Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler!)

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  • Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler in den Rezensionen und verratet nichts Handlungsrelevantes.

  • So, da dies der letzte Tag ist, an dem Rani unsere Leserunde begleiten kann, möchte ich es nicht versäumen, mein Leserundenfazit zu ziehen.


    Zur Leserunde:


    Ich fand die Leserunde sehr lebendig, auch wenn jetzt am Ende etwas ruhiger geworden ist. Die Beschäftigung mit dem Thema Patriarchat und Matriarchat fand ich sehr interessant und lehrreich, und durch die intensive Begleitung durch Rani wurde das Ganze noch vertieft. Auch der Einblick in den Schamanismus hat mich fasziniert und meinen Horizont wieder ein kleines Stückchen erweitert.


    Liebe Rani, vielen Dank für dieses wunderbare Leseerlebnis und für dein Engagement! Du hast dir sehr viel Zeit für uns genommen, was nicht selbstverständlich ist, und bist auf unsere Fragen und Sichtweisen sehr intensiv eingegangen. Außerdem fand ich es toll, dass du uns schon so viel über deine künftigen Romanprojekte erzählt hast, so dass ich nun sehr neugierig auf den weiteren Verlauf bin. Vielleicht können wir ja wieder mal eines davon zusammen lesen, ich würde mich sehr darüber freuen!


    Zum Buch:


    "Die Rabenfrau" ist die Geschichte von Ravan, der Vogelfrau der Eschensippe, die vor ca. 11.500 Jahren in der Nähe des Mains gelebt haben könnten. Ravan bekommt die Berufung als spirituelle Begleiterin ihres Stammes und hat kaum Zeit, sich in ihre Rolle einzufinden, als eine Naturkatastrophe das Leben der Sippe von Grund auf verändert und sie zum Handeln zwingt. Diese Zeit des Umbruchs ist nicht nur durch die veränderte Lebensweise der Sippe geprägt, sondern auch die Machtverhältnisse zwischen den Frauen und Männern, aber auch zwischen den höheren Wesen, die die Geschicke der Menschen lenken, kommen ins Wanken.


    Aus dieser Ausgangslage hat Regine Leisner eine wunderbare Steinzeitstudie geschaffen, die mich von Beginn an faszinierte. Mir gefiel die Darstellung des Lebens in dieser Zeit, als die Menschen sich mit einfachsten Mitteln ihre Lebensgrundlage schaffen mussten und trotzdem mit viel Elan und Geschicklichkeit ihr Leben meisterten. Das spirituelle Leben der Steinzeitmenschen, das geprägt von Schamanismus und Naturreligionen war, fand ich ebenso faszinierend. Und nicht zuletzt war es der Blick auf eine von Frauen beherrschte Welt, in der die Männer nur ein geduldetes Schattendasein führten, der die Lektüre so spannend machte.


    Die Konflikte, die durch das Aufbegehren der Männer in dieser frauenbeherrschte Gesellschaft aufkommen, spielen eine zentrale Rolle in der Handlung. Ich fand es sehr spannend, den Kampf zwischen den beiden Geschlechtern mal aus einer ganz anderen Perspektive zu beobachten und darüber hinaus auch die Auseinandersetzung zwischen den Naturgöttern zu beobachten, die diesen Kampf parallel dazu, aber auf einer anderen Ebene führen.


    Mit Ravan, der Vogelfrau und Godain, dem Schamanen hat Regine Leisner die idealen Hauptfiguren für diese Studie gezeichnet - ich fand die beiden Charaktere sehr fein ausgearbeitet, und insbesondere Ravan war mir durch den zeitweiligen Wechsel in die Ich-Perspektive sehr nahe. Aber auch sehr interessante Nebenfiguren hatten ihren Platz in der Geschichte, so zum Beispiel Imtu, die Vorgängerin von Ravan, oder auch Birkin, die von Anfang an meine Sympathien hatte, weil sie aus meinem neuzeitlichen Blickwinkel die modernste Einstellung hatte. Überhaupt kam mir die Eschensippe mit der Zeit wie eine Familie vor, die ich schon lange kenne. Extra erwähnen möchte ich noch Dachs, der als "verlorener Sohn" die Gemüter bewegt und sich bei mir sehr eingeprägt hat, weil er von Anfang an eine tragische Gestalt ist.


    "Die Rabenfrau" hebt sich wohltuend aus der Flut historischer Romane ab, denn der Roman vereint Spannung und Unterhaltung mit Anspruch und Tiefe. Ich finde "Die Rabenfrau" intelligent konstruiert und überzeugend umgesetzt. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass der Erzählrhythmus nicht über die ganze Handlung hinweg beibehalten wird, sondern am Ende sehr getrieben wirkt, so dass die letzten Kapitel ein wenig an mir vorbeizogen. Aber damit kann ich gut leben, das Buch ist für mich trotzdem sehr gelungen und ich habe die Lektüre sehr genossen. Auf die Fortsetzung freue ich mich schon sehr!


    Viele liebe Grüße :winken:
    Miramis

  • Liebe Miramis,
    ganz herzlichen Dank für Deine freundlichen Worte, die von tiefem Verständnis für das Buch und die erzählerische Absicht zeugen! :-*


    @Alle: Leider ist es für mich allmählich Zeit, mich zu verabschieden. Ich habe die Begegnungen mit Euch von Herzen genossen und mich über Eure fundierten Kommentare, anregenden Fragen und weitreichenden Gedanken sehr gefreut. Es war wirklich eine tolle Phase! Und nun winkt mir der wohlverdiente Winter-Urlaub (Hagfrauen nennen das: Rauhnächte-Rückzug)!


    Falls Euch noch auf die Schnelle eine aller-allerletzte Frage einfällt: Ich schau hier morgen früh nochmal kurz rein - und bin dann mal weg ... bis zum 13. Januar.


    Euch allen ein fröhliches Abschiedswinken! :winken:
    Und ich würde mich freuen, wenn wir uns in den virtuellen Weiten des Raums irgendwann mal wieder über den Weg liefen.
    Vielleicht haben ja ein paar von Euch Lust, "Unter dem Rabenmond" zu lesen oder mich mal auf meiner Internet-Seite zu besuchen.


    Danke nochmal, alles Gute & Schöne für die bevorstehenden Festtage (welcher Art auch immer) und liebe Grüße! :)
    Rani


    *

    A L T E S    W I S S E N    >>>    N E U E S    B E W U S S T    S E I N .

  • Liebe Rani,


    ich möchte mich auch noch mal ganz herzlich bei dir für die super Begleitung dieser Leserunde bedanken. :-* Ich fand die Zusatz- und Hintergrundinformationen sehr spannend und interessant und bin schon sehr neugierig auf neue Bücher von dir.
    An dieser Stelle möchte ich mich auch noch mal entschuldigen, dass ich doch nicht die Zeit hatte, wie ich eigentlich dachte, um mich dieser Leserunde zu widmen und daher auch leider meine Rezension jetzt noch nicht verfassen kann.
    Aber mir hat das Buch sehr gut gefallen und mich vor allem sehr zum Nachdenken gebracht. Trotz allem werde ich hier noch mein abschließendes Fazit schreiben und hoffe, dass du es dann im Januar noch lesen kannst!


    Ich wünsche dir einen erholsamen Urlaub schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr und würde mich freuen, wenn wir bald wieder zusammen ein Buch von dir lesen könnten!


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

  • Liebe Leute,


    nun endlich habe ich es auch geschafft, meine Gedanken zum Buch in eine einigermaßen lesbare Form zu bringen.


    Das Buch:


    "Die Rabenfrau" zu lesen, hat mir großen Spaß gemacht. Ich fand es spannend und unterhaltsam. Dies ist nicht einer dieser historischen Romane, in denen die Personen wirken, als wären sie aus der heutigen Zeit in die Vergangenheit versetzt worden. In dem Buch "Die Rabenfrau" wird eine steinzeitliche Sippe dargestellt, mit unterschiedlichen Charakteren, mit ihrem Alltag, und in ihrer sozialen Dynamik, so, wie es wirklich gewesen sein könnte zur Zeit des Matriarchats und wie es in die steinzeitlichen Lebensbedingungen paßt. Dabei ist die soziale Dynamik gekonnt mit der äußeren Dynamik (einer Naturkatastrophe) verknüpft.


    Die Naturkatastrophe (ein Vulkanausbruch) macht schließlich die Unvollkommenheit der dargestellten matriarchalischen Kultur deutlich: einer Kultur, in der die Männer Menschen zweiter Klasse sind (ähnlich wie die Frauen im Patriarchat - stellenweise liest sich das regelrecht spiegelbildlich), und führt schließlich zur Veränderung der Machtverhältnisse und Stärkung des Stellenwerts der Männer. Dabei wird schon angedeutet, daß auch das Patriarchat keine ideale Gesellschaftsordnung ist (sein wird). Das Überleben der Sippe kann nur durch echte Partnerschaftlichkeit zwischen Männern und Frauen gelingen. Diese Partnerschaftlichkeit wird im Buch gelebt durch Ravan, die Rabenfrau, und Godain, den Schamanen. Da die Geschehnisse aus der Sicht Ravans erzählt werden, ist mir persönlich beim Lesen Ravan wesentlich näher gerückt als Godain, der insbesondere am Anfang des Buches doch ziemlich ungreifbar wirkte.


    Gezeigt wird im Buch auch, wie die religiösen Vorstellungen der Menschen mit ihrer Lebenssituation und ihrer psychischen Prägung zusammenhängen, und wie veränderte äußere Bedingungen sich vermutlich auf Gottesvorstellungen und Rituale ausgewirkt haben. Angenehm fand ich, daß das Buch dabei nie zu sehr ins Esoterische, Magische abgleitet, sondern die Trancezustände, Visionen und psychischen Vorgänge sich stets auf rationaler Grundlage erklären lassen.


    Kritikpunkte habe ich nur wenige. Wie Miramis empfand auch ich das Erzähltempo gegen Ende des Buches als etwas zu schnell, der weitere Lebensweg der liebgewordenen Sippe wurde sehr stichpunktartig dargestellt. Hin und wieder fand ich die Redeweise der Sippenmitglieder etwas zu "modern", und der Einfluß, den das Handeln und die Visionen einzelner Menschen (der Rabenfrau und des Schamanen) auf die Sippe als Ganzes haben können, schien mir stellenweise etwas zu groß. Andererseits ist das Buch ein Roman, also fiktiv, und es spricht nichts dagegen, gesellschaftliche Entwicklungen in etwas gedrängterer Form darzustellen, als sie vielleicht in Wirklichkeit ablaufen würden.


    Insgesamt fand ich das Buch rund und gelungen und auch für jemanden wie mich, mit begrenztem Wissen über die Steinzeit und nur mäßigem Interesse an psychosozialen Belangen, fesselnd und interessant. Man merkt beim Lesen, daß Regine Leisner für das Buch sehr gründlich recherchiert hat und archäologische wie auch anthropologische Erkenntnisse einfließen läßt. Auf jeden Fall ist "Die Rabenfrau" ein Buch, das Lust darauf macht, sich etwas mehr mit dem aktuellen Forschungsstand über die Steinzeit und mit Naturreligionen zu beschäftigen. Schließlich geht es um unsere Vorfahren, von deren Lebensweise und Mythen wir noch heute geprägt sind. Das Buch wirft Fragen auf, an die man vorher vielleicht noch nie gedacht hat und über die man durchaus ein Weilchen nachdenken kann, wodurch möglicherweise auch der eigene Blick auf Aktuelles geschärft wird.



    Leserundenfazit:


    Die Leserunde und die entstandenen Diskussionen haben mir großen Spaß gemacht. Insbesondere möchte ich mich noch einmal bei dir, liebe Rani, bedanken für deine sehr ausführlichen Kommentare und dein Eingehen auf unsere Anmerkungen. Ich hoffe mal, du schaust nach deinem Urlaub hier nochmal rein und liest das. :winken: Deine Beiträge haben mir vieles am Buch doch besser verständlich gemacht. Auch von den Sichtweisen der anderen Leserundenteilnehmer habe ich profitiert. Ich finde es jedes Mal wieder sehr erstaunlich, wie unterschiedlich jeder Teilnehmer das Buch gelesen hat: welche unterschiedlichen Assoziationen, aber auch ähnliche Gedanken wir alle hatten. Ich hoffe nur, daß ich euch nicht damit genervt habe, daß ich manchmal allzusehr ins Detail gegangen bin.


    Viele Grüße
    Katja


    P.S. Ich wünsche euch allen frohe Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! :):winken:

    Einmal editiert, zuletzt von kaluma ()

  • Hallo Ihr Lieben,


    so, dann will ich hier auch mal mein Schlussfazit abgeben!


    Das Buch:
    Bei diesem Buch handelt es sich nicht um die "üblichen" historischen Romane mit einer weiblichen Hauptfigur, die sich gegen alle Widrigkeiten stellen muss und schließlich am Besten doch noch ihr Happy-End erlebt. Vielmehr geht es um Veränderungen, sowohl gesellschaftlicher, als auch umweltbedingter Art und wie die Menschen damit zurecht kommen.
    Im Mittelpunkt steht dabei Ravan. Sie erzählt in Rückblenden die Geschichte ihres Stammes an ihre Nachfolgerin als Vogelfrau ihrer Sippe. Dabei erlebt der Leser zuerst eine kurze Zeit des Idylls, wo zwar schon leichte Differenzen zu erahnen sind, man aber noch nichts von dem kommenden Unglück bemerkt. Der Leser erlebt die Sicht auf eine matriachalische Gesellschaft, in der die Frauen "den Ton angeben" und die Männer entweder in die Sippe aufgenommen werden oder weiter wandern müssen. Dabei wird aber kein Bild von einer ausgeglichenen Gesellschaft gezeichnet, sondern auch klar aufgezeigt, dass es in diesen Strukturen ebenso zu Ungerechtigkeiten kommt, wie in einer patriacharlichen Gesellschaft, nur dass sich die Benachteiligung gegen die Männer und nicht die Frauen richtet.


    Ravan wird zu einer kritischen Zeit zur Rabenfrau gewählt und muss schon bald ihre Sippe durch sehr schwere Zeiten bringen, in denen es nur noch ums nackte Überleben geht. Gleichzeitig trotz oder vielleicht sogar wegen der schweren Zeit, findet eine Umstrukturierung innerhalb der Sippe statt. Einige Männer wehren sich gegen die alten Strukturen und auch bei den Frauen beginnt ein Umdenken, als klar wird, dass beide Seiten ohne einander nicht überleben können. Jedoch zeigt sich bereits hier, dass es nicht einfach zu einem gleichberechtigten Dasein führen wird, sondern der Umschwung ins Patriachart zeichnet sich bereits ab.


    Die Autorin schafft es dabei beim Leser sehr intensive Bilder erstehen zu lassen und zumindest ich konnte sehr tief in die Geschichte eintauchen und das Buch beschäftigte mich sehr während dem Lesen, als auch noch einige Zeit danach. Die Schicksalsschläge, die die Menschen zu meistern haben, sind sehr bewegend geschrieben und mehr als einmal musste ich ziemlich stark mit den Tränen kämpfen.


    Mit der Vogelfrau Ravan wurde ein Charakter geschaffen, den ich sehr gut nachempfinden konnte und den ich sehr bewundert habe. Ravan ist keine Überfrau, die alles kann und immer perfekt ist, sondern der Leser darf auch bei ihren Ängsten dabei sein und sie als Mensch sehen. Als eine sehr starke und weise Frau, die schon früh sehr schwere Entscheidungen treffen muss, aber mutig ihren Weg geht und die Zeit der Veränderung erkennt und entsprechend handelt.


    Das Ende wird schließlich im Zeitraffer nur noch erzählt, was mich persönlich nicht gestört hat, da zu erkennen war, dass die Geschichte von Ravan zu Ende ist und jetzt ihre Nachfolgerin weitermachen muss. Für Ravan persönlich gibt es dann schließlich auch noch eine Art Happy End, dass ich sehr schön und bewegend fand und mich zu Tränen gerührt hat.


    Insgesamt ein sehr schönes Buch, dass ich jedoch nicht einfach mal so nebenbei lesen konnte, sondern für das man sich Zeit nehmen sollte.


    Auf die Nachfolgebände bin ich schon sehr gespannt!


    Die Leserunde:
    Die Leserunde hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht und ich möchte mich hier erstmal nochmal ganz herzlich für die total liebe Begleitung von Rani bedanken und v. a. für die ganzen Hintergrundinformationen, die du uns immer wieder gegeben hast. Vielen lieben Dank! :-* Ich finde es immer wieder spannend, die Hintergründe zu einem Buch zu erfahren, was historischen Tatsachen entspricht und was nicht und was einen Autor dazu bewegt hat die Geschichte zu erzählen!
    Ein ganz liebes Dankeschön auch an alle Mitleserinnen. Diese Runde war zwar nicht von Spekulationen geprägt und teilweise auch ein bisschen ruhiger, jedoch empfand ich das als genau richtig für das Buch. Das Buch selber stimmt einen eher nachdenklich, als dass man viel analysieren bzw. spekulieren möchte! Vielen lieben Dank an euch Mädels (obwohl mich schon auch mal die männliche Sichtweise zu diesem Buch interessieren würde! ;)).


    Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und alles Gute für 2009!


    Liebe Grüße
    Tammy :winken:

  • Rezension


    Ravan wird in einer Zeit des Umbruchs zur Vogelfrau und damit spirituellen Führerin ihres Stammes geweiht. Sie hat den Ruf der Göttin gespürt - ist dadurch aber nicht allwissend, sondern begegnet ihrer Aufgabe unsicher und mit vielen Fragen. Mir hat gefallen, wie genau wir ihren Weg und ihre Entwicklung zu einer weisen Vogelfrau mitverfolgen konnten. Durch das Aufbegehren der Männer gegen das Matriarchat und der Katastrophe eines Vulkanausbruchs hat sie es nicht leicht - was ihre Lehrerin Imtu im Voraus ahnte, ihre Ausbildung verlief deshalb womöglich auch etwas strenger.


    Beeindruckt hat mich auch die Darstellung der Männer und ihrer Gründe für das Aufbegehren gegen die Macht der Frauen. Oft ist es ja leider so, dass diese dann plump als machtgierige Wesen dargestellt werden. Hier ist das komplett anders! Die Ungerechtigkeiten gegenüber den Männern werden aufgezeigt, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Und es gibt ganz bestimmte Dinge, wofür sie kämpfen - z.B. darum, auch ohne eine Frau bei ihrer Sippe bleiben zu können und nicht wandern zu müssen.


    Es gibt auch viele mystische Ereignisse, Elemente aus dem Schamanismus, die meine Neugier weckten. Dabei spürte ich schnell, dass hier jemand davon schrieb, der auch wirklich Ahnung von dem Thema hat und nicht nur einfach etwas geheimnisvolles in die Geschichte bringen wollte. Ich hatte auch den Eindruck, dass diese Erlebnisse nie ohne Grund beschrieben wurden, sondern immer der Verdeutlichung von Ravans Entwicklung dienten.
    Die Auseinandersetzung der Götter fand für mich dann auf einer anderen Ebene statt, in der sie durch die Körper von Ravan und Godain handelten. Es tat mir weh, die beiden als Gegner zu sehen - aber vielleicht wäre das Ende der Geschichte auch ganz anders gewesen, wenn sie sich nicht so nahe gestanden hätten.


    Zum Ende hin gab es einige Kapitel, in denen die Ereignisse nur kurz zusammengefasst wurden. Mich hat das nicht gestört, da ich diese als Übergang zum Ende der Geschichte empfunden habe. Das Buch hätte schon früher zu Ende sein können, aber so begleiten wir Ravan durch ihr komplettes Leben und verfolgen ihr letztes und so wichtiges Gespräch mit dem Raben, bevor es eine etwas andere Art des Happy-Ends gibt. Dieses für mich sehr runde Ende hinterließ mich sowohl glücklich als auch nachdenklich, und ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände. ;D



    Leserundenfazit


    Diese Leserunde war ein echtes Highlight für mich! Vielen Dank euch allen, besonders Rani für die liebe und sehr intensive Begleitung. :-*
    Diese Runde mag vielleicht etwas ruhiger gewesen sein, aber ich habe die grauen Zellen förmlich arbeiten gehört. Das können nicht nur meine gewesen sein. ;) Die Stimmung war nachdenklich, aber für mich auch irgendwie magisch. Ich habe viel mitgenommen, auch was meine eigene Spiritualität betrifft - es ist angenehm zu erfahren, dass man mit seiner Einstellung gewissen Dingen gegenüber nicht so allein ist, wie gedacht.

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen