04 - Seite 227 bis Ende (Kapitel 28 bis Ende)

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  • Dann am Ende im Epilog der lapidare Satz, dass beim Abbruch des Kinderheims eine Mädchenleiche bzw. deren Überreste gefunden wurden. Ob da jemals alle Puzzlesteine zusammengefügt wurden? Ich glaube fast nicht daran.

    War das wohl Regine?

    Das glaube ich auf jeden Fall ... wurde da wohl noch versucht, weiter zu forschen?

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Vielen Dank für diese netten Worte ... ich freue mich auch immer wieder, ein neues Buch von dir lesen zu dürfen. Du hast so eine tolle Art zu Schreiben, die tief unter die Haut geht und im Herzen wieder rauskommt.

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • Carmen: Jetzt sehe ich gerade noch deine Frage. Es gab immer wieder Kinder die angeblich davon gelaufen sind. Wenn es so ein Flüchtlingskind wie Regine war, wo es keine Verwandten gab, dann war da niemanden der dem nachging, oder der es zumindest fragwürdig fand, dass dieser kleine Mensch nirgendwo mehr auftauchte:(.

    Das ist in der Tat sehr, sehr traurig :(

    Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen ... Heinrich Heine

  • War das wohl Regine?

    Das glaube ich auf jeden Fall ... wurde da wohl noch versucht, weiter zu forschen?

    Ich bin mir auch ziemlich sicher, das das Regine war, sonst gäbe es ja keinen Grund so zu betonen. Wie ich es gelesen habe, war das ein Zufallsfund bei Abrissarbeiten. Aber wie willst du ohne Familie, ohne das sie jemand vermisst und ohne Anhaltspunkt was passiert ist rausfinden? Die Todesursache wirst du nicht mehr genau rausfinden, außer es waren knöcherne Verletzungen. Aber dann weiß ich immer noch nicht, ob es ein Unfall oder mit Gewalt war.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Elsa wird zu einer Ermittlerin und findet heraus, dass der Benzinkanister nicht von Henni dort platziert war. Elsa ist toll. Gut, dass es sie gibt. Leider reicht es nicht für einen Freispruch. Ich hätte gedacht, dass man das Verfahren nochmal aufnehmen kann. Aber da gibt es ja sicher Fristen und Vorgaben und die erfüllt Hennis Situation nicht. Sieben Jahre werden ihr nochmal gestohlen von ihrem Leben. Wenigstens hält die Familie zu ihr.


    Elsa hat mich wirklich auch begeistert! Toll, wie sie sich für ihre Freundin engagiert hat. Damit hat sie mehr als wett gemacht, dass sie sie einmal etwas im Stich gelassen hat. Genau das hat sie sicher auch angetrieben und motiviert sich so ins Zeug zu legen. Ich bewundere sie!

    Obwohl es nicht absichtlich war, sie im Stich zu lassen, weil sie unterschiedliche Wege gegangen sind, hat es an Elsa ganz schön gehabt. Man könnte bei ihren Erzählungen richtig spüren wie leid es ihr tat. Und so wie du schreibst, war das mit Sicherheit ihr Ansporn nun das richtige zu tun, so wie eine Wiedergutmachung.

  • Das glaube ich auf jeden Fall ... wurde da wohl noch versucht, weiter zu forschen?

    Ich bin mir auch ziemlich sicher, das das Regine war, sonst gäbe es ja keinen Grund so zu betonen. Wie ich es gelesen habe, war das ein Zufallsfund bei Abrissarbeiten. Aber wie willst du ohne Familie, ohne das sie jemand vermisst und ohne Anhaltspunkt was passiert ist rausfinden? Die Todesursache wirst du nicht mehr genau rausfinden, außer es waren knöcherne Verletzungen. Aber dann weiß ich immer noch nicht, ob es ein Unfall oder mit Gewalt war.

    Wenn eine Kinderleiche auf diese Art vergraben wird, gehe ich davon aus, dass das Kind nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn dann wäre sie doch auf dem Friedhof begraben worden. Nicht mal eine letzte Ruhestätte haben sie ihr gegeben, schrecklich.

  • Puh, was für ein Ende! Es hat mich wirklich sprachlos uns stellenweise sehr, sehr traurig gemacht, wie sich unglückliche Ereignisse, zeithistorische Gegebenheiten und Missverständnisse zu einem kaum überwindbaren Konstrukt auftürmen. So gibt es mehr Verlierer als ich mir zu Beginn der Lektüre vorstellen konnte. Verlierer, die andere mit sich ziehen und noch mehr Unglück hervorbringen...

    Es ist schrecklich, dass der Umstand, dass ein junges Mädchen für seine kleineren Geschwister sorgen wollte und deshalb zu üblichen, wenn auch nicht legalen Mitteln gegriffen hat und ihr deshalb ein Leben lang kriminelle Energie nachgesagt wurde. Von Menschen, die keinen Deut besser waren - im Gegenteil. Menschen, die sich noch Jahrzehnte später mit einer weißen Weste versehen haben und sich keinesfalls mit der Kirche anlegen wollten... Was wiegt da schon das Leben einer einzelnen Frau dagegen?;(

    Und zu all dem Unrecht kommt am Ende auch noch ein gewaltiges Missverständnis hinzu! Ich kann verstehen, dass Henni den ihr einzig verbliebenen Bruder mit allen Mitteln schützen will. Den Bruder, den sie nach all den Jahren endlich wiedergefunden hat. Dass sie dabei falsche Schlüsse zieht, kann man ihr nicht verdenken, aber es ist wirklich tragisch. So sitzt sie sieben Jahre unschuldig im Gefängnis - unvorstellbar! Aber Henni beweist auch hier ihre Leidensfähigkeit, den Willen, das alles hinter sich zu bringen und dann vielleicht doch noch eine positive Zukunft vor sich zu haben. Dennoch konnte es mich kaum versöhnen, als ich gelesen habe, dass sie 76 Jahre alt wurde und ein zurückgezogenes, aber scheinbar glückliches Leben im Kreise ihrer Familie hatte. Toll, dass wenigstens die von ihr und Georg gegründete Familie zusammenbleibt! Ich hatte kurz Sorge, als ihr ihr Ehemann die Leviten liest... auch wenn er durchaus (aus seiner Perspektive) recht hat!


    Thomas Reuter ist noch gebrochener als Fried und Henni. Ich denke, das lag vor allem daran, dass er lange auf sich gestellt war. Henni, Fried, Matthias und Johanna hatten wenigstens sich und konnten sich untereinander viel Liebe und auch Zuversicht geben. Thomas hatte ein vergleichbares Gefühl nur einmal kurz mit Regine und dann später mit Matthias und vor allen Dingen mit Fried. Kein Wunder, dass er im Gericht, nach der kurzen Zusammenfassung seiner Biografie durch den Richter, vollends auseinanderbricht. Was für ein Schock! Selbst den Tod seiner Mutter haben Schwester Angelika & Co. verdreht und gegen den kleinen Jungen verwendet. Wahnsinn, was für Sadistinnen die christlichen Erzieherinnen waren! Und das nicht nur körperlich... nein, sie wollten ihre Schutzbefohlenen regelrecht brechen. Als der Zuber mit Wasser gefüllt und der zehnjährige Thomas darin fast ertränkt wird, da liefen mir echt die Tränen. Nichts rechtfertigt ein solches Handeln - weder in Guantanamo noch in einem Kinderheim! Aber dass das quasi unbedeutende Handeln des kleinen Theo dazu führt, dass Thomas fast stirbt, ist zutiefst unmenschlich!

    Ob Thomas Schwester Angelika nun vor den Zug gestoßen hat, mag ich nicht zu beurteilen, zu verletzt und wirr scheint er mir zu diesem Zeitpunkt zu sein. Und letztendlich muss ich gestehen, dass ich Selbstjustiz zwar absolut nicht gutheißen kann, sich mein Mitleid aber auch wirklich sehr stark in Grenzen hält.

  • Beim Vater hat mich ja gewundert, dass er so lange durchgehalten hat. Er hat sich alles schöngeredet und beim Prozess ist sein Traumgebäude zerbrochen und er musste erkennen, dass er – nicht Henni – mit Schuld am Tod zweier seiner Kinder ist.

    Vielleicht hat er unterbewusst schon länger gemerkt, dass seine Kinder richtig lieben. Aber zu einen war er zu sehr mit sich selbst beschäftigt, zum anderen hätte er im Grunde die Kirche, die er selbst so vorbehaltlos und unkritisch unterstützt, hinterfragen müssen. Das war für ihn wahrscheinlich einer Blasphemie gleichgekommen.

    Der Vater ist traumatisiert und bleibt letztendlich fast bis zum Ende im Gestern verhaftet. Er ist ein Opfer seiner Zeit und reißt seine Kinder mit sich ins Unglück. Für mich ist und bleibt er in erster Linie ein Opfer - auch wenn er in meinen Augen auch viel Schuld auf sich lädt.

    Ein Problem, welches ja auch heutzutage immer wieder auftaucht ist zu beweisen, dass jemand nicht auf das Kindeswohl geachtet hat. Also z.B. der Arzt, der ja gemerkt hat, dass da nicht alles mit rechten Dingen zu geht in dem Heim. Aber seine Beschwerden verlaufen im Sande. Jugendamt gab es ja noch nicht und selbst dann muss man es ja auch erst mal beweisen. Ob man die Kinder heutzutage bei solchen Vorwürfen wenigstens aus der Gefahrenzone bringen würde? Oder die Erzieher suspendieren? Auch heute passiert es ja immer wieder, dass Kinder misshandelt werden – nicht unbedingt in Heimen aber generell – und dass die Behörden nur langsam oder auch zu spät handeln. Aber die Kindesmisshandlung über so einen langen Zeitraum in so großem Stil ist natürlich nochmal eine andere Hausnummer. Erinnert mich sehr an die Fälle von Missbrauch in Internaten und bei der Kirche in den letzten 10, 15 Jahren. Das kann man auch nicht fassen, das da niemand früher etwas gemerkt aht und Alarm geschlagen hat.

    Zum einen erinnert es mich auch sehr stark an den Missbrauch zum Beispiel in der katholischen Kirche, zum anderen müssen wir auch bei heutigen Behörden achtsam sein. Zu begrenzt sind finanzielle Mittel und Personal - so liest man ja auch heute noch regelmäßig von nahezu unglaublichen Zuständen. Wenn man von völlig verwahrlosten Kindern hört, die zuhause verhungern, obwohl das Jugendamt bereits ein Bußgeldverfahren eingeleitet wurde, weil die Eltern das Kind nicht eingeschult haben, aber weitere Maßnahmen einfach nicht erfolgten, dann weiß man, wie viel auch heute noch gehörig schief läuft. So geschehen im Jahr 2005 in Hamburg.

    Der das unbeschreibliche Martyrium eines Jungen in Staufen, bei dem das Jugendamt nicht bemerkt hat, dass er jahrelang mit einem verurteilten Phädophilen unter einem Dach leben musste. Das sind nur zwei Beispiele - stellvertretend für zahlreiche Versäumnisse von Behörden.

  • Thomas hat nie erfahren, dass er Sr Angelika den Bahnsteig runtergestoßen hat? Hat er es überhaupt getan? Vieles spricht dafür, aber so ganz klar ist es dann ja doch nicht, oder?

    Betrauern kann ich ihren Tod keinesfalls - ich empfinde es (auch wenn es Mord war) als "schicksalhafte Gerechtigkeit", vielleicht hat Thomas da ein wenig nachgeholfen. Da es ein Buch ist kann ich ja so denken.

    Ich muss gestehen, dass ich mir absolut nicht sicher bin, ob Thomas Schwester Angelika nun vor den Zug gestoßen hat oder es sich hinterher nur einbildet. Beides ist vorstellbar und sicherlich für ihn auch eine Möglichkeit, das ihm Widerfahrene irgendwie ein klein wenig anhaken zu können. Insofern das überhaupt möglich ist...

    Mord ist es übrigens in keinem Fall, denn dies setzt besonders niedere/verwerfliche Beweggründe voraus. Wenn Thomas Angelika gestoßen hat, dann wäre das allenfalls Totschlag.

    Die Geschichte lässt mich fassungslos und traurig zurück, weil ich Schicksale kennenlernte, die ich nie für möglich gehalten hätte.

    Ich glaube, mit diesem Buch hast Du zahllosen misshandelten Menschen eine Stimme gegeben.

    Normalerweise bin ich nicht nahe am Wasser gebaut, aber bei dieser Lektüre musste ich zwischendurch immer mal wieder schlucken und ein Taschentuch zur Hilfe holen. "Grenzgänger" hat mich erschüttert, weil aus den Schrecken, von denen wir durchaus in den Nachrichten lesen/hören, eine Geschichte erzählt, die Gesichter und Schicksale formt. Die Dinge, die ich sonst zu verdrängen versuche, Leid, über das ich nicht nachdenken mag und bei dem mein Hirn sich zu weigern versucht, es zu begreifen, all das bekommt hier Namen und ein Leben. Regine, Thomas, Matthias, Fried - nur wenige Namen und fiktive Charaktere, die mich regelrecht gezwungen haben, mich mit dem Schicksal solcher Kinder auseinandersetzen ließen. Wie viele Kinder mag es geben, die tägliches Martyrium erleben? Hier, mitten unter uns?

  • Toll, dass wenigstens die von ihr und Georg gegründete Familie zusammenbleibt! Ich hatte kurz Sorge, als ihr ihr Ehemann die Leviten liest... auch wenn er durchaus (aus seiner Perspektive) recht hat!

    Dass Georg und die Kinder zu ihr gehalten haben, lässt das Ende besser ertragen. Wenigstens hat Henni noch ein paar schöne, glückliche Jahre gehabt.

  • Zum einen erinnert es mich auch sehr stark an den Missbrauch zum Beispiel in der katholischen Kirche, zum anderen müssen wir auch bei heutigen Behörden achtsam sein.

    Stimmt. Das Thema ist tatsächlich immer noch aktuell und sehr schwierig. Aber zuminderst wird mehr auf das gegeben, was die Kinder sagen. Sofern sie alt genug sind, um sich schon äußern zu können.

  • Aber zuminderst wird mehr auf das gegeben, was die Kinder sagen. Sofern sie alt genug sind, um sich schon äußern zu können.

    ... und sie überhaupt die Chance bekommen, zu reden. Und nicht erst Jahre später.:(

  • Normalerweise bin ich nicht nahe am Wasser gebaut, aber bei dieser Lektüre musste ich zwischendurch immer mal wieder schlucken und ein Taschentuch zur Hilfe holen. "Grenzgänger" hat mich erschüttert, weil aus den Schrecken, von denen wir durchaus in den Nachrichten lesen/hören, eine Geschichte erzählt, die Gesichter und Schicksale formt. Die Dinge, die ich sonst zu verdrängen versuche, Leid, über das ich nicht nachdenken mag und bei dem mein Hirn sich zu weigern versucht, es zu begreifen, all das bekommt hier Namen und ein Leben. Regine, Thomas, Matthias, Fried - nur wenige Namen und fiktive Charaktere, die mich regelrecht gezwungen haben, mich mit dem Schicksal solcher Kinder auseinandersetzen ließen. Wie viele Kinder mag es geben, die tägliches Martyrium erleben? Hier, mitten unter uns?

    Mir ist es mit dem Buch ähnlich ergangen - Tränen kommen mir selten, Happy Ends mag ich eigentlich nicht gar so gerne. Aber hier war alles ganz anders!

    Und auch mir stellt sich die Frage, wie viele Kinder heute noch solches Leid ertragen müssen, irgendwo im Geheimen, irgendwo in einer Organisation, die einen untadeligen Ruf hat, die niemand zu kritisieren den Mut hat. Hier wurde ich mit Schicksalen konfrontiert, die ich mir einfach nicht vorstellen konnte, manche Dinge kann man nicht einmal denken. Und deshalb wirkt das Buch auch lange nach bei mir. Immer wieder muss ich an Henni denken, an ihren Mut, an ihre Verzweiflung und an die grenzenlose Ungerechtigkeit, die sie erleben musste.

    Toll, dass wenigstens die von ihr und Georg gegründete Familie zusammenbleibt! Ich hatte kurz Sorge, als ihr ihr Ehemann die Leviten liest... auch wenn er durchaus (aus seiner Perspektive) recht hat!

    Dass Georg und die Kinder zu ihr gehalten haben, lässt das Ende besser ertragen. Wenigstens hat Henni noch ein paar schöne, glückliche Jahre gehabt.


    Natürlich macht es das Ende ein wenig erträglicher für uns... aber 7 Jahre? Das ist eine extrem lange Zeit. Zeit, die sie eigentlich mit ihren Kindern verbringen hätte sollen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass 7 Jahre Gefängnis spurlos an einem Menschen vorüber gehen. Vor allem weil diese verlorenen und eigentlich sinnlosen Jahre im Gefängnis fast sinnbildlich für ihr Leben stehen, für die Ungerechtigkeiten, die sie erleben musste. Für das Schicksal, dass sich für sie oft ins Negative gedreht hat, obwohl sie es doch eigentlich nur gut gemeint hat, obwohl sie ja eigentlich nur helfen wollte. Sie hat bei aller Energie und allen Mut, den sie benötigte um zu Überleben, immer wieder ihre Machtlosigkeit zu spüren bekommen. Bewundernswert, dass sie nicht zerbrochen ist daran.


    Bewundernswert finde ich auch jene Menschen, die Mechtild ihre Erinnerungen erzählt haben. Ich stelle es mir schrecklich schwer vor, nach so vielen Jahren, sich wieder diesen Erlebnissen zu stellen. Danke!