04 - Kapitel 13 bis Kapitel 18 (Seite 220 bis 296)

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  • Auch durch diesen Leseabschnitt bin ich in der vergangenen Nacht nur so geflogen.


    Jens beschreibt die Szenen wirklich immer so, dass bei mir Kopfkino stattfindet. Als Ferdinand und Lina bei Dr. Schneider so durcheinandersprechen und er sie erst zur Ruhe bringen muss, typischer gehts kaum! Ist Schlafwandeln wirklich erblich?


    Die Streitgespräche zwischen Grundschullehrerin und Onkel sind eine gute Möglichkeit, die Zerrissenheit Linas darzustellen. Schade nur, dass ich im 1. Kapitel eine große Sympathie für Onkel Flossie entwickelt hatte, mich also beim Lesen oft ohne sachlichen Grund gegen die Argumente der Grundschullehrerin stelle. War das beabsichtigt, Jens?


    Args! Wie ich schon fürchtete: Nevermores Nummer ist mit Eleonores Nummer identisch! Das Comic beschreibt die Geschichte von Ferdinands Mutter. Nun kommt es wirklich dicke! Ferdinand wird ermordet. Seine Mutter wurde schon als Fünfjährige und dann 12 Jahre lang in Bordellen missbraucht! Opfer und Täter lassen sich nicht trennscharf unterscheiden. Und dieses kleine Mädchen hat sich in seinem Elend, in seiner Einsamkeit, in seiner Verzweiflung für den Vogel entschieden und trägt danach die Schuld für den Tod eines Menschen durch sein Leben. Der Selbstmord ist für mich bei dieser Vorgeschichte nicht überraschend. Eher, dass diese Frau überhaupt dazu in der Lage war, eine Familie zu gründen, also freiwillig Sex zu haben, damit Ferdinand entstehen konnte. Ich will ja 'mal nicht hoffen, dass Franz sie dazu gezwungen hat.


    Mit Kapitel 15 trifft Jens genau mein Lesegefühl an diesem Punkt der Story.


    Ich kann nicht nachvollziehen, warum Lina als Lebensgefährtin des Versorbenen bei der Beerdigung so weit hinten im Trauerzug geht. (S. 253 Doktor Schneider begleitete Lina, als sie an der Reihe war.)


    Kommissar Öhler ist mir sehr sympathisch. Warum erzählt Lina ihm nicht zumindest das, was sie weiß? Weil sie schlechte Erfahrungen mit der Polizei bei den nächtlichen Vorfällen gemacht hat, die sich als Ferdinands Schlafwandeleien herausstellten?


    Lina fällt nach Ferdinands Tod in ein tiefes Loch. Soweit nachvollziehbar, so geht es vielen Hinterbliebenen. Was mir nicht einleuchten will, ist, dass sie plötzlich auch schlafwandelt und dabei auch noch Handlungen vollzieht, die mit Ferdinands schlafwandlerischen Handlungen fast deckugnsgleich sind.


    Immerhin lüftet sich nun das Geheimnis der Familie Kersky. Grauenvoll!


    Noch zwei Fragen zu Formulierungen:
    (1) Mampft man in Alzey Eis? Bei uns schleckt man Eis, oder man lutscht, isst, leckt Eis. Aber mit Mampfen verbinde ich schnelles Hereinstopfen.
    (2) Ist das ...,oder? am Ende der Sätze eine Marotte von Linas Vater oder regionaltypisch wie das ...,woll? bei den Wuppertalern?

  • sillesoeren: Tja, auch hier "mampft" man Eis nicht, keine Ahnung, warum dort gemampft wird.
    Das "Oder" ist eine Marotte des Vaters - ich finde ihn faszinierend, weil er einerseits so kalt und egozentrisch auftritt, gleichzeitig aber alles wieder in Frage stellt und seine Unsicherheit kaum unterdrücken kann. Ich glaube, dass er im Grunde kein verkehrter Typ ist, der nur nicht mehr aus dem Rahmen des ansozialisierten großen Egals brechen kann. Aber ich kann mich da täuschen ... :)

  • Ja, den Vater von Lina sehe ich auch nicht als völlig ungut an. Er steckt sich mit dem EGAL auch immer wieder bei der üblen Ehefrau an. Er macht ja immer Versuche doch innerlich näher bei Lina zu sein. Das kommt immer wieder durch. Z.B. Seite 250 " Er hob eine Hand, als wollte er Lina über das Haar fahren... ." Da ist schon eine gewisse Einfühlung da. Ich denke aber wirklich, dass er aus dem miesen Dunstkreis seiner "Alten" nicht rauskommt und nie richtig zu seinem echten Gefühl stehen darf, weil er es sich selbst verbietet.


    @Jens: schade, dass der Pfarrer keine trostreichere Rolle spielen durfte :)

  • Über Linas Vater habe ich jetzt noch viele positive Stellen aus dem Buch entnommen. Linas Vater macht immer wieder so sensible Ansätze und macht dann einen Rückzieher. Ich denke nicht, dass er ganz dem großen EGAL verfallen ist, aber er ist zu feige und zu angepasst um Lina ein wirklich guter Vater zu sein.

  • Puh, endlich hat man als Leser ein paar Antworten bekommen und man beginnt das Puzzlemotiv zu erkennen, da tauchen die nächsten Fragen auf. :'(


    Aber immer der Reihe nach! Ganz eindrucksvoll fand ich die Stelle beim Gespräch zwischen Dr. Schneider und Lina & Ferdinand, an der er das Schlafwandeln an sich näher beschrieben hat, insbesondere diese Sätze:

    Zitat

    Es ist ein traumartiger Zustand, während dem der Betroffene in einseitiger Weise für Sinneseindrücke empfänglich ist und zugleich Willenshandlungen ausführt. Die einzelnen Sinne scheinen beim Schlafwandeln seltsam abgeschlossen gegen Reize von außen. (Seite 222)


    Sofort entstand wieder eine Verbindung zu den Menschen, die mit offenen Augen durchs Leben gehen, aber die Vergangenheit einfach nicht sehen (wollen). Auch find ich es stark, wie der Titel immer wieder im Buch aufgegriffen wird. Bisher ist mir das nicht sehr häufig untergekommen, meist schien der Titel nur oberflächlich oder gar nicht mit dem Inhalt des Buches verbunden zu sein.
    @Jens: Hast du dir den Buchtitel selbst ausgesucht oder war das eine Entscheidung des Verlags?



    Args! Wie ich schon fürchtete: Nevermores Nummer ist mit Eleonores Nummer identisch! Das Comic beschreibt die Geschichte von Ferdinands Mutter.


    Das habe ich auch schon befürchtet, schließlich erfährt man lediglich von Nevermore die Häftlingsnummer und nicht von Hugin oder Munin. Nachdem das dann bestätigt wurde, hing man dennoch noch eine Weile in der Luft, was die Schuld betrifft, die Ferdinands Mutter auf sich geladen hat. Nachdem dann aber die ganze Geschichte von Eleonores Vergangenheit erzählt war, musste ich ganz schön schlucken. Von diesen KZ-Bordellen und ihren Nachfolgern habe ich bisher noch nie gehört. Ich kann aber auch die im Roman angesprochenen Bedenken (von Helena Eulinger) verstehen, warum das nicht unbedingt Publik gemacht wurde: man würde den Neonazis und anderen Leugnern des Holocaust u.ä. Argumente in die Hände spielen, die diese für ihre Sache missbrauchen würden.
    Ich habe vorhin beim Durchblättern gesehen, dass du einen kurzen Anhang mitgeliefert hast Jens. War es denn schwer, an Hintergrundinfos heranzukommen, nachdem dieses Thema nun schon so lange unter den Teppich gekehrt wurde? Gab es denn Zeitzeugen, die bereit waren, über ihre Erlebnisse zu sprechen?


    Puh, dass es für Ferdinand kein gutes Ende nehmen würde, war mir fast klar. Aber das hätte ich so nicht erwartet. :o:o Die Brutalität, mit der er ermordet wurde, zeigt ziemlich deutlich, wie ernst es den Leuten ist, die die Vergangenheit begraben lassen möchten. Ich kann verstehen, dass sich Lina danach nicht mehr in die Küche getraut hat, auch wenn die Spurensicherung dort "aufgeräumt" hatte. Die Bilder vor dem inneren Auge lassen sich nicht so leicht wegwischen, wie die Blutlache.



    Die Streitgespräche zwischen Grundschullehrerin und Onkel sind eine gute Möglichkeit, die Zerrissenheit Linas darzustellen. Schade nur, dass ich im 1. Kapitel eine große Sympathie für Onkel Flossie entwickelt hatte, mich also beim Lesen oft ohne sachlichen Grund gegen die Argumente der Grundschullehrerin stelle. War das beabsichtigt, Jens?


    Ich habe auch eine Sympathie für Onkel Flossie entwickelt und deswegen stelle ich mir die Grundschullehrerin immer wie eine ganz strenge alte Frau vor, deren graue Haare im Nacken zu einem Knoten zusammengesteckt sind und deren Brille immer kurz davor ist, von der Nasenspitze zu rutschen. Natürlich trägt sie nur längere Röcke und eine Strickjacke über der Bluse. ;)
    Obwohl mir die Zwiegespräche auch gut gefallen, können sie für mich die Wandlung, die Lina durchmacht, nicht plausibel erklären. So von jetzt auf gleich eine 180°-Wende zu vollziehen und das wochenlang vernachlässigte Haus auf Hochglanz zu polieren, nur damit sich Ferdinands Geist wohlfühlt - ich weiß nicht. Irgendwie geht das einfach zu schnell von statten. In meinem Bekanntenkreis gab es im Juni auch einen ziemlich tragischen Todesfall und die zurückgelassene Freundin muss Tag für Tag darum kämpfen, ins Leben zurück zu finden. Sicherlich ist Lina nicht gleich die Lebensfreude in Person, aber die plötzliche Aktivität erscheint mir etwas übertrieben.


    Dass der ominöse Eulinger eine Frau ist und diese plötzlich vor Linas Tür steht, hätte ich nicht gedacht. Und sie ist auch Odin, der Lina immer wieder emails geschrieben hat. Meine Hypothese, dass Porchert dieser Odin ist, war damit komplett hinfällig. Auch gehört Porchert zu den Verbrechern und hatte somit auch keinen Grund, Lina helfen zu wollen.
    Was Helena dann noch alles aufdeckt, lässt vieles klarer werden und es hebt auch hervor, wie die einzelnen Personen miteinander verbunden sind. Erschreckend, wie sich die Gruppe um "Porchert" eine weiße Weste in der Öffentlichkeit aufgebaut hat und unbescholten zwischen ihren Opfern lebt. Kein Wunder, dass Ferdinands Mutter das nicht mehr ausgehalten hat. Eine grausame Vorstellung, den eigenen Peinigern auf der Straße zu begegnen und nichts ausrichten zu können.


    Helena hat Lina schließlich überredet, dass sie nicht länger schweigen werden, sondern aktiv in das Geschehen eingreifen. Positiv fällt mir Helenas Einstellung auf, dass sie nicht die Familien der Täter, sondern diese selbst erwischen wollen. Wie sie dies aber anstellen werden, das bleibt noch im Dunkeln. Zudem ist auch die Identität des Mannes im Hintergrund, des Sandmanns, unklar. Ich habe da einen bösen Verdacht, aber den möchte ich an der Stelle lieber noch für mich behalten.


    Zwischenfazit: Wenn man endlich in einer Hinsicht klarer sieht, tauchen anderswo neue Fragen auf. ;) Dieses Wochenende werde ich das Buch aber beenden. Ich muss wissen, wie es ausgeht! :lesen:


  • Ja, den Vater von Lina sehe ich auch nicht als völlig ungut an. Er steckt sich mit dem EGAL auch immer wieder bei der üblen Ehefrau an. Er macht ja immer Versuche doch innerlich näher bei Lina zu sein. Das kommt immer wieder durch. Z.B. Seite 250 " Er hob eine Hand, als wollte er Lina über das Haar fahren... ." Da ist schon eine gewisse Einfühlung da. Ich denke aber wirklich, dass er aus dem miesen Dunstkreis seiner "Alten" nicht rauskommt und nie richtig zu seinem echten Gefühl stehen darf, weil er es sich selbst verbietet.


    So ein ähnliches Beispiel in einem ganz anderen Zusammenhang kenne ich leider auch. Die Frau beherrscht die Beziehung und der Mann ist so untergebuttert, dass er nur selten Eigeninitiative zeigt und versucht, aus dem Alltagstrott (bzw. im Roman dem großen EGAL) auszubrechen. Traurig, aber Realität (und bestimmt nicht nur in Einzelfällen!)


    Toll, wie sensibel und unaufdringlich solche Details eingebaut sind. Das ist ein echter Pluspunkt. Obwohl ich das Ende noch nicht kenne, weiß ich doch schon, dass dieser Roman ein echter :buchtipp: ist. ;)

  • Myriel: Der Titel stammt von mir. Ich finde die Thematik des Schlafwandelns faszinierend, und als ich mich näher damit beschäftigte, fand ich es spannend, in welchen literarischen Zusammenhängen das immer wieder ins Bild passt.
    Ich habe sehr lange und intensive Recherchen geführt, zum Thema Schlafwandeln, zum Thema Vergangenheit in Alzey und natürlich zum Thema der KZ-Bordelle. Etwas vereint diese Themen: Man tappt schnell im Dunkeln. Es ist nicht genau geklärt, warum Menschen schlafwandeln. Über KZ-Bordelle ist in der Öffentlichkeit nicht viel bekannt (es gab vor einiger Zeit eine Ausstellung im KZ Mauthausen).

  • Hallo zusammen,


    heftig, heftig - Ferdinand stirbt einen gewaltvollen Tod. Hat er seinem Mörder die Tür geöffnet? Kannte er ihn?
    Kurze Zeit hatte ich ja sogar Franz im Verdacht, der Sandmann zu sein. Es gibt schließlich bei Entführungsopfern das "Stockholm-Syndrom" - vielleicht haben die unvorstellbaren Erlebnisse Ferdinands Mutter auch an ihn "gebunden"... Ja, ich weiß, es klingt fürchterlich, aber irgendwie klang es für mich ein paar Momente plausibel: der Sandmann soll ebenfalls jung gewesen sein, damals, zur Zeit der mobilen Bordelle und Ferdinand könnte eine Art Verdacht gehabt haben, die ihn innerlich gegenüber seinem Vater blockiert haben.
    Andererseits erklärt sich die Blockade ja dann durch Helena: Franz war noch nicht so weit - konnte nicht mit seinem Sohn über dessen Mutter sprechen. Und Franz hat gar nicht den Einfluß, den die Mörder von Helenas Mann gebraucht haben um gedeckelt zu werden. Trotzdem: wo ist Franz (in England)? Warum "versteckt" er sich und hat keinerlei Interesse, bei der Aufklärung zu Ferdinands Tod mitzuhelfen?
    Oder Linas Eltern: wissen sie über Noack bescheid? Immerhin halten sie große Stücke auf ihn und seine Meinung...


    Lina verliert nach Ferdinands Tod den Verstand. Verständlich - und doch sind mir Selbstgespräche, Geistersuche und Rabenunterhaltungen manchmal etwas zu viel. Bei Ferdinand noch nachvollziehbar, wirkt es bei Lina allmählich ein bißchen zu dick aufgetragen... Warum zieht sie sich so in sich zurück - auch schon vor Ferdinands Tod?


    Mobile Bordells nach der Befreiung! Ein menschenverachtendes Unterfangen - die KZ-Opfer einfach weiter zu quälen, ihre Not gnadenlos auszunutzen und sie zum Geld eintreiben zu mißbrauchen... Das alles von Männern, die bald in Amt und Würden zurückfinden, sogar von einem Arzt, der sich verpflichtet hat, Menschen zu helfen. Unfassbar widerlich.
    Die Erklärung, warum dieses "Thema" weiter tabuisiert bleibt, leuchtet ein: welche Frau erzählt schon gerne über solch unmenschlichen Erlebnisse?


    Zu Frau Eulinger und Lina am Ende des Abschnitts: ich denke, Helena schlägt Lina einen Rachefeldzug vor! Schließlich besitzt Lina später (im Keller) einen Revolver...
    Ach übrigens: dass Helena früher oder später auftauchen würde, habe ich irgendwie erwartet, dass sie aber auch Odin ist, hätte ich nie und nimmer gedacht! Die Ähnlichkeiten in den mails (Insekten) erinnerten eher an Porchert (bzw. Kowalski). Jetzt hoffe ich bloß, dass Helena 100%ig koscher ist!


    Jedenfalls bin ich gespannt, wer sich als "Sandmann" entpuppt! :o Und ich denke inzwischen, dass Lina den Brand über ihr wohlbehalten übersteht - Ferdinands tragisches Ende war abzusehen, bei Lina habe ich große Hoffnungen.



    Viele Grüße
    dubh

  • Puh, wirklich starker Tobak, den Du uns hier lieferst, Jens. Ich kann echt nicht viel von dem Buch am Stück lesen, obwohl ich es wirklich superspannend finde!


    Ich muss jetzt auch erst mal klare Gedanken fassen, aber bei Ferdinands Tod kam mir als zweites in den Sinn: Hat er sich umgebracht? Wäre ja möglich, dass er sich ein scharfes Messer selbst über die Halsschlagader gezogen hat. Zutrauen würde ich es ihm. Er war ja höchst depressiv.


    Und Helene ist mir auch etwas suspekt. Zweimal musste ein Mord geschehen, damit sie aufgerüttelt wird?


    Hmm... ich muss - wie oben schon erwähnt - erst mal noch darüber nachdenken.


    Liebe Grüße
    nimue


  • Hmm... ich muss - wie oben schon erwähnt - erst mal noch darüber nachdenken.


    Lass dir Zeit, wir lesen immer noch mit. Mit mir ist das Buch auch noch nicht fertig, obwohl ich danach schon drei andere gelesen habe bzw noch lese...

  • Hallo :winken:


    Der Abschnitt ist gelesen und muss nun erst einmal sacken.


    Hat Ferdinand eigentlich so wenig Vertrauen in Lina, dass er ihr nicht sagen kann, an was er arbeitet und was der Inhalt dieses Briefes ist? Da ist es dann ja wohl verständlich, dass Lina sauer wird und losschreit.
    Auch verständlich, dass sie zu Franz geht und ein paar Antworten erhalten will. Leider ist auch er nicht sehr aufgeschlossen um ihr mehr zu erzählen. An dieser Stelle haben mich die beiden dann doch ziemlich enttäuscht >:(


    Aber immerhin erfährt Lina bei Franz etwas neues, wenn auch nicht von ihm: Ferdinand hat seine Mutter in dem Comic als Nevermore eingebracht. Natürlich tauchte dann als erstes die Frage auf, was das mit Schuld auf sich hat. Ich dachte mir, dass sie doch eigentlich keine Schuld haben kann, da sie doch zu den Opfern zählt. Aber falsch gedacht: Auch sie hat jemanden verraten. Sowas hätte ich dann doch nicht erwartet.


    Dann gleich der nächste Schock: Ferdinand wurde umgebracht. Nur weil paar so Typen ihren Ruf bewahren wollen und ja nichts schlechtes über sich hören wollen bringen sie alle möglichen Leute, die was wissen um. Arbeitet man da nicht eher mit Bestechung als mit Mord? ???
    Am allerschlimmsten fand ich daran, dass sie Lina und Ferdinand so auseinander gerissen haben und Lina in ein tiefes Loch gestürzt haben.


    Was ich von Helena halten soll weiß ich nicht so genau. Sie wirkt einerseits vernünftig und Ferdinand hat ihr auch vertraut, aber andererseits wirkt sie so, als wäre sie als Rache aus und braucht dazu eine Komplizin. Ob das gut geht?
    Ich hoffe Helena stürzt Lina nicht ins Unglück.


    Zu den Beteiligten am Mord (wer genau es war wissen wir ja leider noch nicht): Von Noack dachte ich ja von Anfang an nur schlecht und es wundert mich nicht, dass er zu den bösen gehört. Aber von Dr. Rosen hätte ich das nicht gedacht. Ich fand es zwar komisch, dass er ihn nicht verlegt, aber auf so einen Gedanken wäre ich nicht gekommen.


    So, jetzt würde ich ja sehr gerne weiterlesen, aber leider fallen mir schon die Augen zu und mein Bett übt gerade eine unheimliche Anziehungskraft auf mich aus.
    Dann werde ich die letzten Seiten eben morgen früh lesen, bevor ich mich Goethe zuwende ::)


    Bis morgen
    Chibi

    Du öffnest ein Buch, das Buch öffnet dich. <br />-Chinesisches Sprichwort-

  • Huhu Chibi,


    dass Ferdinand nie etwas gesagt hat, fand ich auch seltsam. Überhaupt empfand ich ihre ganze Beziehung als sehr seltsam und immer mal wieder depressiv.


    Aber immerhin erfährt Lina bei Franz etwas neues, wenn auch nicht von ihm: Ferdinand hat seine Mutter in dem Comic als Nevermore eingebracht. Natürlich tauchte dann als erstes die Frage auf, was das mit Schuld auf sich hat. Ich dachte mir, dass sie doch eigentlich keine Schuld haben kann, da sie doch zu den Opfern zählt. Aber falsch gedacht: Auch sie hat jemanden verraten. Sowas hätte ich dann doch nicht erwartet.


    Ich frage mich auch, ob sie sich wegen dieser Schuld umgebracht hat und nicht wegen dem jahrelangen Missbrauch. Was meint ihr?


    Liebe Grüße
    nimue

  • Entschuldigung das ich erst jetzt wieder schreibe. Ich war eine Woche auf Studienfahrt und hatte keine Gelegenheit mehr vorher ins Netz zu gehen. Inzwischen hab ich den Roman fertig gelesen und musste ihn auch noch eine Weile sacken lassen. Ich hab mir hi und da ein paar Notizen gemacht:


    Ich saß beim Lesen da und hab fast geheult. Da mein Großvater vor ein paar Wochen gestorben ist waren diese Gefühle noch recht frisch, Ich konnte Linas Gefühle hier so gut verstehen. Auch das sie lieber im Hintergrund blieb. Das ganze geheuchle von Menschen die Ferdinand gar nicht richtig kannten... das kann einem schon ganz schön auf die Nerven gehen. Das kann man in dem Moment einfach nicht gebrauchen. Das er umgebracht wurde ist ganz schön heftig. Ich hatte eigentlich erst die Überlegung das er beim Schlafwandeln aus dem Fenster gestürzt ist. Er muss ja ganz schön viel aufgewirbelt haben.


    Das Ferdinand sich so sehr verschlossen hat, das fand ich besonders schlimm. Lina hatte ja gar nicht mehr die Möglichkeit an ihn heranzukommen. Ich kann einerseits verstehen weshalb er das getan hat. Andererseits war ich irgendwie wütend auf ihn. Am liebsten hätte ich ihm eine geklebt damit er endlich aufwacht. Umso schlimmer das die beiden sich im Streit trennen und nicht wieder zu einander finden können. Ab da konnte ich mit Lina auch viel mehr anfangen. Gerade auch ihr ganzes Trauerverhalten nach seinem Tod. Irgenwie konnte ich mir vorstellen das ich ähnlich reagieren würde...


    Einerseits finde ich es sehr sehr traurig das ihre Beziehung so enden musste. Andererseits passt es für mich in die gesamte Stimmung und irgendwie hatte ich immer so einen Verdacht das es für die Beiden keine gemeinsame Zukunft geben würde...


    Helena mag ich nicht. Ich weiß nicht was genau der Grund ist. Aber die hat etwas an sich das mir einfach unsympathisch ist. Ich hatte zuerst den Eindruck das sie nicht ganz echt ist. Irgendetwas stört mich an ihr.


    Der Sandmann... ich würde gerne wissen wer es nun ist. Wer weiß, vielleicht erfahren wir es, vielleicht aber auch nicht. Manchmal macht einem gerade etwas mehr Angst was man nie herausfinden kann.
    Rund um die KZ Bordelle... puh ganz schön krass. Ich war schon sehr schockiert. Gerade eben weil das Regime hier gezielt die Häftlinge gegeneinander aufgehetzt hat und so dafür gesorgt hat das sie selbst Täter wurden.
    Gibt es dazu eigentlich Literatur oder muss man schon suchen um überhaupt Informationen zu bekommen? Das Ferdinands Mutter sozusagen Nevermore ist, das habe ich mir so ähnlich gedacht. Ich war mir schon sicher das der Comic vielleicht mit seiner Mutter zu tun hatte. In welcher Verbindung genau haben wir ja dann im Roman erfahren. Schuld die sich von den Eltern auf die Kinder überträgt ... ich hab mich dieses Jahr schon sehr mit diesem Thema beschäftigt, daher war gerade dieser Gedankengang recht logisch für mich nachvollziehbar. So langsam fange ich an Ferdiand besser zu verstehen.

  • Ich frage mich auch, ob sie sich wegen dieser Schuld umgebracht hat und nicht wegen dem jahrelangen Missbrauch. Was meint ihr?


    Der Gedanke ist mir auch schon im Kopf herumgespukt und je mehr ich drüber nachdenke, desto plausibler erscheint er mir. Allein der Missbrauch hat sicherlich schwere Narben hinterlassen - körperlich und seelisch, aber dass seine Mutter in der Lage war, mit Franz zusammen zu sein und sogar Ferdinand das Leben zu schenken, zeigt mir, dass sie dieses Trauma in einem gewissen Maß überwunden hat. Darüber konnte sie ja auch mit Franz sprechen (denke ich mir zumindest) und Reden hilft oft. Über ihre Schuld hingegen hat sie wohl nie geredet, eben wegen ihren Schuldgefühlen. So konnte ihr auch keiner beim Verarbeiten helfen und die seelische Last wurde mit den Jahren offenbar immer schwerer, bis sie nur noch den Selbstmord als Ausweg sah.




    Einerseits finde ich es sehr sehr traurig das ihre Beziehung so enden musste. Andererseits passt es für mich in die gesamte Stimmung und irgendwie hatte ich immer so einen Verdacht das es für die Beiden keine gemeinsame Zukunft geben würde...


    Das kann ich gut nachvollziehen. Allein von der Grundstimmung her wäre mir ein Happy-End falsch vorgekommen, so wie rosarote Zuckerwatte. Der Kontrast zwischen Verzweiflung, Angst und Unsicherheit und "sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende" wäre mMn viel zu groß gewesen.

  • Der Gedanke ist mir auch schon im Kopf herumgespukt und je mehr ich drüber nachdenke, desto plausibler erscheint er mir. Allein der Missbrauch hat sicherlich schwere Narben hinterlassen - körperlich und seelisch, aber dass seine Mutter in der Lage war, mit Franz zusammen zu sein und sogar Ferdinand das Leben zu schenken, zeigt mir, dass sie dieses Trauma in einem gewissen Maß überwunden hat. Darüber konnte sie ja auch mit Franz sprechen (denke ich mir zumindest) und Reden hilft oft. Über ihre Schuld hingegen hat sie wohl nie geredet, eben wegen ihren Schuldgefühlen. So konnte ihr auch keiner beim Verarbeiten helfen und die seelische Last wurde mit den Jahren offenbar immer schwerer, bis sie nur noch den Selbstmord als Ausweg sah.


    Inzwischen glaube ich, dass nicht nur eine der beiden Tatsachen Schuld an ihrem Selbstmord sind, dass beides zusammen diese Reaktion ausgelöst haben.
    Irgendwie nach dem Motto: Die Mischung machts ::)

    Du öffnest ein Buch, das Buch öffnet dich. <br />-Chinesisches Sprichwort-

  • Ich denke wie Chibi das es wohl eine Mischung war. Irgendwann konnte sie das einfach alles nicht mehr ertragen. Sie hatte ja nie wirklich eine Möglichkeit das Ganze zu Verarbeiten. Außerdem lebte sie in der Gewissheit das die Männer in einem sicheren Leben steckten und niemand ihnen etwas tun würde.

  • Suse

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