Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler!)

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  • Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.


    Bitte vermeidet Spoiler in den Rezensionen und verratet nichts Handlungsrelevantes.

  • Ich gebe hier mal mein Fazit ab.


    Zuerst hat es mir wieder sehr viel Spaß gemacht mit euch zu lesen und ich freue mich schon auf das nächste Buch des Autors, aber ich muss noch zwei Jahre warten :o - Gott sei dank habe ich noch zwei ungelesene zu Hause ;D


    Nun zum Buch:
    Inhalt: Der deutsche Student Matthias hat sich an der renommierten Eliteuni Hillcrest eingeschrieben um dort ein Jahr Literatur zu studieren. Dabei lernt er Janine kennen, und ist sofort von ihr eingenommen, aber sie ist mit David liiert. Matthias würde gerne anspruchsvolle Kurse belegen, aber das System lässt das nicht zu. Und ausgerechnet sein "Rivale" David setzt sich für ihn ein.


    Meine Meinung: Am Anfang plätschert das Buch gemächlich dahin, man lernt alle Protagonisten kennen und kann sich einen Einblick in das Leben eines Studenten an einer Elite-Uni verschaffen. Dann beginnen die Geheimnisse und man weiß eigentlich nicht mehr worum es eigentlich geht.
    Geht es nun um Shakespeare und die Frage wer W.H. bei der Widmung seiner Sonetten sein soll oder geht es um den verstorbenen De Vander, einem Mann, der an der Uni aufgrund seiner revolutionären Ideen verehrt wird. Man wird hineingezogen in einen Strudel voller Gedanken rund um die Literatur, lernt zahlreiche Klassiker wie Kleist kennen und wird am Ende mit einer fulminanten Auflösung belohnt.


    Ich habe das Buch in drei Tagen gelesen, weil ich es einfach nicht mehr weglegen konnte. Der Stil von Fleischhauer ist ruhig und dennoch extrem mitreißend.
    Mich hat das Buch zudem animiert mich mehr mit den Klassikern zu beschäftigen. So habe ich während dem Lesen noch "Über das Marionettentheater" und "Die Familie Schroffenstein" von Kleist verschlungen. "Die Räuber" sowie eine Biographie von Schiller und Goethe liegen zudem auch noch bereit.
    Meiner Ansicht nach ist es das bisher beste Buch des Autors.


    Katrin

  • Hallo liebe Leserunde,


    es hat mal wieder richtig Spaß gemacht sich mit euch auszutauschen. Und einen ganz besonderen Dank möchte ich natürlich Wolfram Fleischhauer selbst aussprechen, der sich nicht nur trotz widriger privater Umstände die Zeit für uns genommen hat, sondern überhaupt durch seinen Mut solch ein (ich bin versucht zu sagen) eigenmächtiges Roman zu schreiben bei mir glänzen konnte.


    Dieses Buch, übrigens mein erstes von Wolfram Fleischhauer, war mal etwas ganz anderes für mich.
    Einerseits in einem sehr verständlichen Stil geschrieben, lag die Herausforderung zum Mitdenken zum Thema Literatur sehr oft in den sehr gelungenen Dialogen. Es waren gerade diese Dialoge bzw. wandelnde Gedanken, die mich zu fesseln vermochten, da sie niemals langweilig waren und stets neue Denkanstöße in Gang brachten, die ich mir so vielleicht zuvor noch nie gestellt habe. Hierbei überlässt der Autor es dem Leser selbst, welche Richtung dieser hier einschlagen möchte, denn er hinterfragt viel mehr...
    Aber auch die unterstreichende Thematik der Literatur unter dem Nazi-Regim, eine gewisse Handlungswahl, welche gewisse Figuren im Roman vielleicht hatten oder auch die Folgen, all dessen, fand ich hier in einem sehr gelungenen großen Zenario abgehandelt, dass man sich wohl stets richtg hineinversetzen konnte. Ein Zenario, welches keinesfalls spektakulär sondern viel mehr sehr authentisch zum Leser herüber kommt.
    Es fällt mir schwer, auf all die doch so verschiedenen Einzelheiten einzugehen, die dieses Buch für mich so lesenswert machten.
    Weiterempfehlen werde ich dieses Buch sicherlich. Doch vor allem Menschen, von denen ich weiß, dass sie auch gerne auch mal ein bisschen weiterdenken oder neugierig genug sind auch in der Literatur mal wieder neues verknüpft mit dem "alten" zu entdecken.


    Ein Buch, welches meine Gedanken wohl immer wieder zum Nachdenken bringen wird.


    Grüssle
    Marion :winken:

    "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

  • Da es hier schon seit einiger Zeit etwas ruhiger geworden ist, ergreife ich die Gelegenheit, um mich bei Wolfram Fleischhauer recht herzlich für seine Begleitung zu bedanken; lieber Wolfram, wir rechnen dir das sehr hoch an, dass du dir trotz privater Probleme Zeit genommen hast, um bei uns vorbei zu schauen. Vielen Dank auch an alle Teilnehmer, die bis zum Schluss mitdiskutiert haben; es war sehr interessant, eure Sichtweisen auf den Roman zu erfahren.


    Zum Buch:


    Für mich war "Der gestohlene Abend" ein ganz besonderes Leseerlebnis - das liegt vor allem daran, dass die Handlung autobiographisch ist und vom Autor selbst erlebt wurde. Die Ich-Perspektive fand ich in diesem Fall als besonders intensives Stilmittel, um dem Leser die Geschichte näher zu bringen. Ganz schön mutig von Wolfram Fleischhauer, der Öffentlichkeit so viel Einblick in seine Vergangenheit und in sein inneres Erleben zu geben.


    Dabei sind die Vorgänge an der Hillcrest Universität in Kalifornien natürlich nicht Wort für Wort nacherzählt, Wolfram Fleischhauer hat aus dem Stoff ein tragfähiges Gerüst für eine spannende, unglaubliche und mitreissende Story gebastelt, in der man nie genau weiß - ist das nun genau so passiert oder hat der Autor in seinem Einfallsreichtum einen erzählerischen Trick verwendet, um die wahren Geschehnisse zu umschreiben?


    Die Handlung hat mich stets in Atem gehalten und mir einen ungewohnten Blick in das Leben einer Universität verschafft. Dabei spielt einerseits das ganz normale Studentenleben mit seinen oft überfrachteten Lerninhalten und dem Ringen nach der besten Kombination an Seminaren eine Rolle, andererseits aber gibt es auch eine Ebene hinter den Kulissen, auf der heftigst intrigiert wird und Machtspielchen gespielt werden.


    Den geisteswissenschaftliche Aspekt in der Geschichte fand ich spannend und höchst brisant, ohne allerdings auf eine ausreichende Wissensbasis zu verfügen, um das Ganze halbwegs zu begreifen. Trotzdem war ich mit der Lektüre nie überfordert, denn Wolfram Fleischhauer hat es verstanden, die literaturtheoretischen Abschnitte so zu schildern, dass sie auch für Laien verständlich und interessant ist.


    Faszinierend fand ich die Charakterzeichnungen der Figuren, von denen die wenigsten Fiktion sind und die meisten tatsächlich existieren. Hier prallen im wahrsten Sinne des Wortes Welten aufeinander, und insbesondere bei der Konfrontation mit lange zurückliegenden Geschehnissen während des Dritten Reiches zeigen so manche Figuren plötzlich ihr wahres Gesicht. Diese Entwicklung fand ich sehr schön ausgearbeitet und letztendlich liegt darin auch die Antwort verborgen, warum Wolfram Fleischhauer heute der ist, der er ist.


    Ein spektaktuläres Buch, das sich auf keinen Fall in eine Schublade pressen lässt; eine Handlung, die viele Anworten enthält, aber noch mehr Fragen aufwirft; ein Roman, in dem der Autor sich selbst wiederspiegelt und Stellung bezieht. Und, wie immer, ein Lesegenuss durch den brillanten Schreibstil, der mich von Beginn bis zum Ende gefesselt hat.


    Das ist in jedem Fall ein :buchtipp:


    Viele liebe Grüße :winken:
    Miramis

  • Suse

    Hat das Thema geschlossen