs, als sie sich umdreht. "Könnte ja auch sein, das alle anderen sich verrannt haben. Das kommt vom Herdentrieb. Da sollte der Hirte ein Auge drauf haben!" Dann humpelt sie davon."

    ...

    Super! Das ist mein Highlight.

    Die gute Elsa trifft genau ins Schwarze. Gerüchte und Gerede werden zu Vorurteilen und Vorurteile zum Urteil.

  • Henni hat geschwiegen, weil sie dachte, Fried hätte Vater und Nonne umgebracht. Was für ein Dilemma.

    Liebe Mechtild, ein erschütterndes und intensives Buch, was Du uns da geschrieben hast. Die Recherche kann ich mir diesmal besonders hart vorstellen, mit all den Gesprächen der ehemaligen Heimkinder. Du hast mir mal wieder ein paar unvergessliche Charaktere geschenkt, die ich nicht so schnell vergessen werde. Danke dafür.

    Das hat mich auch erschüttert, so ein Missverständnis. Ich habe es auch so gelesen, dass Thomas in seiner Verstörtheit die Nonne gestoßen hat. Allerdings ging es mir wie dir, ich habe mich so "gefreut" über das Ende. Oder vielmehr es war so ein Gefühl von, das hat die sowas von verdient.

    Liebe Mechtild, ich schließe mich hier vollumfänglich an, es war ein aufrüttelndes, erschütterndes und emotionales Buch. Und ging mir so nahe, ich glaube so mitgelitten habe ich schon lange nicht mehr.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Elsa ist bei mir jetzt "Miss Marple" ^^ Schön, das sie am Ende recht hatte, nachdem sie nie den Glauben an Henni verloren hat. So eine Freundin ist echt Gold wert. <3

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Henni glaubte mit ihrem Schweigen ihren Bruder zu schützen! Warum haben die beiden bloß nicht gleich offen und ehrlich miteinander geredet? So ein sinnloses Drama - Henni muss für Jahre hinter Gitter. Ich glaube nicht, dass irgendwer es schaffen kann, das unbeschadet zu überstehen! Egal wie sehr Mann und Familie hinter ihr stehen - es ist sinnlos und ungerecht. Vor allem weil das Urteil eigentlich nur wegen ein paar Indizien und einer ungenauen Zeugenaussage zustande kommen konnte.


    Elsa forscht weiter nach und findet die wesentlichen Fakten, damit der Brand als Unfall und nicht mehr als Brandstiftung bezeichnet wird. Da imponiert mir Elsa wieder sehr! Herbert Schöning war betrunken und der Brand ein Unfall. Kurz dachte ich, ob es vielleicht Selbstmord war - aber diesen Gedanken habe ich gleich wieder verworfen.

    Eine aussage von Henni hat mir diesbezüglich sehr zu denken gegeben: "Von da an hat er nichts mehr selber in dei Hand genommen. Hat alles in Gottes Hand gelegt oder, besser, in die von Pastor Lenkes. Aber das habe ich erst in den letzten Jahren verstanden..... Aber nichts mehr in die iegene Hand zu nehmen ist auch eine Entscheidung! Und die hat er zu verantworten" (Seite 233)


    Thomas hat nie erfahren, dass er Sr Angelika den Bahnsteig runtergestoßen hat? Hat er es überhaupt getan? Vieles spricht dafür, aber so ganz klar ist es dann ja doch nicht, oder?

    Betrauern kann ich ihren Tod keinesfalls - ich empfinde es (auch wenn es Mord war) als "schicksalhafte Gerechtigkeit", vielleicht hat Thomas da ein wenig nachgeholfen. Da es ein Buch ist kann ich ja so denken.


    Die Geschichte lässt mich fassungslos und traurig zurück, weil ich Schicksale kennenlernte, die ich nie für möglich gehalten hätte.

    Ich glaube, mit diesem Buch hast Du zahllosen misshandelten Menschen eine Stimme gegeben.

  • Fünf verlorene Jahre! Ich frage mich eh, ob es heute auch noch so laufen würde?! Ich hoffe nicht.

    Ich glaube, das es Thomas war, aber natürlich ist es kein Mord. Mir stellt sich die Frage, ob er überhaupt schuldfähig war. Aber ich bin keine Juristin. Gerecht war es auf jeden Fall, zumindest moralisch.

    Beim rotmarkierten gebe ich dir absolut recht.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Beim Vaterhat mich ja gewundert, dass er so lange durchgehalten hat. Er hat sich allesschöngeredet und beim Prozess ist sein Traumgebäude zerbrochen

    Ich vermute mal, dass er es sich gar nicht schönreden musste. Er konnte es einfach nicht glauben, dass Nonnen zu derartigen Gräueltaten fähig wären. Und da war er keinesfalls der einzige. Als er dann ahnte, was er seinen Kindern angetan hat, wendet er sich von der Kirche ab (er ist zumindest die paar Tage nicht mehr dorthin gegangen) und findet als Helfer den Alkohol. Was wäre wohl aus ihm geworden, wenn er den Brand überlebt hätte?


    EineGefühlsregung, die man nicht haben sollte, die ich aber als Leserin dieserGeschichte einfach ausgelebt habe, ist die, dass ich gut fand, dass Thomas dieNonne vor den Zug geschubst hat. Nein, so etwas tut man nicht. Es ist Mord.Aber sei`s drum. Beim Lesen kann ich auch mal meine dunkle Seite ausleben – und Du beimSchreiben vielleicht auch, liebe Mechtild. Ich habe also zufrieden die Faustgeballt, als Schwester A. endlich ihrem Schöpfer gegenüber stehen musste. Ungestraft durfte die nicht davon kommen.

    Genau so ist es mir ergangen - als Leserin wurde ich zum Mittäter und Alibi eines Mordes, den ich eher als Gerechtigkeit empfinde, denn als Verbrechen.

    Die Recherche kann ich mir diesmal besonders hart vorstellen, mit all denGesprächen der ehemaligen Heimkinder.

    Das habe ich mir zwischendurch auch immer wieder gedacht: wie schlimm muss es sein, solche Geschichten zu hören und wie schlimm muss es sein, solche Geschichten zu erzählen und damit Vergangenes wieder aufleben zu lassen. Aber es ist wirklich Zeit, dass auch dieses düstere Kapitel Zeitgeschichte Gehör und Glauben findet!

  • Beim Vaterhat mich ja gewundert, dass er so lange durchgehalten hat. Er hat sich allesschöngeredet und beim Prozess ist sein Traumgebäude zerbrochen

    Ich vermute mal, dass er es sich gar nicht schönreden musste. Er konnte es einfach nicht glauben, dass Nonnen zu derartigen Gräueltaten fähig wären. Und da war er keinesfalls der einzige. Als er dann ahnte, was er seinen Kindern angetan hat, wendet er sich von der Kirche ab (er ist zumindest die paar Tage nicht mehr dorthin gegangen) und findet als Helfer den Alkohol. Was wäre wohl aus ihm geworden, wenn er den Brand überlebt hätte?

    Ich glaube, dass es ihn nicht mehr interessiert hat, die Kinder waren eine Erinnerung an frühere, glückliche Zeiten. Zeiten die er verloren hat und was hat er jetzt noch gehabt? Nichts mehr. Also auch weg mit den Erinnerungen. Sorry, man merkt vielleicht, ich habe keine gute Meinung vom Vater

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • War es wirklich so, das Thomas Schwester Angelika gestoßen hat?


    Ich hatte die Geschichte so interpretiert, das es ein Unfall war, den Thomas beobachtet hat. Er selbst wusste später nicht mehr genau, ob die Bilder in seinem Kopf "Wunschdenken" oder Realität waren. Er lebt mit der Ungewissheit, das er es getan haben könnte, aber nicht sicher weiß, ob er es war bzw. ob er überhaupt da war oder der Kopf ihm einen Streich spielte...


    In meiner Phantasie war Thomas dort irrtümlicherweise auf dem Bahnsteig. Schwester Angelika hat in gesehen und ist vor Schreck und schlechtem Gewissen gestürzt. Und Thomas war schließlich als Beobachter der Szene schockiert.

  • In meiner Phantasie war Thomas dort irrtümlicherweise auf dem Bahnsteig. Schwester Angelika hat in gesehen und ist vor Schreck und schlechtem Gewissen gestürzt. Und Thomas war schließlich als Beobachter der Szene schockiert.

    Diese Interpretation gefällt mir gut! Es kommt ja nicht klar heraus, ob es ein Unfall oder ein vorsätzlicher Stoß war, der Sr Angelika zu Fall brachte.

    Allerdings... ich glaube nicht, dass eine Person wie sie zu schlechtem Gewissen fähig gewesen ist.

  • Wie furchtbar, dass Hennie und Fried sich gegenseitig verdächtigt haben! Eine sehr traurige Szene, die wieder einmal gezeigt hat, wie gut es der Umgebung ihrer Kindheit gelungen ist, einen Keil zwischen sie zu treiben. Und das auch noch, wo sie die beiden einzigen Übriggebliebenen von insgesamt vier Geschwistern bzw. von einer sechsköpfigen Familie sind.


    Ob Schwester Angelika gestürzt ist? Könnte ich mir gut vorstellen, denn sie war ja inzwischen schon älter und sicher auch nicht so sehr daran gewöhnt, sich an dicht bevölkerten Plätzen wie Bahngleisen zu bewegen. Ich glaube allerdings auch nicht, dass sie ein schlechtes Gewissen hat - dazu hat es ihr ihr Umfeld immer zu leicht gemacht, alles rechtfertigen zu können. Oder war es doch Thomas in einer Affekthandlung - irgendwie ist das schon am naheliegendsten, aber andererseits: es muss nicht sein. Es kann tatsächlich auch so gewesen sein, dass er es erst mitbekommen hat, als die Schwester schon gestürzt war.


    Es wäre sicher hilfreich gewesen, wenn Thomas bei dem Prozess seine Beobachtungen hätte einbringen können, aber es war auch sehr verständlich, dass er die Flucht ergriff, so traumatisiert, wie er war. Andererseits: es gab ja genug Punkte, die Hennie entlasteten. Ich hoffe, sie wäre in heutigen Zeiten zumindest aus Mangel an Beweisen frei gesprochen worden, wenn man sie schon nicht hätte komplett von der Schuld befreien können. Aber ich bin mir da gar nicht so sicher, denn auch heutzutage werden viele sinnlose, ungerechte und vollkommen falsche Urteile gesprochen - finde jedenfalls ich.


    Dass Hennie insgesamt fünf Jahre im Knast verbringen musste, ist so unfair und komplett verlorene Lebenszeit. Aber es zeigt mal wieder, wie ungerecht vieles im Leben ist. Ich fand es auch ungeheuerlich, dass die Beobachtungen der Arztes so wenig gewichtet wurden. Dann am Ende im Epilog der lapidare Satz, dass beim Abbruch des Kinderheims eine Mädchenleiche bzw. deren Überreste gefunden wurden. Ob da jemals alle Puzzlesteine zusammengefügt wurden? Ich glaube fast nicht daran.

  • In meiner Phantasie war Thomas dort irrtümlicherweise auf dem Bahnsteig. Schwester Angelika hat in gesehen und ist vor Schreck und schlechtem Gewissen gestürzt. Und Thomas war schließlich als Beobachter der Szene schockiert.

    Diese Interpretation gefällt mir gut! Es kommt ja nicht klar heraus, ob es ein Unfall oder ein vorsätzlicher Stoß war, der Sr Angelika zu Fall brachte.

    Allerdings... ich glaube nicht, dass eine Person wie sie zu schlechtem Gewissen fähig gewesen ist.

    Ehrlich gesagt, "gefällt" mir die Vorstellung, dass Thomas sie gestoßen hat, auch gut. Und so würde ich es auch interpretieren, wie er ihren Sturz erlebt hat, da war er ihr sehr nahe gestanden, denke ich. Und von selbst ist sie nicht gestürzt oder gesprungen, das glaube ich nicht. Zu einem schlechten Gewissen ist die Schwester tatsächlich auch meiner Meinung nach gar nicht fähig. Und ich empfand es für Thomas' Seele als durchaus heilsam, dass er sich einmal wehren konnte gegen diese Frau. Ich hatte das Gefühl, danach war der Weg für ihn frei in ein neues Leben. Ohne die bösen Schatten der Vergangenheit.

  • Und ich empfand es für Thomas' Seele als durchaus heilsam, dass er sich einmal wehren konnte gegen diese Frau. Ich hatte das Gefühl, danach war der Weg für ihn frei in ein neues Leben. Ohne die bösen Schatten der Vergangenheit.

    Ob das so funktionieren kann? Dass eine solche Tat, ein Sich-endlich-wehren heilsam für Thomas sein könnte? Aber wenn er sich nun nicht daran erinnern kann, dann hat er verdrängt, was ein wirklich perfekter Schutzmechanismus der Seele ist, aber nicht wirklich heilsam. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ein Mord die Schatten der Vergangenheit tilgen kann, sondern vielleicht eher neue oder andere Schatten produziert.


    Ich hab im ersten Moment eher gedacht, dass Sr Angelika gestürzt sein muss, weil sie ansonsten auf immer und ewig in Thomas Albträume fallen würde. Und ich weiß nicht, ob Thomas einen Mord so wegschieben könnte.

    Er scheint ja dann in Paris ein gutes und erfolgreiches Leben geführt zu haben, ein Leben ohne Vergangenheit und ohne grausame Albträume.


    Aber egal ob Mord oder Unfall: es ist wenigsten ein klein wenig Gerechtigkeit nach meinem Empfinden in dieser ganzen traurigen Geschichte!


    Was ich schon lange unbedingt sagen will: mir gefällt auch der Schreibstil sehr. Präzise Formulierungen ohne irgendwelche Schnörkel rundherum, keine sinnlosen Übertreibungen (die hier ganz besonders fehl am Platz wären, weil alles zusammen schon so fassungslos macht), einfache und klare Sprache. Wirklich fesselnd zu lesen! Der Stil passt einfach perfekt zum Inhalt des Buches.


    Mein SuB wird größer und größer...

  • Ich sehe es halt nicht als Mord, sondern als Befreiungsschlag. Als Kind konnte Thomas sich nicht wehren, vor Gericht hat er die große Lebenslüge erkannt, die die Schwester ihm verpasst hat. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

    Es bleibt natürlich für jeden ein bisschen Spielraum bei der Deutung. :)

  • In meiner Phantasie war Thomas dort irrtümlicherweise auf dem Bahnsteig. Schwester Angelika hat in gesehen und ist vor Schreck und schlechtem Gewissen gestürzt. Und Thomas war schließlich als Beobachter der Szene schockiert.

    das ist natürlich auch möglich und eine wohlwollendere Interpretation. Frage ist nur, ob die Gutste überhaupt ein schlechtes Gewissen hat

    Liebe Grüße


    Nadine


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    (Chin. Weisheit)

  • Ehrlich gesagt, "gefällt" mir die Vorstellung, dass Thomas sie gestoßen hat, auch gut. Und so würde ich es auch interpretieren, wie er ihren Sturz erlebt hat, da war er ihr sehr nahe gestanden, denke ich.

    Ich glaube, er hat sie nicht bewusst gestoßen. Irgend etwas ist mit ihm passiert.

    Und ich weiß nicht, ob Thomas einen Mord so wegschieben könnte.

    Er scheint ja dann in Paris ein gutes und erfolgreiches Leben geführt zu haben, ein Leben ohne Vergangenheit und ohne grausame Albträume.

    Ich denke, er sah das alles wirklich so vor sich, wie es im Roman beschrieben wird. Wie eine Art surrealen Traum, wo Thomas gar nicht wirklich sagen kann, was geschehen ist. Ja, er selbst konnte sich befreien, aber die arme Hennie landete im Gefängnis!

    Aber egal ob Mord oder Unfall: es ist wenigsten ein klein wenig Gerechtigkeit nach meinem Empfinden in dieser ganzen traurigen Geschichte

    Gerecht war es aus meiner Sicht nicht, weil eine Unschuldige in den Knast musste. Davon hatte Thomas ja überhaupt nichts geahnt.

  • Diese Interpretation gefällt mir gut! Es kommt ja nicht klar heraus, ob es ein Unfall oder ein vorsätzlicher Stoß war, der Sr Angelika zu Fall brachte.

    Allerdings... ich glaube nicht, dass eine Person wie sie zu schlechtem Gewissen fähig gewesen ist.

    Ehrlich gesagt, "gefällt" mir die Vorstellung, dass Thomas sie gestoßen hat, auch gut. Und so würde ich es auch interpretieren, wie er ihren Sturz erlebt hat, da war er ihr sehr nahe gestanden, denke ich. Und von selbst ist sie nicht gestürzt oder gesprungen, das glaube ich nicht. Zu einem schlechten Gewissen ist die Schwester tatsächlich auch meiner Meinung nach gar nicht fähig. Und ich empfand es für Thomas' Seele als durchaus heilsam, dass er sich einmal wehren konnte gegen diese Frau. Ich hatte das Gefühl, danach war der Weg für ihn frei in ein neues Leben. Ohne die bösen Schatten der Vergangenheit.

    ihr warten schneller als ich 😀 ich gebe euch absolut recht

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Also kein Happy end, wie wir es uns gewünscht haben. Henni muss für 7 Jahre hinter Gitter. Gut, dass wenigstens die Jahre danach noch glücklich waren.


    Wie furchtbar, dass Henni und Fried sich gegenseitig verdächtigen! Henni nimmt die Schuld auf sich, um Fried, den vermeintlichen Täter, zu schützen. Welch ein Dilemma! Wenn sie sich doch nur früher ausgesprochen hätten.... :(


    Elsa gefällt mir richtig gut! Egal, was die Leute reden, sie hält zu Henni. Die Sache mit dem Benzinkanister - das war schon allererste Sahne. Leider hat es aber nichts genützt.


    Schwester Angelika hat ihre gerechte Strafe bekommen. Ich finde es interessant, wie unterschiedlich wir Thomas‘ Berteiligung an dem „Sturz“ empfinden. Ich habe es so verstanden, dass er NICHT aktiv an dem Unfall beteiligt war. Er hat es nur beobachtet. Vielleicht hat er sich gewünscht, dass er es getan hat.

    Auch für ihn hat das Leben noch ein paar gute Dinge bereit, durch seine Malerei wird er berühmt.


    Der Vater ist für mich der Hauptschuldige an dem Dilemma. Hätte er sich helfen lassen und sich um seine Kinder gekümmert, wäre das alles nicht passiert. Aber wie Henni passend gesagt hat: „Aber nichts mehr in die eigene Hand zu nehmen ist auch eine Entscheidung.“ Das ist genau der Punkt. Er hatte keine Kraft mehr, sein Leben in die Hand zu nehmen.


    Mechthild, dir ist wirklich ein berührendes und erschütterndes Buch gelungen. Selten hat mich eine Geschichte so sehr mitgenommen und beschäftigt.

  • Das war auch mein Highlight! Elsa ist einfach nur klasse. Sie macht nicht viele Worte, aber was sie sagt, das sitzt!