01 - Seite 9 bis Seite 75 (Prolog bis einschl. Kapitel 2)

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  • Hallo liebe Birgitte, liebe MitleserINNEN,


    hier treffen wir uns zum ersten Abschnitt der Leserunde zu dem Buch "Die Schwestern vom Ku'damm - Jahre des Aufbaus". Ich begrüße alle TeilnehmerINNEN und ganz besonders die Autorin. Liebe Birgitte, schön, dass Du unsere Runde wieder begleitest!


    Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Informationen zu Leserunden und auch die Ausführungen zur Netiquette durch.


    Postet hier bitte erst, wenn Ihr zu lesen angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder fragen habt. Die Beiträge "Buch liegt bereits, ich fange heute Abend an" ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.

    Auch ist es nicht nötig, den Inhalt nachzuerzählen, wir lesen ja alle das gleiche Buch ;)


    Wenn Ihr erst ein paar Tage später in die Leserunde einsteigen könnt, gebt bitte hier oder per PN an den Moderator kurz Bescheid, denn eigentlich sind insgesamt ca. 2 Wochen dafür gedacht.

  • Ich freue mich sehr auf euch alle! Der Roman enthält jede Menge "Histo-Stoff". Manches kennt ihr sicherlich, anderes ist euch vielleicht neu. Zögert bitte nicht, bei mir nachzufragen - dazu bin ich da!


    Und jetzt Leinen los für Rike, Silvie und Florentine, die Schwestern vom Ku'damm!

  • Der Prolog der Geschichte mit Berlin im Jahr 1932 war so verheißungsvoll. Aber wir kennen die deutsche Geschichte nur zu gut. Mit dem Krieg verschwanden sowohl die Träume als auch das schöne Kaufhaus Thalheim & Weisgerber.


    Der Leser trifft im Mai 1945 auf Rike, Sylvie, Claire, die zweite Ehefrau des Vaters, und ihre Tochter Florentine. Nachdem Russen ihre Villa beschlagnahmt haben, ziehen sie in die ehemalige Wohnung von Oma Frida. Auch die Jüdin Miriam Sternberg kommt bei ihnen unter. Sie treffen auch auf Onkel Carl, der sie informiert, daß der Vater Fritz von den Russen interniert und in ein Untersuchungsgefängnis gesteckt wurde.


    Rike versucht, die Familie zusammenzuhalten. Mit Claire ist das schwierig. Sie leidet darunter, daß ihr Mann verschwunden ist. Rike meldet die Frauen im Rathaus als Trümmerfrauen an und hofft, daß Claire neuen Mut fassen kann. Dadurch bekommen sie auch bessere Lebensmittelkarten.


    Rike scheint eine sehr starke Frau zu sein. Sie läßt sich nicht so schnell kleinkriegen.


    Ich bin froh, daß ich nie Krieg erleben mußte. Meine Psyche wäre gleich zusammengebrochen.


    Es ist bewunderswert, daß die Leute auch unter widrigsten Umständen weitergemacht haben.

  • Den Prolog fand ich sehr schön, die Eröffnung des Modehauses, die Freude darüber, Hoffnung auf den Aufstieg, der jetzt endlich kommen mag. Die Schatten werden nur angedeutet mit dem Kompagnon der ursprünglich jüdisch war und dann konvertierte.

    Doch elf Jahre später ist davon nichts mehr übrig. Doch Rike ist diejenige, die die Familie zusammenhält, auch wenn Bruder und Vater verschollen sind. Ich glaube Silvie, wenn sie sagt, das ihr Bruder noch lebt, denn dieses Zwillingsband habe ich auch schon erlebt. Ich hoffe, das Oskar (und der Vater) wiederkommen. Diese lebhafte Beschreibung passt total zu Oskar und ich kann ihn mir total gut so vorstellen, hoffentlich hat der Krieg nicht allzu viel kaputt gemacht.

    Das zerstörte Berlin war bestimmt nicht schön anzusehen, das können auch die Fotos nur ansatzweise zeigen. Es ist wirklich krass, unter welchen Umständen Menschen nicht nur überleben, sondern auch leben können. Kunsthonig...allein das Wort!<X

    Als Silvie (die ist ja schon ein bisschen zickig) wegen dem Hund raus ist und die Russen mitgebracht hat, dachte ich echt schon, das wars jetzt, aber die Hilfe kam gerade noch rechtzeitig

    Meine Tochter heißt übrigens Florentine, da hat die Lehrerin gleich mal gezeigt, das sie keine Ahnung hat, das ist ein lateinischer Name

    Ich war vor ein paar Jahren mal am Ku`damm, der sieht aber heute sicherlich total anders aus, ich hätte ihn gerne mal vor dem Krieg gesehen.

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • das mit deiner Tochter Florentine ist ja süß - in Floris Fall spricht Mama Claire es immer französisch aus- dann klingt es anders ...


    ein paar Bilder zu Berlin vor dem Zweiten Weltkrieg ...

    und alles Liebe von Brigitte

  • Guten Morgen liebe Brigitte und liebe Mitleserinnen, ich bin gut im Buch angekommen. Dass der Prolog erst mal ein kleines Stück der guten alten Zeit beschreibt, fand ich schön. So beginnt die Geschichte nicht gleich mir Hunger und Verwüstung. Und man lernt die Mutter noch kurz kennen und den Bruder. Wer weiß, ob der überlebt hat.


    Toll finde ich auch, wie die Sprache und der Erzählstil zu Zeit und Ort passen. Dazu gehören auch jede Menge alte oder typisch Berlinerische Begriffe. So etwas gefällt mir als Münchnerin natürlich besonders. Worte wie Rabatz und Malkofftorte (die gab es in meiner Jugend auch, weil man Vater sie geliebt hat.) sind Klasse.


    Im Grunde haben die Frauen Glück im Unglück.

    Sie wurden nicht ausgebomt und die Russen lassen sie in Ruhe, nachdem sie eine Frau als Chef haben. Das kann es nicht oft gegeben haben damals. Mir fällt nicht ein, dass ich jemals in alten Aufnahmen eine RussIN hätte rumlaufen sehen. Und noch dazu eine, die einen befehlshabenden Rang hat. Wie viele Frauen gab es denn bei in der russichen Armee und gab es die auch noch in anderen Armeen? Bei uns sicher nicht. Die Frau gehörte ja hinter den Herd.


    Als sie aus der Villa ausziehen mussten konnte ich Rikes Gefühle sehr gut nachvollziehen. Meine Eltern haben sich - als ich Mitte 30 war, eine Wohnung gekauft und sind aus der Wohnung ausgezogen, in der ich meine gesamte Kindheit verbracht hatte, und wo auch meine Söhne sehr oft zu Besuch gewesen ware. Das war für mich fürchterlich. Als hätten sie mein Elternhaus verkauft. Die neue Wohnung ist mir jahrelang unangenehm fremd gewesen. Und noch heute träume ich manchmal von früher in dieser großen tollen Wohnung von meiner Kindheit und meinem Vater - der leider schon gestorben ist.


    Aber wieder haben sie Glück und wissen, wo sie unterkommen. Und mit Miri und Carl sind die ersten vertrauten Gesichter auch schon da. Miriams Schicksal wäre auch ein Buch wert. (Ich habe noch ein Buch auf dem SUB, welches so eine reale Geschichte erzählt. Untergetaucht, heißt es.)


    Die Nähmaschinen sind sich das Startkapital für eine bessere Zukunft. Jetzt müssen nur noch die Stoffe her. Wo waren die nochmal versteckt?


    Super Film, liebe Birgitte. Da kann man sich vorstellen, was die Berliner alles verloren haben durch die Zerstörung des Krieges.

  • Ich war vor ein paar Jahren mal am Ku`damm, der sieht aber heute sicherlich total anders aus, ich hätte ihn gerne mal vor dem Krieg gesehen.

    Ich fahre Anfang Dezember zum zweiten Mal nach Berlin. Das letzte Mal war ein paar Jahre nach der Wende. Da hat sich sicher auch sehr viel getan inzwischen.

  • der Film ist ja spannend! Am Anfang dachte ich, da hat sich ja überhaupt nichts kaiserzeitliches erhalten, aber dann wurde es ja besser. Wahnsinn, wieviel da los war! Da gab es bestimmt auch viele Autounfälle, besonders mit Fußgängern. Bei 9:40 ungefähr sieht man übrigens "Unter den Linden" einen Ahornbaum^^

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Ich war vor ein paar Jahren mal am Ku`damm, der sieht aber heute sicherlich total anders aus, ich hätte ihn gerne mal vor dem Krieg gesehen.

    Ich fahre Anfang Dezember zum zweiten Mal nach Berlin. Das letzte Mal war ein paar Jahre nach der Wende. Da hat sich sicher auch sehr viel getan inzwischen.

    ich war 2015, das war schon sehr spannend. Viel spass wünsche ich dir!

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • Guten Morgen zusammen


    Der Einsteig ins Buch war wirklich sehr leicht und hat Spaß gemacht

    Auch mir gefällt der Prolog, der so schön hoffnungsvoll ist aber auch schon erahnen lässt dass Schatten aufziehen.


    Der Sprung ins "nichts" , in dieses Situation war schon heftig und man kann in ungefähr erahnen wie schlimm es für die Menschen damals gewesen sein muss.

    Der Tod der Mutter hat mich sehr erschrocken , und dass es plötzlich schon eine neue Frau und eine Halbschwester gab hat mich erstmal verwirrt


    Überhaupt werde ich ein bisschen brauchen bis ich die Personen einordnen und unterscheiden kann. Aber wir werden wohl reichlich Gelegenheit bekommen die Thalbachs und ihre Freunde kennen zu lernen.


    Ich freue mich sehr, über den Wiederaufbau zu lesen, denn ich habe schon einige Bücher gelesen, die während des zweiten Weltkrieges spielen aber gerade so die 50er , die Generation meiner Eltern, das ist mir relativ fremd.


    Sie wurden nicht ausgebomt und die Russen lassen sie in Ruhe, nachdem sie eine Frau als Chef haben. Das kann es nicht oft gegeben haben damals

    Da bin ich beim Lesen auch drüber "gestolpert" und habe mich gewundert dass eine Frau da das sagen hat. Gut natürlich für die Familie, ansonsten wären die Frauen nicht sicher gewesen.



    Ich freue mich schon, heute Nachmittag weiter lesen zu können

    Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

  • der Film ist ja spannend! Am Anfang dachte ich, da hat sich ja überhaupt nichts kaiserzeitliches erhalten, aber dann wurde es ja besser. Wahnsinn, wieviel da los war! Da gab es bestimmt auch viele Autounfälle, besonders mit Fußgängern. Bei 9:40 ungefähr sieht man übrigens "Unter den Linden" einen Ahornbaum^^

    Ich fand den Verkehr auch schon ziemlich heftig für die damalige Zeit. War wohl Rush-our. :totlach:

  • der Film ist ja spannend! Am Anfang dachte ich, da hat sich ja überhaupt nichts kaiserzeitliches erhalten, aber dann wurde es ja besser. Wahnsinn, wieviel da los war! Da gab es bestimmt auch viele Autounfälle, besonders mit Fußgängern. Bei 9:40 ungefähr sieht man übrigens "Unter den Linden" einen Ahornbaum^^

    Ich fand den Verkehr auch schon ziemlich heftig für die damalige Zeit. War wohl Rush-our. :totlach:

    Ja, gell..

    Liebe Grüße


    Nadine


    " Liest Du ein Buch zum ersten Mal, lernst Du jemanden kennen.

    Liest Du es zum zweiten Mal, begegnet Dir ein Freund."

    (Chin. Weisheit)

  • der Film ist ja spannend! Am Anfang dachte ich, da hat sich ja überhaupt nichts kaiserzeitliches erhalten, aber dann wurde es ja besser. Wahnsinn, wieviel da los war! Da gab es bestimmt auch viele Autounfälle, besonders mit Fußgängern. Bei 9:40 ungefähr sieht man übrigens "Unter den Linden" einen Ahornbaum^^

    Ja , der Verkehr hat mich auch überrascht

    Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

  • Liebe Gagamaus,

    es gab jede Menge Frauen in der russischen Armee, nicht ganz oben, da waren nur Männer, aber ein paar Ränge durften sie schon erklettern. Die Frau im Stalinismus sollte ja Ihren "Mann" stehen, auch an der Werkbank und bei der Verteidigung der vaterländischen Ehre erst recht. Ich hab ganz bewusst auf die übliche Vergewaltigung durch Rusen verzichtet (es gab übrigens auch Vergewaltigungen dirch die westlichenAlliirten und das gar nocht so selten,nur weniger bekannt) , weil die ja schon zur Genüge beschrieben wurden. Diese Soldatin hat einen realen Hintergrund: sie entspringt den Erinnerungen der 90jährigen Tante eines Freundes, die Ähnliches in Berlin nach 1945 selbst erlebt hat ...

  • Liebe Gagamaus,

    es gab jede Menge Frauen in der russischen Armee, nicht ganz oben, da waren nur Männer, aber ein paar Ränge durften sie schon erklettern. Die Frau im Stalinismus sollte ja Ihren "Mann" stehen, auch an der Werkbank und bei der Verteidigung der vaterländischen Ehre erst recht. Ich hab ganz bewusst auf die übliche Vergewaltigung durch Rusen verzichtet (es gab übrigens auch Vergewaltigungen dirch die westlichenAlliirten und das gar nocht so selten,nur weniger bekannt) , weil die ja schon zur Genüge beschrieben wurden. Diese Soldatin hat einen realen Hintergrund: sie entspringt den Erinnerungen der 90jährigen Tante eines Freundes, die Ähnliches in Berlin nach 1945 selbst erlebt hat ...

    Das war mir gar nicht so bewusst, dass es da so viele Frauen gab. Gut, dass Du uns eine Vergewaltigung erspart hast. Es wurden ja auch nicht ALLE deutschen Frauen im russischen Sektor vergewaltigt. Den Eindruck könnte man schon kriegen. Und wenn es da noch einen realen Hintergrund gibt, um so besser.

  • Bersarin, der russische Stadtkommandant, hätte mit dem besiegten Berlin auch ganz anders umgehen können, als er es getan hat. Er war dafür, dass es in Berlin bald wieder "Kultur" gab, Musik, Filme,halbwegs normales Leben ... Lebensmittelmarken f. die Besiegten!

    Denkt bitte nur daran, was ein deutscher Kommandant mit einem besiegten Moskau angestellt hätte ... das möchte man sich lieber gar nicht vorstellen!!!!

    Ja, es gab schreckliche Untaten auch auf russischer Seite, die will ich keinesfalls kleinreden, aber wir "Westler" übersehen dabei oft, dass die Rote Armee nicht nur als als Sieger, sondern auch als Befreier vom Hitler-Joch gekommen ist.

  • Hallo liebe Brigitte und Mitleserinnen,



    Sei klug und halte dich an Wunder, dieses Zitat ist so treffend. Auch wenn daran im Juli 1932 noch nicht zu denken war, so trifft es doch nun nach Beendigung des Krieges mehr als zu.


    Was für ein schönes Leben die Familie Thalheim noch im Jahr 1932 hatte. Die Eröffnung des großen Kaufhauses, welches keine Wünsche offen ließ. Doch nicht alle sind davon überzeugt gewesen, besonders Rikes Mutter nicht. Auf sie war ich schon gespannt, doch leider ist sie verstorben.

    Wenn man so ein Haus eröffnen möchte, bleibt es natürlich nicht aus sich zu verschulden. Da hab ich gleich eine Frage. Die Schulden sind bestimmt noch nicht abbezahlt gewesen, blieben die bis nach dem Krieg bestehen oder war alles auf Null gesetzt?

    Man bekommt einen kleinen Einblick in die Familie, die durch die Geburt der Zwillinge sehr lebhaft zu sein schien. Gerade Oskar bringt ordentlich Trubel ins Leben der Familie. Rike musste nun ihre geliebte Mama mit Oskar und Silvie teilen. Ich finde es immer etwas schade, wenn Mütter ihre Aufmerksamkeit nicht mit allen Kinder teilen können. Es wird dann das Verständnis des älteren Kindes einfach vorausgesetzt. ( So wie, du bist doch schon groß....)

    Ich fand es traurig, dass Rike so tapfer sein musste.


    Ich glaube Onkel Carl hat ziemlich früh erkannt was der Nationalsozialismus bringen kann. Es erstaunt mich immer wieder wie blauäugig viele Menschen damals gewesen sind. Keiner hat geahnt, dass die Nazis an die Macht kommen und so stark werden würden.


    Mai 1945

    Der Krieg ist aus und Berlin liegt in Schutt und Asche und auch das Kaufhaus am Kudamm ist zerstört. Die Villa die noch steht, wird den Frauen weggenommen, da die Russen darauf Anspruch erhoben haben.

    Friedrich hatte nach dem Tod seiner Frau ziemlich schnell wieder geheiratet. Das hat mich wie Rika ein wenig stutzig gemacht. Ging es Friedrich darum schnell wieder eine Frau an seiner Seite zu haben, die als Ersatzmutter für seine Kinder da ist? Oder hatte er kein gutes Verhältnis mehr mit seiner verstorbenen Frau, dass er so schnell eine neue Bindung eingehen konnte?

    Zum Glück ist Clair nicht die böse Stiefmutter, nun ist sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter Florentine, Rike und Silvie zusammen. Mir scheint das es Rike ist, die auf alle aufpasst und alles zusammen hält, wo es doch Clair ihre Aufgabe wäre. Doch sie hat mit dem Verlust von Friedrich zu kämpfen.

    Als die beiden Russen in den Keller kamen, wurde mir ganz schlecht. Ich habe schon so viel über diese Zeit gelesen, dass ich geahnt habe, was nun kommen würde. Und als Clair dem Russen ihren Schmuck gab, wusste ich das er sich damit nicht zufrieden geben wir. Zum Glück ist dann Kapitan Natalia Petrowa noch rechtzeitig erschienen.

    Die Einstellung und Ansichten die Petrowa hatte, hatten glaube ich alle Russen und waren dann der Meinung sich alles zu nehmen was bei zwölf nicht auf dem Baum ist. Die Frauen waren der Willkür der Russen schutzlos ausgeliefert. Doch Rike hatte die richtigen Worte gefunden um Petrowa klar zu machen, dass nicht alle Deutschen Nazi gewesen sind. Auch das ihr Vater sich nach dem ersten Weltkrieg geschworen hatte nie wieder eine Waffe in die Hand zu nehmen, aber gezwungen wurde beim Volkssturm zu kämpfen.

    Leider mussten sie aus der Villa raus, doch es gab zur Freude aller noch die Wohnung von Oma Frieda wo sie untergekommen sind.

    Der Bruder Oskar sowie die beiden Cousins Gregor und Paul gelten als verschollen, Carl ist nun bei den Frauen aufgetaucht und erzählt, dass Friedrich in Gefangenschaft sitzt. Ich hoffe, dass Carl etwas bewirken kann um ihn frei zu bekommen. Ich frage mich, welch genauen Kontakte er zu den Russen hat.

    Oma Frieda und Tante Lydia geht es dem Umständen entsprechend.


    Rike hatte große Träume, sie wollte studieren, doch nun ist sie ohne Abschluss. Walter den sie geliebt hat, wurde ihr von ihrer Schwester ausgespannt. Da wundert es mich, dass sie so nachsichtig ist. Aber was bleibt einem anderes übrig. Walter ist tot und Silvie schließlich ihre Schwester. So viel Familie ist im Moment nicht übrig. Wenn der Krieg nicht gekommen wäre, hätte die Schwester-Liebe wahrscheinlich nicht gehalten.

    Rike ist fest entschlossen nicht aufzugeben, sie machte sich auf dem Weg um sich und alle anderen zu melden um Lebensmittel Karten zu bekommen. Als sie Clair findet, macht Rike ihr klar, dass sie es gemeinsam schaffen werden. Sie melden sich als Trümmerfrauen an. Und dann ein kleines Wunder. Rike entdeckt in der Warteschlange ihre Freundin Miriam. Das grenzt tatsächlich an ein großes Wunder, Miriam hat den Krieg überlebt, indem sie sich immer wieder verstecken konnte. Blondiertes U-Boot, davon habe ich noch nie gehört. Nun hat sie endlich eine feste Unterkunft. Sie wird auf Flori aufpassen und sie kann nähen. Wie weitsichtig Rike und Silvie gehandelt haben, als sie die beiden Nähmaschinen gerettet hatten. Das ist wie Goldstaub. Wie wir wissen, wird es einen harten Winter geben, wo die Menschen warme Kleidung benötigen. Und wenn sie an alte Uniformen kommen und die Stoffe noch im Lager in Potsdam da sind, ist es fast wie eine Lebensversicherung. Wir wissen auch wie der Schwarzmarkt geblüht hat, vielleicht kommen sie so einigermaßen über die Runden.


    Hoffentlich finden die Russen im Garten nicht ihren verborgenen Schatz. Vielleicht bleiben die nicht so lange in der Villa, denn der Kudamm gehörte doch nicht in die russische Besatzungszone.


    Das die Trümmerfrauen mehr Kalorien bekamen wusste ich, auch von den sogenannten Friedhofsmarken habe ich schon oft gelesen. Alle hatten großen Hunger leiden müssen, egal ob jung oder alt und doch wurden so große Unterschiede gemacht.


    Eine Stelle in all der Traurigkeit gab es dann doch noch, bei der ich schmunzeln musste. Nämlich als Flori sagte.....ihr seid schrecklich, manchmal könnte man meinen ich hätte drei Mütter, dabei reicht mir schon die eine. Aber sie soll sich glücklich so behütet zu werden, denn sie kann die Gefahren noch nicht richtig abschätzen. Und das der kleine Hund wieder da ist, finde ich toll. So ein Tier kann unwahrscheinlich viel Trost spenden, auch wenn er ernährt werden muss.



    Ich bin super ins Buch hinein gekommen und bin jetzt schon gespannt wie es weiter geht. Auch der Schreibstil gefällt mir. Und das historische Hintergründe mit einfließen ist natürlich für mich immer interessant.

  • Rike scheint eine sehr starke Frau zu sein. Sie läßt sich nicht so schnell kleinkriegen.


    Ich bin froh, daß ich nie Krieg erleben mußte. Meine Psyche wäre gleich zusammengebrochen.


    Es ist bewunderswert, daß die Leute auch unter widrigsten Umständen weitergemacht haben.

    Ja Rike ist stark und kämpft für die Familie. Wahrscheinlich, sogar mit Sicherheit, blieb ihr nichts anderes übrig. Und wer weiß wie es dir ergangen wäre. Magst du jetzt denken du würdest es nicht schaffen, glaube ich, vielleicht doch. Denn in der Not, Angst und Trauer, wachsen viele Menschen über sich hinaus.

    So blieb den Menschen auch nach dem Krieg nichts anderes übrig, als weiter zu machen. Sie hatten die Hoffnung, dass nun alles besser werden würde. Das aber erst noch die harten Jahre kommen werden, wissen sie noch nicht.

  • Sie wurden nicht ausgebomt und die Russen lassen sie in Ruhe, nachdem sie eine Frau als Chef haben. Das kann es nicht oft gegeben haben damals

    Da bin ich beim Lesen auch drüber "gestolpert" und habe mich gewundert dass eine Frau da das sagen hat. Gut natürlich für die Familie, ansonsten wären die Frauen nicht sicher gewesen.

    Ich habe davon schon öfter gelesen, oder es auch in Dokumentationen gesehen, dass russische Soldaten einem weiblichen Offizier unterstellt waren. Die sollen ganz schön durchgegriffen haben. Mir ist das also nicht unbekannt.