Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)

Leserunden.de wurde am 31.12.2018 eingestellt. Registrierungen und Antworten sind nicht mehr möglich. Der Betrieb geht im Bücherforum von Literaturschock weiter.
Leserunden.de positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.
  • Hier ist Platz für Eure Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.



    In den Beiträgen in diesem Thread sollten Spoiler vermieden werden! Danke!

  • Ich kann schon jetzt einen Kommentar zum Thema Leserundenfazit abgeben:


    Diese Leserunde ist klasse! Viele Leser mit kontroversen Ansichten, dazu eine Autorin, die uns aufs Feinste mit Details und Hintergründen versorgt. Toll!

  • Hallo!


    Leserundenfazit:


    Wie sillesoren schon sagt (ohne zu Lachen ;) ) war es eine sehr angeregte, diskussionsreiche und informative Leserunde.
    Mein erster Dank gilt Iris Kammerer, für ein ausgesprochen farbiges Bild einer mir bis jetzt eher dunklen Welt des tiefen Mittelalters. Durch ihre ausführlichen, hoch informativen und fundierten Kommentare wurde das Lesen des Buches zu einem Erlebnis - wie eine Reise mit Reiseleiter und Handbuch in eine andere - fremde Zeit.


    Danke auch an meine mitlesenden Leserundenmitglieder (was für eine Formulierung :-[ ) für eure zahlreichen Kommentare und den guten Umgangston, eure Aufrichtigkeit, eure interessanten Ansichten und Auslegungsweisen - diese haben die Leserunde zu einer sehr angenehmen "Reisegemeinschaft" gemacht.


    Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere noch ein eigenes Leserundnfazit abgeben könnte.


    Lieben Dank und liebe Grüße
    Kathrin


    Meine Rezension zum Buch folgt wie immer etwas später.

  • Zum Buch:


    "Der Pfaffenkönig" vermittelte mir ein sehr anschauliches und lebendiges Bild von der Zeit, in der Heinrich Raspe und seine Zeitgenossen lebten. Die Sprache des Buches ist sehr altertümlich gehalten und die lateinischen Einschübe, welche man im hinteren Teil des Buches in deutscher Übersetzung nachlesen kann, tragen zusätzlich zum mittelalterlichen Flair dieses Buches bei. Das Buch wirkt somit sehr authentisch und wirklichkeitsgetreu und ich nehme der Autorin ohne zu Zögern ab, dass die im Buch geschilderten Ereignisse sich so und nicht anders zugetragen haben könnten.


    Aufgrund der teils enormen Zeitsprünge zwischen den einzelnen Kapiteln musste ich mich erst einmal ein wenig einlesen, doch nach diesen Anfangsschwierigkeiten in den ersten Kapiteln ließ sich das Buch für mich schnell und flüssig und natürlich auch mit Genuß lesen.


    Die Figur des Heinrich Raspe wurde für mich im Laufe des Buches immer interessanter, seine Handlungen immer nachvollziehbarer und so manches mal litt ich mit ihm, wie er sterbenskrank im Bett lag und seine Lebensbeichte vollzog. Die heilige Elisabeth ist ebenfalls ein sehr faszinierender und interessanter Charakter, auch wenn der Leser ihre Handlungsweisen und ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen kann. Auch interessante Nebenfiguren wie beispielsweise der Beichtvater Wigo, der Heinrich verhasste Magister Konrad und Heinrichs Bruder Konrad tragen zum Reiz der Geschichte bei und machen das Buch noch interessanter.


    Der Schluss des Buches ist meiner Meinung nach sehr gelungen und sorgt für eine geeignete Abrundung der Geschichte. Ich beendete die Lektüre zufrieden, in der Gewissheit, ein sehr lehrreiches und oftmals spannendes Buch über eine interessante Persönlichkeit des Mittelalters gelesen zu haben.


    Zur Leserunde:


    Mein besonderer Dank geht an Iris Kammerer für die engagierte Begleitung der Leserunde und die vielen, vielen interessanten Zusatzinformationen, welche die Lektüre des Buches für mich ungemein bereichert haben. Außerdem korrigierte sie das düstere Bild, dass sich viele vom Mittelalter gemacht hatten und vermittelte einen umfassenden Eindruck von dieser Zeit. Da diese Epoche auf mich eine gewaltige Faszination ausübt, freute mich dies natürlich ganz besonders. :)


    Ebenso geht mein Dank an alle Mitleserinnen für die interessanten Diskussionen und den informativen Meinungsaustausch.
    Es war eine sehr interessante Leserunde, aus der ich viel neues Allgemeinwissen rund um das Mittelalter mitnehme und die mir viel Spaß gemacht hat.


    Ganz vielen Dank und einen lieben Gruß.

  • Dann will ich auch mal:


    Zum Buch
    Das Buch erzählt von Heinrich Raspe, der sich, auf dem Sterbebett liegend, an sein Leben zurückerinnert. Diese Erinnerungen werden episodenhaft erzählt und scheinen ihm nach und nach in den Sinn zu kommen, wie man sich das gut bei einer kranken Person vorstellen kann. Das Gefühl, neben dieser Person zu sitzen und ihm bei seinen Erinnerungen zuzuhören, ist gut zu spüren und wirkt authentisch.


    Mit dieser Erzählweise wurde ich aber leider nicht so warm, denn das Gefühl neben einem Fremden zu sitzen und viele Lücken in seinen Erzählungen nicht zu erfahren und zu verstehen, ergaben teilweise ein Gefühl von Ausgeschlossenheit. Erlebnisse, die dem Kranken natürlich klar sind, aber nicht erzählt wurden, hätte ich oft gerne auch erfahren. So waren Situationen gerade noch schwierig und man fragte sich, wie sie gelöst werden würden, und im nächsten Moment war das Problem keines mehr und man fragte sich, warum, ohne es aber zu erfahren. Mit Spannung erwartete Aktionen kamen nicht, wurden nur als vollendet erwähnt. Das Lesen war dadurch oft mühsam, fehlende Jahreszahlen zu den einzelnen Sprüngen verstärkten das noch, da man oft erst mit der Zeit herausfand, dass mittlerweile einige Zeit vergangen ist und nicht nur der nächste Tag begonnen hatte.


    Gefühlsmäßig ergab sich bei mir dadurch eine gewisse Distanz beim Lesen, ich beobachtete mehr, als dass ich mich „dabei“ fühlte. Dadurch fehlte mir die Nähe zum Geschehen und zu den Personen, die ich gerne beim Lesen erfahre, und das hinderte mich, in die Geschichte einzutauchen, was mein bevorzugtes „Lesegefühl“ ist.


    Andererseits bot das Buch ein gutes Bild des Mittelalters, auch durch die angepasste Sprache und die lateinischen Einschübe wirkte die Zeit echt. Sehr ausführlich recherchiert wurde das Mittelalter in der Geschichte dargestellt und besonders durch die vielen zusätzlichen Informationen der Autorin wurde das Lesen des Buches zu einer sehr lehrreichen Zeit. Die einzelnen Erinnerungen waren für sich schön und flüssig erzählt und gerade deshalb hätte ich gerne die Geschichte durchgängiger gelesen.


    Trotzdem war es mal eine interessante Leseerfahrung und wenn ich jetzt am Ende des Buches einen Blick auf Heinrich zurückwerfe, sehe ich ihn vor mir im Bett liegen mit all seinen Erinnerungen. Das was er uns von seinen Erinnerungen mitteilen wollte und konnte, hat er getan und nun hat er seinen Frieden gefunden.



    Zur Leserunde
    Diese Leserunde war eine sehr informative und interessante Runde und es wurde viel diskutiert. Sehr bereichernd waren die vielen Zusatzinformationen, die Iris uns geliefert hat. Sie trugen sehr viel zum Verständnis der Zeit bei und haben einige Vorurteile zum Mittelalter korrigiert. Ich habe viel Neues gelernt und danke Iris sehr für ihr Engagement und ihre tolle Begleitung. Ebenso danke ich allen, die mitgelesen haben für den regen Austausch. Es macht immer wieder Spaß ein Buch mit anderen zusammen zu lesen.

  • Das Wort "Geschichte" hat im Deutschen mehrere Bedeutungen. Da ist zum einen die Historie, das Vergangene, das wir mit "Geschichte" bezeichnen und zum anderen der Gegenstand eines Erzählvorganges, "eine Geschichte". Historische Romane wie "Der Pfaffenkönig" verbinden beides.


    Historische Projektionsfläche des Romans ist das Leben Heinrich Raspes, eines mittelalterlichen Adligen und kurzzeitigen Königs, der wohl vor allem deswegen Beachtung findet, weil seine Person mit der bekannten Heiligen Elisabeth von Thüringen verbunden ist. Die Erzählung nutzt diesen Umstand zu einer letztlich unerfüllten Liebesgeschichte, die auch über den Tod Elisabeths hinaus das Leben und Denken des Protagonisten erheblich beeinflusst. Der Roman verweigert jedoch eine stringente, durchgängige Handlung. Er besteht vielmehr aus einer Vielzahl zwar chronologisch geordneter, aber dennoch weitgehend unzusammenhängender Erinnerungssplitter eines tödlich verwundeten Heinrich Raspe auf dem Sterbebett. Diese decken ein weites Spektrum ab - neben der Heiligen Elisabeth tauchen Erinnerungen an drei Ehen auf, an politische Ränkespiele und die Sorgen des Amtes eines Landgrafs. Dadurch wird viel von dem "abgegrast", was die "Geschichte" im Sinne der historischen Vorlage hergibt. Der Autorin gebührt Hochachtung für die ausgesprochen detailreiche Recherche, die sich ind Motiven weitab üblicher Mittelalterklischees von Brot, Not und Tod niederschlägt. In der Leserunde wurde dieses Gefühl weiter bestärkt, da deutlich wurde, dass die Autorin nur einen Bruchteil ihres Wissens hat einfließen lassen und auf zahlreiche Nachfragen ausführliche, vertiefende Antworten gab.


    Mit der Geschichte im Sinne der Handlung/ der Erzählung/ des Plots hatte ich meine Schwierigkeiten. Im Mainstream beginnt ein Handlungsfaden, windet sich durch Irrungen und Wirrungen, wird mit anderen Fäden verwebt und findet einen Abschluss. Nun muss nicht jedes Buch dem Mainstream folgen. Andererseits hat es meist einen Grund, wenn etwas zum Mainstream wird, nämlich den, dass es vielen Leuten gefällt. Ich bin einer von den vielen. Nicht jedes Rätsel muss sich für mich lösen, ich möchte Geschichten gern selbst weiterdenken können, aber beim "Pfaffenkönig" war es mir in dieser Hinsicht zu viel des Guten. Ein schöner Knüpfteppich mit ein paar offenen Enden - gern. Ein Beutel voll abgeschnittener Fäden, die jeder für sich betrachtet ganz hübsche Farben haben und sich nett anfühlen, aber kein Gesamtbild ergeben - das lässt mich unbefriedigt zurück. Ich habe das Gefühl, dass das Basismaterial - die Fäden - die Motive der Geschichte, aber auch das sprachliche Vermögen der Autorin - eine hervorragende Qualität haben, aus der man (= die die Autorin) viel mehr hätte machen können.
    Dazu kommt noch, dass für mich "die Kamera oft am falschen Ort oder nicht im Fokus war". Oftmals haben mich andere Figuren mehr interessiert als Heinrich Raspe, der aber die einzige Perspektivfigur ist, sodass ich auf seine Sichtweise zurückgeworfen bin. Und auch bei den Erlebnissen, die er in seinem Leben hatte, setzt er die Schwerpunkte seiner Erinnerungen oftmals an den für mein Interesse unglücklichen Stellen. Das ist natürlich subjektiv - viele andere Leser mögen das Fehlen von Nahaufnahmen beim Abtrennen diverser Gliedmaßen mit mittelalterlichen Instrumentarien goutieren. Ich habe es über weite Strecken vermisst.


    Ein wackeres Buch. So etwas wie ein Anti-Clavell. James Clavell ist bekanntlich mit historischen Fakten bis zur Schmerzgrenze freimütig umgegangen, hat Ereignisse, die sich im Abstand von Jahrunderten ereigneten, im Sinne der Dramaturgie auf wenige Tage und wenige Hauptfiguren verdichtet. Iris Kammerer dagegen macht im Hinblick auf historische Fakten keinerlei Kompromisse, ordnet sich ihnen als Erzählerin konsequent unter.
    Das Ergebnis ist ein historischer Roman, der mir die mittelalterliche Vergangenheit greifbar machte, auf erzählerischer Ebene aber ein Gefühl der Unvollständigkeit hinterließ.


    Zum Abschluss bedanke ich mich bei Autorin und Mitstreiterinnen für eine lebhafte Leserunde mit interessanten Einblicken. :winken:

  • So, dann will ich auch mal Fazit ziehen.


    Zum Buch: Hier muß ich splitten, denn es hat durchaus Dinge gegeben, die mir hervorragend gefallen haben (auch wenn sich das in meinen Postings in den Einzelthreads vielleicht nicht so angehört hat – ich war da zugegebenermaßen etwas einseitig ;D ), und andere, die mir überhaupt nicht gefallen haben.
    Zunächst zum Positiven, wo zwei Punkte unbedingt zu erwähnen sind. Zum einen ist die sorgfältige Darstellung des mittelalterlichen Umfeldes hervorzuheben, die – wie auch Iris' zusätzliche Kommentare zeigen – intensiver Recherche geschuldet sind. Damit wird erfreulicherweise ein realistischeres Bild des Mittelalters gezeichnet, als es die gemeinhin verbreitete Vorstellung eines „dunklen Zeitalters“ erwarten ließe. Zum anderen kommt das alles noch in einer sprachlichen Form daher, die sich gleichfalls wohltuend von vielen Massenerzeugnissen abhebt. Die lateinischen Einsprengsel taten ein übriges. Aus dieser Kombination hätte eigentlich ein toller Roman werden müssen. Für mich ist er das nicht geworden, weil – und damit komme ich zum negativen – mir einfach eine halbwegs durchgehende Handlung fehlte. Ich erwarte nicht, alle Details „vorgekaut“ zu bekommen, ich denke nämlich auch gerne selbst, aber diese Erinnerungshäppchen, die für Heinrich und sein persönliches Umfeld sicher verständlich, weil mit Kontext versehen, sind, bleiben für mich eine fast sinnlose Aneinanderreihung von Episoden ohne inneren Zusammenhang. Jede für sich war dabei durchaus interessant (auch wenn ich manches Mal das Gefühl hatte, daß im entscheidenden Augenblick abgebrochen wird oder „die Kamera wegschwenkt“) und vermittelte Einblicke in Heinrichs Wesen und Denken, aber daraus puzzelt sich für mich immer noch keine „komplette“ Person zusammen.


    Zur Leserunde: Dadurch, daß ich erst mit reichlich Verspätung eingesteigen konnte, hatte ich schon ein bißchen das Gefühl „hinterherzulesen“, die Diskussionen zu Punkten, die mir aufgefallen sind, waren in der Regel schon gelaufen und ich habe sie deshalb nicht nochmals aufgegriffen. Für diese blöde Konstellation kann natürlich niemand etwas, aber es hat doch dazu geführt, daß sich bei mir kein rechtes Leserunden-Feeling mehr einstellen wollte. An dieser Stelle aber trotzdem und gerade deswegen ein dickes Dankeschön an alle diejenigen, die sich hier trotzdem noch gemeldet haben und vor allem natürlich an Iris für die engagierte Begleitung der Runde.


    Schönen Gruß,
    Aldawen

  • Zur LR


    Ich habe mich auf diese LR gefreut, weil ich seit Längerem mal wieder einen historischen Roman lesen wollte und es mir noch mehr Freude bereitet es in einer LR zu genießen. Leider haben einige anfängliche Ereignisse organisatorischer und persönlicher Natur meinen Start verzögert, sodass ich dem Geschehen hinterher gerannt bin. Trotz dieser Startschwierigkeiten war es für mich dennoch eine recht schöne LR, denn es gab einige die sich auch den Postings der Nachzügler angenommen haben. Sehr gefreut habe ich mich natürlich auch, dass Du Iris bis zum Ende so rege beteiligt bliebst. So hatte zumindest ich das Gefühl noch in einer LR zu sein und fühlte mich nicht so gehetzt. Die Diskussionen und umfangreichen Zusatzinformationen zeugen für mich von großen Engagement für das Projekt, was ich auch sehr hoch schätze. Dafür möchte ich allen "Mitstreitern" und natürlich vorallem der Autorin danken.


    Zum Buch


    Ein historischer Roman, aber doch keiner wie "jeder andere". Die episodenhafte Erzählung des Heinrich Raspe auf dem Sterbebett, wie er seine Erinnerungen ordnet, wie sein Leben an ihm vorbeizieht, ist wunderschön und stilistisch stark umgesetzt. Das bringt Atmosphäre und Stimmung in die Geschichte, was mir persönlich sehr gut gefallen hat, weil es so besonders war. Schnell war klar, dass hier nicht mit einer durchgängigen Handlung zu rechnen ist, da ich aber vor allem zu Beginn des Buches auch selbst nur bruchstückhaft zum Lesen kam, hat das Buch gut zu meiner momentanen Situation gepasst. Mir war es nicht wichtig, alle Zusammenhänge zu erfahren oder ein "rundes" Bild zu erhalten. Es steckt eher Motivation drin, sich mit diesem Teil der Geschichte näher zu befassen. Wenn man diesen Gedanken zuläßt ist es ein wirklich schönes Buch. Aber, selbst diese Konsequenz der Betrachtung konnte es nicht verhindern, dass mir von Zeit zu Zeit bestimmte Personen oder Ereignisse zu kurz gekommen sind. Das lag m.M.n. wohl daran, dass bestimmte Dinge erst näher beleuchtet werden und dann das Gerüst in sich zusammenbricht und man in 1-2 Sätze das Ergebnis präsentiert bekam. Es wurde eine Erwartungshaltung aufgebaut, die dann abrupt in sich zusammenfiel. In der Gesamtbetrachtung erinnere ich mich so an Stellen, die für mich offen bleiben, bei denen ich jedoch gern, fernab von jeglicher realen Geschichtsschreibung, eine "literarische" Info bekommen hätte.
    Trotz allem für mich ein gutes Buch, dessen Lektüre ich nicht missen möchte. :winken:


    Sonnige Grüße
    schokotimmi

  • Hallo Ihr Lieben,


    diesmal habe ich mir einige Zeit gelassen, bis ich hier auch meine Rezension schreibe. Das liegt daran, dass ich doch noch lange über das Buch nachdenken musste und reflektieren, wie ich es jetzt einstufen und was ich davon halten soll. Aber hier jetzt auch mal meine Meinung:


    Das Buch:
    Heinrich Raspe liegt im Sterben. Tödlich verwundet lässt er sein Leben Review passieren und erinnert sich an die besonderen Ereignisse in seinem Leben. Dabei erzählt er seine Erinnerungen zum einen seiner Ehefrau Beatrix und zum anderen seinem Beichtvater Wigo. Die Erzählung dieser Erinnerungen wird dabei genauso episoden- und sprunghaft beschrieben, wie anzunehmen ist, dass es Sterbender sich erinnert. Die Erinnerungen gleichen quasi kurzen Geistesblitzen, die aufleuchten und nach einem kurzen Höhepunkt wieder verschwinden. Man erlebt politische Intrigen, Heinrichs Aufstieg und Fall und bekommt eine Ahnung von dem Menschen Heinrich, der eigentlich nicht zum Herrscher geboren wurde und vllt. anders glücklicher geworden wurde.


    Das Buch ist "anders" als viele andere "historische" Romane, die man sonst liest. Es wird keine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern Heinrichs Erinnerungen aneinandergereiht. Diese Art hat mir am Anfang den Einstieg ins Buch ziemlich schwer gemacht. Hinzu kommt, dass viele unterschiedliche Personen auftauchen, die ich als geschichtlicher Laie schwer einordnen konnte, da aus dem Kontext oft nicht so leicht ersichtlich war, inwiefern diese Person jetzt von Bedeutung ist oder nicht oder in welcher Beziehung sie zu Heinrich steht. Die Beschreibung der Schwägerin Elisabeth ist sehr gelungen, ihre tiefe Gläubigkeit kommen sehr gut beim Leser an und auch wenn ihre Art oft Kopf schütteln bei mir ausgelöst hat, konnte ich sie mir doch gut vorstellen.
    Heinrich bekam erst gegen Ende richtig "Leben" und im letzten Kapitel konnte ich auch wirklich mit ihm mitfühlen. Vorher war das Gefühl, dass man als Leser das Ganze aus der Ferne beobachtet, aber nicht wirklich mit dabei ist.


    Auf die Erzählweise muss man sich einlassen und im Laufe des Buches kann man sich als Leser daran gewöhnen, jedoch fand ich es schwierig mich zurecht zu finden, da keine Zeitangaben gemacht werden und oft nicht klar wird, wie viele Jahre jetzt seid der letzten Erinnerung vergangen sind. Außerdem fand ich es schwer dem Buch ohne Hintergrundwissen zu folgen.


    Insgesamt muss ich sagen, dass man sich auf den Erzählstil einlassen muss und nicht mit der Erwartungshaltung an das Buch gehen sollte, eine Geschichte erzählt zu bekommen, sondern die letzten Erinnerungen eines Sterbenden zu lesen. Das Buch war für mich eine neue und interessante Erfahrung, jedoch kann ich mich leider nicht so richtig damit anfreunden.


    Leserunde:
    Liebe Iris, vielen lieben Dank für deine ausführlichen Erläuterungen und Zusatzinformationen. Ich habe in dieser Leserunde eine Menge gelernt und dank deiner ausführlichen Begleitung konnte ich dem Inhalt doch ganz gut folgen!
    Insgesamt fand ich die Leserunde sehr informativ und die regen Diskussionen super. Ich fand es auch schön, dass die "Nachzügler" auch noch alle fleißig gepostet haben und alle noch mit dabei geblieben sind. Die Runde hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch mit euch zusammen gelesen habe! :-*


    Liebe Grüße
    Tammy


  • Was ich bei meinem Fazit noch vergessen habe:


    Ich finde, wir hatten eine sehr gute und engagierte Moderatorin. Vielen Dank, Thrakonia! :winken:


    Oh ja, dem Kompliment schließe ich mich auf jeden Fall an! 8) Thrakonia, du hast dir wirklich total viel Mühe gemacht! :-*


    Liebe Grüße
    Tammy

  • Nach drei arbeitsreichen Tagen hänge ich mich auch noch mal kurz rein. :)


    Zunächst einmal möchte ich Kathrin meinen Dank aussprechen für die engagierte Begleitung der Leserunde. [Blockierte Grafik: http://www.kiki-net.de/smilies/froehlich/blumen.gif]
    Da der Start gewissermaßen überschattet war durch das verzögerte Eintreffen der verlosten Bücher, hattest du allein schon "technisch" erschwerte Bedingungen.
    Außerdem -- daraus mache ich gar kein Hehl -- ist Der Pfaffenkönig ein Buch, das zumindest in Leserunden immer wieder für Diskussionen sorgt; auch das hat es dir nicht einfach gemacht.
    Deshalb ein großes Dankeschön für dich! [Blockierte Grafik: http://www.kiki-net.de/smilies/liebe/friends.gif]


    Als Kathrin damals auf mich zu kam, hatte ich zunächst Bedenken, denn ich wusste ja, dass die Reaktionen durchaus kontrovers sein können. Die Tatsache, dass hier mit zwei Handlungsebenen gearbeitet wird, von denen die eine, "linear" erzählte, immer wieder von der anderen, deren innerer Zusammenhalt einer anderen Komposition folgt als der linearen Aneinanderreihung von Ereignissen (das ist keine Wertung!), durchbrochen wird, ist nun einmal nicht jedermann/fraus Sache.


    Wenn es euch gefallen hat, freut es mich natürlich; aber selbst wenn es euch nicht wirklich zugesagt hat, ihr dabei trotzdem etwas mitgenommen habt aus der Leserunde, freut es mich auch. :winken:

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus


  • Als Kathrin damals auf mich zu kam, hatte ich zunächst Bedenken, denn ich wusste ja, dass die Reaktionen durchaus kontrovers sein können. Die Tatsache, dass hier mit zwei Handlungsebenen gearbeitet wird, von denen die eine, "linear" erzählte, immer wieder von der anderen, deren innerer Zusammenhalt einer anderen Komposition folgt als der linearen Aneinanderreihung von Ereignissen (das ist keine Wertung!), durchbrochen wird, ist nun einmal nicht jedermann/fraus Sache.


    Wenn es euch gefallen hat, freut es mich natürlich; aber selbst wenn es euch nicht wirklich zugesagt hat, ihr dabei trotzdem etwas mitgenommen habt aus der Leserunde, freut es mich auch. :winken:


    Ja, ziemlich viel Diskussionsstoff bietet das Buch auf jeden Fall, aber das ist ja etwas Gutes: Das Buch wird jedem lange in Erinnerung bleiben! ;D
    Ich habe durch die Leserunde auf jeden Fall eine Menge mitgenommen und bin immer noch total begeistert, mit wieviel Hintergrundwissen du uns versorgt hast! Nochmal vielen lieben Dank für die sehr ausführliche Begleitung! Freue mich schon auf die nächste Leserunde! :-*


    Liebe Grüße
    Tammy

  • Liebe Iris und liebe Erendis,


    vielen Dank auch an euch :winken:
    Es hat mir sehr großen Spaß bereitet, auch die Ausarbeitung des Personenverzeichnisses und die Leserundenfortschrittsanzeige, die ich am Ende dann herausgenommen habe.


    Alles in allem war es eine sehr angenehme Leserunde, trotz des unbeabsichtigten verspäteten Einstiegs - unsere Leserundenpause zu Beginn, war ja nicht allzu tragisch.


    Liebe Iris, wenn du nichts dagegen hast, würde ich einen neuen Leseundenvorschlag zur Tiberiusreihe machen. Vielleicht haben ja noch ein paar hier Lust auf ein historisches Buch von dir mit fiktiven Personen, welches eventuell eher einem breiten Publikum Freude bereiten könnte ;)


    Liebe Grüße
    Kathrin

  • Hallo Thrakonia,


    von mir auch nochmals ein Dankeschön für deine Arbeit und die Zeit die du z. B. für das Personenverzeichnis, etc., investiert hast. Das war eine schöne Idee :-*

  • Liebe Kathrin,



    Liebe Iris, wenn du nichts dagegen hast, würde ich einen neuen Leseundenvorschlag zur Tiberiusreihe machen. Vielleicht haben ja noch ein paar hier Lust auf ein historisches Buch von dir mit fiktiven Personen, welches eventuell eher einem breiten Publikum Freude bereiten könnte ;)


    Meinst du die komplette Trilogie? Das ist aber viel Stoff! :o


    Das können wir ja per PN abklären. Allerdings fürchte ich, dass vor 2008 bei mir zeitlich nichts drin ist ...

    Liebe Grüße,<br />&nbsp; &nbsp; Iris<br />---------------------------------------------------------<br />Aktuelles Buch: Varus

  • Hallo Ihr :winken:


    Nach einiger Zeit hat sich der Inhalt setzen können. Ich habe ihn noch mehrfach gedanklich verdaut und meine Rezension dazu verfasst.


    Rezension


    Heinrich Raspe, ein in der heutigen Zeit doch eher unbekannter Herrscher des mittelalterlichen Europas, liegt mit einer tödlichen Verletzung in seinem Sterbebett und berichtet aus seinem Leben. Die Autorin Iris Kammerer ist eine aufmerksame Zuhörerin, und ihr gelingt es, diese Erinnerungsbruchstücke zu Papier zu bringen. Der geneigte Leser wird zunächst einen lückenlosen Bericht erwarten, doch ist dies aufgrund der Krankheit und der seltener werdenden klaren Momente des Kranken nicht der Fall.


    Das Lesen erfordert ein wenig Aufmerksamkeit, einerseits weil sich die Handlung über drei Zeitebenen abspielt, andererseits können die vielen verschiedenen Figuren mit gleichen oder ähnlich klingenden Namen schnell zu Verwirrungen führen. Eine gewisse Neugier wird erwartet, denn der Inhalt lässt viel Freiraum für eigene Recherchen, ja fordert geradezu auf, weitere Quellen zu bemühen, historische Ereignisse nachzulesen bzw. Wissenslücken zu schließen.


    Der Roman ist in sich schlüssig, chronologisch aufgebaut und abgeschlossen. Dennoch war nach dem Lesen das Bedürfnis, wissen zu wollen, wie es nach Heinrichs Tod weiter ging. Kein Manko im eigentlichen Sinn, eher ein Plus. Der Leser erlebt eine Geschichte aus der Sicht eines Sterbenden, episodenhaft, aber dennoch spannend. Es wird die vergangene Zeit aus einem neuen, anderen Blickwinkel betrachtet, wobei die fundierten Kenntnisse der Autorin einen sehr farbigen Eindruck der Zeit vermitteln und dem Leser nahe bringen.


    Mit einer angenehmen Sprache und einfließenden lateinischen Zeilen wird der Bericht sehr lebendig. Die Gedankengänge des Kranken sind nachvollziehbar, seine Gefühle und Motive glaubwürdig, so als hätten sie so und nicht anders sein können. Seine unerfüllte Liebe, seine Kinderlosigkeit trotz dreier Ehen mit liebenswürdigen Frauen und sein schweres Erbe erfüllen den Leser nach Ende des Buches mit Mitgefühl und Trauer. Um so stärker wird dieses Gefühl, wenn sich die vergangene Zeit in einem anderen Licht präsentiert und Ereignisse, Personen und politische Geflechte anders interpretiert werden, als sie vielleicht waren.


    Iris Kammerer ist mit diesem Buch ein historischer Roman gelungen, welcher die vergangene Zeit aus einem anderen, für einige gewöhnungsbedürftigen Blickwinkel beleuchtet. Die Tatsache, dass ein Personenregister fehlt, ebenso wie eine Landkarte oder orientierende Zeitangaben, ist aus meiner Sicht nicht gravierend, jedoch hätte ich es gern gesehen. Dafür werden die lateinischen Texte im Anhang übersetzt, und der Epilog beleuchtet die historischen Verhältnisse noch etwas eingehender, was nach der Lektüre teilweise sehr erleuchtend war.


    Insgesamt kann ich das Buch nur empfehlen, wer anspruchsvolle aber unterhaltende historische Lektüre sucht, ist mit diesem Buch sehr gut beraten.


    :5ratten:


    :buchtipp:

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen